EEE ESS ET
au,
Er E
2 4 ( 62
—M ne
ENT
2
E
Q
8
=
<
2
4
2
i
i
In
w
N
— —
——
1 0%
I
8
.
\ N
SE: N SS
III
III
= SS
II
S
/ Herr wie find dene Werke 0 Er bee, En
Narr achtetfolches
C Suu
i 7
ic lit.,
1 herr
Seen Johann Underjott
| e
und weyland erſten Buͤrgermeiſters der freyen Kayſerlichen
| Reichsſtadt Hamburg,
Grönland und pe; er Shafe Davis,
zum wahren Nutzen der Wiſſenſchaften
und der Handlung. |
Mit Kupfern, und einer nach den neueſten und in dieſem Werke ange
mag gebenen Entdeckungen, genau eingerichteten Landchurte. |
Nebſt einem Vorberichte
von den een des Herrn e e 5
Hamburg / |
verlegts Georg Chriftian Grund, Buchbr⸗ 1746. :
er En nr =
HH. ur # 5
År ik | in 5 1 h LER 8 N 2 1 )
j A ke „ kg KR AL *
a il 1 J i É e 1 41 Ein 75 |
; 2 "2860, ig i 2 ) & SD Må „ Sem * nå 25 mis a
. 5 En er
,
A en NAS id un 4000
i: eee au weten == 1
i å ur“ Y 25 bi kr $ Få 1
VPP b fy be
7 | i N en LA 4 z 19 } AM i 5
ln Tas, 2 ce iter We
e 6 7 PER fr e Fr
81 i ) i
; 5 1 2
7 7 År
Øl FOR
i 2
N
e r
La IX
ö NEN,
5 N i
1
* i „
* U * * 6
4
SNS
„ ER
K RN
e y
1 25 Hy n i; i
2 „ Mal AS { N 7 RY 7
. 6 HEDEN TEN
RN RN SØN ”. Ad SÅS gg 23 PR 44251575 5
e ae 3 El Be ker er MK; * 4 7
SNE eee 2 1 Ve, | 125
af TE:
® m 5 É
AR 1% il 22
N { Ge
Man
3
1 0
D u åg
ÅR ed
e EN
(ds .
FR Vi SA Ve
= * 9 0 AN WM
LA EB mes 22 5
- SØ 8 — A
190% 3
rn! unde
des Herrn a een, |
28) ann id sum u öſtem bin: mir in
nachdenkliche Erwegung gezo⸗
gen, welchergeſtalt der große
Schöpfer Himmels und der Erden den
Reichthum feiner Macht, Weisheit und
Guͤte in den rauheſten noͤrdlichen Gegen⸗
den eben ſo wenig, als in den ſaͤnftern
und waͤrmern Welttheilen unbezeuget ge⸗
laſſen: welchergeſtalt die Naturwunder
dorten eben fo haufig, als anderwaͤrtig,
vorkommen, und den aufmerkſamen Be⸗
4 2 e
Vorrede des Herrn Verfaſſers. |
ſchauer noch auf eine beſondere Alt, olg⸗
lich um fo viel mehr ergetzen, und um fo )
viel fråftiger zum Preife des allgemeinen
Schoͤpfers aufmuntern; ja we ſchergeſtalt wi
endlich die Menſchen daſelbſt auf eben
| fo anmerkenswuͤrdige, obgleich an ſich
unfeinere, und gleichſam froſtige, Weile
in den zu ihrer Erhalt und Nahrung un⸗
| entbehrlichen Geraͤthſchaften und Ge⸗
ſchaͤften, als die bequemer gelagerte, und
beſſer angeführte Volker, nach ihren
Umſtaͤnden, ihre Menſchlichkeit an den
Tag legen: ſo iſt es mir nicht wenig zu
Herzen gegangen, daß ich dabey zugleich
wahrnehmen muͤſſen, wie ſowohl von
den Inwohnern, aus grober Ungeſchick⸗
lichkeit, als von den Auslaͤndern, aus 5
unverantwortlicher Unachtſamkeit, und
ſchnoͤder Geringſchaͤtzung, ſolches alles
bis daher nicht gebührend erwogen und
u wenig berhſſtheaffns von
Sehe
Vorrede bes Herrn Verfaſſers.
| beträchtlichen Gegenden der politern
Welt durch den Druck bekannt gemachet
worden. Es hat mich auch ſofort deſto
pachdruͤcklicher angetrieben, darnach, fo
viel bey meinen Umſtaͤnden thunlich, deſto
fleißiger, doch mit behoͤriger Vorſich⸗
tigkeit, zu fragen, zu forſchen, und was
ich davon zuverlaͤßig erfahren, ohnge⸗
ſaͤumt, um es der Vergeſſenheit zu ent⸗
reißen, aufs Papier zu werfen. N
Vor wenigen Jahren habe ich durch
| Zuſchub eines guten Freundes das
Gluͤck und Vergnuͤgen gehabt, bey Ge⸗
legenheit der damals durch die Daͤnen |
ohnfern der Straße Davis neuau⸗
gerichteten Colonien von denſelbigen Ge⸗
genden aus ein und andern, ſo allda
eine zeitlang geweſen, ein mehrers und
beſſers, als man bisher davon gewußt,
zu erfragen und zu bemercken, welches
ich A Nachricht hinten anzuhangen,
| J))
Vorrede des Herrn Verfaſſers.
| \
entſchloſſen bin. Zu gleicher Zeit und
nachher habe ich mich beſonders bemuͤ⸗
het, von der großen und vieler Urſachen
halber merkbaren Inſel Island, an
ſtatt der verſtuͤmmelten, veralteten und
mit unzaͤhligen groben Fabeln verderbten
Kundſchaften, womit man ſich bis an⸗
itzo vergnügen muͤſſen, etwas neuers,
wichtigers, vollſtaͤndigers und gruͤndli⸗
chers in Erfahrung zu bringen. Hierzu
hat mir die Haupthandlung / welche von
und mit dieſer Inſel gefuͤhret wird, nach
Willen dienen muͤſſen, indem jährlich
verſchiedene Schiffer, auch wohl ein oder
mehrere Unterkaufleute, von daher mit
Flackfiſch, Thran und dergleichen, gera⸗
des Weges nach der an dem Elbſtrom
belegenen Koͤniglich⸗Daͤniſchen Veſte
Gluͤckſtadt kommen, deren ein und an⸗
derer, weil ſie die mitgebrachte Waaren
an gel nen der mae |
ka
Vorrede des Herrn Verfaſſers.
Boͤrſe abzuſetzen pflegen, gemeiniglich
um die verabredete Gelder dafuͤr in Em⸗
pfang zu nehmen, in Perſon ſich in
Hamburg einfindet. Aus dieſen habe
ich die Aufmerckſamſten zu mir fuͤhren
laſſen, und bald durch mancherley Fra⸗
gen, bald durch Vorzeigung verſchiede⸗
ner Naturalien meines geringen Vor⸗
raths⸗ ſie dahin angeleitet daß ſie, was
ihnen von dem natürlichen und poli⸗
tiſchen Zuſtande dieſer Inſel, abſon.
derlich deren Suͤd⸗ und Oeſtlichen
Kuͤſte, (von welcher eigentlich die Waa⸗
ren kommen, damit Handlung mit den
Hamburgiſchen Kaufleuten getrieben
wird) ſamt den auf ſelbiger vorgehenden
Gewerb⸗ und Handelſchaften aus ei⸗
gener Erfahrung bewußt, mir richtig
und umſtaͤndlich erzehlet haben. Was
ich nun von denſelben ſolchergeſtalt her⸗
reg was mir auch fonft von
N
Vorrede des Herrn Verfaſſers
Island auf zuverlaͤßige Weiſe bekannt
Grotte ſolches habe ich anfangs nur
zu meinem eigenen Vergnuͤgen mit weni⸗
gem aufgezeichnet; nachhero aber zur
Aufmunterung meiner Kinder, damit ſie
nämlich die weit größere Wohlthaten und
Beqvemlichkeiten, welche der milde Ge
ber alles Guten uns und unſerm Vater⸗
lande vor jenen in geiſt⸗ und leiblichen ge
ſchenket, deſto lebendiger zu erkennen,
und mit ſo viel tieferer Ehrfurcht und
Dank zu genießen angefriſchet werden
moͤgten, in einige Ordnung gebracht,
und mit beyfaͤlligen, aus der Natur und
andern Wiſſenſchaften entlehnten Be
trachtungen zu erlaͤutern und nutzbarer
zu machen geſucht. Anitzo, da einige
2 eee und 2 2 ) fer ae |
Vorrede des Henn Safir. |
| muthlich noch vielen anderen gleichge⸗
ſinneten zu einer nicht unangenehmen
Nachricht und Erweckung zur Nachfolge
und Ausbeſſerung nach ihren etwan ha⸗
benden beſſern Gelegenheiten, mithin zu
weitern Verherrlichung des großen
Schoͤpfers dienen konnte; fo habe ich,
da wir ja, ein ieder nach unſerm Maaße,
den Ruhm des Allerhoͤchſten und des
Nächten Beſſerung aͤußerſt moͤglichſt zu
befördern verpflichtet find, mich ohn⸗
ſchwer bereden laſſen, gegenwartige Nach 5
richten iedermaͤnniglich, der ſie zu leſen
begehret, in die Haͤnde zu geben, der un⸗
gezweifelten Zuverſicht, daß man meine
dabey geaͤußerte wohlgemeinte Abſicht 5
ſich werde gefallen laſſen, und die etwan
eingeſchlichene Fehler der menſchlichen Un⸗
vollkommenheit, und meinen r 25
. sig PRAHER: |
a Vor⸗
Bon den geben des Herrn Bürgermei-
5 Aubert i en
>
*
8 wird hosen den eeſern ki
N ſeyn, wenn man dieſes Werk mit kur⸗
e zen und beglaubten Nachrichten von
dem Leben des berühmten Verfaſſers begleitet. Aus⸗
waͤrtige lernen dadurch ſeine Verdienſte um den
Staat und die Gelehrſamkeit naͤher kennen: und ſo
viele rechtſchaffene Männer in ſeinem glücklichen Va⸗
terlande Zeugen und Bewunderer feiner unvergeßli⸗
chen Vorzuͤge geweſen ſind; ſo viele werden auch itt
i ni“ 5 A 7
\ Ak
*
einen kleinen Entwurf feiner Lebensumſtaͤnde und
Verdienſte allhier mit deſto groͤſſerem Vergnügen
finden, als man mit gaͤnzlicher Ausſchlieſſung der
Schmeicheley nichts, als Wahrheiten, ob wohlnoch
lange nicht alle meldet, die dem ſel. Herrn Buͤrgermei⸗
ſter Anderſon zum Nachruhm gereichen fönnten.
Herr Johann Anderſon wurde den raten Merz
1674 aus einer angeſehenen Familie gebohren, Sein
Vater war Herr Ammon Anderſon, ein ruͤhm⸗
licher und vornehmer Kaufmann dieſer Stadt; zur
Mutter hatte er Geſa, eine gebohrne Stahlen,
eine Frau, welche wegen ungeheuchelter Froͤmmig⸗
keit und ſittlicher Vorzuͤge ihres Geſchlechts nicht
unbekannt geblieben iſt. Es iſt mein Vorhaben
nicht, ſeinen Ruhm aus dem Geſchlechtregiſter ſei⸗ „
ner Boreltern zu borgen, und feinem Leben durch
ihre löbliche Handlungen einen Glanz mitzutheilen,
der ihm uͤberflüßig waͤre. Ich werde d nur ſei⸗
ne
vonden 2ebensum finden des Hrn. Verfaſſers.
ne Großeltern nennen. Der Großvater, vaͤterli⸗
cher Seite war, Andreas Ammonſon, Kauf⸗
mann und aͤlteſter Rathsherr zu Gottenburg. Aus
deſſen Vornamen, wie in Schweden und andern
Nordlaͤndern der bekannte Gebrauch iſt, des Sohns
Geſchlechtsname, und aus dem Geſchlechtsnamen
des Vaters, des Sohns Vorname gemacht war.
Getrud, eine gebohrne Oluffs, war die Großmut⸗
ter von dieſer Seite. Der Großvater von Mutter
wegen, nannte ſich Johann Stahl, und war hie⸗
ſiger Stadt Oberalter; deſſen Frau, oder die Groß⸗
mutter muͤtterlicher Seite, war Magdalena Ler.
petit, aus Frankfurt am Mayn. RE
Gleich mit der Geburt nahm die Sorgfalt beg
Eltern für die Erziehung ihres Sohns den Anfang.
Sie bemuͤheten ſich ſeine Unſchuld in Sicherheit zu
ſetzen, und ſeinen zarten Verſtand mit allen Erkennt⸗
niſſen zu beleben, deren er nur faͤhig war. Vor al⸗
len Dingen ſuchten ſie den Segen Gottes uͤber ihn
zu ziehen, und er muſte ſich daher zu einer fruͤhen ;
Gottesfurcht, als der einzigen Qvelle aller Gluͤckſe⸗
ligkeiten und eines ewigen Guten, gewöhnen. Man
beobachtete in ſeinen zarten Jahren an ihm ein gu⸗
tes Herz, einen fertigen Verſtand und eine Faͤhig⸗
keit, die der Zukunft etwas Groſſes verſprach. Man
übergab ihn daher zeitig dem Unterrichte geſchickter
Lehrmeiſter, doch ſo, daß die Eltern dabey die Sorg⸗
falt fuͤr ſeine Erziehung, wie gemeiniglich die Mode
iſt, nicht fahren lieſſen, ſondern durch ihre ſorgſa⸗
me Aufmerkſamkeit, den Schuͤler und Lehrer nur
achtſamer und munterer machten. Schon in den
Jahren, da ſich ” vielen das Bewuſtſehn me
merk⸗
i 5 EUR 5
> 7. 6 LD .
Verberiche nen
merklich woch entwickelte ſich en Talent. er
hatte die lateiniſche j griechiſche und hebraͤiſche Spra⸗
chen zu einer Zeit bereits inne, da andere mit Er⸗
lernung derſelben kaum den Anfang machen; und
es iſt bekannt, daß er ſich im Lateiniſchen und Grie⸗
chiſchen eine ſolche Staͤrcke erworben hat, als wenn
er in dieſen Sprachen waͤre erzogen worden. Mit
dieſen Huͤlfsmitteln widmete er ſich der Gottesge⸗
lahrtheit, doch ſo, daß er ſich vorher mit allen Theilen
der Weltweisheit und der Mathematick genau bekannt
machte. Die damahls berühmten Gottesgelehrten,
Doct. Abraham Hinckelmann, und der ſel. Senior
Joh. Winckler, nebſt andern gelehrten Maͤnnern,
deren Privatunterricht man ihn anvertrauet, wa⸗
ren ſeine Anfuͤhrer. Der Entſchluß der Kirche zu die⸗
nen wurde indeſſen aus wohl überlegten Gründen,
und nicht blindlings, geändert, wie gemeiniglich
von denen geſchiehet, welche von der 3 |
heit zur Rechtsgelehrſamkeit uͤberlauffen. Es geſcha⸗
he ſelbſt auf Anrathen des ſel. Doctor Hinckel⸗ |
manns. Die vorgenommene Veränderung ermun⸗
terte feinen glücklichen Fleiß noch mehr, und er legte
einen neuen Grund zu der groſſen Wiſſenſchaft 10 zu
der er wirklich gelanget iſt. |
Im Jahr 1694 den 24ten April begab ſich der
Herr Anderſon im arten Jahre ſeines Alters unter
Anfuͤhrung ſeines Hofmeiſters, Herrn Sebaſtian
Gottfried Starcke, aus Bockendorf! in Sachſen,
nachmaligen Lehrers der morgenlaͤndiſchen Sprachen
zu Greifswalde, der dem ſel. Doctor Hinckelmann,
waͤhrend ſeines Aufenthalts in Hamburg, bey der
re ſeines Alcorans IR geweſen iſt / ur
von den Lebeneumftänden des Hrn. Verfaſſers.
deſſen getreuen Unterricht in den ſchoͤnen Wiſſen⸗
ſchaften er bey 4 Jahren empfangen, nach Leipzig.
Von da that er eine Reiſe weiter in Sachſen, und ließ
ſich die Werke der Kunſt und der Natur fo wohl in
den fuͤrſtlichen Schloͤſſern als Bergwerken zeigen.
Seine geſchriebene Anmerkungen; die er von ſächſi⸗
ſchen Seltenheiten gemacht hat, und die uͤber die acht
Hefte ſtark find, beweiſen gnung, daß er kein blog
ſer Bewunderer geweſen, und ſich ſchon damals
mit der Hiſtorie, der Naturgeſchichte und den Al⸗
terthuͤmern, muͤſſe genau bekannt gemacht haben.
Seine Zurück kreiſe nahm er uͤber Halle, wenige Ta⸗
ge vor der Einweihung dieſer hohen Schule; Allein
ſein ſtrenger Fuͤhrer wolte ſich nicht bewegen laſſen
den Tag dieſer feyerlichen Handlung abzuwarten;
Indeſſen beſahe er doch hin und wieder bey den
Kuͤnſtlern die Anſtalten. Nachdem ſie in Berlin
das Merkwuͤrdigſte kennen lernen, kehrten ſie den
ssten Junii wieder nach Hamburg zurück. 17570
Im Jahr 1695 den sten May gieng er auf An⸗ |
rathen und Gutbefinden feiner vernünftigen Eltern
und Freunde nach Halle. Hier war der geſchickte
Academicus unermuͤdet. Er trieb die buͤrgerlichen
Rechte mit Eifer, und machte ſich mit der Staatz
geſchichte und Naturlehre und allen den Wiſſenſchaf⸗
ten, die einen wahren Rechtsgelehrten bilden, und
ihm unentbehrlich ſind, ſehr genau bekannt. Er
lernete die franzdſiſche, engliſche und italiänifche
Sprache; indeſſen blieb er kein Fremdling i in ſeiner
Mutterſprache, wie die meiſten Staatiſten und
Rechtlehrer der damahligen Zeiten waren; er trieb
dieſelbe und ihre Alterthuͤmer mit ſolcher Emſigkeit,
als
Yorberihen
als wenn dieſes feine Hauptwiſſenſchaft uh ſolte.
Sein Fleiß, feine kluge und ſittſame Lebensart er⸗
warb ihm! die Hochachtung und Liebe ſeiner Lehrer.
Im Jenner 1697 gefiel es der Vorſehung, den
Hen Anderſon durch den Tod ſeines wuͤrdigen
Vaters zu betruͤben. Er verließ daher in aller Eyle
den Sitz der Muſen, und kam den 18ten beſagten
Monats nach Hamburg zuruͤck. Die Zaͤrtlichkeit,
womit er ſeinen Vater geliebet, der nagende Gram
uͤber feinen Verluſt, und die beſchwehrliche Kälte; -
die er auf der Reife ausgeſtanden, bemaͤchtigten ſich
ſeiner Kraͤfte dergeſtalt, daß er eine harte Krankheit
ausſtehen muſte. Kaum war dieſelbe uͤberſtanden,
ſo vermehrte ſich ſein Fleiß mit dem Zunehmen ſei⸗
ner Kraͤfte wieder. Den loten April verließ er
abermal die Seinigen, und trat eine Reiſe nach
Holland an; Hier beſahe er die vornehmſten Oer⸗
ter und Städte, und machte ſich mit den beruͤhmte⸗
ſten Gelehrten und Kuͤnſtlern bekannt Zu Delft
unterhielte er einen vertrauten Umgang mit dem
Naturforſcher Loͤwenhoͤck, die Wunder der Natur,
welche ihm dieſer aufmerkſame Mann zeigte, und
die den Augen erſt e wurden, wenn er die Kunſt
zu Huͤlfe nahm, belebten den Herrn Anderſon mit
dem edlen Eifer, kuͤnftighin ſeine Nebenſtunden der
Unterſuchung der Natur zur Verehrung des Schoͤe
pfers zu widmen. In Leiden machte er ſich mit dem
beruͤhmten Kuͤnſtler Muſchenbrock, der die ſcho⸗
nen Luftpumpen und Vergrdſſerungsgläſer gemacht
hat, nicht weniger bekannt. Von hier that er ver⸗
ſchiedene Reifen zur Zeit der Ryswickiſchen Friedens:
i banapane nach dem Haag, allwo die Bi |
ei⸗
von den Lebensumſtaͤnden des Sn. Verfaſſers.
feines Freundes „unſers, der von ihm erlebten und
noch vieler ferneren Jahre ſo wuͤrdigen Herrn We,
germeiſters Stampel,
Iuſtitiae cuſtos rigidi ſeruator hongfti
In commune bonus g
beiden dig angenehmfte Gelegenheit gab, zu ihrer
in den folgenden Zeiten bey wichtigen Staatsgeſchaͤf;
ten ſich geaͤuſſerten Einſicht und Erfahrung zum
Nutzen des Vaterlandes den Grund zu legen. Sie
erwarben ſich daſelbſt die Gunſt vieler hohen Mini⸗
ſter. Hier kan ich nicht umhin ein paar beſondere
Beyſpiele der goͤttlichen Beſchuͤtzung in Anſehung
des Herrn Anderſon anzufuͤhren. Den raten May
hatte er die Ehre bey Sr. Excell dem Herrn Envoye
von Schrottenberg im Haag zu ſpeiſen. Nach auf
gehobener Tafel fuhr er mit dem Sohne dieſes Herrn
nach Schevelingen, und beſahe die Sandduͤnen, die
hier von der Natur ſowohl angeleget find, daß oh⸗
ne ſie Niederholland von der See wurde uͤerſchwem⸗ ü
met werden. An der See waren damals wegend der
franzöfifchen Caper einige Canonen gepflanzet. In⸗
dem ſie nun an das Ufer hintraten, ließ fig ein
feanzöfifcher Caper mit hollaͤndiſchen Flaggen in der
Naͤhe eines Canonenſchuſſes ſehen; er zog ſogleich
Duͤnkirchiſche Flaggen auf, und that zween Cano⸗
nenſchuͤſſe auf ſie, daß die Kugeln vor ihnen vorbey
ſauſeten; ſie flohen hinter eine nahe dabey ſtehende
Kirche, und dankten Gott für ſeine gnaͤdige Bewah⸗
rung. Wenige Tage nach dieſem Vorfalle ver⸗
ſouͤrte er aber abermal eine deutliche Probe der goͤtt⸗
lichen Obhut. Er beſtieg einen brennenden Kalk⸗
beg, welcher vor ſeinen Fuse einſank, daß er ai
nahe
Dorberiche, u med x ft
nahe mit b in die volle Glutgeſtürzet ware
Ich uͤbergehe andere Vorfälle , bey welcher er Ge⸗
legenheit gehabt, einen allmächtigen Erhalter zu
preiſen: Wie er denn im Junius abermal von ei⸗
ner ſchweren Krankheit genas. Im Julius berei⸗
tete er ſich zu ſeiner Promotion, und den Sten Au⸗
guſt 1697 erhielte er zu Leiden die hoͤchſte Wuͤrde
in der Rechtsgelehrſamkeit, nachdem er vorher de
iuramento Zenoniano diſputiret hatte. Mit die⸗
ſer Wuͤrde kam er den 28ten Auguſt wieder in ſein
Vaterland zuruͤck, und widmete ſich dem Staate
mit Eigenſchaften, die demſelben nuͤtzlich und heil⸗
fam waren.
Kaum hatte er ſeine häusliche Geſchaͤfte in Ord-
nung gebracht, ſo fieng er an, die Rechte derer zu be⸗
ſchuͤtzen und zu vertheydigen, welche in der buͤrger⸗
lichen Geſellſchaft von der Ungerechtigkeit, der Arg⸗
lift und der Zankſucht angefallen wurden. Er war
ein Sachwalter ohne Eigennutz, und bewieſe,
daß es ihm mehr um die gerechte Sache, als um
die geſchwinde Mittel, und Griffe reich zu werden,
zu thun war. Hiedurch erwarb er ſich nicht
allein die Liebe ſeiner Clienten, ſondern auch die
Gewogenheit derer, welche das Endurtheil uͤber
feine Rechtsklagen ausſprachen. Die Vaͤter der
Stadt waren bald darauf bedacht, fi ch der Geſchick⸗
lichkeit dieſes Mannes zu einem naͤhern und allge
meinern Nutzen zu bedienen. Er ſelbſt war damals
entſchloſſen, ſich um keine der hieſigen Wuͤrden und
Aemter zu bemühen , und vielmehr ſeine kuͤnftigen
Jahre den Wiſſenſchaften in einer weiſen und fleißi⸗
gen Stille zu heiligen, zu welchem Ende er auch die
:
von den Lebensumſtaͤnden des Sen, Verfaſſers.
| Abſicht und Hofnung hatte, die maͤßige Zahl der
gelehrten Domherren in Deutſchland durch ſeinen
Beytritt zu vermehren. Gleichwohl wurde er im
Jahr 1702 den 18ten October zum Secretair an
die Stelle des damahligen Licent. Herrn Hein⸗
rich Sillem, welcher in die Stelle des verſtorbe⸗
nen Protonotarius Herrn Albert Schulte Lic.
geruckt war, erwehlet. Er verwaltete dieſes Amt
mit vielem Ruhm und ſeine groſſe Wiſſenſchaft
in dem Zuſammenhange des Staats machte
ihn bey der Ausfuͤhrung der wichtigſten Abſichten
nothwendig. Ein hochweiſer Rath ſahe die Ver⸗
dienſte dieſes redlichen Mannes immer mehr und
mehr ein, und er wurde den ıgten Novemb. 1708
zu einer Würde erhoben, zu welcher allemal Min-
ner genommen werden, welche nicht allein den in⸗
nern, ſondern auch den aͤuſſern Staat vollkommen
kennen, und an den Hoͤfen der Koͤnige das Wohl
ihrer Mitbürger beſorgen koͤnnen. Zum allgemei⸗
nen Vergnuͤgen der Stadt ward er Syndicus, an
die Stelle des Herrn Wolder Scheele, I. V. P.
welche acht Jahr unbeſetzt geblieben war. Seine
Arbeit bey dieſer Wuͤrde haͤufte ſich taͤglich, und ie
mehr fie ſich haͤufte, deſto groͤſſer wurde fein Eyfer
fuͤr das gemeine Beſte. Vielleicht hat man niemals
/
mehr Sorgfalt, niemals eine reinere Beurtheilung
und Einſicht bemerket, als dieienige war, die der
Herr Anderſon bey den damahligen verwirrten
Vorfaͤllen der Republik bewieſe. Es gehoͤret nicht
hieher, den Vorhang von Begebenheiten weg zu zie⸗
hen, die einer ewigen Vergeſſenheit wuͤrdig ſind.
Der * e ſahe 12 auf das gemeine er
| 2 e.
Vorbericht i
ſte. Er vereinbarte das Anſehn des Raths mit der åg
Erleichterung der Buͤrgerſchaft, und er hatte Gele:
genheit durch heilſame Nathſchlaͤge die Ruhe der
Stadt befoͤrdern zu helfen, und den Geſetzen ihre
Kraft wieder zu verleihen, welche durch Zwietracht
und Unruhen gelitten hatten. Sein wichtiges und
muͤhſames Syndicat verwaltete er mit unermuͤdeter
Sorgfalt, und ohne Eigennutz fuͤr ſeine Familie
ganzer funfzehn Jahr. Die kuͤnftigen Bürger wer⸗
den noch den Nutzen zu ruͤhmen haben, welcher
aus ſeinen redlichen Bemuͤhungen ihren Vaͤtern in
dieſen Jahren zugefloſſen iſt. In der Wuͤrde eines
Syndici wurde der Herr Anderſon oͤfters in den
wichtigſten Angelegenheiten an fremde Hoͤfe ver⸗
— —
ſandt. Im Jahr 1711 den Eten Auguſt wurde er
im Namen der Stadt an den Hochſel. Koͤnig von
Daͤnnemark Friederich den IV nach dem Grande
verſandt, und den zıten Auguſt gieng er nach Len⸗
zen, ſchloß alda mit den brandenburgiſchen, hannd⸗ |
verſchen und wolfenbuͤttelſchen Miniſtern einen
Tractat zum Vortheil der Handlung und der Schif⸗
fahrt. Im Jahr 1713 den uten Febr. gieng er nach
Utrecht zum Friedenscongreß, und traf den 24 da⸗
ſelbſt ein. Sein edler Character erwarb ihm gar bald
das Zutrauen der bevollmaͤchtigten kayſerlichen, engli⸗
ſchen, franzöſiſchen, ſpaniſchen, portugieſiſchen und
anderer hohen Miniſter, und er bewirkte nicht al⸗
lein den Nutzen ſeiner Vaterſtadt daß ſie mit in den
Frieden eingeſchloſſen wurde, ſondern er ſorgte auch
zugleich fuͤr die freye Handlung der geſamten loͤ⸗
lichen Hanſeeſtaͤdte. Die Stadt Hamburg hatte
Ai: eine We Ehre von dem klugen und ver⸗
g nluͤnf⸗
von den Lebensumftåndendes orn. Verfaſſers.
nuͤnftigen Betragen ihres Syndici. Nachdem der
Friede den u April zwiſchen Engelland und Frank⸗
reich gezeichnet worden, that er eine Reiſe nach Am⸗
ſterdam, Haag, Leiden, Rotterdam und andern
Orten, theils ſeiner Geſchaͤfte wegen, theils ſeiner
Neubegierde in Beſehung der Bibliotheken, Natu⸗
raliencabinetter, Apotheken und andern auslan-
diſchen Seltenheiten ein Gnuͤge zu thun. Von
Rotterdam gieng er den 17ten Juli zu Schiffe, und
kam in einem ferien Sturm zu Antwerpen den
9 Aug. an. Er beſahe ſo wol das merkwuͤrdigſte die⸗
ſer Stadt, als der herumliegenden, und begab ſich
hierauf wieder nach Utrecht. Endlich trat er den
i7ten Septemb. feine Zuruͤckreiſe an, und kam erſt
den 4fen Junii 1714, nachdem er fich ſowohl am
05 hanndverſchen als braunſchweigiſchen Hofe aufhal⸗
ten muͤſſ en, nach Hamburg. Ich kan nicht umhin
als eine bewunderns wuͤrdige Probe des Fleiſſes
und der Aufmerkſamkeit dieſes Mannes zu beruͤh⸗
ren, daß fein gelehrtes Tagregifter von dieſer Reiſe,
worinnen er von ſeinen Staatsverrichtungen aus
einer gewiſſenhaften Bedenklichkeit nicht das gering⸗
ſte bemerket hat, allein uͤber 200 Bogen ſtark iſt.
Er hat darinn von Tage zu Tage nur bloß einige
beſondere phyſicaliſche, geographiſche, mechaniſche,
bdeonomiſche und andere Merkwürdigkeiten, die
er bey Gelehrten und Kuͤnſtlern geſehen und erfah⸗
ren, aufgezeichnet.
Schon den ten Julii 1714 muſte er wieder auf
den Congreß zu Baden abreiſen, und er war allda
in den Verrichtungen fuͤr ſein Vaterland nicht we⸗
niger gluͤcklich als zu Utrecht. Die Stunden,
b 3 | wel⸗
N 7 Vorbericht nen
welche ihm ſeine Gefchäfte übrig lieſſen / widmete er
der Unterſuchung der Natur und der Alterthuͤmer,
und um ſeine Kenntniß hierinnen noch zu erweitern,
durchreiſete er die Schweiz und beſahe die Wunder
der Alpen. Ich finde von dieſer Reiſe uͤber 30 Bo⸗
gen gelehrter Anmerkungen aufgezeichnet. A
der Mitte des Octobers traf er wieder in Hamburg |
ein.
So wichtig bisher die Geſandtſchaften des Herrn i
Anderſons geweſen, ſo trat er doch die anſehnlichſte
und wichtigſte im Jahr 1715 den 6ten April in Ge
ſellſchaft des damahligen Rathsherrn und nachheri⸗
gen Burgermeiſters Daniel Stockfleth, nach dem
Hofe Ludewig des XIV an. Der Tod dieſes
Monarchen unterbrach ſeine Gefchäfte, und nach
vielen Bemuͤhungen hatte er endlich den 27 Sept.
1716 das Vergnuͤgen den fuͤr Hamburg ſo vortheil⸗
haften Commercientractat mit Frankreich zu ſchlieſ⸗
ſen. Waͤhrend ſeines Aufenthalts an dieſem Hofe
hatte er das Gluͤck von den Prinzen vom Gebluͤte,
und den fremden Miniſtern mit einer vorzuͤglichen
Achtung beehret zu werden, und der Herzog Re⸗
gent und Madame lieſſen ihm beſondere Merk⸗
male ihrer Gnade angedeyen. Man kan leicht „
achten, daß er in dieſem Königreiche, welches ein
Sitz der Wiſſenſchaften und der Kuͤnſte iſt, ſeiner
Neigung zu denſelben ein Genuͤge werde ee ha⸗
ben. Die Bibliotheken und der Umgang mit den
vornehmſten Gelehrten und Kuͤnſtlern waren bey
muͤßigen Stunden ſein Zeitvertreib. Er gieng mit
den gelehrten Benedietinern Montfaucon und la
es den Herrn Fontenelle, Boiuin, eo
Iul-
’ 2
von den Lebensumſtaͤnden des ørn. Verfaſſers.
Iuſſieu, Maraldi, Caſſini, Winslow, Reaumur,
Baudelot, Mahudel &c. und andern beruͤhmten Mit⸗
gliedern von der Academie febr fleißig um. Die Ma:
nufacturfabriqven, die Steinbruͤche und Minen, und
was ſonſt die Kunſt und die Natur ſehenswuͤrdig in
dieſem Koͤnigreiche hervorgebracht, muſten ſeiner Neu⸗
gierde nicht entgehen. Ich koͤnnte der Welt aus ſeinen
Handſchriften, welche von dieſer Reiſe uͤber 100 Bo:
gen ſtark ſind, aus der Naturlehre, der Mechanick,
der Geographie und andern Wiſſenſchaften Nach⸗
richten mittheilen, die ſie eben ſo begierig aufneh⸗
men wuͤrde, als die Reiſebeſchreibung eines Dif:
ſons, eines Tourneforts, oder eines Keißlers. In
dieſem Zeitbegrif des Lebens dieſes wuͤrdigen Man⸗
nes muß ich noch beruͤhren, daß Georg der erſte,
glorwuͤrdigen Andenkens, der noch als Churfuͤrſt
ihn in Hannover kennen lernen, ſehr viel auf ſeine
Staatsklugheit gehalten, und ihn ſehr oft zu den
geheimſten Berathſchlagungen nicht allein gezogen,
ſondern auch ſeine groſſe Einſicht gegen ſeine Mini⸗
ſter zu verſchiedenen malen oͤffentlich geruͤhmet hat.
Dieſe gnaͤdige Zuneigung erfuhr er noch, als dieſer
Monarch abreiſete, um den großbritanniſchen
Thron in Beſitz zu nehmen. Denn als die Ge⸗
ſchaͤfte des Herrn Anderſon durch den Tod Lude⸗
wig des XIV am franzöfifchen Hofe unterbrochen
wurden, lieſſen Sr. Maieſtaͤt durch den Ge:
heimten Rath von Bernſtorff, welcher dieſelben
nach Engelland begleitete, an ihn gelangen, daß er
ſich gleichfals dahin begeben und an den Berath⸗
ſchlagungen und Abſichten Sr. Maieſt. Theil neh⸗
men ſolte. So ens dieſe hohe er
| b 4
Vorbericht FAR 90
Gnade ſo wohl fuͤr den Herrn Anderſon, als für
ſein Vaterland war: ſo ſahe er doch, beſonderer
Umſtaͤnde wegen, genoͤthiget, dieſelbe zu verbitten.
Der Herzog von Braunſchweig Auguſt Wilhelm
ſchaͤtzte und liebte nicht weniger denſelben: Seine
herrliche Eigenſchaften machten, daß dieſer groß⸗
muͤthige Herr ihn zu ſeinem geheimden Rath ernann⸗
te. Allein unſer Syndicus ſchlug dieſe Ehre und
Gnade gleichfals mit Beſcheidenheit aus. Er liebte
ſein Vaterland; er wolte ſich nur bloß demſelben wid⸗
men, und deſſen Gluͤckſeligkeit befoͤrdern helfen.
Auch das Vaterland belohnte ihn.
Inm Jahr 1723 den sten Febr. erhielt er die hoͤch⸗
ſte Wuͤrde der Stadt, er ward Buͤrgermeiſter zur
i allgemeinen Freude der ganzen Buͤrgerſchaft, und
in feiner vieliaͤhrigen Regierung hat fie ihn nicht als
einen Herrn, ſondern als Vater verehret. Im Jahr
1732 wurde er der Aelteſte in der Würde, und nach
der Verfaſſung der Stadt, Generalißimus.
Es wuͤrde ſchwer fallen, die ſo vielen ſchoͤnen Ei⸗ |
genschaften dieſes Mannes in ihrer voͤlligen Groͤſſe
zu beſchreiben. Deſtomehr wuͤnſchen wir ſeinen fuͤr⸗
treflichen Character in den buͤndigſten Worten hier
entwerfen zu koͤnnen, und zu dem Ende wird es uns
erlaubt ſeyn, einige Zeilen aus dem Horaz zu waͤh⸗
len, und itzo uns eigen zu machen, um einen unſerer
Bürgermeister abzubilden, den wir, in vielen Stuͤ⸗
cken, mit den beruͤhmteſten Romiſchen vergleichen
konnten, und an dem die Wahrheit die Eigenſchaf⸗
ten erkennet, welche die Schmeicheley des Horaz dem
Lollius Geige Und > war ein erde
er
Rerum. | |
von den Lebensumſtaͤnden des hun, Verfaſſers.
Rerumque prudens, & ſecundis
Temporibus, dubiüsque rectus.
Vindex auarae fraudis, & abſtinens
Ducentis ad fe cun&ta pecuniae ,
CONSVLQVE non unius anni.
So häufig auch die Geſchaͤfte, die mit Ana Wür⸗
de verbunden ſind, waren, konnte ſie doch ſeine herr⸗
ſchende Neigung nicht unterdrücken: diefe ließ ihn
alles uͤberwinden. Kaum hatte er die Ruhe der Fami⸗
lien geſichert kaum hatte er den allgemeinen Nutzen des
Vaterlandes beſorget, ſo eilete er zu ſeiner zahlreichen
Bibliotheck / wo er alles fand, was ſein gluͤcklicher
Fleiß begehrte, und wo er allein die Erqvickung nach
einer muͤhſamen Arbeit ſuchte. Der Urſprung der
teutſchen Sprache, die Geſetze und Alterthuͤmer der
Teutſchen, und die Naturlehre waren hier hauptſaͤch⸗
lich ſein angenehmer Zeitvertreib. Seine Staͤrke in
den teutſchen Alterthuͤmern find von den beruͤhmteſten
und groͤſten Maͤnnern in dieſer Art ſehr oft erhoben
worden. Leibnitz ruͤhmet ihn dieſerwegen in feinen
Briefen an unſern verewigten Fabricius ſehr oft, und
wuͤnſchet ſich ſeinen Beytrag zur Erlaͤuterung der alten
teutſchen Geſetze. Eckard geſtehet, daß unſer Buͤrger⸗
meiſter ihm hauptſaͤchlich einen Beytrag zur. Verferti⸗
gung feines etymologiſchen Woͤrterbuchs der teut⸗
ſchen Sprache mitgetheilet habe. Wie viel der ſtarke
Kenner der alten teutſchen Sprache Dieterich von
Staden auf ſeine Einſicht und Urtheil in dieſer Sa⸗
che gehalten, meldet uns der fleißige Herr Rector von
Seelen. Seine Einſicht und Beyſtand war nie⸗
mand verſagt, und ſeine Geſchicklichkeit und Ver⸗
‚ mögen gleichen ſeiner Willfaͤhrigkeit. Was fur ei⸗
nen anſehnlichen Beytrag er dem Verfaſſer des Di-
b 5 ctiona-
Vorbericht e e
&ionarii Anglo Suethico- N dem Herrn
Sirenius, damaligen Prediger i in London und itzi⸗
gen Biſchof, „geleiſtet hat, ruͤhmet und erzehlet die⸗
ſer ſelbſt in der Vorrede zu ſeinen Werken. ki
Auſſer der Benhülffe, die er andern Gelehrten ;
that, arbeitete er auch fur fich, und die von ihm hin:
terlaſſene Handſchriften beweiſen ſolches ſattſam. Un⸗
ter dieſen iſt das faſt zum Abdruck fertige Gloſſarium
Jeutonicum et Allemannicum das wichtigſte. Es
iſt dieſes Werk ziemlich ſtark angewachſen, und mit der
gröften Sorgfalt ausgearbeitet worden. Die darin⸗
nen bewieſene Kenntniß der Nordiſchen Sprachen,
woran es Schiltern und Wachtern ohne Abbruch
ihrer Verdienſte gefehlet hat, zeugen von deſſen Wer⸗
the. Es enthaͤlt hauptſaͤchlich Erklaͤrungen der vor⸗
nehmſten Wörter, fo bey den Scribenten Medüi Aevi
vorkommen. Auſſer dieſem findet ſich noch ein ſtarkes
Buch von Obferuationibus Iuris Germanici, ad
ductum Elementorum Iuris Germanici des feel.
Hrn. Heineccii, worinnen nicht allein die alten Teut⸗
ſchen Rechte aus der Etymologie, den Alterthuͤmern
und den dahin gehörigen Urkunden eroͤrtert werden,
ſondern auch dieſes unſterblichen Rechtsgelehrten Saͤ⸗
tze weiter ausgeführet und hin und wieder ſind verbeſ⸗
fort worden. Es werden viele mit mir wünfchen, daß
der wuͤrdige Sohn des gelehrten? Anderſons, welchen
er nach feinen weiſen Grundſaͤtzen erzogen und der auf
feinen Reiſen durch Frankreich das ruͤhmliche Anden
ken ſeines Vaters allenthalben angetroffen und zum
Beyſpiel gehabt hat, Zeit und Muße gewinnen möge,
der gelehrten Welt nicht allein dieſe, ſondern auch fol
e Wale aus ſeinen ia, zu lieffern. Es
e > NØ
| von den Lebens umſtaͤnden des Hrn. Verfaſſers.
finden ſich noch beſonders gelehrte Anmerkungen zum |
lure feudali, zum lure publico und lure ſtatutario
Hamburgenſi. Seine Abſicht in dieſen gehet dahin,
aus der Etymologie die Geſetze und Rechte hauptſaͤch⸗
lich zu erlaͤutern; wodurch denſelben bey der Ausle⸗
gung und dem Gebrauche kein geringes Licht mitge⸗
theilet wird. Bloß die muͤhſame Wuͤrde unſers Buͤr⸗
germeiſters hat ihn verhindert, den Abdruck davon zu
beſorgen. Aus eben dieſer Urſache iſt auch das Gloſ-
ſarium Linguae veteris Saxonicae, fo der ehemali⸗
ge gelehrte Neformirte Prediger in Bremen D. Ger⸗
hard Meyer, welcher von dem berühmten Bremi⸗
ſchen Eutherifchen Gottesgelehrten und Superinten⸗
denten dieſes Namens wohl zu unterſcheiden ift, auf
Leibnitzens Anrathen übernahm, liegen geblieben.
Der unvermuthete Tod des Verfaſſers unterbrach die
Ausführung dieſes Werks; indeſſen entgieng es doch
dem Schickſale, das gemeiniglich ſolchen Schriften be⸗
ſtimmet iſt, da ſie entweder in die Haͤnde der Einfaͤlti⸗
gen und Unwiſſenden fallen, oder auch denen neidiſchen
Manuſcriptenjaͤgern zu theil werden, welche ſie zum
Abbruch der Wiſſenſchaften in Staub und Vergeſſen⸗
heit begraben. Unſer Herr Anderſon bekam daſſelbe
in die Haͤnde; er durchgieng das unleſerlich geſchriebe⸗
ne und aus einigen Baͤnden beſtehende Manuſcript mit
eben ſo vieler Sorgfalt, als der Verfaſſer es entwor⸗
fen und er Muͤhe gehabt hatte, es von deſſen Erben zu
erhandeln. Hin und wieder bereicherte er es mit ſeinen
gelehrten Anmerkungen, und es würde gewiß der Welt
ſchon vor Augen liegen, wenn die uͤberhaͤuften Stadt⸗
geſchaͤfte unſerm Buͤrgermeiſter erlauben wollen, dem⸗
ſelben eine mehrere Ordnung mitzutheilen und fuͤr
eine
>
vi
Vorbericht Tone
eine richtige Abſchrift und Druck zu ſorgen. Dieſes
eben gedachte Gloflarium Linguae veteris Saxoni-
cae muß mit oben angeführtenGloflario Teutonico
et Allemannico nicht verwechſelt, noch fuͤr ein Werk Å
gehalten werden, als welches letztere unferm Anders
fon allein zugehöret. Ich habe dieſe allgemeine Erin⸗
nerung machen muͤſſen, weil ich aus Zuſchriften, die
bey mir eingegangen ſind, wahrgenommen habe, daß
entweder dieſe Werke mit einander verwechſelt, oder
auch fuͤr eins gehalten werden. 1 2
Gleich beym Anfang dieſer Erzehlung habe ich
die Fertigkeit des Herrn Anderſons in den Orienta⸗
liſchen Sprachen beruͤhret; einen beſondern Beweis
davon kann ich nicht uͤbergehen. Als ſich der
Czaar Peter der Erſte in Holland aufhielte, und
von den General: Staaten befohlen war, dieſem
Monarchen alles zu zeigen, was ſich merckwuͤrdi⸗
ges in ihren Provinzen findet, ſo gab ſich der Herr
Anderſon fuͤr einen Griechen aus, deſſen Sprache
er fertig redete, um in dem Kayſerl. Gefolge alles
deſto ungehinderter beſehen zu koͤnnen. Seine
Neigung fuͤr dieſe Sprachen aͤußerte ſich auch in
feinem ganzen Leben, indem er bey feiner Sonn:
tagsarbeit nach abgewartetem oͤffentlichen Gottes⸗
dienſte allemal mit der Grundſprache der heiligen
Schrift ſich beſchaͤftigte und allerhand philologiſche
und phyſicaliſche Anmerkungen uͤber dieſelbe aufſetz⸗
te, ſo noch vorhanden und nicht weniger des Ab⸗
drucks würdig find. Endlich gehören zu den Schrif⸗
ten dieſes gelehrten Mannes gegenwaͤrtige Rach⸗
richten von Island, Groͤnland und der
Straat Davis. Wegen des Innhalts und der
—
Abſicht
N
j '
von den Lebens umſtaͤnden des Hrn. Verfaſſers.
Abſicht derſelben verweiſe ich den Leſer auf des
Hrn. Verfaſſers beſcheidene Vorrede. Ich ſetze
nur noch hinzu, daß man nicht bloß darinnen
ſeine groſſe Gelehrſamkeit, ſondern auch ſein redlich
Geſinnen, da er allenthalben uͤber die anbetens⸗
wuͤrdige Wege der Vorſehung in Erhaltung der
Welt und der Menſchen ſeine Betrachtungen ange⸗
ſtellet hat, antreffen werde. So weit gehen ſeine
| Schriften. Ich ſchweige von dem weitlaͤuftigen ge⸗
lehrten Briefwechſel, den er mit den beruͤhmteſten
Maͤnnern in und auſſer Teutſchland unterhalten hat.
Ein ieder ſchaͤtzte ſich glücklich Bekanntſchaft
mit einem Mann zu haben, deſſen Umgang der al⸗
lervortheilhafteſte war; und ganze gelehrte Geſell⸗
ſchaften bewarben ſich um feine Freundſchaft. Die
Kayſerliche Academie der Naturae Curioſorum
erwehlete ihn im Jahr 1731 ohne ſein Anhalten und
Wiſſen zu ihrem Mitgliede. Da die erfahrneſten
Kenner der Natur, Freunde unſers Buͤrgermeiſters
waren, ſo fiel es ihm deſto leichter ſein auserleſenes
Naturalien⸗Cabinet immer vollkommener zu ma⸗
chen. Er ſcheuete keine Koſten, aus den dreyen
Reichen der Natur dasjenige anzuſchaffen, was zur
Zierde und Vollſtaͤndigkeit deſſelben diente; doch
entfernte er ſich hierinnen von denjenigen, welche |
mehr auf die Vielheit als auf den Nutzen ſehen, und
ohne Wahl und Ordnung alles zuſammen raffen.
In der Anlage folgte er der Natur; ſo, wie dieſel⸗
be ihre richtige Gaͤnge gehet, und ihre Werke nach
und nach zur Reife bringet, ſo findet man ſie auch
in dieſem Cabinette zur Schau geſtellet. Die Hom⸗
bergiſchen Steine, wovon er mehr als 1000 bey
ſein
; Vorbericht 57
ſeinem Aufenthalte in Paris erhandelt hat, ſind ei⸗
ne ſchoͤne Zierde darinnen. Es find dieſes insge⸗
ſammt Abdruͤcke von den Gemmis, welche ſich in
dem Koͤnigl. Cabinette befinden, und zu welchen er
gleichfalls gelehrte Anmerkungen aufgeſchrieben hat,
ſo von andern noch nicht ſind beobachtet worden.
Ich glaube gnug von ſeiner Wahl und klugen Ein⸗
richtungen geruͤhmet zu haben, wenn ich nur melde:
daß der ohnlaͤngſt verſtorbene Herr von Heucher
dieſelbe zum Muſter genommen, als er das Koͤnigl.
Pohlniſche und Churf. Saͤchſ. Dreßdeniſche Natu⸗
raliencabinet einrichten wolte. Da ſich der Ruhm
dieſes Anderſoniſchen Cabinets allenthalben verbrei⸗
tet hat, ſo reiſete nicht leichte ein Fremder, der Sa⸗
chen von dieſer Art zu ſchaͤtzen wuſte, durch Ham⸗
burg, ohne deſſen ſeltenen Vorrath geſehen zu ha⸗
ben. Unſer Buͤrgermeiſter war, nach der ihm ei⸗
| Br Leutſeligkeit, niemals ihrem Verlangen hin⸗
derlich, und diejenigen, die zu ihm gegangen wa⸗
ren, wuſten nicht, ob fie mehr die kluge Wabldes
Beſitzers bey ſo auserleſenen Wundern der Natur,
oder deſſen willfaͤhriges Bezeigen, womit er ihnen
alles zeigte und beſchrieb, ruͤhmen ſollten. Ihre
| Erzehlungen bezogen ſich iedesmal auf beydes. |
So wie die Vorrechte unfers Büͤrgermeiſters
in ſeinen oͤffentlichen Amtsbeſchaͤftigungen und in
der Gelehrſamkeit groß und preiswuͤrdig waren, ſo
zeigten ſich auch ſeine Vorzüge in defii elben Haus
chen Umſtaͤnden. Er wählte ſich im Jahr 1700,
den ızten May zu feiner Gattinn des damahligen
Herrn Decani bey dem hieſigen Hochſtift Peter
| e e Tochter Wan, 0
i a;
von den Lebensumſtaͤnden des Sen, Verfaſſers.
tha; welche ihn aber der Wechſel dieſer Zeit gar zu
fruͤhe nebſt einer mit ihr gezeugten Tochter entriß.
Die Verbindung, welche er hierauf im Jahr 1702
den Aten December mit der aͤlteſten beliebten Toch⸗
ter des vormahligen hieſigen hochverdienten Herrn
Buͤrgermeiſters Peter von Lengerken traf, war
ſo wohl daurhafter als fruchtbarer. Es vermehr⸗
te ſich ſein anſehnlichs Haus mit eilf Zeugen dieſer
begluͤckten und vergnuͤgten Ehe. Von ihrer voll⸗
kommenen Auferziehung, und von der wahren vaͤ⸗
terlichen Vorſorge für dieſelben gibt der einzige
Sohn der gelehrte Herr Doctor das guͤltigſte Zeug⸗
niß. Und eben demſelben ſtimmen die gluͤcklichen
Ehen vier ſeiner angenehmen und tugendreichen
Töchter völlig bey. Wer die anſehnlichen Herren
er Schwieger - Söhne unfers Burgermeifters, den fo
berühmten als erfahrnen Sauf-und Handels⸗Herrn
Hrn. Nicol Preſent, den hochgelahrten Hrn. Li-
centiaten Conr. Dieter. Volckmann, den ſo ge⸗
ſchickten, beliebten und hochgelahrten Licent. und
Amts - Verwalter zu Bergedorf Hrn. Joh. Otte,
und den gleichfalls erfahrnen Handelsherrn Herrn
Wichmann Laſtrop kennet, wird dieſe Wahrheit
mit Vergnuͤgen beſtaͤtigen. Die beyden noch un⸗
verheyratheten Jungfer Toͤchter ſind nicht minder
Früchte einer vernünftigen und ſittlichen Erziehung.
Zu allem, was hier ohne die Wahrheit durch
Schmeicheley zu erheben, geſaget worden, will ich
noch bey dem Beſchluß des Lebens dieſes beruͤhm⸗
ten Mannes einen kurzen Entwurf feines Chara ⸗-
cters machen. Seine Gelehrſamkeit erhellet aus
ſeinen Schriften und feine Ehrenſtellen find eine Be-
lohnung ſeiner Verdienſte geweſen. Sein ganzes
. Leben
; *
| Vorber. von den Lebensumſt. des rn. Verfaſſers.
Leben gehörte der Tugend und der Gottesfurcht,
die von Empfindungen begleitet wurde, welche die
Würden nicht geben konnen. Er ſahe es als et⸗
was ihm unſtaͤndiges an, nur einen Augenblick, der a
nuͤtzlich angewandt werden könnte, unnuͤtz zu ver⸗
lieren. Es war weit unter ihm, ſich eine nieder⸗
traͤchtige Ruhe, und das unſchmackhafte Vergnuͤ⸗
gen, ſo dieſelbe begleitet, zu wege zu bringen, und
dadurch das lebhafte Vergnuͤgen der Arbeit und die
edle Zufriedenheit zu verlieren, welche diejenigen,
ſo wahrhaftig groß ſind, fuͤr andere zu leben, zu
arbeiten und zu ſterben lehret. Keine Zufaͤlle wa⸗
ren vermögend, die ruhige Stille feiner Seele zu be⸗
unruhigen, indem er mit einer Chriſtlichen Auf⸗
merkſamkeit beſtaͤndig uͤber dieſelbe wachte. In
ſein Betragen miſchte ſich nichts murriſches noch
verdrießliches, und ſelbſt diejenigen, welche ſeine
Rechtsſpruͤche anhoͤren muſten, empfanden, daß
allein die Gerechtigkeit, und nicht der Richter An⸗
theil daran hatte. Sein Umgang war ſeinem Wahl⸗
ſpruch, Droit ſans artifice, allemal gemaͤß, und
ſeine Demuth, ſeine Menſchenliebe und ſeine unei⸗
gennuͤtzige Sorgfalt fuͤr das Wohl ſeiner Vaterſtadt
werden bey derſelben in unvergeßlichem Andenken
bleiben. Sein Ende glich ſeinem ruͤhmlichen Le⸗
ben, und wie er ſelbſt in den kleineſten Dingen
groß war, fo war er es nicht minder bey dieſem groſ⸗
ſen und wichtigen Schritt in die Ewigkeit. Er
bergab feine Seele mit einem freudigen und ruhi⸗
gen Gewiſſen feinem Schöpfer und Erldſer den zten
May 1743 im 7oſten Jahre ſeines ruhmvollen Lebens.
* * *
Hamburg den 1 October, 1746.
|
Nach⸗
U
Raten
is É on b.
155 NÅS
Ist ANDIGTÅE
.JDAVIS
55
.
ge ü,,
,
6 men.
2
eie ee,
ØE
Lebe, una ae
le
000
Å
ee e.
Se
\ 7
or
ER,
are?
€
>
en
—
2
= r
Staaten uch
0
Zum, fare me,
Fer ier ten, nd var Bur
e Acdendaage al brand løv
mer Mt water \
\
. stechen V.T Haar Ham: Vera 6, Ø
— . ̃ ˙ 1. I se —— ————]
385 — —
22
we
=
er
re
2.
\ x 7
3) RR & ‚RE ER 0 MOST e
N
Mm 7 Å i SØ N all 70 SS IRS — N |
11 < 7 5 ) > N 72
D. pP 2. J I) : ON |
VER PDT
N
N
8. I,
Zi ie Iuſel Joland „welche zanlſch hoch Daene
> hinauf in der Nord⸗ See gelegen, und Große,
den Königlichen Daͤniſchen Scepter ver⸗
ehret, ſoll, wie man gemeiniglich dafür
3 hält, an die ſiebenzig Daͤniſche Meilwe⸗
ges in der Sänge und ein und vierzig in der Breite halten.
g. II. Sie iſt eine von den großen Nördlichen Bruch? iſt voller
ſtuͤcken der Welt, fo ehemals, und vielleicht zu der Zeit, Klippen,
als der Allmaͤchtige die Erde wegen der uͤbermachten
Sunde des menſchlichen Geſchlechts verderbete, durch de
ne uͤbernatuͤrliche Gewaltſamkeit entſtanden: allermaßen
dieſelbe noch viele und augenſcheinliche Merkmale davon
darſtellet; indem fie nicht allein an ſich von einer ganz un⸗
ordentlichen, und die erlittene Riße und unheilbare Bruͤ⸗
che ſattſam zeigenden Geſtalt, ſondern auch auf allen
Seiten mit ganzen Schaaren von abgerißenen kleinen
blinden, oder doch nur eben uͤber dem Waſſer hervor⸗
guckenden Klippen, die deswegen in den Nordiſchen
Sprachen Schären heißen, mit vielen Holmen, d. i.
kleinen hervorſtehenden gruͤnen, aber unbewohnten
A 2 Ifnſulchen
i
i
4 Nachrichten von Island.
Inſulchen und noch groͤßern bewohnten eigentlich alſo
genannten Inſeln umgeben, nicht weniger innwendig,
oder uͤber ihre ganze Flaͤche mit hohen, rauhen, abge⸗
ſtuͤrzten, gaͤhen und zum Theil durch nimmer gänzlich
ſchmelzenden Schnee und Eis auf viele Faden hoch be⸗
deckten Bergen, oder vielmehr Steinfelſen angefuͤllet iſt .
| EN ee Mess
Dieſe hohe Felſen, oder vielmehr deren oͤberſte, mit
Schnee und Eis, Jahr aus Jahr ein, bedeckte Firſten und
Spitzen, nennen die Islaͤnder, wie ſelbſt aus der Geogra⸗
phiſchen Carte zu erſehen, Joekel oder Joekul (conf. Gudm.
Andreae Lexic. Island.) von dem alten Nordiſchen Worte,
Joekul oder Joekle, welches (iuxta Verel. in Indice Scyth.
Scand.) gefrohrne Waſſer, insbeſondere aber Mues illas per-
petuas in Norwegiae et Islandiae montibus nunquam lique-
ſcentes (in Specul. ſcil. Regio) bedeutet, und von unſern Saͤch⸗
ſiſch und Hartziſchen Bergleuten bis auf dieſe Stunde noch,
nicht unrecht, ob ſie es gleich ſelbſt nicht verſtehen, gebrauchet
wird, wenn ſie die in einigen Druſen, oder natuͤrlichen Grot⸗
ten der Kupfergruben, aus dem Geſtein geſoͤckerte, und ent⸗
weder in herabhangende gruͤn⸗ und blaue Eiszapfen, oder
dergleichen auf dem Boden ſtehende Pyramiden congelirte,
oder gleichſam zuſammen gefrorne, Victriolwaſſer, ſonder⸗
heitlich Joͤckel oder Joͤckelgut benennen, und damit
von anders und krausgewachſenem Victriol, fo fie Ro -
ſengut heißen, in ihrer Bergſprache unterſcheiden. Wel⸗
ches demjenigen gar nicht fremde vorkommen kann, der
weiß, daß die Bergwerke in den Nordiſchen Laͤndern viel
eher gebauet worden, als in Deutſchland. vid. Loccen.
Antiquitt. Sueo - Goth. cap. 1). Und es ließe ſich noch
wohl erweiſen, daß die dazu gehoͤrige Wiſſenſchaften von die⸗
ſen zuerſt nach Deutſchland gekommen, bey uns aber weiter
ausgeuͤbet und mit der Zeit dergeſtalt verbeſſert worden, daß
die Nordlaͤnder hernach wieder bey uns in die Schule gehen
muͤſſen. Immaßen die Schweden fo gar die deutſche Bergs
werksſprache in den mehreſten Dingen nunmehro übernom
men haben. Weshalben ich mich Exempelsweiſe nur allein
auf die von P. O. Wollenio unter des A. Grönwald Praeſi?
dio zu Upfal 1725 gehaltene, und Argentifodinae vt et vr -
bis Salange delineatio betitelte, inauguralem bezogen hør
1 *
Nachrichten von n Jeland. 5
Weshalben fie denn auch mitten inne fuͤr Menſchen ganz
unwohnbar befunden wird, und niemand da hinein ſich
waget, ohne wenn etwa, fo doch ſehr felten und nur im
aͤußerſten Verzweifelungsfall geſchieht, ein offenbarer gro⸗ |
ber Mifferhäter, oder anders hoͤchſtliederliches Geſindel 1
vor der verdienten richterlichen Strafe auf eine kleine
Zeit daſelbſt ſich verbirget, und in den Berghoͤhlen elend
und kuͤmmerlich genug behilft. ö
F. III. Hierzu koͤmmt noch, daß die Insel , durch und men
die von Jahr zu Jahr theils muͤrbe gebrannte, theils los⸗ e fam
geweichte und deswegen abgeſtuͤrzte, nachher durch die reiſ⸗
ſende von geſchmolzenem Schnee und Regen verſtaͤrkete
wilde Bergwaſſer weit und breit verſchlemmete Felstruͤm⸗
mer und Wacken fo angefuͤllet und unwegſam geworden
iſt, daß man mit Wagen und Karren nirgend fahren,
ſondern an den meiſten Orten nur zu Fuße, und an den
beſten nicht anders, als kuͤmmerlich, zu Pferde fortkom⸗
men kann; wobey man allerdings, um nicht anzuſtoßen
und zu ſtuͤrzen, alle Vorſichtigkeit im Reiten und Gehen
von noͤthen hat. Denn kein Menſch giebt fi) die Muͤge
aufzuraͤumen, weil dahier, wie mehrentheils in allen rau⸗
hen und armſeligen Gebirgen, die Inwohner ſo gar we⸗
nig Gelegenheit oder Anlockung zum Reiſen haben.
6. IV. Aus angeregter Beſchaffenheit der Inſel ruͤh⸗ Iſt nicht
ret es ferner her, daß dieſelbe nicht gar volkreich iſt, und kant
nur bloß am Seeſtrande, nicht uͤber 4 bis 5 Meilen tief Hs
ins Land hinein bewohnete Dörfer (denn nach Flecken und
Staͤdten muß man ja nicht fragen) anzutreffen find, wel⸗
che alle meiſtentheils aus wenigen zerſtreueten, und weit
genug von einander geſetzten Haͤuslein beſtehen; maßen
iedweder Bauer gebauet hat, wo er gewollt, das iſt, wo
er ein Plaͤtzgen bequemen Weidelandes gefunden, von
dem er rings um feine Wohnung herum fo viel ſich zuge
eignet und befriediget, als er vermeinet fuͤr ſich und die
ſeinige noͤthig zu haben, und beſtreiten zu koͤnnen. Auf
| A 3 gleiche
Iſt dem
Erdbeben
unterwor⸗
fen.
6 Nachrichten von Island.
gleiche Weiſe wird auch von Zeit zu Zeit noch, wenn ie
mand ſich dazu findet, ohne alle Aufſicht und Ordnung
angebauet, mithin die Zerſtreuung und der eee
ſtets allweiter vermehret.
5. V. Noch mehr aber iſt daran, daß dieſe Just ſo
wenig bewohnet wird, Schuld und Urſache, daß ſie ver⸗
moͤge ihrer inwendigen Bewandniß von Zeit zu Zeit
großen und erſchrecklichen Verwuͤſtungen unterworfen
geweſen und noch iſt: denn da dieſelbe gleichſam nur ein
einziger Felſen, und alſo der Boden in Thaͤlern eben ſo
wohl, als die Berge, von cavernoſer oder hohler Stru⸗
ctur iſt, auch allerley entzuͤndliche Bergarten in großer
Menge in ſich ſchließet; ſo ift fie zu Erdbebungen fo ge⸗
ſchlachtet und faͤhig, als einiges Land auf dem Erdboden
ſeyn mag: geſtalten auch gar oft hie und da wichtige und
ganz beſondere Erdbewegungen verſpuͤret werden. Wo⸗
von mir ein Augenzeuge eine fo merkbare, als ſeltene der
gebenheit erzehlet. Im Jahr 1726, wo ich recht behal⸗
ten, geſchahe es, daß bey Schage⸗Strand (im Norder⸗
theile) i in einer Nacht durch eine heftige Erderſchuͤtterung
ein ziemlich hoher Berg unter ſich weg und fo tief verſank,
daß an der Stelle ein großer tiefer See entſtund, dahin⸗
gegen eben zu der Zeit ein anderthalb Meile davon gele⸗
gener tiefer See (den die Anwohner fuͤr unergruͤndlich
geſchaͤtzet) nicht nur ganz ausgetrocknet, ſondern deſſen
Boden zugleich ſo hoch heraus gehoben wurde, daß er itzo
Der Grund
iſt voller
Schwefel
und Sal⸗
hoͤher, als das alte daherum belegene Land, ſtehet. Eine
Geſchichte, die vermuthlich zur Zeit der Suͤndfluth W |
gleichen viele gehabt,
§. VI. Allein wie ſolche Erdbebungen nicht wohl
ohne hauptſaͤchliche Mitwirkung des Erdfeuers zu begrei⸗
fen: alſo find dieſelbe, wenn fie ſich dahier eraͤugen, ge⸗
meiniglich auch mit gewaltigen und hoͤchſtſchaͤdlichen Feuer⸗
ausbruͤchen vergeſelſchaftet. Ich will zuerſt der Erd⸗
N webt Man darf! nur die obere ge ab⸗
i de 85
Nachrichten von Island. 7
decken, oder etwa ein Viertheil einer Ellen tief graben,
ſo findet ſich ſo fort in Menge, ja wohl klumpenweiſe,
der Schwefel, auch viel Salpeter, wodurch nicht allein
uͤberhaupt die Fruchtbarkeit des Bodens gewaltig behin⸗
dert wird, ſondern nicht ſelten durch innwendige Gaͤh⸗
rung mit den eiſenhaltigen Schwefelkieſen ſolche Entzuͤn⸗
dungen entſtehen, die in helle Flamme ausbrechen, unter
und auf der Erde fortlaufen, und einen bald groͤßern,
bald kleinern Landſtrich dermaßen ausbrennen und vers
derben, daß er ganz erſtirbet und auf ewig untauglich
wird. Woraus ſich recht eigentlich begreifen laͤſſet, was
Deut. XXIX, 23 geſaget wird: „daß der Herr alles
„Land der ausgebrannten Staͤdte mit Schwefel und
„Salz verbrannt habe, daß es nicht beſaͤet wer⸗
„den mag, noch waͤchſet, noch kein Kraut dare.
„innen aufgehet. Noch vor wenig Jahren, nehmlich
1729, entſtand jählings ein dergleichen Erdbrand im Nor⸗
dertheil der Inſel, und zwar im Diſtrict Huuswich, wo⸗
durch das Dorf Myconfu dergeſtalt verderbet wurde, daß
das tragbare Land, Kirche und Haͤuſer, ſamt Schafen,
Pferden und Hornviehe auf einmal zu Aſchen verbrannte,
und die Flamme ſo geſchwinde fort lief, daß die Men⸗
ſchen kaum mit der ſchnelleſten Flucht ihr bloßes Leben
retten kunnten. Ja es ſtunden dabey ſechs nahegelegene
Kirchſpiele in der allergegenwaͤrtigſten Gefahr, daß ih⸗
nen allen zugleich das Garaus durch dieſen Brand wuͤrde
gemacht werden. Allein durch gnaͤdige Fuͤgung Gottes,
der mitten im Zorn an Gnade gedenket, blieb es bey
drehen, und wurde nach einigen Tagen durch gar dicke
Nebel und einen heftigen Regen das Feuer, dem kein
menſchlicher Rath wehren kunnte, glücklich gedaͤmpfet *.
| FS. VII.
* Ein gleichmaͤßiger Erdbrand entſtand von ſelbſten in
dem 1732 Jahre auf dem ſogenannten Jan-Mayen-Eylande,
welches eben auch wie unſer Island einer von den Nordiſchen
Welttruͤmmern, und derſelben gar gleich, doch ganz unbe
A 4 wohne
\
s Nachrichten von Ialandı
Daher find 5. VII. Nechſt dieſem find die Berge wegen der vor⸗
bene hin angedeuteten, fie felbft noch mehr angehenden inner⸗
1 5 dar⸗ 0 | N lichen
wohnt und unwohnbar iſt, ohnfern von Spitzbergen und
Groͤnland belegen, und in die Laͤnge auf 6 deutſche Meilwe⸗
ges nach der Schiffer Muthmaßung, ohne ſonderliche Breite,
aus Suͤdweſten gegen Nordoſten ſich erſtreckend, mit lauter
kleinern und groͤßern Klippen, oder Felſen, die ganz nackend
find, überall bedecket. An ihrem noͤrdlichen Ende erhebet
ſich der von der Menge der ehemals bey demſelben wahrge⸗
nommenen Baͤren, alſo genannte Baͤrenberg zu einer ſolchen
Hoͤhe, daß er, wenn der Himmel woͤlckicht iſt, mit ſeiner Spi⸗
zen über die daran hinſtreichende Unterwolken reichet, und
ey hellem Wetter bis auf 32 Meilweges, wie mich unſere
Schiffer deſſen verſichert, geſehen werden kann. Er iſt an
ſich wie die uͤbrige ganz kahl, ohne Geſtraͤuch, Kraͤuter und
Erde, zu oberſt beſtaͤndig mit Schnee oder Eis bedecket, und
nur allein am Fuße, wo aus dem Miſte, der allhier (wegen
der vielen auf den Gruͤnden ſich enthaltenden Meerkrabben
oder Garnaten) in unbeſchreiblicher Anzahl niſtenden Strand⸗
voͤgel eine dünne Mooß⸗ und Erdrinde ſich anſetzet, mit der
hieſiger Orten fuͤr die vorbeykommende Groͤnlands fahrer ſo
noͤthigen Arzeney, dem Loͤffelkraut, Sauerampfer u. d. gl.
nach goͤttlicher weiſen und gnaͤdigen Austheilung, bewachſen.
Drey Meilen Suͤdwaͤrts von dieſem Berge ab lag, wegen wi⸗
drigen Windes A. 1732, den 17 May, ein nach Grønland wollen⸗
der Schiffer, Namens Jacob Jacobſen Laab, mit feinem Schif⸗
fe. Da ſichs ploͤtzlich begeben, daß unten am Berge auf ver⸗
ſchiedenen Stellen große Flammen hervorgeſchoſſen, die wie
ſtarke Blitze ſtrichweiſe hin und wieder gefahren, auch ein ent⸗
ſetzliches Knallen als eines ſtarken Donners gehoͤret, endlich
*
aber ein großer und dicker Dampf geſehen worden. Worüber
der Schiffer in die groͤßte Angſt und Kummer gerathen, weil
er mit ſeinem Schiffe nicht von der Stelle kommen, und nicht
wiſſen koͤnnen, was fuͤr Folgen dieſe Entzuͤndung haben, und
was ihm mit uͤberkommen wuͤrde. Doch hat der Brand nur
ein Etmahl, wie die Schiffer ſprechen, d. i. 24 Stunden, ger
dauert, der Berg ſelbſt auch oben ſich nicht geöffnet, vielwe⸗
niger Steine oder dergleichen ausgeworfen. Nur allein hae
der dicke und ſchwarze Rauchdampf bis auf den 21 deſſelben
Monats angehalten, als der Wind ſich gewendet und bemel⸗
deter Schiffer davon geſegelt. Den aber bald ein Sehe 1
4 ; - 2 re⸗ (
—
SODE
Nachrichten von Island. 9
lichen Eigenſchaften * zu Entzuͤndungen noch mehr und
öfter fo geſchickt als fertig. Ja fie find es eben, die zu
Erdbraͤnden gemeiniglich den Anfang machen. Daher
erblicket man auf Island nicht leicht andere als ausge⸗
brannte Berge, an und um welchen man die Wirkungen
und nachgelaſſene Zeichen eines vormaligen Brandes ſatt⸗
: A 5 ſam
| A5
Schrecken betroffen, indem 15 Meilen, nach ſeiner Vermu⸗
thung von der Inſel eine ſo große Menge nachgeflogener
Aſche auf ſein Schiff gefallen, daß die Seegel davon ſchwarz
gefaͤrbet geſchienen, auch das Deck des Schiffes ganz dicke
zen worden. Woben er anfänglich beſorget geweſen,
ba
unter ſolcher Aſche vielleicht glimmende Kohlen, oder ans
dere zuͤndende Bergarten, vermiſchet ſeyn, und ſein getheertes
Schiff in Brand bringen moͤchten. Nachdem er aber dieſel⸗
ben hin und wieder im Anfuͤhlen kalt befunden, auch bemer⸗
ket, daß, wenn er gleich auch ein Licht daran gehalten, nicht
einmal etwas entzuͤndliches darinne geweſen, hat er friſchen
Muth geſchoͤpfet, und die Aſche mit Waſſer aus dem Schiffe
ſpuͤlen laſſen: woran ſeine Leute, weil ſtets neue und mehrere
nachgefallen, in die 5 gute Stunden ihre Arbeit gehabt. Ich
habe etwas von dieſer Aſche bekommen, die lichtgrau und
ſanft anzuruͤhren, unter dem Vergroͤßerungsglaſe aber mit
vielen zarten Sandkoͤrnlein, oder vielmehr durchſichtigen
Broͤcklein sermürferer Steine vermenget ift. Ein paar Wo⸗
chen nachhero iſt ein ander Schiffer, Alicke Payens genannt,
des vorigen Landsmann, der von dieſer ſonſt unerhoͤrten Be⸗
gebenheit etwas vernommen gehabt, an die Inſel gekommen,
und hat ſo viel Muths und Neugierde beſeſſen, daß er in der
Gegend des Brandes an Land geſtiegen, um alles in genauen
Augenſchein zu nehmen. Da er aber nicht wahrnehmen koͤn⸗
nen, daß der Berg ſelber irgends aufgeborſten, noch etwas
aus ihm ausgefloſſen, oder ausgeworfen geweſen, ſondern
nur den ganzen Boden auf 2 Meilweges mit Aſchen ſo hoch
J
bedecket gefunden, daß er bis zum halben Beine darinne wa⸗
2
geben muͤſſen. a |
Es thut hiervon Olaus M. Hift. Gent. Septentr. ſchon
Meldung, wenn er Lib. II. Cap. 2 faget : In Islandia - mon-
tium ſitum et naturam efle ſingularem, ſcil. in eorum ver-
then und folgbar ziemlich ermuͤdet ſich wieder zu Schiffe be⸗
tice niuem - quafı perpetuam et in baſi ignem ſulphureum
eontinuatiue fine ſui conſumtione exardeſcentem.
3 Nachrichten von Island.
fam wahrnehmen kann. Ueberall ift kein rechter ordent⸗
licher Sand, wie anderer Orten, ſondern nur alte Aſche
und verbrannter Steinſtaub zu ſehen, und noch heutiges
Tages eraͤugen ſich nicht felten im Gebirge entſetzliche
Feuerausberſtungen, wenn entweder die alten vorma⸗
lige Feuerſpeyer, nachdem ſich mit der Zeit ein neuer
Vorrath von Brennſtoff in ihrem Inwendigen geſam⸗
melt, ohnvermuthet wieder rege werden und auszuſchuͤt⸗
ten anfangen *, oder auch neue Berge, die vorhin nie
gebrannt, mit dem heftigſten Knall auf einmal zerſprin⸗
gen und durch ihren Auswurf alles in Schrecken ſetzen.
Zumal nicht nur die jaͤhlings ſchmelzende große Eis⸗ und
Schneekappen mit entſetzlichſter Gewaltſamkeit von oben
herab Stromweiſe ſtuͤrzen, und alles, was an und um⸗
lieget, uͤberſchwemmen, ſondern auch zuſammt den nach⸗
fließenden geſchmolzenen Mineralien und Brennſtoffen,
was fie an Viehe, Menſchen, Haͤuſern u. ſ. w. unter
Weges antreffen, einwickelen und mit ſich fortnehmen;
und ſolchergeſtalt die bende ſchaͤdlichſte Elemente, Feuer
und Waſſer, mit verbundener Gewalt das Land im Grun⸗
de auf ewig verderben; nichts als tief eingeriſſene Betten
oder Schrunden hinter ſich laſſend. Ohne zu erwehnen,
was fuͤr Verwuͤſtung die zugleich ausfliegende, und weit
und breit umherſpringende Bims⸗ und andre Steine, nebſt
der noch weiter fliegenden greulichen Menge von Aſche
auf viele Meilweges anrichten. Auf dieſe Weiſe gerietß
über der Portlands-Bay im Jahr 1721 ganz ploͤtzlich ein
Berg, der vor dem nie gebrannt, in eine große Brunſt.
Wobey nicht allein viel Flammen und Steine ausgeſtoſ⸗
[ K en
Welches ſich von icher alſo zugetragen haben muß, wie
man aus angezogenem Olao am angefuͤhrten Orte wahr⸗
nimmt, wo er ſchreibet: in multis locis torridae voragines
cum cinere apparent, montium combuſtorum, et vallium,
quae iterum tacitis incrementis ſulphureis fuccrefcentibus
quaſi circulari temporum ſpatio diſponuntur ad combu-
ſtionem.
FA
Nachrichten von Island. 1
ſen und umher geworfen, mithin auch die vorhin ange⸗
regte fuͤrchterliche Wirkungen und hoͤchſtſchaͤdliche Ver⸗
heerungen auf eine große Strecke Landes ausgeuͤbet wur⸗
den, ſondern noch uͤber dem dieſe ganz beſondere Bege⸗
benheit ſich zutrug, daß, indem die Zerſprengung geſchahe,
von der Gewalt der ausbrechenden und ausgedehnten
Luft ein guter Theil des Berges, welcher zu ſchwer war,
daß er nicht konnte gehoben werden, ſeitwerts weg, und
nicht nur eine ganze Meilweges uͤber die Inſel bis an
den Strand, ſondern gar noch eine Meile weiter in die
See fortgeſchoben, und allda niedergeſetzet wurde, woſelbſt
er der Tiefe ohngeachtet, zu Anfangs wohl 60 Faden uͤbers
Waſſer hervorgeraget iſt, und noch großen Theils da ſte⸗
het. Damals ift die Aſche mit dem Windſtriche nicht
allein uͤber die ganze Inſel, ſondern noch einige Meilen
ferner in die See auf ein gewiſſes Schiff und alſo uͤber
30 Meilweges weit getrieben worden. Drey Tage lang
ift die Suft mit Aſche und Dampf dermaßen angefüllet ge⸗
weſen, daß man keine Sonne davor ſehen koͤnnen. Al⸗
ler getrockneter Fiſch, der auf der Inſel damals ſich be⸗
funden, iſt davon ganz ſchwarz und unbrauchbar, ja in
den nechſt folgenden 2 Jahren hernach durch ſolche Aſche,
oder vielmehr durch die ohne Zweifel dabey (als oben bey
dem Brande auf Jan-Mayen Eyland angemerkt) vermen⸗
gete ſcharfeckigte Felsbroͤcklein oder Sand, fo weit Land
und Weiden damit betroffen geweſen, den Pferden und
Hornviehe das Maul zerſchnitten und verderbet worden.
Nachdem das Feuer auch das am Fuße des Berges bele⸗
gene tiefe Land ergriffen, iſt der Brand nach und nach
unter der Erde bis auf 18 Meilweges fortgelaufen und
hat
Von dergleichen bewundernswuͤrdigen Fortruͤckungen
der Berge und Felſen finden ſich einige Exempel in des Kir-
cheri Mund. Subterran. Lib. IV. Sec. 2. c. o. H. a. und in des
Herrn D. Buͤchners Miſcell. Phyſic. Med. Mathem. d. 1728,
Ian. p. 818 fegg. | | Ä
—
Vom Ber:
ge Heela,
12 Nachrichten von Inland
hat uͤber Jahr und Tag gewaͤhret, che aßen aufges |
håret, -
6. VIII. Indeß haͤlt der ehemals d ſeines ſehr
gewaltigen und viele Jahrhundert hindurch gedauerten
e ge fo befchriene Berg Hecla, einige Jahr
1101 0 ich ganz ſtille. Gleichwohl ſtehen die Anwohner
t ohne Grund in Sorgen, daß er ſich, ſo zu reden,
nur erhohle, und deſto grimmiger uͤber kurz oder lang zu
ihrem Schaden wiederum zu ſpeyen anheben werde. Ich
habe vermeinet von ſeiner dermaligen Geſtalt und Um⸗
ſtaͤnden etwas näheres zu erfahren. Man hat mich aber
verſichert, daß es wegen der theils ausgeworfenen, theils
abgeſtuͤrzeten unzehligen Felsſtuͤcken, und wegen der durch
feine Ausguͤſſe eingeriſſenen Schruͤnde und Kluͤfte, die
dadurch, daß ſie mit falſchem Schnee verdecket, oder mit
bruͤchigem Eiſe ausgefuͤllet, noch um ſo gefaͤhrlicher
ſind, es ganz und gar unmoͤglich ſey nur auf eee
Von einem
dreymal im
Jahre ſich
entzuͤnden⸗
den See.
gen zu ſehen, einſt eigentlich zu dieſem See gereiſet ift,
geſchweige bis zu deſſen Schlunde zu klimmen.
H. IX. Ohngefaͤhr eine halbe Meile vom Hecla ab
lieget ein füßer, allezeit warmer, im Winter aber noch
waͤrmerer See, welcher, der Anwohner Bericht nach,
die ganz beſondere Eigenſchaft haben ſoll, daß er alljaͤhrig
zu dreyen unterſchiedenen Zeiten ſich von ſelbſten entzuͤn⸗
det, und iedesmal 14 Tage lang mit lichten Flaͤmmlein
brennet, auch, nachdem ſolche erloſchen, noch einige Ta⸗
ge hernach ſtark dampfet oder rauchet. Mein Kaufmann,
der, um dieſes ſonderliche Phenomenon mit eigenen Au⸗
hat zwar, weil er um einen Tag zu ſpaͤte dahin gekom⸗
men, keine Flammen mehr, iedennoch gleichwohl ein ſtarkes
Rauchen angetroffen. Ich bedaure nicht wenig, daß
ich außer demjenigen, was ich von dieſem Manne ver⸗
nommen, ſonſt von dieſem entzuͤndlichen See, und deffen en
erzehlten Umſtaͤnden, nichts in Erfahrung bringen moͤ⸗
gen. e dieſelbe fo fonderbar und ee 699
4 90 55 ind, 4
Nachrichten von Island. 13
ſind, daß allerdings zu wuͤnſchen waͤre, es moͤgte ein mit
erforderlicher Geſchicklichkeit begabter Naturkuͤndiger den⸗
ſelben in Augenſchein nehmen, und fo wohl die Beſchaf⸗
fenheit der umliegenden Gegend, ſamt den unterirdiſchen
Bergarten, oder Mineralien, als den See und ſeine
Qvelle, nebſt der eigentlichen Zeit, und der Beſchaffen⸗
heit des Gewitters, wann die Entzuͤndungen ſich zutra⸗
gen, mit genauer Aufmerkſamkeit unterſuchen. Ich bin
gewiß, daß dadurch manche Dinge entdecket werden wuͤr⸗
den, welche andern, die Mineral- und warmen Ovellen,
die an einigen Orten oͤfters zu hellen Flammen werdende
Duͤnſte u. d. g. betreffenden Begebenheiten ein neues Licht
anzuͤnden koͤnnten. J ONES nd |
Indeſſen, da die mir geſchehene Erzehlung alle Wahr: Deffen
feheinlichfeit, und mein Erzehler alle Merkmale eines auf EI nn.
richtigen Mannes vor ſich hat, ſo will ich, ſo viel mir die chen.
bekanntgewordene Umſtaͤnde Gelegenheit an Hand ge —
ben, von den Urſachen der angefuhrten Seltenheiten mei⸗
ne wenige doch naturmaͤßige Gedanken zu anderer Pruͤf⸗
und Verbeſſerung eroͤffnen. Es ergeben die anderwaͤrts
als bey der vermeinten und berufenen Fontaine brulante
ohnfern Grenoble in Dauphiné * und bey der entzuͤndli⸗
chen Qvelle in Lanchashire in Großbritannien ** ange
ſtellete genauere Unterſuchungen, daß nicht Waſſer, ſon⸗
dern die aus dem umher befindlichen Boden unvermerkt
aufſteigende Schwefelduͤnſte ſich entweder ſelbſt entzuͤn⸗
den, oder doch mit einem Lichte anzuͤnden laſſen, und mit
helllodernder Flamme brennen. Nun iſt aus der grund⸗
richtigen Naturlehre des vortrefflichen Phyſiei Herrn
e Be | Wolffen
Welche keine Fontaine, ſondern ein kleines Stuͤck san.
des, wo man eine lichte, der Flammen von Brantwein aͤhnli⸗
che Flamme auf den todten Felſen von vermoderten Schie-
ferſtein lodern und in der Luft vergehen ſiehet. Hiftoire de
V’Ac2.des Scienc. å Paris d. 1699. p.24.1q. S
Fhiloſoph. Transact. N. 26. p. 482 fl.
Å
1
14 Nachrichten von eland.
Wolffen bekannt, daß die aufſteigenden ſchwefelichten 3
Dämpfe, ſo lange fie geringe und duͤnne find, ohnver⸗ |
merkt verrauchen, das ift, ihrer Leichtigkeit halber in der
Luft måblig höher ſteigen und ſich vertheilen; wenn fie
aber haͤufig und dichte genung geworden, von ſelbſt ſich
entzuͤnden, und helle Flammen von ſich werfen. Da⸗
ber ſchließe ich, daß bey dem Islandiſchen See alles auf
Schwefel⸗Erdwaͤchſiſche u. d. g. Duͤnſte, die aus deſſen
Grunde und Ufern durch das Waſſer herauf dringen,
ankomme, welche, ſo lange ſie nur in geringer Anzahl und
ſparſam hervor kommen, ohne daß man ſie wahrnimmt,
gleichſam verſchwinden; ſo bald ſie aber nach und nach
in zureichlicher Menge ſich geſammelt, oder aus den um⸗
hergelegenen Erdhoͤhlen einen ſolchen Zuſchub wieder be⸗
kommen, daß ſie dichte genug geworden, ſich entzuͤnden
und zu lichten Flammen gedeihen: wozu ohne Zweifel
eine alsdenn uͤber dem See vorhandene feuchte neblichte
Luft ein vieles beytraͤget. Allermaßen nicht allein die
Naturwiſſenſchaft uns lehret, daß feuchte dicke duft die
Duͤnſte zugleich verdicke, und an weitern Aufſteigen be⸗
hindere, ſondern die Erfahrung auch an der obberuͤhrten
Franzöſiſchen Qvelle ergiebet, weswegen der Grund ders
ſelben ſtaͤrker brennet im Winter und bey feuchter Luft
als im Sommer; dagegen ſie ofte in der heißeſten Zeit
(welche bekanntl. eine widrige Wirkung hat, mithin die
Duͤnſte verduͤnnet, und aus einander treibet) von ſelbſt
zu brennen aufhoͤret! “. Wie denn noch weiter ganz na-
tuͤrlich
. Abſonderlich dem II Theile feiner Verſuche, $. 142.
* Dergleichen auch an den beſtaͤndigen Erdflaͤmmlein
des Berges Pietra Mala auf dem Apenniniſchen Gebirge bemer⸗
ket wird in den Memoires de Acad. des Sciences de Paris
d. 1706. 9.337. womit die Experimenta verſchiedener Phoſpho-
rorum uͤbereinſtimmen, die bey heiterem Himmel und klarem
Sonnenſchein entweder gar nicht, oder doch ſehr langſam,
dahingegen bey kuͤhler, truͤber und zumal regnigter Luft, gar
geſchwinde a und in helle Flammen Wihrirden⸗
Nachrichten von Island. 15
tuͤrlich iſt, daß wenn der aus dem Boden zufließende
Vorrath von ſchweflichten und andern Duͤnſten durch die
Entzuͤndung verzehret worden, folglich es der Flamme
an Nahrung gebricht, dieſelbe nothwendig verloͤſchen
muͤſſe. Nicht anders, als wie die Feuerſpeyende Berge
nur alsdenn wuͤten, wenn genungſamer Brandvorrath
in ihrem Eingeweide vorhanden; ſo bald aber derſelbe
verzehret, aufhoͤren und ruhen, auch nicht ehe wieder an⸗
fangen, als bis ihnen ein neuer aus der benachbarten
Erde zugefloſſen. Daß aber der Islaͤndiſche See nach
verloͤſcheten Flammen noch einige Tage nachrauchet, ſolte
ich vermuthen daher zu ruͤhren, daß alsdenn noch etwas
von dickem Erdwachſe unten im Grunde uͤbrig ſeyn mag,
welches noch eine Weile nachbrennet, und weil ſonſt kei⸗
ne Oeffnung da iſt, durch das Waſſer ſeinen dicken Dampf
heraufſchicket. Endlich iſt bey dieſem Wunderſee am
ſchwerſten zu begreifen, wie es zugehen moͤge, daß der
Zufluß der Brennſtoffe alle Jahr und zwar zu dreyen
malen und eben in ſolcher Menge und richtigem Maaße,
daß fie auf 14 Tage vorhaͤlt, geſchehen und alſo gemaͤſ⸗
ſiget werden koͤnne. Doch iſt es deswegen nicht gaͤnz⸗
lich in Zweifel zu ziehen, zumahlen die Natur in der Er⸗
den viele verborgene Wirkungen ausuͤbet, deren eigent⸗
liche Urſachen und Umſtaͤnde kein Natur verſtaͤndiger aus⸗
zumachen vermoͤgend if, Warum ſollten dieſe obſchon
ſchwer zu erklaͤrende Umſtaͤnde nicht ſo wohl moͤglich ſeyn
koͤnnen, als was der um die Naturwiſſenſchaft hochver⸗
diente und glaubwuͤrdige Herr Scheuchzer in den Natur⸗
Geſch. des Schweizerlandes Part II. p. 342. von dem
Weißenburger Bade erzehlet? daß daſſelbe fo gar drey-
mal des Tages ſeine Waͤrme aͤndere, und Morgens
zwiſchen 7 und 9, Mittages zwiſchen 12, und, Abends aber
zwiſchen 4 und 7 Uhr wärmer als ſonſten ſey.
§. X. Aus allen angeführten, und da überall ein ſo Es ſind vie⸗
großer Vorrath von Schwefel, Bergharz, Gee u
| 1 un .
16 Nachrichten von Island.
und Teiche und eiſenhaltigen Schwefelfiefen, als der warmen Waſ⸗
daſelbſt. ſer eigentlichen Zeugemutter, die vermuthlich faſt ohne Un⸗
terlaß auf vielerley Art zuſammen ſtoßen und in Gaͤh⸗
rung gerathen muͤſſen, vorhanden iſt; ſo iſt nicht zu ver⸗
wundern, daß ſich ſo viele warme Teiche und Qvellen an
verſchiedenenen Orten auf unſerer Inſul antreffen laſſen.
Ein gewiſſer Schiffer, der in der Jokuls-Fiord gelegen,
hat oben auf dem Jokul, einem großen Felſen, der ſehr
gedampfet, und deſſen Erdreich ſo warm geweſen, daß
man kaum die Hand darauf halten koͤnnen, einen ziem⸗
lichen Teich mit bey nahe ſiedendem Waſſer angetroffen,
doch keine Flamme, weder bey Tage noch bey Nacht ge⸗
ſehen. Im Huuswickiſchen Diſtrict, ohnfern des Orts,
wo der obgedachte Brand angegangen, iſt eine heiße
Quoelle, die alle viertheil Stunde 3 mal hervor brudelt,
und zwar anfangs ein wenig, bald noch hoͤher, und end⸗
lich ganz heraus ſteiget, auch ſolchergeſtalt auf 3 mal nach
und nach wieder ſinket, und dieſes Spiel beſtaͤndig Nacht
und Tag wechſelsweiſe wiederholet. Unter diefen Qvel⸗
len ſind die mehreſten ſo brennendheiß, daß man Rind⸗
fleiſch darinne gahr kochen kann, welches entweder ohne al⸗
le Zuruͤſtung und Geſchirr auf eine gar kurze, doch die
Luſt zum Eſſen nicht eben reizende Weiſe, in dem Waſſer
ſelbſt, an einem bloßen Faden geſchehen kann *, oder auf
eine weitlaͤuftigere, doch eßbarere Art **, wann man
daſſelbe mit kaltem Waſſer in einen Keſſel thut, und in
den Brudel haͤnget, daß derſelbe daran ſpielen, und das
Kochen verrichten muß. Herr Me - = erwehnete, daß
ohnfern von feiner Fioerde fieben heiße Qvellen nahe an
einander gelegen waͤren, die mit großer Gewalt heraus⸗
brudelten, dabey wohne ein Mann, der ſich Jahr aus
a Jahr
Als es Zorgdrager gemacht: Opkomſt der Groen-
land, Vifcher. c. 7. | :
Wie D. Biorn Philoſ. Transact. No. III. p. 238 be⸗
richtet. ae e
N |
Nachrichten von Island. 17
Jahr ein keiner andern Feurung bediene, ſondern in einer
Qvelle, die oben ein enges Loch hätte, Fleiſch in ein lei⸗ 8
nen Tuch genehet; Gruͤtze u. d. gl. aber i in hineingehange⸗
nen Toͤpfen ſich gahr koche.
Die Qvellen ſelbſt machten bey ihrem Ueberlauf oder Gut su ba⸗
Ausfluſſe ſo fort einen maͤßigen Bach, oder kleinen Fluß, den
in deſſen klaren und lauen Waſſer (ob es gleich zu An⸗
fang den Kopf, ohne Zweifel, durch ſeine mitfuͤhrende
ſchwefelichte Ausduͤnſtungen, etwas einnimmt, ) überaus
angenehm und geſund zu baden waͤre. Es enthalten
ſich auf demſelben iederzeit gewiſſe ſchwarze Vogel mit
langen, den Schneppen nicht ungleichen, Schnaͤbeln, die
darauf gemeiniglich ſchwimmen, und von dem darinn bes
findlichen Gewuͤrme, Schnecklein u. d. gl. ihre Nahrung
vermuthlich ſuchen. Ob Fiſche darinn, wußte man mir
nicht zu ſagen. Ich ſollte aber um ſo weniger daran
zweifeln, als ich ehedeſſen in der laulichten Sammelung,
oder Deiche, worein die heißen Baͤder zu Bourzet bey
Aacken ihren Ausfluß haben, mehr als eine Art Fiſche,
beſonders Karpen, angemerket, die noch dazu, wie mich
ein vornehmer Mann daſelbſt berichtet, eben wegen der
gedeylichen Laulichkeit des Waſſers, größer und niedlicher
find, als die weit davon in gan; kaltem Waſſer gefangen
werden.
Ueberhaupt hat die Daͤniſche Kaufleute laͤngſt die und geſund
Erfahrung gelehret, daß wie die heißen, alſo auch die uͤbrizu trinken.
gen Qvellwaſſer dieſer Inſel, weil fie alleſamt entweder
mehr, oder weniger mineraliſch find, gar gefund und heil⸗
ſam zu trinken find *. .
\
. Xl.
Mir iſt hierbey eingefallen, was Pulbedujus Legat.
Turcic. Epift. I. p. i) meldet, und einer genauern Unterſu⸗
chung wohl wuͤrdig ift, naͤmlich: Illud quoque, dum Budae
eram, videre iuuit, fontem, qui eſt extra portam, qua
iter eft Conſtantinopolin, in ſummo mire fermentem: in
23 culus
Gebirg
18 Nachrichten von land.
en
heit 1
a 5
muthli
Marmor.
§. XI. Das Gebir ge beſtehet aus Sand⸗ und an⸗
„derm wilden rauhen Geſtein. Aller Vermuthung nach
finden ſich auch inwendig Marmorlagen. Weil nicht allein
in Schweden und Norwegen dergleichen anzutreffen, ſon⸗
dern auch am Strande dieſer Inſel zuweilen kleine Stei⸗
ne von Marmor s Arten ſich gefunden, die wohl ſchwer⸗
lich von Felſen einiger entlegenen feſten Lander koͤnnen
abgeriſſen, und durch die See bis an Island gewelzet
ſeyn. Wie denn auch in der Eeckhofiſchen Sammlung
zu Lübeck, welche dermalen in Hånden des curieuſen Buͤr⸗
germeiſters, Herrn Munter iſt, ein rother und ein gruͤner
Marmor, ſo aus Island ſeyn ſollen fich befunden. Al⸗
lein wer hat darnach ie gebrochen? Im Lande ſind ſie zu
den gebraͤuchlichen elenden Haͤuslein nicht noͤthig: und
Auslaͤnder begehren ſie 11 5 weil ſie von andern Orten
dieſelbe von beſſerer Guͤte, d. i. Haͤrte und Glanz, dazu
naͤher und wohlfeiler beben Fönnen, Maßen bekannt
iſt, daß in den kalten Weltgegenden dergleichen Geſtein
zu der Härte nicht gedeihet, folgbar das Poliment fo gut
nicht annimmt, als dasjenige, fo in warmen Landern ge⸗
brochen wird: welches zugleich ſo wohl von den gerin⸗
gern, als edlern Steinarten zu verſtehen iſt. Und ich
kann mit verſchiedenen Proben erweiſen, daß die Verſtei⸗
nerungen ſelbſt in Aſien zu weit EF größeren Vic als i in
Europa, gelangen.
8. XII.
cuius ramen fundo natantes deſpicias piſces, ‚quos inde
niſi coctos eximi poſſe non putes. Ich bilde mir auf eine
leichte Art dieſes alſo ein, daß das Waſſer unten auf dem
Grunde kalt, oben daruͤber aber ein aus der Erde von der
Seiten her zufließendes warmes Stroͤmlein ſey, welches we⸗
gen ſeines ſtarken Zuſchuſſes, und weil es, als leichter, von
dem kalten Waſſer gleichſam getragen wird, uͤber dieſem ſo ge⸗
ſchwind hinrollet, daß es demſelben von ſeiner Waͤrme bis
hinab auf den Boden nicht viel mittheilet, folgbar die dische f
gar beqvemlich unten darinne dauren koͤnnen.
—
Nachrichten von Island. 19
a XII. So fallen auch die Cryſtallen, davon man Die ern ⸗
zuweilen ohngefaͤhrlich in den natürlichen Felſenhohlen fal
ein und anders Stuͤck angetroffen, allhier ſehr weich und
brüchig, alfo, daß nichts daraus zu verfertigen ſtehet.
Indeſſen iſt von beſonderer Eigenſchaft diejenige Art, auter dem⸗
welche zwar hie und da, vornehmlich aber an einem Ber⸗ 1 15
bey Roerfioerde gefunden wird, und unter dem Na: lelandieage⸗-
men Cryftallus Islandica bekannt if. Denn dieſelbe nannt wird.
ſtellet die Buchſtaben und alles, was man durch ſie an⸗ i
ſiehet, zweyfach oder gedoppelt vor. Welche Eigenfchaft
aus den Gründen der Phyſic und Maͤtheſis vergnuͤglich
zu erklaͤren, ſo leichte nicht iſt. Daher verſchiedene der
achten Leute ſich ſchon die Köpfe darüber .
en
Sie ift aber kein Eryſtall, ſondern ein Lapis Specula- Deſſen eie
ris von der haͤrtern Gattung, oder ein Selenites Thom. Beſchafen⸗
boidalis, das ift, nach der bergmaͤnniſchen Sprache, eine heit.
Spaatart, die auch Glinzerſpaat, oder Spiegel⸗
ſpaat, nach Unterſcheid der Oerter, genennet wird. Wie
ich denn ſelbſt, als mir ohnlaͤngſt, auf Begehren einige
Spaatarten vom Clausthal aufm Harz zugeſchicket wor⸗
den, das Gluͤck gehabt, darunter eine Gattung, die eben
falls verdoppelt, doch nicht ſo klar, als die Jeläͤndiſche it,
ausfuͤndig zu machen. Wornach vor mir niemand ge⸗
VR chet hat.
rå f 2 S. XIII.
5 So Si Erafmus Bartholinus Ao. 1670 zu Copenhagen
ein eigenes Tractaͤtlein davon herausgegeben, und Hugens in
feinem tieffinnigen Werke vom Lichte, (ſo 1690 in Leyden zum
Vorſchein gekommen) gar weitlaͤuftig daruͤber raiſonniret. Weil
auch in dem pfeilfoͤrmigen Talc, oder vielmehr Lapide Speculari,
ſo der feinſte Gypsſtein iſt, und auf dem Berge Montmartre
vor Paris bricht, von dem großen La Hire eine gleiche Wir⸗
kung wahrgenommen worden; fo hat derſelbe feine Anmer⸗
kungen und Gedanken desfalls der gelehrten Welt mitgethei⸗
let in den Memoires der dortigen Academie des Sciences
d. A. 710. p. 341 fegg. |
U
20 Nachrichten von Island.
Vimsſtein. F. XIII. Zwo Sorten vom Bimsſtein, namlich eine
graue und eine ſchwarze, welche beyde gleichwol nur
unrein, werfen die feuerſpeyende e wenn ſie Ken
Aus.
Auch bet ⸗ . XIV. Daß in dem Gebirge metallen „
en ſeyn koͤnnen, ſolches vermuthe ich nicht ohne Grund:
weil ich nicht nur berichtet bin, daß man zuweilen eiſen⸗
artige Marcaſite, imgleichen Schwefelkieſe, ohngefahr
daſelbſt angetroffen, auch oͤfters Adlerſteine, welche ins⸗
gemein eiſenſchuͤßig find *, finde; ſondern über dem in
des ſeligen D. Worms Mufeo P. 123 lefe, daß ihme gedie⸗
gene Eiſenſchollen aus Island in ſeine Naturalien⸗
Cammer geſchicket worden. Was es aber außer Eiſen⸗
ſtein ſonſt für eigentliche Metallen gebe, ift nicht zu ſa⸗
gen; ſintemal man, ſo viel ich erfahren moͤgen, nie irgend
geſchuͤrfet, noch eingeſchlagen, auch alem Vermuthen nach
es künftighin ebenermaßen ſowol wegen des unſchlachti⸗
gen, rauhen und gefaͤhrlichen Gebirges, als wegen des
dahin gaͤnzlich abgehenden, doch zum Bergbau unentbehr⸗
lichen, Brenn⸗ und Bauholzes wohl nimmer unternom⸗
men werden wird.
Bergharz. XV. An Bergharzen und Eröpechen, E Bitumi-
nibus, fehlet es keinesweges, wie aus vielerley Spuren
Turf. abzunehmen. Als zum Exempel aus dem Turf. Denn
ob deſſen gleich nicht gar viel, und in dem Suͤdtheile nur
ſehr ſchlechter (weil er zu viel Schwefel hat, und daher
gar zu geſchwinde verbrennet, annebſt greulich ſtinket)
gefunden wird, fo hat man doch hie und da, als in Haven-
fioerd einigen ganz guten, e ſchweren und Ln.
| | urf.
lacobaei in Muſ. Reg. Cap. I. Sect. 7. n. 67 fuͤhret aus
den Schedis Gadmundi Islandi an, daß deren auf 60 Arten,
und darunter einige von ganz beſondern Eigenſchaften gefun⸗
den werden ſollen; wovon man aber wohl mit e naͤhern
Erweis zu 1 befuget iſt.
/
SEEN
ER
Nachrichten von Island. er
Turf. Wo er auch den Inwohnern fuͤr ihre einzige
Feuerung dienet. Einer hat mir eines Seeturfs er⸗
wehnet, wovon er aber auf Befragen nichts weiter zu ſa⸗
gen wußte.
F. XVI. Von der Gegenwart des Erdpechs zeuget Schwarzer
noch mehr der ſchwarze Agtſtein, Gagathes, davon man Agtſtein.
zuweilen Stuͤcke findet, die angezuͤndet, wie ein Licht bren⸗
nen, und zu aberglaͤubiſchen Dingen von den Islaͤndern
gebrauchet werden. Welches letztere ſie vermuthlich noch
von ihren Catholiſchen Voreltern her per traditionem,
unter ſich behalten haben. Immaßen dergleichen unter
den Catholiſchen bis noch, anderwerts nicht weniger mit
dieſem Stein vorgehet . Dieſem Gagat ift am aͤußer⸗
lichem Anſehen, zum Theil auch dem bituminoſen Ge⸗
halt nach, ſehr gleich, aber an Haͤrte und uͤbriger Art gar
ungleich, ein gewiſſer pechſchwarzer und glaͤnzender Stein,
den die Dänen einen ſchwarzen Agar nennen, und weil
zuweilen ziemlich große Stuͤcke davon angetroffen wer
den, zum Verkauf mit ſich nehmen. Es hat derſelbe ;
eine große Härte, alſo daß er wie ein Agat Feuer ſchlaͤ⸗
get, iſt aber ohne allen Zweifel eigentlich eine reine, glatte,
ſehr bituminoſe, durch ein gar ſtarkes Erdfeuer zuſam⸗
men geſchmolzene Schlacke, oder Vitrification, Denn
wenn man an duͤnne Stellen ſchlaͤget, ſo ſpringt er wie
Glas, und die Scherben, die abfallen, ſehen ganz glaͤſicht
aus: wogegen nicht irren mag, daß er Feuer giebt. Maſ⸗
ſen ſelbſt die aus einem großen Feuer zuſammengeſchmol⸗
zene feſte Erzſchlacken etwas Funken geben. Und ich
beſitze aus Liſſabon eine Schlacke, die ſo hart, daß ſie ſich
wie ein Spiegel poliren laͤſſet, und an Stahl angeſchla⸗
gen noch viel ſtaͤrker Feuer giebt, als die Islaͤndiſche.
Man hat in Copenhagen fuͤr den letzt verſtorbenen Kö: s
nig aus einem großen Stuͤcke dieſes Steins eine Schale
15 B 3 mit
* Caefius de Mineralibus Lib. III. cap. 7. Sect. 16.
n Nachrichten von Jsland.
mit einem Deckel verfertiget, woran der Kuͤnſtler bis ins
vierte Jahr, wie man ſaget, gearbeitet haben ſoll. Denn
er erfodert eine beſonderes Geſchicke und Behutſamkeit,
weil er ſo ſehr ausſpringet. Ein guter Freund hat ein
Stuͤck davon einem Pitſchierſtecher hingegeben, um ein
Pitſchaft darein zu graben, es hat ihm aber nicht ange⸗
hen wollen: vielleicht aus Ungeſchicklichkeit des Meiſters.
Maßen ja die ſchwarzen Agatcorallen, die das Frauen⸗
zimmer in der Trauer um den Hals und in den Ohren
traͤget, auch Meſſerſchalen u. d. g. daraus in Menge ges
machet werden. Ich bin bey Betrachtung dieſes Steins
auf die Gedanken gerathen, daß er leicht der eigentliche
Lapis Obfidianus der Alten ſeyn koͤnne. Denn es iſt
deſſelben Beſchreibung diefer Islaͤndiſchen Schlacke in
allen Stuͤcken fo ähnlich, als ein Ey dem andern. Pli-
nius (Hiſtor. Nat. Lib. XXXVI. Cap. 26. ſ. Sect. 67)
ſetzet: in genere vitri & Obſidiana (ſcil. pocula) nume-
rantur ad ſimilitudinem lapidis, quem in Æthiopia in-
venit Obſidius, nigerrimi coloris, aliquando & translu-
cidi, eraſſiore viſu atque in ſpeculis parietum pro ima-
gine umbras reddente &c. und noch deutlicher Iſidorus
(Lib. XVI. Origg. c. 15) eft niger interdum & virens,
aliquando & translucidus crafliore viſu &c. & Cap. 4.
Obſidius lapis niger eſt, translucidus & vitri habens
ſimilitudinem. Ponitur in ſpeculis parietum propter
imaginum umbras reddendas. Alſo iſt unſer Islaͤndi⸗
ſcher pechſchwarz und glaͤnzend. Wenn er aber in Blaͤd⸗
lein geſpalten wird, iſt er halb durchſichtig, doch truͤber
und dunkler als Glas, gleichwohl demſelbigen ganz aͤhn⸗
lich: ja eine wirkliche Vitrification. Koͤnnte auch in
dicklichten Blaͤttern, zu Bekleidung der Waͤnde gebrau⸗
chet werden, weil er einigermaßen ſpiegeln und dunkle
Schattenfiguren darſtellen wuͤrde. Zwar will er ſich
nicht fo ſchnitzen und ſchneiden laſſen, als der alte, aus
dem man, wie Plinius gedenket, Bildwerke und Petſchafte
gemachet; allein dieſes veraͤndert das Geſchlecht 1 5
Nachrichten von Island. 23
Esa kann jener härterer Art, als der Islaͤndiſche, oder
die Römer beſſere Steinſchneider, als die Daͤnen, gewe⸗
ſen ſeyn. EN NS
§. XVII. Unter der öbern Erdlage findet ſich ober⸗ Schwefel.
wehntermaßen überall, abſonderlich in ſumpfichten Thaͤ :
lern und Moraͤſten haufenweiſe, ja manchmal in Fauſt⸗
großen Klumpen gewachſener Schwefel, (Sulphur
nativum) und an den Felſen ſchlaͤgt er dermaßen ſtark
und dick aus, daß man alle 2 bis 3 Jahr ihn vermittelſt
eines Schabeiſens herabkratzen und ſammlen kann. Die⸗
ſen natuͤrlichen Schwefel hat man in vorigen Zeiten fleis⸗
ſig geſammlet und ausgefahren. Es iſt auch noch vor
wenig Jahren im Huswickhawen, woſelbſt derſelbe noch
haͤufiger als an andern Gegenden der Inſel zu finden,
eine gewiſſe vom Könige privilegirte Perſon gewefen, wel⸗
che daſelbſt aus den Schwefelbergen deſſen ſo viel zu⸗
ſammen gebracht, daß er auf einmal zwo bis drey hun⸗
dert Tonnen voll davon nach Copenhagen ſenden koͤnnen.
Allda er nachher auf gewoͤhnliche Weiſe geſotten und gez
1 1 00 worden. Es iſt aber, wie vor dem zu mehrma⸗
en, alſo anitzo auch das Schwefelſammlen bald wieder
eingeſtellet worden, weil die Bauern es nicht gerne ſehen,
auch ſchwer zum Sammlen zu bewegen find, nachdemmal
es der Fiſcherey, wovon fie ihre meiſte Nahrung haben,
nachtheilig ift, | „ .
Denn es lehret die Erfahrung (welches mich ſehr an⸗Denſelben
merkungswuͤrdig deucht,) daß nicht allein, wenn am gische. :
Strande Schwefelerze von Unreinigkeit und Staub gew ⸗
ſchen werden, die Fiſche ſich verlaufen, ſondern, daß ſie auch
ſo gar, wenn ein Schiff, worin etwas Schwefel geladen, auf
der Rhede lieget, davon fliehen. Ja ein Fiſcherboot, wor⸗ i
an deffelben auswendig nur etwas angeſchmieret worden,
verjaget die Fiſche, wo es hinkoͤmmt. Weshalben die
Fiſcher, die einander nicht gut ſind, zuweilen einer unter
des andern Boot ein wenig Schwefels entweder an⸗
| B 4 ſchmie⸗
|
24 Nachrichten von Island.
ſchmieren, oder auch in eine verborgene Ritze verſtecken,
wohl wiſſend, daß ſolchergeſtalt mit demſelben Boote
nicht viel werde gefangen werden. Wobey ich zu meh⸗
rer Erläuterung dieſer Anmerkung noch anzufuͤhren habe,
daß die Inwohner der Färdifchen Inſeln, die ſchaͤdliche
Wallfiſchart, welche ihre Boͤthe oͤfters rund um wirft,
und von ihnen Trold Hval genennet wird, auf dieſe
| Weiſe verjagen, daß fie in die Vorſtaͤfen ihrer Boote
Wie auch
den Kalk.
ein Loch bohren, und darein Biebergeil (Caſtoreum) ſte⸗
cken, nachmals einen Pflock darauf ſchlagen. Andere
fuͤhren ein Stuͤck Holz, woran dergleichen Biebergeil ver⸗
macht iſt, mit ſich, und werfen daſſelbe auf den Fiſch,
ſobald er ſich zu ihnen naͤhert: da er denn augenblicklich,
wie ein Stein zu Grunde ſincket, welches auch denen
Menſchen, die Biebergeil am Leibe haben, begegnen ſoll, wo⸗
von zu leſen Bartholin. Cent. II. Hiſtor. Anatomicar.
ı7 und Luc. Iacobſcen Debes Faeroæ p. 168, welcher
Autor aus dem Bericht dieſer Leute noch hinbey fuͤget,
daß ſie in Ermangelung des Biebergeils, Spaͤne von
Wacholder Holz mit ſich fuͤhren, und ſelbige dem Fiſche
entgegen werfen, welche eben dieſelbe Wirkung, nehmlich
daß der Fiſch wegſinke, thaͤten. Ich habe auch zuver⸗
laͤßig gehoͤret, daß ein Schiff mit Kalk beladen, oder von
außen damit beſchmieret, ebenfalls von den Fiſchen gar
ſehr geflohen werde. Man erkennet hieraus, mit was
fuͤr einem ſcharfen Geruch und fertigen Geſchmack auch
das Fiſchgeſchlecht von dem allweiſen Schoͤpffer zu Aus⸗
findung dienſamer und ae undienlicher 3 i
fen muͤſſe begabet ſeyn. |
Es ift aber der Grund diefes Abſcheues bey den Fi |
ſchen, fo viel den Schwefel, Biebergeil und Wacholder
anbetrifft, viel leichter zu begreifen, als was den Kalk
belanget. Denn von dem Schwefel iſt bekannt, wie er
fo gar ſtark ausdaͤmpfe, daß, wenn ein kleiner, zumahl
friſchgebrochener Klumpen, davon nur 24 Stunden i in ei⸗
| nem
]
Nachrichten von Island. 25
nem verſchloſſenen Zimmer gelegen, man deſſen ſtinkende
Ausduͤnſtungen genugſam, und nicht ohne Beſchwerlich⸗
keit, empfinde. Woraus von ſelbſten folger, daß es eben
der Geſtank des Schwefels ſey. So hat auch der Biebers
geil und Wacholder bekanntlich einen ſtarken und eben
nicht angenehmen Geruch, der die Fiſche vertreibet. Al⸗
lein der Kalk hat ſo merkliche und ſtark riechende Aus⸗
daͤmpfungen nicht, und deswegen ſollte ich denken, daß,
obgleich die ſinnliche Empfindungen der Thiere weit ſchaͤr⸗
fer, als der Menſchen ſind, es doch nicht ſo wohl dem
Geruche von dem eingeladenen Kalke, als dem ſcharfen
Geſchmack des Waſſers, der von dem bey der Einladung
etwan verſpilleten, oder am Schiffe geſchmierten Kalke,
entſtanden, zugeſchrieben werden muͤſſe, daß die Sich ſich
zuruͤcke ziehen. Å |
$ XVIII. Rüchenfals findet fi ch überall nicht, id) Mangel an
meine, weder Salzqvellen noch Steinſalz. Salz.
XIX. Auf der ganzen Inſel giebt es auch keine it. an Baͤu⸗
Baͤume, ohne in dem noͤrdlichen Theile derſelben. Wie „
denn ein vornehmer Kaufmann aus Copenhagen mir erzeh⸗ |
let, daß er zwiſchen Huuswick u. Olfioerd, fo etwan 6 Mei⸗
len von einander gelegen, einen Birkenwald von drey Vier⸗
tel Meilen angetroffen, die aber nicht hoch, auch der Stat
nur wie ein Arm dick geweſen: und ein anderer ſagte,
daß bey Thing - Oere- Klofter noch eine ganz kleine Hoͤl⸗
zung, meiſtens aus Birken beſtehend, ubrig, doch fo ſchlecht
und niedrig waͤren, daß man auf einem kleinen Landpferd⸗
chen ſitzend, an derſelben Gipfel reichete. Anderwaͤrts
hat man nur an den Auen einige wenige niedrige Waſ⸗
ſerweiden, und ſonſt hie und da allein kleines Ge⸗
ſtraͤuch und Gebuͤſch, als Brommelbeeren, Wacholder
u. d. g. welches von den Inwohnern ſparſamlich behauen,
und bloß Kohlen fuͤr die wenige Schmiede, die auf der
Inſel wohnen „zu brennen, angewendet wird. Es muß
BF vormals
26 Nachrichten von Island:
vormals an Waldungen allhier nicht gefehlet haben, ge⸗
ſtalt ſolches nicht nur die alten Nachrichten bezeugen, ſon⸗
dern auch noch hie und da Ueberbleibſel von alten Wur⸗
zeln zu ſehen. Ja, wenn man ein wenig tief in die Er⸗
de graͤbet, trift man viel verſchlemmtes Holz an, fo ganz
0 blau und hart iſt. SR a
aber gute F. XX, Ungeachtet die fruchtbare Erd⸗Rinde oder
Gras, Lage, nur ganz duͤnne iſt, ſo finden ſich doch, abſonderlich
| an der Nordſeite, an den Auen und Waſſern gute Vieh⸗
weiden, da das Gras wohl eine halbe Elle hoch auf
waͤchſet, und mit ſehr fetten und wohlriechenden Kraͤu⸗
tern untermenget iſt, davon das Vieh fett und wohl⸗
ſchmeckend wird. Was das Vieh und Schafe nicht ab⸗
etzen, wird zu Winterfutter gewonnen, und zwar auf eine
recht kuͤmmerliche Weiſe, indem der Boden uͤberall ſehr
höckericht und fteinigt ift, alſo daß man keine Grasſenſen,
ſondern nur kleine krumme Sicheln brauchen kann, mit
denen man das Gras bey kleinen Qvantitaͤten aus dem
Raͤum⸗ und Gruͤblein zwiſchen den Felstruͤmmern und
Steinhaufen vorſichtiglich heraus ſchneiden muß. Wes⸗
wegen, und weil ihr Werkzeug uͤberdem von ihnen ſelbſt
ſehr ſchlecht gemacht ift, in einem Tage nicht viel gefüe _
dert wird. i : „ BR
alien §. XXI. Auch mangelt es nicht an gefunden Kraͤu⸗
de Kräuter tern, z. E. dem Loͤffelblate, (Cochlearia,) und dem in
noch groͤßerer Menge anzutreffenden Sauerampfer,
(Acetoſa,) welche die aller Orten waltende weiſe Vor⸗
ſorge Gottes, nach Erforderniß des hieſigen Climatis und
der demſelben gewoͤhnlichſten Krankheiten, dahier von be⸗
ſonderer Groͤße, Guͤte und Kraft wachſen laͤſſet. Mir
iſt von ihrer erwuͤnſchten Wirkung, unter vielen andern
folgende ſehr merkbare Probe erzehlet worden. Ein im
Jahr 1700 von Tranqvebar zuruͤckkommendes Schiff,
welches entweder aus uͤbler Hißung der Steuerleute,
oder des Capitains Geiz, der die Erfriſchungskoſten pa
. i ren
Nachrichten von Island. 27
ren wollen, das Vorgebirge der guten Hoffnung vorbey
geſegelt, und, weil von der Mannſchaft uͤber 5 oder 6 nicht
mehr im Stande, die Schiffarbeit zu verrichten, geweſen,
Island zu ſuchen, genoͤthiget worden, ift glücklicher Wei
ſe in Holmshavn eingefallen, wo der Capitaine das Schiff
auf den Strand wollen laufen laſſen, als noch zu rechter
Zeit ein daſelbſt in Ladung liegender Islands fahrer, der
aus deſſen Flaggen geſehen, daß er ein Daͤne ſey, ihm mit
einigen ſeiner Leute zu Huͤlfe gekommen, die Anker fallen
laſſen, und das Schiff befeſtiget. Hierauf hat man das
kranke Volk an Land gebracht, von welchen, ob ſie gleich
außer etwas Loͤffelblaͤtter nichts als Sauerampfer in
warmer Milch und ein wenig Schaffleiſch genoſſen, den⸗
noch viele in acht, die uͤbrigen in 14 Tagen ſo friſch und
geſund geworden, daß ſie gehuͤpfet und geſprungen, und
in weniger als 4 Wochen nach ihrer Ankunft wieder zu
Schiffe gehen, ihre Anker ſelber lichten, und die lange be⸗
ſchwerliche Reiſe vollends froͤlich enden koͤnnen. Von
der Kraft dieſer Kräuter wiſſen auch alle unſere Leute, die
iemals nach Groͤnland geweſen, nicht genug Ruͤhmens
zu machen. Denn es wachſen dieſelbe in gleicher, wo
nicht noch mehrerer, Guͤte auf Jan⸗Mayen⸗Eyland,
Spitzbergen u. ſ. w. Und da unſere Matroſen, wenn fie
auf die Hoͤhe dieſer Inſeln kommen, gemeiniglich vom
Scorbut dermaßen zugerichtet ſich befinden, daß alle Zaͤh⸗
ne im Maule wackeln, und fie nur kuͤmmerlich ihre Dien⸗
ſte zu leiſten vermoͤgend find, fo. ſuchen fie, fo bald im:
mer thulich, Land, um dieſer Kraͤuter theilhaftig zu wer⸗
den; worvon ſie ſo fort geneſen, und gleichſam neues Le⸗
ben und neue Kraͤfte bekommen. Man hat mir noch
von einem andern nur an wenig Stellen wachſenden
Kraute, doch ohne es nennen oder beſchreiben zu koͤnnen,
geſaget, daß es in Milch gekocht, natuͤrlich als Hirſe⸗
grüße ſchmecke. Und lacobaeus in Muſ. Reg. P. I. Sect.
6. n. 6 et 7 gedenket noch zweyer gar vortrefflicher und
heilſamer Kraͤuter, als Herbae Avium Islandiae, Fu-
| glar-
28 Nachrichten von Island.
glar- gras, oder Akur-Lodar-gras und Muſei cathardici
Islandiae, Fialla-gras, oder Fioeru - gras. . 144
re, F. XXII. Erdfruͤchte wollen durchaus nicht fort,
fruͤchte, il theils wegen des untauglichen Bodens, theils wegen der
gar zu ſtrengen Kaͤlte und des durchdringenden Nordwin⸗
des. Man hat es mehrmalen mit Ruͤben, mn .
u. d. g. verſuchet, aber allezeit vergebens. 5
und kein $. XXIII. Am wenigſten kann man das Feld ER
Korn. und Korn ſaͤen. Denn wenn man gleich die Steine
mühſam ausleſen, und den Boden durch Pflege und Duͤn⸗
ge gut machen wollte, wuͤrde doch der Sommer, oder
die warme Zeit ſo lange nicht währen, daß etwas reifen
koͤnnte. Daher weiß der gemeine und arme Mann e
vom Brodt.
Von Meer⸗ . XXIV. Von Meergewoͤchſen konnte man mir
und See
gewächſen. nur eine Algam marinam, Soel geheißen, mit Namen
anzeigen, die ſowol friſch als, in Mangel des Heues, ge⸗
doͤrret, dem Viehe vorgeworfen, ein zwar fettes, aber
dabey eckelhaftes Fleiſch geben ſoll. Doch in kuͤmmer⸗
lichen Zeiten wird dieſes Kraut wohl gar von Menſchen
ſelbſt ein wenig geroͤſtet zur Speiſe genoſſen. Der mehr⸗
mals angeführte lacobæus d. 1. n. 5 beſchreibet diefelbe
unter dem Namen Alga Saccharifera Islandiæ und gie
bet zugleich eine Abbildung derſelben. Sie ſoll Blaͤhun⸗
gen machen, und wenn man viel davon iffet, ſtark lari⸗
ren. Es ift zu beklagen, daß die Botanici, inſonderheit
unſere Deutſche, wegen Entlegenheit von der See, mit⸗
hin aus Mangel beqvemer Gelegenheit, ſich bis daher noch
nicht ſo recht ernſtlich auf die Sammlung, Eintheilung,
Beſchreibung der Seegewaͤchſe geleget haben oder legen
koͤnnen. Denn, nachdem ich mich darum etwas bekuͤm⸗
mert, und derſelben, ſo viel mir moͤglich geweſen, bey⸗
ſammen gebracht, habe ich wahrgenommen, daß ſie bey
einem Gottſuchenden Liebhaber der Natur eine neue Be⸗
wunde⸗
Nachrichten von Island. 29
wunderung und recht großes Vergnuͤgen erwecken, wenn
man nehmlich ihre unbeſchreibliche, und einem unkundi⸗
gen unglaubliche Menge, Unterſcheid, Bildung, Farbe,
Fortkommung ohne Wurzeln u. ſ. w. betrachtet, und da⸗
bey erweget, daß doch nichts, was nicht gut und nutzbar
waͤre, aus der Hand des weiſen Schoͤpffers gekommen,
ich will ſagen, daß auch dieſe als gar un nuͤtzlich angeſehene
Gewaͤchſe nicht allein ſo vielen und vielerley lebenden Crea⸗
turen zur Nahrung, ſondern auch meiſtentheils dem Men⸗
ſchen ſelbſt ſo wol zur Speiſe, vornehmlich in Zeit der
Noth, als zu kraͤftigen Arzeneyen, wenn fie ſolche nur aus
Süfternheit nach fremden und koſtbaren Dingen nicht vers
achteten vielfaͤltig dienen koͤnnen. Allermaßen vor andern
der fleißige M. Martin in feiner gar leſenswuͤrdigen De-
ſeription of the Weſtern Islands of Scottland, davon
unter den auf dieſen entlegenen Inſeln in groͤſſeſter Sim⸗
plicität lebenden und das wenige, was ihnen gegeben iſt,
rechtſchaffen nutzenden Inwohnern gar beſondere und
merkbare Anmerkungen geſammlet und p. 148 ſqq. den
Zaͤrtlichen zur Beſchaͤmung ans Licht gebracht hat. Von
harten oder Corallartigen Seegewaͤchſen wußten
meine Erzehler zwar ſo viel, daß derſelben einige auf den
Gruͤnden vorhanden, konnten fie aber weder nennen noch
beſchreiben, weil ſie, wie ſie ſelbſt geſtunden, niemals dar⸗
nach geſehen. Zum wenigſten wird ſich allda die Art des
Pori cervini Imperati p. 630 finden, welche auf den fel⸗
ſichten Seebaͤnken bey den ohnfern davon belegenen Hit⸗
landiſchen Inſeln ſo gar haͤufig angetroffen wird, und in
meiner Sammelung Madrepora erectior punctata & ra-
moſa, cornua ceruina æmulans heiſſet. |
$. XXV. Wilde Thiere weder edle, oder eßbare, Keine wil⸗
noch unedle, oder Raubthiere, ſiehet man hier nicht, vers de Thiere,
muthlich weil dieſe Inſel auf allen Seiten vom feſten Lan⸗
de gar weit abgelegen iſt. Bären kommen zuweilen im
Fruͤhjahr, wenn der Wind darnach iſt, auf die NE
| | | kuͤſte
30 Nachrichten von Island. |
kuͤſte aus Grönland mit den losgehenden Cisfeldern an⸗
getrieben. Man pfleget aber um ſolche Zeit Wache da⸗
gegen zu halten, und ſobald man nur einen verſpuͤret, mit
aufgebotener Mannſchaft darauf los zu gehen, und
nicht eher zu ruhen, als bis man ihn erſchlagen: zumah⸗
len ſonſt dieſe gefährliche Veſtien in den unerſteiglichen
Gebirgen ſich bald mehren und unter dem zerſtreuet
und unverwahret wohnenden Bauervolke ſo wohl, als
den wildlaufenden Schafen u. ſ. w. Unheils gnug anrich⸗
ten wuͤrden. BE CCT
außer §. XXVI. Auf dieſe Weiſe muͤſſen iedoch die Fuͤchſe
Suͤchſe. hon daher ſich eingeſchlichen haben, welche ſich uͤberall auf
der Inſel haͤufig finden. Dieſe find dahier niemals roth,
fondern ihrer wenige ſchwarz, die übrigen durchgehends
im Sommer blau, grau und im Winter weiß. Ihre
Baͤlge fallen im Winter, da fie das meiſte und feſteſte
Haar haben, am beſten. Deswegen die Islaͤnder ſie als⸗
denn fleißig wegfangen, und zwar, aus angebohrnen Ab⸗
ſcheu vor allem Schießgewehr, vermittelſt aufgeſtelleter
Netze, oder Fangeiſen, die faſt wie eine Schneiderſcheere
geſtaltet, und mit einem verrecketen Samme, zum Luder
verſehen ſind. Außer dieſer Zeit legen ſie ihnen, weil ſie
ihren Schafen ſehr ſchaͤdlich fallen, hie und da Kraͤnau⸗
gen (nuces vomicas) in Honig getunket, die ſie, weil ſie
ſonſt nichts ſuͤſſes zu ſchmecken bekommen, ſehr begierig
hineinſchlingen. e e .
Beſchaffen! F. XXVII. Die Pferde fallen hier, wie in allen
Pferde nördlichen Gegenden klein, kurz und dicklicht; welches
ohne Zweifel der zuſammenziehenden oder preffenden Ei⸗
genſchaft der Kaͤlte, die den Wachsthum zuruͤcke haͤlt,
vornehmlich zuzuſchreiben iſt . Doch ſind ſie ſtark und
VVV munter
Ein gleiches bemerket man auch andern Landthieren
daſelbſt. Dahingegen in den heißen Laͤndern wegen der al⸗
les ausdehnenden Waͤrme, die Thiere zu mehrerer ve ge⸗
: | | | | deen
Nachrichten von Island. 31
munter, dabey boͤſe und beißig. Man muß ſich wundern,
was ſie ausſtehen koͤnnen. Sie werden aber auch recht
abgehaͤrtet, indem ſie Jahr aus Jahr ein aufm Felde un⸗
ter freyem Himmel ausdauren, und des Winters unterm
Schnee ſo wohl, als des Sommers, ihr Futter ſelbſt ſu⸗
chen muͤſſen. Wozu ſie allein dieſe Wohlthat von der
Natur zu genießen haben, daß ſie mit beſonders ſteifen,
langen und dicken Haaren, allermeiſt um die Winterszeit,
bedecket ſind. |
LW XXVIII. Die Schafe N fo ebenfalls nur klein, Der Scha⸗
haben mit den Pferden gleiches Gluͤck und Beqvemlich⸗ fe. 5
keit. Denn ſie kommen, wie jene, Winters und Som⸗
mers in keinen Stall, ſondern muͤſſen auf dem Felde un⸗
ter den uͤberſtehenden Felsſpitzen, in den natürlichen Höͤh⸗
len der Berge, und ſonſt, wie ſie beſt koͤnnen, ſich behelfen,
und ſelbſt ſorgen, wo ſie ihr Verbleib und Nahrung fin⸗
den *. Sie halten ſich ſtets zu den Pferden und im Win:
| 5 e i ter
deyen, als man an den Camelen, Loͤwen, Naſehorn, und ab⸗
ſonderlich an den ungeheuren Elephanten wahrnehmen kann.
Deſſen gerades Widerſpiel aber bey den Fiſchen ſich findet,
als deren groͤßeſte Gattungen, inſonderheit die Wallfiſchſor⸗
ten, nur in Norden fortkommeen.
Von den ohnfern von Island entlegenen Daͤniſchen
Inſeln Ferroe, die aus 17 oder 18 großen und kleinen Inſeln
beſtehen, und in der Laͤnge 15 und in der Breite 10 daͤniſche
oder nordiſche Meilen ausmachen, iſt bekannt, daß daſelbſt,
weilen die Gebirge nicht hoch, ſondern linde und mit keinem
Schnee bedecket ſind, gar gute Weiden ſeyn, und folgbar
noch weit mehr Schafe, als auf Island gezogen werden, wel⸗
che aber eben auch ohne alle Wartung in der Wildniß umher⸗
laufen. Von dieſen wird erzehlet, daß ſie im Winter unter
die Klippen und Felſen, wo ſie ein wenig uͤberhaͤngen, und beſon⸗
ders zu deren ſuͤdlichen Seiten ihre Zuflucht nehmen, auch daſelbſt
nicht allein ſo dichte, als ſie immer koͤnnen, zuſammen kriechen,
ſondern uͤberdem ſolchergeſtalt oft wechſeln, daß die innern
nach und nach die äußere, und dieſe, wann fie brave durchge⸗
kaͤltet, wiederum die innerſte werden: ja wenn der 9 ſo
hart
32 Nachrichten von Island.
ter folgen ſie ihnen immer auf den Fuß nach, damit,
wenn es ſo ſtark gefrohren, daß ſie mit ihren kleinen Fuͤß⸗
chen nicht durchkommen koͤnnen, ſie, wenn die Pferde ir⸗
gend eine Oeffnung getreten oder etwan fuͤr ſich gehauen,
von dem entbloͤßeten Mooß ein weniges bekommen moͤ.
gen. Sie eſſen alsdenn auch aus großem Hunger, wie
man oͤfters wahrgenommen, gar das Haar von der Pferde
Schwaͤnzen. Wenn es mit einem ſtarken Winde ſchneyet,
laufen ſie ſtets vor dem Winde voraus, aus den Bergen
dem Strande zu, und oͤfters aus Dummheit in die See
hinein, daß ihrer eine große Anzahl umkommt. Zuwei⸗
len, wenn mit einem mal ein ſehr großer Schnee faͤllt,
beſchneyen ſie ganz und gar. Da ſie denn in große Kup⸗
peln zuſammen laufen, die Köpfe unter ſich zuſammen
ſtecken, und auf den Ruͤcken immer hin ſchneyen laſſen.
Sie frieren aber daruͤber gar oft dergeſtalt ein, daß ſie
ſich ſelbſt nicht wieder heraus helfen koͤnnen. Alsdenn ſie
aus qvaͤlendem Hunger eines des andern Wolle freſſen,
und ſich damit hinhelfen, bis ſie ausgegraben werden.
Welches die Bauern in aller Eile zu thun nicht unterlaſ⸗
ſen, ſobald ſie gewahr werden, wo dergleichen Haufen ſte⸗
he. Und dieſes nehmen ſie an dem Dampf ab, der mit⸗
ten aus ſolchem Haufen in die Hoͤhe, und durch den
Schnee, (durch den er ſich, vermittelſt finer Waͤrme, ei⸗
ne kleine Oeffnung, wie eine Rauchroͤhre, erhaͤlt) heraus
zu ſteigen pfieget. Uebrigens find fie auch mit gar gro⸗
ber und ſtarriger Wolle verwahret: Welches zwar ei⸗
gentlich von der Haͤrtigkeit des Climats und dem ſchlech⸗
; i „ten
hart gefroren iſt, daß ſte nicht mehr mit ihren Fuͤſſen zu der
Heyde, oder Mooß, ſcharren koͤnnen, eines von des andern
Wolle für Hunger freſſen, und ſich ſolchergeſtalt kuͤmmerlich
hin halten. vid. Laurizen Wolff Norrigia illuſtrata, p. 196.
Die Inwohner dieſer Inſeln koͤnnen auch noch zur Saat kom⸗
men, iedoch nichts als Gerſten bauen, wovon fie gleichwol
fuͤr eine Tonne Einſaat, 20 bis 30 Tonnen Korn, wie geſa⸗
get wird, einerndten 1 N.
N
RR
\
Nachrichten von Island. 23
ten Futter herruͤhret. Maßen bekannt, daß ie gelinder
das Climat, und ie beſſer die Weide iſt, deſto feiner und
zaͤrter auch die Wolle der Schafe und die Haare der Zie⸗
gen fallen?; gleichwol aber nach der weiſen Einrich⸗
tung des guͤtigen Schoͤpfers, der ein iedes feiner Geſchöpf⸗
fe, nach ſeinen Umſtaͤnden, nothduͤrftig verſiehet, ihnen
eben auch wider die hieſige anhaltende ſtrenge und durch⸗
dringende Kaͤlte zu einer um ſo feſteren Decke dienet.
Sie werden niemals geſchoren. Weil ihnen aber alljaͤh⸗
rig junge neue Wolle hervor waͤchſet, (welches mitten im
Sommer, um Johannis, wenn ihnen eine geringe Decke
genug ſeyn kann, ſich begiebt) und die alte Wolle über
den ganzen Leib los wird: fo pfleget man, da folche zu⸗
malen ſehr in einander haͤngig gewachſen iſt, ihnen dieſel⸗
be alsdann auf einmal, wie einen Ueberzug abzuſtreifen.
Zu dem Ende werden dieſelbe recht eigentlich gejaget und
eingefangen. Denn es ſtellet ſich ein Hirte mit den ab⸗
gerichteten Hunden auf einen Huͤgel, und giebet, vermit⸗
telſt ſeines Horns, ein Zeichen, worauf die Hunde ſich
vertheilen, und die Schafe von allen Ecken aus den Klip⸗
pen und Wildniſſen herbey, und in eine gewiſſe Huͤrde
oder Stacketwerk, treiben, welches vornher weit aus ein⸗
ander geſetzet ift, nach hinten zu aber, damit fie nicht wie⸗
der entkommen konnen, allmaͤhlig enger wird.
Nicht weniger ift zu bemerken, daß die Islaͤndiſchen Natel i
Schafe insgeſammt, Schafmuͤtter * fowol, als Böcke, ben, 1
nicht
%
; Ich will dieſes zu beſtaͤtigen nur allein was Busbe⸗
quius Ar Legat: Turcic. Ep. I. p. m. 57. von den foftlichen
mit ſo ſchoͤnen, feinen und langen Haaren, verſehenen Ziegen t
in klein Aſien anmerket, hier anführen : Gramine; ſchreibet
er, paſcuntur per eos campos exili et ficco, quod ad lanae
tenuitatem multum conferre certum eſt. Nam conſtat,
alio translatis non manere eandem, fed vna cum pabulo
mutari, totasque ita degenerare capras, vt vix agnoſcantur.
Dieſes iſt in den nordlichſten wuͤſten Laͤndern ſo unge⸗
mein eben nicht; allermaßen Hi Magnus Hit. Lib 7
cap.
BE Nachrichten von getan.
nicht nur große und gewundene Soͤrner / fordern deren
auch gemeiniglich mehr als 4 „ja bis zu 8 *, und un⸗
ter denſelben mannichmal ein ganz gerade vor dem
Kopf hinausſtehendes Horn haben. Da hingegen das
von feinen Hoͤrnern ſonſt allenthalben fo benahmte Horn⸗
vieh dahier derſelben gänzlich ermangelt. Welches zu
muthmaßen Gelegenheit giebet, daß die Schafe, und zwar
alleſammt⸗ deswegen mit Hoͤrnern bewaffnet ſind, weil ſie,
als in der Irre gehend, derſelben wider die vielen und großen
Raubvoͤgel ohnentbehrlich benoͤthiget: dagegen das
Rindvieh, weil es von ſolchen Raubvoͤgeln nichts zu be⸗
fahren, und von wilden reißenden Thieren uͤberall keine
Noth hat, folgbar keiner Hoͤrner zur Wehre gebrauchet,
damit auch unnoͤthig, nicht belaͤſtiget ey, Was aber die
eigentliche natuͤrliche Urſache dieſer Seltenheit ſeyn möge, |
ift wohl fo gar leicht nicht auszuſinnen .
N “
cap. I. begeugel Habet, foricht er, tota (eptentstenäti regio
magnorum arietum vt et ouium multitudines, in quibus
et foeminae cornua gerunt arcuata. Ein gleiches bemerket |
auch Martin an den Schafen auf den rauhen weſtlichen In⸗
re von FORM GA in feiner bereits angegogenen Beſchrei⸗
ung,
8 Dergin hen auch von den Biden der Infel Gottland
Olaus M. an beregtem Orte erwehnet.
Es ift bekannt, daß die Haare, Wolle, Klauen, Hor⸗
ner, welche insgeſammt einer Natur ſind, bey den vierfuͤßi⸗
gen Thieren, (wie die Federn bey den Voͤgein, und die Schup⸗
pen bey den Fiſchen) aus uͤberfluͤßigen Saͤften ihren Ur⸗
ſprung haben; und ob fie wohl als Auswuͤrfe anzuſehen, dene
noch organiſche Coͤrper ſeyn, die auf Pflanzenart aus vielen
hohlen Roͤhrlein beſtehen, zu gewiſſer Laͤnge, Breite u. ſ. w. pro⸗
portionirlich wachſen, (conf. Memoires pour ſervir à Thiſtoire
Nat. des animaux, p. 129 ſeq.) Es ift ferner bekannt, daß
ſolche Saͤfte, nach Bewandniß der Nahrung, theils der
Dauungskraft und uͤbriger Leibesbeſchaffenheit der Thiere ein⸗
gerichtet und gemaͤßiget ſeyn, und derhalben ſo gar unter⸗
ſchiedenes Haar, oder Gehoͤrn, bey dieſen und jenen hervor. SA
bringen. Alſo e aus armen waͤſſerigen N bo |
| weiches,
Nachrichten von Island. 35 |
An einigen Orten beſtehet alles Gewerbe in Schafen, und an ei⸗
weshalben die daſige Bauern auf dieſelbe etwas mehr Acht Bee
haben. Dieſe jagen nur die Hammel ins Gebirge, die beſſer ges
Schafmuͤtter aber halten fie fo viel bey Haufe als thun⸗ weder
lich. Damit ſie auch der Laͤmmer deſto beſſer wahrneh⸗ at
men koͤnnen, ſo pflegen fie den Biden, die ſtets mit
den Schafen herum laufen, vermittelſt eines unter den
| ag „ Bau⸗
N
weiches, langes Haar, oder Horn: aus heißen und kraͤftigen,
ein kurzes, gedrungenes und hartes. Maͤnner haben gemei⸗
niglich kurzes, gekraͤuſeltes, ſtarres: Weiber aber weiches, Ca
langes und ſchlechtes Haar. Stiere, deren Blut und Saas
menſaft in voller Kraft, ein kurzes, dickes, feſtes; Ochſen,
die durch die Verſchneidung entkraͤftet, ein duͤnnes, weiches,
langes Gehoͤrn; (conferri huc meretur Plot. Nat. Hiſt. of
Staffortshire ch. 7. F. 58 q.) So waͤchſet ein einem Capaunen
in die Stirn geſetzter Hahnenſporn zu einem unglaublich lan⸗
geu und krummen Horn. Weiter lehret die Erfahrung, daß
das auf duͤrren magern Gerſtweiden gehende Vieh kurze, das
in der feuchten, fetten Marſch weidende, große, weite Hoͤrner
habe. Bey dem allen iſt das Clima auch nicht auszuſchlieſ⸗
ſen. In kalten Laͤndern, wo wenig Ausdaͤmpfungen, giebt
es wegen Vielheit der vorhandenen Saͤfte große: in heißen,
wo jene ſtark, wegen derſelben Ermangelung, deſto kleinere,
oder gar keine Hoͤrner. Damit uͤbereinſtimmet, was in der von
P. Labat beſchriebenen Volage du Chev. Marchais en Guinée
et Cayenne, Tom. III. ch. 8 angemerket wird, daß nemlich
das aus Europa dahin uͤberbrachte Vieh daſelbſt kleinere und
duͤgnnere Hoͤrner, als in Europa, und die Reheboͤcke fo wenig
Gehoͤrn, als die Rehe ſelbſt haben. Wann nun itzt ange⸗
fuͤhrtes in Erwegung gezogen wird, ſo deucht mich nicht un⸗
wahrſcheinlich zu ſeyn, daß das Rindvieh aus Island aus der
ſoo geringen und ſchlechten Nahrung, die es geneuſt, nicht fø
*
viele und fluͤßige Säfte bekomme, daß daraus Hoͤrner abge⸗
ſetzet und getrieben werden koͤnnten: Und daß hingegen die
Schafe, die nach ihrer Art Nahrung genug haben, weil das
Futter an ſich ſchwach, und das Clima feuchte, lange und
weiche Hörner hervorbringen. Ob ich hierunter auf der reche
ten Spur bin, moͤgen diejenigen beurtheilen, und allenfalls
beſſere Entſcheidung geben, deren Beruf erfodert die Natur
und beſonders das Thierreich auszuſtudiren. ; |
36 Nachrichten von Island.
Bauch ne, Stuͤcke Tuchs das unzeitige Sprin⸗
gen zu verwehren, und daſſelbe nur gegen ſolche Zeit weg⸗
zulaſſen, daß die zu werfende Laͤmmlein im Felde Gras
vorfinden, welches erſt gegen Pfingſten geſchehen kann.
Die fallende Laͤmmlein werden fo fort gezeichnet, wie denn
ein ieder die ſeinen, weil ſie alle durch einander lauſen
meen, mit einem eigenen und beſondern Zeichen bemerket.
aber“ denen Dieſe zarte Thierlein ſtehen von den in den Einöͤden '
; digt dk gewaltig ſich mehrenden, großen Pechſchwarzen Raben,
keen. viele Noth aus: indem dieſelbe oͤfters, ohne daß es zu
verwehren ſtehet, auf die ſchwache Dinger ſtoßen, ihnen
gleich zuerſt die Augen aus hacken, damit fie ihnen deſto⸗
weniger entkommen koͤnnen, und hernach dieſelbe gar ver⸗
zehren. Wiewol die Bauern, wenn ſie es gewahr wer⸗
den, nicht ermangeln ſo fort zuzuſpringen, und die Ra⸗
ben zu verjagen, das Lamm aber, weil es doch ſein Fut⸗
ter nicht wuͤrde finden koͤnnen, ſondern elendiglich um⸗
kommen muͤſſen, abſchlachten und ihm das ſanfte Fell
abziehen, welches dasjenige Pelzwerk giebet, das in Daͤn⸗
nemark und Hollſtein unter dem Namen Schmaaskin
oder Schmaasken! verkauffet und vielfältig von Leu⸗
ten mittelmaͤßigen Vermoͤgens getragen wird⸗ %
Wie ein ie⸗ Um die Schlachtezeit, wenn ſie die Hammel fuͤr die
der fein in Ladung liegende Schiffe in den Fleiſchhaͤven fangen
Schaf wie⸗ und abſchlachten wollen, werden dieſelbe auf vorangeregte
der bekoͤmt. Weiſe in Gegenwart aller Richter, damit ſonſt zu befah⸗
render Zank und Streit vermieden, und niemand ver⸗
vortheilet werden moͤge, mit Hunden zuſammen getrieben,
und einem ieden die ſeinige nach feinem ai zu
ſich zu nehmen ee |
i i N 1295 i *
* Das ift, pellicula, kleines Feuchen, 2 å Datieb E Smaa,
Il. Små, Sued. Sma, Sax. Schmaͤtſch, exilis, „ Ba et
sl. et Angl. Skin, Dan. Skind, * eutis. e
Nachrichten von Island. 37
In den Mågen der geſchlachteten Schafe findet ſich Was in ih⸗
nicht felten eine runde Kugel in der Größe eines Spiel⸗ 5
ballen, ſo innwendig mit Wolle, Mooß u. d. g. ange⸗ wird.
füllet, auswendig aber mit einer Lichtgrauen harten Tar⸗
tariſchen Rinde umgeben iſt. Dergleichen ich einen aus
Norwegen unter dem Namen Tophus Ovinus Norwagi-
cus in meiner Sammlung beſitze. Dieſe Kugeln ent⸗
ſtehen ohne Zweifel aus der Wolle und andern unverdaun.
lichen Dingen, die die Schafe zuweilen aus großem Hun⸗ |
ger hinabſchlingen; und werden eines Theils durch die be⸗
ſtaͤndige Ruͤttelung des Magens (der bekanntlich von ſei⸗
nen kreuzweiſe übereinandetliegenden Haͤutlein ohnab⸗
laßig hin und her gezogen wird,) zuſammen gerollet, ge⸗
preſſet, gewaͤlzet und in die kugelichte Geſtalt gebracht;
andern Theils aber, wann immer mehr Haare dazu kom⸗
men, durch den Magenſchleim mehr und mehr verbun⸗
den, vergroͤſſert, und endlich aus eben demſelben mit der
haͤrtlichen Rinde umſchloſſen ”,
$. XXIX. Ziegen koͤnnen alldie nicht gehalten wer: ien
den, weil es an deren beliebten Futter, dem zarten Laubeb ier nicht.
von Stauden und jungen Bäumen, allenthalben gebricht.
Hr XXX. Odbfen und Ribe fallen nicht größer, 1 und
als das kleineſte Geeſtvieh in ig und erman⸗ Saas 118
€ 3 | geln h haben keine
Lg: Hörner,
Bu: Eg werden dergleichen ganz aus Haaren, ohne Rinde
zuſammengebackene Kugeln, in ziemlicher Größe, auch hier zu
Lande in den Maͤgen der geſchlachteten Ochſen und Kuͤhe ge⸗
funden; welche vermuthlich daher ihren Urſprung nehmen,
daß dieſe Thiere, wenn ſie an den leimern Waͤnden der Bauer⸗
haͤuſer liegen, von dem mit Haaren, Feſtigkeit halber, unter⸗
mengten Leimen, lecken, kauen und hinabſchlingen: imglei⸗
chen, wann es fie irgend jucket, mit ihren ſcharfen Zungen
die Stelle ſchaben, und damit das Jucken vertreiben; woruͤ⸗
ber an den ſchleimigten Zungen manch loſes Haar bekleben
bleibet, und beym Kauen mit hinunter gehet, das nachher auf
bemeldete Art zuſammen geflebet und zur Kugel wird.
Rug FS. XXXI. Die Milch iſt der Joländer e
fiese Arzney: wird auch alſo, wie ſie von der Kuhe .
sene . von keinen andern, als nur Kranken genoſſen. Sonſt
bedienen fie ſich insgemein der Molken oder Wattick (Se.
rum lactis) zu ihrem, und zwar ihrem beſten Getraͤnke.
Deswegen ſie auch hauswirthlich damit umgehen, und
dieſelbe, wenn fie alt, bitter, ſauer und truͤbe geworden,
durch Zugießung des Waſſers zu verduͤnnen, zu verlaͤn⸗
gern und weniger uͤbelſchmeckend zu machen gene
find, j
Wie ſie mit Gr XXXII. Sie 1 viel Butter, Pr ſo viel
umgebene mir bewußt, keine Kaͤſe. Jene ſchlagen die meiſten nach
unnd nach fo haaricht, als fie aus ungereinigter Milch ger
raͤth, in eine zuſammengenaͤhete Schafshaut, und heben
ſie ſolchergeſtalt auf. Weshalben ein Fremder ſie nicht
leicht durch die Kehle bringen kann. Ja weil ſie kein
Salz darein zu thun haben, wird ſie bald ſo gruͤn, ſchwarz,
ranzig, ſtinkend und eckelhaft, daß man ſie nur kaum mit
umſchmelzen u. ſ. f. den Daͤniſchen Matroſen eßbar ma⸗
chen kann. '
Wie ſie das F. XXXIII. Ihre Art das Rindvieh zu ſchlach⸗
ſchlochen, ten, hat auch etwas beſonders. Sie ſchlagen daſſelbe
8 Nachrichten von Is ig
geln, als bereits erwehnet, der re e
allein des Vorzugs, daß ſie von dem Bauersmann auf
den Winter mit unter Dach genommen, und mit dem ſo
kuͤmmerlich gewonnenen Heu, oder auch, ben deſſen Ab⸗
gang, mit dem gedoͤrreten See Kraute l, .
lichſt durchgebracht werden.
nicht auf den Kopf, in Meinung, daß dadurch das Blut
ins Fleiſch traͤte, und daſſelbe daher nicht waͤhren koͤnne,
ſondern ſtoßen ihnen ein dünnes Federmeſſer tief ins Ge⸗
nicke, davon es zur Erden ſtuͤrzet, alsdenn ſchnuͤren ſie
geſchwinde die Fuͤße mit Stricken zuſammen und oͤffnen '
die Kehle, damit das Blut alles e Das Ein⸗
geweide 1
Nachrichten von Island. 39
geweide wird von den Islaͤndern zuerſt ohne viele Reini⸗
gung verzehret: das Thier ſelbſt aber zerſtücket. Die
Stuͤcke werden nicht mit Salz eingerieben, ſondern nur
ein paar mal durch Seewaſſer gezogen, und damit erſt⸗
lich an die Luft, daß fie Windtrucken werden, und herz
nach in ihren Huͤtten uͤber ihre Feuerſtaͤtte, damit der da⸗
von aufſteigende Rauch daran ſchlage und ſie noch mehr
ausdoͤrre, aufgehangen. Solchergeſtalt erhalten fie ihr
eingeſchlachtetes halbverfaulet, halb ſtinkend, bis ſie es
nach gerade aufeſſen. Die es beſſer machen wollen, und
die Mittel dazu haben, kaufen ſich etwas Salz, ſchnei⸗
den, wenn das geſchlachtete Thier noch ganz haͤnget, an
drey oder vier Orten einen tiefen Schnitt ins Fleiſch und
thun in iede Oeffnung eine kleine Hand voll Salz hinein,
in der Einbildung, daß daſſelbe ſich ſolchergeſtalt ſchon von
ſelbſt durch den ganzen Rumpf, ſo viel noͤthig, ziehen,
und das Fleiſch, wenn hernach Wind und Rauch da⸗
zu kommen, vortrefflich bewahren werde. Auf beyde itzt
erzehlete Arten verfahren die Ingeſeſſene auch mit dem
Fleiſche der Schafe, wenn fi ie 755 für ihre e |
durft einſchlachten. : 5
$. XXXIV. Schweine mögen allhie nicht aufge: Haben kei⸗
bracht werden, zumalen fo wenig auf dem Felde, als im ne Theis
Hauſe, zureichliche Nahrung fuͤr dieſelbe zu haben. HUN mol "une
de und Hauskatzen hat man. | ig
F. XXX v. Tauben und anders zahmes Feder vie⸗ daun. ge.
he, koͤnnen wegen der langwierigen ſtrengen Kälte, Manz gets dle |
gel des Futters und Vielheit der Stoßvoͤgel von allerley * ;
Gattung, nicht gehalten werden. Einige wenige mehr |
bemittelte und des halben zärtlichere, haben. ein paar
Huͤnerchen beſtaͤndig im Hauſe, die ſie mit kleingeſchnit⸗
tenen Heu unter ein wenig Rockenmehls mit Waſſer ver⸗
menget, kümmerlich auffuͤttern. {
2 e , SEA
Gevogel
haben.
40 Nachrichten von Island. |
Dae ſie vo: F. XXXVI, Das edle Landgevoͤgel beſtehet, ſo
viel ich erfahren, in Wachteln, großen Schneppen, als
unſre Hohfchnepffen und den Rephuͤnern, Aypen * ges
nanat. Dieſes find die Snoͤriper auf den Lappiſchen
Alpen, die“ ſich allezeit an der Erde halten, mehr laufen
als fliegen, und deswegen nicht ſchwer zu fangen find,
Sie haben der auszuſtehenden ſtrengen Kaͤlte halber ganz
rauhe mit Federn bewachſene Beine, als Haſenpfoͤtchen,
davon ſie oder ihres gleichen bey den gelehrten Schreibern
von Vögeln ** Zagopodes, ſonſt aber in Teutſchland und
in der Schweiz auch Schneehuͤner geheißen werden.
Raubrögel. §. XXXVII. Der Kaupvoͤgel iſt eine unbeſchreibli⸗
Adler.
che Menge und Verſchiedenheit, als große Adler, Geyer,
Habichte, Falten, Eulen, Kaben und andere mehr,
die daſelbſt zum Theil Namen, und zum Theil keine Na⸗
men haben.
F. XXXVIII. Der Adler find verſchiedene Gattun⸗
gen, die dahier, wie auf andern noͤrdlichen nicht ſehr be⸗
wohnten Inſeln f den Inwohnern an ihrem jungen Vieh
unſaͤglichen Schaden zufügen. Einige darunter findfehe
ſtark und keck. Ueberhaupt thun ſie den Menſchen nicht
leicht etwas. Wenn fie etwan aber an einem angetrie⸗
benen todten Körper Menſchenfleiſch gekoſtet haben, ſind
fie wohl eher fo luͤſtern darnach geworden, daß fie ſich era
dreiſtet, Kinder von vier, fuͤnf Jahren wegzuſchnappen,
4 Fr und
Island. | |
Vid Scheffer. Lapponia cap. 19. circa finem,
Vid. Gefn. de Auibus Lib. III. p. 576. 1
+ Wallace in feiner Deſcription of the Isles of Orkney,
pag. 47. erwehnet davon, und fliget hier bey, daß man daft
ger Orten ein Geſetz habe, vermoͤge weſſen derjenige, ſo einen
Adler getoͤdtet, aus iedwedem Hauſe des Kirchſpiels, worinn
ae gefaͤllet, mit einem Huhn beſchenket werden
m X ' x
/
* Riupa. Perdix montana, Gudm, Andr. Lexi.
0
Nachrichten von Island. 41
und mit ſich durch die Luft nach rt Neſte zu ſchlep⸗
| pen,
§. XXXIX. Der Habichte giebt es auch mehr als Habiche |
eine Art. Von der kleinern Gattung habe ich einſtens
einen lebendigen bekommen, welcher nicht ſo groß als ei⸗
ne Taube, und bunt, auf dem Ruͤcken gelbbråunlid) mit
einer ſchwarzlichten Einfaſſung aller Federn und weiß
unterm Bauche war. S. Fig. 1. Derſelbe ſaß mit den
Tauben auf einen Boden und aß mit ihnen, wußte ſich
aber durch ſein Anſehen, und weil er, wenn ſie ſich er⸗
dreiſteten, ihm gar zu nahe zu kommen, dann und wann
einmal zuhackte, dergeſtalt in Furcht zu halten, daß, wenn
ſie auch noch ſo hungerig waren, doch keine ſich erdreiſtete
mit ihm in die Schuͤſſel zu langen, bis er abgeſpeiſet hatte.
8. XL. Nicht weniger finden ſich dahier, abſonder⸗ Falken.
lich an der Nordſeiten, mehr als eine Gattung von Fal⸗
ken unterſchiedener Größe und Farbe. Sie werden für
die tapferſte und geſchickteſte von ganz Europa zur Baize
geſchaͤtzet. Deswegen der König von Daͤnnemark alle
Jahr einen ſeiner Falconirer mit einem Paar Bedienten
eigentlich nach Island ſchicket, um ſo wohl fuͤr ſeine
Jagd, als auch um an fremde Herrſchaften zu verſchen⸗
ken, alle taugliche Falken, die er bekommen kann, zu fas
hen und nach Copenhagen überzubringen. Da denn der
Koͤnig fuͤr einen grauen Falken 5 Thaler, fuͤr einen grauen
und weißen 10 Thaler und fuͤr einen N 7 13
Thaler bezahlet. | 8
Die
5 Die weißen ſind die ſeltenſten, vielleicht uch die tapf⸗
ferſten. Wovon ein artiger und einer genauern Unterſuchung
wohl wuͤrdiger Ort bey Olao M. Lib. 19. Hiſt. Sept. c. 23 ſte⸗
het: ſabalbidus, ſpricht er, vnguibus et roſtro audacius ad-
volando ferit, non ita filcones nigri, qui tardiores funt,
Auia corpora nigra feu fuſca porofa ſunt, de facili euapo-
rantia fpiritus, qui ſunt vehicula virtutis, tuncque laſſan-
tur et debilitantur, quamuis fint agilia per naturam. E
C 5 | contra
42 Nachrichten von „Send.
Wie dieſe Die Falken werden gefangen mit abgerichteten Vår
Hol ng geln, die auf dem Heerde in Kaͤfigen ſitzen und in un⸗
| | glaublicher Weite den Falken ſchon erblicken, auch davon
fo fort ihrem Herrn mit Schreyen ein Zeichen geben.
Alsdenn derſelbe, der in einem verdeckten Buſchhuͤttlein
auflauret, eine Taube flattern laͤſſet, auf welche der Falk,
ſobald er ihrer gewahr wird, ungeſtuͤmlich aus der Luft
herabſchießet, aber indem er zur Erden koͤmmt, vermit⸗
telſt eines uͤber ihn 1 8 ſchlagenden Netzes, e
gefangen wird.
Wie ſie naß Wenn das Schiff, womit die gefangenen Falken
| 3 uͤberbracht werden folen, Seegelfertig ift, werden einige
feucht, und Ochſen und Schafe fuͤr dieſelbe geſchlachtet, und das
auf dem, Fleiſch davon auf dem Schiffe an Maſten, Wand und
Schiffe ge⸗
fewer Stacken aufgehaͤnget. Man nimmt auch noch einiges
en.
lebendige Vieh mit, um unterweges, wann man etwa an
keine Inſel ankommen kann, nach und nach zu ſchlachten.
Iſt es aber thunlich, daß man irgend anlaufen kann, faͤh⸗
ret man nicht vorbey, ſondern verſiehet ſich daſelbſt von
neuen mit friſchem Viehe, das aus voller Weide koͤmmt,
weil von dergleichen Fleiſche die Falken viel beſſer als von
dem andern gedeyen ſollen. Es wird zur Fuͤtterung nur
allein das magere Fleiſch, von welchem man das fette mit
Fleiß hinweg gethan, genommen, in duͤnne Faͤden zer⸗
ſchnitten, und mit Oel und Eyern vermenget. Sie wer⸗
den auch alle Morgen auf gewiſſe Weiſe gekaͤmmet oder
geſtriegelt, und ihrer ſonſt in allen ſehr wohl und ve N
fältig gewartet.
Im Schiffe werden ſie a nicht auf den Bor Kr
den, fondern mt beſondere hee von hölz
u zernen
contra autem alba krigida confertas habent carnes, et quia
ſunt multi humidi, multorum funt fpirituum et propter
carnium eonfertionem 1 non cito enen ideo diu
durant in labore. | |
adpag :$3,
Nachrichten von Island. 43
zernen zarten Latten, geſetzet, die mit kleinen Soden oder
Erdſchollen belegt, und uͤberher mit grobem Tuche bezo⸗
gen worden, damit ſie beydes weich und kuͤhle ſitzen, weil
ſonſt, im Fall die Füße erhitzet werden, eine podagriſche
Krankheit in denſelben entſtehet. Ueber den Raum zwi⸗
ſchen den Raͤhmen und Latten werden Stricke dichte beyees
ſammen in die Qvere geſchoren, damit die Falken, wenn
etwa das Schiff von der See ſtark ſchlenkert, oder ſchwan⸗
ket, uͤberall wieder feſten Fuß faſſen koͤnnen, oder wenn
ſie ja uͤberſtuͤrzen, ſanft fallen und keinen Schaden neh⸗
men. Dieſe Umſtaͤnde habe ich von einem, der als Un⸗
terkaufmann einſt in einem ſolchen Schiffe, worinne Koͤ⸗
nigliche Falken geweſen, mit nach Copenhagen uͤberge⸗
gangen. Soke: 8
§. XII. Von Eulen hat man auch unterſchiedliche Eulen.
Arten, Katzeneulen, Horneulen, Steineulen u. ſ. w.
Es ſind uͤber vierzig Jahre, als ich eine ganz weiße, die
einen gelben Iridem in den Augen hatte, bekam, welche
ich, ſo gut ich konnte, damals abzeichnete und anitzo in
- Kupffer geſtochen hierneben vorſtelle. Dieſelbe hatte auf
der Höhe von Island in einem von Grönland anhero zu
ruͤckkehrenden Schiffe ermuͤdet ihre Ruhe finden wollen,
war aber daruͤber gefangen worden. Wenn man ſie in
einem Zimmer auf dem Tiſch ſetzte und eine lebendige
Taube zu ihr hinein ließ, ſprang ſie ſogleich von oben
auf dieſelbe, rupfete mit dem Schnabel einige Federn
weg, und fraß ihr zuerſt von hinten durch den Ruͤcken
das Herz heraus, nachmals das uͤbrige Eingeweide, und
zuletzt das Fleiſch; aß aber von dem letztern nichts, ehe
und bevor ſie davon die Federn ziemlicher maßen hinweg
geriſſen hatte. | een
$. XLII. Von den Raben ift bereits vorhin etwas Naben.
beygebracht worden, woraus ihre Schaͤdlichkeit ſattſam
zu erſehen. Man bemerket auf verſchiedenen kleinen an
Island liegenden, abſonderlich unbewohnten Inſeln, auf |
; 0 au
\ N
Waſſervoͤ⸗
gel.
4 Nachrichten von Jean
auf einer jeden derſelben allemal nur ein Paar alter Ra⸗
ben ſich befinde, welches dieſelbe für ſich allein behaup⸗
tet, und dergeſtalt verſicht, daß es alle von anderswo
her ſich annaͤhernde abbeiffet und zuruͤckaget ...
$. XLII. Der Strand⸗ und Waſſervöͤgel iſt ſo
eine große Menge und Verſchiedenheit, daß auch von
den Inwohnern ſelbſt keiner ſie alle kennet, vielweniger
ſie alle mit Namen zu nennen weiß. Man ſiehet an ab⸗
gelegenen Orten oder unbewohnten Inſelchen, Klippen
Garnaten, Gewuͤrme u. d. g. aus der milden Hand des
die ganz weiß von Vogelmiſt ſcheinen. Und ſie bedecken
gleichſam mit vielen Schwaͤrmen oder Haufen die See
bis auf 12 bis 18 Meilen von der Inſel: alſo daß man
an ihnen zuerſt wahrnimmt, daß man derſelben ſo nahe
gekommen ſey. Der wenigſte Theil von dieſen Voͤgeln
uͤberwintert auf der Inſel, ſondern die mehreſten, wie fie
im Fruͤhjahr ſich einfinden, alſo ziehen ſie gegen den Win⸗
ter wiederum ab, ohne Zweifel nach waͤrmern Gegenden.
Man ermiſſet ohnſchwer, daß dieſes Gevdgel theils we⸗
gen der uͤberfluͤßigen Nahrung, die eine iede Gattung der⸗
ſelben, an ſo unzehligen Arten von Fiſchen, Krabben oder
allgemeinen Vorſorgers, in der See nach ihrem Geſchmack
und Beduͤrfniß unaufhoͤrlich antrifft: theils wegen der
vielen unerſteiglichen Klippen, worinne fie mit vieler Sir
| | ne N RR GENDE
+ Vid. Wolff. Norrigia illuſtrata, p. 225. Ich habe dies \
ſes zu erwehnen, um ſo viel weniger Anſtand nehmen wol⸗
len, als ein gleiches von D. Martin in ſeiner mehr angezoge⸗
nen Deſcription of the Weſtern Islands of Scottland von
dreyen kleinen Inſeln, p. 47, p. 60 und p. 66 berichtet wird:
daß nemlich auf ieder derſelben nur ein einiges Paar Raben
ſich enthalte, ſo alle ankommende Raubvogel mit großer Ge⸗
walt, Gefechte und Geſchrey zuruͤcke jage, auch ſeine eigene
Jungen, ſo bald ſie fertig fliegen koͤnnen, mit heftigen Beis⸗
ſen austreibe. Ja er bezeuget auch eben daſſelbe von zweyen
Paar Adlern auf zwo unterſchiedenen Inſeln pag. 26 und
Pag. 299.
|
” DAR
Nachrichten von Island. 45
cherheit vor Menſchen und Fuͤchſen niſten und bruͤten
koͤnnen, dieſe ihnen ſo beqveme Inſel ſuche und beliebe.
Dieſer Voͤgel liegen einige faſt beftändig auf dem Waſſer,
und trachten durch Tauchen ihre Nothdurft zu erhaſchen:
andere halten ſich mit ihren ausgeſpanneten Fluͤgeln ſchwe⸗
bend auf der Luft, und lauren von oben herab, ob nicht
ein oder ander Fiſch näher gegen die Oberfläche der See
ſich herauf begeben will; da ſie denn, ſobald dieſes geſchieht,
es wegen ihres überaus ſcharfen Geſichts ſogleich wahr⸗
nehmen, wie der Blitz hernieder ſchießen, und nicht leicht
des Fiſches verfehlen. Man hat von verſchiedenen der
itztangeregten Waſſervoͤgel einige Beſchreibung und Ab⸗
bildung in Martens Reiſe nach Spitzb. und Groͤnl. Die⸗
jenige, die ich darnach gefraget, haben keine ſonderliche
Acht darauf gehabt, und mir alſo nicht viel davon wie⸗
derſagen koͤnnen. 1 VE
Nur wurde erwehnet, daß eine große Seemeve ei⸗ See⸗Meve.
nen gewiſſen wohlgeſchmackten Fiſch, Runmagen ge
nannt, und faſt wie eine Karauſche geſtaltet, aus der
See hole und zu Lande ſchleppe, daſelbſt gleichwohl nicht
mehr als die Leber davon eſſe, und den übrigen Fiſch lie⸗
gen laſſe; daß auch das Bauervolk ſich deſſen fein zu
Nutze zu machen wiſſe, und die Kinder gelehret, fo bald fie
gewahr werden, daß die Meve mit einem ſolchen Fiſche
zu Lande koͤmmt, zuzulaufen, ihn derſelben abzujagen und
ihren Eltern zuzubringen. | | e
F. XLIV. Unter den eßbaren und zum Theil wohl⸗ Eßbare
geſchmackten Strandvoͤgeln find die vornehmſten die Strandro⸗
Schwäne, die Gaͤnſe, die Enten, die Taͤucher
u. ſ. w. welche ſich im Fruͤhjahr ohnfehlbar einſtellen.
F. XL. Unter den Gaͤnſen ift eine Art etwas größer, Gaͤnſe.
£
ER
als eine große Endte, Margees allhier genannt, die
ſich fo häufig einfindet, daß man deren zu 1000 auf einer
Stelle antrifft. Eine andere Sorte, Selſinger geheißen,
n hu llaͤſſet
Enten.
ten Vogel euagfrupfet werden, nichts, well ‚ie fett find |
46 Nachrichten von Island.
laͤſſet ſich auf der Oſtſeite der Inſel nieder, und iſt, Ek
wenn fie ankoͤmmt, ohne Zweifel von der zuruͤckgeleg⸗
ten weiten Reiſe uͤber See, dermaßen matt, daß man
derſelben alsdann 8 1000 ks einmal todt ſchlagen
kann.
F. XLVI. Unter den Entenarten find viele, als
die Stockenten und andere, gut und eßbar. Die meh⸗
reſten aber, als die Krieckenten u. ſ. w. wegen ihres thra⸗
nichten Geſchmackes gar ekelhaft und widerſtehend.
Woran gleichwohl die Islaͤnder ſich nicht kehren, ſon⸗
dern alles, was ſie nur auf den Klippen erklettern, oder
aus den Sandhuͤgeln ausgraben koͤnnen, in den Topf
ſchmeißen, und auf ihre Weiſe gekocht, ohne allen Ekel,
in ihre treffliche Maͤgen, wenn ſie hungert, hinab ſchicken.
Unter allen ift die nutzbareſte die Eyderente, (Isl. Ae⸗
durfugl, Narv. Aedder, Anas plumis molliſſimis
Worm.) Sie iſt ſo groß, als eine gemeine Gans, und
wird von Worm. in Mufeo p. 302 beſchrieben. Unter
ihrer Bruſt hat fie die zarten, weichen und koſtbaren
Pflaumfedern Eiderdunen, oder Edderdunen bey uns
genannt. Doch find die allerbeſten die fo genannten ler
bendigen Dunen, welche nicht allein die meiſte Aus⸗
daͤhnungskraft haben, ſondern auch am dauerhafteſten
ſind. Man nennet alſo diejenigen, welche dieſer Vogel
zur Sitzzeit ſich ſelber ausrupfet, und ſein aus kleinen
Reißig geflochtenes Neſt zur Beqvemlichkeit und Wärme
für feine Eyer und Jungen damit ausfüttert. Weswe⸗
gen die Islaͤnder, die in der Naͤhe der Schaͤren und In⸗
ſelchen wohnen, wo dieſe Endten ſich vornehmlich enthal⸗
fleißig nachſuchen, und dieſe Dunen, oder Pflaumfedern
ſorgfaͤltig heraus nehmen, auch, weil ſie voll Mooß und
Stroh, auf Huͤrden trocknen und reinigen. Hingegen
taugen die, fo zu anderer Zeit, und vornehmlich einem tod⸗
und
ten, den Neſtern, wann die jungen Endten ausgeflogen, EN
* *
Nachrichten von Island. 47
und bald verfaulen. Von den geſammleten Eiderdunen
aber bleibet ſehr wenig im Lande. Das meiſte wird, weil
es ziemlich theuer ausgebracht werden kann, an den daͤni⸗
ſchen Kaufmann verkauft, der ſolche mit heim nimmt und
mit gutem Vortheil nicht nur in Daͤnemark, ſondern
noch mehr außerhalb abſetzet, Man kann hievon nach:
leſen Luca Debes Foeroa reſerata, p. 17. Man hat
mir von dem Eydervogel noch dieſe beſondere Eigenſchaft
erzehlet, daß er nicht nur gemeiniglich viele und zwar
laͤnglichte, dunkelgruͤne Eyer zu legen pflege, ſondern,
wenn man einen Stecken von einer halben Elle mitten
ins Neſt ſtecke, (welches einige, weil die Eyer ungemein
wohlſchmeckend find, zuweilen thun,) gar über Gewohn⸗
heit, fortlege und nicht aufhoͤre bis die Spitze des Ste⸗
ckens, damit er daruͤber ſitzen koͤnne, mit Eyern bedeckt;
wodurch der Vogel aber dermaßen i ich entkraͤfte, magi: er
den Tod davon nimmt.
F. XLVII. Deen fi nd auch einige dar viele Teucher.
aber nicht.
H. XL VIII. Die Summte (Siomen, Colymbi — Lune
iſt ein ſchoͤner Vogel, Gänfegröße, mit einem ſchwarzen
ſchmalen Schnabel und kleinen Fluͤgeln, weswegen, und
weil er immer fetter, dicker und ſchwerer wird, er nur eben
ſo kuͤmmerlich fliegen, als wegen ſeiner gar weit hinter⸗
wertsſtehenden Füſſe gehen kann. Die Islaͤnder geben
vor, daß niemand ie ſein Neſt gefunden habe, und daß er
feine Eyer unter feinen Fluͤgeln ausbruͤte. Allein, das
koͤmmt daher, weil er nicht an der See, ſondern um Si⸗
cherheit und Beqvemlichkeit willen an abgelegenen Or⸗
ten, und zwar nur auf, oder ganz nahe am ſuͤſſen Waſſer
ſein Neſt leget, damit er nemlich auf den Eyern ſitzend
trinken, auch ſonſt, wann noͤthig, deſto beqvemer und ge⸗ |
ſchwinder heraus und hinein kommen koͤnne: Geſtalt ei⸗
ner, der ſolches ein ren gelegenheitlich mit eigenen
Augen
!
Geyervo⸗
gel. |
Von den
N. må
as Nachrichten von Island.
. zu erblicken das Gluͤck gehabt, mich verſichert
at > 1 Va ER 5 re 135
FS. XLIX. Der Geyervogel (Geirfuͤgl) * Mergan-
fer Aldrov. wird gar felten geſehen, und zwar allein an
den unten her an der Weſtſeite liegenden und von ihm
den Namen Geirfuͤgl⸗Skeer führenden Klippen. Die
Islaͤnder, wie ſie aberglaͤubiſch ſind, halten feſtiglich da⸗
fuͤr, daß, wenn dieſer Vogel ſich ſehen laͤſſet, es ieder⸗
zeit eine recht ſonderliche und große Begebenheit vorbe⸗
deute. Und man hat mich verſichert, daß das Jahr
vor des Koͤnigs Friderici IV. Ableben, da man vorher
in vielen Jahren keinen verſpuͤret, ganz verſchiedene der⸗
ſelben wahrgenommen worden. | ja
$. L. Es ift eine anmerkenswuͤrdige Sache, mit wel:
PS cher Vorſichtigkeit die Waſſervoͤgel ihre Neſter in die
gel. ſteileſten Felſen, und an die vortheilhafteſten Stellen auf
Topographia Norwegiae, p. 117 ſed.
vielerley Art zu legen und dergeſtalt zu verſtecken wiſſen,
daß man dieſelbe entweder gar nicht auffinden, oder doch
nicht ohne die groͤßeſte Mühe und Beſchwerlichkeit mit
Leib⸗ und Lebensgefahr erklettern kann *. Wobey ferner
die Geſchicklichkeit dieſer Voͤgel noch mehr zu bewundern,
mit welcher dieſelbe, ohnerachtet fie gemeiniglich ihrer Nah⸗
rung gar weit nachfliegen müffen, nicht nur den Ort ih⸗
| Ba ©
"+ Ron biefem Vogel haben Worm.Muf. p.304 und Wil-
lugb. Ornitholog. p. 259 etwas. Dieſem Vogel ift an Größe
und Geſchrey auch ſonſt an ſeiner Art gar aͤhnlich ein anderer
von den Islaͤndern Zuubryre, von den Faͤrroͤern Imbrim ges
nennet. Mergus maximus Ferrenfis Wormii in Muſ. p. 303.
In den Orcadiſchen Inſeln Embergoo/e, Sibbald. Scot. illuftr.
prodr. p. II. Iib. 3. c. 6. von welchem artige Nachrichten ſich
finden in Luca Iacobſoen Debes Ferroa, p. 128. 4
Vid. Worm. p. 300. Willugb. p. 53.
*r Wovon exempelsweiſe gar artig zu leſen ift, was von
den Normaͤnnern dießfalls anführet B. Steinkuhl in feiner
el 8 . 1 8
Å
Br
Nachrichten von Island. 4
res Neſtes wieder finden, ſondern ein ieder das ſeine un⸗
ter ſo vielen hunderten, ja zuweilen tauſenden, die einan?
der in aller Menſchen Augen ganz gleich ſehen, ohne J Ser RN
thum auskennen kann *, |
\
Ä 6. LI. Die Eyer ſind ( gemeiniglich auch der Von ben
wilden Süßwaffervögel ihre) von Farbe gruͤngelbe mit Cern.
ſchwarzen oder braunen Flecken, welches zu einigem Nach⸗
finnen Gelegenheit giebet, und dabey von dickern Scha.
len als der Landvoͤgel Eyer; ohne Zweifel wegen der
Rauhigkeit des Climats und Naͤhe der See, damit naͤm⸗
lich, wenn die ſitzende Weiblein ſich wegen Entlegenheit
ihrer Nahrung, wie oft ſeyn kann, etwas verweilen muͤſ⸗
ſen, ehe ihnen wieder zu Neſt zu kommen moͤglich iſt, in⸗
zwiſchen die innerliche Waͤrme nicht ſo leicht heraus, noch
die äußere kalte Luft hineindringe, mithin das Kuͤchlein
nicht umkomme **, Es find auch die allermeiſten dieſer
Eyer von gutem Geſchmack und ſo wohl zu gebrauchen, N
daß dadurch der Abgang der Eyer vom zahmen Feder⸗
viehe vollenkommen und uberfluͤßig erſetzet wird. Wel⸗
ches den Daͤnen, die der Eyer zu allerley Gebrauch noch
mehr als die Islaͤnder gewohnet ſind, bey ihrem BUN N
halt dahier beſonders zu Rae feu
gi Il.
00 Wovon ganz ungemeine und e Aumer⸗ |
fungen aufgezeichnet hat Zorgdraget Grönl, Vifcher. P. II. e,
14. P. 153 ſedg.
Der Graf Marſi merket noch von den Eyern der Was |
ſervoͤgel an, daß in denſelben vielmehr weißes als in der Land⸗
voͤgel ihren ſey: weil die junge Brut wegen der Feuchtigkeit
und Kaͤlte, ſo aus dem gar zu nahen Waſſer auf ſie faͤllt,
laͤngere Zeit als jener zu ihrer Zeitigung vonnoͤthen hat, und
folglich des weißen, aus welchem dieſelbe, ſo lange ſie im Ey
"ift, bekanntlich allein ihre Nahrung ziehet, deſto mehr en
chet. 1 Pannon. et Be; RN . uf. RER
4
D
>>]
.
Kon der
großen
Menge
„% achten ven Jaun
n ÅR Nunmehr ſchreite ich zu dem Haupt und vor⸗
nehmſten Theil dieſer Nachrichten, nemlich dem reichen
Seefſche. und ganz beſondern Segen, deſſen dieſe Inſel von der
Guͤte Gottes an der unerſchoͤpfflichen Menge ſo vieler
und mancherlen großer und kleiner, niedlicher und nutz⸗
barer Seefiſche zu genießen hat: zumalen dieſelbe dahier
loch in ihrer vollkommlichſten Güte und ungeſchwaͤchten
Kraft ſich befinden. Denn es find, zwo aus der Erfah:
rung bekannte unſtreitige Wahrheiten, daß ie weiter nach
Norden hin der Fiſch gefangen werde, ie beſſer, fetter
und dauerhafter derſelbe ſey; und dann, daß der Fiſth
mitten im Winter, oder in der groͤßeſten Kälte, in ſei⸗
nem beſten und vollkommenſten Stande ſey, Weshal⸗
ben auch die Berger und Drontheimer den Fiſch nicht
vor der Thuͤre ſelbſt fiſchen, ſondern von den außerſten
Normaͤnnern, oder Norwegern, die ihn ſo hoch in Nor⸗
den, als ſie mit ihren Fahrzeugen nur kommen koͤnnen,
zu fangen, bemuͤhet leben, denſelben jährlich erhandeln:
Dieſe Mokmanner aber ſo gleich nach Weynachten in die
See ſtechen und den Fiſchfang beginnen *; gleichwie
unſere Islaͤnder bereits um Lichtmeſſen damit allemal den
Anfang machen. Die unermeßliche Tiefen unter dem
Nordpole find die rechte Geburtsplaͤtze der Seefiſche, wo
fe zugleich ihre gedeylichſte Koſt und beften Wachsthum
aben; dahingegen fie, ie weiter fie ſich davon entfernen,
bey ihrem Auszuge mehr und mehr auf untiefere Waſſer
kommen, auf den Gründen und Baͤnken fo viel Nahrung
nicht mehr finden, auch durch die ſtetigen und weiten Rei⸗
ſen abgemattet, entkraͤftet und mager werden. Allein,
hierbey entdecken ſich viele fonderbare Merkmale der wei⸗
ſen und gültigen EUER des großen Schoͤpfers &
i 17
Hs BOV ie Peder Clap N Beſ 1 ged.
Kopenh. 1632, welche C. S. K. H. D. d. i. Chriſtian Stein«
kuhl, Hafn. D. fub titulo: Topographia e ins
Deuiſche uͤberſetzet, p. 113.
Nachrichten von Island. 5¹
Erhalters aller Dinge. Denn wie in jenen unergruͤnd⸗
lichen und dazu meiſtens mit ungeheuern nimmer ſchmel⸗
zenden Eisfeldern verſchloſſenen Tiefen die Menſchen fie
wohl würden muͤſſen ungeſtoͤrt und ungefangen laſſen:
alſo muß ihre übermäßige Vermehrung ſie ſelbſt noͤthi⸗
gen, heraus, und den Menſchen auf untiefern fiſchbaren
Gründen entgegen zu kommen, zugleich aber auch, weil da⸗
ſelbſt fo uͤberfluͤßige Nahrung nicht vorhanden ift, der Hun⸗
ger ſie zwingen, auf den Angel zu beiſſen, mithin den an der
Mordſee wohnenden Voͤlkern nicht allein reichlich ihren
Unterhalt, ſondern da es ſelbigen an andern von Frem⸗
den begehrten Kaufmanns waaren groͤßtentheils gebricht,
auch Vorraths genug zu dem benoͤthigten und zugleich
eintraͤglichſten Handel mit dem übrigen Europa datzuz
bieten. i | h a
Dien Bewohnern der Inſel Island, welche den aus
Norden herabſchießenden Schwaͤrmen im Wege lieget,
kommen die Fiſche in erwuͤnſcheter Guͤte von allen Sei⸗
ten zu, und drengen ſich in ihre Fioͤrden oder Inwiege
(Sinus) mit allen Winden. Ich will aus denſelben nur
der vornehmſten, nutzbareſten und zu kennen nothwen⸗
digſten Arten erwehnen. Der uͤbrigen Namen, Eigen⸗
ſchaft und Nutzung aber andern, die dazu mehrere Gele⸗
genheit, Muße und Wiſsenſchaft haben, zu erkundigen,
und der gelehrten Welt in umſtaͤndlichen Beſchreibungen
bekannt zu machen uͤberlaſſen. „
F. LIII. Ich mache von den kleinen Gattungen den Deren von
Anfang, als da find der Heering, der Kablau, die nr
Laͤnge, der Wittling, der Dorſch, der Schelfiſch,
der Seebutt, der Sillbutt, die Schullen. A
. LIV. Der Heering, (wie ich billig ſchreibe, weil Heering.
nicht nur die Ausſprache ſolches erheiſchet, ſondern auch
ſeine Eigenſchaft, da er nimmer einzeln, ſondern iederzeit
Heerweiſe durch alle Meeren ziehet und woher ihm ohne
SN | dr Z bweifel
N
1 Nachrichten von Island. .
Zweifel der Deutſche Name gegeben worden, foldhes al⸗
lerdings erfordert) oder der gekroͤnte Fiſch, wie ihn
unſere Leute heißen, fuͤhret wegen ſeines unausſprechli⸗
chen über den groͤßeſten Theil der bewohnten Welt auß
eine oder andere Art fh erſtreckenden Nutzens mit allem
Rechte den Trupp. Es ift derſelbe aller Orten fo be⸗
kannt, daß man ihn nicht beſchreiben %, ſondern nur nen⸗ 5
nen darf; ſo erkennet ein iedweder ſchon, was fuͤr ein
Fiſch gemeinet ſey. Wie viel aber Gattungen dieſes Fi⸗
ſches ſeyn, iſt bey weiten ſo bekannt nicht, weil dieſelbe
bis anher noch nicht genugſam unterſuchet, vielweniger .
in deutliche Richtigkeit gebracht worden. So viel Is⸗
land betrifft, weis ich zwar, daß alle deſſen Fioͤrden mit
dem beſten und fetteſten Heering dergeſtalt angefüllee
find, daß, wenn der Inwohner geringe Anzahl und Uns
vermögen nicht im Wege ſtuͤnde, diefelbe gar bald und
beqvemlich den vortheilhaftigſten Handel damit wuͤrden
behaupten koͤnnen. Allein die unterſchiedene Sorten
derſelben habe ich, weil niemand darauf ſchlaͤget, ohn⸗
moͤglich ausfuͤndig machen koͤnnen. Nur wußte man zu
ſagen, daß daſelbſt zuweilen eine Art mit vorkomme, die
drey Viertel einer Elle lang und guter drey qveer Finger
breit ſey. Vielleicht iſt dieſes diejenige Gattung, die von den
Fiſchern ſonſt Heeringkoͤnige genennet, und fuͤr der
großen Schwaͤrme Heerführer und Leiter gehalten wer⸗
den“. Re
| Was
»Wer indeſſen eine MN verlanget, kann fi .
beym Schoenevelde Ichthylogiae, p. 37. ‚Willougb. ‚Ichthyo
p. 219 und bey andern finden.
Von dieſen bringet Martin in der öfters angezoge⸗
nen Beſchreibung, of the Weſtern Islands of Scottland,
p. 143 folgende Nachricht bey: Fiſcher und andere, ſpricht er,
haben mir erzehlet, daß es einen Heering, der bey nahe noch
einmal ſo groß, als die uͤbrigen ſind, gebe, welcher alle die,
ſo in einen Meerbuſen ſich enthalten, fuͤhret, und wohin er
ſich wendet, von dem ganzen Schwarm e eee
it wird.
[|
Nachrichten von Island. 3
Was ſonſt für Gattungen ſonderlich bekannt ſind, Deffen un
und womit mehr oder weniger Handlung getrieben wird, cheat Died
ſolches erhellet aus unten angeführten tungen. |
Von den Fiſchern wird insgemein ginge en daß San
die Heeringe von der bloßen Schleimigkeit des Waſſers ſey,
leben. Daſſelbe aber wird dadurch klaͤrlich widerleget,
daß die Heeringe nicht nur Zaͤhne im Maul haben, wel⸗
che ihnen zum Waſſerſchlucken gar unnoͤthig, wohl aber
eine gewiſſe Anzeige ſind, daß ſie ihnen zu Feſthaltung
der Fiſche u. d. g. ſo ſie zu ihrer Nahrung faſſen und hin⸗
abſchlingen muͤſſen, dienen ſollen: fondern daß zuweilen
auch andre Dinge von Nachſuchenden in ihren Maͤgen
wahrgenommen worden. Alſo hat Neukranz (in ſeinem
Opuſculo de Harengo p. 28.) in eines Magen zuweilen
uͤber 60 kleine theils halbverdaucte Krabben oder Garna⸗
ten ſelbſt gezehlet, und Leeuwenh. laut feiner 97 Miſſiyve
zu der Zeit, wenn die Fiſche ſetzen, viele b in der
Heeringe Gedaͤrmen abu |
nen 8
wird. Diesen Fuͤhrer hießen die Fiſcher den Koͤnig der Hee⸗
ringe, und wenn ſie ihn von ohngefehr lebendig in die Haͤn⸗
de bekaͤmen, wuͤrfen ſie ihn ſorgfaͤltig wieder in die See;
maßen fie es für ein kleines crimen laefae maieftatis (petti
treaſon) hielten, einen Fiſch eines ſolchen Namens zu ver⸗
derben. |
+. Hieher gehören die Sitdinen der Nordſee (Chalcides, -
Bellonio de Aquatil. p. 170.) welche von den Engelländern
Pilchards (Ray Synopfis Piſcium, p. 104.) und von den Fran⸗
zoſen Celerins genennet werden; denen gar nahe kommen die
Sardines, oder (wie man in Venedig ſaget,) Sardelle der mit⸗
tellaͤndiſchen See: wie imgleichen die Engliſche Sprott oder
Spratt, welche eigentlich die junge Brut von Heeringen oder
Sardinen (Ray c. I. p. 105.) und geraͤuchert ein gar angeneh⸗
mes Eſſen ſind: nicht weniger die Stroͤmlinge des Sinus
Bothnici, davon unten in not. Von
den fo genannten Stuͤmheering. Staffbeering und pir i
zers f. Schoney. d. I. p.39 1 95
N
Wo fig ei⸗
gentlich
herkom̃en?
Nachricht
vom Hee⸗
ringsfange.
34 Nachrichten von Island.
Es iſt keine unnuͤtze Grille, nachzuſinnen woher doch
die unbegreiflich großen Heerſcharen und Schwaͤrme von
\ É
Ich achte es nicht ungereimt zu ſeyn, bey dieſer Geles
genheit zugleich eine eigentliche Nachricht von dem hollaͤndi⸗
ſchen Heeringsfang mit wenigen zu geben. Die bey Hitland
verſammlete Buizen laufen aus gegen Nord⸗Nordweſten, und
werfen bey Fayrhill das erſte Netz in der Nacht nach Johan⸗
nistag, den 25 Jun. nach 12 Uhr aus. Die Fiſcherey geſchie⸗
het nicht anders, als zu Nachtzeiten, damit man eines Sheils
den ankommenden Heeringſchwarm an ſeinem Blick (welcher
durch deſſen Augen, und die um denſelben zu nechſt herumſi⸗
gende ſtark glänzende Schuppen vornehmlich verurſachet
wird) deſto beſſer wahrnehmen, und ihm alſo die Netze recht
gder vorziehen koͤnne; andern Theils auch der an durch dag
Sauer, d. i. das Laternenlicht auf den Schiffen, (dergleichen
Vortheils man ſich auch auf den dalmatiſchen Kuͤſten zum
Sardinenfang nuͤtzlich bedienet, Spon voyage d’Italie, p. m.
84.) noch um ſo mehr, weil der Fiſch demſelben zueilet, her⸗
beygelocket werde, die Netze aber um fo weniger ſehen mis
ge. Dieſe Netze, welche ſehr lang ſind, muͤſſen auf eine von
der Obrigkeit feſt geſtellete Maaße, mit engen Maſchen SÅR
i mit
Nachrichten von Island. 35
aber bemuͤhet, denſelben noch viel weiter nachzuſpuͤren.
Habe fie auch nicht allein um Island, ſondern noch hoͤ⸗
8 her
mit nemlich der Fiſch mit ſeinen Ohren darinn ſo gleich haͤn⸗
gen bleibe) und wenigſtens aus gutem Hanfe verfertiget wer⸗
den. Itziger Zeit werden ſie großen Theils aus grober per⸗
ſianiſcher Seide (weil dergleichen Netze drey Jahr aushalten
koͤnnen) geſtricket: fie werden auch alle, fo bald fie fertig, das
mit man ſie um deſto unkenntbarer mache, mit dem Rauche
von Eichenholzſpaͤnen, als ich zu Amſterdam einſt angemer⸗
fer, braͤunlich gefaͤrbet. Vor dem 25 Juni, weil der Fiſch vore
her noch in ſeiner rechten Guͤte nicht iſt, noch ohne ſich anzu⸗
ſtecken, weit verfahren werden kann, darf kein Netz ausge⸗
worfen werden. Zu dem Ende Schiffer, Steuermann und
Matroſen nach Verordnung der befondern Placaten vor der
Abfahrt aus Holland ſich dazu verbindlich machen, auch bey
ihrer Ruͤckkunft, daß ſolches von ihnen, auch ihres Wiſſens
von andern, nicht geſchehen, vermittelſt leiblichen Eides er⸗
haͤrten muͤſſen. Wovon ſo dann einem ieden Schiffe, das
anderswohin mit dem erſten Heering geſchickt wird, damit
niemand betrogen werde, noch dieſe eintraͤgliche Handlung in
Miscredit gerathe, ein beſondres an Ort und Stelle vorzuzei⸗
gendes Certificat mitgegeben wird. Und dieſer Punct iſt ſo
wichtig, daß er in der zwiſchen der großen Fiſcherey in Hol⸗
land und der Stadt Hamburg 1609 errichteten Convention
nicht nur von jener Seiten, ſondern auch von der Stadt, ſo
viel ihre auszuſchickende Buizen betrift, ausdruͤcklich bedun⸗
gen worden. e eee
| Von S. Jacobi bis Creuzerhebung wird unter Schotte
land bey Bockeneß und Sereniat; von Creuzerhebung bis
S. Catharina bey Jarmupden gefiſchet; und in den Placa⸗
ten hat man Erlaubniß, gar bis vlt. Decemb. damit, wenn
man will, fortzufahren.
In den erſten drey Wochen, naͤmlich von dem 25 Jun.
bis 15 Jul. wird aller Heering, den man faͤnget, unſortiret
durch einander in die Tonne gethan, und durch die den Buizen
nachgeſchickte geſchwinde Schiffe, Jagers genannt, aus den⸗
felben übernommen, und fo geſchwinde, als nur möglich, nach
Holland gebracht, auch deshalben Jager⸗Haaring geheis⸗
ſen. Nach dieſer Zeit wird der Fiſch, fo bald er aufs Schiff
gekommen und ausgekiefet, in drey Sorten, die man Maajſe⸗
kens⸗Voll⸗ und Schooten⸗Gaaring betitelt, fleißig unter»
| Ä D 4 ſchieden,
56 Nachrichten von Island.
ber und unter dem Nordpol aufgefunden. Wobey ich
1777 for SET ni
ſchieden, und iede derſelben beſonders geſalzen, und in eine
beſondere Tonne gepacket. Der Maaſekens oder Maatjes⸗
Baaring, (d. i. der Maͤgdchen⸗ oder Jungfern⸗Heering) HE ders
jenige, worinn noch die Milch ſo wenig, als der Roͤgen er⸗
kenntlich; der ſchoͤn fett, aber nicht dauerhaft iſt. Voll
Baaring oder Boll» Heering heißer der, fo voll Milch oder
Nøgen, und in ſeinem rechten vollkommenen Stande ift.
Schooten ⸗Haaring (geſchoſſener Heering) PNlen⸗Haaring
(contra&te pro Ydelen h. e. leerer) imgleichen Zol⸗gaaring
(hohler Heering,) ift derjenige, fo geleichet, oder Roͤgen und
Milch geſchoſſen, oder denſelben doch wenigſtens ſo los hat,
daß er eben ſchießen will (welcher Zuſtand mit einem beſon⸗
dern Worte Ruyt⸗Jieck und Welk⸗Sieck genennet wird) und
ſchon wiederum ſchlechter iſt, auch ſo gut nicht dauret, als der
Voll⸗Heering. Mit den beyden letzten Sorten kommen die
Buyzen ſelbſt, fo bald eine iegliche ihre Ladung hat, oder nicht
mehr zu fangen iſt, nach und nach zu Hauſe; woſelbſt alle
drey Sorten, ehe man fie wieder weiter ſendet, geoͤffnet, von
neuen geſalzen und dergeſtalt aufgehoͤhet werden, daß man
aus 14 Seetonnen 12 neue Tonnen, die eine Laſt heißen, ma⸗
chet. Von dem hollaͤndiſchen Heeringfange hat etwas Hap⸗
pel. Relation. Curioſ. Tom. II. p. 53 feq. und Marperger
Kaufman. Magaz. p. 597. Der vornehmſte und beſte Hee⸗
ring, der itziger Zeit in Hamburg gebrauchet, und von da ins
Reich verſandt wird, ift der Hollaͤudiſche, der von dannen ver»
ſchrieben, iedoch in Hamburg, ehe er weiter gehet, durch eige⸗
ne dazu beſtellete und vereydete Wardirer, Wracker und Pa⸗
cker wiederum geoͤfnet, von neuen auf hollaͤndiſche Art ein⸗
geſalzen, umgepacket, gewracket und nach feiner Beſchaffen⸗
heit und Guͤte auf Eid und Pflicht mit gewiſſen von der
Obrigkeit dazu geordneten Cirkelſtrichen und Zeichen gemerket
wird, davon auch einige Nachricht bey itzt angezogenen Scri⸗
benten zu finden. Es ruͤhret aber die beſondere Guͤte und
Schmackhaftigkeit des hollaͤndiſchen Heerings, womit er alle,
von allen uͤbrigen Nationen gefangene und zubereitete Heerin⸗
ge uͤbertrifft, eigentlich daher, daß die Hollaͤnder den Fiſch ſo⸗
for“ lebendig vor dem Meſſer, wie er nach gerade gefangen
wird, auskiefen, (d. i. die Kiefen, Branchias, ausſchneiden,)
ſorgfaͤltig zubereiten, und den fie in der Nacht gefangen, MAL i
Nachrichten von Island, 57
gekommene zuverlaͤßige Nachrichten „als auf folgenden
Grundſatz: Wo diejenige große und kleinere Fiſchſorten,
deren gemeineſte und liebſte Koſt der Heering iſt, ſich in
beſonderer Menge und Fettigkeit finden, dafelbft muͤſſen
nothwendig Heeringe und zwar in groͤßeſtem Ueberfluß
ſich aufhalten. Nun find von der groͤßern Gattung die
WMeerhunde oder Hayfiſche, das Meerſchwein und
von den Wallfiſcharten außer dem Finnfiſche (welcher
deswegen bey den Normaͤnnern Sildhual oder Sild⸗
val, d. i. Heeringwallfiſch, heißer, der ſogenannte
Nordcaper mir vornehmlich bekannt, als in deren Mäs
gen allemal eine große . Heringe wahr⸗ å
genommen werden,
X will nur insonderheit des e gehalten, und Mordcaper.
| von demſelben zugleich einen merkbaren Umſtand beybrin⸗
gen. Er enthalt ſich vornehmlich auf der aͤußerſten noͤrd?
lichen Ecke von Norwegen, Nordcap genannt, daher
ihm auch die Groͤnlandsfahrer ſeine Benennung beygele⸗
get haben, ohne Zweifel wegen des gewaltigen Heerings⸗
ſtrichs, der daſelbſt vorbey und an Norwegen herunter:
ſtuͤrzet. Nichts deſtoweniger hauſet er auch, daß ich ſo
rede, um Island herum in gar großer Menge. Und
daß auch dieſes aus keiner andern Urſache, als um des
dahier fo ſehr häufig anzutreffenden Heerings willen ge⸗
ſchieht, liege: daraus zu hellem Tage, daß derfelbe, wie
ich mit Sicherheit berichtet worden, wenn ihn hungert,
nicht allein die in den Fioͤrden oder Meerbuſen zerſtreuet
ſchwimmende Heeringe zuſammen treibet, und vor ſich
her gegen den Strand jaget, ſondern auch, nachdem er
deren, ſo viel, als orig, oder möglich, e ge⸗
| er
vor wieder eintretender Nacht in Tonnen von Eichenholz mit
zwiſchengeſtreueten groben Spaniſchen, oder Portu gieſiſchen
Boyſalze ordentlich legen oder packen; da die uͤbrigen Natio⸗
10 in 3 oder jenem Stucke, ſich fene erfinden -
å en. * 3
s Nachrichten von Island.
bracht, vermittelſt einer kleinen Wendung feines großen
Leibes einen merklichen Wirbel im Waſſer veranlaſſet,
und dadurch die ungluͤckſeligen Thierlein ſolchergeſtalt zu⸗
ſammen und zu ſich bringet, daß er ſie alsdenn durch eine
ſtarke Einathemung, in feinen eröffneten Rachen, Tonnen⸗
weiſe mit einem ziemlich gewaltſamen, ſelbſt die kleinen
Fiſcherboͤthe, wo fie in den Strudel verfallen, mit fort:
reißenden Zuge hineinholet oder ſauget, und in ſeinen wei⸗
ten Magen hinabſchlinget . Daß aber dieſe ſowohl als
Dieſe Wallfiſchart, oder eine andere, die ſich nicht
minder vom Heering naͤhret, haben die Islaͤnder vordem
Syldrecke (Gudm. Andr. Lexic, Island.) d. i. Heeringmeiſter
geheißen, und (beym Verel. Lex. Sc. Scand.) ift Sildraeki ba⸗
lenae ſpecies, quae haleces ex profundo in ſinus et breuia
compellit, wie denn auch D. Martin in feiner Defcription
of the Weſt - Islands of Scottl. p. 5 anfuͤhret, daß ſich
bey dieſen Inſeln in den Heeringbayen eine Menge von
Wallfiſchen unterſchiedlicher Art finde. Welches, mei⸗
nem Bedünfen nach, wegen Untiefe der Gründe, keine ande⸗
re als Nordcaper, Butzkoͤpfe und Meerſchweine ſeyn koͤnnen.
In den Philofoph. Transact. N. 397, Art, 2. wo unter andern
von den Wallfiſchſorten bey Neuengelland Nachricht gegeben
wird, heißer einer Fin. Bach. Ihale von feiner hinten am Ruͤ⸗
cken führenden 2% bis 4 Fuß hohen Sinne, oder ſehnichten
und fleiſchichten Floßfeder: von welcher ihn auch unſere und
die Hollaͤndiſchen Groͤnlandsfahrer ebenfalls Finn fiſch benen⸗
net haben. Vid. Martens Spitzbergreiſe, cap. u. Und von
dieſen wird in den angezogenen Transactions angemerket,
daß er die Mackrelen, Heeringe u. d. gl. kleine Fiſche durch
eben dieſelbe natürliche Lift, deren ſich der Nordcaper bedie⸗
net, bey etlichen hunderten auf einmal einſchlinge. So be⸗
richtet auch Kaempfer Hiftory of Japon B. I. Ich. 1, daß da⸗
ſelbſt eine Art Wallfiſche, die die Japoneſer lwaſicurn, d. i.
wie er es ausleget, Sardineneſſer heißen, ſich in Menge auf⸗
halte. 7 5
VUueebrigens habe ich hiebey eine kleine Erwegung, die ich
gehabt, nicht weglaſſen wollen. Es kann einem, der itzt Ange⸗
fuͤhrtes lieſet, gar leicht einfallen: wie iſts doch moͤglich, daß
die Heeringe und dergleichen Fiſche von ihren ungeheuern und
unerſaͤttlichen Verfolgern nicht gar ausgetilget, und aus dk
| ! | ” ee
Nachrichten von Jeland. 59
auch die uͤbrige benannte Heeringſchlucker ſich ſogar ben
Spitzbergen, und ſo hoch nur unſere Groͤnlandsfahrer
ie gekommen, noch immer antreffen laſſen, ſolches bezeu⸗
gen dieſelbe einhellig, doch iſt der einzige fleißige Martens
in ſeiner wohlbeglaubten Reiſebeſchreibung es zu erweiſen
ſchon genug. Alſo muͤſſen denn beym Nordpol Heeringe
in großer Menge ſeyn. Welches ich mir zu erweiſen vor⸗
genommen. Unter den kleinern Heeringfreſſern verſtehe
ich den Kabbelau und fein Geſchlecht, die Lengen,
Schelfiſche u. ſ. w. Inmaßen mir bekannt, daß nicht
allein unſere Hilgelander Fiſcher aus der Erfahrung er⸗
lernet, daß das gewiſſeſte Aas für diefe Fiſche, woran fie
am begierigften beißen, der Heering ſey: ſondern es er⸗
zehlen auch unſre Groͤnlandsfahrer, daß, wenn ſie der⸗
gleichen Fiſche zu ihrer Erfriſchung bey Spitzbergen, und
der Gegend, fangen wollen, fie in Ermangelung VE
8 59 1 | 7%
See aufgeraͤumet werden? Allein, da findet ſichs im Nach⸗
finnen gar bald, daß der weiſe Erhalter der Creatur es alſo
gefuͤget, daß die kleinen Fiſchſorten in unbegreiflicher Menge
ſich vermehren; dagegen jene Meerbeſtien nur jährlich ein
einziges, hoͤchſtens zwey Jungen ſetzen: Auch die groͤßern
Gattungen ihres Geſchlechtes, welche ſolche Fiſchfreſſer mehr
als um die Helfte an Groͤße uͤbertreffen, ſich auf eine andere
Weiſe naͤhren muͤſſen. Alſo iſt der groͤßeſten Art dem eigent⸗
lichen ſpitzbergiſchen Wallfiſche ſo wohl durch die vielen zot⸗
tichten Blätter, oder fo genannte Baarten, womit fein Rachen
angefuͤllet, als durch ſeine enge Kehle das Fiſchſchlingen ver⸗
wehret, und muß er ſich vornehmlich mit kleinen Krabben,
oder Garnaten, und einem fettigten Waſſer⸗Inſeck behelfen.
Dabey er indeſſen gleichwohl nicht zu kurz kommt, ſondern
vortrefflich gedeyhet. Der Tang-hual muß von Tang (Angl.
Tangle) einem Meerkraute, Fuco marino; andere von ande⸗
rer Nahrung leben. Eben wie auf dem Lande die fleifchfref
ſende Thiere ſich auch nicht ſo ſtark, als die andern vermeh⸗
ren, und die ungeheuerſten unter denſelben, ich meyne die
Elephanten und Rhinoceros, die ſonſt vielleicht die Waͤlder
laͤngſt ledig gemacht haben wuͤrden, mit ſchlechten Kraͤutern
und den zarten Zweiglein der Baͤume vorlieb nehmen muͤſſen.
66 Nachrichten von Island.
friſchen und natürlichen, nuv einen aus weißen Bleche in
gebildeten Heering, dazu nuͤtzlich zu gebrauchen pflegen.
Wobey ich, als zu meinem Zweck ſehr dienlich, unangefuͤh⸗
ret nicht laſſen kann, was Denys in feiner Deſeription ?
de LAmerique ”Septentrionale (worin er hauptſaͤchlich
weitlaͤuftig und mit allen kleinen Umſtaͤnden den Fang
und Zurichtung der Molus, die eine Cablauart iſt, be⸗
ſchreibet) Tom. I. p. 162. & 218 erwehnet, nehmlich daß
der Fang ſehr reich fer, wo viele Makreelen und Heerin⸗
ge, als womit ſie am beſten geaaſet wuͤrden, befindlich,
und Tom. II. p. 191. daß, wenn man durch gar zu ſtar⸗
kes Fiſchen die Molué verjage, man auch den Heering ꝛc.
mit wegtreibe, und p. 195. daß, wenn ſich der Heeking und
d. g. von einem Striche weg nach einem andern ziehe,
die Moluè nicht weniger demſelben ſogleich nachfolge.
Aus welchen abermal ohnſtreitig erhellet, daß, da dieſe
Cabbelau u. ſ. w. in Groͤnland nicht nur. häufig find,
ſondern ſich ſogar durch den Schein eines Heerings fan⸗
gen laſſen, es daſelbſt und noch höher hinauf, voller Hee⸗
ringe ſtecken muͤſſe. Geſtalten dieſes erläutert; ja völlig
beſtaͤrket wird, durch eine gleichmaͤßige Anmerkung, die
Zorgdraager c. I. P. II. c. 7 aus eigener Erfahrung ge⸗
machet, und dabey er zugleich bezeuget, daß er ſelber eine
Menge von Heeringsgraͤthen bey den Waſſervögelneſtern
an den „ N liegen . .
Nach⸗
So fehlet es auch in sed Eysmeere über Aſia an Hee⸗
ringen nicht: wie ſolches nicht nur aus den unterſchiedlichen
daſelbſt befindlichen Wallfiſchgattungen, und beſonders der⸗
jenigen, die vorhin aus Kaͤmpfers Japon angefuͤhret worden,
zu ſchließen iſt, ſondern auch von dem Rußiſchen Geſandten,
Ysbrand, in ſelner Reiſe nach China, p. 131 erweislich gema ⸗
het wird, wenn er allda ſchreibet; daß uͤber Kamfcharka in
dem Fluſſe Salazia viel ſchoͤner Heering u. d. gl. gefangen wer⸗
de. An dem Vorgebirge der guten Hoffnung, oder um das
unterſte Ende von Africa laſſen ſich ebenermaßen die Nord⸗
caper und Meerſchweine oͤfters feben, 1 wie e in al |
Wei 7
6 ; '
Nachrichten von Island. 61
Nachdem ich aber, als jetzo erweislich gemacht, die Weiterer
Heeringe fo hoch nordwerts wirklich entdecket, bin ich im gde
Nachſinnen weiter auf die Gedanken gerathen, daß eben Heering
in dem allertiefften Norden der Heringe und anderer mit engſernte⸗
ihnen in Geſellſchaft wandernden kleinern Fiſcharten, als ſten Nor⸗
der Mackreelen, Butte u. ſ. w. rechte und eigentliche den komme.
Heymath und zwar um deswillen ſey, weil ſie daſelbſt
unter den nimmerſchmelzenden, vielmehr jaͤhrlich an Dicke
und Groͤße zunehmenden, auch weit und breit ſich erſtre⸗
ckenden Eisfeldern der meiſten Ruhe zum Leichen und des
ſicherſten Behaͤltniſſes zum Wachsthum ihrer Brut ge⸗
nießen. Denn da iſt offenbar, daß recht weit unter ſol⸗
che Eisfelder und in die groͤßeſte Tiefen die Hayen, Cab⸗
laue u. d. g. wegen beſchwerlicher Athemſchoͤpffung den⸗
ſelben nicht beqvemlich; die beregte ihnen ſchaͤdlichſte
Wallfiſchſorten aber aus Mangel der fuͤr ihre thieriſche
Lungen ſtets benoͤthigten reinen und friſchen Himmelluft
gar nicht; am allerwenigſten aber die menſchliche Fiſcher
mit ihren Nachſtellungen beykommen und deren ſtolze
Ruhe ſtoͤhren mögen. Indem aber ferner ganz natuͤr?
lich, und daher ohnſchwer zu begreifen iſt, daß, da dieſer
Fiſch bekanntlich fo erſtaunenswuͤrdig ſich vermehret, de.
ſen Anzahl allda, wo ſie von Menſchen gar nicht, und
von Raubſiſchen ſo wenig geſchwaͤchet wird, bald der⸗
maßen uͤberhand nehmen muͤſſe, daß fie daſelbſt ihren voͤl?
ligen Fraß nicht haben, ſondern genoͤthiget werden, ſo
ofte als die Erfahrung zeiget, daß es geſchieht, zahlreiche
Colonien, oder Heerzüge, gleichſam von ſich zu ſchicken,
die ſich in die offene See begeben und ihre Nahrung wei⸗
ter ſuchen muͤſſen: von denen nach einem großen, bald
naͤher anzuzeigenden Umwege, vielleicht ein Reſt, oder
1 e Baal
weitlaͤuftigen Beſchreibung dieſes Vorgebirges p. 204 bezeu⸗
get. Es ift aber auch daſelbſt unter andern die Heeringart,
welche von den Hollaͤndiſchen Matroſen Harder genennet
wird, nicht ſelten; als derſelbe p. 196 erwehnet.
Was er für
Züge halte;
62 Nachrichten von Island.
doch deren Abkunft nach dem Nordpol wieder zurück keh⸗
ret, und das Geſchlecht allda fortpflanzen hilft. Ich
zweifele keinesweges, wofern man in der angefangenen
mehreren Aufmerkſamkeit auf die Naturwunder fleißig
fortſchreiten wird; (und wie wuͤnſchte ich, daß eben ge⸗
genwaͤrtige Zeilen dazu einige Gelegenheit oder Ermun⸗
terung geben möchten!) daß denn auch dieſes, und mehr
anders, mit der Zeit eigentlicher werde ausgeforſchet
werden. |
Indeſſen will ich nicht verſchweigen, was ich meines
wenigen Orts bey den ſo ſchlecht beachteten Zuͤgen der
Heeringe fuͤr eine Weisheit und liebvolle Fuͤgung unſers
großen und gutthaͤtigen Schoͤpffers erblicke, anmerke,
alle Meere zu vertheilen, und an alle Kuͤſten zu leiten.
Denn ſobald der Heering unter dem Eiſe, oder aus den
bewundere, preiſe. Es hat nehmlich der Herr der Crea
tur den angeregten und mehreren, ja wer weiß wie vie⸗
len? groͤßern und kleinern Meerfiſchen eine ſolche Na⸗
tur anerſchaffen, daß ſie wie an andern im Norden erzeu⸗
geten kleinen Fiſchen, alſo befonders am Heering *, ihre
dienſamſte und liebſte Koſt finden, damit er naͤmlich ihrer
faſt unerſaͤttlichen Freßgierde, als des allerbeqvemſten
Mittels ſich bedienen moͤgte, ſowohl dieſen kleinen, doch
unglaublich nutzbaren Fiſch, als fie ſelbſt zugleich mit, uber
unergruͤndlichen Tiefen, vorangezeigter maßen ſich her⸗
vor begiebet, machen ſolche große, groͤßere und groͤßeſte
Fiſcharten, um ihre hungerige Maͤgen zu fuͤllen, ſich ſo
fort an denſelben, halten ihn durch ihr ſtetes Aengſten
I
| Merkwuͤrdig ſchreibet M. Martin d. . p. 349. Wher⸗
ever they are, all other fish follow em, and Whales and
Seals in particular: For the larger fish of all kinds feed, .
upon Herring, d. i: wo nur immer Heeringe ſind, dahin fol⸗
gen ihnen alle andere Fiſche nach, beſonders Wallfiſche und
Seehunde. Denn die größere Fiſchgattungen leben ſaͤmtlich vom
Heering.
Nachrichten von Island. 63
von allen Seiten in hohen, breiten und ſehr dichten Hau⸗
fen * beyſammen, jagen ihn aber auch von dannen im⸗
mer weiter heraus vor ſich her, und treiben ihn als ein
ſchuͤchternes wehrloſes Jiſchlein von einer See zu der an⸗
dern, (wiewohl dieſes eigentlich keine andere, ſondern nur
bloß andere Benennungen tragende Theile des großen
Weltmeers ſind) und von einer Kuͤſte zur andern: in⸗
dem derſelbe, um den gröͤßern Verfolgern zu entrinnen,
und ſowohl fuͤr ſich einige Sicherheit und einen Ruhe⸗
platz zum Setzen, als fuͤr die Brut, ſo lange ſie ganz zart
ift, ein ungeſtoͤhrtes Lager zu finden! in die Meerbuſen,
auf die ſeichten Sande, ja bis in die Muͤndungen der
Fluſſe zu fleten ſich beſtrebet, damit aber den Anwoh⸗
„Dieſe Eigenſchaft und inwendigen Trieb, haben alle
kleinere Fiſchgattungen an ſich, fo zwar ſehr natürlich, abet
doch wegen des mitfuͤhrenden großen Nutzens nicht außer
Acht zu laſſen if. Sie pflegen naͤmlich aus Furcht vor ih⸗
ren Verfolgern und in Abſicht ſich zu retten, ſo dichte, als nur
moͤglich, zuſammen zu fahren, und an, uͤber und unter ein⸗
ander in berggroßen Haufen (die auch von den ſie oͤfters an⸗
treffenden Normaͤnnern iuxtå Topograph. Norweg. citat.
keberge oder Siſchberge genennet werden) ſich zu drengen,
damit aber zugleich zu veranlaſſen, daß ſie von den Fiſcher
nur deſto beqvemer und häufiger erhaſchet und gefangen wer⸗
den. Ein gleiches bemerken wir ſchon bey der Schleswigi⸗
ſchen Inſel Hilgeland an unſern nicht minder verfolgten Krab⸗
ben, Garnaten, oder Garnelen (Squillis gibbis Rondelet.)
die, weil ſie von unten und von den Seiten her durch die
Schell⸗ und andere Fiſche, die ſich vornehmlich von ihnen
nähren, von obenher aber durch die Meven (deren gemeinſte
Speiſe fie gleichergeſtalt find) gejaget und geaͤngſtiget wer⸗
den, eben auch in große Klumpen, oder dicke Haufen, in ein⸗
ander fliehen, und darüber in fo groͤßerer Menge den Hillge .
lander Fiſchern zu Theil werden. |
Plin. Nat. Hift. Lib. IX, Se&. 35. Nam in ſtagna ec
amnes tranſeundi plerisque piſcibus euidens ratio eſt, vt
tutos foetus edant, quia non fint ibi, qui deuorent partus
Auctusque minus ſacuiant. | 1 7
—
64 — von Jelmnd. |
nern ſich gleichſam vor ihrer Türe darſtellet, und bey⸗
des zur Speiſe und Handelſchaft in unerſchoͤpflicher Men⸗
ge überliefert, Wodurch denn allerdings die nachſetzende
größere und kleinere Jäger, ſo weit die Groͤße ihres Koͤr⸗
pers und die Tiefe des Waſſers es verſtatten, eben den⸗
ſelben Anwohnern zugleich angebothen, und wenn ſie nur
zugreifen wollen, in die Haͤnde gefuͤhret werden.
| Es iſt aber hiebey zu merken, daß ſowohl die Bea
mütter um ihre große Reiſe zu vollenden, ſobald fie ger
ſetzet, wieder in die See ſich begeben, als auch die Brut,
ſobald fie nur zu einigen Kräften gekommen, ebenfalls aus
natürlichem Triebe und Ire großen aid zu e der
See zueile .
Von dem Jedoch dieſes alles noch deutlicher und begreiſicher
ft der. zu machen, will ich den jährlichen Zug der Heeringe,
ſelben. ſo weit man davon gewiſſe Nachricht hat, von Ort zu
Ort anweiſen, und zugleich zeigen, zu welcher Zeit ein ie⸗
des Volk diefen Segen überfömmt, und bf was Art es |
fi ich denfelben zu Nutze mache.
Des Zaupt⸗ Aus Norden bricht der Hauptſchwarm be DA
en, im Jahr auf. Wovon der eine Flügel Weſtwerts ſich
gel der ſich lenket und mit dem Monat Mart. auf die Inſel Island
fem — 75 in ſolcher Menge, und (wegen der Verfolgung der vielen
det. großen Fiſche von allen Seiten, und der Strandvoͤgel
von oben her) in fo dicken und dichten Haufen ſtöͤßet, daß
man nicht allein an der Schwaͤrze und Kräußeln des
Waſſers (indem ſie vor Angſt bis an die Oberflaͤche dels
felben dringen, und öfters gar herausfliehen zu wollen
ſcheinen) ihre Ankunft von weiten wahrnehmen, ſondern
auch, wenn man denſelben entgegen faͤhret, und mit ei⸗
nem Schoͤpfer, womit die Segel aus der See benetzet
werden, oder reg bohlen Wen drein rd 5
25 7
Conf. Neulesetts de Hare) ba 1. * mr |
5 Nachrichten von Island. | 65
auf einmal eine ziemliche Menge derſelben ohnfehlbar er⸗
wiſchen und heraus heben kann. Ob dieſer auf Island
fallende Flügel zuvorher einen Theil nach den Baͤnken von
- Terreneufve abſchicke: wie imgleichen, wo der Reſt des
an der Weſtküͤſte von Island herniederſtuͤrzenden Strichs
bleiben mag, iſt den allſehenden Augen des Hoͤchſten allein
bekannt. Indeſſen iſt gewiß, daß davon auf allen Sei⸗
ten der Inſel alle Meerbuſen, Buchten, Bayen oder
Foioͤrden angefuͤllet, und zugleich, außer den nachziehen⸗
den koͤſtlichen andern, eß⸗ und nutzbaren, kleinen und gråss -
ſern Fiſchen, abſonderlich die Nordcaper, (welche ihrer
Groͤße halber weiter in die untiefere Nordſee zu folgen
ſich nicht getrauen) dahin gefuͤhret, und gleichſam ihren
rechten Wohnplatz (wovon Zorgdraager e der '
Gegend zu nehmen veranlaſſet werden.
Der zweyte große uns zum beſten bekannte Oeſt⸗ Der andere
liche Fluͤgel (wovon doch auch im Vorbeyſtreichen ein en
Theil nad) der Oſt⸗ und Suͤdkuͤſte von Island abfällt). Flügel.
ſtuͤrzet ſich durch die mitfolgende Meerſchweine, Cablauen
u. fe f. getrieben, immer weiter herunter in die Nord⸗ :
fee: iedoch ſolchergeſtalt, daß davon eine Abſonderung, Des öfttie
nehmlich die Oeſtliche, ihren Strich nach der Nord geleoſliche
caap * zu, und ferner an der ganzen Norwegiſchen Kuͤ⸗ 1
ud herunter nimmt, be: jer ein Theil feinen Lauf Deren ein
| i: „ daran Theil.
— rater meldet c. I. P. II. c. 7. p. 97, daß um S.
Johannis die Bayen, Sinus, bey der Nordcaap von jun⸗
gen Fiſchen, beſonders Heeringen, krimmele und wimmele,
und er ſelbſt bey Loppe und Curoy mehrmals angemerket ha⸗ -
be, daß das Waſſer davon an einigen Stellen faſt als leben ?
dig anzuſehen geweſen. Ja er habe davon viele Schwaͤrme
in großen uͤberm Waſſer ſichtbaren Haufen von tauſenden
beyſammen geſehen, davon man, wenn man mit der Chalou⸗
pe hineingerudert und eine Lanze auf ſie geſchoſſen, mehr als
einen Fiſch zugleich ſpießen koͤnnen. |
Itziger Zeit ift der Segen und Fang bey Norwegen
lange nicht mehr ſo groß, als er 1 Zeiten gewesen
da
s zweyter
Theil.
Des zwey⸗
ten Theils
einer Arm.
66 Nachrichten von Island.
daran her beſtaͤndig fortſetzet, bis er durch den Sund in
die Oſtſee verfaͤllt: der andere aber, ſobald ihm die Nord⸗
ſpitze von Juͤtland entgegen ſtehet, ſich daran abermal
zweyet, und mit einem Arm an der Oſtſeiten Juͤtlands
herab * laͤuft; iedoch durch die Belte mit jenem in der
Oſtſee ** bald wieder zuſammen ſtoͤßet; mit dem zwey⸗
| „ Ten
da der Hauptſtrich dahin gegangen, und des Jahrs etliche
tauſend Schiffe, aus Daͤnnemark, Deutſchland, Frießland,
Holland, ja ſelbſt aus Schottland, Engelland und Frankreich
nach den Haͤfen von Norwegen gekommen, um den geſalze⸗
nen Heering von dannen abzuholen, und ſich und ihre Nach⸗
barſchaft damit zu verſehen. Welcher Ueberfluß aber ums
Jahr 1560 zum ſtaͤrkeſten ſoll abgenommen haben, wie in der
obangezogenen Topogr. Norw. cap. 5. p. 29 ſq. berichtet wird.
Es hat ſich auch bis dahin das Hanſe⸗Staͤdtiſche Com⸗
foir in Bergen bey dieſer Handlung ſehr wohl befunden;
allein die Abnahme derſelben auch ſeines Theils merklich mit
empfunden. Anitzo kommen zwar von daher durch die des
Rothſchaͤres halber noch fortdaurende Bergerfahrer Bruͤ⸗
derſchaften jährlich noch einige hundert Laſten geſalzener Hee⸗
ring nach Hamburg, Bremen und Luͤbeck. Weil aber derſel⸗
be bey weiten ſo fett und gut, als der gegen über bey Hitt⸗
und Schottland gefangene Fiſch nicht ift, noch fo forgfältig,
als von den Hollaͤndern geſchieht, gefleyet und geſalzen, uͤber⸗
dem in lauter Tonnen von Feurenholz (die dem Fiſch einen
unangenehmen Beygeſchmack geben) geſchlagen wird: ſo fin⸗
det er keinen ſtarken Abgang, iſt auch folglich nicht viel daran
zu verdienen. In den vereinigten Provinzien iſt gar bereits
im Jahr 1620 durch ein Placat verboten, einigen Heering
binnen den Klippen von Hittland, Irrland und Norwegen
ſelber zu fangen und einzuſalzen, weniger von dieſen Leuten
zu kaufen, bey Confiſcation ſolchen Heerings und einer Geld»
buße von 300 Carolus-Fl. 4 5 Dø
* Ben Ahlburg werden inſonderheit alljaͤhrig viele Hee⸗
ringe gefangen und eingeſalzen, in Tonnen hin und wieder
an den Kuͤſten der Oſtſee, auch nach Hamburg zum Verkauf
gebracht. Finden aber keine ſonderliche Abnahme, weil ein
ieder, der den weit beſſeren Hollaͤndiſchen bezahlen kann, dens
ſelben lieber nimmt. TEMA | .
*Mit dem Heeringsfang und Handel an den Kuͤſten
der Gſtſee hat es kuͤrzlich folgende Bewandniß: Als der
1 5 ' j ee⸗
hu
Nachrichten von Island. 67
ten Arm aber an der Weſtkuͤſte von Juͤtland ſich herun⸗ Zepter
* | N | Arm.
ter
Heeringſtrich noch ſtaͤrker auf Norwegen gegangen, iſt deſſel⸗
ben auch auf der Schoniſchen Xuͤſte eine ſolche Menge ges
fangen und eingeſalzen ausgeſandt worden, daß man einen
guten Theil von Europa damit verſehen. Denn es war da⸗
mals, wie Olaus Magnus Hiſt. Nat. Septentr. Lib. XX. c. 28
erwehnet, der Schwarm fo dicke, vr non ſolum retia pifcan-
tium lacerarentur, fed etiam in agmine illo bipennis vel
lancea militaris in medio piſcium immiſſa firmaretur. Wel-
ches denn auch unter andern Gelegenheit gegeben, daß zu
Hamburg die Schonenfahrergeſellſchaft aufkommen, und
den Heeringhandel ſtark getrieben. Die zwar auch noch bis
auf den heutigen Tag unter derſelben Benennung fortdauert,
ihre Voͤgte, Alten und Oberalten zur Direction, und ihre eige⸗
ne beeydigte Packer, Wracker und Wardierer zur Bedienung
hat, und eigentlich den Heeringhandel, doch faſt nur allein
mit dem Hollaͤndiſchen Heering, als der beſten und gäng- und
giebigſten Waare, fortfuͤhret, zumal der Fang unter Schonen
laͤngſt aufgehoͤret hat. So wird auch weiter hinauf an der
ganzen Schwediſchen Kuͤſte, wie imgleichen unter Finn⸗
land und Eſten kein tauglicher Heering angetroffen, noch ges
fangen. Nur findet ſich in dem Sinu Bothnico eine demſel⸗
ben ganz eigene, doch gar kleine und trockene, obſchon ſonſt
zarte und wohlſchmeckende Heeringsart, Stroͤming oder
Stroͤmling (Halee Bothnicum Neukranz de Hareng. p. 19.)
genannt, in unglaublicher Menge Ol. M. d. 1. lib. XX. c. 29.
Die Finnen fangen ſie noch heutiges Tages ſo haͤufig, daß
ſie gar geſchwinde eine große Menge davon erhaſchen, die ſie
noch lebendig auf dem Strande in großen Haufen ſchuͤtten,
und alſo unter ſich nach Mannzahl theilen. In Weſterbo⸗
then aber thut man ſie in große Faͤſſer und Tonnen, ſalzet ſie
wohl, ruͤhret ſie mit einem Stock unter einander, und laͤſſet ſie
ſolchergeſtalt 24 Stunden durchbeizen, bis das Blut ausge⸗
zogen, und fie ſteif geworden. Worauf man fie Tages her⸗
nach herausnimmt, in allerley kleine Toͤnnichen vertheilet,
und ſodann entweder daheim verkaufet, oder in die Nachbar⸗
ſchaft, wenn man Gelegenheit dazu hat, verſendet. Ol. Rudb.
fil. de Ave Selav. p. 98. Man pfleget auch die kleineſten
unter denſelben geſalzen in Backoͤfen zu doͤrren, und zum Ge⸗
ſchenk an aus waͤrtige Correſpondenten zu verſchicken; wie ich
mich wohl erinnere, ſie in meiner zarten Jugend gegeſſen und
Ea wohl⸗
* y
68 Nachrichten von Island.
ter ſenket, und an Schleßwig, Holſtein *, Stift Bra
men, und Frießland her (wo deſſen nur wenig wegge⸗
N fangen,
woßtgefhmackt befunden zu haben. Itziger Zeit aber, nach⸗
dem die Maͤuler zaͤrtlicher und luͤſterner geworden, darf man
damit ſo wenig, als mit Raff und a mehr nad)
Deutſchland kommen.
Auf den gegenuͤberliegenden Kuͤſten der Oſtſee findet ber
Zug fid) viel zahlreicher, wohin er denn auch ſeine Verfolger,
abſonderlich die Doͤrſche, die ſich nicht alſo, wie die groͤßern
Kablaue, vor der Enge des Sundes und der Belte ſcheuen
und zurüͤcke bleiben, ſondern häufig mit folgen, und bey Luͤ⸗
beck zum fetteſten und niedlichſten werden, mit ſich fuͤhret.
Solchergeſtalt werden auf den Schleßwig⸗ und Holſteiniſchen
Ruͤſten circa Aequinoctium Vernum Heeringe genug gefan⸗
gen. Schoeneveld Ichthyol. p. 37. Allein ihre Güte verlieret
ſich, und man weiß auch dieſer Orten mit dem Einſalzen und
Zurichten ſich nicht recht zu behelfen, oder man kann auch
gegen den Hollaͤndern nicht aufkommen, ſondern ſie werden
entweder friſch weggeſpeiſet und hoͤch ſtens geraͤuchert. Wo⸗
durch ſie gleichwohl daſelbſt auch zu einer Kaufmannswaare
werden. Unter den letzten ſind beſonders ſchmackhaft, und
begehret die Kielerbuͤcking, oder Buͤcklinge und die Flickbee⸗
ringe. Nechſt dieſen kommen auf der Mecklenburgiſchen
Fälle die daſelbſt auf die Art, wie in Annalibus Wratislav.
d. 1720. Menf. April. Cl. IV. art. 4 umſtaͤndlich und leſens⸗
wuͤrdig erzehlet wird, zugerichtete Backling und Flickheering.
Worauf die Pommeriſche folgen. Von dieſen letzten erthei⸗
let Neukranz in feinem dem Heering zu Ehren geſchriebenen
Panegyrico p. 42 ſolchergeſtalt: Siefuicenfes ſaporis funt
eximi, ui nihilo inferiores ſunt Stralaeſundenſes, ab
his Roftochienfes, mox Wismarienfes ; vltimum locum
Lubecenfes occupant ob fundi fte rilitatem. Weiter finden
ſich auch auf der Preußiſchen Kuͤſte, und bey Danzig die
Heeringe: fie find aber ganz mager, taugen und dauren ge⸗
ſalzen nicht, ſondern dienen nur zum raͤuchern. Gabr. Ra-
czynsky Hiſt. Nat. Poloniae Tr. 6. Sec. I. F. 3. 2
Db ſie gleich fo haufig ſich nicht einſtellen, daß fie ei⸗
ne Kaufmanns waare abgeben koͤnnten, ſo ſpeiſen ſie doch
viele, und bringen wenigſtens eine uͤbergroße Menge von den
*
fejmadhaftigften Kablauen, SEN mee fm
CA
mit
Nachrichten von Island. 69
fangen, wenigſtens keine Handelung damit getrieben wird))
forteilet, bis er durch Texel und Vlie in die Suͤderſee “
dringet, und, nachdem er dieſelbe umzogen, wieder in die
Nordſee zu Vollendung ſeiner großen Reiſe zuruͤckkehret.
Dahingegen die zwepte große Weſtwerts ſich lenkende Des ifl
Abjonderung, welche ietziger Zeit die allerſtaͤrkeſte ift, 9 LÅ
in Begleitung der Meerſchweine, Hayen, Cablauen, um Ab⸗
ſon ez
Lengen u. f. w. gar bald auf die Hittlandiſche und Gr⸗ Aung
cadiſche Inſeln (woſelbſt ihm vorhin gedachtermaßen
die Hollaͤndiſche Heeringbuͤſen hauptſächlich auf den Dienſt
paſſen) und auf e er da fie von neuen
= 3 eine
mit fa: die ben ber Schleßwigiſchen Inſel Hilgeland auf
den mancherley und beqvemen Gruͤnden, nebſt vielen andern
eßbaren, ja niedlichen Fiſchgattungen, davon man leicht ein
ganzes Buch ſchreiben könnte, ſich aufhalten und maͤſten,
darauf zu ihrer Zeit von den Inwohnern haͤufig gefangen,
und auf der Elbe und Weſer mit gutem Vortheil verkaufet
werden.
Wohinein er fø gar den Butzkopf, und das Meer⸗
mer im Nachſetzen mit ſich bis aufs Y' ziehet. Torgdr.
p. 96. Es iſt aber der großen Heeringhandelung zum
beſten, bey ſchwerer Strafe geordnet, daß die hieſigen Hee⸗
ringe nicht eingefalgen, ſondern nur zu Strohbuͤckling ges
machet werden muͤſſen. Wie denn die Teybuckling oder
Pöuͤckling, bekannt find, welche im Nov. und Dec. gema⸗
chet werden, und zwar ſehr fett und niedlich fallen, aber in
Holland und den nechſtangelegenen Orten ſelbſt verzehre
werden, weil ſie, eben wegen ſolcher Fettigkeit, nicht dauer⸗
haft, und deswegen zum Ausſenden untauglich ſind. Und
im Febr. Mart. und April werden ſie, nachdem ſte vermuth⸗
lich die ganze Suͤderſee umzogen, und nunmehr auf ihre Ruͤck⸗
kehr nach der Nordſee begriffen ſind, wiederum unter Nord⸗
holland vor Enckhuyzen, Monckendam und Hoorn angetrof⸗
fen, gefangen, und zu Strohböͤckling (die bey den Hollaͤn⸗
dern Strantbucking und Enckhuyzerbucking heiſſen,) zuge⸗
richtet, auch, weil ſie nunmehro magerer und haltbarer in
ziemlicher Menge nach Hamburg, Bremen u. ſ. w. um von
u ins Reich vertrieben su N geſchicket oder ent⸗
oten.
70 Nachrichten von Island. 1
Deten eine
Aſt.
ben, den Schottlaͤndiſchen geſalzenen Heering im Handel
auswaͤrtig in Aufnahm zu bringen. Des Endes vornehm⸗
eine Trennung erleidet, und mit einem Aſte an der Oſt⸗
kuͤſte von Schottland * ſich hernieder ſenket, und Enge⸗
land umziehet, unterweges gleichwohl auch anſehnliche
Schwaͤrme von ſich aus und den Frießlaͤndern, Hollaͤn⸗
dern, Seelaͤndern, Brabandern, Flanderern ** und
ae Ä
ig Es haben eifrige Patrioten in Großbritannien zu als
len Zeiten ihre Landesleute durch erweckliche ſchrift und
mündliche Vorſtellungen dahin zu bewegen, ſich bemuͤhet, das
fie den ihnen von Gott eigentlich und vor ihre Thuͤre suges
' ſchickten reichen Segen nicht ſo unverantwortlich, als geſchieht,
verabſaͤumen, und ſich durch die Hollaͤnder vor dem Maule
wegſchnappen laſſen moͤchten. Man hat ſich auch in neuern
Zeiten am Engelaͤndiſchen Hofe, um die Vereinigung des Koͤ⸗
nigreichs Schottland mit der Cron Engeland anfangs zu er⸗
reichen, nachher um fo feſter zu verknuͤpfen, alle Mühe gege⸗
lich mit der Stadt Hamburg, ſo wohl von der Koͤnigin Anna,
als dem Koͤnige Georg. I. beyden glorw. Andenkens, beſondere,
durch das vereinigte Parlament danknehmigſt beftätigte, Ders
träge errichtet worden. Man hat ihnen aud) in Hamburg
alle verlaͤngliche Beqvemlichkeiten, imgleichen eigene zubeei⸗
digende Packer und Wracker zugeſtanden. Allein, es will |
damit doch noch zur Zeit nicht recht fort, theils, weil die
Schotten denſelben zu fruͤh, ehe er noch recht zeitig fangen,
theils und vornehmlich, weil ſie nur mit kleinen Bothen in
See laufen, nahe unterm Lande fiſchen, und den Heering nicht
vor dem Meſſer ſterben laſſen, vielweniger ſogleich, wie er
nach und nach gefangen wird, im Schiffe einſalzen, fondern
ihn nur ins Both werfen, und wenn daſſelbe voll, damit zu
Lande fahren, und alsdann erſt den Fiſch auf dem Strande
auskiefen und ſalzen. Da denn, weil gemeiniglich daruͤber
mehr als einmal 24 Stunden verſtreichen, der abgeſtandene
Fiſch immittelſt guten Theils fihon feiner Zärtlichkeit halber
in die Faͤulniß getreten ift, folgbar am Geſchmack und Dauer⸗
haftigkeit ſchon etwas verlohren hat. Doch es ſcheinet, daß
ſie von Jahr zu Jahr mehrern Fleiß anwenden wollen.
Es haben die Flanderer vor vielen Jahren ſi fi ch nicht 5
allein gar ſtark uf den Heeringsfang geleget, ſondern me
4 /
0
N
v
0
UA
F
*
U
K
Nachrichten von Island. 71
Frantzoſen vor die Thuͤre ſchicket: mit dem andern - Ziweyter
Aſte aber den Schotten auf der Weſtſeiten und den Irr⸗ A.
laͤndern (denen er ſich überall rings um ihrer Inſel mit⸗
theilet, ob ſie gleich beyderſeits keinen andern Gebrauch
davon machen, als daß ſie ihn friſch verzehren, und ſich
der andern Fiſche, die ihm nachjagen, beſtmoͤglichſt zu
Nutze machen) zuſcheußet: und endlich nachdem alle itzt
erzehlete Vertheilungen der zweyten großen Abſonderung
im Canal wieder zuſammen geſtoßen, ihr uͤbriger von
den Fiſchern nicht aufgefangene und von Strandvoͤgeln
und Raubfiſchen nicht verſchlungene Reſt, der gewiß
noch erſtaunens wuͤrdig groß iſt, in die Weſtſee ſich
ſaͤmmtlich ſtürzet, und daſelbſt, der gemeinen Sage nach,
verlieret, oder vielmehr und beſſer zu reden, auf den Kuͤ⸗
ſten nicht weiter, oder doch gar wenig *, verſpuͤret wird,
ſondern allem Vermuthen nach vor den heißen Weltz
gegenden ſcheuend, nach ſeinem beliebten Norden, und
urſpruͤnglichen Heymath, wieder zuruͤck kehret. |
O unausſprechlicher Reichthum goͤttlicher Milde |
a Fr der hur in diefem einigen unanſehnlichen
E 4 MÅ kleinen
die ebeſte Art denselben zu handhaben und zu ſalzen ausgefun⸗
den. Weil ſie aber durch die Gott mißfaͤllige langwierige
Religions kriege, und daruͤber ſelbſt veranlaſſete große Han⸗
delungsveraͤnderungen aus allen Kraͤften und faſt ganz aus
der See gekommen; fo find die Holländer wie in mehr ans
dern Stuͤcken, alſo auch in dieſer Fiſcherey und Handelung
an ihre Stelle gekommen. Wiewohl doch der Hollaͤnder
Heering unter den Kaufleuten in Niederſachſen bis auf dieſen
Tag wegen der Zurichtungsart Vlamiſcher e oder
Flaͤmiſcher Heering genennet wird.
Maillet in feiner Defiriptian. de IEgypte Lettre IX.
pag. 25 merket, als etwas ſonderbares, wie es auch ift, an,
daß im Mon. Dec. Januar. und Febr. ſich in Egypten bey
Großcairo Heeringe ſehen und fangen lieſſen, aber ſonſt nir⸗
É gends weder bey Roſette noch Damiate, 1 in der Mittel-
laͤndiſchen See nicht. |
72 Nachrichten von Jelund.
kleinen Fiſche durch ſein Wort einen ſo herrlichen Segen f
geleget, daß er nicht nur ſo viel Millionen ungeheurer,
großer und kleiner Fiſche ſaͤttigen und naͤhren, ſondern
CA
uͤberdem auch noch viele hundert tauſend Menſchen theils
mit ſeinem Fleiſche eine angenehme Koſt, theils durch ſei⸗
nen Fang, Zurichtung, Verkauf und Verſendung rei⸗
chen Unterhalt und Gewinſt en und doch nicht
. maden kann * | 5
8. Lv. Her
8 Dieſe große unerkannte Wohlthat Gottes in ein noch
hellers Licht zu ſtellen, will ich, was davon in dem neuen
und koſtbaren zu London 1728 in Engliſcher Sprache gedruck⸗
ten Atlante maritimo et commerciali weitlaͤuftger vorgetra⸗
gen, in meiner Ueberſetzung hier beyfuͤgen: Ohngefaͤhr An⸗
fangs J Junii, heiſſet es, und zufolge verſchiedener Anzeigun⸗
gen ſowohl in der Luft, als im Waſſer, aus welchen die In⸗
wohner der Inſeln Schettland (oder Hittland) es abnehmen
zu koͤnnen, vermeynen, koͤmmt aus Norden ein unausſprech⸗
lich und unglaublich großer Schwarm, oder Heer von Hee⸗
ringen daſelbſt angedrungen. Der Ort, von wannen ſie
kommen, und wo ſie gleichſam hauſen, leichen, ſetzen und
ſich vermehren, ift unbekannt. Daß aber ihre „Anzahl un⸗
endlich groß, wird aus bald folgenden zur Genuͤge erhellen:
wiewohl es doch nur ein Schwarm aus dem Stock, und ein
Ueberfluß iſt, der von einer noch weit groͤßern Menge, die
zuruͤck bleibet, aus Mangel des Raumes gleichſam ausge⸗
ſtoßen, und feine Nahrung und Verbleib anderweitig zu ſu⸗
chen, alljåbrig ausgeſchicket wird. So ift auch nicht zu wiſ⸗
ſen, ob einige von ihnen, um neue Recruites fuͤrs kuͤnftige
Jahr auszubruͤten, ins Vaterland wieder zuruͤck kehren. We⸗
nigſtens kommen dieſelbe aus der Heymath, wo ſolche auch
ſeyn mag, traͤchtig und ſo voll fruchtbaren Roͤgens, daß
man ſagen darf, ein Fiſch bringe zehen tauſend andere mit
ſich. Ihren Roͤgen ſchießen ſie in der See bey Engeland, denn
da ſie voll dahin kommen, ſind ſie lange vorher, ehe ſie wie⸗
der von dannen ſcheiden, ſchon leer. Ihre Zahl gehoͤret in
Wahrheit unter die Infinita naturæ, d. i. ihre Zahl uͤberſteiget
alle Zahlen, und wenn man ja, nach einiger Art zu rechnen, da⸗
von ſprechen will, kann man doch nichts anders ſagen, als
etwa, daß ihre Zahl groͤßer, als der Sterne am Himmel ſey. 5
Sie ER herfuͤr, wo die See gleichſam am teten 1
Nachrichten von Island. 73
§. LV. Nechſt nach dem Heering erwehne ich bil⸗ Kablau.
1 e N
und die Erſtreckung ihres Heers mag allem Anſehen nach ſo
viel Raums uͤberhaupt beſchlagen, als ganz Großbritannien,
Irrland mit eingeſchloſſen, einnehmen mag. Zweifels ohne
muͤſſen fie ſich ſehr enge zuſammen drengen, wenn fie Suͤd⸗
waͤrts kommen, und zwiſchen den Kuͤſten von Groͤnland und
der Nordcaap ſich durchzuzwingen genoͤthiget finden, als
welcher Strich fuͤr ſie nur eine enge Straße iſt, ob er ſchon
auf der Flaͤche der Erdkugel eine Weite von 200 Meilen
(leagues) austraͤget. Wenn ſie ſich tiefer herunter geſenket,
und ihr ungeheurer Haufe durch die im Wege liegende Groß⸗
britanniſche Inſeln (die ſte vermuthlich an den Gruͤnden und
Untiefen der Nordſee, welche zweifelsfrey nicht wenig anders,
als die Oberflaͤche beſchaffen, gewahr werden) eine Trennung
erleidet, muͤſſen ſie ſich nothwendig in zweene gleiche oder un⸗
gleiche Theile zertheilen. Von denſelben lenket ſich der eine
Weſt, oder Suͤdweſt, laͤſſet Schettland und die Orcadiſche
Inſeln zur Linken, und ſtoͤßet auf Irrland, daran er ſich
abermahls ſpaltet, alſo, daß ein Aſt an der Britanniſchen
Kuͤſte ſich haltend, gegen Süden hinunter durch S. Georg,
oder den Irriſchen Canal, ſtreichet, und zwar Engeland und
Irrland hinab in die Savernſee faͤllt, wo er wieder zu ſeinen
vorhin verlaſſenen Freunden koͤmmt: der zweyte Theil aber
aus Mangel des Raums nach Weſt und Suͤdweſt ſich ſchwen⸗
ket, die Irriſche und Weſtſee hinabſchießet, und indem er
beftändig an den Kuͤſten verbleibet, um den Suͤdſtrand von Es
Irrland ſich herum ziehet, und vermittelſt einer kleinen Wen⸗
dung nach Suͤdoſt zu ſeiner durch den Irrlaͤndiſchen Canal
ö unten herabſtuͤrzenden Geſellſchaft wiederum
et. ; | : i
Der zweyte Arm von jener erften großen in Norden vor
gegangenen Theilung, welcher ſich ein wenig gegen Oſt und
Suͤdoſt lenket, tritt herunter in die Deutſche oder Nordſee,
und ſtreichet in ſteter Haltung an die Großbritanniſche Küfte,
- Shettland und ferner die Cap von Bucaneß und die Kuͤſte
von Aberdeen vorbey, fuͤllet unterweges mit ſeiner unzehligen
Menge alle Meerbuſen, Furthen, Rivieren und ſo weiter,
nicht anders, als wenn er von der Hand des Hoͤchſten gelei⸗
tet wird, daß er ſich der Armuth zur Speiſe, und dem Kaufe
mann zum vortheilhaften Handel, darſtellen muß. Wendet
darauf etwas ſuͤdlich, ſtreichet Dumbar vorbey, und wird,
e nach⸗
e Nachrichten von getan
ligſt des 5 Rablaues, als desjenigen ches der tee
farlig
nachdem er einen Umſchweif um bie me ufer von S.
Tabbs und Berwick genommen, und in die Tiefe gegangen,
erſt wieder bey Scarborough geſehen, und in einigen dicken
Haufen nicht eher wieder wahrgenommen, als auf den Dare
mvuthifden Baͤnken bey Engelland; von dannen er nach
dem Munde der Thames und von da ferner durch den Bri⸗
kanniſchen Canal feinen Weg mme an aber weiter
nicht mehr geſehen wird. |
Dieſem nechft nunmehr auf die Heeringfifiheren zu kom⸗
men, fo heißen die Holländer denſelben zuerſt bey Shettland
(d. i. Hittland) mit ohngefehr 1000 oder 1500 Buͤſen will⸗
kommen, (wovon die beſondere Umſtaͤnde naͤher, und ſo viel
ich aus fleißiger Nachfrage erkundiget, oben p. 54 199. bereits
beygebracht).
Sobald der Heering bey Schottland „angelanget, und durch
ſeine Ausbreitung uͤber alle Saͤnde u. Baͤnke, allen Haͤfen, Bay⸗
en oder Buſen ſich darbietet, verſaͤumen die Schotten nicht, den
ſelben in großer Menge zu fangen, zurecht zu machen, einzu⸗
peckeln, und auf einerley Marktplaͤtze mit den Hollaͤndern zu
verſenden; dahin ſie, weil die Hollander erſt zu Hauſe und
umpacken muͤſſen, denſelben oͤfters zu vorkommen, auch mit
ihnen zu gleichem Preiſe verkauffen. Nachdem die Schotten
an der Nordſeiten der Lay mit dem Heering ſolchergeſtalt fer⸗
tig, fallen die Fiſcherboͤthe aus Dumbar u. f w. in denſelben
ein, und thun eben auch daraus manchen reichen Zug, den
fie in Edenburg und andern großen Städten zu Lande brin —
gen, um das Königreich damit zum Theil friſch zu bedienen,
zum Theil aber Red-Herring, d. i. geraͤucherten Heering auf
Parmouthiſche Art, daraus zu machen. Wann dann end⸗
lich der Heering oberwehnter maßen bey Parmouth wieder
zum Vorſchein kömmt, und ſich, ſeine Nahrung zu ſuchen,
über die Sandbaͤnke verfpreiter, wird er in bewunderungswuͤr⸗ 5
diger Menge, ſowohl von Engellaͤndern als Hollaͤndern und
Franzoſen gefiſchet. Unter denen die Parmouther allein jaͤhr⸗
lich in bie 50.00 Sonnen fangen, und zu Red-Herring zurich⸗
ten, der in ihrer Stadt, und den nechſt anliegenden Graf
ſchaften verbrauchet wird. Von hier entweichen waͤhrender
Fiſcherey große Schwaͤrme, die ſich nach dem Munde der
Thames ziehen, und daſelbſt von den Fiſcherſchmacken aus 2
London, Foulkſtone, Dover Sandwich u. lg m. ſowohl 1250 Å
1
Naghrichten von Island. 75
ſaͤchlich und faſt allein die Einwohner der Inſel er
naͤh⸗
die Stadt London, und andere an demſelben Fluſſe belegene
Staͤdte, als fuͤr die Kuͤſten von Kent und Suſſeck gefangen
werden. Indeß die Holländer zum zweytenmal ihre Buißen
ausrehden, und nebſt den Franzoſen, Brabaͤndern, Flißin⸗
gern und andern die aͤußerſten Narmouthiſchen Baͤnke befi⸗
ſchen. Endlich verfaͤllt der Heering in die enge See, allwo
die Franzoſen von einer und die Weſtenglaͤnder auf der an⸗
dern Seiten ihm wieder entgegen kommen. Demnechſt er
ſchießet, und nicht weiter weder geſehen, noch geachtet wird.
Auf der andern Seite von Großbritannien gehet es die⸗
fem armen Fiſche kein Haar beſſer. Die Kaufleute von Glas⸗
gow, Aire, Galloway u. ſ. w. wie auch die von London⸗
derry, Belfaſt, Carrickfergus, Dublin u. ſ. f. gehen daſelbſt
auf ihn los, und die von Lewes und den weſtlichen Inſeln
laſſen ihm keine Ruhe, bis er den dortigen ganzen Canal, als
gleichſam durch die Spißruthen laufend, hinunter geflohen,
und die Savernſee erreichet. Woſelbſt er iedoch von neuen
von dem Engliſchen Kaufmann in Devonshire angegriffen,
und von Minhead bis Barnſtapel, Beddiford u. f. w. weſt⸗
waͤrts bis an die Staͤdte der Nordkuͤſte von Cornwal verfol⸗
get wird, die von ihm, ungerechnet, was im Lande verzehret
wird, viele 1000 Tonnen voll einſalzen, und nach Spanien
und der mitteländifchen See ausſchicken. Dergleichen ihm
auch von dem Kaufmann in Pembrock u. ſ. w. und auf der
ganzen Kuͤſte von South⸗ Wales wiederfaͤhret. Worauf,
weil er alsdann ſetzet, ihm weiter nicht nachgeſtellet wird,
ſondern er ſich nunmehr in die Tiefe zu ſeiner Geſellſchaft be⸗
giebet, auch nicht wieder zum Geſichte koͤmmt. Wo er wei⸗
ter bleibet, ob er wieder nach Norden kehre, oder in den uner⸗
gründlichen Tiefen der Weſtſee den großen Meerfiſchen zu
Theil wird, oder wie es ihm ſonſt ergehen mag, ift gaͤnzlich unbe⸗
kannt. Moͤchte aber hierbey iemand etwan auf die Gedanken
gerathen, daß um dieſe Zeit der Heering wohl ſo gut, als weg⸗
gefangen und ausgetilget ſeyn koͤnnte: ſo iſt das gerade Ge⸗
gentheil aus den uͤbergroßen Schwaͤrmen, welche in der Sa⸗
vernſee an der Weſt⸗ und Suͤdkuͤſte von Engeland und Irr⸗
land bey ihrem Abzuge noch geſehen werden, ſo offenkuͤndig,
daß man viel eher vermeynen ſollte, der erlittene vielfaͤltige
Verluſt ſey nicht einmal zu verſpuͤren. Inzwiſchen ſind eini⸗
ge der Meynung, daß die ganze Anzahl, ſo alle Fiſcher a
92 | | | 5
1 * *
* -
76 Niaghrichten von Island.
naͤhret. ; Es ift derſelbe fo bekannt, i daß ich ihn
nicht
Europa von ihnen unterweges moͤgen weggefangen haben,
gegen ihrem erſten aus Norden herauskommenden Heere, als
1 gegen eine Million zu rechnen. Wobey gleichwohl noch
uͤberdem ganz glaublich ift, daß die erſchrecklich vielen und
großen Raubfiſche, als Finnfiſche, Meerſchweine, Meerhun⸗
de u. d. g. noch eine weit größere Menge, als alle oberwehnte
Fiſcher, von ihnen werden aufgerieben haben. b ,
Auf den Kuͤſten von Nordamerica findet fich der Hee⸗
ring auch, aber bey weiten nicht ſo haͤufig, als in Eu⸗
ropa: er wird auch weiter gegen Suͤden nicht als bis
an die Fluͤſſe von Carolina geſehen: Ob dieſer etwa ein
Theil von dem anfänglichen gar großen Schwarm ſey, der bey
der erſten Ankunft auf die Groͤnlaͤndiſche Kuͤſten, an Stelle
Suͤdoſtwerts mit der übrigen Geſellſchaft zu gehen, vielleicht
nach den Nordweſtkuͤſten von America ausgewichen, oder
ob es der Ueberreſt von denen ſey, die vorgedachter maßen
den Canal von Engeland durchgewandert, ſtehet nicht zu ſa⸗
gen. So viel aber iſt bekannt, daß der Heering, wenigſtens
in einer merklichen Anzahl in keinem ſuͤdlichen Reiche, als
Spanien, Portugall oder dem ſüdlichen Theile von Frank⸗
reich, ſo wenig auf den Kuͤſten am Ocean, als im Mittel⸗
Meer, noch auch auf der Africaniſchen Kuͤſte geſehen werde:
gerade als ob dieſem Fiſche dahin ſich zu begeben unterſaget
waͤre, auf daß dieſelbe Laͤnder von Engeland aus damit fol
len verſehen werden Allermaßen denn auch der Kaufmann
von Devonshire und Cornwal denſelben auf beſondere Art
durch Packen und Preſſen zubereitet und nach Spanien, Ve⸗
nedig, Livorno und andere Oerter Italiens in großer Menge
(als im angezogenen Atlant. Marit. p. 104 zu leſen) verſendet.
Ich kann hiebey zu mehrerem Verſtaͤndniß des ietztange⸗
fuͤhrten unangefuͤget nicht laſſen, welchergeſtalt die Engelaͤn⸗
der den fo genannten Redherring d. i. rothen Heering von
der braunen Farbe, die er durch den Rauch bekoͤmmt: als
den eingeſalzenen weißen Heering von feiner natürlichen
Silberfarbe, die er behaͤlt, nennen, und denſelben auf fol⸗
gende Weiſe bey Parmouth verfertigen. Daß man ihn naͤm⸗
lich (ſobald man ein Voth voll gefangen) zu Lande bringe,
und, nachdem die Kiefen und Eingeweide heraus genommen, A
denfelben mit Spamſchem Salze wohlgeſalzen in Tonnen
thue und einige mahl durchruͤhre; daß man, nachdem ſie 1
; oe „
—
U
Nachrichten von Island. 77
nicht beſchreiben darf, und ſein Fleiſch ſo Bee |
Ye | end,
oder hoͤchſtens 24 Stunden darin geſtanden, fie wieber her⸗
ausnehme, mit Waſſer wohl abſpuͤhle, und in eigenen dazu
aufgerichteten großen Huͤtten auf Stoͤcken uͤber Ricken, oder
lange Stangen haͤnge; daß man darunter ein Feuer von
ganz klein geſpaltenem Holze mache, und alle vier Stunden
von neuen anzuͤnde, damit ſie ſolchergeſtalt, weil alles dichte
und der Eingang vermachet iſt, wohl durchraͤuchern; daß
man endlich diejenige, ſo verſandt werden ſollen, 6 Wochen
darinn haͤngen laſſe, und fie alsdenn in Tonnen feſt packe.
(vid. latius Willughby Hiſt. Piſc. p. 220.)
Da ſich auch im angezogenen Atlante Maritimo alleg.
loc. eine umſtaͤndliche mir zu meinem Zwecke nicht undienli⸗
che Nachricht von der vortheilhaften Großbritanniſchen Fiſche⸗
rey der Sardinen, oder wie ſie ſelbe nennen, Pilchards, be⸗
findet, will ich mich die Muͤhe nicht verdrießen laſſen, das
merckwuͤrdigſte daraus zu ziehen und verdolmetſchet anhero
zu ſetzen. Dieſe Fiſche zeigen ſich vornehmlich auf den Kuͤ⸗
ſten der beyden Weſtlichen Grafſchaften Devon und Corn⸗
wal, und bringen denſelben mehr Vortheil, als einiger an⸗
drer Seefiſch. Ihre eigentlichſte Zeit waͤhret vom Anfang
des Auguſti bis an Allerheiligen, oder den 1 Nov. Man
giebt vor, daß ſie ein kleines Fiſchlein, Britt genannt, verfol⸗
gen, und dadurch in die Muͤndungen der Fluͤſſe und in die
Haͤfen gerathen. Sie kommen mit der Fluth an, und ſchwim⸗
men der Oberflaͤche des Waſſers ſo nahe, daß man ihre An⸗
kunft ſchon von ferne an dem Kraͤuſeln des Waſſers gewahr
werden kann. Man faͤnget ſie auf zweyerley Weiſe, daher
ihre Fiſcher theils Drovers, theils Sayners heißen. Jene,
die Drovers, paſſen auf den großen Schwarm, wenn er in die
Muͤndungen der Fluͤſſe und in die Haͤfen tritt, und empfangen
ihn mit weiten viereckigten qver über den Strom, der Fluth
entgegen, geſetzten Netzen, wodurch zwar von dem dicken
Haufen vieles neben und uͤberher weggehet, jedoch alles,
was aufs Netz zuſtoͤßet, verſtricket und gefangen wird. Die⸗
ſe, die Sayners, fiſchen in offener See und klagen ſtets uͤber
die andern, daß fie die Fiſcherey verderben, in Betracht ihre trei⸗
bende Netze nur wenig fangen, und gleichwohl den Schwarm
trennen, zerſtreuen und vom Strande wegſcheuchen. Wozu
noch kommen ſoll, daß ihr Gefangenes kein tuͤchtiges Kaufe
mannsgut gebe, weil der Fiſch durch das geſchwinde Zerren
und Reißen aus den engen Maſchen der Netze geqbetſchet wird.
Sayn
76 Nachrichten von Island.
dend, daß er überall * für ein niedliches Eſſen geſchaͤ s
Bet wird, | Å 8 6 e u
| | Seine
Sayn heißet ein großes Netze, fo nicht anders, als die,
ſo auf den Fluͤſſen gebraucht werden, gemacht, aber viel laͤn⸗
ger iſt: indem, da dieſe nur 30 bis 40 Faden halten, ein ſol⸗
ches Seenetz ſich manchmal zu 5 bis 600 Faden erſtrecket.
Daſſelbe wird von 3 oder vier weiten Boͤthen, davon iedes
wenigſtens mit ſechs Mann beſetzt ift, regieret. Die Boͤthe
begeben ſich mit den Netzen in See, und ziehen dieſelbe ge
gen der Gegend, woher ſte den Strich des Fiſches erwarten.
Sie richten ſich aber hierunter nach dem Zeichen, das ihnen
von den auf erhabene Huͤgel geſtelleten Leuten, die ſie Bal⸗
kers oder Zuers (d. i. Marqvirer und Rufer) nennen, gege⸗
ben wird. Denn dieſe koͤnnen von den Klippen den Lauf oder
Strich, den der Fiſch hält, an dem Gekraͤuſel des Waſſers gare
wohl bemerken, und geben davon durch ein Geruf, oder Gr
pfeife, durch Schwenken einer Flagge, oder was fie ſonſt ver
abgeredet, das Zeichen, wornach die in den Boͤthen mit ihrem
Week ſich alsdann richten, und die Netze ſolchergeſtalt auslaſ⸗
ſen, daß ſie dieſelbe dem ankommenden Fiſche recht qver vor⸗
ziehen. So bald die Netze vollig ausgeſpannet, rudern einige
durch einen genommenen Umſchweif um den Fiſchſchwarm
hinum, und wenn ſie hinter denſelben gekommen, platzen 110
mit ihren Riemen ins Waſſer und ſcheuchen damit den Fiſch
ins Netz hinein. Zuletzt bringen ſie die Enden des Netzes ganz
zuſammen, und ziehen daſſelbe entweder in die See, da ſie ih⸗
ren Fang in die Boͤthe werfen, oder erſt am Strande auf.
Welche letztere Art, wo der Strand von Klippen frey und
nicht zu ſtickel iſt, als die vortheilhafteſte, der andern vorgezo⸗
gen wird. Maßen fie auf dieſe letzte Weiſe gar oͤfters 3 bis
400 Tonnen voll Fiſche auf einmal, (ich meyne aber nicht in
einem Zuge, ſondern aus einem Schwarm) bekommen koͤnnen.
Dieſe Pilchards werden als Heeringe gepacket und einge⸗
preſſet, und nach der Straße in Spanien, Italien und der Le⸗
vant mit gutem Vortheil vertrieben. eee
Auf was Weiſe aber das Einſalzen, Raͤuchern und Packen
dieſer Fiſche geſchieht, foldes kann man abermal leſen beym
Willugb. c. I. p. 223 ſeq. | 9 8.
* (Ex heißet bey uns Kabbelan, bey den Hochdeutſchen
Bold», bey den Hollaͤndern Cabliau, bey den Dänen, e 4
74
0 3 u
.
i "A
WA i
1
9 ' SÅ
Nachrichten von Jeland. 79
Seine Speiſe, wie wir an denen, die vor unſerer Seine
Elbe bey Hilgeland gefangen werden, wahrnehmen, find Nahrung.
allerley Fiſche, abſonderlich Heeringe, auch große und
kleine Taſchenkrebſe.
Man kann ſich nicht gnugſam verwundern über die Hat eine
unbegreifliche Daͤuungskraft, die in den Mågen dieſes iteflihe,
und anderer ſeines gleichen Meerfiſche ſich findet. Die kraft. if
eingeſchluckten Fiſche werden in ſechs Stunden verzehret.
Ich habe dieſes aus folgenden bemerket. Die Fiſcher
itzt genannter Inſel Hilgeland ſetzen die Angelſeilen fuͤr
die Schellſiſche auf ſechs Stunden in die See aus.
Weil man ſich damit nach der Tide, d. i. Ebbe und Fluth
richtet, mit welchen bekanntlich von ſechs Stunden zu
ſechs Stunden eine Aenderung vorgehet. Wenn nun
bald nach der Einſenkung ein Kablau einen Schellfiſch,
der ſich vorhero daran gefangen, einſchlinget, fo befinder
man beym nachherigen Aufziehen, daß der Schellfisch
ſchon verdaͤuet, und der Angel, der vorher in jenen ſteck⸗
te, nunmehro im Kablau feſte geworden, alſo daß man
ihn daran herausziehen kann. Wofern aber der Kab⸗
lau erſt kurz vor Auszug des Angelſtrickes einen daran
hängenden Schellfiſch verſchlucket, fo laͤſſet er ſich zwar,
weil er ſeinen Raub ungerne miſſet, anfangs daran mit
heraufziehen, allein, ſobald er vermerket, daß er aus dem
Waſſer heraus gezogen werden will, den verſchlungenen
Fiſch willig ſchlupffen, faͤllt zuruck und entkommt. Ye
doch iſt ihre ſtarke Daͤuung alsdenn, wenn er große Ta⸗
ſchenkrebſe verſchlucket hat, noch deutlicher zu ſpuͤren.
Zwar kann man ſo eigentlich nicht wiſſen, ob er nicht zu
deren Verdaͤuung, wegen ihrer harten Haut, etwas laͤn⸗
gere Zeit, als zu der Set Verdaͤuung, nöthig has
be.
ſich uns verſtändlich machen 1 Kablag, fonft gehet er bey
ihnen unter dem gemeinen Geſchlechtsnamen Torsk mit durch,
bey den Engelaͤndern Cod, Codfiſch an einigen Orten Keeling. |
Aſellus maior vulgaris Schoeneveldio.
BB Nachrichten von Island.
be. Indeſſen zeiget ſich, wie mich die alteſte und ver⸗
nuͤnftigſte Fiſcher auf Hilgeland berichtet, ſo viel, daß
die Schalen im Magen erſtlich angegriffen, und eben fo
roth, als wenn der Krebs im Waſſer abgeſotten wäre,
gefaͤrbet, nachhero aber zu einer dicken Pappe kale
und endlich ganz und gar verdauet werden . LAY
111 ge⸗ Die Isländer fangen dieſen Fiſch mit Ag wor⸗
wird. an ſie ein Stud einer allsge ech Muſchel, oder die
friſch ausgeriſſene rothe Kiefen der vorher gefangenen
Kabbelauen ſtecken. Noch beſſer aber beißet er auf ein
Stuͤck warmen rohen Fleiſches, oder auch auf das Herz
eines friſch geſchoſſenen Vogels, als einer Meve u. d. g.
Womit einer eher 20 Fiſche, als ein anderer neben ihm,
mit dem gewoͤhnlichen Aaſe einen einzigen derſelben
faͤnget. Weshalben auch dergleichen Kunſtgriff, des
großen Vorſprungs wegen, zu der rechten Fiſchzeit, durch
eine Koͤnigliche Verordnung verbothen iſt. Wenn der
oberwehnte Fiſchzug erſt ankommt, ift ihre Menge ſo
groß, daß ſie mit dem Ruͤckenfloßfedern oben uͤberm Waſ⸗
ſer herausgucken, und alsdenn beißen ſie wohl auf einen
bloßen eiſernen Angel, woran gar kein Aas ſitzet.
nn Die rechte Fiſchzeit faͤnget an von Lichtmeſſe, od
FT den 2 Febr. und dauret bis Philippi Jacobi, oder 5
1 May. Da es beginnet waͤrmer zu werden, daß der
Jiſch nicht mehr auf die Dauer kann zubereitet werden. )
Bon der Man bemerket, daß der Fiſch allemahl feinen Strich
gegen den Strom nimmt. Das Fiſchen geſchiehet auf
t
der Ser, und in tiefen Fioͤrden, ben Tage; in den Un⸗
tiefen aber, die nicht uͤber zehn Faden Waſſer haben,
oder, wo die ſtarke Brandung der See zwiſchen den
Schaͤren
* Eben als wie die Meerſchildkroͤten in und mit der
Schaale von den Crocodillen verdaͤuet werden, nach des
P. Feuillet Anmerkung in feiner enen du een der
TERN cee p.375. 8 Me
U
„ * S 5 £
ze i z
< REN a. ES ER .
— a et — et —
Nachrichten von Island. 81
Schaͤren das Auslaufen verhindert, bey Nachtzeit. Der
beſte und niedlichſte Fiſch wird in der offenbaren See
auf 40 und 50 Faden, wo er vollen Fraß hat, gefan⸗
gen; der unter Land und in den Fiſchfioͤrden gefangen
wird, iſt dagegen ſo feiſt, gut und zart lange nicht.
Aus dem gefangenen Fiſche wiſſen die Islaͤnder Aus dem⸗
zweyerley Art Stockfiſches zu verfertigen, der fo gut, bee OR
: i i 1
wohlgeſchmackt und zart faͤllt, | als nirgends ſonſt E
Die gemacht.
* Ich brauche hier das Wort Stockfiſch in ſenſu gene-
rico: weil man in Oberdeutſchland alle getrocknete Fiſche mit
dieſem von der aͤlteſten Treugungsart hergeholten Namen zu
nennen gewohnet iſt. Es iſt nemlich bey den Nordiſchen Voͤl⸗
kern ein ſehr alter Gebrauch, daß ſie ihre Fiſche, welche ihre
vornehmſte und meiſte Koſt find, zu beſſerer Bewahrung, auf
die Zeit, wenn ſie nicht fiſchen koͤnnen, hart zu doͤrren pflegen.
Da denn, weil der Fiſch entweder ſo hart, als ein Stock ge⸗
trocknet, oder uͤber dem ſtarken Zuſammenlaufen, indem man
ihn rund doͤrret, die Aehnlichkeit eines Stocks bekoͤmmt
die Deutſchen Gelegenheit genommen, ihn in ihrer Sprache
insgemein Stockfiſch zu heißen. Den erſten und mehreſten
Stockfiſch hat man ohne Zweifel aus Norwegen uͤberkommen;
von wannen auch noch heutiges Tages der meiſte gebracht
wird. Daſelbſt machen ihn die Normaͤnner vornehmlich aus
Kabbelau und aus Dorſch. Wie ſie mit deſſen Fang,
Zubereit- und Doͤrrung verfahren, kann man aus der citirten
Topograph. Norweg. p. 113 fegq. in mehren erſehen. Den
fertigen Fiſch bringen dieſelbe in großen Schiffsgefaͤſſen nach
Drontheim und Bergen zu Markte. Von dannen er hernach⸗
mahls weit und breit verfahren wird. Die Sorten, welche
ietziger Zeit allda gemacht werden, find 1) der Rothſchaͤr,
Daͤniſch Rotſkaͤring, der von rot, radix und ſkaͤra findo,
weil er gänzlich bis zum Schwanz geſpalten wird, den Nahe
men traͤgt. Immaßen der Fiſch, nach weggeſchnittenem
Kopfe, und ausgeriſſenem Eingeweide, im Nuͤcken aufgeſchnit⸗
ten, und, nach ausgenommenem Ruͤckgrad, dergeſtalt auch im
Bauche bis zum Schwanz geſpalten wird, daß er zwo Saͤn⸗
gen giebet (Olaus M. c. I. Lib. XXI. cap.» faget: ventres
in bicubitales ligulas inſtar funium abſciſſas). Von dieſer Gat⸗
tung heißer die befie Sorte . weil er viel zaͤrter >
| ek
Nachrichten von Island.
Die erſte Sorte, fo von Flacken d. i. ritzen ;
1) Flack⸗
u, oder aufflitzen, Flackfiſch geheiſſen wird, iſt die dar
teſte, niedlichſte, ſchmackhaftigſte und theuerſte.
Wie er zu- Sie wird auf folgende Weiſe zubereitet: fo bald die
bereitet Fiſcher mit einem guten Fange zu Lande kommen, werfen
d ſie den Sif aus 9 0 den Strand. Alsdenn ihre Wei⸗
' | ber 5
der uͤbrige, und wird ins bende 100 dem unterm ade
gefangenen Dorſch verfertiget. Doch laufen auch zuweilen
auf dieſe Art gedoͤrrete Lengen mit unter, welche noch am
allerzarteſten fi ſind: dieſer Zartfiſch wird meiſtens in die Catho⸗
liſche Laͤnder verſandt, und in den reichen Kloͤſtern verſpeiſet.
2) Der Rundfifeh, diefer wird nicht gefpalten, ſondern nur
im Bauche aufgefchnitten und das Eingeweide herausgenom⸗
men, hernach vermittelſt eines Fadens am Schwanze aufge⸗
hangen; da derſelbe ſich denn zuſammen rollet, und rundlich
doͤrret, auch deswegen im Handel Rundfiſch heiße. Von
. Sorte gehen die beſten nach Holland, die ſchlechteſten
nach Bremen.
Der Rundfiſch kann nur im Frühjahr gemachet werden, ;
da die Luft ſo ſtark durchdringet, daß ſie den ganzen Fiſch zu
doͤrren vermoͤgend iſt: in der waͤrmern Zeit aber iſt man ge⸗
noͤthiget den Fiſch, damit der Wind ihn beſſer durchdringen
und dörren möge, zu ſpalten, d. i. Rotfcheer zu machen.
Conf. Topograph. Norweg. cit. loc. Ions Laurizen Wolff
Norrig. illuſtrat. p. 62. ſchreibet: om waaren Lader de toͤr⸗
res rund, men Sommerfisken flecke de, oc ſaa Kalles den
Rotſkaͤring, das heißet: im Frühling laſſen ſie ihn rund
trocknen, aber den , . ſie, und ſo 15 er
Rotſchaͤr genennet.
Flaka eft difcindo, Flak, 1 diſſectum, 1 u
cum pifcis in tomos oblongos fecatus eft. Gudm. Andr.
in Lexic. Island. Arent Berg Danm. oc Norg. Herligh. p. 273
ſchreibet: De lefve af intet andes, end deris Fiskery,
ſom neſten gandske beſtar udi Torså, S.enger och Sell⸗
flynder, aff builke de faſt ingen ſalte, men flicke och torre.
d. i. Sie (die Nordlaͤnder) leben von nichts anders, als von
ihrer Fiſcherey, welche faſt ganz aus Doͤrſchen, Lengen und Hill«
buͤtten beſtehet, von chelchen ſie faſt keine ee euern i
fpalten und doͤrren.
Nachrichten von Island. 83
ber fich fo fort daran machen, und demſelben nicht nur
den Kopf abſchneiden, den Bauch oͤffnen, und das Ein⸗
geweide herausnehmen, ſondern ihn auch zugleich fla⸗
den, d. i. im Bauche von oben an bis unten hinaus
aufritzen, oder ſpalten, und den Ruͤckgrad, weil der Fiſch
ſich ſonſt unter demſelben zuerſt anſtecket, vom Nacken
an, bis auf drey Glieder (vertebras) unter dem Nabel,
herausreißen muͤſſen. Wann die Weiber mit dieſer Ars
beit fertig, ſchleppen fie ſowohl die heruntergeſchnittene
Koͤpffe, um ſie zur Mahlzeit zu kochen, und hernach⸗
mals die abgegeſſene Graͤthen zur Feuerung zu gebrau⸗
chen; als beſonders die Leber, um ſelbige zum Thran⸗
machen an die Seite zu legen, auf ihren Ruͤcken zu Hauſe.
Die Maͤnner aber, die immittelſt ausgeruhet, und mit
Brantewein nach der Maße ihres Vermoͤgens ſich ge⸗
labet, legen hierauf den geflackten Fiſch in niedrige oder
duͤnne Haufen neben und uͤber einander, doch ohne alles
Salz, und laſſen ihn ſolchergeſtalt drey bis vier Wochen,
nach dem ihnen der Wind guͤnſtig iſt, oder, welches ei⸗
nerley, fein trocken, durchdringend und beſtaͤndig wehet, 805
liegen und ein wenig gaͤhren. Ferner machen fie vier⸗
eckigte Bänke von Strandſteinen, worauf ſie den Fiſch
zum Trocknen Stuͤck bey Stuͤck wechſelsweiſe neben ein⸗
ander ausſpreiten, und zwar die Hautſeite, damit der
etwa fallende Regen nicht aufs Fleiſch treffe, und es fle⸗
ckicht mache, von allen obengekehret. Wofern das Wet⸗
ter trocken, und der Nordwind ſtrenge wehet, kann der
Fiſch in dreyen Tagen trucken genug werden. Wann
er nunmehro trucken, ſtapeln fie ihn in haushohen Haus
fen über einander, und laſſen ihn alſo unbedecket vor Re⸗ i
gen und Wetter ſtehen, bis fie ihn zu feiner Zeit an den
Daͤniſchen Kaufmann verhandeln. Welcher denſel⸗
ben bey der Lieferung auf gleiche Weiſe aufſtapeln und
liegen laͤſſet, bis nach St. bam, da er eingeſchif⸗
fet wird. |
3 2 Die
(2) eng⸗
Wie dieſer
verfertiget
wird.
AUnterſchied
im trock⸗
nen.
Wo 10 15
der Stock⸗
fiſch ohne
| Bat eon⸗ tern Climatis kennet, er DRUM, werde gu begreifen,
84 Rachen von n Bela, i: 1
Die zweyte Sorte, welche die Isländer aus dem
Kabbelau machen, wird Sengfiſch von er oder
auf hengen genannt,
Diefer wird zu Anfang auf glich Art gehandhabet, |
als der Flackfiſch; ohne daß man ihn nicht im Bauche,
ſondern im Ruͤcken aufſpaltet, und nachdem der Ruͤck⸗
grad eben fo weit, wie am Flackfiſche herausgethan, ein
Loch einer viertel Ellen lang zu oͤberſt an der Bruſt zum
Aufhaͤngen hineinſchneidet; er wird auch eben alfo wie
jener zum ausgaͤhren an die Erde geleget. Mittlerweile,
daß dieſes geſchieht, ſetzen fie von kleinen Felstruͤmmern
\
vier Wände auf, iedoch ohne alle Verbindung, und ganz
lucker, damit der Wind überall deſto beſſer durchſtreichen
koͤnne. Dieſe bedecken ſie von oben, wider den Regen,
allein mit ſchlechten duͤnnen Bretern und Soden, oder
gruͤnen Raſen. Und wenn der Fiſch ausgegohren, neh⸗
men ſie ſelben von der Erde auf, ziehen ihn durch das
eingeſchnittene Loch uͤber hoͤlzerne Ricken oder Stangen,
und haͤngen ihn alſo, eine Stange neben die andre, in
den Steinhuͤtten zum trocknen auf. Den Windtrocknen
Fiſch nehmen ſie folgends wieder heraus, ziehen ihn von
den Stangen und legen ihn endlich auch, als verge bade, a
in große Haufen oder Stapel.
Unterdeſſen ift ein merklicher Unterſcheib zwichen
dem Fiſche, der auf einem Strande, wo man Steine ge⸗
nug hat, und einem andern, der, wo man nur allein
Sand hat, auf dem bloßen Sande getrucknet wird.
Denn jener wird feſter, weißer und dauerhafter: dieſer
aber, weil er nur über die ausgeſchnittene Ruͤckgraͤthen,
ſtatt der Steine, geſpreitet wird, laͤufet an, und iſt das
her bey weiten fo dauerhaft nicht als jener. ER WOR
Es ift wohl gewiß, daß ein ieder, der nur allein die
Umſtaͤnde und Wirkung eines lindern, lauern und feuch⸗
| wie
Nachrichten von Island. 85
wie es möglich ſey, daß ein fo großer, fetter, ohne alles
Salz ſo ſchlecht gehandelter, und unter freyem Himmel
aufgeſtapelter Fiſch nicht verfaule, ſondern ſo dauerhaft
werde, daß er auch nachher in andern Weltgegenden
Jahre lang aufbehalten werden kann. Allein, wenn
man in reifere Erwegung ziehet: wie durchdringend all⸗
hier die Kaͤlte, beſonders zu der Zeit, wann der Fiſch zu⸗
gerichtet wird; wie rein die duft *; wie ausdorrend die
trucknen ſcharfen Nordwinde (wodurch die Feuchtigkei⸗
ten, als die innerliche Urſache der Gaͤhrung und Faͤul⸗
niß, voͤllig ausgetrieben werden) wie dahier, wenigſtens
zur Zeit der Fiſchfertigung, keine Schmeißfliegen vorhan⸗
den ſind, nachher auch die wenige, ſo etwa kommen moͤg⸗
ten, von der Strenge des Fiſchgeruchs abgehalten wer⸗
den, (folglich auch die Eylein und Maden, als die
aͤußerliche Urſache der Vermoderung ermangeln); ſo
iſt die Moͤglichkeit der Waͤhrung dieſer alſo gedorreten
Fiſche gar wohl zu begreifen, und die Wohlthat, die die⸗
fen Leuten eben ihre unerträglich und nur böfe ſcheinende
Lage und Witterung gewaͤhren muß, mit Bewunderung
zu betrachten. Nut
Auf den Inſeln Weſtmanoe macht man den Kabbe Andere Art
lau auch zu Kothſchaͤer auf Norwegiſche Art. (vid. u fu öbe⸗
not. p. 81.) . Naͤmlich der Fiſch wird beydes im Ruͤcken Stockfiſch
| Ger 1 und iu machen.
Von der reinen und aus dorrenden Luft der Nordlaͤn⸗
der ſchreibet Olaus M. c. I. Lib. r. c. 2. Aér - ſemper frigi-
dus eft et ferenus - tantaque eft aëris temperies, vt piſces
nullo fale conditi, fed folo aere ſiccati toto decennio à pu-
trefactione durent. Und dieſes gehet ſo weit, daß die Nord⸗
laͤnder auch, vermittelſt der Luft und Windes, ſelbſt Fleiſch
ſo trucken machen koͤnnen, daß es waͤhret. Wie denn in der
Topogr. Norw. cit. p. iy angeführet wird, daß man die wilde
Gaͤnſe, beſonders aber zwo Arten Voͤgel, eine Leyer, fo ſehr
feiſt, die andere Skrab genannt, im Winde doͤrre, und anſtatt
des Brodts gebrauche. Add. Jons Lauritzen Wolff Norri-
Zia illuſtrata, p. 198. | PR
Es wird
auch Lab⸗
berdan dar⸗
aus gema⸗
chet.
86 Nachrichten von Island.
und Bauch voͤllig bis nahe an den Schwanz alſo, daß 75
zwo nur noch unterm Schwanze zuſammenhaltende Haͤn⸗
gen, oder Klappen daraus werden, geſchlitzet oder aufs
geſpalten. Denn vorerwehneter maßen auf die Erde
zum Gaͤhren niedergelegt und demnechſt zum Trocknen
in beſagte Steinhuͤtten, wiewohl ohne Dach bloß uͤber
die Stangen geſchlagen und ſolchergeſtalt aufgehangen.
Womit derſelbe bald fertig iſt. Doch wird dieſer Roth⸗
ſchaͤer im Lande wieder verſpeiſet, und nur gar ſelten aus⸗
geſchiffet, weil dieſe Leute mit auswärtigen Rothſchaͤer⸗
haͤndlern ſonſt keine Handlung pflegen, vielmehr dieſe al⸗
les benöthigte von den Norwegern, mit denen fie in alter
Bekanntſchaft, mutuellem Credit, und Verbindung ſte⸗
hen, kommen laſſen. SAND
So machen auch die Hollaͤndiſche Lorrendrayer auf
ihren Schiffen aus dem Kabbelau, den fie bey dieſer In⸗
ſel fangen, Labberdan * auf dieſe Weiſe, daß ſie dem
Fiſche nur bloß den Kopf abſchneiden, den Bauch auf⸗
reißen, das Eingeweide herausnehmen, und ihn mit gro⸗
ben Salze wohl beſtreuet in Tonnen legen. en
4
Und hiemit will ich abbrechen, weil doch aus ange⸗
fuͤhrten ſchon die faſt unendliche Nutzbarkeit des Kab⸗
15 F belauen
„ Aberdaine, Habberdeen, i. e. Aſellus Aberdonenſis,
wie ihn Willoughby nennet, ohne Zweifel, weil ihn die Schot⸗
ten an dieſem Ort zuerſt auf dieſe Weiſe zubereitet und aus⸗
geſchicket haben. Wie denn auch die Schotten auf ihrer,
imgleichen die Irren auf der Nordweſt. und Oſtkuͤſte ihrer In⸗
ſel, alljaͤhrig den Kabbelau haͤufig fangen, und zu Labberdan
machen, der inſonderheit fuͤr die Matroſen auf den Schiffen
dienet. „
* Nur noch eines will ich beyfügen, um zu zeigen, wie .
nicht allein alles an dieſem herrlichen Fiſche zu gebrauchen
ſtehe, ſondern wie auch der geſcheidte und feinen Vortheil nir⸗
gends aus der Acht laſſende Kaufmann ſonſt an ſich verächte
lich ſcheinende Dinge zu einem eintraͤglichen Vorwurf je |
"date
N Ps - *
S
Nachrichten von Island. 87
É belauen zur Genuͤge erhellet: die ohne dis auch aus dem,
was nunmehr von den uͤbrigen ſeines Geſchlechts folget,
noch weiter offenbar werden wird. ;
H. LVI. So ift die Lenge (Afellus longus, Engl. genge,
Ling. Willoughb. Hift. Piſc. p. 175. Daͤn. Lange) eine |
Kabbelauart, aber ſchmaͤler und länger, als der vorher:
gehende eigentlich alſo genannte Kabbelau. Daher ſie
auch ihre Benennung in allen Sprachen traͤget: die eine
beſonders fette und delicate Haut, und eine gar fuͤrtreff⸗
liche Leber hat.
Auch aus dieſer Lenge wird beydes Stack, und En Daraus
fiſch auf obvermeldete Weiſe verfertiget; der aber nicht e |
völlig fo gut, als der vom Kabbelau felbft gemachte, aus: Art Stock⸗
fälle, und deshalb von den Inwohnern gemeiniglich nur as
zu ihrer Mundkoſt verbrauchet wird. Welches um ſo
mehr zu verwundern, da die Norweger ihren zaͤrteſten
und theuerſten Kundfiſch obgedachtermaßen daraus zu⸗
zubereiten wiſſen. So groß iſt der Unterſcheid des Fi⸗
ſches, wenn er auf einem andern Grunde ſich enthaͤlt,
oder andre Nahrung genießet u. ſ. w. und fo viel kommt 1
es auch auf einen guten Handgriff an.
F a. 1 Wie
Handelung zu machen wiſſe. Nemlich es ſammeln die Nor⸗
männer, wenn fie den Kabbelau, um Stockfiſch daraus zu
machen, ausnehmen, den Rogen und das Eingeweide deſſel⸗
ben fleißig auf, und bringen es mit nach Drontheim und
Bergen. Da die Kaufleute, und abſonderlich am letzten Or⸗ g
te unſere fo genannte Bonden des hanfeatifchen Comtoirs,
wie mich die hieſigen Bergerfahreralten berichtet, ſolches ers .
handeln, und, nachdem es zuvor ordentlich gewracket und
gepacket, in großen Parteyen, theils gerades Weges, theils
uͤber Hamburg, nach Nantes ſchicken. Weil die Franzoſen
ſich deſſen zum Sardinenfang mit großem Nutzen und zwar
ſolchergeſtalt zu bedienen wiſſen, daß ſie ihn aus einander ge⸗
pfluͤcket, zwiſchen ihre Netze fireuen : wornach die Sardinen
gar begierig und haͤufig herzuſchwimmen.
—
aber. fein
Klippfi
ahi
den doch
hie Hitt⸗
ånder dar⸗
aus zu ver⸗
fertigen
wiſſen.
Nachrichten von Island.
*
"dg
Wie es den Yslåndern denn auch nicht gelingen will,
Klippfiſch (der davon, daß er auf den Klippen, oder
Baͤnken von glatten Strandſteinen getreuget wird, den
Nahmen führer) daraus zu machen, als der nur ſchlecht
geraͤth und leicht verdirbet, u daher nicht ansgefüg
ren wird:
Da doch die nicht gar weit davon 970 Hirclan⸗
der eben ihren vortrefflichen Klippfiſch daraus zu verferti⸗
gen im Stande find *. Vielleicht will die goͤttliche für.
alle ee wachſmme und nach Wah Ermaͤßigung
dem
Auf den Hittlaͤndiſchen Inſeln wird der beſte und
dauerhafteſte Klippfiſch, und zwar die gemeine Gattung aus
Babbelau, die allerzaͤrteſte aber aus der Lenge, verferti⸗
get. Die Zurichtung geſchieht auf nachfolgende Weiſe: : Es
haben die Inwohner aufm Strande große viereckte Kaſten
von Holz, in deren jeden bis zu 500 Fiſche gehen, geſetzet.
In dieſelbe legen ſie den gefangenen Fiſch, nachdem ſie Kopf
und Ingeweide, auch den Rückgrad hinweg gethan, ſchicht⸗
weiſe uͤbereinander, ſtreuen grobes Spaniſches Salz fein di⸗
cke darzwiſchen, und laſſen ihn ſolchergeſtalt 7 bis 8 Tage
durchbeizen. Hierauf legen fie ihn unter hölzerne Preſſen,
welche fie mit Steinen u. d. gl. wohl beſchweren, damit er
platt gedruͤcket werde. Nachdem er bis 10 Tage darunter |
geſtanden, legen fie denſelben aufm Strande (doch ſo hoch
hinauf, daß die See nicht daran ſpuͤlen kann) auf Baͤnklein
von harten, glatten und reinen Strandſteinen (womit die
See eine zeitlang geſpielet, und ſie wohl abgerundet und ge⸗
glaͤttet hat, Zingels von den Hollaͤndern und Gallers von den
Franzoſen genannt) neben einander zum trocknen. So bald
er durch Kaͤlte, Wind und Sonne genugſam getrocknet, ſta⸗
peln ſie ihn in ihren Packhaͤuſern auf einander, und bedecken
ihn wohl mit allerhand Decken, damit keine feuchte Luft, noch
Wind, als wodurch er ſchleimicht wird, dazu kommen moͤge.
Wie er denn auch nachher in den Schiffen, womit er verfahren
wird, ſo viel immer thunlich, zugedecket, und vor Luft und N
Wind verwahret werden muß. Denn ie bedeckter und dunck⸗
ler er ligget, ie beſſer und laͤnger Hält er ſich. Im Monat
Febr. wird dafelbft der beſte Kabbelau, und im Auguſt die
beſte Lenge, gefangen und zu Klpfiſch mnbereitet. kk LÅ
Nachrichten von Island. 89
dem einen Orte dieſes, dem andern ein anders zutheilende
Vorſorge, daß die Islaͤnder an ihrem Flad und Heng⸗
fiſch, wovon fie ſich nach Nothdurft naͤhren, und den an⸗
dere ihnen nicht nachmachen koͤnnen, ſich begnuͤgen, und
wie den Norwegern ihren Rundfiſch, alſo den Hittlaͤn⸗
dern die rechtſchaffene und vortheilhafte Zurichtung des
Klippfifches, als ihr vornehmſtes Nahrungsmittel und
eigenes Kleinod, uͤberlaſſen ſollen.
$. EVIL Der Schellfiſch, eigentlich Schelffiſch, Schelſiſch.
bey den Englaͤndern Hadock genannt, (Onos oder
Aſinus antiquorum, Aſellus tertius I. Aegleſinus Ron-
deletii, Aeglefinus vel Aegrefinus Bellonii,) iſt eines Ge⸗
ſchlechts mit dem Kabbelau, aber nicht ſo guten Ge⸗
ſchmacks, bleibet auch viel kleiner, als jener, und hat al⸗
lein kleine fuͤhlbare Schuͤpplein, da die andern Kabbe⸗
lauarten alle glatt und ungeſchuppet ſind *. .
$. LVIII. Der Wittling, der von feinem weiß; Wittling.
lichten Ruͤcken alſo genennet wird, (Hollaͤnd. Witting,
Engl. Whitig, Aſellus candidus, Aſellus mollis ma-
jor five albus Willoughb. p. 170. bey unſern Hilgelan⸗
dern Gaatjens,) ift dem Schelfſiſch aͤhnlicher als dem
Kabbelau, laͤnglicht von Leibe und mit ſcharfen Zähnen,
1 ne: Er
Es ſtehen einige in den Gedanken, daß dieſer Fiſch da⸗
her den Namen habe, weil ſein Fleiſch gekocht mehr, als an⸗
derer ſeines Geſchlechts, ſchelfet oder ſchelfert, d. i in dicht⸗
liche runde Schelferblaͤtter, oder Schalen, wie die Zwiebel⸗
ſchalen von einander berſtet und gleichſam blaͤttert; welches
gar angenenehm fuͤrs Geſicht gehalten wird, und den Appe⸗
tit erwecket. Ich halte aber dafuͤr, daß ihm ſein Name viel⸗
mehr von den merkbaren Schuppen, womit er ſich von allen
andern ſeines Geſchlechts unterſcheidet, beygeleget ſey. Al⸗
lermaßen die Hollaͤnder, und auch unſere niederdeutſche See⸗
leute und Fiſcher, die Fiſchſchuppen Schelfen, und den
Siſch ſchelfen, oder ſchelferen, den Fiſch ſchuppen (defqua-
are pifcem) nennen. Conf. Kilian. Etymologic. Teuton.
Linguae. %
$ 7
9 Nachrichten von Island. |
Er hat ein gar niedliches Fleiſch, will aber fo wenig / als j i
der Schelffiſch, zum tuͤchtigen Flack⸗ und Hengſiſch dee
nen, und unter echte Kaufmannswaare, ohne wo man
deren etwan nicht genug haben kann, nicht mitgenommen
werden 5 .
me: | GER 4
Ich bin der Meynung, daß dieſer Wittling, die eigene
lich fo genannte Morus ſeyn werde, wiewohl man die Molug, ,
die auf den Baͤnken von Terreneufve gefangen wird, in Pa⸗
ris gemeiniglich auch la Morus nennet, und Rondeletius
ſelbſt fie mit einander vermiſchet. Denn die Molus, oder
Merluche (Merlucius quaſi maris Lucius) Angl. Cod oder
White - fiſh, holl. Bacheliaum ift mehr eine Kabbelauart.
Wiewohl ich noch bisher die rechten eigentlichen notas charadte-
riſticas, worinnen er ſich von unſerm Kabbelau unterſcheidet,
nicht ausfuͤndig machen koͤnnen: weil Naturverſtaͤndige eben
an ſolche Oerter nicht kommen, und es ſehr ſchwer haͤlt, von
Fiſcherleuten was Accurates, Einſtimmiges und Zuverlaͤßi⸗
ges herauszubringen. Indeſſen id) im Vorbeygehen unges
meldet nicht laſſen wollen, daß dieſer gefreßige Fiſch den be⸗
ſondern Vortheil, (den ſich vielleicht mancher wolluͤſtiger
Vielfraß wuͤnſchen moͤchte) von der Natur habe, daß, wenn
er nach ſeiner unvorſichtigen Schlingſucht ein Stuͤck Holz,
oder ſonſt etwas unverdauliches, eingeſchlucket hat, er ſeinen
Magen herausbrechen, vor dem Maul umkehren und auslee⸗
ren, hernachmals aber, wenn er ihn im Meerwaſſer wohl
ausgeſpuͤlet, wieder einziehen und an behoͤrigen Ort und Stel⸗
le bringen kan. Wie dieſes aus der Erfahrung bezeuget
Dionys Deſcript. des Cotes de l’Amerique ſeptentrionale
Vol. II. p. 181, worinnen er die ganze Fiſcherey und Zube
reitung der Fiſche bey Terreneufve nach den allerkleineſten
Umſtaͤnden beſchreibet, und zugleich anzeiget, daß die Molus
verte oder blanche, und die Molué feche, oder Merluche,
von einem und demſelben Fiſche gemachet, und nur nach un⸗
terſchiedenheit der Zurichtungsart alſo unterſchiedlich benen⸗ .
net werde. Es iſt aber zu wiſſen, daß die Molus verte, wel⸗ |
che, fo bald der Fiſch nur zurechte geſchnitten, alſofort zu
Schiffe gebracht, und ſo bloß, ohne alle Gevaͤße, auf deſſen É
Boden im Raume ſchichtweiſe übereinander geleget, und auf
der Stelle eingeſalzen wird, in der That nichts anders, als ein
geſalzener Kabbelau ſey, der bey uns unter dem Namen habe
berdan bekannt iſt, und die Molus ſeche, ſo kleiner, als
5 | | jene,
Nachrichten von Island. 91
F. LX. Der Dorſch, (Daͤn. Torsk, bey den Dorſch.
Preußen Pomucheln, Aſellus varius ſ. ftriatus) iſt die
kleineſte Kabbelauart, und mit den zaͤrteſten Schuͤpp⸗
chen, die man im Anruͤhren mit der Hand, ja, wenn er
gekocht, ſo gar zwiſchen den Zaͤhnen, nicht einmahl ver⸗
ſpuͤren kann, bekleidet. Ihre Farbe iſt grau und etwas
goldfärbig, mit vielen dunklen oder ſchwarzen Flecken und
Streifen gezieret: ihr Fleiſch iſt gar niedlich: beſonders
derjenigen, die in der Oſtſee und zwar ohnfern Lubeck ges
fangen werden, welche im Sommer lichter von Farbe,
im Winter aber dunkelgrau ſind. Die Daͤniſchen Un⸗
terkaufleute auf Island pflegen dieſe Gattung auch zu⸗
weilen zu doͤrren und wie Flackſfiſch zurichten zu laſſen, und
alsdenn Tietlings zu nennen. Derſelbe wird gar zart
und niedlich, aber nur zu Geſchenken für große und vor⸗
nehme in Copenhagen ane, folglich får felten an⸗
ders wohin gebracht,
$. LX, Der Röhler oder Noolfiſch ( Holland.
Kool Engl. Colefiſh, Willoughb, Ichehypk p. 168.
i Aſellus
jene, und am Strande erſt eingeſalz en, hernach in der See
abgeſpulet, denn auf Horden zum ablecken, folgends auf
beym Strande aufgerichtete Steinbaͤnke zum trocknen ausge⸗
breitet, ferner in Haufen zum voͤlligen austrocknen aufgeſta⸗
pelt, endlich im Schiffsraum auf Keifig über einander geladen,
Kohl er.
—
und aß nach Frankreich gebracht wird, e Blippfiſche
ganz aͤhnlich ſey.
Wie von den Englaͤndern dir Fang und die Zubereitung
dieſes Fiſches in ihrem Theil geſchieht, hat Herman Moll auf
ſeiner neuen vortrefflichen Carte von Nordamerica in einigen
Figuren vorgeſtellet. In Weſtengeland iſt eigentlich die Rhe⸗
derey zu dieſem Sif fange. Man nennet die Schiffe, ſo dahin ger
ſchicket werden, um den Fiſch zu fangen, und nach Engeland
abzuholen, Nemfoundlaud- Ships, oder in der Matroſenſpra⸗
che, Nemfound and. Men, imgleichen Bankers: die aber das
hin gehen, um fertigen Fiſch zu erhandeln, und ihn nach Spa⸗
nien, Italien u. ſ w. gerades Weges zum Wiederverkauf zu
bringen, Sack- Men. Vid. Atlas Marit. et ee
Hütte und
Schulen.
Hilbuͤtte.
„ Nachrichten von Island.
Aſellus niger, Carbonarius) von ſeiner gar dunkeln Far⸗
be alſo genannt, iſt zwar auch eine Cabbelauart, und
nur ein wenig kleiner, als derſelbe, im uͤbrigen ihm gar
ähnlich, aber fo mager und ſchlecht von Geſchmack, daß
ihn die Islaͤnder nicht brauchen koͤnnen, auch, weil es
ihnen an beſſeren Gattungen keines weges fehlet, nicht
einmahl eſſen. Er wird bey der Nordcap haͤufig gefan⸗
gen (Zorgdrag. Groenl. Viſch. p. 97.) weil er inſonder⸗
heit nach Norwegen ſich ziehek. Daſelbſt heißer er Sey,
Graaſey, Stifisk, auch Ofs, und wird im Ueberfluß
gefangen, wenn er naͤmlich von Wallfiſch getrieben und
dergeſtalt geaͤngſtiget wird, daß er oft aufs trockene Land
laͤuft. Doch eſſen ihn nur die aͤrmſten Leute, und he⸗
ben ſeine gewaltige Leber auf, um Thran daraus zu ko⸗
chen. Der Armuth zum beſten iſt auch in Bergen dieſe
loͤbliche Verordnung gemacht worden, daß unſere Hanſe⸗
ſtaͤdtiſche Kaufleute ihn ihrem Geſinde nicht geben duͤrfen,
damit er dem Armuth, die itzo den groͤßeſten für ı Luͤbſch
Schilling haben kann, nicht etwan vertheuert werde.
Unſere Hilgelaͤnder Fiſcher fangen ihn auch, und bringen
ihn zuweilen nach Hamburg, finden aber wenig Abnahme.
6. LXI. Von andern Fiſchen, obwohl dieſelbe ſi ch
hier insgeſammt größer und fetter, als anderwerts befin⸗
den, als den Buͤtten, Schullen, die allhier fo feiſt,
daß fie getrucknet alſofort roͤchlich an den Graͤthen wer⸗
den, und ſich anſtecken, folglich in der Handlung und
zum Ausſchiffen nicht dienen, ſondern nur von den Sr
ländern friſch weggegeſſen werden, und andern derglei⸗
chen, will ich die vielen beſonderen Nachrichten, die ich
geſammlet, verdrießliche Weitlaͤuftigkeit zu vermeiden, a
zu einer andern Gelegenheit verſparen.
$. LXI. Nur will ich noch mit wenigen der Hil⸗
bitte gedenken, die, da ſie bey uns in unſrer Nordſee nur
zu 120 bis 130 Pfund anwachſen, bey Island ſo groß
ſind, daß fie bis zu 400 Pfund waͤgen. Dieſer Hilbutt
oder
Nachrichten von Island. 93
oder Heilbutt, Daͤn. Sellefiſk, Norweg. Helleflynder
oder Oveite, Franz. Flaitan oder Flettan, bey den Weſt⸗
englaͤnd. Holibut, in Nordengland Turbot oder Tur-
but, Hippogloſſus Rondel. et Gefn. ift die allergrößeſte
Gattung von Bitten und faſt fuͤrchterlich anzuſehen.
Er hat unten und oben eine gedoppelte Reihe etwas ger
kruͤmmeter und einwerts gebogener ſehr ſcharfen Zähne,
eine große ſteife Zunge, und uͤber derſelben recht vor dem
Schlunde am Oberrachen zweene runde aus vielen ſpitzi⸗
gen Zaͤhnlein beſtehende und deshalben ganz rauhe Stel⸗
len, nicht weniger auf ſeinen Kiefen ſpitzige Stacheln,
mit dreyfachen Kiefendeckeln oder Ohren. Man ermiſ⸗
ſet ohnſchwer, daß, weil er ſo breit und platt, doch da⸗
bey keine proportionirte Dicke oder Ruͤnde, keine gnug⸗
ſame Fertigkeit, ſich zu tummlen, Fiſchen nachzueilen und
fo fort, anderen großen lang⸗ runden Fiſchen gleich hat,
ihm dieſer ungemeine Vorrath von Spitzen, Hacken,
Zähnen um feines Raubes, dem er beykommt, deſto we⸗
niger zu verfehlen, und was er erhaſchet, deſto beſſer zu
halten und zu bemeiſtern, gegeben worden, zumahl ſie
nicht allein Heering und dergleichen kleine, ſondern auch
Schelſiſche, Dorſche und andre große Fiſche erſchnappen
und hinabſchlingen. Sonſt iſt dieſer Butt ſowohl an
aͤußerlicher Leibes geſtalt und Floßfedern, als inwendig
mit dem Eingeweide andern Buͤtten ganz gleich. Er
hat auch, ob er ſchon ſo groß iſt, dennoch wie jene, keine
Luftblaſe. Er kann aber deswegen auch eben ſo wenig,
als dieſelbe ſich ſonderlich empor heben, und ſtark und
weit ſchwimmen, ſondern muß, wie die uͤbrige ſeines Ge⸗
ſchlechts, meiſtens am Grunde ſich enthalten. Da⸗
her iſt an ihm diejenige Haut gar kenntlich und ſicht⸗
bar, wormit alle Fiſche derſelben Art vor andern Fiſchen
um deswillen verſehen ſind, damit ſie, wenn ſie als
ſchlechte Schwimmer bey eraͤugendem Sturm ſich, wie
ſie pflegen, in den Sand zur Befeſtigung eingraben, die⸗
Er vor die Augen bleen, und ſolche dadurch vor dem
Schnei
94 Nachrichten v von Island |
Schneiden des ſcharfeckigten S Sandes bewahren kun⸗
nen *. Sie haben zwar ein wohlſchmeckendes, aber
wegen der ſtrengen und . Seife ſebe re
verdauendes Fleiſch.
dun wird Von dieſem Fiſche wird der in den Nordiſchen kin
Naf u.
Re opel ge⸗
1
dern und in Niederſachſen nur bekannte Raf und Res
kel * gemachet, der aber, weil er einen recht geſunden
und zum Seeſiſchfett gewehnten Magen erfordert, nach⸗
dem die Welt zaͤrtlicher geworden, wenig mehr gemachet,
Makteele.
und noch weniger in die Fremde geſchicket wird.
§. LXIII. Den Schluß mag die Makreel, (Scom-
ber Rondel. Bellon.) die einem Heering an der Geſtalt
nicht unaͤhnlich, aber größer: und bis 12 Schue lang ift,
vor dieſes mahl machen. Sie ſchmecket friſch geſotten,
oder gebraten, denen, die Fiſchfett lieben, ſehr gut, ſonſt
etwas ecklicht. Die Islaͤnder geben ſich ihrenthalben
keine Mühe, Sie gehoͤret unter die reiſende oder einen
i großen
* Conf. Leuwenh. Miſſiv. d. 22 Jun. 1704.
Rao, Raf, Isl. Rafur, find die Floßfedern, wel⸗
che tief aus dem Ruͤcken mit dem Feiſten ausgeſchnitten, ein
wenig eingeſalzen, und nachher windtrucken gemachet wer⸗
den: Rebel, oder Rekling, Isl. Riklinge, ſind laͤnglichte
Striemen der Haut und des Fetten, ſo oben vom Schwanz
gegen dem Ruͤcken zu abgeſchnitten, ebenmaͤßig eingefalgen, -
und am Winde getreuget worden. Der beſte Raf und Re⸗
kel kommt aus dem aͤußerſten Norwegen von Andenaͤs, Troms
ſen und aus Finnmarken. Die Normaͤnner fangen die |
butte, wenn der Kabbelaufang vorbey, und begeben ſich des
Endes mit großen Boͤthen in die See. Des Nachts, die
alsdenn lichte, liegen ſie auf den Fang, doch nicht länger,
als bis S. Johann. Tag. Weil der Fiſch nachher, da die
Luft ſehr warm wird, wegen ſeiner großer Feiſte nicht wohl ge⸗
doͤrret und aufbehalten werden kann. Ramus Noriges Be⸗
ſtr. pag. 252. Die Franzoſen wiſſen auch aus ihren Flai⸗
tans, die ſie auf den Baͤnken bey Terreneufve fangen, die
Floßfedern, wie Kalk ee Vid. Denys e |
cit. Tom. II. p. 260., -
Nachrichten von Island. 95
großen Kreislauf vollendende, mithin ſich vielen Reichen
und Voͤlkern darbietende Fiſchſorten. Man hat mich
verſichern wollen, daß ſie den Winter in Norden zubrin⸗
ge, gegen dem Frühling aber Island, Hittland, Schot⸗
land und Irrland vorbey in die Spaniſche See ſich be⸗
gebe. Allda ein Theil Portugall und Spanien vorbey
in die Mittellaͤndiſche See falle. Der andre aber ſchon
im April unter Frankreich, im Majo im Canal unter
Engeland: Im Junio bey Holl⸗ und Frießland; im
Julio aber auf der Juͤtiſchen Kuͤſte ſich ſehen laſſe; wo⸗
ſelbſt er um die Nordſpitze ſich ſchwenkend einen Schwarm
in die Oſtſee abſchicke, der Ueberreſt aber Norwegen vor⸗
bey nach Norden wieder zuruͤck kehre. Weil dieſer Fiſch
fuͤr den Kaufmann nicht dienet, folglich nicht eigentlich
aufgeſuchet wird, habe ich in diesem Stuͤcke zu recht voͤl⸗
liger Gewißheit nicht gelangen moͤgen, ſondern an dem
Zeugniß zweener erfahrnen und aufmerkſamen Fiſcher,
die auf dem Hilgenlande wohnen, mich begnügen muͤſſen.
§. LXIV. Unter den großen Fiſchſorten ſtehen oben Wallſiſch.
an die Wallfiſchgattungen . Unter denſelben wa⸗
get ſich der große Grönländifche (welcher von den Islaͤn⸗
dern Slettbakr, von den Normaͤnnern Slitbakker,
d. i. Schlechtruͤcken, Glattruͤcken, wegen feines ebenen
von aller Sinne oder Floßfeder entbloͤßeten Ruͤckens, Ba-
lena vulgaris edentula, dorfo non pinnato Raj. (auch
wohl Sandhual genennet wird) feiner ungeheuern Größe
halber nicht leicht bis an die Inſel Island, ſondern haͤlt
ſich, aus Scheue vor den untieferen Gruͤnden, in den
grundloſen Tiefen bey Spitzbergen und unter dem Nords
pol zuruͤck. Dahingegen hauſet, als obgedacht „deſto
häufiger und beſtaͤndiger in dieſer Gegend der Nordca⸗
per, welcher jenem Grönlaͤndiſchen an Geſtalt des Lei⸗
bes, auch wegen der Barden im Maul gar aͤhnlich, ſonſt
| | aber
2 Von welchen eigentlich in meinen Nodricbten von
Groͤnland gehandelt iſt. ØR
ee
fangen.
Å
96 Nachrichten von Island.
aber viel kleiner und in allen ſchmaͤhler ift, Dieſen Wall⸗ 5
fiſch wiffen die Islaͤnder ſich vortrefflich zu Nutze zu ma⸗
chen; zumahlen er ihnen, da fie ihm aus Mangel tuͤch⸗
tiger Fahrzeuge und Geraͤthſchaften in freyer See nichts
anhaben wuͤrden, eine beqveme Gelegenheit ſeiner Mei⸗
ſter zu werden, ſelbſt an die Hand giebet.
die Fioͤrden oder Sinus folget, und ſie, um ihrer deſto
mehr zu Fuͤllung ſeines hungrigen Magens zu erhaſchen,
gegen den Wall antreibet, fo geſchieht es zuweilen, daß
er aus gar zu großer Begierde und Eifer auf ſolche un⸗
tiefe Stellen“ und Baͤnke rennet, davon er nicht wie⸗
der zuriick kann ** 5 oder er veranlaßet zum wenigſten über
ſolcher ſeiner Jagd, daß die Islaͤnder ihn ſelbſt jagen,
auf die Baͤnke ſcheuchen und uͤberliſten. Das letztere
geſchieht auf nachfolgende merkwuͤrdige Weiſe. So bald
cd)
Denn indem er, als obgedacht, den Heringen in
fie wahrnehmen, daß ein folder Wallſiſch hinter den
Heeringen darein treibet, werfen ſie ſich ungeſaͤumet mit
Harponen, Spießen und Meſſern verſehen in ihre Bis
the, und rudern ihm von hinten zu ſo nahe auf den Leib,
als es ſich nur will thun laſſen. Hierauf wenn der Wind
auf den Strand zu wehet, fi ſchuͤtten ſie eine Menge aller⸗
len zu dem Ende mitgenommenen Blutes vor ihr Both
aus in die See, und laſſen es durch den Wind auf den
fluͤchtenden Fiſch zu treiben, fahren auch maͤhlig nach.
Da denn derſelbe, wenn er ſich verfolget ſiehet, und
nach der See umkehren will, des Bluts aber gewahr
wird, vor selbigem ii 1428 und 1 als hierdurch zu
ſchwim⸗
Die von des Islaͤndern mit einem eigenen Namen
Hual- vag, (iuxta Verel. in Lexic. 1 Sc. ex Jsl. ea |
genennet wurden.
Wie dieſes auch ſchon Olaus M. Hiſt. Gent. Sede. 1
Lib. XXI. c. iy bemerket.
Ob dieſer heftige Ekel daher entſtehe, daß er ein bol |
ches Blut etwa fuͤr das Blut eines Weibleins indem ans å
/
Nachrichten von Island. 97
ſchwimmen, ſich wieder wendet und dem Lande zueilet,
darüber aber zuletzt nothwendig entweder auf dem San⸗
de, oder zwiſchen den Schaͤren ſtrandet. Im Fall der
Wind vom Lande abſtehet, rudern die Fiſcher dem Wall⸗
fiſch nach, und wenn er umkehren will, werfen ſie aus
ihren Boͤthen ohne Unterlaß Steine vor ſich hinaus ges
gen dem Fiſche ins Waſſer, und machen anbey ein greu⸗
liches Geſchrey, Geklopfe, und Gereuſch, womit ſie den
Fiſch zurück ſcheuchen, daß er immer voraus Strand⸗
werts
Wallfiſche deſſen monatlich eine ſo große Menge, daß die
See davon gefaͤrbet wird, verlieren, zu welcher Zeit fie auch
ein fehr ſtinkend Waſſer ausblaſen. Vid. P. Feuille Journal
des Obfervations phyſiq. etc. faites en Amerlg. Tom.L
p. 393.) oder auch für das vergoſſene Blut eines feines gleis
chen, der bereits ertoͤdtet, anfichet und nach der allen leben⸗
digen Creaturen angebohrnen Unuͤberwindlichen Furcht vor
ihrem Untergang und Trieb zu ihrer Lebenserhaltung, den
Weg, wo ſolches hergetrieben koͤmmt, um nicht in gleiches
Verderben zu verfallen, aͤngſtiglich meidet und davor fliehet;
ſolches laſſe ich dahin geſtellet ſeyn, vermuthe aber mehr das
letztere. Denn Plinius hat ſchon die Blutſcheue bey den Fi⸗
ſchen angemerket, indem er ſchreibet: Piſces maxime piſcium
- Tanguinem fugiunt. Hift. Nat. lib. X. Sect. 90. und (welches
ich fleißigen Naturforſchern, die in der Natur nichts ihres
Nachdenkens unwuͤrdig ſchaͤtzen, zum Nach ſinnen anfuͤge,)
der aufmerkſame D. Martin in feiner vielfältig angezogenen
Beſchreibung der weſtlichen Inſel bey Scottland, p. 143 fuͤh⸗
ret als eine gemeine in ganz Scottland bekannte Erfahrung
an: That, if a Quarel happen on the Coaſt, where her-
ring is caught, and that Blood be dtawn violently, then
the Herring go away from the Coaſt, without returning
during that Seaſon. This, they ſay, has been obſerved
in all paſt ages, as well as at preſent. Das iſt, wenn ein
Gefechte am Seeſtrande, wo man Heering faͤnget, ſich zutraͤ⸗
get, und Blut vergoſſen wird, daß der Heering alsdenn ſich
von der Cuͤſte wegbegebe, und fuͤr dieſelbe Jahrszeit nicht wie⸗
der zuruͤck kehre. Dieſes, ſaget man, ſey ſowohl in allen vo⸗
rigen als in den neuern Zeiten angemerket worden. |
1
9s Nachrichten von Island.
werts fliehen, und zuletzt auch aus Mangel des Waſſers
liegen bleiben muß NN
v
N
So bald der Fiſch fo weit gelaufen, daß er auf eine
oder andere Art feſte geworden, und nicht wieder zuruͤck
kann, umringen die Fiſcher ihn mit allen Boͤthen, und
geben ihm Stich auf Stich, bis er verblutet und ſtir⸗
bet. Darauf ſchneiden ſie allen Speck, ſo viel ihnen
nur moͤglich, wie auch, weil ſie keine Koſtveraͤchter, ein
ziemliches vom Fleiſche herunter, und nehmen beydes
mit ſich nach Haufe *, i ROR
10 0 Die
Ich vernehme, daß dieſer beyden, aus achtſamer Ber
merkung der Natur der Fiſche hergeholten, Kunſtgriffe auch
die auf der Inſel Feroe wohnende Fiſcher, welche mit den
Islaͤndern eine gleiche Duͤrftigkeit und Mangel an Werkzeu⸗
— ”
gen zur großen Lehrmeifterinn gehabt, ſich mit Vortheil be⸗
dienen follen. | an,
* Es koͤmmt wohl meift auf die Gewohnheit an, daß
man das Fleiſch der Wallfiſche für nicht eßbar hält. Unſere
Groͤnlandsfahrer, die endlich ein Stud von einem ſtarken
und etwas ſtrengen Meerfiſche zu genießen nicht ungewohnet
find, bezeugen, daß ein Stuͤck von einem jungen Wallfifche,
ſo lange er friſch, ſich wohl eſſen laſſe. Das Fleiſch der Finn⸗
fiſche, die zuweilen in Verfolgung der Heeringe auf den ober⸗
ſten Norwegiſchen Kuͤſten ſtranden, oder ſonſt bezogen wer⸗
den, wird bey Pfunden verkauft, und von dem gemeinen
Bauervolke gerne gegeſſen, welche ſagen, daß es wie Rind⸗
fleiſch ſchmecken fol. Lucas Jacobſoͤn Debes in feinen Fae-
rois, oder Daͤniſchen Beſchreibung von Faͤrse, p. 160 faget
von den Inwohnern dieſer Inſeln, daß ſie das Speck vom
Kopfe des Wallfiſches mit ſchwarzem Salze, oder der Aſche
vom gedorreten und verbrannten Meerkraute (Tang) einſal⸗
zen, und hernach an einem recht trocknen Ort aufhaͤngen,
da es wie ander Speck ausſehen wird. Sie kochen auch
friſch von dem Fleiſche, welches wie Rindfleiſch ausſiehet und
-
riechet. Was fie nicht gleich verzehren koͤnnen, das ſchnei⸗
den fie in lange Riemen, und machen diefelben windtrucken.
Fremde ſalzen auch wohl Stuͤcken vom Schwanz ein, die,
weil derſelbe ſehr ſaͤhnicht iſt, wie eingepekelte Ochſenfuͤſſe
ſchmecken. Kaͤmpfer in ſeiner Hiſtory of Japan B. II. Ch. II.
machet
=
Nachrichten von Island. AL 99
Die Barden * weil ſie nur klein und deswegen von Bon deren
den Dänen nicht ſehr begehret werden, auch von den Is⸗ Barden.
laͤndern wegen ihrer elenden Werkzeuge nicht wohl aus
dem Fiſche herausgehauen werden können, laͤſſet man
ſitzen und mit dem Rumpfe, Aaſe oder Krenge “, wie unſre
Groͤnlands fahrer fagen, in der See dahin treiben. i
Den Speck werfen fie in Orhoͤfte oder Faͤſſer, und Von fei
laſſen ihn ein Viertheil Jahr lang darinn liegen, und 950 SNE
nach und nach ſchmelzen und auslecken. Was waͤh⸗ kommen.
render ſolchen Zeit von ſelbſt austroͤpfelt, iſt der feineſte den 1
und beſte Thran * der RR und ungekochet nicht
allein
machet ſechs Sorten von Wallfiſchen namkundig deren
Fleiſch von den Japanern eben ſo, wie von andern Fi⸗
ſchen ordentlicher Weiſe zu Markt gebracht, auch das Einge⸗
weide derſelben eingepekelt, und nachher entweder gekocht.
oder gebraten verſpeiſet werde.
* Dieſes find die hornhaftige, wie Säbeltlingen bey⸗
nahe geſtaltete, und auf den Ecken ganz zottigte Blaͤtter, die
der Wallfiſch an der Seiten des obern Theils ſeines Rachen
ſitzen und herunter haͤngen hat. Aus welchen durch reinigen
von den Zotten und Kieferfleiſche, ſpalten u. f. f. das foger
nannte Fiſchbein gemachet wird.
Die alten Hollaͤnder ſagten Karonie, die Franzosen
Charogne, welches mit einander vielleicht aus xugarein here
ſtammet.
* Dieſes Wort bedeutet das ausgeleckete diſchsl, und
ift in dieſem Verſtande vermuthlich von den noͤrdlichſt belege⸗
nen Ruſſen, von denen man bekanntlich zu erſt den Thran
unter dieſer Benennung bekommen, erlernet, und bis daher
beybehalten worden. Damit ſtimmet uͤberein Clem. Adami
Nauigat. Anglor. ad Mofcouit. (in Republ. Moſcou. p. 36)
mittunt, ſchreibet er, & aquilonares Ruſſi oleum a Barba-
ris Train dictum, quod in flumine Vna dicto conficiunt.
So faget auch Olaus M. Hiſt. Sept. lib. II. cap. 17. quam
pinguedinem (marinarum belluarum) vulgari eorum Luan,
aut Lyſe, a lucendo vocant, quia lampadibus immiſſa cla-
riſſime lucet. Nach der Kraft des Worts heißet bey den
| G 2 nordi⸗
2
*
Von einer
andern
Sorte
Thran.
100 Nachrichten von Island. i
\ i RE ER: n
U
allein aufgehoben und an die Dänen verhandelt, ſondern
ſolchergeſtalt auch ausgefahren und verbrauchet wird.
Unfre Kaufleute heißen ihn: klaren Thran. Das zu⸗
ruͤckbleibende kochen ſie aus zu einem dickern und brau⸗
nen Thran; der deshalb auch in der Handlung brauner
Thran genennet wird.
Wobey zu wiſſen, daß noch die allerſchoͤnſte Sorte AG
von Thran, wenn ſie unvermiſcht gelaſſen wird, diejenige
ſey, die aus den Kabbelau, Hay, und anderer Fiſche Le⸗
bern ausſchmilzet. Zu welchem Ende die Jslaͤnder alle
; : | | derglei⸗
nordiſchen Voͤlkern Traan eine austropfende Jeuchtigkeit,
oder Geligkeit. Denn fo ift Sax. Traan oder Trane (Belg.
Traane, Germ. Thraͤne) (1) Lacryma e glandulis lacryma-
libus deſtillans. (2) Lacryma arborum, Gummi f. Reſina
vid. Kiliani Etymolog. (3) Oleum piſcium ex fruſtulis diſ-
ſectis deſtillans. Alſo heiſſet auch Sax. Taar (Germ. Zah:
ve, Otfr. Zaheri) lacryma. Dan. Cgar oder Taarn Lacry-
ma, it. ſtilla aquae et olei. ISI. Tar lacryma, guttula,
ſtilla. Gudm. Lexic. Angl. Sax. Tear lacryma et Tero,
gummi, gluten, Angl. Tar A. S. Tare et Teor Germ. Teer,
Theer, Goth. Thior. Suec, Tiaͤre, pix liquid. Dahin ge
hoͤret auch nicht weniger die aus der Kühe Milch ausgedruck⸗
te Fettigkeit die Butter, namlich Bu = tere AS. Butere 4
Bu und Tere. Nämlich bu, Goth. bos, vacca Verel. (vn-
de noſtr. Bu⸗ Øs und Bu- Koe, pås &c.) Wie denn langt
ſchon beydes die Lateiner und Griechen, ohne daß ſie das
Stammwort angeben koͤnnen, Buryrum und groge geſagt,
welcher letzteren ruger, rugeia &cc. aus der itzt beygebrachten
harmonia linguarum recht eigentlich verſtanden werden
mag. Wobey ich noch dieſes anmerken will, daß auch
das vorhabende Wort aus Orient feinen Urſprung habe. E |
Denn wie in Europa T und 3, alſo werden in Alien .
und J in den unterſchiedenen Mundarten vielſaͤltig verwech⸗
ſelt. Und fo heißet MI NE und . ein aus einem
Baum durch den natuͤrlichen Drang, oder kuͤnſtliche Ritzung
hervorfließendes und troͤpflendes Haarz, ins beſondere Ter⸗
pentin. Vid. Hilleri Hierophytic. lib. I c. 45, und bey den
Arabern Tzara fluxit, manauit. Izirwa und Dfaru Lacry-
ma arboris, . reſina.
Nachrichten von Island. 101
dergleichen Lebern in Tonnen ſammlen, und darin ohngefaͤhr
ſechs Wochen liegen und ſchmelzen laſſen. Wornechſt
fie den von ſelbſt alſo ausgefloſſenen Thran abfuͤllen,
und ungekocht unter den vorhin gemeldeten klaren Thran
zu deſſen Verbeſſerung mengen, auch folgends die Ueber⸗
bleibſel auskochen und zu dem braunen Wallfiſchthran
gießen, und dergeſtalt eines mit dem andern an den Daͤ⸗
niſchen Kaufmann verſtutzen |
FS. LXV. Das Meerſchwein“ iſt ein in der Nord⸗ Meer⸗
fee bekannter Fiſch aus dem Wallſiſchgeſchlecht, etwa 5 schwein,
bis 8 Fuß lang. Es brauchts nicht denſelben zu beſchrei⸗
ben, weil man nunmehro davon gar fleißige Anatomiſche
Beſchreibungen hat . Worauf ich mich nur lediglich
beziehen darf. Ob es daſelbſt mehr als eine Sorte der ⸗
ſelben gebe, hat man mir nicht i ſagen gewußt. Doch
SAMER DR EN MET
Die Norlaͤnder machen deſſen auch viel von den Lebern
der Dorſche und Kabbelauen, die ſie zu ihrem Stockfiſche
ſpalten: indem fie dieſelbige an die Luft legen und die Fettig⸗
keit daraus traͤuffeln laſſen. Und die Franzoſen, die, was
ſie von andern ſehen, gar geſchwinde nachzumachen wiſſen,
unterlaſſen nicht, auf Terreneufve dergleichen aus den Lebern
ihrer Molue zu ziehen. Dionyſ. c. 1. Tom. M. p. 104. So hakt
auch Moll auf ſeiner vorberegten großen Carte von Nord⸗ ry
america eine folche Preſſe, als die Engländer daſelbſt eben
biezu gebrauchen, mit ſtechen und vorſtellen laſſen.
FJcsl. Suinhual oder Suinbuallur, auch Witinger
Norweg. Marſvuͤn oder Wiſer, Daͤn. Bruuskop (wegen
feines dicklichten runden Kopfs) imgleichen Springbual,
oder Springer, (wegen ſeines gewoͤhnlichen Springens bey
bevorſtehendem Sturmwetter aus der See heraus) Call.
Mar ſuin, Angl. Por peſſe oder Porpus Scot. Sea-pork, Phocae-
4s Rondel. Turfio Bellon. Delphinus Septentrionalium.
Schonev. * | | er
Void. Ephemerid. Nat. Curiof. Dec. I. an. 3. p. 22.
Lowthorp Abrigdm. etc. Vol. II. p. 839 feg. et nuperrime
Supplem. I. Annal. Wratislau. Art. XI.
'
102 Nachrichten von Island.
iſt mirs gar glaublich, weil man in Nordamerica derſel!
ben zwo hat . Sein Fleiſch ift allerdings eßbar. Denn
die Schotten auf den Weſtinſeln ** eſſen ihn durchge⸗
hends, und ſagen, es ſey beydes eine geſunde und ſehr
nahrhafte Koſt, und die Franzoſen machen aus feinem
Fleiſche auf Terreneufve Metwuͤrſte “n . Er wird aber
meiſt nur ſeines Specks halber, ob er gleich deſſen nicht
viel hat, gefangen, nachdem durch den großen Verfall
des Groͤnlaͤndiſchen Fiſchfangs der Thran nunmehro ſo
rar und folgbar ſo theuer wird. Indeſſen iſt er wegen
ſeiner ungemeinen Geſchwindigkeit im Schwimmen und
Springen gar ſchwer zu bekommen, wofern er nicht von
ohngefehr durch ſeine unerſaͤttliche Heeringsmauſerey da⸗
zu felber Gelegenheit giebet f. Wodurch die guten Is⸗
| 2 0 laͤnder
4
* Nämlich eine und zwar die groͤßeſte ganz weiß, ſo
groß als eine Kuhe, deren Speiſe allerley Fiſche, zum lieb⸗
ſten aber Makreelen, Heeringe und Sardinen, fie giebt 1 bis
2 Dvarteln Thran. Die zweyte heißet Pounſille, und findet
ſich in allen Meeren, gehet ſtets Schaarweiſe, und iſt gut zu
eſſen. Dionyſ. d. 1. Tom. II. p. 258. 15
** Martin d. I. p. 269. | |
* Dionyfannur itzt angeführte Orte:
I Wovon Arend Berendfen Berg in feinem ſeltenen
Buche: Daͤnnemaͤrkiſche und Norwegiſche Herrlichkeit ge⸗
nannt, p. 298 dieſe artige Anmerkung hat: Dat haͤnder oe
undertiden, ſanſom anno 1625, at unge Huale, ſom forfolg⸗
de oc jage effter Sild, dem forlöbe udi Fioͤrden oc ſuefre
Bugte, huor Boͤnderna dem Blifwe waer, be fätte Garn ne⸗
den fore, faa at de da Sild i ſtorr mengd, faa velſom fame
me unge Springhuale kunde jage paa landet oc fange, ſaa
ſom i bewelte aar, da de Ved 2 Myl weigs fonden Bergen
paa den tid oc ſted, ſtaa danne Springhual wid 17 eller 18
jagede i land ꝛc. Das ift: Es begiebet ſich zuweilen, als A.
1625, daß, wenn junge Wallfiſche den Heering verfolgen und
jagen, derſelbe vor ihnen her in die Bayen und Meerbuſen
lauft, da die Bauern es bald gewahr werden und unten her
Garne vorſetzen, wodurch ſie nicht nur den eee
enge,
— 2 - =
r
Nachrichten von Island. | 103 | |
länder gleichwohl auch keinen ſonderbaren Vortheil erja⸗
gen wuͤrden, wenn es mit dieſem Fiſche nicht darneben
dieſen gar beſondern und anmerkungswuͤrdigen Umſtand
hätte, daß er, ihnen gleichſam zum Beſten, alle Jahr
einmahl naͤmlich im Monat Junio durch Vorwachſung
eines Haͤutleins vor die Augen blind werden muͤßte. Zu
welcher Zeit ſie, wenn ſie fleißig ſeyn wollen, derſelben
öfters bis dreyhundert durch Scheuchen und Treiben auf
den Strand, den ſie alsdenn nicht ſehen, und alſo auch
nicht vermeiden, in ihre Gewalt bekommen koͤnnen.
H. LXVI. Von den Hayfiſchen oder Weerhun⸗ Meerhund
den (Canibus marinis, Galeis) fangen die Islaͤnder nur
die groͤßeſte Gattung * ihres Specks und der Leber hal⸗
RN Be RE | ber.
Menge, ſondern zugleich auch einige junge Springer, oder
Meerſchweine koͤnnen zu Lande ſagen und fangen. Wie
im bemeldeten Jahre ungefaͤhr 2 Meilen jenſeits Bergen auf
einmal und an einer Stelle bey 17 oder 18 ſolcher Meer⸗
ſchweine zu Lande getrieben wurden. Deme aus Chriſt.
Eyrer von Haimendorf Reiſebeſchreibung in das gelobte San?
p. 149 beyſetze: Die kleine Buben ſtehen an den Ufern mit
ihren Wurfgaͤrnlein, und wenn die Delfine zu dem Geſtade |
kommen, und die Fiſche vor denfelben fliehen gegen dem
Lande zu, ſo werfen ſie das Netz und fangen ziemlich viel.
Iſt ſehr luſtig zu ſehen. Denn die Delfine helfen ihnen
gleichſam fiſchen, und unterdeſſen faͤnget der Delfin auch und
ſpeiſet ſich. Denn kein Fiſch im Meer iſt, der mehr die klei⸗
nen Fiſchlein friſt, denn der Delfin, darum er auch Caccia-
tore di Mare (Meerjäger) genennet wird. Sie kommen
gar nahe an das Land. |
Canis Carcharias, Lamia, Tiburonus, Isl. Saackal
(ab gade auide et ictibus more canino vorare, Gudm.
Andr. Lexic.) Dan, Saafiſk, it. Bawkal. Gall. Requiem,
Angl. Ihe white Shark. Martin Deſcript. of the Wett, Isl. of
Scottland, p. 385 meldet, daß die daſigen Fiſcher die großen
Heyfiſche Serhs, und die kleinern Sucks nennen. Martens
giebt von den großen eine Beſchreibung in ſeiner Spitzberg.
Reiſebeſchreibung, cap. 3. n. 8. und ſetzet, daß er 2 bis 3
i] | G 4 Faden
14 Nachrichten von Stande
ber. Ihr Speck hat die beſondere Eigenfchaft an fi fi ch,
daß es ſich lange haͤlt, und wie Schweinsſpeck haͤrtlich
dorren laͤſſet; daher es von den Islaͤndern als Speck
gedoͤrret, gebrauchet, und zum Stockſiſch gegeffen wird,
Gemeiniglich kocht man Thran daraus. Die Le⸗
ber iſt ſo ungeheuer groß, daß man mit einer einzigen
ein Qvartel (das iſt) ein Vaß von 64 Hamb. Stuͤbgen)
anfuͤllen kann . Man kann auch noch aus dem duͤn⸗
nen Fleiſche des Unterbauchs dänne Riemen ſchneiden,
welche wenn fie gedörret, und ein Jahr und etwas laͤn⸗
ger gehangen, daß alle Fettigkeit daraus gelecket, ſolcher
geſtalt ſich zurichten laſſen, (als mich ein anſehulicher
Kaufmann aus ben geh der vordem mehrmahl in
Island geweſen, verſichert) BE fie sidmlig wie N
gamen ſchmeckens
gKuxvir
Faden lang werden ſolle. Die beſte und zugleich anatomi⸗
ſche Beſchreibung aber hat man de em P. Feuillee Journ. d.
Obſ. Phyf. Vol. I. p. 171 feq. et in Continuat. p 109 n dan⸗
ken. Eden dieſen, oder vielleicht etwas kleinern Fiſch nen⸗
nen die Norlaͤnder Zaakaͤring oder Haakierling. vid. Aut.
Topogr. Norw. p. 115. et Ion Ranii Norriges Beſkriveiſe p.
252. Weil derſelbe bey Nacht zum beiten ſtehet, und am
meiſten anbeiſſet, wird er von Weynachten, wenn die laͤngſte
Naͤchte find, mit einem Hacken an einer zweyelligen Kette,
damit er das Seil nicht abbeiße, gefangen. Er hat eine ſehrn
große Leber, aus deren einer bis 12 Pfund Thran gemachet
Er Aus ſeinen Eyern, deren er in feinem Ovario viele
hat, wiſſen die Norlaͤnder ſich gute Pfannkuchen zu machen,
die fie Haakage nennen. Mul Reg. P. I. Sect III n. 6.
Martin an eben iht angefuͤhrtem Orte gedenkt dal
eine einzige Leber von einem großen Hay eine Pint Schotki⸗
ſcher, das iſt bey nahe vier Engliſcher Maaße Thran gebe,
und daß der Orten ſolche Leber in einem Topffe, der halb voll
Waſſer, gekochet, und waͤhrenden Kochen, der nach und nach
aufſteigende und obenſchwimmende Thran abgelehnt und
in ein Faß gethan werde.
Wie ſonſt der Leberthran ermacht werde vid. not.” 5 10l.
„
Nachrichten von Island. 105
F. LXVII. Es laſſet ſich allhier auch löfters der Schwerbt⸗
Schwerdt⸗ oder vielmehr Saͤgefiſch, der das zackigte, fich.
und faſt einem gedoppelten Kamme aͤhnliche Schwerdt
vor dem Kopfe und uͤber dem Maul ſtehen hat, ſehen ! 5
Noch hat mir Herr M K, welcher viele Jahre auf
Weſtmann - oe gewohnet, erzehlet: daß es in daſigem
Meere noch eine andere von den Seefahrenden alſo ge⸗
nannte Art der Schwerdfiſche gebe, welche ein dafür
angeſehenes krummes Schwerd oder Saͤbel (ſo in der
That mehr einem gekruͤmmeten Pfahl gleichet, und mit
Fleiſch und Haut, wie eine andre Finne uͤberzogen iſt)
am Ende des Ruͤckens ſtehen hat. Ich werde von dem⸗
ſelben in der Nachricht von Groͤnland an ſeinem Orte
handeln. Indeſſen iſt verwundernswuͤrdig, daß die
ſonſt ungeheure Beſtien, die Wallfiſche, wenn fie einen
dieſer Art Jiſche vom weiten vermerken, gar aͤngſtiglich
ſich gebärden, ſpringen und eiligſt davon fliehen; wie
denn auch die Robben ſich gar ſehr vor ihnen fürchten.
und oͤfters aufs Lands den Menſchen zuſpringen, um ib
nen nur zu entgehen. Wovon mil, auch die Urſache
gemeldet werden wird.
[
$, LXVIII. Uebrigens ſetze ich si weiterer Unterſu⸗ Seebuln 5
chung noch hieher v was ich von den Seebullen, Meer⸗ und Kuhe.
ſtieren und Weerköhen aus dem Munde zwener zwar
nicht Augen: doch Ohrenzeugen gehoͤret; nämlich daß
dieſelbe mit dem Kopfe einem Ochſen, mit dem Leibe und
Fuͤſſen aber einem Robben 4 5 e ahnlich fn
Priſtis ſ Serra Pifeis Angl. Fe Sanfıf b. Willugbby. |
Hiſt. Piſc. Lib. III. cap. 14. Mart. Spitzberg. Reife, cap. 6.
n. 7 von ſeinem Gefechte mit dem Wallſiſche, vid. DionyL.
defcript. cit. Tom. II. p. 268 eg.
„Man kann hiebey von dieſem Strandgvͤg (Strand⸗
viehe) wie das Daͤniſche Bauervolk es heißet, nachſehen, was
aus den Act. Med. Philof, Haunienf. e Iacob. in Mul.
Reg. Dan. . I. Sec. 3. n. 49.
ins | Nachrichten von Auland.
und öfters mit ihrem Gebruͤlle verurſachen ſollen, sig die
er mit 1 als 9 8 dem Schals nach⸗
laufen.
Robben. F. LXIX. Bon den Role oder Seehunden
werde ich in der Nachricht von der Straße FA: ein
und anders beybringen.
Lichſe. §. LXX. Von Suͤßwaſſer⸗ Stent ane
ſonderlichs anzufuͤhren.
| Ben Holm, in der Ellera, bey Kleppes, wie auch in
andern tiefen Fioͤrden, in welche Auen, oder kleine Nie
vieren aus dem Gebirge fallen, giebet es Laͤchſe, die ges
gen die groͤßeſten Stuͤrzfaͤlle anſchwimmen, und ſich oͤf⸗
ters unglaͤublich hoch auf dieſelbe hinauf ſchnellen. Man
ſetzet ihnen aber ſogenannte Lachskiſten, die aus dichte
neben einander geſchlagenen Stacketwerken beſtehen, qver
in den Weg, dadurch ſie zwar hinauf, aber nicht wieder
zuruͤck nach der See koͤnnen. Wenn der Lachs zum fet⸗
teſten oder beſten iſt, ziehet man eine e Wade oder gemeine
Art von Netzen durch den Fluß, und treibet ihn damit.
Weil er nun nicht zuruͤck kann, ſpringet er, der eine hie,
der andere da an den Seiten aus, und aufs Ufer; da ſie
von den nebenhergehenden Bauren ergriffen, und ſolcher
maßen zuweilen wohl 1 bis 200 Stuͤck gefangen werden.
Schlangen §. LXXI. Schlangen verſpuͤret man auf der gan⸗
1 zen Inſel nicht. Doch gewiß nicht aus einer beſondern
Eigenſchaft des Landes, ſondern weil dieſelbe wegen ihrer
weiten Entlegenheit von allem feſten Lande dahin nicht
wohl kommen, und vor der hieſelbſt herſchenden uͤberaus
ſtrengen Kälte, die dieſer Thierlein Natur bekanntlich ild
ſehr zuwider ift, allda nicht dauren können.
auch wenig F. LXXII. Eben derſelben heftigen und 1
Ungeziefer, gen Kälte nebſt dem Mangel an Bäumen und Buͤſchen, |
ift es auch zuzuſchreiben, daß man von keinem oder nur
| | (op gar
Nachrichten von Island. 107
gar wenigem Ungeziefer oder Inſecten weiß. Man
wußte mir allein zu ſagen von Sausſpinnen, die ends
lich leichte in den Haͤuſerchen der Inwohner fortkommen
und von Stechfliegen, Pferdefliegen, (Oeſtris, Aſi-
lis,) die fo gar in die Nafelöcher und an den innern Rand
des Foraminis ani der Thiere ihre Eylein legen, und fie.
da durch der Thiere Wärme ausbruͤten laſſen . Wann
es geregnet hat, geben ſich gleich Regenwuͤrmer (lum-
brici terreſtres) um die friſchgefallene Feuchtigkeit zu ih⸗
rer Erqvickung zu ſaugen in ſolcher krimmelnden Menge
hervor, daß die Inwohner in dem Wahn ſtehen, es ha⸗
be dieſelbe geregnet. V
§. LXXIII. Maͤuſe giebt es auch nicht viel: weil und Maͤuſe.
ſie wegen der durchdringenden Kaͤlte und Mangel an
Nahrung in der duͤnnen und mit Schwefel angefuͤlleten
Erdlage, worunter ſogleich die Felſen ſind, nicht leben
koͤnnen. Der Gottesacker des alten Kloſters Widoe hat
dieſe Eigenſchaft an ſich, daß, wenn man Maͤuſe auf
denſelben niederſetzet, fie alſofort auf der Stelle todt
bleiben: geſtalten mein Erzehler ſolches zu mehrmahlen
ſelbſt verſuchet und alſo wahr befunden zu haben bezeu⸗
gete. Es iſt aber gewiß genug, daß hievon keine Heilig⸗
keit des Orts aus chemahliger Catholiſchen Weyhung,
oder einige laͤngſt vermoderte Lleberbleibfel der daſelbſt etz.
wa begrabnen Heiligen, ſondern ſchlechterdinges ein da⸗
ſelbſt ſtaͤrker und dicker als anderwerts aufſteigender
Schwefeldampf die einzige wahre Urſache fen . gen |
DR) ) Ein.
)
——
Wie dieſe bis dahin unbekannt gebliebene Bruͤtungs⸗
art dieſer und dergleichen Fliegen ausgefunden, und mit allen
Veraͤnderungen und Evolutionen umſtaͤndlich beſchreibet
Valliſnieri Efper. e obſerv. intor. all Origin. de var. Inſect.
p. 96 ſeq. und Racolt. di var. Tratt. p. ı ſeq. und Ragion.
|
int. all’ Eftro de. Buoi etc.
5 5 *
Hierinne beſtaͤrket mich das bekannte, dieſem ganz
ähnliche Phaenomenon der Grotta di Cane bey Poꝛzuolo;
worinne
1
e Nachrichten von Island.
dieſer muß ja hier um ſo viel mehr vermuthet werden,
als bey nahe uͤber der ganzen Inſel unter der obern Erd⸗
rinde der Schwefel ſich ganz ſichtlich ausgebreitet befin⸗
det: Wovon dieſem Kirchhofe Zweifels ohne ein groͤße⸗
rer Vorrath als andern Orten zu Theil worden. Wel⸗
ches von einem Naturverſtändigen entweder durch ein
Licht, wofern es nicht zu gefährlich, oder durch den Ge⸗
ruch und Nachgraben ohnſchwer auf der Stelle wuͤrde
ausfuͤndig zu machen ſeyn. Mein Erzehler hatte theils
aus eigenem Triebe, theils auf Begehren guter Freunde
verſchiedentlich einige Paͤcklein von dortiger Erde mit ſich
nach Copenhagen genommen, aber befunden, daß ſie da⸗
felbſt den darauf gehaltenen Mauſen weiter die geringſte
Beſchwerde nicht zugebracht: zum offenbaren Beweis,
daß alles an den beruͤhrten Schwefelduͤnſten, die er nucht
mit fortbringen koͤnnen, gelegen. i
zn 915 §. LXXIV. Auf der Nordſeiten der Inſel ve man
fe Jnſel oh von Medio Iunii bis ultimo Iulii den Sonnenkoͤrper
ak nicht nur über dem Horizont, fondern, dem Augenmaße
ſcheint und nach, deren untern Rand mehr als Mann hoch über der
wann nicht. Oberfläche der See erhaben fehen. Sie ſcheinet um
Mitternacht etwas groͤßer und fo roͤthlich, wie bey uns,
wenn fie untergehen will, giebet aber fo viel Licht, daß
man N völlig, wie bey it 25 kann. Im De⸗
cember
| worinne ein 1 aus der Erde bis su einer kleinen Höhe, von et
wan einem Fuſſe uͤber der Erde, etwas ſtark aufſteigender
Schwefeldunſt an einem an dem Boden angedruckten Hunde
oder andern lebenden Thiere eine gleiche Wirkung thut. Ray
Obſerv. made in a Journ. tro Italy etc. p. 275. Dergleichen
auch in einem Keller ohnfern des Brodelbrunnen zu Schwal⸗
bach D. Pechlin Lib. III. Obferv. Phyſ. Medic. 44. und der
Graf Marſili bey Altſohl in Ungarn aus einer Erddruſe oder
Schrunde angemerket, und dieſer letztere ſo gar mit einem
Experiment eines ſolchen durch Kunſt nachgemachten Dunſts
dieſes Fhaenomenon erläutert Bet: „ Tem. I.
p. 94 feg.
Pl;
4
Nachrichten von Island. 109
cember hergegen und im Januario iſt ihr Koͤrper gar
nicht ſichtbar, ohne daß man an den gegenſtehenden ho-
hen Bergen zu oberſt einen kleinen Schein wahrnimmt,
und man hat nur ohne Zweifel refractionis beneficio
eine Dämmerung oder Tag von 17 bis 13 Stunden.
Wobey zu merken, daß allhier ſowohl die Zu als Abneh⸗
mung des Lichts febr gehling, und wenigſtens um die Hälf⸗
te geſchwinder als in unſern ändern, zu geſchehen pflege,
F. LXXV. In den langen Nächten genieſſen dieſe amor
Leute einer beſondern großen Wohlthat Gottes an dem ike "MRS
nunmehro bekannter werdenden, und öfter, als vor:
mahls, auch uns, ja andern vom Nordpol noch weiter
abgelegenen Landern ſich zu iedermanns Bewunderung
darſtellenden Nordlichte. Allermaßen daſſelbe, wann
die Tage abzunehmen beginnen, ſo fort ſich einſtellet,
und, nachdem dieſe abnehmen, an Dauer und Glanz
ſeinſeits zunimmt; ja den ganzen Winter hindurch ſtets
leuchtet, mit den zunehmenden Tagen aber allererſt wie⸗
derum ſich verlieret. So oft die Luft von Schnee oder
Regen rein, und nicht wolkicht, noch ungeſtuͤm, oder,
mit einem Worte, wenn der Himmel fein ſternklar ift
ſo erblicket man nach der Sonnen Untergang, und geen⸗
digter Dämmerung, fo fort dieſes Licht, welches bey nar
he die ganze Nacht durch und zwar fo helle huͤpffet und
ſpielet, daß es dem vollen Monde in ſeinem beſten Schei⸗
ne nicht allein gleich koͤmmt, fondern ihn mannigmahl 1
noch uͤbertrifft. Es entſtehet daſſelbe iederzeit in Nor⸗ 85
den, oder Nordweſten, und ſchlaͤget hinüber nach Suͤ z
den: erfuͤllet zuweilen gar den ganzen Himmel. Des
vorhergegangenen Tages Witterung mag geweſen ſeyn,
wie ſie will, wenn auf die Nacht nur die Luft rein und
ruhig iſt; ſo findet ſich das Nordlicht ein. Seine ger
woͤhnliche Farbe ift weißgelbicht.
Weil dieſes Licht ſo gar ofte erſcheinet, iſt leicht zu Ob man
ermeſſen, daß man daraus nicht g wohl und richtig = 65
(
ſtehenden
Witterung
urtheilen
koͤnne?
Es erſchei⸗
net itzt oͤf⸗
ters als vor
dieſen.
10 Rachen von BEN
auf das erfolgende Gewitter werde ſchließen können.
Wenigſtens würden, ehe man dazu mit einiger Gruͤnd⸗
lichkeit kommen duͤrfte, noch viele, und mehr als eines
Jahres, behutſamſt gemachte Anmerkungen, nebſt Be⸗
obachtung des Zuſtandes der Luft durch den Barometer
u. ſ. w. dazu gehören; dergleichen die an dieſem Orte
wohnende zu machen nicht im Stande ſind. Indeſſen
iſt dahier die gemeine Sage und Meinung, daß, wenn
dieſes Licht blaß und gelb ſcheinet, daſſelbe nachfolgendes
truckene Wetter und Froſt; hingegen, wenn es roͤthlich
ift, bevorſtehenden Regen und Wind andeute. Zum
wenigſten ſoll dieſes gewiß ſeyn, wenn dieſes Licht gar
ungemein ſtark ſich ſehen laͤßt und huͤpfet, daß alsdenn
folgen pflege *
Es ift mir ſehr merkwuͤrdig bogen bad die
aͤlteſte Islaͤnder, wie ich glaubwuͤrdigſt berichtet worden,
ſich ſelbſt uͤber die ietzige ſo haͤufige Erſcheinungen dieſes
Lichts wundern und ſagen, daß man in vorigen Zeiten
entweder heftiger Wind oder ſtarker Froſt darauf Bi 6 er⸗ |
daſſelbe fo ofte nicht gefehen habe. Welches mir um
deswillen allerdings Grund zu haben ſcheinet, weil man
es auch vorhin in andern Gegenden Europ& bey weiten
ſo oft nicht, als in ganz neuern Zeiten, zu Geſicht be⸗
kommen; da man doch nach der Mitte, und gegen das
Ende, des vorhergehenden Jahrhunderts ſchon Geſell⸗
ſchaften der Wiſſenſchaften, ſowohl in Engeland, als
Frankreich, und eee eifrige Sternkundige gehen
Es iſt anmerkenswürdig, wenn in den Philofoph.
Transactions N. 399 erwehnet wird, daß dieſer Nordſchein in
dem Nordertheil von Engeland gemeiner ſey, als in andern
deſſen Gegenden, und daſelbſt Streamers, Merry Dancers,
oder Petty Dancers genennet werde; daß man auch Vor⸗ É
bedeutungen des Wetters daraus nehme, vermeinend, wenn
die Scheine gruͤnlicht ſeyn, daß ſie naſſes ſtürmichtes Wet⸗
fer, wenn ſie aber gelbe, klares und trucknes anzeigen.
Be: 7 ER
— 5
Nachrichten von Island. 11
die auf den Himmel alle Nacht fleißig ſpionirt, und doch
dergleichen merkbare Luftſpiele ſo ſelten wahrgenommen
haben. Vielleicht tragen die von mir erkundigte und all⸗
hier angefuͤhrte Umſtaͤnde in Zuſammenhaltung mit den
uͤbrigen, die bereits im Druck find, etwas zu age |
Einfiche dieſes Lichts bay 95
So viel ſiehet man, deucht mich, klar und über: Woher
zeuglich, daß daſſelbe nicht anders entſtehen koͤnne, als døffelbe
von geſchwinden Entzuͤndungen vieler Schwefelduͤnſte,
die gar hoch in der Luft, weil fie fo gar weit ſichtbar find,
ſich zutragen muͤſſen. Daß ſich auch dazu in Norden
Vorraths genug und überflüßig vorfinde, erhellet ſatt⸗
ſam aus deme, was ich von der Inſel Island und von
entſtehe. |
Ian-Mayen-Eiland im vorhergehenden frede Da
nun die vielen feuerſpeyende Berge, die Erdbraͤnde, die
warmen Waſſer, von den Gaͤhrungen, die in dem innwen⸗
digen dieſer Laͤnder vorgehen, zeugen: ſo iſt auch zugleich
offenbar, daß von und aus denſelben die Schwefelduͤnſte,
in unerſchoͤpflicher Menge, in die Hoͤhe beftändig hinauf
geſchicket werden. Gleichwie aber in den warmen und
heißen Climaten dergleichen Schwefeldaͤmpfe ſchon ſo
fort nahe an der Erde, oder, wenn ſie nur ein wenig
empor gekommen, ſich entzuͤnden und in Wetterleuchten,
Blitze und Strahl auffahren: alſo ergiebet ſich von ſelbſt,
daß dieſelbe unter dem Nordpol wegen der großen auf
dem Erdboden liegenden Kaͤlte, mehrere Ruhe und
Weile haben empor zu ſteigen, aber auch deswegen laͤn⸗
gere Zeit e ehe 5 viel eee Duͤnſte
wieder
Verhoffentlich werden wir von der Geſellſchaft zu Per
tersburg mit der Zeit wie die meiſten und beften Anmerfuns
gen, alſo auch die nechſt zutreffende Urſachen der Entſtehung
von dieſem Feuerſpiel am Himmel zu erwarten haben: Ge⸗
ſtalt der Herr Mayer in dem erſten Tomo Commentar.
p- 35: ſeq. dazu bereits einen ruhmwuͤrdigen Anfang ge⸗
macht hat. |
| )
u * 1 —
um Nachrichten von Island.
wieder zuſammen getrieben werden, daß eine wirkliche SÅ
Et geſchehen mag, bis endlich hoch in der At-
moſphaere ihrer eine zureichliche Menge von allerley Gat⸗
tung zuſammen ſtoͤßet, welche durch eine feuchte Kaͤlte
dergeſtalt zuſammen gepreſſet und verdicket werden, daß
ſie in Brand gerathen, und wie ein cue kale 1
len um ſich werfen,
5 er $. LXXVI. Wie es denn auch aus eben dieſem
sker und Grunde, meiner Vermuthung nach, herruͤhret, daß man
frårfer „a8. allda den Sommer über keine, oder doch ſehr ſeltene,
mer. hingegen im Winter deſto öftere und heftigere Donner⸗
wetter hat. N
Viele Irr⸗ -Inmgleichen, daß man eben zu der Zeit, wann es
lichter. ſchneyet, gar vielfaͤltig und häufig Irrlichter und Ignes
lambentes ſiehet. Wozu auf einer Inſel, da man fo
viel mit Seefiſchen und Thran zu ſchaffen hat, die Mar
terie gewiß nicht gebrechen kann. Dieſe Flaͤmmlein
pflegen an alle Staͤbe und Stoͤcke, an eiſerne Nagel, an
Maſten, Rahen und Wand der Schiffe, an der Leute
Huͤte und Mützen, woran fie nur haften konnen, ſich an⸗
zuhaͤngen. Und die einfaͤltige und feige Islander, (wie
auch wohl anderwerts das dumme Volk), fuͤrchten fich, |
ob fie gleich nicht zuͤnden koͤnnen, noch iemahls vor ihren
Augen zuͤnden, gar ſehr dafuͤr: ja ſie machen, fo bald fie
derſelben gewahr werden, die Thuͤre ihrer Wohnung ohn⸗
geſaͤumt und aͤngſtiglich zu, auf daß dieſes Scheinfeuer i
ſich nach ihrem Herdfeuer nicht (wie fie vermeinen daß
geſchehen koͤnne) hinziehen und damit beging mithin
alles in Brand ſetzen moͤge.
Nebenſon⸗ §. LXXVII. Am Ende des Sommers laſen ſi c
am: öfters Ringe und Nebenſonnen (welche, wie man
dort angemerket, allemahl von febr ungeſtuͤmen Wetter
gefolget werden) am Himmel ſehen. Welches ja wohl
nicht zu bewundern, weil hier die ganze Beſchaffenheit
der Oberluft dazu fähig und „bequem it: es ſey, daß zu
deren 1
—,
Nachrichten von Island. 113
deren Darſtellung glatte Eisförmige Eistheilchen i in den
Wolken, wie einige; oder cylindriſche Hagel, wie Hu⸗
genius, Wolf und andere vermeinen, erfodert werden.
§. LXXVIII. Eigentlich haben die Islaͤnder nur Es find hier
zwo Jahrszeiten, Sommer und Winter, welche ber Jahtczeſ,
ſtaͤndig fort dauren, und ohne daß man die anderwerts ten. |
zu ſpuͤrende gelindere Zwiſchenzeiten Fruͤhling und Herbſt
vermerket, mit einander gaͤhling abwechſeln. Doch hat
man mehr Winter als Sommer; und im Sommer /
ſchneyet und hagelt es zuweilen. Es kann im Sommer
dann und wann recht heiß werden, daß man alle Kleider
wegzuwerffen genöthiget wird; allein fo dann folger in
der Nacht darauf eine ſolche hefftige und durchdringende
Kälte, daß man ſich nicht genug zudecken kann; und
wenn man aufſtehet, findet man alles um ſich mit Schnee
bedecket. Im Winter faͤllt viel Schnee, aber zum ſtaͤr⸗
keſten ſchneyet es mit Oeſtlichem Winde, da Land und
Haͤuſer einander gleich gemachet werden. |
Eine ungemein große Rålte pfleget ſich, wie ich be Bi größe
richtet bin, nicht anders, als im Aprilmonat zu eraͤu⸗ im e
gen. Vielleicht weil die Sonne zu ſolcher Zeit am laͤng⸗
ſten von dieſer Inſel entfernet geweſen, und etwa auch
zugleich anhaltende Nordwinde wehen, die alsdenn mehr
rere und fuͤhlbarere Eisparticuln * von dem weiter un⸗
term Nordpol belegenen Eisgebirgen herbeybringen.
$. LXXIX. Daß auf dieſer Inſel allezeit viele Vin⸗ Von det
de, und zwar unordentlich und veraͤnderlich ſich ſpuͤren m
laſſen, wird wohl niemand Wunder nehmen, der ihre La⸗ rung.
ge ein wenig in Erwaͤgung ziehet. Oefters toben dieſelbe
gar entſetzlich, und preſſen und treiben die Wellen unglaubk -
lich hoch. Mit Nordweſtwinden haben ſie (wenigſtens
auf der Suͤdkuͤſte) fon Wetter, mit Suͤdweſt hingegen
ſchlechtes, und aus Suͤdſüͤdoſt den meiſten Sturm.
H. LXXX.
Conf. Supplem. I. Annal. Wratislav. P. 71.
| 2
114 Ruchrichten o von Island.
Von der §. LXXX. Ebbe und $luth * haben fe, wie an⸗
e dre in und an der Nordſee beffer herunter gelegene, zwey⸗
mahl in 24 Stunden, auch mit den uͤberall gewoͤhnlichen
Veraͤnderungen nach den Wandelungen des Monden.
Anbey ſoll dieſelbe ſo ordentlich und ſtark ſich verhalten,
daß, wenn ſchon die Winde heftig wehen, dennoch des⸗
halben keine ſonderlich merkbare Veränderung oder Be⸗
ſchleunigung verſpuͤret wird. Die Fluth kommt aus
Oſten, die Ebbe aus el DK gemeine Fluth ſtei⸗
get bis 12 Fuß hoch. 17
Beſchaffen⸗ F. LXXXI. Das Seewaſſer ſoll, wie ich verneh⸗
j Geras me, bey Island viel geſalzener als beſſer herunter in der
ſers. Nordſee ſeyn. Welches ſeinen Grund darin n haben kann,
daß nicht allein durch die heftigen Froͤſte die See gar ſtark
ausdunſtet “ ſondern auch ein großer Theil von dem
Angeſalzenen Waſſer der Oberfläche in weite Eisfelder
ſich ſammlet und gefrieret, uͤberdem noch ein Theil deſſel⸗
ben feiner Leichtigkeit halber durch die faſt beſtaͤndige hefz
tige und trockene Winde verſtiebet und verwehet; daher
das uͤbrige Waſſer, wegen der bey allen dieſen immer
zuruͤckbleibenden ſchweren Salztheilchen nothwendig um
ſo ſalziger befunden werden muß. Nicht anders, als
wie unter dem heißen Weltgürtel dag Seewaſſer um des⸗
willen viel geſelhener Aeg als in linderen Gegenden iſt,
weil
ET den Jaländern, glod og Es db. i. gluth und
Strand) den Norwegern, Slod og fiåre, und den Dänen;
Flod og Ebbe genannt.
* Siehe Wolfens Wirckung der Natur, 5. 250. Sim É
migs Verſuch I Theil, 1. 4.
* Ich folge hierunter den febr wahrſcheinlichen An⸗
merckungen der Engelaͤnder. Siehe Lowrhorp. Abridgm. Vol.
II. p. 297. und des de Bruin in feinen Reizen over Moſcouu
P. 401, obgleich der P. Feuillee das Gegentheil durch ſeine
Waſſer Wage will befunden haben nach ſeinem e des
Obferv. fait. en an p. I et 190. 1
Nachrichten von Island. us
weil allda die Sonne durch ihre uͤbergroße und ſenkelrecht
auffallende Erhitzung eine gleichfoͤrmige ja noch ſtaͤrkere
Wirkung an I RR leichten Theilchen des See⸗
waſſers in beſtaͤndiger und ſteter Ausduͤnſtung ausuͤbet.
Die ietztberuͤhrte beſondere Salzigkeit aber hat gleichwohl
auch ihren beſondern Nutzen. Denn ſie iſt, nebſt der 1
beſtaͤndigen Bewegung und Spielung der See, welche
durch die ſtets blaſende ſtrenge Winde, auch ſtarke Ebben
und Fluthen erreget werden, die Urſache, daß das Eis
an der Suͤd⸗ und Weſtkuͤſte nicht ſo dicke wird, auch ſo
lange nicht dauret als anderwerts und hoͤher hinauf nach
Norden. Wodurch die armſelige Inwohner, deren
ganzer Lebensaufenthalt allermeiſtentheils vom Fiſchfange
herkommen muß, dieſen Vortheil genießen, daß fie un
ſo früher und im Januario ſchon dazu wieder gelangen,
folglich gegen den unbeqvemern waͤrmern Monaten mit
Zubereitung und Doͤrrung des gefangenen . MR
fertig ſeyn koͤnnen.
§. LXXXII. Die Inſel iſt für die Ingebohrne/ die Von dem hl
von Kindesbeinen an der dortigen Witterung gewohnet den ei
werden, recht geſund. Weil auch dieſelbe noch uͤber⸗ mate, und |
dem von der Geburt an ſchlecht, und bey wenigem aufge: 0 Ein.
bracht, und zur Haͤrtigkeit und einer beftändig rauhen, beseonfi:
unmuͤßigen, ja ſaurer Arbeit vollen Lebensart genöͤthiget Mon
werden: find fie von guten Leibeskraͤften und koͤnnen
alles ausſtehen . Sie werden auch (als gemeiniglich
diejenige Pflegen, welche in einfältiger Unbeſorgtheit, bey
H 2 einerley
N Mir faͤllt hierbey ein, was Caͤſar von den SvevisdeBel-
lo Gall. Lib. UL cap. 1. ſagt: Neque multum frumento, ma-
ximam partem lacte atque pecore vivunt, multumque ſunt
in venationibus. Quae res et cibi genere et quotidiana
exercitatione et libertate vitæ (quod a pueris nullo officio
aut diſciplina aſſuefacti, nihil omnino contra voluntatem
ræve es VSM alit et immani e magnitudine
emcit
j 16 Nachrichten von Island. EN:
einerley fehlechter Koft, unter ſteten ſtarken Leibesübun 1
gen ihr Leben hinbringen, ) nicht allein ſteinalt, daß man⸗
che bis an 100 Jahre kommen, ſondern genießen noch
darneben eines muntern wirkſamen Alters, und wiſſen
von den Schwach⸗ und Krankheiten, die dem Alter der
anders Lebenden gemeiniglich ankleben, wenig oder nichts.
Sie ſind durchgehends wohlgewachſen und haben
ſchoͤne, weiße und geſunde Faͤhne; welches in ihrem Cli⸗
mat und bey der ſchlechten Koſt, die ſie genießen, hoͤch⸗
lich zu bewundern, aber ein gewiſſes Zeichen einer geſun⸗
den Leibesbeſchaffenheit ift, und außer allen Zweifel von
der reinen Himmelluft, darin ſie leben, von ihrer guten
Daͤuung, die durch die ſtetige ſtarke Leibesuͤbungen befoͤr⸗
dert wird, und daß ſie kein Salz noch Geſalzenes eſſen,
herruͤhret. Die Weiber geben an Haͤrte und Staͤrke
den Maͤnnern nichts nach. Gebaͤhren leicht, baden ſich,
ſo bald ſie gebohren, und laufen gleich wieder davon.
Sie ſind §. LXXXIII. Von Fiebern und andern dergleichen
ande, Krankheiten håret man nicht viel”, und ich fehreibe es
ten unters obbemerketen herrlichen Kraͤutern, den vortreflichen
ber ſind we: Mineralwaſſern, die fie täglich ohnwiſſend trinken, den
der Medici faſt ſtetigen die Luft reinigenden Winden, der reinen tro⸗
noch Chi" ckenen und daben lang anhaltenden Kälte, auch ihrer an⸗
Daͤuung zu. Daher weiß man von Medicis uͤberall nichts.
Befaͤllt iemand eine Krankheit, ſo ift feine ganze Labung gute
Milch, wie fie von der Kuhe koͤmmt, und alle Arzeney,
die ihm gereichet wird, ein wenig Toback, den man ihn
kaͤuen läffet, und ein reichlicher Schluck Brantewein,
den
P. Biden in feiner Antwort an die Koͤnigl. Engl. Ge
ſellſchafft der Wiſſenſchafften in den Philofoph. Transact.
No. III. p. 238. mercket an, daß die gemeinſte Land⸗Krank⸗
gebohrnen Haͤrtigkeit, nebſt der vorhin erwehnten guten
heiten Colik und Auſſatz ſeyn. Welches ohnſchwer zu begrei⸗
fen, wenn man der Islaͤnder wuͤſtes Gefraͤß und unreinliche
Lebensart in Betrachtung nimmt. e
Nachrichten von Island. 117
den Magen herzuſtellen. Chirurgos hat man, wenige
ſtens ſo weit die, welche ich geſprochen, BAR und fo.
viel ſie gehoͤret, vorietzo nicht einmahl. Die gewohnte
Haͤrtigkeit macht, daß man ein vieles nicht achtet: und
die Verletzungen heilen auch von ſelbſten dahier leicht,
ohne Zweifel wegen der Kaͤlte und reinen Luft, welche
die Feuchtigkeiten nicht ſo ſehr in Bewegung bringet,
noch dergeſtalt zum kalten Brande befoͤrdert, als die dun⸗
ſtige und laue Luft in heißen Landſtrichen zu thun pfleget.
$. LXXXIV. Dem Rinde wird uͤber acht oder hoͤch⸗Wie fie
ſtens, wenn es etwa ſchwaͤchlich iſt, vierzehn Tage die a
Mutterbruſt nicht gereichet. Nachher leget man daſſel⸗ bringen.
bige an die Erde, und ſtellet darneben ein vermachetes
Gefaͤßlein mit lauwarmer Wattick oder Molken, in wel⸗
ches entweder ein mit Zwirn umwundenes hohles Roͤhr⸗
lein oder dicker Federkiel geſtecket, und ein wenig Brodts,
wenn mans hat, zur Staͤrkung des Kindes davor gele⸗
get wird. Wenn nun daſſelbige erwachet, oder ein Zei⸗
chen des Hungers von ſich giebet, ſo kehret man es nach
dem Gefaͤße, und giebet ihm das Roͤhrlein in den Mund,
daß es daraus nach Nothdurft ſaugen muß. Wenn ſie
aber eines zur Taufe oder ſonſt einen Weg uͤber Land zu
bringen haben, geben fie ihm einen zumpen in Wattick
getunket in den Mund, damit es ſich daran ſaͤttige. Nach
Verlauf 3 Jahren muß ein Kind, was die Aeltern ge⸗
nießen, ſchon mit eſſen. Von einwickeln, wiegen, war⸗
ten, weiß man gar nichts. Mit 14 Tagen ſtecket man
das Kind ſchon in Hoſen und Wambe, und laͤſt es an
der Erde liegen, und ſich welzen und kriechen, bis es von
ſelbſten ſich aufrichtet und zu gehen beginnet. So ſorg⸗
los, ſchlecht, kuͤmmerlich, rauhe und unbeqvemlich wer⸗
den die armen Kinder von den erſten Tagen ihres fort⸗
daurenden muͤhſeligen Lebens an, gehalten, gewehnet,
und gleichſam gehaͤrtet. Nichts deſtoweniger ſiehet man
an den Islaͤndern durchgehends gerade Leiber und unver⸗
3 | renkte
renkte Gliedmaßen, alfo daß es etwas ganz feltenes it, Å
Von Zu:
richtung the
rer Speiſe.
8 Gachehen von Sela.
einen gebrechlichen Menſchen unter ihnen anzutreffen.
Woraus klaͤrlich erhellet, wie vorſichtig und lebreich die
Natur vor ſich wirke, wenn ihr nur gelrchſef und dm
heit gelaffen wird, 1 0 |
$. LXXXV. Ich habe vorhin überhaupt 791 85
daß ihre Speiſe ſchlecht und ihre Gefaͤße unreinlich ſeyn. |
Ich muß noch hinzuſetzen, daß die Zurichtung noch år
ger, eckelhafter und kaum menſchlich herauskomme. Die
Folge wird es uͤberzeugend darthun. Ihre tägliche Koſt ift
bey dem meiſten Mann das wenige Fleiſch, fo an den ab⸗
geſchnittenen Kabbelau-Doͤrſch- und andern Fiſchkoͤpfen
ſitzen bleibet. Dieſe, oder auch dann und wann ein
paar Stuͤcke vom Fiſche ſelber, werfen fie, wenn fie da⸗
von eſſen wollen, ſchlechthin in einen Topf, thun ein wer
nig Seewaſſers daran, und wenn fie kaum eine Weile
gekochet, ſchlingen ſie dieſelbe, wie ſie gerathen koͤnnen,
ohne Salz, geſchweige ander Gewuͤrz, begierig, hinab.
Schaf und ander Fleiſch ſetzen die, fo es haben, in ein
wenig ſuͤßen Waſſers uͤbers Feuer, und eſſens eben auch
ohne Salg * und nicht ganz nicht halb gekocht. Ueber
dem eſſen fie nichts, weder Fiſch, noch Fleiſch, friſch ges
fangen oder ohnlaͤngſt getoͤdtet, ſondern werfen alles zu⸗
vor eine Zeitlang hin, daß es in etwas faulen muß; anders
ruͤhret es die fuͤhlloſen Waͤrzlein ihrer Zungen nicht, ſon⸗
dern koͤmmt ihnen als ungeſchmackt vor. Selbſt ihre
Feuerung vermehret noch die Abſcheulichkeit ihrer Spei⸗
ſe. Wenige haben etwas Turf: noch wenigere haben
Holz, als welches ſie nur von den Baͤumen, die ihnen
aus Norden und vermuthlich aus Rußland, wo ſie durch
Sturm und leben etwan e worden, dann und
TER wann |
* Den Lappen gleich, die auch ales ohne Saltz effen.
Scheffer. Lapponia cap. 18. Martiniere in itiner. a Se-
ptentr. cap. 17.
ges ö el, HRS * i ER:
N
>Z
Nachrichten von Island. 119
wann zutreiben, bekommen. Gemeiniglich brauchen fi
allein Fiſch⸗Graͤten, auch wohl Knochen, mit einem Biß⸗
gen dicken Drußthran *, leichter zu brennen, begoſſen.
Ihr niedlichſtes Gericht ift ein Schafskopf, davon fie al⸗
lein die Wolle abgeſenget „und denſelben alſo unter die
Aſche ihres heßlichen Feuers zum Braten geſtecket haben.
Maßen fie ihn, wenn er gahr, dergeſtalt mit Haut und
allem, was daran iſt, bis auf die Knochen verzehren.
Sie ſind allerſeits, wie die aͤußerſten Nordlaͤnder, ins⸗
gemein überaus große Liebhaber von Butter und
Fett, bis ſo gar auf den thranigten Hayſpeck ja den
Leber⸗ und Wallſiſchthran ſelbſt. | a
$. LXXXVI. Weil fie felbften keinen Ackerbau OM Mangelam
im „die meiften unter ihnen auch von dem durch die
Daͤniſche Kaufleute eingefuͤhrten Mehl aus Unvermoͤ⸗
gen 5 kaufen koͤnnen: haben fie kein Brodt, ſondern
8 beedie⸗
* Das it, Thranhefen. Denn unsere Leute nennen die He⸗
fen faex, Druß Holl Droeffem van Wyn, Olie etc. die Schweiß;
Truſe, Weinhefen Truofina, amurca olei, Gloſſ. Florent,
II. MSt. Biblioth. noftr. publ. AS. Dros, ſordes, Drosne,
faex. Dieſes Wort ſtammet her von einer alten Deutſchen
Wurtzel, davon ſich noch die Spur in des VIphil. verſion.
Gothic. befindet. Bey demſelben iſt Drausj an ex alto deor-
ſum praecipitare Luc. I, 52. und Draas Matth. VII, 27. oder
Drej Luc. II, 34 caſus, it. ruina.
Es ift merckwuͤrdig, daß die gar noͤrdlichen Volker alfe
mit einander fo gern Fett eſſen. Von den Lapplaͤndern und den
Groͤnlaͤndern ift dieſes etwas bekanntes Pechlin III. Obſ. Phyſ.
Med. 38. Von den Wilden in Nord⸗ America berichtet ein
gleiches Denys Hiſt. Nat. de l’Ameriq. Sept cap. 23 p. 362
und der Jeſuit Laffitau in ſeinem Tract. Moeurs des ſauva-
ges Amerig. comparés aux moeurs des premiers temps
Tom II. p. 91 Be von den Srogvotfen und andern: Sie
trincken das Oel von Bären, a oder Hayfiſchen,
Aehle und dergleichen, ohne ſich zu befümmern, wie ranzig
dieſes Oel oder Thran ſey geworden. Ja das Inſthlnt oder
Talg id für fie ein rechtes Ragollt.
AP
120 Nachrichten von Island.
bedienen ſich ſtatt deſſen des trocknen, etwan nicht wohl zun
verkaufenden Stockfiſches *, doch ungekochet, und nur
ein wenig geklopfet. Am liebſten effen fie ein Stuͤck ſol |
chen Fiſches mit Butter (wenn ſie dieſelbe haben) oder
in deren Ermangelung mit Hayfiſchſpeck, oder auch mit
Thran oder Inſchlitt beſchmieret. Ein oder anderer
macht ſich auch wohl aus einer wilden unter dem Graſe
von ſelbſt wachſenden Kornart ein ſchlechtes für Auslaͤn⸗
der nicht zu eſſendes Brodt. | a,
Von ihrem F. LXXXVIL Ihr Getraͤnke ift das Waſſer,
Getraͤnke. welches fie, wie oben erwehnet, gar geſund und ange⸗
nehm haben. Abſonderlich wird das aus den Eis⸗ und
Schneebergen durch die Kraft der Sonnen geſchmol⸗
zene und hervorfließende Waſſer von maͤnniglich geruͤh⸗
met *. Außer dieſem trinken fie Wattick en
Mu i en.
* Welcher auch der Lapplaͤnder ihr Brodt ift. Scheff.
Hift, Lappon. pag. m. 194. wie imgleichen der Noͤrdlichſten
Norweger Jons Lauriſſen Wolff Norrig. illufte. pag. 198.
Haffre icke Brod altid, men for Broͤd bruge de toordkioͤd oc
toͤr Fiſk, ſom de toͤrre udi Winden, oc det kalder de effter de⸗
wis Landwis Skerping: d. i. fie haben nicht allezeit Brodt,
ſondern brauchen davor gedoͤrretes Fleiſch, oder gedoͤrreten
Fiſch fo fie im Winde trocken machen, und nach ihrer Lan⸗
desweiſe heißen Skerping. Ein gleiches vermeldet auch
Marc. Paul. Venet. von der Arabiſchen Provinz Aden, pag.
163 flunt etiam ab incolis panes bisco@i ex pifeibus, idque
in hune modum : Concidunt pifces minutim atque contun-
dunt in modum farinae: et poftea commifcent et fubagi-
tant quafı paftum panis, atque ad folem deficcari faciunt,
et vivunt ipfi et iumenta ipforum de illis panibus fictitiis
per totum annum. Alſo gedenket Gemelli Careri in feiner
volage du Tour du monde Tom. II. pag. 319 von denne
wohnern der Inſel Lundi und Augon im Sinu Perſico; qu ils
n'ont de meilleur aliment, que des Sardines, ils les font
ſecher au ſoloil et elles leur tiennent lieu de pain pendant
toute Janne. | e 5
Ich kan dieſes um fo eher glauben, da ich in der
Schweitz im Grindelwalde aus eigener Erfahrung 1
- | 1 daß
—
*
|
Nachrichten von Island. 1
ken. Bier bekoͤmmt der gemeine Mann nicht zu ſchme⸗
cken, auch der bemittelte kan es aus Mangel der Keller
vor der Strenge des Froſts in die Länge nicht halten,
Einige Wohlhabende ſchaffen ſich zuweilen etwas Fran⸗
zoͤſiſchen Weins von dem Daͤniſchen Kaufmann für
ihren Mund an. Weil ſie denſelben aber in unreine, ja
öfters in ſolche Gefäße ſchuͤtten, darinn fie Wattich oder
gar Thran gehabt, und ſolche vorher nicht recht reinigen,
wirft er ſich bald um, wird truͤbe, dick und ſtinkend.
Durchgaͤngig iſt ihr liebſtes Getraͤnk Brantewein:
worin ſich jung und alt, Mann und Weib, aufs ſchaͤnd⸗
lichſte beſuͤlen oder beſaufen. Bey aller ihrer hoͤchſt be⸗
ſchwer⸗ und gefaͤhrlichen Arbeit zu Waſſer, oder zu Lande,
ift dieſes ihr Troſt, Aufmunterung und Hauptzweck, daß
ſie etwas fangen und fertig machen wollen, dafuͤr ſie dem⸗
nechſt bey Ankunft der Daͤniſchen Schiffe Brantewein,
den beliebten Brantewein, eintauſchen koͤnnen. Wann
ſie denn aber auch nunmehro ihres Wunſches gewaͤhret
worden, hoͤren ſie nicht eher auf, als bis aller erhandel⸗
ter Vorrath verzehret iſt, und eher treten ſie auch ile |
Berufs: Arbeit nicht wiederum an.
$. LXXXVIII. Mit itzo erzehlter Bewandniß der Bon ihrer
Speiſe und des Getraͤnks koͤmmt allerdings die Klei⸗
dung und Wohnung uͤberein. Jene beſtehet in gro⸗
ben Leinen, bey uns Packlinnen genannt, in einem
ſchlechten wollenen felbft gemachten Tuche, fo Wad⸗
mel * beet, und in „ durch Beſtreichung
5 mit
daß bey ſtarker Abmattung und Durſt nichts ergvickenders,
als das von den Gletſchern oder Eisbergen abſoͤckernde di⸗
cke Schmelzwaſſer ſey. Wovon auch mit kunſtmaͤßiger Bes
urtheilung viel gutes faget Herr D. Scheuchzer Nat. Gefch,
des Schweiß. Land. Part. III. N. 29.
—
*Isl. Vadmaͤl eft pannus ruſticus f. line Buril«
lum Gudm. Andr. in Lexic.
eidung.
1322 Nachrichten v von Nala. ig i.
mit Fiſchlebern ſtets geſchmeidig gehaltenen Leder. Von
ihrer Tracht und Kleidung habe ich nur ſo viel bemer⸗
ket, daß Manner und Waber leinene Hembder oder vice
mehr Unterſtruͤmpfe und Hoſen aus einem Stück tragen,
die den Maͤnnern bis uͤber, den Weibern aber nur bis an
den Nabel reichen. Oben uͤberher haben ſie Hoſen, wie
auch Waͤmſer von Wadmel oder Scheſsſelel. Die
Weiber tragen von Wadmel weite Kleider, faſt wie die
itzigen Andriennes gemachet, und Unterroͤcke die vorne
offen und nur mit Haͤklein geheftet ſind; uͤberher ein
kleines Schuͤrzchen. Den Kopf 10 eine hohe von
12 Ellen ſpitzig ſich aufthuͤrmende Binde, unten von Kr
berm und darüber her von feinerm Leinewand, die um den
Kopf, und zwar ie vornehmer eine iſt, ie dicker gewunden
wird. Dieſer Aufſatz wird bey unverheyratheten zum
Uinterſcheid vermittelſt einer Binde von Seidenzeuge un⸗
tenher um den Kopf befeſtiget. Die meiſten tragen vos
the wollene Struͤmpfe. Die Schue des Manns⸗ und
Weibesvolks ſind bloße um den Fuß geſchlagene und mit
Riemen von Schafsdaͤrmen angeſchnuͤrte kappen von un⸗
gegaͤrbetem Leder. Worauf ſichs gen grug ge⸗
hen mag. |
Von ihren F. LXXXIX. Die Wohnbäuslein i no klein und
1 von ganz einfältiger Baukunſt. Man ſenket fie um meh⸗
; rerer Befeſtigung und Wärme willen einigermaßen in die
Erde. Die vier Wände werden aus dem Grunde mit
Steinen oder Felsſtuͤcken aufg ſetzet, und mit zwiſchen
geſchuͤtteter Erde verbunden. Die Höhe derſelben iſt ge⸗
meiniglich 32 Ellen, die Länge 12 bis 14 Ellen, und die
Breite ſo geringe, daß, wenn ein langer Mann in
der Mitte ſtehet, und die Arme ausſtrecket, er mit den
Spitzen der Finger gemeiniglich die beyde Seitenwaͤnde
berühren kann. Oben auf wird ein ganz niedriges Dach
von duͤnnen hoͤlzernen Sparren geſetzet, und darüber |
' en Latten gehefftet, woran man ER Pe å
eget 15
Pi
7 3
r
Nachrichten von Island. 13
leget und befeſtiget, alles aber obenher mit gruͤnem Ra⸗
ſen bedecket, die im Fruͤhjahr bewachſen, und durch die
kleine Wuͤrzelchen ſo feſt an einander ſich verbinden, daß
ſo wenig von innen die Waͤrme heraus, als von außen
der Regen und Schnee hineindringen kann. Vorne
laſſet man eine niedrige Oeffnung zum Eingange, die
mit einer ſchlechten hoͤlzernen Thuͤre vermacht wird, und
im Dache ſechs oder ſieben Loͤcher zum Einfallen des Lich⸗
tes, in welchen kleine Tonnenreife mit einem Pergament
ſtraff uͤberzogen, ſtatt der Fenſter eingeſetzet werden. Sie
nehmen hierzu aber eigentlich die tunicas allantoideas von
Ochſen oder Kühen bey ihnen genannt Hinne n: Und
wird, ſo bald es ausgenommen, zuerſt auf ein Bret, ſo
viel als man kann, ausgedehnet, feſt angeklebet und alſo
getrucknet. Nachher durch Anfeuchten wieder abgeloͤſet,
und endlich ſo ſtraff, als moͤglich, uͤber einen ſolchen
Tonnenband als es beſchlagen kann, bezogen und befeſti⸗
get. Womit es zum Gebrauch fertig iſt. Auf die
Nacht und bey vermerktem Ungewitter werden dieſe Fen⸗
ſterchen mit kleinen Brettern uͤberdecket. Die Beguͤter
ten haben Glasfenſterlein, doch nur ein Paar im ganzen
Hauſe, und in einem ieden derſelben nicht mehr als ſechs
kleine Scheiben. An der einen Seitenwand wird die
KLaͤnge her ein Geruͤſte von Brettern in folder Höhe von
dem Boden feſte gemacht, daß das Rindvieh, zur Win
terzeit, darunter geſtellet werden kann. Dieſes giebt
8 ERTL Topp
+ Conf. Bartholin. Ack. Med. Haffn. Vol. V. Obf. 45.
Das Wort Sinne aber ift eigentlich Daͤniſch, und heißer auf
Island. Sinna, vormals Zimna (vid. Gudm. Andr. Lexic.)
koͤmmt, wie auch das Lat. Aymen und der Griechen uno
von dem alten Zimen oder Simmen contegere her. Daher
der Nordiſchen Voͤlker Binnen, Deutſch Simmel coelum
omnia contegens, imgleichen BSimmet der Braunſchw.
Bauern, und Hemmet der Holſteiniſchen, contracke Hemmt,
oder Semde, induſium corpus proxime contegens herftants
met, welches noch weiter koͤnte ausgefuͤhret werden.
—
124 Nachrichten von Island.
die Bettſtelle für ſaͤmmtliche Hausgenoſſen, fo viel ihrer
ſind. Maßen dieſelbe nur ein wenig Heu darauf ſchuͤt⸗
ten, und ſich darüber unter einer Decke von Wadmel,
zuweilen mit Schaffellen gefuͤttert, faſennackt und derge⸗
ſtalt neben einander herlegen, daß wo der eine ſeinen
Kopf, der, oder die andere neben ihm, die Fuͤße hat: und
ſtehet nur allein ein kleines Bretchen, oder ein Stück einer
einzeln Diele aufrecht, zur Abſonderung zwiſchen denen, die
eben nicht beyſammen gehoͤren. Wie ſchoͤn dieſe Woh⸗
nungen werden meubliret ſeyn, laͤſſet ſich ohnſchwer von
ſelbſt urtheilen, als auch, wie greulich es darinn ſtin⸗
ken muͤſſe. | |
She 3 0 §. XC. Was aber bisher von der ſchlechten Nah⸗
ſchaffen⸗ rung, und der fo ſaͤuiſchen, als mühfeligen, nur einzig und
heit. allein die Kraͤffte des Leibes uͤbenden Lebensart der Is⸗
Linder beygebracht worden, ift dergeſtalt beſchaffen, daß
es bey dieſen thieriſchen Menſchen wohl gewiß keine ſon⸗
derliche Gemuͤthserhebung wirken kann. Alſo ſind ſie
auch von Natur feige, und taugen durchaus nicht zu
Soldaten: ja man bringet fie nicht dazu, daß fie ein gez
ladenes Gewehr nur abſchießen. Die Koͤnige, ihre Her⸗
f ren, haben es zu mehrmalen mit ihnen ſowohl auf der
Flotte, als bey den Landtruppen verſuchet, weil man ſie
aber nirgend brauchen koͤnnen, fie allemal mit dem Abs
ſchiede; daß fie zu nichts geſchickt, wieder nach if
rer Heymath gejaget. Worzu bey denſelben noch
koͤmmt, daß, ob man wohl vermeinen moͤchte: fie muͤ .
ſten es uͤberall weit angenehmer, beqvemer und beſſer, als
in ihrem Vaterlande, antreffen, fie dennoch eben fo ſehr
als einig anders Volk vom Heimwehe geqvaͤlet wer⸗
den. Wie man denn Exempel hat, daß aus ſolcher
Sehnſucht bey vielen nicht nur Erkrankung, ſondern gar
der Tod erfolget , und zwar nicht nur allein bey ſol⸗
Ein gleiches erzehlet von den nicht viel beſſer lebenden
Cappen Scheffer. cap. 3. und von feinen Schweizern Scheuch ⸗
| | ger
]
| \ 5
Nachrichten von Island. 125
chen, die zu dem beſchwerlichen Soldatenſtande genöthi- |
get, fondern auch fo gar bey denjenigen, die von DK
ſchen Kaufleuten mit heraus genommen und zur Hands
lung angefuͤhret werden wollen. So ſtark iſt der Zug
der Gewohnheit und die Annehmlichkeit einer unges
zwungenen Freyheit. Nur ſchade, daß dieſelbe in dies
ſem Lande, wie vorhin angefuͤhrt, gar zu unordentlich und
zuweitſchweiffig iſt. Maßen ſie denn eben auch Urſache,
daß die Islaͤnder von Herzen faul und eigenſinnig find,
Sie arbeiten anders nicht, als aus Noth, und ſind von
ihrer Landesmanier fo eingenommen, daß, wenn man ih⸗
nen auch beffere Arten, kuͤrzere Handgriffe, beqvemere _
Werkzeuge, zur Arbeit anbietet, ſie dennoch ſolche ſchlecht⸗
hin verwerfen, und bey dem alten halsſtarrig verbleiben.
$. XCl. Daher laſſen fie auch nicht den geringſten Sie haben
Trieb zu Kuͤnſten und Wiſſenſchaften an ſich ſpuͤren. Sr 0
Zwar muß man nicht gedenken, als ob ſie von AN fe nen.
ganz dumm und unfähig wären, Es ift vielmehr bes
kannt, daß aus ihnen einige zu gelehrten Maͤnnern wor⸗
den, einige, die außerhalb Landes geweſen, fertig ſchrei⸗
ben und rechnen, in Gold arbeiten, To backsdoſen ma⸗
chen u. d. g. gelernet. Nur mangelt es ihnen an Luſt
und Willen. Sie wollen bey dem allein, was ſie von
ihren Aeltern und Voraͤltern machen ſehen, und wozu
fie die aͤußerſte Beduͤrfniß treibet, ver bleiben. Indeſſen
erweiſen ſie gleichwohl dabey ſich nicht ganz unvernuͤnftig
und ungeſchickt. So weit es zu ihrer Nothdurft von
noͤthen, iſt eine iede ai a ein Tiſcher, Zimmer⸗
man, Schiffbauer, Schmid u. ſ. f. auch ein iedes Wei⸗
besbild eine Schneiderin und Schuſterin. Dazu halten
und fuͤhren die Aeltern ihre Kinder von zarteſter Jugend
; auf
ger Natur - Geſch. des Schweitzer⸗Landes N. 15 und 16, wo⸗
ſelbſt er zugleich aus den Gründen der Natur- und Arzeney⸗
wiffenfchaften hierüber, fo viel feine Landesleute Wee gar
feine Gedanken aͤuſſert.
Li
Von ihrer
Handthie⸗
rung.
126 Nachrichten von Al
auf ſelbſt an. Es zeuget auch meines Erachtens von ei⸗ ö
nigem Geſchicke, wenn man aus ſchlechtem Stoffe mit
unbeqvemen Werkzeuge alles, was man bedarf, zureich⸗
lich verfertigen kann. Von Feit⸗ oder Stundenrech⸗
nung wiſſen ſie nichts: ſondern richten ſich nur nach der
Ebbe und Fluth *, oder wenn 150 e die 5 bevis EN
nen, nach derſelben.
117 XCIL Die gewöhrlichſte und durchgaͤngige Zn
thierung diefer Leute beſtehet in dem Fang und Zuberei⸗
tung des Stockfiſches, oder, wo das Land dazu Gelegen⸗
heit giebet, in der Viehzucht. So viel den Fiſchfang
und deſſen Furichtung betrifft, ift davon das merkwuͤr⸗
dige oben bereits angefuͤhret worden. Ihre Fiſcherböͤ⸗
the Maden fie aus Wagenſchott ir das ift, gar dünn i
geſpal⸗
* Ohne Zweifel haben auch andere Nordiſche Voͤlker ſich
darnach mit ihrer Zeitrechnung gerichtet: Und koͤmmts ver⸗
muthlich davon her, daß die Nieder⸗Sachſen Ebbe und Fluth
de Tide, die Gezeit, und die Engelaͤnder Tide nennen.
* Dieſe gantz dünne Brettlein werden von Eichbaͤumen
en Und wird allhier die ſchlechteſte Sorte gemeinet,
ie man zu Bekleidung der Waͤnde, wenn man ſie mit Tape⸗
ten beziehen will, und ſonſt gebraucht. Es giebt aber eine
noch beſſere Sorte, die eigentlich von den beſten Wurzeln ge⸗
ſpalten, und weil ſie (wie das Wurzelholtz, oder Maſer, inge
gemein ſchoͤnbunte Adern hat) von den Tiſchlern zum Furni⸗
ren, oder das Getaͤfel damit zu uͤberdecken genommen wird. Von
dieſen bunten Adern kom̃t auch eben bey den Hollaͤndern u. Nie⸗
der deutſchen deſſen Benennung. Denn Wagenſchot heiſſet eis
gentlich Wellenſchuß Waſſer ſchuß. Und die Bretter alſo:
Lignum vndulatum maris erifpantis vndas imitans: womit
Kilian. in Etymol. Teuton. Lingu. übereinftimmt, wenn er ſe ⸗
Bet: Naegheſchot eft lignum, quod fponte fluckuantis maris
vndas imitatur. Haegbenſe horten, contabulare afferibus tigri-
nis; veftire parietes rabulis. Muauge bey den Hollaͤndern,
Wage bey den Niederſachſen, und Woge bey den Oberdeut⸗
ſchen ift Welle, fluctus maris, Mage, aqua Otfr. I, 3, 24. ago 5
Vorago Glof. Rhab. Maur Mas fludtus maris Rhythm. G. S.
Annen. g. 5. Hag, Vage Lacus Otfr. III, 9, 34. Tatian. Harm.
cap.
*
j Nachrichten von Island. 127
geſpaltenen eichenen Bretern, ſo leicht, daß ſie von zween
Männern auf den Schultern koͤnnen fortgetragen wer-
den: geſtalt fie allemahl, wenn fie wieder zu Lande kom⸗
men und daſelbſt verbleiben, genoͤthiget ſind, dieſelbe,
um von der Gewalt der Seewellen nicht zerſcheitert oder
weggeriſſen zu werden, ſo hoch auf den Strand hinauf
zu ſchleppen, damit die nach Gelegenheit des Windes zu
vermuthende Fluth ſie nicht erreichen kann, zumahl ſie
weder Anker noch Draggen haben, dieſelbe zu befeſtigen.
Wenn ſie ihr Schiff auf dem Waſſer eine Weile feſt ma⸗
chen wollen, bedienen fie ſich ſtatt eines Ankers nur bloß
eines ſchweren Steins mit einem Loche, wodurch ein di⸗
cker Stock getrieben, denſelben laſſen ſie in den Grund
fallen, damit das Schiff immittelſt durch die herausıar
gende Enden des Stocks einigermaßen moͤge aufgehalten
werden. Nur an einigen wenigen Orten haben fie et
was feſtere und etwa ſo große Fahrzeuge, als die Hilge⸗
Lander Fiſcherever find, mit einem Maſtbaum und Se
gel von Packlinnen. u
N
F. XCIII. Die Viehezucht macht ihnen, insgemein Pon der
davon zu reden, keinen ſonderlichen Kummer. Die auf Viehzucht.
Weſtman⸗oͤ jagen auf die nah gelegene mit Gras bes ,
wachſene kleine Inſeln ihre Schafe, damit fie diefelben,
wann fie wollen, ohne Mühe wieder erhaſchen koͤnnen.
Was ſonſt von der Viehezucht und dem Schlachten zu
wiſſen, iſt vorhin zur Gnuͤge angebracht. |
S. Nclv.
cap. 19. Das Grundwort ift Wagan motitare, wovon bey
VIphil. Wagid commotus eft, Waga eine Wiege, Cunae Otfr.
I, 20, 26. und in Gl. Flor. II. Mt. Biblioth. Hamb. Wage,
Jibra. ISI. Maga vehor, Wagn Wagen, carrus, wie in allen Nor⸗
diſchen Dialectis, Vogzer Gall. In neuern Zeiten Wegen.
Norker. Pf. 3. ja ſchon Otfr. IV, 30, 13. Sie wegitan iro haubit.
Luth. in Ep. ad Eph. Wegen und Wiegen, it. AS. Wegen,
etc. ap. Somner. Sax. Wege, Germ. Wiege, cunae, wegen
librare u.ſ. w.
Br 4
7 75 i
128 | Nachrichten von Island.
Wie ſie die F. XCIV. Jetzo will ich nur noch beyfügen, wie ſie
en die abgezogene Felle nad) ihrer Manier und ohne vom
Gaͤrben etwas zu wiffen, zu bereiten pflegen.
Sie nehmen das Fell, wenn es noch warm und friſch
iſt, ſchlagen es nach und nach uͤber ihr nacktes Knie, und
ſchaben mit einem Meſſer die Haare, oder Wolle, davon
ab. Welches zwar gar kuͤmmerlich, doch ſo geſchwinde
und geſchicklich zugehet, daß man ſich daruͤber wundern
muß. Hierauf heften ſie nur noch die abgeſchabete Haut
ſo ausgedehnet und feſt als moͤglich an eine Wand, daß
ſie windtrucken werde. Und damit iſt ihnen dieſelbe zu
allerley Gebrauch ſchon beqvem und gerecht. Was fie
gleichwohl von Leder und Pelzen am Leibe tragen, ſolches
ſchmieren ſie alle 4 oder 5 Tage mit Fiſchlebern, die fein
thranicht ſind, ein. Wodurch es zwar ziemlich geſchmei⸗
dig, anbey aber zugleich in ſolcher kraͤftigen Ausdämpfung
erhalten wird, daß kein Dänifcher Kaufmann vornaͤm⸗
lich, wenn er das erſte mahl zu ihnen koͤmmt, ſie wegen
des Thrangeſtanks, und uͤbriger Unreinlichkeit, um ſich
dulden kann, ſondern, wenn er mit ihnen zu ſprechen hat,
es unter freyem Himmel und über dem Winde fichend,
verrichten muß. Wieder ein Beweisthum der gewalti⸗
gen Gewohnheit, daß dieſe Menſchen allenthalben und
unaufhoͤrlich in ſolchem Geſtank und ſaͤuiſchen Wuſt le⸗
ben und gedeyen koͤnnen, darin zaͤrtlich erzogene ohnaus⸗
bleiblich gleich erkranken, ja vergehen wuͤrden. |
Von ihrer F. XCV. Männer, Weiber und Kinder „wenn fie „.
den gent, nicht beym Stockfiſch geſchaͤftig find, arbeiten an der
Wolle und ſtricken Futterhembde, Handſchue, Struͤm⸗
pfe u. d. g. Im Lande hat man keine Weberep, als
die, wodurch das W erwehnete Wadmel 2771
chet wird. |
Wie fie Das Walken geschieht ſclecht hin im warmen i
walken. Uli, und zwar 1 muͤhſam als unfünftlih, Das Tuch
a treten
Nachrichten von Island.
treten fie aufgerollet den ganzen Tag mit den Füßen: und
Struͤmpfe oder Handſchue kneten ſie mit den Haͤnden
eine gute Zeit durch. Es muß ein ſtarker und geuͤbter
Kerl ſeyn, der in einem Tage ein Futterhembd oder drey
paar Struͤmpfe fertig machen ſoll. Die Weiber, weil
ſie keine Seife haben, waſchen mit Aſche und Urin.
So wiſſen ſie auch mit Urin den Gruͤnſpan aus einem
kupffernen Keſſel heraus zu ziehen, und damit zu farben.
§. XCVI. Wer ſollte gedenken, daß dieſe Leutchen Von ihrer
fo liſtig und betrieglich ſeyn konnten, daß man fi ich mit Ca
ihnen im Kaufhandel vor;ufehen Ba? Und gleichwohl
lehret es die Erfahrung.
Um einen voͤlligen Begriff von ihrer gandelſchaft
zu geben, muß ich ‚Sagen, daß die ganze Inſel vierzehn ſo
genannte Siſchhaͤfen und acht Fleiſchhafen habe.
Jene liegen im Norder⸗ und Ofters diefe im Suͤder⸗ und
Weſtertheil derſelben. Beyde werden von Zeit zu Zeit
vom Könige bloß an Kaufleute in Copenhagen verpach⸗
tet, welche dahin ihre Unterkaufleute ſchicken, auch
wohl zuweilen ein und andern daſelbſt uͤberwintern laſſen.
Dieſe ſind es, die mit den Ingebohrnen alle Handlung,
die geſchieht, treiben. Und da die Fiſchhaͤfen, allwo gu⸗
ter Vortheil zu holen, leicht ihre Paͤchter finden; die
Fleiſchhaͤfen aber, wo kein ſonderlicher Gewinſt zu ma⸗
chen, vor ſich allein unbeſuchet bleiben wuͤrden: ſo hat
der Koͤnig, als ein gemeiner Landesvater, damit ein ieder
was zu verdienen, oder ſeine Nothdurft einzutauſchen,
Gelegenheit überfommen möge, die weiſe und heilſame
Verordnung gemachet, daß ein Kaufmann, der zum
pachten Luſt hat, zu 2 Fiſchhaͤfen allemahl einen Fleiſch⸗
hafen mit in ſeine Pacht nehmen muß. Wodurch die⸗
ſelben alle außer einen, den man auch beſt moͤglich zu ver⸗
pachten ſucht, an den Mann gebracht werden. Die
Benachbarte der Fleiſchhaͤfen bringen dem Abgeordneten
des Pachters zu ſeiner Zeit ihre Schafe zu Kauf: und
3 zwar
0 Nachrichten von ala.
zwar ein gutes Schaf fuͤr 40 Fische ein ſchlechtes für
weniger. Einige bringen auch Ochſen, doch nicht viele:
und wird ein Ochſe, nachdem er gut ift, für 10 bis 15
Schafe gerechnet, ein ſchlechter gilt nur acht. Dieſes
Viehe laſſen die Unterkaufleute durch Islaͤnder ſchlachten,
die dafuͤr den Kopf und das Eingeweide zu Lohn bekom⸗
men. Die Schlachtzeit iſt alle Jahr gegen Ende des
Auguſt und Anfang des Septemb. weil alsdenn das
Gras von der annaͤhernden Kälte beginnet gelbe und un-
kraͤftig zu werden, mithin auch das Vieh wieder abzu⸗
nehmen. Das Fleiſch wird auf Daͤniſche Art einge⸗
hauen, geſalzen, in Tonnen geſchlagen, und nach Copen⸗
hagen oder ſonſt verfahren. Die Bauern der Fiſchhaͤfen
verhandeln ihre gedoͤrrete Fiſche, als Flad und Haͤng⸗
fiſche den Unterkaufleuten gleichergeſtalt. Man nimmt
ordentlich keinen andern, als von Kabbelau gemacht, in
der Handlung an. Fals aber deſſen nicht genug gefan⸗
gen, muß man ihn auch wohl von Laͤngen und andern
Fiſchen verfertiget in Bezahlung mit nehmen. |
Wie die se- H. XCVII. Alle Bezahlungen geſchehen an die
che Islaͤnder von den Dänen entweder durch die mitge⸗
brachte Waaren, oder mit baarem Gelde, deſſen gleich⸗
wohl wenig gebrauchet wird. Auf der Inſel gilt aber
kein ander Geld als Species, oder Daͤniſche Kronen.
An Stelle der Scheidemuͤnze bedienet man fi ic des N
fiſches.
Man kauft So werden auch alle Genet Kaufe und 1
in dach delungen nach Fiſchen getroffen, und Buͤcher und Rech⸗
hirt na
Fiſchen. nungen in Shen geführt *. Naͤmlich 1 Species⸗
Thaler
ig Ich habe bh dieſer Gelegenheit zugleich vernommen
daß man auf den benachbarten Feröiſchen Inſeln (woſelbſt
der Koͤnig von Daͤnnemark an dem Hauptorte, und allgemei⸗
nem Marktplatze, Torshaven, einen Vogt und Landrichter
haͤlt, auch weil keine Paͤchter zu haben, die Handelung das
hin ſelbſt treiber, oder dieſe Inſel jahrlich mit dem an N
igſten
Nachrichten von Island. 13:
Thaler gilt allemahl 48 Fiſche „und eine einfache Krone
ift vom Könige geſetzet zu 15, eine doppelte zu 30 Fiſchen.
Einen Fiſch rechnet man zu 2 Pfund, oder 2 Pfund
ſchwer Fiſche machen allezeit einen Schilling Luͤbl. aus.
10 Pfund nennet man eine Foͤhrung. Ein Ließpfund thut
allhier 16 gemeiner Pfund. Ein Arbeitsmann bekoͤmmt
10 Fiſche oder 10 ᷑. Lüͤbſch zum Tagelohn, u. f. w.
S. XCVIII. Die Waaren, welche Island abgiebt Ausgehen |
und die ausgefihifie r n
Haͤngfiſch. x
Etwas gedörrefer Längen und Stifte.
Geſalzen Schaffleiſch. |
Etwas geſalzen Ochſenfleiſch.
Klaren und braunen Thran von Bulfikben und |
allerley Fiſchlebern. EN) |
Etwas Butter und Inſchlitt. 1
Viele geſtrickte grobe Struͤmpfe, Haudſchuen, Fut⸗
terhemde, Muͤtzen und dergleichen gewalket.
Blaue Fuͤchſe. | |
Schmaaschen, oder junge felt ik
an | IS
| Ey
digſten von 8 aus berſehen laßt: ) auf gleiche BEL
Weiſe handele und alles nach Skins, d. i. Schaffellen kaufe 15
und rechne: naͤmlich ein Skin zu 4 i Dansk oder 2 ß Luͤbl.
obgleich dieſelbe in natura nimmer gegeben noch genommen
werden. Dieſer Gebrauch ruͤhret daher, daß dieſe Inſel faſt
einzig und allein von ihren Schafen beſtehet, und derſelben
allda eine fo große Menge ift, daß mancher Bauer wohl 2000
Stuͤck beſitzet. Außer dem Schaffleifche, fo eingefalgen aus⸗
gefahren wird, liefert dieſe kleine Inſel auch eine große Men⸗
ge wollener Nachtfutterhemder und Muͤtzen, Gaͤnſefedern
und Eiderdunen, imgleichen wollene Struͤmpfe; etwas Rothe
ſchaͤr, Inſchlitt, Thran. Die Inwohner tragen keine Schue,
fondern wollene Strümpfe mit fo dicken Sohlen, 755 fie dar ⸗
auf eine ziemliche Zeit laufen koͤnnen.
2 | | Nachrichten: von nd: | |
Eyderdunen. N
Rohen Schwefel.
Dif: Islaͤndiſche Waaren Fönnen in allen, Hafen des
Königreichs Daͤnnemark und dazu gehöriger Lander soll
frey eingebracht werden.
Einkoms $. XCIX. Die einzubringenden Wa, die d=.
Waaren, land brauchet, find: . N
Eifen, | i Å 1) BØGH
Holz. 5 [ RØR
Kornbrantewein. i |
Mehl.
Wein. N BNG
Salz. 1
Grobe Leinen.
Ein wenig Seidenzeug, ;
und was fonft ein oder anderer Bemittelter für fr >
ne Haushaltung begehren mag. ig
welche nun Dieſe Waaren werden bloß allein von den Dänen,
ben De Ausſchluß aller Fremden, eingebracht, und an die
bracht wer⸗ Islaͤnder im Troc für ihre Landwaaren uͤberlaſſen: im⸗
den. maßen dieſelbe nichts mit baarem Gelde bezahlenz deſſen
auch wohl ſelten viel haben. | i
Die Bir Damit aber die Islaͤnder, welche ihre Nothdurft
Kahn ec von niemanden, als von dieſen Pächtern haben koͤnnen,
gewiſſe nicht etwa uͤbervortheilet, und nach Willkuͤhr gedrucket
Taxe. werden moͤchten; ſo haben die Koͤnige von Daͤnne⸗
mark die gnaͤdige Vorſorge fuͤr ſie, daß ſie den Kaufleu⸗
ten von Zeit zu Zeit eine gewiſſe Taxam- vorfchreiben,
wornach ſie jenen alle einfuͤhrende Victualien und Waa⸗
ren verkaufen und ſolche in keinem Stuͤcke fig 1500 Thl.
Strafe uͤberſchreiten müffen.
Gewicht u. F. C. Ich habe angemerket, daß allier alles Ge⸗
aim wi wicht und WMaaße auf den ene Sup ac #
i BR. er
14
—
—
Nachrichten von Island. 133
gehends eingerichtet ift. Welches eine offenbare Anzeige Hamburgis
giebet, daß die Hamburger in vorigen Zeiten auf Island 55
vornehmlich muͤſſen gefahren und den Handel erſt recht tet.
daſelbſt eingerichtet haben. Wie ſich denn auch vormals.
eine eigene Bruͤderſchaft der Islandsfahrer (welche
Kopmanni obſeruantes Reiſas in Islandiam in den alten
Documenten genennet werden) in der Stadt Hamburg
befunden, davon bis itzo noch einige Ueberbleibſel vorhanden
ſind. Itziger Zeit wollen die Dänen alle fremde Natio⸗
nen eben ſo wenig als die Hamburger dahin handeln laſ⸗
ſen. Doch findet ſich eine ziemliche Anzahl von Hollaͤndiſ.
Schiffen, (welche die Dänen als Lorrendrayer tractiren)
jährlich daſelbſt ein, die dem Bauervolke verſtohlener
Weiſe den beliebten Brantewein und andere noͤthige
Waaren zubringen, und dagegen guten Stodfifh und
Thran wiederum eintauſchen . Dieſe ſchlaue Leute
wiſſen, weil der Amtmann keine bewehrte Jagd beyhan⸗
den hat, und der Kaufleute Schiffe nicht Zeit haben, auf
ſie zu lauren, allemal nach Willen durchzuſchleichen. Da⸗
mit fie auch ihre Unterſchleife deſto beffer verdecken, und
noch mehrern Vortheil ‚ als fie etwa bey den Jeländern
treffen, machen moͤgen; ſo liegen ſie zum Schein eine
ziemliche Weite von der Inſel auf der See, und fangen
Kabbelau, aus welchem ſie auf obangedeutete Art in ih⸗
ren Schiffen Labberdan machen, und damit nach Holland,
zuweilen auch nach Hamburg, gehen.
Fg. Cl. In Island wird nur einzig und allein die Die Reli
Uebung der Evangeliſchlutheriſchen Religion ge kai
ſtattet, und keiner von andern Bekaͤnntniſſen daſelbſt ge:
duldet; außer daß einige wenige aus Catholiſchen Vor⸗
ältern noch herſtammende ein und andren aberglaͤubiſchen
e beybehalten, ig: fie in geheim ausüben,
e , een
Sie treiben auch dergleichen verbotene Handlung all» |
jährig auf der Sa! öeroe. | |
/
/
Fa
34 Nachrichten von Island.
bine ke. H. CH. Die Inſel wird in zwey Biſchoffthuͤmer
dleſiaſtica. eingetheilet; davon der eine Biſchoff zu Halar, der zwen⸗
te in Skalholt feinen Sitz hat %, Ben iedem derſelben
iſt eine lateiniſche Schule und eine Druckerey, in welcher
zuweilen ein geiſtlich Buch in der Landſprache gedrucket
wird. Ein Biſchof hat jaͤhrlich 1200 Thaler, die ihm
in Waaren angewieſen werden und er aus den Biſchoffs⸗
zollen, wozu ieder Bauer des Jahres 10 Fiſche ſteuret,
zu empfangen hat. Andre Pfarrherren bekommen hoͤch⸗
ſtens nur 100 Thaler. Ja es ſind darunter, die nur
4 Thaler zur Beſoldung genießen. Doch haben die
Geistliche auch einen Antheil am Fiſchzehenden, wie⸗
[2 \ >
Sn ee
wohl mit vielem Unterſcheide. An einigen Orten befom:
men ſie z, an andern haben fie in iedwedem Bothe, das
zum Fiſchen aus lauft, zwey Loß, das ift eben fo viel, als
ſonſt zweene der Fiſcher zu ihrem Antheil von dem Fang
zu empfangen. Diejenige, welche fo wenig einzunehmen
haben, daß fie dabey nicht auskommen konnen, muͤſſen
auf gleiche Art, wie andre Bauren, ihr Brodt ſuchen,
mit auf den Fiſchfang fahren, und ihren Antheil zu Stock⸗
ſiſch, damit ſie ihn verhandeln koͤnnen, machen. Wor⸗
inn i nen um fo weniger ein hartes wiederfaͤhret, weil
ſie ja ſonſt in andern Dingen ſich dem Bauervolke ſo
)
Mon ihren F. CH, Bey dem fo offenbar armſeligen Zuſtand
Kirchen. der Inwohner fönnen auch die Rirchengebaude nicht
koſtbar ſeyn. Sie ſind auf keine andre Art als die ge⸗ i
meinen Haͤuſer der Bauren gebauet, nämlich zum Theil
in die Erde eingelaſſen, von Felsſtuͤcken auf einander ge⸗
ſetzet,
* Hier kann man weiter nachſehen die vom Islaͤnber
1
Theod, Thorlac ſub præſ. ZEgid. Strauch. 1666 zu Witten⸗
berg de Islandia gehaltene Differt, Se&. I. th. 2. aus welchen
ſonſt, weil fie aus andern Büchern und zwar ohne genugfamg
oe nur ausgeſchrieben, wenig Troſtes zu erholen
te ef. ;
Nachrichten von IJsland. 35
ſetzet, mit Erde ohne Kalk verbunden, mit Raſen gede⸗ 5
cket. Selten find fie größer als die gemeinen Beſuch⸗
zimmer in unſern Laͤndern, und ſo niedrig, daß ein Mann
ſtehend bey nahe mit ſeinen Fingern an die Decke reichen
kann. Doch iſt dagegen zu erwegen, daß wegen der viez
len und heftigen uͤber die Inſel faſt beſtaͤndig ſtreichenden
Winde ſich nicht hoch bauen laͤſſet. Die Daͤnen haben
es einſt verſuchet, und ein hoͤhers Gebaͤude uͤber der Er⸗
de auf einer ebenen Wurth, nach Daͤniſcher Art, von
Mauerwerk aufgezogen. Allein den nechſt darauf er⸗
folgten Winter ift daſſelbe ſchon wieder von den Sturm⸗
viden darnieder geworfen, und man genöthiget worden
nach Landesbrauch von neuen eine Kirche in die Erde
zum Theil eingeſenket und fein niedrig, zu bauen. Das
inwendige kommt mit den auswendigen vollkommen uͤber⸗ ]
ein, und weiſet wenig oder nichts, das einer Kirchen |
ähnlich wäre. Derjenige, welcher derſelben zu nechſt |
wohnet, und gemeiniglich einige Aufſicht auf das Ge
baͤude hat, ſtellet zur Belohnung fuͤr ſeine Mühe ſeine
Kaſten und Unkrahm, wie man ſagt, hinein. Worauf
waͤhrenden Gottes dienſt die Gemeine ſtat der Stuͤhle ſich
ſetzet. Jedoch dieſes moͤgte leicht gut genug ſeyn, wenn
man nur, wie von dem einfaͤltigen ſchlechten Weſen der
erſten Chriſten, auch hier ſagen koͤnnte: bölzerneRirs
chen, guͤldene Prediger! und der Hauptzweck der
Kirchenhaͤuſer, naͤmlich der Unterricht und Wachsthum
im Glauben und gottſeligen Wandel darin getrieben und
erlernet wuͤrde. Allein ſo vernehme leyder, daß es da⸗
hier noch mit keinem Dinge ſchlechter, als mit dem lie⸗
ben Chriſtenthum bewandt ſey.
| §. CIV, Die Geiſtlichkeit taugt, überhaupt zu re⸗ Befchaffens
den, nichts. Die allermeiſten haben nichts geacnet, d e
kommen ſelten weiter, als in die Biſchoͤfliche Schulen, 19
und leſen kaum das Latein. Sind dabey hoͤchſt liederlich
und dem Geſoͤffe des Branteweins ohne alle Maße und
J 4 Scham
36 Nachrichten von Island. |
Scham ergeben. Mannigmahl koͤmmt der Pfaffe ſo
trunken auf die Kanzel, daß er gleich wieder herunter
ſteigen, und der Kuͤſter aus einer Poſtill der Gemeine et⸗
was vorleſen muß. Mannigmahl ſetzen ſich Lehrer und
„Zuhörer (wie denn ſolche Exempel nichts anders als folde
Folgen nach ſich ziehen koͤnnen) vor der Predigt ſchon
mit einander in ſolchen Zuſtand, daß man den Gottes⸗
dienſt fur das mahl gar einſtellen muß. | Han
Von Enie $. CV. Die Jugend wird wenig und nur auf eine
Jugend. kurze Zeit zur Schulen geſchicket, vielmehr durchgehende
von den Aeltern, ſo bald ſie nur ein wenig mit angreifen
kann, daheime behalten, und zu allerley Haus - und ane
derer Arbeit angewehnet: dabey aber zugleich durch jener
ẘÿäüuͤſtes und heilloſe Vorbild zur en Nachfolge faſt
unüberwindlich gereizet, und in Grund verderbet. Zwar
nimmt man ſie wegen der vielen 1 in denen
ſie ſtets auf der See unterworfen ſind, ſchon im achten
oder neunten Jahr zum heil. Abendmahl mit. Allein
mit welchem Unterricht und Vorbereitung, iſt ohnſchwer
zu ermeſſen. Sk Un
Laſter der §. CVI. Der ganze Haufe weiß alſo wenig von
Alten. Gott und ſeinem Willen. Die meiſten ſind aberglaͤu⸗
biſch und leichtſinnig in Schweren: ſo daß mancher ſich
kein Gewiſſen macht fuͤr ein paar Mark wider ſeinen
naͤchſten Blutsverwandten einen falſchen Eyd zu thun.
Sind zaͤnkiſch und boshaftig, rachgierig, haͤmiſch und
tuͤckiſch: unmaͤßig, geil und unzuͤchtig, betrieglich und
( diebiſch. Ja was kann man von Leuten, die ohne inner⸗
lichen Zaum, ohne rechte aͤußerliche Aufſicht, in der £
größten Ungebundenheit, in Wuͤſten und auf dem Meer,
unter ſtetigen Gelegenheiten unvermerkt und folglich un⸗
geftraft ihre Begierden zu erfüllen dahin leben, annebſt
an der fruchtbarſten Mutter aller Laſter, der Trunken⸗
heit, ſo gar ſtark, ſo beſtaͤndig und ſo durchgaͤngig liegen
und ſaugen, N für Untugenden vermuthen ? Ich ger.
ſchweige
75
*
Nachrichten von Island. 17
ſchweige was zuweilen ex rationibus politicis nachgeſehen
wird, oder allhier werden muß, ſo mir zu beurtheilen
nicht gebuͤhret. Nur eines Vorfalls zu gedenken: hat
es vor nicht gar langen Jahren, als die Inſel durch eine
anfaͤllige Seuche, oder klebende toͤdtliche Blattern bey
nahe ausgeſtorben geweſen, ſich zugetragen, daß man zu
deſto geſchwinderer Wiederbevoͤlkerung derſelben, weil |
nicht gar viel aus andern Koͤnigl. Landen dahin zu ziehen
zuſt bezeuget, den Mädchen nachgelaſſen, ihr Vaterland
bis mit ſechs unehelichen Kindern, ihren jungfraͤulichen
Ehren ohnbeſchadet, zu beſeligen. Jedoch weil dieſe
gutwillige Creaturen ſich gar zu milde und faſt verſchwen⸗
deriſch erwieſen, hat die Obrigkeit ſich bald genoͤthiget ge⸗
ſehen, ihrem ſchaͤndlichen Eyfer Einhalt zu thun, und
ſich dazu, wo ichs glauben darf, einer dem Verbrechen
ähnlichen Strafart, die ich nicht ausdrucken mag, zu ge⸗
brauchen.
8. CVIL.: Ihre Seyrathen belli fü e ihren Hochzeit
Gemuͤthsneigungen und Umſtaͤnden nach, mit wenig ge
Ceremonien, Braut und Bräutigam werden von den
beyderſeitigen naͤchſten Anverwandten zur Kirchen gefuͤh⸗
ret, und daſelbſt von dem Prieſter zuſammen gegeben.
Darnach treten dieſe drey oben in der Kirche an die Wand |
hin: neben welchen die Verwandte zu beyden Seiten ſich
ſtellen. Die Braut laͤſſet ſich einen Becher mit Branter
wein geben, (denn keine Zuſammenkunft, vielweniger
eine dergleichen feyerliche, kann von ihnen ohne dieſes
über alles geſchaͤtzte herzerfreuende Naß gehalten werden
und bringet denſelben ihrer naͤchſten Nachbarin zu, der
fie zugleich durch muntere Ausleerung deſſelben ein aufer⸗
weckliches Beyſpiel giebet. Der Braͤutigam thut ein
gleiches auf ſeiner Seiten. Und damit gehen die Be⸗
cher fo lange rum, als man fie in der, Hand, und ſich
felbſt auf den Beinen Wa kann.
ame
\
Sie find
en aber
Schach⸗
Sa
|
Von ihrer
Art zu tan⸗
zen.
Ven dem
Civilregi⸗
ment.
s Nachrichten von Island.
$. CvIII. Weil fie, wenn die Fiſchzeit vorben, man?
che muͤßige Stunde, und viele lange Nächte haben, aber
nicht gern mehr, als unumgänglich, arbeiten moͤgen: ſo
legen ſie ſich aufs Spiel, abſonderlich aufs Schachſpiel:
worin ſie, wie ihre deshalb gar beruͤhmte uralte Vorfah⸗
ren, annoch große Meiſter ſind: auch auf ein gewiſſes
.
Kartenſpiel, deſſen eigentliche Beſchaffenheit ich, we⸗
gen beywohnender Unerfahrenheit i in dergleichen Dingen,
nicht wohl begreifen koͤnnen.
§. CIX. Das Tanzen, wovon fie große iebhaber
ſind, geſchieht auf eine altvaͤteriſche einfaͤltige Art. Mann
und Weib ſtehen gegen einander und huͤpfen und fallen,
ohne die Stelle zu veraͤndern, wechſelsweiſe von einem
Bein auf das andre, entweder nach dem Geſange der Al⸗
ten, (die in angenehmer Zuruͤckerinnerung voriger Zeiten
der Jugend nunmehro darunter mit Luſt an die Hand ge⸗
hen,) oder nach dem Geſchnarre eines ſchmalen Inſtru⸗
ments mit vier Sayten, die mit der einen Hand gedruckt
und mit der andern geriffen werden.
$. cx. So viel endlich das weltliche Regiment
anbelanget, davon ich nach meinem gegenwaͤrtigen Zweck
nur aufs kuͤrzeſte Erwehnung thue: ſo hat Ihro Koͤnigl.
Maj. von Daͤnnemark, als Landesherr, allhier einen
weſen ift, der ſich dieſes anſehnliche Amt zur Gnade oder a
Belohnung fuͤr geleiftete Dienfte ausgebeten hat. Es
wohnet derſelbe auf der Weſtſeiten zu Beſteſtet Kongs-
Amtmann; welcher iedoch kein Edelmann, ſondern ge⸗
meiniglich nur eines großen Miniſtri bey Hofe Secreta⸗ ;
rius, oder ſonſt verdienter, oder beliebter Bedienter N
>
gaard und hat 400 Thaler Species jährlich vom Koͤni⸗
ge, und darneben an zufälligen Einkünften noch mehr
als einmahl fo viel zu genießen. Er iſt der oberſte Rich⸗
ter in Ciuilibus und Criminalibus. Naͤchſt dem Amt⸗
mann ift der Rönigsvogt, der an einem Orte mit ihm
wohnet, und N 200 Thaler Beſoldung ziehet.
| DIV)
ofür |
Nachrichten von Island. 39
Wofür er alle Pachtgelder und andre Einkuͤnfte des ganz
zen Landes fuͤr die Koͤnigl. Kammer einzuheben und zu
berechnen hat.
S. CK. Die Pachtungen aller Häfen belaufen Wie hoch
ſich jährlich auf zwanzig tauſend Speciesthaler und die Konigske⸗
Miethen, welche der König von gewiſſen ihme zuſtaͤn⸗ venus aus
digen Gebäuden hat, betragen noch acht tauſend Thaler. nel
Von einigen Landſtrichen bekoͤmmt der König auch J von
dem eingefuͤhrten Fiſchzehenden. Ueberdem giebet ein
ieder Unterthan, der uͤber 20 Thaler (es ſey wenig oder
viel) im Vermoͤgen hat, an den Koͤnig des Jahres eins
für alles 40 Fiſche. Ferner find drey Low⸗ men
Landrichter oder Schulzen, (Landsdommer bey den Där -
nen) deren iedweder ſeinen Landſtrich oder Amt, und noch
vier und zwanzig Syslomen * davon ein ieder ein
Dorf oder kleines Gebiet unter ſich hat. Dergleichen
bey den Daͤnen Herredsdommere genennet werden.
§. CXII. Die Richtſchnur, wornach geurtheilet Von ihren
wird, ift ein altes in Islaͤndiſcher Sprache abgefaſſetes Geſetzen.
Å er Rechts
* Isl. Coymadr. Goth. Loegmadr. St. Ol. Saga c. 70.
ap. Verel. Index Prouincialis. Suec. Lagman, und Bayſaga
eft diſtrictus vel iurisdictio prouincialis Iudicis ap. eund. Ve-
rel. Es heißet Rechtsmann, oder Richter, der das Recht
ſpricht vom Lag, Lage, ſo bey den Goth. Suec. Lex, Ius,
Statutum heißet, und von den Dänen Low ausgeſprochen
wird. A. S. Laga, oder Laha, lex, Lagu, ius. Lag - breca,
transgreflor legis, Lahbrice (Geſetzbruch) legis violatio.
Lab-man legis peritus etc. apud Somner. Vocab. Ang Sax.
Welches alles von dem Stammwort Legen, ponere, impo-
nere herkoͤmmt, und iſt Lage, Auflage, Satzung, die Ver⸗
ordnung, das Recht, welches die Obrigkeit den Unterthanen
aufleget, daß ſie ſich in ihrem Thun und Laſſen darnach richten
ſollen. |
** Isl, Syslu⸗madr Toparcha, von Sysla, Prouincia,
Officium. Gudm. Andr. Lexic. welches herſtammet von
Sysla, curare, beſorgen, verwalten, Olau: Sag. - C. 58.
ap. Verel. in Indic. KEN: EN
1"
140 Nachrichten von Island.
Rechtsbuch oder Statutum *, das fo genannte Thriſtna⸗
Raͤtten oder jus Eccleſiaſticum und Storndommen,
e RS Mae | oder
Welches von dem Norwegiſchen Koͤnige Magno La-
gabaeter (d. i. Geſetzbeſſerer) gegeben, annoch in der Iten Is⸗
länsifchen Sprache geſchrieben von dem Loyſaga (Rechts ⸗
fprecher) Iona im Jahr 1280 oder 1281 nach Island hinüber
geb acht, und eingeführet (von welchem es noch Jons - bok,
Codex Jonae genennet wird auch endlich zu Skalholt gedruckt
worden. Vor welchem gleichwohl noch aͤltere Geſetze daſelbſt im
Gebrauch geweſen ſeyn ſollen, die einer Ifiotus (etwa ums Jahr
925) gegeben hat Vid Arii Thorgilſis filii cognomento
Froda i. e. Polyhiftoris Schedas cap. III. ibique Buſſaeum
in Not. Es iſt aber bey dieſer Gelegenheit zu merken, daß
die itzige Islaͤndiſche Sprache bey weiten nicht mehr ſo rein,
als die alte ſondern mit vielen Norwegiſchen und Daͤniſchen
Woͤrtern, Endigungen und ſo weiter vermiſchet ſey Sonſt
weis man daß die alte Nordiſche Sprache (Noroͤno Malo,
oder Noraͤnu Tongu) man nenne fie mit O. Sperling. in
Comment. de lingua Danica, den Herren Daͤnen zu gefal⸗
len die Altdaͤniſche, oder mit Verelio und andern Schwedi⸗
ſchen Herausgebern und Auslegern der verfchiedenen alten
Saga, die Altgothiſche, (Gautamaal) und Altſchwediſche, am
allerlängften in dieſer entlegenen Inſel und in Feroe ſich in
ihrer alten Reiniskeit, ohne Vermiſchung mit neugemachten,
oder fremden Worten und Redensarten, erhalten habe. Vid.
Worm Literatur. Runica cap. 27. p. 137. Daher zu bedauern,
daß fie in neuern Zeiten, und abſonderlich nach dem vorhin
erwehnten großen Sterben, durch Einfuͤhrung vieler Fremden
einen faſt toͤdtlichen Stoß bekommen, auch taͤglich noch durch
den ſtetigen Umgang mit den Daͤnen, als ihren Obern, mehr
und mehr verdrungen, oder verbaſtartet wird. Wer die Ur⸗
ſpruͤnge und Ableitungen, die eigentliche Bedeutungen und
den bewundernswuͤrdigen Zuſammenhang der itzigen Nordi⸗
ſchen Sprachen etwas tiefer eingeſehen, der weis, was die
wenigen Ueberbleibſel, die man noch von den alten Islaͤndi⸗
ſchen oder Nordiſchen hat, fuͤr ein beſonders Licht dazu an⸗
zuͤnden. Sie iſt nicht allein der Schluͤſſel zu den Runiſchen,
Gothiſchen (in fo fern dieſe nicht an ſich Islaͤndiſch find)
ſondern auch in gar vielen zu dem Norwegiſchen, Daͤnſſchen,
Schwediſchen, und weiſet viele verlohene Wörter und die
Verwandſchaft mit denſelben in der Nieder⸗ und RN j
| e Hol.
/
—
—
Nachrichten von Island. 141
oder Richterbuch, ſo von Friderico II. confirmiret wor⸗
den, nebſt einigen neuern Koͤnigl. Reſcriptis. Cs fol
aber der hoͤchſtſel. König Fridericus IV. gewiſſen er⸗
fahrnen Perſonen aufgegeben haben ein neues Geſetzbuch
zu verfertigen, und alles auf den Norwegiſchen Fuß
(worauf Sr. Majeſt. es der Uniformitaͤt halber wollen
geſetzet haben) zu richten. Womit es aber noch nicht bis |
zum Stande und Richtigkeit gekommen. Immittelſt
ſprechen die Richter nach ietzt angezogenen Rechten ſol⸗
chergeſtalt, daß ſie, ſo viel die Erbfaͤlle, und liegende Gruͤn⸗
de, abſonderlich die Stammguͤter betrifft, nach dem tom
buche, in geiſtlichen Sachen meiſtentheils nach dem
Chriſtna⸗Raͤtten, und in uͤbrigen auch in den Forma⸗
lien und Malefizfaͤllen, nach dem Codice Chriftianeo
und Stora Dommen, ſonſt aber nach den von Zeit zu
Zeit ergangenen Koͤnigl. Reſeripten, Edieten und Lan⸗
desgebraͤuchen, ſich richten, welches ohne Confuſion
nicht abgehen kann . Doch wird es allem Vermuthen
nach |
Hollaͤndiſchen, Angelſaͤchſiſchen und Engliſchen Sprache, ja
fie zeiget oft mehr, als man meinen follte, die Verwandſchaft
aller itzterwehnten Mundarten mit den Aftatifchen Sprachen.
Denn fie iſt die Aſamaal, oder die Sprache, welche die Afae
unter Othino u. ſ. w. aus Aſien ſich mit nach Norden gebracht:
wovon ein beſonderer und gar viel in receſſu habender locus
aus dem Cod. Reg. Dan. Eddae Islandicae von D O. Sper-
ling. cit. commentar. p. 38 angeführet wird. Add. Perings«
kiold Not. ad Vit. Theodoric. Reg. Gothor. p. 353 ſeq. Um
ſo mehr aber waͤre wohl zu wuͤnſchen, daß man ein recht⸗
ſchaffenes und vollſtaͤndiges Dickionarium von dem alten
Islaͤndiſchen hätte, oder daß wenigſtens das in der Koͤnigli⸗
chen Bibliothek zu Copenhagen befindliche aus verſchiedenen
Voluminibus in Fol. beſtehende Dictionar. MSc. Islandic.
(woran, wie ich vormals von dem ſel. Baron von Sparwen⸗
feldt vernommen, ein paar Buchſtaben fehlen ſollen) annoch
ganz waͤre, oder wieder ergaͤnzet werden koͤnnte: ſo wuͤrde
man gewiß in dieſem Stud gar viele bis hieher unglaubliche
Dinge der gelehrten Welt vor Augen zu legen im Stande
ſeyn. eee AE GER
Es ift ohnſchwer zu ermeſſen, daß es nicht 5
0 ſeyn
/
Von To⸗
des 19 10 5
und we
1 ak
nes e
tet.
Concluſio.
142 Nachrichten von Alu
nach hier im Lande unter den Ingeſeſſenen, wohl nicht .
viele wichtige Proceſſe geben. Zwiſchen den Bifchöffen und
Koͤnigsvoͤgten hat man vor dieſen etwa einen oder andern
gehabt, welche durch Appellation unmittelbar an den
Koͤnig gediehen. Dergleichen Appellationes aber e ;
ſehr ſelten und koſtbar ſeyn.
F. CXIIL Die Execution beydes in Malefiz⸗ 10
e Civilfaͤllen verrichten die Unterrichter ſelber. Das
Foͤpfen geſchieht mit einem Beil. Das Saͤngen an
einem großen Brecheiſen oder ſo genannten eiſernen Baum,
welcher in eine Ritze einer Klippen feſt eingeſchlagen, und
der Miſſethaͤter daran geknuͤpfet wird, der gemeiniglich
eine gute Weile zappelt, ehe er ſeinen Geiſt aufgiebet.
Die Weiber, welche das Leben verwirket e wer⸗
den alle geſaͤcket.
$. CXIV. Zum Beschluß will 10 eine Erzehlung
von einem Islaͤnder von 14 oder 15 Jahren, den Herr
M- r einſt mit herausgebracht, hier anfügen, um zu zei⸗
gen, wie dieſe Menſchen ſich gebaͤrden, wenn ſie gleich⸗
ſam in eine neue Welt verſetzet werden. Dieſer junge
Menſch, als das Schiff nahe bey der nicht weit vom
Munde der Elbe gelegenen Inſel Hilgeland. welche das er⸗
fie Sand. geweſen, fo ſie nach der Abfahrt von Island zu Ger
ſichte bekommen, vorbey geſeegelt, hat die Kirche und Haͤu⸗
1 allda für fo viel Klippen oder Felſen angefehen, und
ſich nicht bereden laſſen wollen, daß dieſelbe von Men⸗
ens verfertiget waͤren. Als er in Gluͤckſtadt an⸗
gelanget hat er nicht 2 5 was er aus den Haͤuſern
und
ſeyn 10 als wie der Herr Juſtibrath Hoier in feiner Idaea
Ii Danici p. I. g. 7 ſchreibet: Quae omnia efficiunt, vt iu-
risprudentia Islandica, maxime autem proceſſus ſit longe
perplexior apud illos, quam in omnibus rekiquis Danici aut
e regni Feen
4
Nachrichten von Island. | 143
und den vielen Fenſtern machen ſollen. Als er nach Ham⸗
burg gebracht, und durch die Gaſſen gefuͤhret worden, iſt
er ganz verwirret und ſtumm, den Kopf ſtets von einer
Seiten auf die andere drehend, und die großen Gebaͤude
anſtarrend, auf⸗ und niedergegangen. Sein Herr, der
an ſeinem Betragen ſeine Luſt gehabt, hat ihn gar mit in
die Oper genommen, um zu ſehen, wie er ſich darin gebaͤr⸗
den, und was er davon urtheilen wuͤrde. Bey der Mufic
hat er allerley Grimagen gemachet. Als man den Bor:
hang aufgezogen, iſt er ganz erſtaunet geſeſſen, ohne die
Augen abzukehren, oder ein Glied am Leibe zu regen, viel⸗
weniger ein Woͤrtchen zu ſprechen. Da aber nach Gele⸗
genheit des Spiels ohngefaͤhr ein großer Drache aufs
Theatrum gekommen, aus deſſen offenen Rachen einige
Teufelslarven hervorgeſprungen, die ein Ballet zu tanzen
angehoben, iſt er auf einmal wie ein Blitz unter die Bank
gefahren, hat ſich auch aller Zured- und Vorſtellung ohne
erachtet, nicht bewegen laſſen wollen, wieder hervorzu⸗
kommen, ſondern iſt dabey immer geblieben: es waͤre lau⸗
ter Teufelswerk, Menſchenhaͤnde koͤnnten dergleichen
ohnmoͤglich hervorbringen; er haͤtte leibhafte Teufel ge⸗
ſehen; moͤchte damit nichts zu ſchaffen haben. Warum
man ihn an einen folden Ort gebracht? Man möchte,
doch um des Himmels willen wieder mit ihm hinaus ge⸗
hen, ehe die Teufel näher kaͤmen u. d. gl. Zwar hat er
nachher endlich ſich bedeuten laſſen, daß die Acteurs Men⸗
ſchen, und die Auszierungen von Menſchenhaͤnden alſo
gemachet geweſen, doch hat man ihm keinesweges auszu⸗
reden vermocht, daß die Larven keine rechte Teufel gewe⸗
fen. Uebrigens ift er bald kluͤger geworden, hat in fur:
zen gut ſchreiben und rechnen gelernet, auch in Hands
lungsdienſten ſich vernuͤnftig genug erwieſen. Weswe⸗
gen ſein Herr ſich alle Muͤhe gegeben, ihn wohl anzufuͤh⸗
ren, und irgend in Hollſtein oder Daͤnnemark zu etabliren.
Was er aber auch gethan, iſt doch alles umſonſt gewe⸗
. een,
144 Nachrichten von land.
fen, und er wegen anhaltender Sehnſucht des Menſchen ’
nach feinem Vaterlande, davor man ihn nie recht frölich
geſehen, zuletzt genoͤthiget worden, ihn, damit er nicht
ins Kranken verfallen möchte, wieder heimzuſchicken.
Allwo er noch lebet, ſich in allem Schmutz geſund 1 ;
a auch feine Sachen recht wohl treiber, 5
Und dieſes iſts, was ich von Island ae) bein, 2
gen können. Mir foll es lieb ſeyn, und ich wuͤnſche, daß
einer, der mehr Wiſſenſchaft „Gelegenheit und Muße
hat, ſich die Muͤhe geben moͤge, es dem großen Schoͤpf⸗
fer zu Ehren und den aufmerkſamen Menſchen zum
Unterricht und Vergnuͤgen zu vermehren
und zu verbeſſern.
==
| Ruhe
se
salon
„
Em Duni.
Eingang,
s iſt nunmehro weltkuͤndig, welcher⸗
geſtalten des Hochſel. Koͤnigs ut
Daͤnnemark Friderici IV. Majeſtaͤt
nach Dero vielfältig bezeigtem Eifer
5 fuͤr die Ausbreitung des Evangelii
auch bey den Groͤnlaͤndern in der Straat Das
vis in folder Abſicht ein Paar Colonien mit ver⸗
ordneten Predigern an beqvemen Orten ange⸗
ſtellet. So bald mir hiervon theils aus den ge⸗
meinen, theils aus beſondern Zeitungen etwas zu
Ohren gekommen: habe ich mich bemuͤhet, ſo
wohl von den Umſtaͤnden ſothaner Colonien, als
beſonders von der Beſchaffenheit daſiger Lander
und ihrer Einwohner, wovon man bis daher we⸗
nig rechtes gewußt, eigentliche, umſtaͤndliche und
zuverlaͤßige Kundſchaften moͤglichſter maßen em
zuziehen. Ich habe inſonderheit laſſen Schiffer
zu mir kommen, ſo fuͤr die Geſellſchaft in Ber⸗
gen, und nachher fuͤr den itzigen Koͤnig dahin
gefahren, und mehr als ein Jahr am Lande und
unter den Wilden zugebracht haben. Nachdem
| K 2 | ich
8 8 0 2
ich nun von denſelben gar genaue, gute uud SÅ a
mehr als einem Gebrauch zu wiſſen dienſame |
1
Nachrichten erforſchet und erfraget; anbey wahr⸗
genommen, daß von denen, ſo naͤher ſind, und
größere Beqvemlichkeit was vollſtändiges zu 0
ſammlen haben, in aller Zeit außer dem in Daͤ⸗
niſcher Sprache unter dem Titel: Det gan.
ze Groͤnlands nye Perluſtration in Copen⸗
hagen 1729 in Octav herausgekommenen noch
unvollkommenen Werklein, nichts der Welt mit⸗
getheilet worden; ſo habe ich mich entſchloſſen,
beſonders meinen Deutſchen zu gefallen, was ich
darunter zuverlaͤßig in Erfahrung gebracht, mit
einigen Anmerkungen auf eine verhoffentlich nicht
unangenehme, noch unnutzbare Art in folgenden
Blaͤttern durch den Druck gemein zu machen.
Weil aber die angelegten Colonien nicht nur das
Hauptwerk ſind, ſondern auch, was man von
dem Lande und deſſen Bewohnern weiß, man ihnen
w danken hat, fo muß ich Billig von denſelben en
BIRNEN: W a
TEN IE Vs m NA & |
BER 7 108 \ \ 8 SS 1 277 VUN N |
4 — N u | Å | Q >
2 IN == AN il
.
Le or ee e
F
in eifriger Prediger in Drontheim, Nahmens erſſe Du
vans Egede, welcher einen beſondern uche Che
Trieb die armen blinden Gronlånder zur Er⸗ Srönlan, BR
fänntniß des wahren Gottes und ſeines Hei⸗ Sreaße der
ig landes zu bringen, bey ſich verſpuͤrete, verließ ſeine in Davis)
Norwegen habende zwar nur mittelmaͤßige, doch der
Kummer⸗ und Elendvollen Mißion in Groͤnland weit
vorzuziehende Pfarre, und begab ſich Anno 1718 nach
Bergen, Anno 1719 aber vollends nach a
Woſelbſt er fein Vorhaben und feine Vorſchlaͤge, die er vor
hin bereits etliche mahl durch anhero geſandte Memoria⸗
len kund gemacht, aber keine vergnuͤgliche Antwort dar⸗
auf bekommen, nunmehr gegenwaͤrtig beſſer zu betreiben
und zum erwuͤnſchten Stande zu bringen, ſich aͤußerſt |
bemuͤhete. Er traf aber allenthalben fo viele und nicht EN
uͤbelgegruͤndete Bedenklichkeiten und Beſorgniſſen an, |
daß es mit dieſer mißlichen Unternehmung nicht ſo fort
wollte, als er wuͤnſchte. Zwar lieſſen einige in Bergen,
ſowohl aus Chriſtlichem Gemuͤthe die Bekehrung ſo vielen
elenden Heiden zu unterſtuͤtzen, als durch die anſcheinende
Hoffnung einigen Vortheil bey dieſen Leuten (weil der 105
Wallfiſch ſeit einigen Jahren von Spitzbergen ſich ſehr
verlaufen, und in dem Straat Davis ſich ziemlich haͤuſig |
findet) zu machen, ſich bewegen, daß fie unter fic eine
Geſellſchaft flifteten, um eine Colonie auf einer begve⸗
men Inſel unter Koͤniglicher Octroy, wenn fie ſolche er⸗ |
halten koͤnnten, aufzurichten. Allein in Copenhagen
war ſonderlich niemand, der daran Theil zu nehmen be⸗
i gehrte, und der fortdaurende lange Krieg blieb eine un⸗
uͤberwindliche Hinderniß. Indeſſen machte gleichwohl
der Bergiſche Kaufmann, vor ſich einen und andern Ver⸗
| ſuch der eee nicht verminderte.
K 3 Endlich
150 Nachrichten von Groͤnland
Endlich war er auch ſo gluͤcklich, daß der Koͤnig im
Jahr 1721 feine allerhoͤchſte Zuſtimmung ertheilete und fo
wohl ihme dem Prediger, als der ſich meldenden Hand⸗
lungsgeſellſchaft in Bergen die benöthigte Ausfertigun⸗
gen und Octroyen gab. Zu mehrerer Befoͤderung des
Werks wurde eine Lotterie angeſtellet, worinn die Ge
winne theils in baarem Gelde, theils in Actien, das iſt
in einem oder mehreren Antheilen in der Straat⸗Davis⸗
geſellſchaft und Rhederey auf den neuen Wallfiſchfang
beſtand. Es ſoll aber wegen ſchlechter Auffuͤhrung der
Directorum, und, weil dasjenige, was dadurch zuſam⸗
men gebracht, bald alle worden, dem Werke damit wenig
gedienet geweſen ſeyn. Wannenhero auf Koͤnigl. gnaͤ :
digſten Befehl eine ordentliche Schatzung an alle Staͤdte
ſo wohl, als an die geiſtlichen und weltlichen Bediente
hendes im Koͤnigreich Daͤnnemark und Norwegen ergan⸗
gen, die denn eine erkleckliche Summe Geldes, wie ohn⸗
ſchwer zu ermeſſen, ausgetragen, womit ein guter Anfang
in der Sache gemacht, und allerley erforderliche Noth⸗
wendigkeiten zu Erricht⸗ und Unterhaltung einer neuen
Colonie beſtritten werden konnten. In dem ermeldeten
1721 Jahre giengen die erſte Schiffe nach Grönland ab,
um einen beqvemen Ort zum Etabliſſement auszuſuchen,
und zu occupiren, auch mit den Wilden ſich bekannt zu
machen, und eine Handlung, ſo viel moͤglich, anzufangen.
Mit welchen der erfreute Geiſtliche ſich ſo eilig auf den
Weg machte, daß er auch ſeiner damals hochſchwangern
Frauen, die eben ſo viel Eifer und Luſt als er zu dieſer
Reiſe bezeugte, nicht ſo viel Zeit ließ, daß ſie noch vorher
auf dem Lande des Kindes häfte geneſen koͤnnen. |
Was fle für. H. II. Die Reiſe ift gegangen von Bergen aus hin
genommen, ker Island, um gegen die Oſtkuͤſte des alten Groͤnlandes,
und wo ſie naͤmlich auf den in der Hoͤhe von 609 belegenen ſo ge⸗
landete“ nannten Staaten⸗Hoeck zu. Allda fie 7 bis 8 Meilen
breit Eis gehabt. Weshalben fie noch 30 bis 40 Mes i
| Å len
If
—
und der Straat Davis. 3
len weſtlich geſeegelt, und darauf immer gegen Norden
hinaufgegangen, und endlich rechter Hand den Wall oder
Land) auf 64° geſuchet. Da fie auf 649, 7 eine Inſel
angetroffen, auf die ſie ſich, weil ſie ſelbe ihrer Abſicht
beqvem geurtheilet, 1721 den 3 Jul. niedergelaſſen, und
fo gut als möglich eingerichtet haben. Dieſe Inſel lieget
in dem Munde der Baals⸗Revier, und heiſſet bey den
Groͤnlaͤndern Kangremijuné: die Dänen aber haben die⸗
ſelbe nach ihrem Schiffe, die Hoffnung genannt, und
voll guter Hoffnung, Gothaab, Gudhoͤp, das ift,
gute Hoffnung benahmet. Ihre Groͤße erſtrecket ſich
nicht viel uͤber eine ſtarke Nordiſche Meile im Umkreis:
und ſie lieget nur ein paar Meilen vom feſten Lande. |
§. III. Die Urſache, warum man fie zur Wohnung Warum fe
erwehlet, beruhet darinn, daß einmahl die Kaͤlte daſelbſt de
im Winter noch ziemlich ertraͤglich ift, und dann auch, erwehlet?
ſowohl Sommers als Winters, eine gute Anzahl von
Wilden oder Ingebohrnen, die ſich in ihrer Sprache
Kalalen nennen, allda beſtaͤndig ſich enthaͤlt, bey denen
man ſo wohl in der Religion als Handlung einen guten
Anfang zu machen, wahrſcheinlichſte Vermuthung hahen
kunnte. Em 81 | | |
§. IV. Als man aber bemerkete, daß der Wallfiſch Die zweyte
ſich daſelbſt eben in verhoffeter Menge nicht finde, ſondern FEE
noch beſſer hinauf Nordwaͤrts zu ſuchen ſey, hat eine einen an⸗
zweyte Colonie mit einem Prediger Nahmens Albert dern Dit
Top von Sogen aus Norland, oder dem noͤrdlichſen
Theile von Norwegen, gebuͤrtig, welcher 1723 im Fruͤh⸗
jahr zu Copenhagen als Groͤnlaͤndiſcher Miflionarius
zum Prieſter ordiniret worden, noch 45 Meilen höher auf⸗
waͤrts in der Straße Davis auf einer Inſel ſo wohl bey
den Groͤnlaͤndern als Dänen Nepifene geheißen, und in
der ſo genannten Widen Fiörd auf 60 ohngefehr belegen,
ſich geſetzet. Dieſe Inſel iſt etwa 30 Meilen von der
großen Inſel Difo und alſo gar nahe bey dem auf der
| K 4 |
neuen
Nachrichten von Grönland
| neuen Paskaart von Laurens Feykes Haan bemerketen
Viſch Plaats und den Walfiſch Eylanden. Wo⸗
ſelbſt der rechte Wallfiſch im Monat Februario und
Beyde
ſind in ih⸗
rem vorge⸗
ſetzten
Hands
lungsend⸗
zweck nicht
glücklich
geweſen.
Martio gar häufig ſich findet, auch von den Groͤnlaͤn⸗
dern gefangen wird, von dannen aber nach und nach an
dem Weſteiſe hin ſeinen Lauf 9 nach der nen
niſchen Kuͤſte nimmt. i
F. V. Allein auch diefer vorthellhaften Sage uner⸗
achtet hat es dennoch mit dieſer Colonie ſo wenig als mit
der erſten nach Wunſch fort gewollt. Zwar iſt man, ſo
viel das Bekehrungswerk antrifft, mit den Grönländern
ohne ſonderliche Schwierigkeit außer der, ſo die Land⸗
ſprache verurſachet, nicht allein weil ſolche an ſich ſelbſt übel
zu faſſen, ſondern auch, weil dieſe elende Menſchen weder
Religion, noch Gottesdienſt kennen, ja keine Worte ha⸗
ben Gott und geiſtliche Dinge, oder was nach Religion
15 ſchmecket, auszudruͤcken) ſonſt noch ziemlich ausgekom⸗
men, anerwogen dieſelbe noch gar nichts von einem Gott
oder Schöpffer wiſſen und mit keinem Vorurtheile eini⸗
men find, auch keine fie abmahnende Prieſter haben, folg?
lich nach der allen Menſchen angebohrnen Neugier mit
erh
davon, 1)
weil ſie ſich
den Wall⸗
fiſchfang
nicht priua-
eiue vindi⸗
eiren koͤn⸗
nen.
Luſt hören und ohnſchwer annehmen, was ihnen gutes
und vernünftiges vorgeſtellet wird. So viel ein Außer:
lich tugendhaftes Leben anbetrifft, hat man faſt mehr von
ihnen zu lernen als ſie zu lehren gehabt, und ihnen nur
deſſen wahren Grund, Umfang und Zweck nach Anlei⸗
tung der heiligen Schrift anzeigen duͤrfen. Aber die ver⸗
muthete Vortheile in der Handelung haben ſich vs wie
man ſich Vätgeſtchet nicht finden wollen.
H. VI. Es find eigentlich nur zwo Ovellen, Weben,
derſelbe dieſer Orten zu ſchoͤpffen ſtehet: die eine iſt der
Wallfiſchfang / oder der davon zu erhaltende Thran und
Barten: die andre die Handelung mit den ingebohr⸗
nen n Groͤnlaͤndern, oder ſo n ar er.
ande
1
ger von ihren Voraͤltern erlerneten Religion eingenom⸗
umd der Straat Davis. 153
Lande. Den Wallfiſchfang aber, der allhier ſonſt ſehr g
wichtig, hat die Compagnie nicht allein, ja ihre Schiffe
ſind die wenigſten. Allermaßen von mehr als anderthalb
hundert Jahren her die Straße Davis von den Hollaͤn⸗
dern *, Hamburgern und andern Völkern beſuchet, ab⸗
ſonderlich aber in Meulichkeit, nachdem man den Walk
fiſch von Spitzbergen, wo ihn fo zu reden ganz Europa
geaͤngſtiget, bey nahe ganz verjaget hat, gar häufig ber
fahren und befiſchet wird. Zwar haͤtte man denken ſol⸗
len, weil die Daͤniſche Colonien den Fiſchgegenden ſo
gar nahe ſind, und der Wallſiſch, wie man wahrgenom⸗
men hat, ſchon im Januar. und Februar. ſich in der
Diſco-Bucht und bey der fo genannten Nepiſſene ſehen
laͤſſet, es würden die Coloniſten wenigſtens viel früher
als alle Fremde, die nur erſt zu Ende des Martii dahin
ſich begeben, zu demſelben kommen, und dieſen vorfiſchen
koͤnnen: allein die Erfahrung lehret, daß die Fremden
eben ſo fruͤhe, und oͤfters noch eher auf dem Fiſchplatze
ſeyn koͤnnen, als jene ſelbſt. Denn fie find des Winters
nicht allein mit gar vielem lange daurenden Eiſe eingeſper⸗ ae
ret, ſondern muͤſſen noch dazu eines guͤnſtigen Windes,
der daſſelbige von ihrem Walle oder Strande wegtreibe,
erwarten, ehe und bevor ſie vom Lande ab⸗ und in die of⸗
fene See zu den Wallfifchen kommen koͤnnen. Wenn
auch etwa dergleichen Wind das Eis fruͤher als ſonſt von
der pære abſetzet, iſt der årene 9 doch noch i ſtren⸗
78
Dieſen haben wir die Charten von biefen 9 5
und deren nach und nach gemachte Verbeſſerung, wiewohl
9
dieſelbe noch weit von der vollkommenen Richtigkeit entfernet
ſind, zu danken. Unter denſelben iſt die beſte, die vorhin an⸗
gefuͤhrte große Charte von Laurens Feykes Haan durch Ger⸗
hard van Keulen herausgegeben, nebſt des itztgedachten Haans
Beſchrywing van de Straat Davis van de Zuydbay tot, om-
het Eyland Diſco. Amftelo:l. 1719, welche nach Seemanns⸗
ſtil mit Direction der ganzen Fahrt, der Meilen, der bra
Ben ſ. w. abefaſſet ift.
—
154 Nachrichten von Groͤnladd
ge, daß beym Rudern auf den Chaloupen, die Ruder im
Reiben an den Dollen (oder Ruderpfloͤcken) ein ſo lau⸗
tes Geknarre, welches auch durch kein Geſchmiere mit
Speck, Fett, Inſchlitt oder dergleichen zu verwehren
oder zu daͤmpfen ſtehet, machen, daß der Wallfiſch, der
ein uͤberaus genaues Gehoͤr hat, dadurch gleichſam ge⸗
warnet und verſcheuchet wird. Worzu ferner noch koͤmmt,
daß, wie die Groͤnlandsfahrer berichten, alles Fiſcher⸗
geraͤthſchaft durch die gar zu ſehr durchdringende Kaͤlte ſo
hart und ſteif wird, daß es ſich nicht handeln laͤſſet. Ja
eben dieſe Kälte ift alsdenn fo heftig, daß die deute von
den Colonien ſolche in den offenen Fahrzeugen ohnmoͤg⸗
lich aushalten koͤnnen, ſondern gegen die Nachtzeit wie⸗
der zu Lande kehren muͤſſen. So viel auch den nachhe⸗
rigen Fang betrifft, ſo iſt am Tage, daß die Geſellſchaft
in Bergen, weil ihre Fiſcherey ſo wenig abwirfft, den
Nachſatz nicht hat, daß ſie ſo viele Schiffe als eigentlich
dazu nöthig, ſelbſt beyſammen zu bringen und auszureh⸗
Baden den vermoͤgte. Denn es koͤmmt beym Fange dieſer Ge⸗
beſſer da, gend gar ſehr auf die Vielheit von Schiffen an, weil der
mit forts Wind ſich auf daſigem Meer oͤfters veraͤndert und bald
kommen. aus Oſten bald aus Weſten kömmt, wodurch einzele
Schiffe in die Verlegenheit gerathen, daß, wenn ihnen
einer von ſolchen Winden auf den Leib ſtehet, und das
Eis zutreibet, der Wallfiſch, fo offen Waſſer haben muß,
vertrieben, und ihnen der Fang ohnmoͤglich gemachet
wird. Dahingegen, wenn ihrer etliche Maſcopey ma⸗
chen, oder zu gleichen Theilen fiſchen, und theils nach ei⸗
ner theils nach der andern Seite ſich halten, es wehe der
Wind, wie er will, wenigſtens ein Theil derſelben alle
mahl das Waſſer offen und Gelegenheit zum Wallfiſch⸗
Fange hat. Dieſes nehmen die Hollaͤnder, die ſo ſtark
fahren, in Acht, und erhalten auch dadurch mit alljaͤhrig,
wie bekannt, ihren ſo guten Fang. Viele in den ver⸗
einigten Provinzen proviantiren auch die Schiffe auf 9
Monat, und laſſen den Fiſch gar bis auf die wan |
seer | nich
—
amd der Straat Davis. 155
niſche Küfte verfolgen, und die Fiſcherey bis zu Ende des
Auguſt⸗Monats fortſetzen. b
§. VII. Nicht weniger Schwierigkeiten finden fi fi ch Zweyte Urs
ben der Handlung, die auf dem Lande mit den Wilden siche A
gefuͤhret werden ſoll. Denn eben dieſer haben die emſige Handlung
Hollaͤnder ſich nicht weniger von Zeit zu Zeit bey aller mich e
Gelegenheit bedienet, und treiben fie auch noch. Zwar behaupten
hat die Rhederey in Bergen, nachdem man auf den obs koͤnnen.
benannten Inſeln Fuß gefaſſet, und die Colonien ange⸗
richtet, auf alle Art geſuchet, ſich dieſer innlaͤndiſchen
Handlung allein zu bemeiſtern und Fremde davon auszu⸗
ſchlieſſen. Man hat des Endes wollen eine kleine Fe⸗
ſtung auf der Suͤdkuͤſte der Inſel Diſco legen, aber da⸗
mit wuͤrde man die weite See nicht haben beſchießen und
behaupten koͤnnen. Darauf iſt in Vorſchlag kommen
2 Fortreſſen, eine auf einer der Wallfiſchinſeln, und die
andere auf einer der Hundeninſeln zu bauen: allein auch
dadurch, weil ſie ſo weit von einander gelegen, daß die
Durchfahrt mit Canonen nicht beſtrichen werden kann,
ſtehet das Durchſchleichen nicht gänzlich zu hemmen:
deswegen man von dieſen Vorſchlaͤgen abgeſtanden. De⸗
me noch hinzukoͤmmt, daß die Wilden lieber mit den Hol⸗ ;
laͤndern, als mit den Dänen handeln, weil jene mit
beſſern und ſchoͤnern Handlungswaaren verſehen, und viel
beſſern Kauf geben und geben koͤnnen, als die Normaͤnner.
Fehlet es alſo auch in dieſem Stuͤcke an einem erklecklichen
Vortheil, der das ganze Werk unterſtuͤtzen und den Kauf⸗
mann in Norwegen und Daͤnnemark anlocken ſollte. 3
Dahingegen ift es fo ſchlecht hiemit befchaffen, daß die
Leute auf den Colonien nicht einmahl für ihre Perſonen
ihren Lebensunterhalt, durch ihre Fiſcherey und Handel -
mit den Ingebornen zu finden und zu verdienen, zurei⸗
chende Gelegenheit haben, ſondern von ihren Principa⸗
len von Haus aus mit allem, was zur Leibes Nahrung
und Nothdurft gehoͤret, ſtets von neuen verſehen werden
muͤſſen. |
g. vil.
\
ø
156 Nachrichten von Grönland
Weiwegen H. VIII. Daher denn die itzt glorwuͤrdig regieren⸗
der nic in de Koͤnigliche Majeſt. bald bey Antritt ihrer Regierung
Koͤnia
gerheſell“ den. Worauf im Herbſt des 1751 Jahrs alle nach den
chaft wie, beyden Kolonien uͤberbrachte Leute, fo viel ihrer noch am
Anemark die Bergiſche Geſellſchaft aufzuheben, allerhoͤchſt gut gefun«
leb Leben geweſen, nachdem ſie die Fenſter ihrer gehabten
Haͤuſerchen mit Brettern vernagelt und die Schluͤſſel auf
wieder davon gezogen, ohne den einzigen treuen Prediger
Egede, welcher ſeine geſammlete Schaͤflein, deren wohl
die Thuͤren geſtecket, mit Sack und Pack insgeſammt
5Oo geweſen ſeyn ſollen, nicht verlaſſen wollen, ſondern
mit etwa 18 Daͤniſchen Leuten, die er bey ihm auszuhal⸗
ten beredet, auf der Hoffnungsinſel zurück verblieben ift,
des feſten Entſchluſſes, davon nicht zu weichen. Woben
er denn auch ſtandhaft verblieben, bis eine unheilbare
Gemuͤths⸗ und Leibeskrankheit 1736 ihn genoͤthiget, ſei⸗
nen Poſten zu verlaſſen und nach Copenhagen zuruͤckzu⸗
kehren.
Jedoch ge⸗ F. IX. Indeſſen laͤſſet nunmehro der Koͤnig für
nah ein Rechnung der Cammer jährlich ein paar Schiffe nach
paar Schif der Straße Davis gehen. Wobey vielleicht die Haupt-
fedabin. ahſicht ſeyn mag, einmal eine Oeffnung, dadurch man
wieder an den Oſttheil des alten für verlohren geſchaͤtz⸗
ten Groͤnlandes ankommen möchte, zu treffen, oder aus⸗
zufinden. Es iſt, ſo lange die Colonien gedauret, auch
dieſerhalben allemal viel Muͤhe geſchehen, und nicht wenig
Geld verwandt worden.
amba 9. X. Ich will davon, fo viel ich von einem ſehr ver
zeit Mühe nuͤnftigen Schiffer, der dazu inſonderheit gebraucht wor⸗
begebe enn den, erfahren, hier kürzlich anfügen. Daß die neuen
der Oſtlſei⸗
ten des als Colonien vor der Weſtküſte des alten Groͤnlandes bele⸗
ken veheh gen geweſen: ſolches ift daraus klar, daß man dieſſeits
re geſchaͤtz⸗ > i ; |
ten Grøn: der Baals-Revier auf dem Lande verfihiedene Ruinen
duandes an⸗ von alten Gemaͤuer angetroffen, und auf 6029 eben bin⸗
nen
und der Straat Davis. 157
nen dem Staaten⸗Hoek nicht nur das Gemaͤuer einer ver⸗ zukommen,
fallenen Kirche mit dem noch ganz kennbaren Chor und eg
Altaruͤberbleibſeln, ſondern noch überdem ein großes
Stuͤck von einer metallenen Glocken, ſo der Finder it
nach Copenhagen gebracht, angetroffen hat. So be⸗
merket man auch noch einige, obgleich ſehr wenige, und
wohl gar in neuern Zeiten erſt erlernete, nordiſche Worte
in der wilden Sprache, und dieſe Wilden wiſſen zu far
gen, daß ihre Voraͤltern anders woher gekommen, und
Menſchen, die vor ihnen im Lande gewohnet, todt geſchla⸗
gen haben. Zu deſſen Andenken ſie noch eine Stelle,
worauf eine große Schlacht gehalten ſeyn ſoll, zeigen, die
daher noch den Namen Pifikslarbick, d. i. Stelle, wo
man mit Bogen ſchieſſet, behalten hat. Es iſt aber
vornehmlich darum zu thun, daß man gern nach der
Oſtſeiten hin will. Denn daſelbſt iſt vor dem der Haupt⸗
ſitz der Chriſten, nach Anweiſung der alten Jahrbuͤcher
und Geſchichte geweſen *, und nicht unwahrſcheinlich zu
vermuthen, wenn man dahin kommen koͤnnte, daß man,
wo nicht noch viele Abkoͤmmlinge der alten Chriſten, den;
noch eine Anzahl von Gebaͤuden, imgleichen von guten
Documenten und dienſamen Nachrichten, nebſt einem ber
wohnbaren Lande daſelbſt antreffen dürfte. Aus der
See an die Oſtkuͤſte anzukommen, ſcheinet dermalen
ſchlechterdings unmoglich. Demjenigen, der mir dieſe
Nachricht gegeben, iſt es einſten in ſo ferne geglückt, daß
er bis auf zwo Meilen hinzugekommen „aber weiter zu
gelangen, iſt ihm des vorliegenden geſchloſſenen Eiſes
halber durchaus nicht moͤglich geweſen; ja er hat Noth
und Muͤhe genug gehabt, ſich wieder zuruͤck und aus dem
lostreibenden Eiſe heraus in die offene See zu arbeiten.
Es liegen namlich nicht nur vor der Kuͤſte her ganz enge
. Schaͤren
In dieſem oͤſtlichen Theile Oeſter⸗ Bygd) ſollen ge-
weſen ſeyn: ein Biſchofthum, 30 Kloͤſter, 12 e und
g * |. a | ;
58 Nachrichten von Grönland
Schaͤren in unfäglicher Menge, worhinter und wozwi⸗
ſchen alles von Eis verſtopfet iſt, ſondern es treibet und
ſtehet auch außen vor denſelben bis auf einige Meilen
in der See beſtaͤndig Jahr aus Jahr ein entſetzlich viel
Treibeis, welches vom Nordpol, von Spitzbergen u. ſ. f.
ohnaufhoͤrlich herunter koͤmmt, und durch den Strom
und Wind gegen dieſe Kuͤſte getrieben „auch nur zuweilen
etwas davon durch einen ſehr ſtarken Strom den Staa⸗
ten⸗Hoek vorbey geſetzet wird. Der beregte Schiffer hat
bey der Gelegenheit, daß er allhier durchzuſchluͤpfen ge⸗
meinet, aber nicht gekonnt, ſich viel Muͤhe gegeben, die
auf der Charte angedeutete Reſte des verſunkenen Lanz
des von Bus zu finden, indem er über ein paar Mona⸗
te daſelbſt zugebracht, und nach allen Seiten in die 50
Meilen gekreuzet: Er hat aber keine Spur von ande
ſondern uͤberall eine große Tiefe gefunden, und nur bloß
auf eine kleine £ånge, der Tiefe von 100 Faden ohnerachtet,
eine unbegreifliche Brandung, wodurch das Waſſer da⸗
ſelbſt Höher, als auf der See rings umher geſtanden, und
ein gruͤnliches Waſſer nebſt einer treibenden Menge von
allerley gruͤnen Seekraute bemerket. Iſt nicht die wahr⸗
ſcheinlichſte Vermuthung, daß im Grunde heiße Spring⸗
Qvellen ſeyn werden, die dieſe Feen und dieſes Ge⸗ |
Fräufel des Waſſers verurſachen? 4
ien ſowe⸗ H. XL. Nachdem aber fo wenig ere anfeheinet,
| 3 den geradeſten Weg durchs Eis ans Land zu gelangen, ſo
der Wei: hat man um fo forgfältiger geſuchet, von der Weſtſeite
| erden und alfo von hinten zu über Land hineinzukommen. Ak
koͤnnen. lein, da findet ſich auf der Weſtkuͤſte die ganze Lange her
eine Kette von Felſen, die mit nimmer ſchmelzenden
Schnee und Eis bedecket, auch die dazwiſchen gelegene
Thaͤler eben damit dermaßen angefuͤllet find, daß wegen
der Stuͤrzfaͤlle, der großen Kluͤfte und Schrunden und
des bruͤchigen falſchen Eiſes ganz unmöglich ift, darüber
hinzukommen. Der beregte Ai ip: eg 20 wi
eife
und der Straat Davis. 159
Weiſe und ſelbſt auf den langen hölzernen Fußbrettern, de⸗
ren ſich bekanntlich die Lappen und andere zu den Win⸗
terzuͤgen bedienen *, verſuchet, aber wegen obangefuͤhrtern
Umſtaͤnde nicht gar weit ins Land fortkommen koͤnnen,
ſondern nachdem er einen von ſeinen Leuten, der ſich noch
etwas weiter voraus gewaget, und vor ihren Augen ver⸗
ſunken, daß ſie zwar ſein Schreyen und Winſeln hoͤren,
aber ihm nicht beykommen moͤgen, verlohren, ohne die⸗
ſen Menſchen, und ohne alle Hoffnung iemals weiter zu
kommen, wiederum zuruͤckkehren muͤſſen. Es iſt auch an
der Kuͤſte hin ſowohl hinaufwaͤrts, ſo weit man nur kom⸗
men koͤnnen, als unterwaͤrts bis auf 60° mit einem gros⸗
ſen Bothe mehrmalen ein Verſuch, ob irgend durch einen
Fluß, oder Straße, durchzukommen, geſchehen, aber bisher
noch alles vergebens. Indeſſen hat ſich bey dieſer Gele⸗
genheit (welches ich zur Verbeſſerung der Geographie an⸗
zumerken, nicht unterlaſſen wollen) gezeiget, daß die ſo
genannte Forbiſſerſtraße entweder ein irriges Vorge⸗
ben, oder nunmehro mit Eis und Schnee dergeſtalt aus⸗
| gefüllet und verdecket, daß fie nicht mehr zu kennen, viel»
weniger zu paßiren iſt. Und die Wahrheit zu geſtehen,
man findet auch in den vorhandenen Beſchreibungen von
Groͤnland, die doch die Meerbuſen, Buchten und Wins
keln umſtaͤndlich und eigentlich genug angemerket, gar
nichts von Sunden, oder Straſſen, die das Land von ein⸗
ander theilen ſollten. So wiſſen auch die Groͤnlaͤnder,
die dort herum wohnen, und daruͤber fleißig befraget wor⸗
den, von einer Durchfahrt das geringſte nicht zu ſagen.
Wie denn auch der ſo genannte Baͤrenſund bey weiten
nicht fo tief ins Land hinein geher, als auf den 91
har⸗
| * Sued. Skiober Norw. Skier, bey den alten Islaͤn⸗
dern Skydi und Gendrur genannt, welche gar artig Magn.
"Olaus in Eddam - Island. beſchreibet beym Steph. in not. ad
Saxon. Grammat. p. 126, der ſie auch in einem Holzſchnitt
* vorſtellet. Add. Scheffer. Lappon. cap. 20.
160 Nachrichten von Grönland
Charten angedeutet wird, vielweniger ganz hindurch gu
dem ift dieſelbe untief und bald gar mit Seekraut barwach⸗ £
fen worunter fich viele Fiſche aufhalten. e Keen
Ny XII. Sonſt hat man von den Ingebohrnen ver⸗
Indeſſen it nommen, daß weiter hinauf gegen Norden Leute ſich ent⸗
e halten, die viel wilder als fie ſeyn, und geſchlachteter Mens
darin wohs ſchen Fleiſch effen ſollen, deren Hütten mit Narhual oder
175 Einhornhörnern ſtatt der Stangen aufgeſtellet und befe⸗
ſtiget waͤren. Denn die armen Menſchen begeben ſi ch
zuweilen aus Hunger gezwungen, um ihre Koſt zu finden, |
in ihren großen Weiberboͤthen, ſolchergeſtalt, daß fie im⸗
mer unter dem Lande hinſchiffen, wohl 100 Nordiſche,
das ift, über 150 deutſche Meilen von ihrer Heymath weg
gegen Norden, und alfo viel weiter hinauf, als die Dar -
nen mit ihren Schiffen kommen koͤnnen. Sie erzählen
auch, daß ihrer etliche noch höher und weiter, als auch
ihre große Fahrzeuge kommen moͤgen, geweſen, da ſie das
gegenuͤberliegende Land von America ſo nahe gehabt, ven
wenn felbiger Zeit allda Leute geſtanden, ſie ihnen be⸗
qvemlich zurufen, doch aber nicht zu denſelben hinuͤber⸗
kommen koͤnnen, weil ein Strom von Waſſer zwiſchen
beyden Ufern durchfloͤße, der ſo hoch falle und ſo ſtark
rauſche, daß man denſelben auf einige Meilweges hoͤren
koͤnne. Me
$. XIII. Nunmehro nåfjer zu dit Guide
ee zu kommen, fo find in der Straße Davis die Küften vol⸗
Landes an ler Schaͤren, auch kleinen und großen Inſeln ;! die alle
Daus aus Felſen beſtehen und ſehr hoͤckericht find. In dem
feſten Lande gehen große und tiefe Sinus und Fiörden hin⸗ |
ein, die theils Muͤndungen der Revieren, theils gute Rhe⸗
den und Hafen abgeben. Das feſte Land iſt auch uͤber
und uͤber voller Felſen, davon die hohen ſtets mit Schnee
und Eis bedecket, auch t e damit bereits ausge⸗
e fi nd. | ;
5 KE, 8. XIV.
und der Straat Davis. 167
F. XIV. Sonſt falt das Clima, ſo weit die Daͤniſchen Des ou
Colonien gekommen, noch ziemlich erträglich, das Wet⸗ matis.
ter aber ſehr unbeſtaͤndig. Im Sommer ſcheinet die
Sonne ſchoͤn und warm, daher iſts auf dem feſten Lande,
wo keine Nebel, angenehm und beſtaͤndig helle: Um und
auf den Inſeln aber lieget ein beſtaͤndiger feucht: und kal⸗
ter Nebel, davor man der Sonnen wenig geneuſt. Nur
im Auguſtmonat iſt kein Nebel, und alsdenn auch auf
den Inſeln klares ſchoͤnes Wetter. Auf dieſen Inſeln
und der See ſpuͤret man auch in kleinen Weiten gros⸗
ſe Veraͤnderungen in der Witterung. Es regnet nicht
oft, noch viel. Es donnert ſelten und gar dumpficht:
Selbſt im Gebuͤrge ſchallet es hier bey weiten ſo nicht,
wie anderer Orten, woran vermuthlich die dicke Luft und
der luckere Schnee und das bruͤchige Eis auf den Gebuͤr⸗
gen Schuld ſeyn werden. Heftigen Sturm hat man
hier nur ſelten, und wenn er da iſt, haͤlt er nicht lange
an. Es kann auf der See ſtuͤrmen, ohne daß man auf
dem Lande viel davon gewahr werde. Den haͤrteſten
Windſturm haben ſie aus Suͤden. Der ordentliche Win⸗
ter iſt allhier fuͤr die Daͤnen und Norweger ziemlich er⸗
traͤglich geweſen. Wozu mit dienet, daß fie einen klaren
durchſtehenden Froſt haben. Den ſtaͤrkſten Froſt bekom⸗
men ſie mit nordoſtlichen Winden, die theils vom Lande,
das mit Schnee Eisbergen angefuͤllet, theils von den weit
ſich erſtreckenden Eisfeldern, die vor der Oſtkuͤſte lie⸗
gen, heruͤber kommen, und die abgeriſſenen Eistheilchen i in
großer, ja oft ſolcher Menge, daß ſie wie ein Regen oder
dicker Nebel im Sommer anzuſehen ſind, herzufuͤhren,
und dadurch die ſtrenge und ane Kaͤlte verur ·
ſachen *, i
§. XV.
* Diefes koͤmmt den in warmen Laͤndern wohnenden fo
unglaͤublich vor, daß wohl Gelehrte gar daran zweifeln wol⸗
len. Ich will zu mehrerer deſſen Erleuterung anhero ſetzen,
was der Herr Probſt Jens Chriſtian Spidberg zu Chriſtian⸗
Sand in Norwegen davon e (vid. Suppl. II. Actor.
Sie haben
Sonnen⸗
ſchein ſo
wohl im
Sommer,
162 Nachrichten von rind
Das ſtille Wetter macht, daß es hier frühe yufiiere,
und das Eis, ſo hinter den Schaͤren und in den kleinen
Bajen oder Buſen lieget, dauret gemeiniglich bis zu Aus⸗
gang des Mays, weil die Wellen der See dazu nicht kommen,
und es zerbrechen koͤnnen, ſondern daſſelbe ſo lange ſte⸗
hen bleibet, bis es die Sonne durch ihre Kraft muͤrbe
machet, ſchmelzet und zerbricht. SØ
§. XV. Vom Junio an bis in den Auguſmonat it
der Sonnenkoͤrper beſtaͤndig über dem Horizont. Um
Mitternacht laͤßt ſie zwar wegen ihres niedrigen Standes
und der aufſteigenden Erddänfte, wodurch fie geſehen
wird, etwas roͤthlich, wie bey uns, wenn ſie Abends un⸗
tu
Wratislau. Art. 4. p. STÅ, ESC leugnet 900 niemand, Ehren
bet er, daß die Luft gegen Norden des Winters mit unzehl⸗
baren Schnee» und Eispartikeln angefüllet, welche åfrerg ſo
grob und fenfible find, daß fie bey ſtarkem Winde einem wie
ſcharfe Ruthen ins Geſicht ſchlagen: ja man kann ſie nicht
allein fuͤhlen, ſondern auch ſehen, wenn es ſehr kalt iſt, und
die Sonne klar in der Luft ſcheinct, da man faſt accurat die
Menge der Eispartikelchen wie viele kauſend kleine glimmern⸗
de Sternchens wahrnehmen kann. Welches auch die einzige
Urſache iſt, warum die Nordwinde mehr kalt und penetranter |
als andere find. Indem fie die mit Schnee bedeckten hoͤch⸗
ſten Berge gegen Norden erſt überſteigen muͤſſen, weshalb ſie
ſich damit beſchws aͤngern und fo angefuͤllet, dieſe Particulas ſ.
Lamellas niueas et glaciales mit ſich bringen, die ſolche em⸗
pfindliche Kaͤlte bey uns erwecken. Zorgdrager Grönl. Viſcher.
P. II. cap. 2 ſchreibet von Spitzbergen: De! Ryp valt er gelyk
klyne puntige Snecum- Deeltjes in Zee, waar door ze zom-
tyts als van Stof bedeckt word. Deeze kleine Spitſe
Sneeuw-Deeltjes vallen kruislings op elkander, en door de
koude Lucht voortgezet vermeerderen ze zich zoodanich
in en door de Lucht, dat ze in menigteneervallen, en de
ee gelykzaam met cen Vlies van Ys bedecken. Deeze door
koude bevrooze Nevel-Deeltjes kan men by heldere Zon-
nefchyn en vriezend Weer glinfteren zien, want anders
vallenze als den Dauw onzichtbaar neer &c. Hievon hat
auch gar dienſame Anmerkungen J. Perry in e ER pe
ſent de la Grande Ruſſie, p. 68-72. i |
und der Straat Davis. 163
tergehen will, ſcheinet aber gar klar, und bey helem Wet⸗
ter iſt es ſo lichte, als um Mittag.
$. XVI. So angenehm aber dieſes im Sommer als im
ſeyn mag, ſo unertraͤglich wuͤrde es dagegen den dortigen Winter,
Inwohnern fallen, wenn ſie im Winter auch ſo lange in
dicker Finſterniß ſitzen ſollten. Allein da hat die Weis⸗
heit und Menſchenliebe des allgegenwaͤrtigen Gottes, die
kein Plaͤtzchen des Erdbodens, ſo klein und entlegen es
auch iſt, außer Acht laͤſſet, darunter mehr als auf eine
Art fuͤr ſie geſorget. Ich habe von verſchiedenen gehoͤ⸗
tet, daß man nicht allein am 21 Dec. als am kuͤrzeſten
Tage, die Sonne 3 Stunden am Himmel geſehen, ſon⸗
dern daß auch durch Huͤlfe der Refraction ihrer Strah⸗
len in den dicken Duͤnſten der Atmoſphaͤre, ſo die Mor⸗
gen⸗ und Abenddaͤmmerung verurſachen, der Tag einige
Stunden lang geweſen. Man ſollte nach den gemeinen
Lehrſaͤtzen der Geographie und Uftronomie gedenken, daß
der Sonnenkoͤrper ſelbſt um dieſe Zeit auf dieſer Polus⸗
hoͤhe uͤber den Horizont nicht hervorkommen koͤnnte. Es
hat aber ein geſchickter Schiffer mich umſtaͤndlich berich⸗
tet, und anbey theuer verſichert, daß er auf 66°, 30/ einen
kleinen Berg ausgeſuchet, und nachdem er deſſen Hoͤhe
über. der Oberfläche des Meers mit Fleiß gepeilet, auch
die Misweiſung des Compaſſes, (welche in dieſen Gegen⸗
den ſo wohl auf dem Lande als auf der See ganz merklich
iſt,) berichtiget, auf demſelben die Höhe der Sonnen
kunſtmaͤßig genommen, Da er denn nach Abzug ſeiner
Hoͤhe und der Refraction befunden, daß die Sonne wirk⸗
lich über der Flaͤche der See und alſo über dem e
erhaben geweſen.
§. XVII. Die Naͤchte genießen auch nicht allein wie auch
des Monden und des, von dem durch anhaltenden ſtar⸗ 7
Mon 3
hein und
ken und reinen Froſt erhårteten, weißen und gleichſam das Nord;
funkelnden Schnee und Eife, entſtehenden Wiederſcheins,
ri fo gar im Neumonden, und fo lange derſelbe
2 der
licht,
Nachrichten von Grönland
it ſcheinet, beſtändig des angenehmen und den Voll⸗
mond ſelbſt uͤbertreffenden Nordlichts oder Scheins,
deſſen bey Island umſtaͤndliche Erwehnung geſchehen ift,
Was ſie in 5. XVIII. Und da diefe Leute den Winter über, weil
1720 0 el für fie draußen wenig oder nichts zu thun vorfällt, mei⸗
nen zum ſtens in ihren dunklen Wohnungen ſich enthalten, doch
See aber weder Inſchlitt zu Licht noch Spaͤne zu Fackeln ha⸗
| un ben: fo find an deren ſtatt ihre Walk und andre Fiſche
| mit fo viel mehrererm Speck verſehen, daß fiedavon überz
fluͤßigen Vorrath an Thran fuͤr ihre Lampen, mithin
nothwendiges Licht zu allen ihren Verrichtungen und zu⸗
gleich gnugſame Feuerung zur Heitzung ihrer Wohnung
und Zubereitung ihrer Speiſen nehmen koͤnnen. |
Mebenfon: H. XIX. Das in anderen Ländern fo feltene Luftge⸗
Ae or ſicht der Nebenſonnen laͤſſet ſich hier des Jahrs wohl
erblicket. mehr als einmahl ſehen, aber zu nicht geringem Kummer
derer, die es auf der See ſeyende wahrnehmen. Weil
die Erfahrung nach einhelliger Ausſage der Schiffer ger
lehret, daß allemahl harter Sturm darauf zu erfolgen
pflege.
Ebbe und §. XX. Man hat hier ordentliche Ebbe iu Fluth,
Fluth fin det
ſich hier die ſich auch nach den Mondveraͤnderungen richtet, man
auch ein. kann aber ſo feſt nicht darauf rechnen als anderwaͤrts.
Die Fluth ziehet von Oſten nach Weſten: bey Sturm⸗
wetter kan ſie zu 7 bis 8 Faden ſteigen. Va
Wie der F. XXI. Der Boden beſtehet in den Xfåleen und
namen Gründen aus einiger Mohr oder Turfferde, Worauf
und was er hie und da, weil er von Vogelmiſt fehr fett, langes
nnch. der Gras und verſchiedene gute Kräuter wachſen. Man
hat verſuchet, etwas von Erdgewaͤchſen zu pflanzen.
Kraut oder Kohl iſt ziemlich bekommen, auch die Ruͤben:
Wurzeln aber, fo bald fi fie über die Erde herausgekom⸗
men, ſind vergangen. Von dem Thimian iſt angemer⸗
ket worden, daß er ganz klein und kurz geblieben, Mean
wen
vi
und der Straat David, 163
wenn Nachtfroͤſte darauf gefallen, Geſchmack und Ge⸗
ruch verlohren habe. Getrayd ezu bauen ift wegen des gar
zu kurzen Sommers und der beſtaͤndigen Kaͤlte ganz ohn⸗
moͤglich. Von Baͤumen ſiehet man nichts, ohne auf
dem feſten Lande an verſchiedenen Fioͤrden einiges Geſtruͤppe
von Birken, Erlen und Weiden, daher die Colonien den
groͤſſeſten Mangel an Brennholz erleiden. Der Schrei⸗
ber der angefuͤhrten Groͤnlaͤndiſchen Perluſtration ſagt,
daß 60 Meilen Suͤdwerts von der Hoffnungscolonie an
einer Fioͤrd ein Waͤldlein ſtehe, davon die Baͤume ein
paar Faden hoch und Arms dick ſeyn. Sonſt findet ſich
auch hie u. da etwas Wacholdergebuͤſche (Eenebertraͤre),
eine Art ſchwarzer Johannisbeeren (Kraͤkebaͤr), noch eine
andre Art kleiner Johannisbeeren (Tyttebaͤr), eine be⸗
ſonders gute Art von Brommelbeeren (Multebaͤr), die
aber der Nebel wegen nicht reif wird, und denn Heidel⸗
beeren (Blockebaͤr) bey den Norwegern genennet.
VS. XXII. Was die Gebirge enthalten, ift bis ietzo noch Von Amis
nicht unterſuchet. Man findet viele Amianthgebirge, irgen
davon der Gang ziemlich breit, und der Flachs lang,
weich und ſchoͤn weiß iſt. Es iſt zu bewundern, daß die⸗
ſes Mineral in groͤſſeſter Menge und beſten Guͤte ſich in
den noͤrdlichſten Landern antreffen laͤſſet . Wir ra
„ | aber
Von den Syberiſchen hat ſich folgende feine Nach⸗
richt in den Hamburgiſchen Zeitungen von 1729. No. 58 gefun⸗
den, worinn zugleich gemeldet wird, wie man den Flachs zum
ſpinnen zubereite. Im Jahr 1720 iſt ein Bauer in dem Di⸗
ſtrict des Commiſſarii Nikita Demibow zu der Syberiſchen
Landſchaft Werchotursky, welche den Namen von der Stadt
Werchotura hat, ſo etwan auf 600 Werſte von der Stadt
Tobolsky Nordweſtwerts gelegen, zunechſt an dem Fluß Tura,
der ſich von da in den Tobol ergießet, gehoͤrig, auf dem fr
genannten Schelkowa Gora, oder Seidenberge, naͤchſt am
Fluſſe Tagil, welcher in die Tura fließet, da wo die werchta⸗
gilskiſche Eiſenfabric angeleget iſt, von ohngefehr, wie er
dem Vogelſchießen nachgegangen, auf ein Stuͤck von der⸗
L 3 g gleichen
166 Nachrichten oe von 1 Grönfand
aber deſſelben Eigenſchaft noch zur Zeit nicht genug, um
die e Urſachen, Hatun treffen zu koͤnnen.
mr > > | Was
gleichen Steine gerathen, und hat ſolches, weil es ihm et⸗
was beſonders geſchienen, alſofort gedachtem Nikita Demi-
bow vorgezeiget. Dieſer hat dar auf verſchiedene Verſuche
damit angeſtellet, und befunden, daß es ein eigentlicher Asbeſt
und zwar von der beſten Gattung fer), daraus man ziemlich
feine Leinwand und ſchoͤnes Papier verfertigen koͤnne. Die
Landeseinwohner haben den Stein Rameni⸗Schelk, oder
den Seidenſtein, vielleicht weil ſie die Faͤſergen des Steins
fuͤr eine Art von Seiden gehalten, genennet; daher auch der
Berg den Namen uͤberkommen hat, welcher ſich bis ans Ufer
des Fl Fluſſes erſtrecket, und auf 5 Werſte lang, aber nur 30
Klaffer! weit iſt. An der einen Seiten des Berges ſoll ein
gaͤher Fels ſeyn, welcher auf hundert und mehr Klaftern
hoch ift. Der 2 Asbeſt wird bloß in dem Berge gefunden zwi⸗
ſchen einem dunkelgrünen Steine in gewiſſen Adern, die bald
mehr bald weniger als einen Zoll im Durchſchnitt haben,
und von der Wurzel bis an die Spitze in beſtaͤndiger Reihe
fortgehen. Bey Hervorbringung des Steines pfleget man alſo
zu verfahren. Es werden Höhlen in den Berg gegraben, und
mit Pulver gefuͤllet, welches beym Anzuͤnden den Berg von
einander ſprenget. Wenn ſolches geſchehen, fo laͤſſet ſich der
Asbeſt mit leichter Muͤhe, vermittelſt eines Hammers von
den übrigen Steinen abſondern. Gedachter gruͤnlicher Stein,
zwiſchen welchem der Asbeſt gefunden wird, iſt an ſich von
ungemeiner Feſte und Haͤrtigkeit, hat auch beſondere Adern,
—
die ihm an Farbe ungleich ſind. Den Asbeſt nun, wenn Å
man ihn folgends verarbeiten und Leinwand daraus verferti⸗
gen will, pfleget man daſelbſt in kleine Stuͤcken zu zerſchla⸗
gen und zwar nach der Deore und nicht nach den Lauf ſei⸗
ner Faͤſergen, welche in die Laͤnge gehen. Solche Stuͤcke
werden alsdenn mit dem Hammer ſo lange zerſtoßen und mit
den Haͤnden gerieben, bis ſie zu einer Wolle werden, welche
hiernaͤchſt gehechelt geſponnen und zu einer Leinwand gewir⸗
ket wird. Weil aber die hier beſchriebene Art und Weiſe den
Asbeſtſtein in Faden zu ſpinnen und Leinwand daraus zu
verfertigen, in etwas von dem ſonſt bekannten Proceſſe abge⸗
het, ſo erachten wir fuͤr nöthig, ſolchen mit anzufuͤhren. Man
laͤſſet den Stein eine Zeitlang im warmen Waſſer weichen, |
sa verarbeitet man N mit den Händen, und ziehet ibn
i )
BL aus
R * = Ey
And der Straat Davis. 167
Was uns davon bekannt, iſt, daß es eine ungeſchmackte
ſteinigte Materie, die ſich in Oel erweichen und ſo bieg⸗
EEE. EN | fam
aus einander, bis eine zarte Erde herausfaͤllt, welche wie Kalk
ausſiehet, und das angeſchuͤttete Waſſer ganz weiß, wie
Milch machet. Solche Erde iſt das Mittel, welches die Faͤ⸗
ſerchen des Steines zuſammen haͤlt, deswegen verfaͤhret man
damit noch einigemal, wie vorhin, und gießet allemal das
Waſſer ab, ſo lange bis daſſelbe ſeine natuͤrliche Farbe be⸗
haͤlt, und zur Anzeige dienet, daß von fremden kalkichten und
irdiſchen Theilgen nichts mehr mit denen Faͤſerchen des Steins
vermiſchet ſeyn. Folgends nimmt man die Materie allge⸗
maͤhlig aus dem Gefaͤße heraus, und ſaͤubert daſſelbe wohl,
*
weil viele von gedachten fremden Theilchen ſich an den Bo⸗
den anzuſetzen pflegen. Die gereinigten Faͤſerchen breitet man
alsdenn auf einem Korbe oder Siebe aus, damit das
Waſſer deſto geſchwinder ablaufen, und die Materie deſto
leichter trucknen moͤge. Hiernechſt hat man zweer breite Kaͤm⸗
me mit engen Spitzen, dergleichen die Hut⸗ und Tuchmacher
gebrauchen, die Wolle zu kaͤmmen. Damit ziehet man die
Faͤſerchen gelinde aus einander, und behaͤlt ſolche zwiſchen den
beyden uͤber einander gelegten Kaͤmmen, daß nur die aͤußer⸗
ſten Enden davon außerhalb hervorragen. Die Kaͤmme, wel⸗
che alsdenn auf einem Tiſch, oder einer Bank, feſte gemachet
werden, muͤſſen folgends auf ſolche Weiſe zu einem Spinn⸗
rocken dienen. Um nun die Faͤſergen in einen Faden zu ſpin⸗
nen, gebrauchet man eine kleine und dünne Spindel, die ſich
leicht drehen laͤſſet, und oben mit einem Haken verſehen iſt.
An den Haken machet man einen feinen geſponnenen Faden
feſte von gemeinem Flachſe, mit welchem man die Asbeſtfaͤ⸗
ſerchen, vermittelſt Umdrehen der Spindel, zu vereinigen ſu⸗
chet. Man haͤlt aber dabey ein Gefaͤß mit Hel fertig, um
in
damit die Finger, als anſtatt des Speichels beym gemeinen
Spinnen, zu beſchmieren. Dadurch werden die Finger in
i
gutem Stande erhalten, weil der Nsheffaben fonft die Haut
angreifet und wund machet, auch dienet ſolches dazu, daß
der Faden an ſich deſto gelinder und weicher wird. Derge⸗
ſtalt nun laͤſſet ſich der Faden nach einander und mit ziem⸗
licher Geſchwindigkeit aufwinden, daß man hernach nach
„ber ordentlichen Art Leinwand daraus weben kann. Weil
aber der eingeſponnene Flachsfaden damit noch immer
untermenget iſt, ſo brauchet m nur denſelben im N
2 9 f A aus⸗
— A
i =
V | i : i | \ ! i p i
168 Nachrichten von Grönland
; fam machen läffet, daß fie zu Faden kann gefponnen wer⸗
den. Herr Egede in feiner Nachricht von der Grön⸗
laͤndiſchen Miffion pag. 97 meldet aus eigener Erfah⸗
rung, daß dieſer Steinflachs, ſo lange er nur Nah⸗
rung bey ſich habe, wie ein Licht brenne und ſich in ſei⸗
ner Qvantitåt nicht verringere, wie er es ſelbſt will ver⸗
ſucht haben |
auszubrennen, da denn die Leinwand rein und ganz blei⸗
et. 79
Von einem Amianthbruche in den Sochlaͤndern von
Schottland hat man eine Beſchreibung in den Philofophi-
cal - Transactions N. 333. Art. 6 ſeq. worinn unter andern
merkwuͤrdig, was von den unterſchiedlichen Farben des Ge⸗
ſteins erwehnet wird; naͤmlich der blaulichte ſey von viel
groͤbern, der weiße aber und rothe von feinerm Korn. Von
einem Ungariſchen Bruche, vid. Marſil. Danub. Tom. III.
pag. 65. 2 | | hg
Ich habe mich gewundert, als ich gefehen, daß die |
Bauern, im Pyrenaͤiſchen Gebirge eher als die Gelehrte, die
ſich deshalb viele Muͤhe gegeben, das Geheimniß dieſen
Steinflachs zu ſpinnen, ob gleich auf eine groͤbliche Art, wies
der ausgefunden haben. Sie machen davon Geldbeutelchen,
Struͤmpfbaͤnder u. d. m. Ich kann einen Beutel davon in
meinem Cabinet zeigen. Wie die Tataren denſelben ſpinnbar
machen, iſt in vorhergehender Note mit angefuͤhret, die einen
viel feinern Faden und folglich auch feiner Linnen, als jene,
daraus zuzubereiten wiſſen, davon ich eine kleine Probe von
dem Herrn de Bruin (der aus ſeinen ſchoͤnen Reiſebeſchrei⸗
bungen bekant genug iſt) geſchenket beſitze. Unter den Ge⸗
lehrten hat am neueſten und beſten davon gehandelt, und die
Art, denſelben zu ſpinnen, entdecket Mr. Mahudel in ſeiner
gelehrten Memoire du Lin incombuſtible unter den Memoi-
res de Litterature tirés des regiſtres de Academie des in-
ſeriptions et belles lettres Tom. IV. p. 634 feg. Das ein⸗
zige bekannte Ueberbleibſel von der Alten ihrem unverbrennli⸗
F. XXIII.
21
cen Leinwand ift wohl dasjenige, deſſen Don Montfaucon
in feinem vortreflichen Diario Italico p. 450 gedenket: in vi-
nea quadam (1702) detecta eft vrna grandior marmorea, in
qua tela ex amiantho confecta. Eſt lini genus, quod as-
beſton
1
und der Straat Davis. 169
§. XXIII. Noch mehrere Gebirge beſtehen aus ei⸗ Von den
nem fo genannten Veeckſteen, das it, Weichſtein, fo, Gebirgen,
wie Herr Egede ſchreibet, ein unvollkommener Marmor,
und von verſchiedenen Farben, als gruͤn und roth, auch
ganz weiß mit eingeſprengten ſchwarzen Flecken iſt; davon
die letztere Art tiefer liegen ſoll als die erſtere. Aus dieſem
machen die Wilden, weil er nicht ſehr hart ift, ihre Lam⸗
pen, Keſſel u. d. g. Ein ſo genanntes Geſtein findet
ſich auch häufig in Norwegen, und die Stufen, welche
ich davon bekommen, ſind grau und glimmericht, etwas tal⸗
cos, und kommen dem Ganggebirge, das von den Norwe⸗
giſchen Bergleuten Grauglimmer genannt wird, und
unſerer Bergleute Greisgeſtein iſt, gar aͤhnlich; nur
daß es nicht ſo feſte iſt, und mehr talcoſe Flitschen hat.
§. XXIV. Aus dieſem Geſtein, das dem ietztgenann⸗Worinn
ten edlen Ganggebirge fo nahe koͤmmt, und einem ans ache
dern, fo ich nicht geſehen, aber gehoͤret, daß es, wenn talle vers
man daran ſchlage, bald wie eine Glocke klinge: ſollte ich borgen.
muthmaßen, daß es hier gut Erz, wenigſtens Kupffer
und Silber geben muͤſſe. In welcher Vermuthung |
mich noch mehr beſtaͤrket, da id) vernehme, daß man ein i
Gebirge an einigen Stellen grün und blau ausgefchles
gen gefunden. Herr Egede gedenket auch (p. 239 feiner
Nachricht) einer gefundenen Stufe, die als Bleyerz aus⸗
geſehen. Eiſenſtein oder Eiſenerde findet ſich allenthal⸗
ben im Lande. Doch wo findet ſich die auf dem Erdbo⸗ 5 8
den nicht? Daher es denn auch kein Wunder, daß nach |
Egede Bericht (p. 84) an dem Meerbuſen, Iunnulliarbik
Bar 0 e eine
befton Graeci vocitant, tela vero palmis Romanis 9 lon-
gitudine, 7 latitudine pari ratione atque hodierna tela no-
ſtra contexitur, filis cannabinae telae more, denſioribus,
"fed vſu detrita - - - eſtque ipfa tractabilior, tactuque
lenior ipſo ferice panno etc. Daß und wie an unterſchied⸗
lichen Orten Papier daraus gemachet werde, doch eins im⸗
æ Soon wenig feiner, als das andere, ift eine bekannte
170 Nachrichten v von Grill
eine Act braunrother Farbe und Rothſtein tig
.
We
*
—
4 2
”
i *
9.
weißen Flecken, und anderwerts (p. 87) eine gelbe Far⸗
be mit rothen Adern dem Zinnober gleich durchlaufen,
und noch an einem andern Orte (p. 203) eine fchöne
braunrothe Farbe ſich antreffen laͤſſet. Man ſagt
auch, daß ein Bergverſtaͤndiger vom Koͤnige hineingeſchickt
ſeyn ſolle um einige Erkundigung desfalls einzuziehen, von
deſſen Entdeckungen man vielleicht mit der Zeit etwas
wird zu vernehmen haben. Jedoch man finde, was man
will, der Holzmangel wird iederzeit alle Unternehmungen
impracticabel machen. Mehrbelobter Egede erwehnet
noch (p. 165) einer Probe von Steinkohlen, welche die⸗
jenige, fo die Plaͤtze an der Diſcobucht zu recognoſeiren
Gut Waſ⸗
ſer.
liche und Landverderbliche Ergießungen machen. Ohn⸗
Was für
Thiere man
euf dem
Lande fin
1) wide,
ausgeſchickt geweſen, auf daſigem Lande gefunden und mit
ſich zuruͤck gebracht. Wenn dieſe weiter nachgeſuchet
würden, konnten fie Zweifels frey mit der Zeit zur Auf:
nahme der Colonien und wenigſtens zu de en der abe
gaͤngigen Feuerung trefflich dienen. ;
F. XXV. Die füßen Waſſer werden als ſehr gut
und geſund geruͤhmet: die theils aus geſchmolzenem
Schnee von den Bergen abſöckern, theils aus denfelben
hervorſchießen, und oͤfters, wenn ſie zu maͤchtig, entſetz⸗
fern der Gegend, wo die Furbiſſer Straße gemeiniglich
geſetzet wird, findet ſich eine warme Qvelle mineraliſchen
Waſſers, welche der Groͤnlaͤnder Bericht nach, des Win⸗
ters ſo heiß ſeyn ſoll, daß, wenn man große Stuͤcken
Eis hineinwerfe, dieſelbe fo gleich zergehen, und rings
umher am Rande es Winter und Sommer gruͤn ſey.
Das Waſſer an ſich ſoll einen ſcharfen Geſchmack und ei⸗
nen ſtarken Geruch haben. (Vid. eee! c. p. 79.)
§. XXVI. Auf dem feſten Lande finden ſich Haſen,
die ſehr klein und Sommers grau, Winters aber ganz
weiß ſind. Wie auch einc kleine Hirſchart; inmaßen
die beständige ſtrenge Kal lte die Tiere zu einer rechten
u. |
=
—
ER >
und der Straat Davis. 7
Große allhier nicht gedeyen laͤſſet. Die letztere heiſſet
bey den Nordlaͤndern Reensdyr, ift aber den Reenen
oder Reenthieren der Laplaͤnder gar nicht, ſondern viel⸗
mehr unſern Hirſchen aͤhnlich, vornehmlich was ihre
Klauen antrifft. Sie iſt dieſelbe Sorte, die auf Spitz⸗
bergen geſehen wird, auch von Farbe grau, obwohl dann
und wann einige, die gelbicht fallen, vorkommen. Das
Geweihe ift allemahl mit einer dicken rauhen Haut über:
zogen, und hat auf ieder Seite 3 oder 4 Enden, die platt⸗
licht und der Reenthiere ihren naͤher als der Hirſche kom⸗
men. Sie find geöblicher vom Leibe als unſre Hirſche,
und weil fie greuliche Kälte ausſtehen muͤſſen, von etwas
zottichten Haaren. Ihre Brunſtzeit ift allhier auch im
Octob. wo ſie recht feiſt ſind, und deswegen um ſolche Zeit
von den Groͤnlaͤndern zum meiſten gejaget werden. 1 5
her verlieren ſie ſich bald, und ziehen ohne Zweifel nach
etwas lindern Gegenden, von wannen ſie im Sommer
wiederum ſich einſtellen. Unſre Groͤnlandsfahrer mer⸗
ken an, daß die Hirſche auf Spitzbergen im Auguſt⸗Mo⸗
nat am feiſteſten ſeyn; wie mir denn einer derſelben ges
ſaget, daß er einſt einen im beregten Monate geſchoſſen,
der 60 Pfund Talg zwiſchen Fell und Fleiſche gehabt.
Nachher aber nehmen ſie bey den langen Nächten und
heftigſtem Froſte immer mehr und mehr ab, bis in den
Junium, da das friſche Kraut erſt wieder hervorkömmt,
und find fie zuletzt fo todtmager und dünne; als wenn
alles Fleiſch weggeſchmolzen, welches aber in ſo kurzer
Zeit von neuen gleichſam wieder ſo gewaltig anwaͤchſet,
daß das Thier ſchon im Auguſtus zu der 1
Feiſte gedenhet. Das Kraut, das fie eigentlich eſſen,
hat ein rundes Blatt, welches nicht größer als ein halber
Dreyling, aber gar dick und von einem ziemlich bitterlichen
Geſchmack iſt. Ich muß aber hierbey die beſondere Ein⸗
richtung goͤttlicher allweiſen Vorſehung nicht vorbey gez.
hen, welche darinn ſich aͤußert, daß wider die Art ande⸗
rer Be nicht allein dieſe Hirſche und die übrige vier⸗
füßige
N
172 Nachrichten von Groͤnland
, füßige Thiere, als Fuͤchſe, Baͤren, ſondern auch die Vår
gel und die Wallſiſcharten in diefen kalten Weltgegenden
alles Fett oben uͤber dem Fleiſche oder zwiſchen demſelben
und dem Felle ſitzen, dabey aber ein ganz mageres brau⸗
nes Fleiſch, und daſſelbe uͤberall mit Blut, und zwar
weit mehr als die Thiere und Vogel in warmen Landern
angefuͤllet haben. Woraus ohnſchwer zu urtheilen, daß
das häufige Gebluͤt in dieſen Creaturen zu Ausdaurung
der auszuſtehen habenden faſt ertoͤdtenden Kälte eine un-
beſchreibliche Hitze zu Wege bringen, das Fett aber, wel⸗
ches das Fleiſch von oben her umgiebt, ſo wohl die Aus⸗
duͤnſtung der Hitze von innen, als die Eindringung der
Kaͤlte von außen gar ſehr aufhalten und behindern muͤſſe.
Uebrigens haben unſre Leute auch bey den Hirſchen noch
dieſen beſondern Inſtinctum dieſer Orten angemerket, daß
ob es gleich die Zeit über, die fie allda find, beſtaͤndig Tag,
wie bekannt ift, dieſe gleichwohl ganz richtig um 1 Uhr
der Nacht ſich verlieren oder ſich zum ſchlafen verkriechen,
um 2 Uhr morgens aber wieder hervorkommen und ſich
ſehen laſſen. Wie ſie denn in dieſer Zeit nur wenig ru⸗
hen, aber ſtets wo man ſie erblicket, etzend geſehen wer⸗
den, weil ſie um ein paar Monat ſo feiſt, als gedacht,
zu werden, des Futters in Menge benoͤthiget. Die
Fuͤchſe ſind blaugrau, weiß und ſchwarz, auch ſchwarz⸗
braun, anbey groͤber und zottigter von Leibe als in war⸗
men Landen. Sie wiſſen dieſelbe mit gewiſſen aufgeſtel⸗
leten Fallen zu fangen. Auf dem feſten Lande laſſen ſich
zuweilen weiße Baͤren ſehen, die aber bald von den Groͤn⸗
laͤndern vertilget werden. Sie ſind den unſrigen nicht,
wohl aber den Spitzbergiſchen mit dem laͤnglichten Wolfs⸗
kopffe ähnlich, davon Martens in feiner Spitzberg. Reiſe⸗
beſchreibung P. IV. cap. 4. n. 3 eine Beſchreib⸗ und Ab⸗
bildung mittheilet. Dem Baͤren iſt allhier dem aͤußer⸗
lichen Anſehen nach gar aͤhnlich der Wolf. Ich habe
den ausgeſtopften Balg eines Spitzbergiſchen Wolfs ge
habt, daran der Kopf klein und ſpitzig, der Leib lange
2
—
und der Straat Davis. 173
lich mit dicken, ſtorren, langen Haaren, die faulweiß und
etwas graulicht, der Schwanz kurz, die Beine faſt ohne
Gelenke und die Klauen lang und ſteif waren.
5. XXVII. Von zahmen Thieren haben fie überall 2) zahme.
keine als Hunde. Die aber auch nur zahm, wenn fie
hung dazu gewoͤhnet, und bey Haufe gehalten werden
koͤnnen: ſonſt aber wilde und ſehr beißig ſind. Immaſ⸗
ſen deren auf den nach ihnen genannten Hunden ⸗Ey⸗
landen, (davon ein iedes nur etwa eine Meile groß und
mit Gras bewachſen iſt,) wohl 4000 und darüber ſich
enthalten, die von den Grönländern des Winters mit
dem Fuco marino, Tang, Muſcheln und dergleichen, auch
mit Robbenſpeck, doch ſehr ſparſam, (weil ſie es ſelbſt zu
ihrem Unterhalt nothwendig gebrauchen) pflegen gefuͤttert
zu werden. Denn dieſe armſelige Menſchen eſſen ſolche
Hunde windtrucken, auch friſch, indem fie deren Fleiſch
ſo wohl im Sommer als Winter unterm Schnee und
Eiſe verwahren. Sie jagen und ſchießen dieſelbe wie
anders Wild. Dieſe Art Hunde, iſt ſpitzig von Kopf \
und Naſe, und hat hohe ſpitzige Ohren. Sie koͤnnen
nicht bellen, ſondern nur knurren und heulen, dabey ſind
fie feige, und zur Jagd gar nicht zu gebrauchen. Ka⸗
sen haben die Grönländer überall nicht, fürchten ſich
auch ſehr davor, wenn ſie ſie bey den Daͤnen ſehen. Wie
fie denn gleichergeſtalt einen beſondern Abſcheu und Furcht
vor Schweinen bezeuget haben, wenn ſie irgend eins bey
ihren Gaͤſten erblicket. Sie ſind auch der Katzen nicht
benoͤthiget, weil ſie keine Ratzen noch Maͤuſe haben, ohne :
eine kurze und dicke Erdratze, deren aber doch nur wenig
vorhanden ſind. Schlangen und dergleichen giftiges
Gewuͤrm kann hier im Lande nicht aufkommen, davon in
den Nachrichten von Island die Urſache angefuͤhret.
$. XXVIII. Von Landvoͤgeln haben ſie keine eß⸗ Landvögel.
bare als die Kyper, deren in eben angezogenen Nach⸗
richten . Dieſelbe ſind weiß, mit ſchwarzen
e
Waſſervs⸗
gel, und
wie dieſe
ſich vor den
Raubos⸗
geln und
andern
Raubthie⸗
ren zu ver⸗
wahren
wiſſen.
N
174 Nachrichten von —
Flecken auf den Fluͤgeln und rauhen Pfötchen. Niſten
fehr hoch an den Klippen und leben von eben dem rund⸗
blättetichten Kraute, von welchem die Hirſche und Rehe
obangezeigtermaßen ſich naͤhren. Ein aufmerkſamer
Commandeur von unſern Gronlandsfahrern hat einige
mahl, als er ihre Neſter zu ſehen bekommen, angemerket,
daß ſie in denſelben von der zu ſich genommenen Speiſe
ein Haͤuflein neben den andern hinlegen und verwahrlich
aufheben, damit fie waͤhrenden Winter, da fie allhie ver⸗
bleiben, und fuͤr ſie nichts zu finden, daran nothduͤrfti⸗
gen Unterhalt haben mögen. Sonſt ſiehet man auch
Elſter, Sperlinge und einen weißen Vogel, der ein
wenig groͤßer als ein Stieglitz iſt, ſo im Maͤrzen in groſ⸗
ſer Menge ſich einfindet und gar ſchoͤn ſinget, e
ar und lichtgraue Falken.
N
$. XXIX. Von Strand⸗ und Waſſervsgeln iſt
dagegen eine erſtaunenswuͤrdige Menge. Es finden ſich
alle die Gattungen, die Martens in ſeiner oft angefuͤhr⸗
ten Spitzbergiſchen Reiſe Part. IV. cap. 2. n. 3 beſchrie⸗
ben, und noch viele andre mehr. Ich habe bereits eins
und anders, dieſe Voͤgel betreffend, in den Nachrichten
von Island beygebracht. Nachdem ich aber von eini⸗
—
gen alten Schiffern, die lange auf Groͤnland gefahren,
noch verſchiedene daſelbſt von ihnen gelegentlich gemachte i
Anmerkungen von der Sorgfältigfeit einiger diefer Voͤ⸗
gel, ihre Neſter mit moͤglichſter Sicherheit anzulegen,
ihre Jungen ius Waſſer zu bringen u. ſ. w. vernommen:
will ich dieſe (ben, zum Vergnuͤgen der Naturliebhaber,
hie beyfuͤgen. Es iſt nämlich hier alles voll von Raub⸗
voͤgeln und Raubthieren, Bären, Fuͤchſen u. d. g. Die
letztere ſind dieſer Orten auch eben ſo liſtig als in den
warmen Gegenden. Weil ſie aber in dieſen mit Schnee SÅ
und Eis bedeckten Landen, was ihre heißhungrige Mågen
zu füllen erfodert wird, noch weniger als in jenen fin⸗
den; ik ſtellen fie den e W deſto .
*
unnd der Straat Davis. 135
Fa fleißiger nach, und dieſe muͤſſen denn auch ihrer⸗ |
feits um fo vielmehr auf ihrer Hut ſeyn, und dawider aller
ley beſtmoͤgliche Gegenanſtalten vorkehren. Die Lum⸗
ben, welche auf einmahl nicht mehr als zwey Jungen
bringen, niſten zu oberſt an den hoͤchſten Felſen, wo an
denſelben irgend von einem Stein nur ſo viel, daß kuͤm⸗
merlich darauf zu ſitzen, hervorraget: : weil ihne daſelbſt
die Fuͤchſe nicht nachklettern, auch die Raubvogel nicht
anders, als ſchwebend und ſehr kuͤmmerlich beykommen,
ſie ſich aber an den Felſen anſtammend, gegen dieſe um
ſo beſſer mit beißen und kratzen wehren koͤnnen. So
bald die Junge zu einigem Wachsthum gediehen, werden
ſie alſofort von den Alten zu Waſſer, wo ſie durch ge⸗
ſchicktes Tauchen völlige Sicherheit und ihre Nahrung
finden, gefuͤhret, und zwar ſolchergeſtalt „daß eins der
Alten unten her flieget, damit wenn ein Junges etwa ohn⸗
maͤchtig wuͤrde, es fein ſanft auf des Alten Ruͤcken fal⸗
le, und nicht auf die Steine oder harte Erde, da es
entweder zu Schanden fallen, oder doch gewiß genug den
ſtets auflaurenden Fuͤchſen zu Theil werden mußte, hin⸗
abſtuͤrze: das andre Alte aber, wofern ivgend ein A.
vogel zu erfehen, zu deſſen Abwehrung bis zum Waſſe
uͤber den Jungen ſich ſchwebend haͤlt. Fallen 1 )
ſichtiger Weiſe Junge aus dem Neſte, oder font von
ohngefehr zu Boden, haben die Alte ſolche Liebe dafür,
daß fie dieſelbe nicht verlaſſen, ſondern, wie fie beſt fon:
nen, vertheidigen, und ſich daruͤber gemeiniglich von den
Fuͤchſen mit verzehren oder von Menſchen, wenn die da⸗
zu kommen, todt ſchlagen laſſen. Sobald dieſe Voͤgel
nur einmahl mit den Jungen die See erreichet haben,
kehren ſie nicht wieder zu Lande, ſondern ein iedes der
Alten nimmt ein Junges zu ſich, lehren es durch ihr
Exempel tauchen und ſeine Nahrung ſuchen, treiben auch
ſolchergeſtalt immer weiter und weiter mit ihnen vom
Lande ab, und auf dem Waſſer fort, bis ſie damit nach
einer gelindern und nicht fo dunkeln Gegend als die hie⸗
ſige
x
76 Nachrichten von Grönland
fige ift, und die fie vermuthlich in America antteſſe, ge⸗
langen: von wannen fie ſaͤmmtlich gegen den Sommer
wieder zuruͤck nach Groͤnland kommen. Die Alten, wel⸗
che ihre Jungen durch einen Zufall verlohren haben, oder
Alters halber zum Hecken nicht mehr tuͤchtig find, kom⸗
men nie ans Land, ſondern enthalten ſich beſtaͤndig in
Haufen von 60 bis 100 ſtark auf der See, begeben ſich
aber auch im Auguſt alle wieder mit hinweg. Wenn
man ein Junges nimmt, und es ihnen in die See zu⸗
wirft, fo eilen fie alle herbey, und will einer noch lieber
das Junge haben und begleiten, als der andre, ſo daß
fie ſich gewaltig darob beißen und kaͤmpfen, wer es be⸗
halten ſoll: im Fall iedoch die rechte Mutter deſſelben
dazu kommt, und des Jungen ſich anmaßet, geben die
andern nach, und laſſen es ihr bald fahren. Andre Voͤ⸗
gel ſetzen fi ſich ein ieglicher nach ſeiner Gewohnheit etwas
niedriger an den gaͤhen Felswaͤnden, und ſuchen ſich in den
durch Abſtuͤrzung einiger Stuͤcken entſtandenen Schrun⸗
den oder Ritzen, ingleichen an allen Stellen, wo etwa
ein Eckchen von einem Stein hervorſtehet, ein Stellchen
zum Bruͤten aus. Die kleinen Rotjes, d. i. Ratzelein
(wie ſie von den Hollaͤndern und Hamburgern deswegen,
weil ſie ſo ſchwarz von Farbe und klein, daß ſie faſt als
junge Ratzen ausſehen, genennet worden auch als ſolche
pfeifen, ) ſuchen ſich zu unterſt an den abgeſtuͤrzten Felſen
unter den Truͤmmern und ſo nahe, als moͤglich, an dem
Strande der See, enge und tiefe Locher zum niſten aus,
und ſchleichen, ſo bald ihre Jungen etwas fliegen koͤnnen,
mit ihnen ſtets zwiſchen und unter ſolchen abgeſtuͤrzten
Truͤmmern und Felsſtuͤcken (damit ihnen kein Feind bey⸗
kommen moͤge) bis zum Waſſer hin, da fi ie denn eben⸗
falls mit ſelbigen nachher auch auf der See immer weiter
fortſchwimmen. Die Tauben, die den wilden Tauben
an Leibesgeſtalt und Flug ganz aͤhnlich, niſten auch,
wie jene, in den Ritzen der Klippen, doch ſehen fie ſich,
wo moͤglich, diejenigen aus, die mit Baer umgeben find,
x MORER
|
und der Straat Davis. 177
oder hinausſtehende Spitzen in die See haben, damit ih⸗
re Jungen, wenn ſie ſtark genug, ſich ſogleich mit ihnen
aus dem Neſte, ohne daß ein Thier, oder Raubvogel ſie
erreichen måge, unmittelbar in die See ſtuͤrzen koͤnnen.
Auf gleiche Art niften auch die von den unſrigen fo genann⸗
te Papagoyen, welche gleichwohl mit dieſen nichts aͤhn⸗
liches haben, als etwa den Schnabel. Noch erzaͤhlen
unſere Leute, daß die Mallemucken, Papagoyen, Tauben,
wenn fie ein Stuͤck Speck, oder Fleiſch von einem getoͤd⸗
teten Fiſche abzerren wollen, ſich mit den aͤußerſten Spi⸗
tzen ihrer etwas ausgedehnten Fluͤgel und ihren breiten
Entenfuͤſſen gegen das Waſſer zur Wiederhaltung ſtem⸗
men, und ſolchergeſtalt mit den Schnaͤbeln ein Stuͤck
los und herunter bringen. Wer hat ſie dieſes Kunſt⸗
ftücklein gelehret? Dieſes iſts, was ich von dieſer Gar
tung Voͤgeln in zuverlaͤßige Erfahrung bringen koͤnnen.
Womit ich mich um ſo mehr begnuͤgen muͤſſen, weil keine
gelehrten Aufmerker an dergleichen Oerter kommen, und
ich auch keine lebendig bekommen koͤnnen, daran ich eini⸗
ge Anmerkungen ſelber machen moͤgen. |
S. XXX. Nur bin ich im abgewichenen 1733 Jahre BYDER
ſo gluͤcklich geweſen, daß ich eine lebende Mallemucke, Mallemu⸗
die mit einem aus der Straße Davis zuruͤckgekommenen cke.
Schiffe anhero gebracht worden, erhalten habe. Ich
will, was ich an derſelben wahrgenommen, nebſt einer
Abbildung in Lebensgroͤße anhero ſetzen, in Hoffnung,
daß es den Liebhabern der Natur, die alles zu nutzen wife
ſen, nicht unangenehm ſeyn werde. Ich ließe ſie einige
Zeit auf dem Hofe gehen, um ihre Art zu erkundigen,
und zuletzt, um fle genauer zu beſchreiben und zu eroͤff⸗
nen, erdroſſeln. | | |
Sie ſchiene harter Natur zu ſeyn: wie denn derglei⸗
chen auch in ihrem rauhen und kalten Vaterlande aller⸗
dings erfordert wird: weil ihr alles Gewitter recht und
allemal das Eſſen trefflich angenehm war, Sie war
MW noch
i
| 10 i
DB. Nachrichten von Grönfand
noch jung, „anerwogen fie bey mir noch merklich größer
Rae iſt, wuͤrde auch ohne Zweifel noch lange gele⸗
bet haben, wenn meine Begierde ſie bey voller Geſund⸗
NH rn zu me 75 ihr das Leben 9 Pe
alte,
Sie war UMM mn wie auf allerley Fiſche, 5 dl
inſonderheit auf rohes Fleiſch. Was ihr vorgeworfen
wurde, ſchluckte ſie auf einmal, und zwar die Fiſche ganz,
das Fleiſch in großen Stuͤcken begierigſt hinunter, daͤue⸗
te geſchwinde, und ſpruͤtzete bald die Excrementa, fo andern
Raubvoͤgeln gleich iederzeit dünne waren, von fi 5 da fie
denn fo fort wieder neuen Appetit hatte, der alles ver⸗
ſchlang, was vorkam. Sie gieng auf was kleines, als
Matzen ꝛc. ungeſcheuet los: gegen was großes, als Ka⸗
gen ꝛc. wehrete fie ſich tapfer, hackete mit dem großen
Schnabel friſch zu, und wenn ſie etwa eine Katze beym
Schwanze erwiſchen konnte, zerrete ſie dieſelbe dergeſtalt,
daß dieſe jaͤmmerlich ſchrye; mithin alles vor ihr, was von
dergleichen Thieren ſie erblickte, liefe. Mur vor Men⸗
ſchen war ſie furchtſam; doch nicht wilde, und gegen die⸗
jenigen, die ihr das Futter reicheten, zahm und fromm
genug. Als ich ſte auf einige Tage zu einem Mahler, der
ſie abzeichnen mußte, gethan, und ſie wieder ins Haus ge⸗
bracht wurde, liefe ſie auf meinen Kutſther, der ihr oft
Gutes erwieſen, fo geſchwinde zu als ob fie ſich freuete,
daß ſie wieder zu Bekannten kaͤme: wie ſie denn auch die
Zeit uͤber, da ſie bey dem Mahler geweſen, nicht recht eß⸗
ſen wollen, und ſtets als traurig geſeſſen. Wenn ſie be⸗
drohet, oder geaͤngſtiget wurde, inſonderheit durch ein
weißes Tuch, ſchrie fie laute mit einem ſcharfen Ton. |
Ben genauerer Beſichtigung fand ich ihre ganze Laͤn⸗
ge von der Spitze des Schnabels, bis zum Ende der
Schwanzfedern, 1 Pariſer Fuß und 7 Zoll: den Schna⸗
bel bis an den Kopf 14 Zoll; den Schnabel mit dem
K er 43 Zoll; den Sl 6 Boll, y den m zwar . ver⸗
rzet
5 5 . 1
/ ) 0 |
und der Straat Davis. 79
kuͤrzet trägt, doch gut ausrecken kann; den Schwanz må
Zoll. Ihre Hoͤhe, wenn fie aufrecht ſtande, war 8 Zoll,
die Lange der ganzen Beine mit dem Schenkel 84 Zoll,
doch wenn der Vogel ſtande, hatte er nur die Hoͤhe von
63 Zoll, das untere Bein aber 27 Zoll. Der Schna⸗
bel, fo gerade voraus ſtehet, ift nach Proportion des Vo⸗
gels nur ſchmal, und deſſen groͤßerer Theil unbedeckt,
: hornhaftig und ſchwarzgruͤnlicht ſpielend, der übrige mit
einem Federfelle uͤberkleidet, fo daß fein ganzer Einſchnitt
drey Zoll lang iſt. Der 0 Schnabel iſt, ſo weit er
bloß ſtehet, dicker als der uͤbrige und gleichſam mit einem
Uetberzuge verſehen, vorne mit einem Haken gen
in welche der ganze gerade untere Schnabel hinein ſchlaͤ⸗
get und ſich ſchließet. Dieſer untere hat noch vorne zu
einen dreyeckichten Knollen, dergleichen auch andere ſei⸗
nes Geſchlechts haben, und Willugby tulerculum ſ. pro-
minentiam angularem nennet, anbey vermeynet, daß er
diene ad eam (nandibulam) roborandam, quo fortius
et firmius piſces retineat. Ornitholog. Lib. III. Sect. 3.
Member. 2. Tit. 4. cap. 1; wie denn der Schnabel über:
haupt gar kraͤftig ſcheinet, und feine ſtarke Maͤuslein hat.
In dem obern (welches mir noch zur Zeit bey keinem an⸗
dern Vogel vorgekommen) find vier Naſenloͤcher, als
in dem offenen Theile 2 laͤnglichte und ſchmale, und in
dem mit Federn bewachſenen noch 2 rundliche und groͤße⸗
re; wie foldes aus der ae Abit des Kopi?
3 beins zu erſehen. l
Der Ropf iſt platt und etwas TR Ä Die
Augen ziemlich groß und helle, der Augapfel pech⸗
ſchwarz mit einem etwas lichtern Kreis umgeben, die
Chren weit und offen. Dieſe Voͤgel find ſehr dick von
Federn, die am Kopfe und Nacken weiß und grau; am
Halſe, Bruſt und Bauch etwas weißlicher, auf dem Ritz
cken, Fluͤgeln und Schwanz aus weiß, licht und dunkel⸗
grau, war und mag gemiſchet, die ihnen ein artig
M 2 buntes
186 Nachrichten von Groͤnlaud
buntes Anſehen geben. Dieſelbe ſitzen ungemein tief und
feſte in der Haut, wozu noch etwas mehr beytraͤget, daß
der Schaft an denſelben und beſonders an den großen
ungemein rauch und etwas gewunden iſt. Unter den
großen Federn findet ſich eine ſolche Decke von dichten
Pflaumfedern, als die Schwäne, ja bey nahe, als die
Eyder⸗Enten haben, welche dieſen Vogel wider das Wa
ſer und die Kaͤlte vortrefflich verwahren muß. Die
Fluͤgel waren zwar etwas ſchmal, aber dabey gar lang,
ſtark und mit vielen Federn verſehen. Die ganze Weite
derſelben erſtreckte ſich, wenn ſie ausgedehnet, von einer
Spitze bis zu der andern, auf 3 Fuß SE Zoll: dahinge⸗
gen der Ruͤcken zwiſchen den Inſertionen der Fluͤgelkno⸗
chen nur 2 Zoll hatte. Der Schwanz iſt ebenfalls di⸗
cke und dichte von Federn, ſitzet platt und breitlich, wie
ein Fecher, den der Vogel artig ausdehnen, und damit hin⸗
und herſpielen kann. Die Beine und Fuͤſſe find licht⸗
grau, ein wenig ins roͤthliche fallend, daran drey große.
Zaͤhen und hinten ein ganz kleiner. Die drey voͤrdern
haͤngen ganz durch ein gedoppeltes Fell, das ſich mit dem
Meſſer von einander trennen laͤſſet, zuſammen, und ha⸗
ben ſchwarze ſchmale vorne rundliche faſt menſchliche Naͤ⸗
gel: an dem hintern aber eine kleine Vogelklaue. Nach⸗
dem die Federn ausgerupfet, fand ſich ein zartes duͤnnes
Fellein noch uͤber der gewöhnlichen Haut, dergleichen
man auch ehemals (vid. Memoir. des Mathem. et Phy-
ſiq. d. 1693. p. 177 ſqq.) an dem Pelican, dero der Kropf⸗
gans wahrgenommen, womit dieſe ſchwere Voͤgel zwei⸗
felsohne ſo wohl zu ihrer Erleichterung, als zu bequemer
rer Maͤßigung ihres Flugs im ſteigen und fallen, indem
fie dazwiſchen viele Luft faſſen, und dieſelbe nach Erfor⸗
derniß mindern, oder mehren koͤnnen, von dem allweiſen
und guͤtigen Schoͤpfer vor andern beſchenkt worden.
Oben auf dem Fleiſche lag hin und wieder das Fett. Wie
denn in dem kalten Groͤnlande die Voͤgel insgemein ihr
Fett oben uͤber i Fleiſche fi itzen, und dabey ihr 1 i
und der Straat Davis. 1881
res Fleiſch mit mehrerem Blute, als bey dem Vogelge⸗
ſchlechte anderwaͤrts ſich findet, angefuͤllet haben. Wel⸗
ches urtheilen laͤſſet, daß dieſes ihnen eine große Wärme,
der fie auch wohl benoͤthiget, zuwege bringen muͤſſe. Die
Bruſtmaͤuslein waren ſtark, dicke und den großen Fluͤ⸗
geln, auch dem weiten Fluge dieſer Voͤgel, ſo wohl von
den Neſtern uͤber die ungeheuern Eisfelder nach ihrer
Nahrung, als bey Einbrechung der langen Naͤchte und
toͤdtenden Froͤſte nach einer lindern und lichtern, ohne
Zweifel weit entlegenen Gegend vollfuͤhren muͤſſen, gar
ſchoͤn proportioniret. Die Zunge war ſchmal, glatt 14
Zoll lang an der Wurzel mit einigen ſpitzigen etwas ſtei⸗
fen Villis beſetzet, dergleichen auch hinter der Oefnung der
Luftroͤhre (rima laryngis) ſtehen, und beyderſeitig zu de⸗
ren Decke und Schutz in Ermangelung einer Epi-
glottis dienen. Die Ringe der Tracheae, oder Luftroͤn⸗
re, find ganz und geſchloſſen rund, weil fie zu ihrem Ger
laute, das nur in einem Ton beſtehet, keiner Aender⸗ oder
Spielung derſelben, wie die Singvoͤgel gebrauchen. Am
untern Ende war dieſelbe als gemeiniglich bey den Voͤ⸗
geln zwieſelicht (bifurcata) und mit zweyen dicken knor⸗
pelichten Ringlein verſtaͤrket, davon die Arme ſeitwaͤrts
in die Lunge giengen. Dieſe beſtande nicht ſowohl aus
zweyen Lobis, als vielmehr (ſo viel ich ſehen konnte,
weil ich das Bruſtbein um das Squelette aufzuſetzen,
nicht gern verletzet haben wollte,) aus zweyen ſeparirten
und unter ſich keine Communication habenden Stuͤcken,
deren iedes eine beſondere Lunge vor ſich machte, und wie
eine Goldboͤrſe, oben enge und unten weit geſtaltet, dabey
rothgelbe von Farbe war. Das Herz, welches 4 Zoll
lang war, und nur eine Kammer hatte, lag ganz oben
uͤber der Leber, und nicht zwiſchen deren Lobis. Die Le⸗
ber war nach der Größe des Vogels ſehr groß, und hats
te auch eine große Gallblaſe. Die Milz war faſt 2 Zoll
lang und dunkelbraun von Farbe, als die Leber. Der
Magen war wie ein Sack von gar dicken und feſten
| 1 3 Mem-
7
182 Richten von Grönland
Membranis; inwendig voll ſehr tiefer Rung Ich
fand nichts mehr von Speiſen darinn, auch keine Spu⸗
ren von Magenſäften. Ohnfern vom Pyloro 7 — N
Gedaͤrme ein Viſcus, von Figur, Glaͤtte und Conſi⸗
ftence, natuͤrlich wie eine Hechtsleber, welche aller Ver⸗
muthung nach das Pancreas ſeyn wird. Das Meſenterium
war mit ungemein vielen und großen Blutgefuͤgen durch⸗ |
webet. Das Gedårme vom Magen an bis ans außer
ſte Ende, trug 3 Fuß, 4 Zoll aus. Die Nieren lagen |
zu beyden Seiten, am gewöhnlichen Orte, und waren wie
anderer Voͤgel ihre geſtaltet; uͤber ieder lag ein ziemlich
großer eyfoͤrmiger Ball, der die braune Farbe der Nieren
hatte, die ich aber lieber fuͤr Teſticuln halten wollte: wenn
ich nur verfichert wäre, daß man in andern Bögeln ders
gleichen auch wohl an ſolcher Farbe finde, weil ich ſonſt
in meinem Vogel keine Teſticuln antraf, und derſelbe
gleichwohl (als der Mangel eines Ouarü ergab) maͤnnli⸗
chen Geſchlechtes war. Noch bemerkete ich auf dem aus⸗
genommenen Auge einen breiten faſt den vierten Theil
von der Rundung, beſchlagenden Mufculum, deffen ei⸗
gentlichen Gebrauch ich nicht zu errathen weiß. Die
Sclerotica war ungemein harte und feſte: der humor
cryſtallinus ſphaͤriſch, dergleichen auch die g ariſiſchen Zer⸗
gliederer an dem Cormorant wahrgenommen, um vermuth⸗
lich deſto beſſer unterm Waſſer zu ſehen, weil die Mallemucke
eben fo, wie jener, auch unterm Waſſer feine Speiſe erjagen
muß, und die Fiſche gemeiniglich ihre cryſtalliſche Feuch⸗
tigkeit von derſelben Figur haben. Er vergrößerte auch
die Schrift, wenn man durch ihn hinſahe, gar ſehr.
Wenn ich endlich alles vorangefuͤhrte zufammen neh⸗
me; ſo kann ich anders nicht urtheilen, als daß dieſe
Mallemucke eine eigentliche eve ſen. Immaßen die
Merckmahle, welche die Vogelbeſchreiber von dem Mer
vengeſchlechte anzugeben pflegen, als der ſtarke, länge -
lichtſchmale, ſpitzige, und vorne etwas gekruͤmmete a 4
bel; ee e die langen und ger
| | 95 figen
55
N
*
1.8
n
1
und der Strat 2 Davis. 48
tigen Flaͤgel, die zarten Fuͤße und der an ſich leichte, aber
mit vielen Federn dicke und dicht bedeckter Leib ſammt der
Gefraͤßigkeit, Geſchrey und Geſelligkeit mit den Men⸗
ſchen u. rw. an meinem Vogel insgeſammt vollkömmlich
zu finden geweſen. i |
Ich bediene mich er der Freyheit, die man ce
nem ieden, der zuerſt ein Thier, Vogel ꝛc. beſchreibet,
ſonſt zu geſtatten pfleget, und gebe dieſem Vogel folgen⸗
den Nahmen: Larus marinus maximus ex albo, nigro
et fufco varius, Groenlandicus: eine bunte Groͤnlan⸗
diſche Meve der groͤßeſten Art, (maßen fie größer, als
eine große Endte war /) mit weiß ſchwarz und faulgelben
Federn, einen geraden vorn am obern Kiefer nur ein we⸗
nig gekruͤmmeten Schnabel und hinten Be, über
einander geſchlagenen Flügeln. 10 „
Der Nahme Mallemucke oder Hollaͤndiſch Malle: \
Mocke aber, der fo viel als albernes Thier oder dum⸗
mes Beiſt bedeutet, und von Mall, malle, ſtupidus,
ſtultus und dem Altdeutſchen Worte Mocke feropha (wie
man denn auch noch in Holland eine unreinliche Magd
Vuyle Mocke ſchilt,) herkoͤmmt, ift ihnen ihrer Dumm;
heit halber und um des willen von den Hollaͤndiſchen Groͤn⸗
landsfahrern beygeleget worden, weil fie, wenn fie ein?
mahl auf ein Wallfiſchaaß gefallen, ſich faſt ohne zu wei⸗
. Ka aus emen ges Freßgierde darauf e :
a en. \
F. XXXI. Indeſſen lg noch mehr als eine Art der Deren ig
Mallemucken feyn, geſtalt diejenige, welche von Martens ee
in feiner Spitzbergiſchen Reiſe Part. IV. cap. 2. n. 1 ber
ſchrieben wird, in mehr als einem Stucke von der unſri⸗
gen unterſchieden iſt. Welches auch deſto eher ſeyn
kann, als die Benennung von obenhin fehenden Matro⸗
m ins wilde weggegeben, und von einer Eigenſchaft, die |
MA dumme
/
184 Nachrichten von Groͤnland
mehr denn einer Akt gefräßiger und heifhungriger 98
gel gemein iſt, aufgegriffen worden.
Roch meh ⸗ F. XXXII. Ferner giebt es noch mancherley wilde
rere Arten Gaͤnſe und Enten, infonderhekt die Eiderente, Ae⸗
kervägeln, derfugle, welche alle mit einander auch gegen den Sons
land, gegen den Winter und der angehenden langen Nacht
aber ſich wieder hinweg nach America oder andern Ge |
genden, wo ſie inzwiſchen mehr Licht und gelindere Wit⸗
terung haben, begeben. Aus einer Nachricht von eini⸗
gen, die auf Spitzbergen uͤberwintert, erhellet, (beym
Zorgdraag. P. III. cap. 10.) daß der Abgug mit an
deg Octob. geſchieht. |
Was fürzij-⸗ F. XXXIII. In den Auen und Bächen giebt es
tær ge fun Lachsfohren und viele Krebſe. Aber noch mehr
den werden
2) in den Laͤchſe. In einem Fluſſe, der in die Bahlsſtorde fällt,
dee hät man einſt 18 Tonnen Lachs gefangen: es giebt auch
allenthalben viele Lachselver oder Lachsauen, wel⸗
ches meiner Meinung nach die von den Nordiſchen Leuten )
ſogenannte Rothfiſche find, die in Norwegen Auen |
heiſſe en.
2) f H. XXXIV. Die See iſt heren Fiſchreich an aller
S ley Fiſchen, Auſtern aber hat man nicht: doch ſehr ſchoͤ⸗
ne Muſcheln und große Taſchenkrebſe (Paguros) *,
"OR den kleinern Seen fangen die! e e
| | it
* An den Weiblein, bie um ihre Seilen zu bedecken, einen
breitern Steert, als die Maͤnnlein haben, ſiehet man, wenn
derſelbe aufgehoben, die deyden Geburtsglieder zu ieder Sei⸗
ten eins, wie auch die vaginas vteri inwendig ganz eigentlich.
Die Maͤnnlein haben auch zwey maͤnnliche. Bey der Begat⸗
tung thun ſie beyderſeits die Steerten hinweg, legen ſich auf
einander und hängen poft infertionem fo feſte zuſammen,
daß man mit dem einen den andern aue und forttra⸗
gen kann.
1 —
mer oder mit den anbrechenden langen Tagen nach Groͤn⸗
„N
und der Straat Davis. 185
heit die Lodden, eine kleine Heeringart, Lodder auf Nor⸗
wegiſch genennet, welche aber noch mehr den Stinten
gleicht. Dieſe werden haufig von ihnen in Ruͤſen gefan⸗
gen, und zu ihrer Winterkoſt auf den Felſen getrucknet.
Es giebt auch viel Kabbelan, Rochen, Schullen
und den Sillbut, der Norwegiſch Gveter heiſſet, und
allhier ſo groß faͤllt, daß man von einem eine ganze! Ton⸗
ne fuͤllen kann.
wer XXXV. Von den En Meerfiſchen, welche die Von den
Naturaliſten ad GEN VS CETACEVM rechnen, hat an
man hier und in den übrigen Meeren unter dem Nords |?
pol eine unglaubliche Menge, und ich glaube, daß keine
Gattung derſelben ſey, die hier nicht anzutreffen waͤre.
Denn hier hat ihnen die milde Vorſorge des Schoͤpffers
ihre Nahrung (davon in der Folge mehr vorkommen
wird, ſo reichlich zubereitet, und fuͤr ihre gar hitzige und
fette Coͤrper iſt kein ander Climat beqvem, in Betrach⸗
tung ihr Fett, wenn ihnen die Sonne mehr auf den Ruͤ⸗
cken brennen ſollte, bald ſchmelzen wuͤrde. Ich will alſo
Gelegenheit nehmen von denſelben etwas ausführlicher
zu handeln, und ihre Naturgeſchichte in ein beſſeres Licht, als
etwa von andern geſchehen, ſo viel mir moͤglich, zu ſetzen,
vornehmlich aber Anleitung geben, damit man nach und
nach zu mehrerer Gewißheit darinnen gelangen moge.
§. XXXVI. Es unterſcheidet ſich dieſes Fiſchge⸗ Deren
ſchlecht gar ſtark von andern Fiſcharten. Denn es hat Feen AR
von denſelben nichts als die aͤußerliche Geſtalt, ſein inn⸗ here
wendiges, ja feine ganze Beſchaffenheit koͤmmt mit den Fiſchen.
Landthieren uͤberein. Es hat warm Blut; es ſchoͤpffet
Athem vermittelſt einer Lunge, und kann deshalb nicht
lange unterm Waſſer dauren: es begattet fi) auf thieri⸗
ſche Weiſe, bringet lebendige Jungen, und ſtillet dieſelbe
mit ſeiner Milch und Zitzen. Da auch ſonſt der andern
Fiſche ihre Floßfedern aus Graͤthen beſtehen, die mit
duͤnnen Zwiſchenhaͤutlein an einander gehefftetſu nd; fo har
M 5 ben
—
186 Hacheichten von —
ben die Wallfiſche dafuͤr Gliederknochen, ieh 0
liche Hand mit Fingern gebildet“, mit Maͤuslein oder
vielem ſehnigten Fleiſche bekleidet, und mit einer ſolchen
dicken Haut und Schwarte, als der uͤbrige Leib bedecket;
welche auch daher zum Unterſchiede von unſern und den
Hollaͤndiſchen Seeleuten Finnen * genennet werden,
da ſie die andere Floßen oder Floßfedern heiſſen. Aber
eben hierin hat der weiſe Schöpffer fie ſehr wohl bedacht,
weil gemeine Floßfedern fuͤr ſie viel zu ſchwach geweſen
ſeyn würden, ihren ſteifen Körper zu wenden, oder im
Niederſinken der Laſt des nachdringenden ſchweren Leibes
zu widerſtehen, und den Sturz zu verhuͤten. Wie denn
dieſes geſammte Fiſchgeſchlecht uͤber dem auch noch einen
breiten horizontal auf dem Waſſer liegenden dicken und
breiten Schwanz hat, der Zweifels frey auch dazu inſon⸗
derheit geordnet ift, daß er den Finnen zu Huͤlfe kommen
i
und verhüten fol, damit diefe Fiſche, die an ihren plum
pen und ſchweren Koͤpffen oder Vordertheil, gegen den
übrigen Leib zu rechnen, ein großes Uebergewicht haben,
wenn ſie nach dem Grunde wollen, nicht gar zu gehling
über und hinab auf die Felſen ſtürzen, ſondern mählig |
finfen und ihren Fall mäßigen koͤnnen.
Mori e §. XXXVII. Endlich hat das Wallfiſchgeſchlecht
derli 1
Walſſch vor andern Fiſchen noch dieſes beſondere, daß fein thieri⸗
ec ſches Skifi 1 über und über ziemlich hoch mit einem febr
ite eben 8 :
1
* Man kann eine Abieichnung der Finnenknochen von
einem Meerſchweine beym Maior in Miſcell, curioſ Medico- É
Phy£.Lib, IV, p 25. und von einem andern Fiſche dieſes Ges
ſchlechts beym Sachs Monocerolog. p.79 feq ſehen. Wes⸗
wegen dieſelbe auch in den Kunſt⸗ und Naturalienkammern
fuͤr Knochen von Meermenſchenhaͤnden i Be, a i
ausgegeben zu werden.
Von dem alten beutfehen Wort Sinne, A. Sax. "Find, | å
Angl. Fin, Dan. Finder, ig Feen, Lat. e eine Floß⸗
feder. h 15 | 34
‚sahen, |
N +
dd
und der Straat Davis. 9
zaͤhen, ſehnigten und poroſen oder ſchwammichten Spe⸗
cke, (welches die Engliſchen Fiſcher Blubber nennen,) be⸗
decket und umgeben iſt. Zu welchem Ende dieſes alſo
von dem allweiſen und allmaͤchtigen Schoͤpffer geordnet
worden; ſolches erhellet zum Theil aus dem, was disfalls
vorhin bey den Hirſchen angefuͤhret iſt. Damit man
aber auch die hiebey noch waltende weitere goͤttliche Ab⸗
ſichten zu deſſen Preis erkennen moͤge: ſo will ich dem
Deutſchen Leſer allhier noch die feinen Gedanken mitthei⸗
len, welche von dem Nutzen dieſer beſondern Speckdecke
der ſcharffinnige, gelehrte und fromme Ray den Philo-
ſoph. Tranſact. ” einrücken laſſen. Er urtheilet, daß
ſtie 1) das kalte Waſſer von dem Blute, fo wirklich und
fuͤhlbar warm iſt, in einer gewiſſen Weite abhalte; daß
fie 2) die Ausdünſtung der warmen Dämpfe aus dem
Gebluͤte zuruͤck und folglich die natuͤrliche Hitze des Fi⸗
ſches beybehalte, daß ſie vielleicht 3) auch dem plumpen
Koͤrper des Fiſches, der an ſich zu ſchwer ſeyn duͤrfte im
Waſſer ſich zu bewegen und zu ſchwimmen, zur Erleich⸗
terung oder zum Gegengewicht dienen. Woben ich eine
Particularitaͤt, die ich von unſern Grönlands fahrern ver⸗
nommen, und noch bey keinem meines Behalts angemer⸗
fer gelefen habe, hier anführen will, wiewohl ich die voͤl⸗
lige Nachricht davon noch zur Zeit nicht geben kann. Es
hat dér Wallfiſch ein großes weites Gedaͤrme, welches
unſre Leute den Hauptdarm nennen, und ſolchergeſtalt
beſchreiben, daß er von dem Schlunde die Laͤnge hinab⸗
77 ob fie gleich deſſen eigentliche Laͤnge und Lage (weil
e den Fiſch gar ſelten oͤffnen, noch um deſſen Einge⸗
bet ſich bekuͤmmern,) nicht zu ſagen wiſſen. Er iſt ſo
weit, daß ein vollkommener Mann hinein kriechen kann,
dabey ziemlich dicke. Wenn man ein Stüc davon her⸗
aus gebracht, hat man nichts von Speiſe noch Koth, |
wie in den rechten Därmen , ſondern nur ein wenig
g Schleims
+ Vid, e . Vol. II. p. 339. 5
188 Nachrichten von Grönland
Deſſen ver⸗
ſchiedene
Einthei⸗
lung u vie
lerley Ar⸗
ten davon
XV ange
fuͤhret wer⸗
den.
Schleims oder Rotzes darin gefunden, dergleichen man
auch nur in dem Magen antrifft. Wenn der Fiſch eine
Weile todt, hebet er ſich aus dem Waſſer, dieſem nun
zuvor zu kommen, ſtechen fie mit einer enge oder eiſernen
Lanze bey den Finnen in den Fiſch, und bemuͤhen ſich ein
Loch in den angeregten Haupt⸗Darm zu machen, in Be⸗
trachtung, daß wenn ſie denſelben treffen und oͤffnen, nicht
wenig Luft herausgehet, und verurſachet, daß der Fiſch
um ein vieles wieder tiefer ins Waſſer hinab ſinke. Wel⸗
ches mich auf die Gedanken bringet, daß dieſer Darm ein
großes Luftbehaͤltniß ſey, welches den lebendigen Fiſch,
nachdem viel oder weniger darin iſt, leichter und ſchwe⸗
rer, folglich zum heben und ſchwimmen beqvem mache,
mithin ihm eben die Dienſte thue, die andern Fiſchen ihre
zuftblaſe 0 Ich bin auf dieſe Gedanken gekommen,
da ich in den Dorſchen einen an dem Ruͤcken feſt ſitzenden
und von oben beym Rachen an; die Lange hinab und den
Anum noch vorbey laufenden Luftſchlauch gefunden, wel⸗
cher denſelben zu gleichem Behuf dienet. Was ich ſonſt
von dieſen Fiſchen noch merkwuͤrdiges erfragen moͤgen,
werde ich bey Erwehnung der Mee Arten ea
gen unvergeſſen ſeyn.
$. XXXVIII. Es giebt, wie gedacht, der Walffſche |
vielerley Arten. Ihre erſte Eintheilung moͤgte ſeyn in
die, fo Blaſe- und die, fo Naſeloͤcher haben. Unter
denen, ſo durch Blaſelocher oder Roͤhren athemen, haben
einige zwey, als der eigentliche Wallfiſch, der Finnſiſch
und ſo weiter: andere nur ein Loch als die Cachelotte.
Die Naſelöcher haben, kommen ſelten vor. Unſere
Schiffer haben ſie niemahls weder in Groͤnland noch in
der Straat Davis geſehen; und ich haͤtte ſie ſchier fuͤr
erdichtet en, wenn DAN außer dem Fabro *, der
e
Der gleichwohl ex PORT von einem mit 2 „
nen ſchreiben will. vid. ae Hift. ER Lib. II.
ap. 4.
3
und der Straat David, 189
aus feinem Prodromo hiſtoriæ Naturalis Scotie wohls
bekannte und glaubwuͤrdige D. Rob. Sibbald in feiner
ſehr ſeltenen Balænologia nova zwoer unterſchiedener Gat⸗
tungen derſelben, die auf den Schottiſchen Kuͤſten ger
ſtrandet, erwehnet haͤtte . Hiernechſt theilet man ſie
zum natuͤrlichſten und kennbareſten in ſolche, die einen
ſchlechten, und in ſolche, die einen ausgewachſenen
Ruͤcken haben. Einen ſchlechten Ruͤcken haben, der
eigentliche Wallfiſch, der Nordcaper. Einen ausgewach⸗
fenen Ruͤcken haben, und zwar (a) mit einer Finne,
der Finnfiſch, der Jupiter, oder (b) mit einem oder mehr
Puckeln, der Schwerdtfiſch unſerer Groͤnlandsfahrer,
der Americaniſche Pflockfiſch u. ſ. w. Sonſten haben
die Wallfiſche entweder Baarten, als der Groͤnlaͤndi⸗
ſche, Nordcaper, Finnfiſch ꝛc. oder Zaͤhne. Die letztere
haben entweder nur (a) einen Zahn als das ſogenannte |
Einhorn, oder (b) viele, und dieſelbe entweder nur ale |
lein, oder doch meiftens, im Unterkiefer, als die Cache⸗
lotten und der Wittſiſch, oder in beyden Kiefern, als der
Butzkopf, der Delphin, das Meerſchwein u. ſ. w.
$. XXXIX. Unter denen, die Baarten haben, und alg 1. der
Ke
einen ſchlechten oder glatten Ruͤcken, ift der vornehmſte jo genan⸗
um des willen alle Ausrehdungen geſchehen: Der rechte fe 5
Groͤnlaͤndiſche Wallfiſch, Balæna vulgaris edentula, Walch
dorſs non pinnato. Ray. Balæna maior laminas cor- .
neas in ſuperiore maxilla habens, fiſtula donata, bipen-
nis, Sibbald. Isl. Slettbakr, Dän, Slichtebak, Schlecht:
rück, imgleichen Sand-hual, Es iſt ein plumper und dicker
Fiſch, an dem der Kopf den dritten Theil ausmachet:
wie deſſen Abbildung en Martens in feiner Spitzber⸗
| giſchen
+ Als (1) Balaena tripennis, nafes habens cum roſtro
acuto et plicis in ventre, und (2) Balaena tripennis, maxil-
lam inferiotem rotundam et ſuperiore multe latiorem has
bens. | |
190 SRadbtichten von Grönland
giſchen Neiſebeſchreibung/ „ſo die beſte iſt, vor Augen
ſtellet. Sie werden bis zu 60 und 70 Fuß lang. Die
Finnen an den Seiten ſind 5 bis 8 Fuß lang, und der
Schwanz, fo horizontal lieget, aber auf beyden Enden
etwas in die Höhe gekruͤmmet ift, alſo daß er ein ww
vorſtellet, 3 bis 4 Klafter breit, womit er, wenn er ſich
auf die Seite geworfen, gewaltig ſchlagen kann. Die
Haut iſt glate und ſchwarz/ doch an einigen mit weiß und
gelb, inſonderteit auf den Finnen und dem Schwanz
zierlich gemarmelt: der Bauch weiß. Mit dem Schwanze
rudert der Fiſch ſich fort, und zwar ſo geſchwinde, daß,
wenn man die ungeheure Groͤße und Schwere deſſelben
bedenket, es hoͤchſt zu bewundern iſt. Die Finnen brau⸗
chet er bloß allein ſich zu wenden, doch das Weiblein be⸗
dienet ſich der ihren auch noch in der Flucht, um ihre Jun⸗
gen vermittelſt derſelben, indem fie die Finnen hinter die
ausſtehende Fluͤgel oder Enden des Schwanzes der Jun⸗
gen ſchlaͤget, mit ſich fortzuſchleppen. Gleich unter der
Haut, die nur ſo dick als ein dickes Papier oder duͤnnes
Pergament, und der Schwarte, die eines Fingers dick iſt,
ſtehet ſofort oben uͤber dem Fleiſche her der Speck 9 bis
12 Zoll dick, ſchoͤn gelb von Farbe, wenn der Fiſch geſund
iſt. Das Fleiſch aber an ſich iſt mager und hoch roth.
Am Oberkiefer ſitzen zu beyden Seiten die Baarten, wel⸗
che ziemlich ſchief unterwaͤrts in die Unterlefze, als in eine
Scheide ſich ſenken, und die Zunge von beyden Seiten
gleichſam umfaſſen. Wie ſie denn auch auf ihren ſchar⸗
fen Ecken mit Zotten oder Faſen verſehen, damit fie ei⸗
nes theils die Lefze und Zunge vor dem einſchneiden und
verletzen bewahren, zugleich aber andern theils das Un⸗
geziefer, fo der Fiſch einſchlurfet, und zwiſchen den Blaͤt⸗
tern der Baarten zu feiner Nahrung zerqvetſchet, als ein
Netz auffangen und halten, bis der Fifch, ſolche hinab⸗
ſchlinget. Die Baarten ſitzen gleichſam wie Orgelpfei⸗
fen im Kiefer vorn und hinten die allerkleinſten und kleis
nern, in der Mitten die groͤßeſten, a lebkere 6, 8 und
Å un å
und der Straat Dabis 191
mehr Fuß lang find, Die Zunge ſitzet meiſt feſte, und
eigentlich iſt nur ein großes Stuͤck Speck, womit man ei⸗
nige Tonnen anfuͤllen kann. Das Auge ift nicht größer,
als ein Ochſenauge und der getrocknete humor eryftal-
linus, wie eine große Erbſe. Sie figen am Hinterkopfe,
wo er am breiteſten ift, von wannen ſowohl der Kopf
vorne, als der Leib hinterwaͤrts immer ſchmaͤler wird, da⸗
mit ſte naͤmlich in etwas vor und hinter ſich ſehen koͤn⸗
nen, und dem Fiſche um fo viel nuͤtzlicher ſeyn. Eigent⸗
lich aber ſitzen ſie ſolchergeſtalt, daß ſie vornehmlich da⸗
mit uͤber ſich, und was uͤber ihnen iſt, ſehen koͤnnen, als
wozu ſie ſolche am meiſten gebrauchen. — Denn weil ſie
ſiich zu mehrer Sicherheit gerne unter dem Eiſe aufhal⸗
ten, gleichwohl aber ohne Luft zu ſchoͤpfen, nicht lange
darunter dauren koͤnnen: ſo ſchauen ſie uͤber ſich, wo
das Licht durchfaͤllt, und das Eis folgbar am dünneften
ift, und drengen an daſſelbe (und wenn es bey einer Elle
3 dicke iſt) mit ihrem Kopfe dergeſtalt, daß es daſelbſt ber⸗
ſten und ihnen nöthige friſche Luft zur Einathmung durch⸗
laſſen muß. Maßen fie ſonſt zu dem Ende allemal un⸗
ter dem Eiſe wieder wuͤrden hervor, und ſich ſtets den
aͤußerlichen Gefaͤhrlichkeiten bloß ſtellen muͤſen. Zum
Schutz der Augen hat der thieriſche Wallſiſch wider aller
andern Fiſche Art Augenlieder und Augenbeteunetg, wie
die Landthiere. Hierneben und weil er ſo ſehr, beydes,
vom Schwerdtfiſche und den Menſchen verfolget und ge
toͤdtet wird, doch fein Geſchlecht nicht ſtark vermehret, ſo
hat die weit Vorſorge des guͤtigen Schöpfers ihn auch
noch mit einem überaus ſcharfen und weiten Gehoͤr zu
ſeiner Rettung verſehen. Zwar merket man am Kopf
äußerlich nicht die geringſte Spur einiger Ohren oder
Ohrlappen, die ihme auch nur im Schwimmen hinder⸗
lich und allerley beſchwerlichen Zufaͤllen unterworfen ſeyn
würden. Allein, fo bald die obere Haut vom Kopf hin⸗
weggethan wird, findet ſich recht hinter dem Auge und
ein wenig niedriger, ein orig Flecken, und auf derſel⸗
eben
12 Nächrichtenvon@ränfand
ben Stelle eine zarte Roͤhre, wodurch or Zweifel der
Schall bis zum Trummelhaͤutgen dringet. Denn durch die⸗
ſelbe fahren und ſtoßen die Matroſen mit einem Booßhaken,
ohngefaͤhr zwo Ellen tief auf die Cochleam, cauitatem
cochleatam buccinatam, antrum buceinoſum, wie die
Anatomici ſprechen, fo ein befonderer zum Gehör
dienender Knochen, von ihnen Wallfiſchohr ger
nannt, ift *, welchen fie wenn der Fiſch ſchon etwas
todt geweſen, und ein wenig verfaulet, (denn im friſch ges
‚ tödteten fitet er gar zu feſte) mit ſolchen Haken zum Verkauf
an die Apotheker, oder Drogiſten herausreiſſen, doch dar⸗
uͤber gemeiniglich denſelben in etwas verletzen. Ein meh⸗
rers und eigentlichers iſt mir noch zur Zeit von den Glied⸗
maßen und innwendiger Beſchaffenheit des Kopfs dieſes
Fiſches nicht bekannt, weil noch keiner, der die Zerſchnei⸗
dungskunſt gewußt, oder daran auszuuͤben Luſt gehabt
haͤtte, dazu gekommen. Dieſes iſt auch die Urſache, daß
man wenig von ſeinen innerlichen Theilen des Leibes und
dem Eingeweide zu fagen weiß: ohne was ich oben H. 37.
von dem ſo genannten Hauptdarm angefuͤhret. Wenn
fie einen todten Fiſch, der durch die Faͤulung ſchon aufge⸗
borſten, finden, 125 ſie NON etwas von feinen Gedaͤr⸗
men,
+ Dieſe heißen Ey n den Apotheken Lapides
‚ Tiberonis oder Lapides Manati, und werden dafür, beſon⸗
ders in den Landſtaͤdten, ganz irrig verkaufet. conf. Worm.
Muf. p. 18. Da man doch eines theils bedenken ſollen, dag
dieſe beyden Thiere gar febr von einander unterſchieden find, >
indem der Tiburo ein rechter Fiſch, nemlich der Merrwelf |
oder große Pan; der Manati (Lamantin) aber ein vierfüß⸗
ges Amphibion, oder große Art von Robben (deſſen Bee
ſchreibung Labat voiag. aux Isles Franc. del Ameriq. P. II.
p. 39 ſeg. giebet,) ift; und dieſe Knochen nicht die geringſte
Uebereinkunft mit andern alſo genannten Fiſchſteinen haben:
andern theils auch nur die Groͤnlandsfahrer, von denen man
fie ankauft, fragen dürfen, woher fie dieſelbe bekommen haͤt?
ten. Doch ſo iſt in der Materia Medica noch viele Ungewiß⸗ f
Heit, Verwirrung und Finſterniß. 2
und der Straat Davis. 19;
men, welches, wie unfre Leute erzehlen, aus neun un⸗
terſchiedenen Haͤuten, die man eine nach der andern her⸗
abziehen kann, und worzwiſchen iedesmahl einige Fettig⸗
keit ſich findet, beſtehen ſoll; aber ſie achten nicht darauf.
Seine Excrementa nehmen einige zuweilen heraus, weil
dieſelbe wie ein etwas feuchtes Zinnoberpulver ausſehen,
auch eine rothe und auf Leinwand einige Zeit dauernde
Farbe geben, und eben nicht ſonderlich uͤbel riechen ſollen.
Die auswendige Geburtsglieder find bey dem Maͤnnlein
ein ſechsſchuhichter Penis; welche Laͤnge wegen ihrer dicken
Baͤuche wohl noͤthig. Derſelbe haͤlt zu unterſt 7 bis 8
Zoll im Diameter, oben aber kaum einen Zoll, ſo ſpitzig
laͤufet derſelbe zu. Er ziehet ſich aber ordentlich ganz in
den Leib und lieget darinne als in einer Scheide wohl ver
wahret, wie denn auch die Oeffnung derſelben mit Mus⸗
keln, als einem Sphinctere feſte verſchloſſe n / damit er nicht
etwa am Grunde des Meers im Schwimmen verletzet
werde. Das Glied des Weibleins iſt wie bey den vier⸗
fuͤßigen Thieren geſtaltet, doch auch ordentlich feſte zu⸗
geſchloſſen. Neben demſelben ſitzet an iedweder Seiten
eine Bruſt oder Zitze, die gewöhnlich hart anlieget, von
den Muͤttern aber, wenn ſie ſtillen wollen, bis zu 6 und
8 Zoll in der Laͤnge und 10 bis 12 Zoll in der Runde zur
Bequemlichkeit des Jungen heraus gedrenget werden
kann *. Die Begattung geſchieht nach einhelliger Aus⸗
ſage unſer Groͤnlandsfahrer ſolchergeſtalt, daß beyde ſich
auf ihre breite und platt liegende Schwaͤnze ſenken, und
mit gerade aufgerichteten Koͤrpern gegen einander ruͤcken,
ſich oben vermittelſt ihrer Finnen an einander ſchließend.
Wiewohl P. Dudley in den angezogenen Tranfadions
folgende andere (doch vermuthlich nur gewiſſen Gat⸗
tungen gewöhnliche) Weiſe berichtet. Denn das Weib⸗
lein, ſagt er, wirft ſich auf den Rücken, und bieget ih⸗
ren Schwanz zuruͤck, das Maͤnnlein rutſchet auf dieſelbe,
und
” Vid. Philofoph, Transact. N. 387. Art. 2.
N
104 SRadhridjren von Grand 1
und wird von ihr mit ihren Finnen gleichſam umarmek
und angehalten. Sie begatten ſich nach deſſelben An⸗
merkung nur alle zwey Jahr. Eine geſchwaͤngerte fol
9 oder 10 Monath tragen, und ift alsdenn am fetteſten,
vornehmlich um die Setzezeit. Die Frucht ſoll, wenn
ſie nur 17 Zoll lang, ſchon völlig gebildet und weiß, wenn
"fie aber zeitig, insgemein 20 Fuß lang und ſchwarz ſeyn.
Ordentlich bringen ſie nur ein Junges, ſelten zwey. Wenn
die Mutter ihr Junges ſtillen will, wirft ſie ſich auf die
Seite in der Oberfläche des Waſſers, und laſſet daſſelbe
ſaugen. Die Milch iſt wie Kühemilch. Sie trägt übers
haupt ſehr große Sorge fuͤr ihr Junges welches ſie,
wenn ſie verfolget wird, vermittelſt ihrer Finnen auf ob⸗
erwehnte Weiſe an ſich geklemmet mit fortſchleppet, auch
ſelbſt verwundet gleichwohl nicht verlaͤſſet, ja wenn ſie
ſich an Grund begeben, der Gefahr ohnerachtet, und da
ſie ſonſt wohl bey einer halben Stunde unter Waſſer zu
dauren vermag, doch um ihres Kleinen willen, das fo
lange ohne friſchen Odem nicht dauren kann, viel ge⸗
ſchwinder wieder empor koͤmmt. Geſtalten dieſes von
dem obangezogenen Dudley aufgezeichnet if . Es blei⸗
ben die Wallfiſche iede bey ihrer Gattung und vermiſchen
ſich nicht mit einer andern. Sonſt aber halten ſie ſich
ſtets in großen Haufen zuſammen und verrichten ſolcher⸗
geſtalt alle ihre große Reiſen. Das Gewuͤrme, davon
der e allein lebet, 1 was etwa von ganz klei
| nen
Sie ſaugen ein Jahr ang und werden 1 fa von
den Englaͤndern Sort - hende, das ift, Rurzkoͤpfe genannt.
Sie find ſehr fett, daß fie so Vaß Thran geben, aber die
Mütter ganz mager. Zweyfaͤhrige heißen Stunts, daß ift,
Duͤmlinge, weil ſie nach der Entwehnung dumm ſind, und
dann geben ſie nur 24 bis 28 Vaͤſſer. Nachher heißen ſie
Sculfiſh, Schedelfiſch, da ihr Alter nicht mehr bekannt, 8
ſondern nur aus der Länge ihrer Baarten zen een wer⸗
den Be Transadt. cit. |
und der Straat Davis. 195
nen Fiſchen im Zuge mit hineinkoͤmmt *, ſcheinet gar un⸗
zureichend eine ſo große Beſtie zu ſättigen, und gleich⸗
wohl wird ſie ſo fett davon, daß ſie an Fett ihres gleichen
nicht hat. Ich habe alle Mühe angewandt, die nur er⸗
ſinnlich, um einige davon in liquore zu bekommen, dar
mit ich ſie ſelbſt genauer beſehen und beſchreiben könnte.
Wegen der unglaublichen Nachlaͤßigkeit aber derjenigen,
die auf den Fang fahren Meder dazu noch anette ge⸗
langen mögen; | en
$. XL. Der Nordeaper, der von unſern und den H. r
Holländiſchen Grönlands fahrern, nach deln nordlichſten Nordcaper.
Vorgebirge in Norwegen, die Nordcap genannt, alfo 5
benahmet wird, weil er ſich in ſehr großer Menge daſelbſt
enthält, oder fie ibn daſelbſt zum erſten und am meiſten an⸗
treffen, iſt dem eigentlichen Wallſiſche in allen ähnlich, nur
daß er ſo wohl vom Kopfe als Leibe ſchmaͤler und kleiner:
(maßen er nur 10, 20 bis 30 Qvartelen Speck und ſehr
kleine Baarten ausliefert, wie Martens bezeilget) auch
deswegen viel activer und geſchwinder, aber auch um ſo viel
a et als j jener iſt: feine Haut ift auch nicht fo ſam⸗
N 2 met⸗
Vid. Mattens Spitzb. Reise cap. 13. fl. 2. Zorgdraa⸗
> ger. Groenl. Viſcherey P. II. cap. 16. dem ich beyfuͤgen will,
was Chriſtian Bullen in ſeinem, von deme, was auf der Schif⸗
fart nach der Nordſee, Groͤnland und fo weiter 1667 vorge⸗
fallen, gehaltenen und zu Bremen 1668 in 4 gedruckten Ta⸗
gebuche (cit. ab Hafaco difquif. de Leuiath. Jobi) ſchreibet:
Des Wallfiſches Speiſe ſind kleine Wuͤrmer, die allhier dicks
im Waſſer treiben, ſchwarz, ſo groß, wie die grauen Erbſen,
oder kleinen Bonen, rund formivet, wie eine S chnecke mit klei-
nen ſubtilen kuͤnſtlichen Flügeln ‚dünne, wie ein Hixtlein, fø,
daß mans nicht faſſen kann, damit ſchwimmen ſte. Ihr Na⸗
me iſt Wallfiſchaas: ſchmecket, wie die rohen Muscheln. 1.
Sein Geruch iſt gleich, wenn man mit. Hånden lange in un
gekochtem Zucker geatbeitet hat: der Geruch bleibet lange am
Finger ſitzen. Solch Aas empfaͤhet der Wall fiſch mit er
großen Maul häufig » mit feinen VBaarten ae er e
Welches an a befunden: |
196 Nachrichten von Grdnlard .
metſchwarz als des eigentlichen, ſondern etwas *
ter, und ſein Kiefer nicht ſo laͤnglicht, ſondern rundlich;
ich wollte ihn nennen: Balenam minorem edentulam
dorſo non pinnato. Auf dieſer Sorte und der nechſt⸗
folgenden finden ſich die balani, deren bey der letzten ges
III. Der
Sinnfſch.
dacht werden wird, nicht aber auf dem großen Wallfiſche.
Was mir von dieſem Fiſche merkwuͤrdiges vorgekommen,
ſolches habe ich in den Nachrichten von Island, weil er
ſich in den Fioͤrden Selands sky befindet 95 u. f Bl.
| kane Ir meh
S. VII. Folgen die fo Baar ten haben und Beer |
einen aueh de ehe Rücken, Unter denen zuerſt
vorkommt der Sinnfifch von feiner hinten auf dem Ruͤ⸗
cken gegen den Schwanz ſtehenden erhabenen Finne alſo
genannt, Engl. ebenfalls Finfish, Franz. Gibbar
Balæna major edentula corpore ſtrictiore, dorſo pinna
mucronata notabili. Er ift eben ſo lang, auch wohl
länger als der rechte Wallſiſch, aber viel ſchmaͤler und
laͤnglichter *, auch viel hurtiger, und wenn er auch noch
ſo lange verfolget wird, nicht ſo bald muͤde zu machen,
wie der große Wallfiſch, anbey viel grimmiger, und we⸗
gen ſeines heftigen Schlagens mit dem Steert und Fin⸗
nen viel gefährlicher, als derſelbe. Seine Haut iſt nicht
fo ſammtſchwaͤrz als des Wallfiſches, ſondern als des
Schleyen; ſein Bauch weiß. Seine Finne auf dem
Mücken if 22 Fuß bis 4 Fuß hoch, gerade ſtehend und
ſpitzig, die Seitenfinnen aber iede 6 bis 7 Fuß lang, folg⸗
lich länger als jenes feine *. Er hat aber viel weniger
Speck, als der rechte mit dem ſchlechten Rücken. Gel
ne Baarten e auch kurze 145 knotigt und føle,
‚feine
| “ Siehe bin toren sn nebſt der Abbildun a
bey Martens Kue SA A IV.
Cap. nn.
'** Philef. Tens N. 387. art. 2. 53 258.
\ 7 '
1 3 >=
und der Straat Davis. 89 CA
feine Kehle oder Schlund ift weit größer als jenes. Denn
er lebet von Heering, Mackrelen und andern Fiſchen.
$. XLII. Eben dieſer Gattung iſt der Jupiter oder w. Der
Jupiterfiſch, welche Benennung ohne Zweifel her⸗ Jupiter
koͤmmt aus der bey andern gebraͤuchlichen Benennung fich.
Gubartes oder Gibbartas , die eben auch aus einer an⸗
dern bey den Bißcayern wenigſtens vor dieſem gebrau⸗
cheten Benennung Gibbar corrumpiret“ ift: zwar kann
ich noch recht eigentlich und mit völliger Gewißheit nicht
ſagen, was die Seeleute fuͤr einen Wallſiſch unter N
Br Ä Na⸗
Rumpf erwehnet beylaͤufig, daß ein Wallfiſch in
Groͤnland ohne Zähne von den Matroſen Gibbartas genennet
werde: giebt aber nicht die geringſte Beſchreibung davon.
Amboyn Rarityt- Kammer p. 280. In den Philofophical
Transact. N. I. p. 12, wird gewiſſer bey den Bermudas gefan⸗
gener jungen Wallfiſche (Cubs) erwehnet, die hinten ſehr
ſcharf, wie der Dachruͤcken eines Hauſes, der Kopf aber ſehr
plump und voll großer Beulen, an beyden Seiten, der Ruͤ.
cken ſchwarz und der Bauch weiß geweſen. Wobey ihrer
wunderſamen Geſchwindigkeit und Staͤrke, ſammt dem greu⸗
lichen Geblaͤrre, das ſie nach ihrer Verwundung gemachet,
gedacht wird, mit dem Anfuͤgen, daß man einen über 1o0
Fuß lang gefangen, und daß ſelbiger derjenigen Sorte ſehr
nahe gekommen ſey die Iubartes heiße, ohne Zähne, und låns
ger, als die Groͤnlaͤndiſchen Wallfiſche, doch nicht ſo dick,
By fie nur wenig und ſchlechten Speck, als eine Gallerte ge⸗
So viel iſt wohl gewiß, daß der Jubantes eine Art
der Finnfiſche, der eben ſo lang und noch wohl laͤnger, als
der eigentliche Groͤnlaͤndiſche Fiſch, aber ſchmaͤler ift, Ronde⸗
let de Piſcibus Lib. XVI. cap. 12, wo er den Finnfiſch
unter dem Namen Balaenae verae beſchreibet, ſetzet: Eam
dantones belluarum pifcatores vocant Gibbar a gibbero
dorfo, i. e. in tumorem elato, in quo eſt pinna. Haec
balaenis vulgo dictis minor non eft, fed minus ſpiſſa, mi-
nusque obeſa, longiore et acutiore roſtro etc. vorat aphy-
arum turmas. Aus dieſem Gibbar iſt ohne Zweifel Jubartes
von auslaͤndiſchen Rn geſchmiedet worden.
„*
*
J 1
198 Nachrichten von Grönland
Namen Jubartes verſtehen. Indeſſen will ich, was
ich von dem Jupiter in Erfahrung bringen koͤnnen, um⸗
ſtaͤndlich anzeigen, ob etwa aus deſſen Vergleichung mit
dem, was andre von dem Jubarte geſchrieben oder erzeh⸗
len moͤgten, dereinſt zu einem deutlichen Begriff zu gelan⸗
gen ſeyn moͤgte. Es iſt dieſer Jupiter, wie ich aus deg
Commandeurs, oder Schiffers eigenem Munde, der im
Jahr 1723 einen gefangen hat, und einiger andern Be⸗
richt vernommen, nicht von ſo dickem Kopfe als der rechte
Wallfiſch, ſondern von einem viel ſchmalern oder ſpitzis
gern und laͤngern Kopfe und Maul, auch hinten ſchaͤrfer
und ſpitziger vom Leibe. Er hat zwey Blaſeloͤcher, und
pfeifet beym Ausblaſen faft wie ein Menſch mit dem
Maule, doch viel ſtaͤrker, welches der eigentliche Wallfifch
nicht thut. Seine Laͤnge gleichet, ja uͤbertrifft zuweilen
des eigentlichen Wallſiſches Laͤnge, wiewohl derjenige, den
dieſer Schiffer gefangen, nur go bis 60 Fuß lang gewe⸗
ſen. Seine Haut lege ihm gleichſam los auf dem Leibe,
mit vielen Falten und Runzeln. Sie iſt ſchwarzblau⸗
licht von Farbe. Auf dem Ruͤcken hat er eine ſtumpfe
nicht viel gekruͤmmete, und 2 Fuß erhabene Finne. Das
her gehoͤret er zu dem Geſchlecht der Finnfiſche. Er
hat aber darhinter noch einen Puckel, der viel niedriger
und etwas länglicht iſt. Als der A. 23 gefangene ange-
ſchoſſen geweſen, hat er uͤberaus heftig und faſt wie ein
geſchlagenes Schwein geſchrien. Derſelbe hat keine Zaͤh⸗
ne, ſondern Baarten gehabt, die nur kurz von 1a auch
2 Fuß, anbey unten gar breit, fo daß fie can, |
Dreyeck geſchienen, weiß und bruͤchig geweſen. Wie er
denn auch nur 14 Qvartel und dazu dünnen waͤſſerigten
Speck gegeben, welches beym Aus brennen verrauchet und
nicht zu Thran geworden. Er mag heiſſen: Balena ma⸗
jor corpore ſtrictiore edentula, dorſo pinnato. Sonſt
iſt derſelbe ſehr grimmig geweſen, und da die gemeinen
Wallſiſche vor ihren Verfolgern fliehen, ift er der Cha⸗
loupe zugeeilet, hat auch drey Männer aus derſelben her
1 aus
„wie ein
und der Straat Davis. 499
aus und fie fo übel geſchlagen, daß ſie ihr Leben verloh⸗
ren *. Es iſt aber dieſer Fiſche damahls ein Pärchen
geweſen, davon eines das andre nicht verlaſſen wollen,
ſondern nachdem eines getoͤdtet, das andre ſich über
daſſelbe geleget und erſchrecklich gewuͤtet. Schließlich
iſt zu merken, daß an dieſem Fiſche, abſonderlich unter
deffen Gurgel, auf dem Nacken und Ruͤcken, ja ſelbſt
auf den Finnen eine Menge von großen und kleinen Sees
eicheln 1 ** oder mn tief i in die Haut und
| Speck
Mich deucht, es kommt dieſe Beſchreibung mit der
2.197 in Not. aus den Philofophical. Transac gezogenen ſo ges
nau uͤberein, daß beyde, wo nicht einerley Sif, wenigstens |
einerley Gattung zum Vorwurf haben. f
* Balanus, glans marina, Ekelen, Puiflen, Rumpfio,
vulgo Pokken, ene ceti, Boccon Recherch. p28 et 203.
Balanus, Balaenae cuidam Oceani Septentrionalis adhaerensz
Lifteri Hiſt. Conch. Lib. III. Sect. 3. In meiner Einrichtung
der Conchilien beſchreibe ich ſie, daß fie ſeyn: Teſtae non tor-
tiles certo loco affixae, „ ſubrotundae, vertice valuato, qui-
bus animalculum muleis cirrhis inſtructum inhabitat. Rob.
Sibbaldi in Philofoph. Transact. N. 308. Art. 1. beſchreibet
gar umſtaͤndlich einen ſolchen Balanum, mit dem darinn woh⸗
nenden Thiere, ſo nebst mehr andern auf einem an den Schot⸗
tiſchen Kuͤſten gefangenen Wallfiſch gefunden worden, und
giebt eine Abbildung davon. Es findet ſich auch eine Art
von Balanis, oder Pocken, auf den Muſcheln, worinn ein
Tbierlein mit jenem eines Geſchlechts, naͤmlich eine Art eines
Polypi wohnet, inmaßen deſſen Figur, die Leuwenh. Ep. 83.
p. 716 feg. abgebildet und beſchrieben, vor Augen leget. ES
ift ein Vergnügen, anzuſehen, wie dieſe Thierlein, nach Weg⸗
ziehung der Thuͤrlein ihrer Haͤuſerchen, ihre viele mit Ring⸗
lein verſehene und mit unzehligen Federchen „Villis (die ohne
Zboeifel ihre Bronchiae find, und zur Abſonderung der Luft
vom Waſſer dienen) beſetzte Haͤlslein, wenn ſie reſpiriren,
wechſelsweiſe bald lang herausſchlagen, bald wiederum auf⸗
kraͤuſeln (als die Schmetterlinge und Eulchen ihre Zungen)
und in ihre Haͤuslein einziehen. Dieſen aͤhuliche Thierlein
und Polypi hauſen auch in den fø genannten conchis anati-
feris. Sibb. Scot. illuſtr. prodrom. Part. II Lib. kr cap. 12.
N 4 Barrel
200 Nachrichten von Grönland
Speck eingeſenket geſeſſen, worinn Wuͤrmer gehauſet, die
ein gelbichtes Haͤutlein oder Decke uͤber ſich gehabt. Es
pfleget dieſes, naͤmlich daß dergleichen Muſchel⸗ oder
Schneckenzeug ſich auf die Fiſche ſetze, nach unſerer Groͤn⸗
landsfahrer Bericht nur den ganz alten zu wiederfah⸗
ren “, wie man denn auch die Conchas Anatiferas ges
meiniglich nur an altem lange im Waſſer gelegenem Holze
und uͤberhaupt die Inſecten in einiger Menge nicht an⸗
ders als an alten uͤberſtandenen Baͤumen findet.
Piodſſch., . XI Ill. Der Pflockfiſch, The Bunch. or Hump-
" back- Whale auf den Kuͤſten von Neuengeland. Er
mag heiſſen: Balæna major edentula pro pinna paxillum
in dorſo gerens. Derſelbe hat einen Bunch oder Hoͤ⸗
cker wie einen Pflock geſtaltet, der hinten weg ſtehet, an
der Stelle, wo der Finnfiſch feine Finne traͤget. Dieſer
iſt einen Fuß hoch und ſo dick als eines Mannes Kopf.
Die Seitenfinnen find bis 18 Fuß lang, ſehr weiß von
Farbe, und ſtehen bald zu halbem Leibe. Das Speck
koͤmmt des Finnfiſches Speck ſehr aͤhnlich, und die Baar⸗
ten ſind auch nicht viel werth, obgleich ein wenig beſſer,
als jener ihre.“ . al Jana Ul e e
F. XLIV
Barrel Icon Plantar, p. 133. Philof Transact. N. 137. pag. 926 MJ
die ſich auch auf Wallfiſchen anſetzen. Phil. Transact. N. 4.
Pag. 13. : | 5 4
Ces cocquillages marquent, ſelon les Indiens, la
vieilleſſe de ces animaux (Baleines) parce que leurs peaux
f’etant endurcies par le nombre des années devien-
nent, diſent - ils, presqu’ infenfibles, de maniere, que de
petits poiſſons enfermés dans leurs coquilles trouvant
de quoy fe nourrir aux queuẽs des Baleines, ils s’y atta ·
chent aiſement. P. Feuillde' Journal des Obſervat. FThyſiqu.
Vol. I. p 397. e IA | n
\
4
m.
"2% Philof, Transakt. N. 387. art, 2. p. 5.
und der Straat Davis. 201
$. XLIV, Der Knotenfiſch oder Anobbelfifch, vl. Der
The Srag-Whale auf den Küften von Neuengeland ge⸗ lune PR
nannt %, iftan Stelle der Finne auf der Höhe feines belſiſch.
Ruͤckens mit ein halb Dutzend Knobbeln oder Knoten
gleichſam beſetzet, ich wollte ihn nennen: Balenam ma-
jorem edentulam dorſo verſus caudam nodoſo. An
Geſtalt und Vielheit des Specks koͤmmt er dem rechten
Wallfiſch am naͤchſten. Seine Baarten find weiß, wol⸗
len nicht ſpalten. n
§. XLV. Und hiemit komme ich zu den Wallfiſch⸗ bi Det
gattungen, die Zähne haben, darunter einen Jahn oder dag
hat der Narhwal, Mevedss, insgemein Monoceros, Einhorn.
das Einhorn, Einhornfiſch **, bey den Grönlaͤndernn
Towack genennet. Daß dieſes eine Wallfiſchart ſey,
iſt daraus genugſam abzunehmen, daß es Finnen und
Schwanz wie ein Wallfiſch hat; daß es mit Blaſeloͤchern
im Nacken zur Athmung und mit Speck uͤber dem gan⸗
zen Fleiſche, wie dieſer Fiſch, verſehen, auch lebendige
Jungen ſetzet u. ſ. f. Seine eigentliche Geſtalt iſt bis⸗
her nicht eigentlich ausgemacht geweſen, weil es unſern
Leuten ſelten zu Geſicht koͤmmt, und noch ſeltener mit
aufmerkſamen Augen betrachtet wird. Die Frucht, ſo
É 5 N 5 ft aus
" Philof. Transat. d. 1, |
Daß der vorausſtehende Zahn kein Horn, fonden
vielmehr ein eigentlicher Zahn ſey, iſt von andern bereits mit
vielen Gruͤnden ausgemachet. Man darf auch nur deſſen Gleich⸗
heit mit den Zähnen der Cachelotten u. der Wallroſſe im Waſſer,
und auf dem Lande mit den Zaͤhnen der Elephanten und
inſonderheit des Thiers Babi Ronfa beyden aus dem Ober⸗
kiefer aufrecht herausgewachſenen, (vid. Beſchreibung beym
Grew . Muſ. P. I. p. 27 fq.) aber zu oberſt hinten über krumm
als Hoͤrner gebogenen Zaͤhnen, (damit es ſich des Nachts an
einem hohen Aſt eines Baums hängt. Valentin Befchryv,
d. Dieren v. Amboina p. 268, ohne Zweifel um deſto ſicherer
vor Epgern u. d. gl. zu ſchlafen) in Betrachtung nehmen, ſo
kann man ſofort der Wahrheit uͤberzeuget werden.
202 Mächten! von Grönland
aus einem en Sk Weiblein vor Jahren ausge⸗
ſchnitten und anhero gebracht worden, ift noch gar zu
jung und durch unfleißige Doͤrrung fo ſehr eingeſchrum⸗
pfet geweſen, daß man ſich keine rechte Vorſtellung dar⸗
aus machen koͤnnen. Der Schiffer, fo die Straße Das"
vis ſo fleißig befahren, hat mich verſichern wollen, daß
das Einhorn vom Leibe ſchmahl und der Geſtalt nach
dem Stöhr viel ähnlich, doch nicht fo ſpitzig vom Kopf
ſey. Die Haut iſt glatt und ſchwaͤrzlich, bey einigen
Apffelgrau, wie Martens berichtet. Der Bauch
weiß. Er hat nur zwo Finnen und einen glatten Ks
cken, Speck hat er auch nicht viel, davon ein Thran
kommt, der duͤnner, und nicht ſo uͤbel riechend, als der
vom Wallſiſch iſt. Eines von 20 Ellen, deſſen langer
| Zahn von 7 Fuß geweſen, hat nur 12 Tonne Specks ge⸗
geben. Aus der Schnauze linker Seits gehet der lange
gewundene Zahn heraus, welcher in der See mit aller⸗
ley Unreinigkeit als wie mit einer Scheide uͤberzogen ſeyn
und zuweilen ganz gruͤn ſcheinen ſoll. Rechter Seits iſt
dieſelbe etwas flg abgeſtumpfet und dicht zu . Wo⸗
fern der Islaͤndiſche Biſchof, der an Wormium ix Nach⸗
richt gegeben, recht gemeſſen, fo hat ein Fiſch von 30 El⸗
len und etwas daruͤber einen Zahn, der 7 Ellen heraus⸗
ſtehet. Es haben vor dem die guten Leute, ſo den Zahn
fuͤr ein Horn angeſehen, ſich aus dem Exempel der Hin⸗
binnen und Rehen eingebildet, daß die Sieſiſche kein
Horn oder Zahn haͤtten (wie denn unſere Grönlän⸗
diſche Commandeurs größten Theils noch in dieſem
Wahn ſtecken) und darauf weiter LEDTE ig daß das
Meer⸗
+ Vid. Spitzberg. Reise, part. IV. c, 6. n. 6,
* (Eine anatomiſche Beſchreibung des Obertheils des
Kopfs giebt D. Sachs in ren Menger Raceb.
1676. 8. |
ren feinem Mufeo, p. 282. Ich habe in meiner
Sammlung zweene Zähne, die ganz und Auverfehte Lø;
h
NØ
bi i
i
1
Wa:
%
und der Straat Davis. 203
Meerſchwein, die Phocaena, oder Delphinus Septentrio-
nalis, (ſo doch eine eigene Gattung fuͤr ſich iſt, die Maͤnn⸗
lein und Weiblein unter ſich hat) des Einhorns Weiblein
waͤre » Allein, fo wenig es dem Weiblein der Wall:
roſſe, oder Elephanten an den herausſtehenden langen
Zaͤhnen mangelt, ſo wenig ‚fehler es auch der Cinhornin
daran. Ja es hat die, fo Anno 1684 von einem Dam:
burgiſchen Commandeur gefangen worden, gar zweene
Zaͤhne gehabt. Indem ich aber dieſes zwenzaͤhnig⸗
ten Weibleins erwehne, kann ich mich nicht enthalten,
hiebey zu fuͤgen, daß, ob gleich verſchiedene in der Ver⸗
muthung geſtanden, als wenn der Marhwal ordentlich
zweene Zähne, und die Einzähnichte ihren zweyten nur
durch einen Zufall verlohren hätten, ich doch deſſen nie⸗
mals moͤgen überführet werden. Denn einmal ſtehet
die große a im Wege , da man allemal nur
t
Sachs d. I. p. 79.
In dieſem 1684 Jahr hatte der Commandenr Dit
Peterſen auf dem Schiffe, der guͤldene Lowe genannt, das
Gluͤck, daß er dieſes Weiblein fieng, und den obern Kepf⸗
knochen mit den darinn ſteckenden beyden Zähnen nach Ham⸗
burg brachte, wo dieſe Seltenheit auch noch bey einer Privatper⸗
ſon vorhanden iſt. Die beyden Zaͤhne ſtehen neben einander,
und zwar recht vor dem Kopf in der Weite von 2 Zoll: er⸗
weitern ſich aber nachhero maͤhlig dergeſtalt daß ſie an den
Spitzen 13 Zoll von einander ſtehen. Der linke Zahn hat die
Laͤnge von 7 Fuß und 5 Zoll, und haͤlt am Kopfe in der Run⸗
de 9 Zoll; der rechte ift gerade 7 Fuß lang und am Kopfe
3 Zoll dick. Beyde ſtecken 1 Fuß und ı Zoll im e dane
Kusche 2 Fuß lang und 1 und ein halb Fuß breit iſt. :
*, Man weiß nur noch von einem Hirnſchaͤdel mit zween
Zähnen, der in Amſterdam geſehen worden. Siehe Zorgdraag.
Groenl. Viſch. p. 9. und von demjenigen, welcher dem Pro-
feſſori in Copenhagen, Tichoni Laſſen Tichonio 1706 Gele⸗
genheit gegeben. Exercit. Hiftorico - Criticas unter dem Tis
tel: Monoceros piſcis haud monoceros zu ſchreiben. Wie⸗
albert das letztere noch bveifelbaftig e i und die kuͤnftige
weis
i
*
| 20 „
204 Nachrichten von Groͤnland
Fiſche mit einem Zahn antrifft. Und hiernachſt findet
ſich an den Koͤpfen, die man zuweilen bekoͤmmt, nicht die
geringſte Spur eines abgebrochenen Zahns; Vielmehr |
die andere Seite der Schnauze dicht verfchloffen und ver?
wachſen. Sie ſind ſehr geſchwinde Schwimmer, indem
ſie ſich mit ihrem Schwanze fortrudern, und mit den
Finnen, die doch dazu, ihrer beſondern Kleinheit halber,
ungeſchickt ſcheinen, nach Nothdurft wenden. Sie wuͤr⸗
den ſchwerlich koͤnnen angeſchoſſen werden, wenn ſie nicht
Schaarweiſe giengen, und indem man auf ſie zukoͤmmt,
dicht in einander, und zwar ſolchergeſtalt ſich draͤngeten,
daß den Vordern die Hintern die Zähne auf den Ruͤcken
legen, und dadurch ſich ſelbſt hindern, daß ſie nicht ge⸗
ſchwinde genug zu Grunde und wegkommen koͤnnen. Wor⸗
—
geſchoſſen und erhaſchet wird. | |
über eines oder ein paar von den Hinterſten dann und wann
Endlich ift mir das Glück fo günſtig geweſen, da
im Jahr 1736 ein Einhornfiſch oder Narwal im
Mon. Febr. nach Hamburg in einem Schmackſchiffe ger É
bracht worden, welcher mit einer hohen Fluth auf die
Elbe gekommen, aber bald bey eräugter Ebbe geſtrandet,
| | mi | und
weitere Ausfuhrung des Verfaſſers allererſt wuͤrde klar und era
weislich haben machen müſſen, wenn anders der gefundene
kleine Knochen ein eigentlicher Zahn iſt, ob wahrſcheinlich,
daß er iemals haͤtte heraus wachſen koͤnnen? Denn es iſt nur
der Prodromus und eine Exercitatio ans Tageslicht gefoms
men, und damit durch den erfolgten Tod des Autors das
Werck ins Stecken gerathen. Indeſſen, weil auch dieſe bey⸗
den Stücklein gar ſchwer zu bekommen, fo habe zur Ueberle⸗
gung und zugleich zur Illuſtrirung deſſen, was von dieſem
Fiſche geſchrieben, aus dem Prodroma das eingedruckte Kup⸗
ferblat hiemit den Liebhabern der Naturgeſchichte vor Aus
gen legen wollen. Zumalen die Beſchreibung, welche Herr
Laurenzen in Muſeo regio (wohinein dieſer Kopfknochen ger
liefert worden) Sack. III. n. 1. davon giebet und die Abbil⸗
dung, gar unzureichlich ſind. sy RÅ e
I
.
Da * * war Er
aks & * * —
eee
SURE FANEN | x 7 N
= & 2 å 8 N É
E
* 7 = 2
*
l Å
i RN =
n \ N
8
er. We „zore uber ua 7
ISHS
III
NN MW
IWC NS
um
1 HUD 4
acer: f. qr; Er als nå
amen. 3
III III ————.——————ßr
= = === =
18 \ — Zen, rer . * * .
zon unten
20 FIG = % %
720.7- ö ge, arch Filet
\ emcs &0.1706.An Grönland
5 rente Cue
S hßſ7... TR mn
rr 2 2 — r , 22 e ;
ET 2 5 e, eee — ebd Ze TEE DEE ØR zu
ae Te 7 Dr obeit 8
Le en e, gleich No Der Span 2 SEE Die >. 2 nn re i:
et unfar Nom 2 g eq, Glec kk
.
SN
+
1
HE
4
£ -
É
gore nn N 1 5 }
und der Straat David. 205
und nachdem er heftig getobet und ſich ermattet, endlich
abgeſtanden iſt.
Der Fiſch war von Geſtalt mehr dick als laͤnglich,
mit einem abgeſtumpften Kopfe, der einem Reiſekoffer
nicht unähnlich; einem an der linken Seiten herausge⸗
henden Horn, zwo kleinen Finnen oder Floſſen, und ei⸗
nem breiten horizontal auf dem Waſſer liegenden
Schwanze.
Die Haut war ſchneeweiß mit unzaͤhligen ſchwarzen
Flecken, und wenn man einen Schnitt durch ihre ganze
Dicke, die nicht geringe war, that, durch und durch ge⸗
marmelt, unterm Bauche ganz weiß, und überall glaͤn⸗
zend, auch ſo weich anzufuͤhlen, als Sammt.
Die ganze Laͤnge von dem Rande der Schnauze oder
Ropfs, bis zu Ende des Schwanzes 102 Fuß Pariſer,
und 11 Fuß, 8 Zoll Hamburger Maaß. |
Das Horn, oder beſſer, der Zahn, ſtund 5 Fuß 4 15
Zoll Pariſer Maaß aus dem Kopfe heraus.
Eine iede Finne hatte nur 9 Zoll in der Länge, und
nicht zwo flache Haͤnde in die Breite, die Breite aber des
platt liegenden Schwanzes betrug 3 Fuß 24 Zoll.
Der Zahn, ſo links gewunden, gehet linker Seiten
aus dem obern Kiefer gerade über der Oberlefzen hervor.
Die rechte Seite war dichte zu, und mit der ganzen Haut
voͤllig überzogen, auch durch Anfuͤhlen darunter nicht die
geringſte Höhle im Kopfknochen zu ſpuͤren.
Das Maul ſitzet fehr tief herunter, und ift die Lin:
terlefze nur ſchmal und kurz ja das ganze Maul ſelber recht
ſehr klein, maßen deſſen Einſchnitt nicht viel uͤber eine
Hand breit, ohne alle Zähne, nur der Rand des Mauls
ein wenig harte und rauch, die Zunge ohn gefahr einer
Hand breit. Oben auf dem Kopf ift ein mit Fleiſch
gleichſam ausgefuͤttertes, und mit einer Valtl, die ge⸗
oͤfnet und geſchloſſen werden kann, verſehenes Blaſeloch,
2 dadurch
26 Nachrichten von Grönland |
dadurch der Fiſch das eingeſchlurfte Waſſer ben i der Aus.
N wieder von ſich ſpruͤtzet.
Die Augen figen gleichfalls tief hinab, und nur ein ®
wenig höher, als das Maul. Ihre Oefnung iſt gar
i klein, und mit einer Art von Augenliedern verſehen.
Es war ein Männlein, penis aber ragte aus der Def? |
| nn des Leibes nicht hervor. =
Dieſes ift es alles, was ich daran äußerlich wahr:
Heben fånnen, zumal er in einem Schmackſchiffe feſt
eingepreſſet lage, und nur kuͤmmerlich zu beſehen war.
Deswegen es auch Muͤhe gekoſtet, nur die angefuͤgte Ab⸗
bildung zu bekommen, ob ich wohl mehr als einen Mah⸗
ler dazu gebrauchet habe. Ich haͤtte ihn ſehr gerne
geoͤffnet, und fein Innwendiges genau beſehen und be⸗
ſchrieben, wie denn auch ſchon zum Zergliedern Anſtalk
gemacht war. Allein eine zwiſchen dem Amtmanne und
Gutsheren, auch letzterm und den Fiſchern, wem der Fiſch
zugehoͤren ſolle, entſtandene Zwiſtigkeit verurſachte, daß
er unvermuthet von hier weg und an Ort und Stelle,
wo er gefunden worden, wiederum gebracht werden muß:
te. Indeſſen findet ſich auch einige Beſchreibung und
Nachricht von Lben dieſem Fiſche in den Halliſchen n
gen des 1736 Jahres, n. XIX. i
Deken ſild Llebrigeng ſcheinet es, als ob mehr denn eine e
in art. Einhoͤrnern in der See ſeyn duͤrfte. Es find einſt der⸗
En gleichen glatte oder ungewundene Hoͤrner oder Zaͤhne nach
Hamburg gebracht worden %, welche meines Ermeſſens
von einem eigenen Fiſche geweſen. Zwar hat man ge⸗
b meinet, daß es Hörner oder Zähne von ungebohrnen Ein⸗
; hörnern wären; allein ich weiß von keinem Thiere in der
ganzen Natur, daß mit Hoͤrnern auf die Welt komme.
Ein etwas fg eden eh. der eine A:
{ | 15 öffnen
+ Vid. Sachs ne 95 fg. RR ET
URN
und det Stenat Davis. 207
öffnen fehen, welches ein feltener Vorfall ift, hat mich
auch verſichert, daß die Frucht ohne Horn geweſen. Ja
es ſcheinet mir auch ſelbſt unmöglich: denn es müßte al
ler Vermuthung nach die Baͤremuͤtter waͤhrender Tracht
oder in der Geburt durch dergleichen Stachel verletzet
werden. An der vorhin erwehneten 1684 ausgeſchnitte⸗
nen Frucht ſpuͤret man dergleichen auch gar nicht. Und
ich habe einen gewundenen Einhornszahn, der nicht gar
zu lang, woraus man ſiehet, daß ſo fort von der er⸗
ſten Jugend an, die Zaͤhne an den bekannten Einbörnern
ſchon gewunden hervorkommen %,
Schließlich merke ich noch an, daß die Grönlands Sie ſind el⸗
fahrer die Einhoͤrner für eine Anzeige nachfolgender daß dir ge
Wallſiſche halten, und bey deren Erblickung ſich zur rechten
Jagd fertig machen. Maßen ſie die Erfahrung gelehret, .
daß wo Einhoͤrner ſich ſehen laſſen, zu gleicher Zeit, oder werden.
doch ohnfern davon auch allemahl Wallſiſche angetroffen |
werden. Welches dem Vermuthen nach daher kommt,
daß ſie von einem Aaſe leben und dezwegen auf einerley
Baͤnken ſich enthalten. Denn wenn ihre Maͤuler gleich
ſehr unterſchieden, maſſen das Einhorn keine Baarten,
als der Wallfiſch hat: fo ift doch deſſelben Maul 8 be⸗
ſchaffen, daß es wegen Mangels der Zaͤhne keine Fiſche,
noch ſonſt etwas haͤrtliches faſſen, weniger kauen kann;
ſondern das Wallfiſchaaß ſcheinet fein eigentliches ange⸗
meſſenes Futter zu ſeyn. Und der dem Wallfiſche feines
ungeheuern Rachens halber nöthigen zottigen Baarten ges
e er vt weil ſein Maͤulchen nur ſo klein iſt.
F. NI. VI.
ei De mag bier nicht krwebnen des gar beſondern ;
Einbornfiſches, deſſen in des Rochefort Hiſt Nat. et mo-
ral des Isles Antilles, sap. 18 gedacht wird. Denn wenn
die ganze Geſchichte nicht erdichtet if, wie es faſt ſcheinet, ſo
ift es kein eigentliches Einhorn, ſondern eine ganz andere Art
von Fiſchen, nämlich mit Floßfedern, Schuppen ec. gewe⸗
fen, dergleichen ſonſt nirgends vorkommt. 11 Bys
4
208 Nachrichten von Grönland
VIII. Die
Cachelot⸗
te.
zaͤhne haben, als: die Cachelotte *, Belg. Cazilot,
§. XLVI. Nun folgen die unten das Maul voll zöb⸗
‚ne, oben aber keine oder nur ganz wenige Badens
imgleichen Potfiſch, Potwalfiſch, bey engen Flore;
caper ** genannt, Cete dentatus, Clus. von welchen eis
nige dicke und oben plattrunde, einige ſchmalere
krumme und fat ſichelartige Zähne haben. Unter
den dickzaͤhnigten haben einige kleinere, andere größere
Zaͤhne. Diẽeſes Wallfiſchgeſchlecht ift deſto merkwuͤr⸗
diger, weil es die beyden Foftliche Heilmittel den Sperma
ceti, (Wallraͤth, Holland, Walſchot, imgleichen
Witte - Amber, Zee: ſchuim und Vifch- miſt. Franz.
Blanc de Balaine) und den Ambergrieß Ambra bey
ſich fuͤhret. In der Straße Davis und bey Spitzber⸗
gen findet ſich nur die Gattung mit den kleinen dicklich⸗
ten und ſtumpfen Zaͤhnen, die einen dicken Kopf „zwo
lange Seiten⸗Finnen, einen kleinen Puckel, wie eine Fin⸗
ne hinten an dem Riden, und einen gar breiten Schwanz
von 12 auch wohl von ı5 Fuß haben. Balaena maero-
cephala tripennis, quae in mandibula inferiore dentes
habet minus inflexos et in planum definentes. Sibbald.
Com-
Ibdoch finden fie ſich ſchaarweiſe. Ein olcer erfahrner
| * Dieſe Benennung koͤmmt von den Hiscayern, als den
erſten und beſten Woullfiſchfaͤngern her. In den Ephemerid.
Nat. Curiof. Cent. I. Ann. 1. Obferv. 136. p. 303 ſtehet: qui
in Baionna, 1 ; et in Inſula S. Iohannis de Luca Ca-
chalut.
heil fie bey der Nordcap fo häufig, as man ſie zu⸗ |
weilen bey hunderten ſchwimmen ſiehet Daſelbſt hat man
auch zum erſten einige gefangen. v Nafpeuring van den Le-
viathan und Jobs Boek door Theod. de Haaze vert. en verm.
door Wernerus Köhne I und II Toeg. allwo p. 240 dat
vor eenige Jaaren diergelyken Vis te Sluys doot was ko-
men andryven, dien men Noordekaper noemde, uyt wiens
hooft - Zeker Doctor - hadde gehalt twederly Sperma, ung
eerfte fyn, en her andere wat ul
* SEES
SER IR er En Er
und der Straat Davis. 209
Commandeur hat mir erzehlet, daß er in Groͤnland einſt
einen ſolchen Schwarm ankommen ſehen, vor welchem
ein großer, wohl uͤber 100 Fuß lang, wie ein König vore
her gezogen, der, als er ſeines Schiffes gewahr worden,
durch ein ſtarckes, die uͤbrige andre all uͤbertreffendes, und
wie Glocken durch einander klingendes Blaſen, davon
das Schiff erſchuͤttert und gebebet, dem Haufen ein Zei⸗
chen gegeben, worauf alle gehlings gefluͤchtet und wegge⸗
ſunken. Noch öfter aber und häufiger werden fie ange⸗
troffen bey der Nordcaap und unter Finnmarken. Doch
werden derſelben ſowohl ihrer Wildigkeit halber, als
weil ſie nur eine oder zwo Stellen uͤber der Finnen haben,
da eine Harpune hinein fahren kann, auch ihres ſehnigten
Specks halber nur wenig Thran geben, nicht oft noch
viel gefangen. Dieſe Fiſchart iſt nicht ſo dick, plump
und ſchwer als der rechte Wallfiſch, ſondern ſchmaͤhler,
leichter und folglich geſchwinder, kann auch laͤngere Zeit
unterm Waſſer dauren, ſonſt aber ift fre ſteifer und feſter von
Knochen, daher fie nicht fo viel und ſtark ſchlagen koͤne
nen als jene. Es giebt derſelben zwo Arten, die an
der Leibesgeſtalt und den Zähnen einander, wie unfre
Leute, die beyde geſehen haben, berichten, ganz gleich,
ſonſt aber darinn unterſchieden ſind, daß der eine etwas
gruͤnlicht von Farbe iſt, und einen harten Deckel von
Knochen uͤber ſeinem Gehirnkaſten traͤget: dahingegen
der andre oben grau, am Bauch, weiß von Farbe ift, |
und nur eine zaͤhe Hautdecke eines Fingers dick über ſeie
nem Gehirnkaſten geſpannet hat. Einer von den Ham⸗
burgiſchen Commandeurs, der Anno 1727 eine Cache⸗
lotte der letztern Gattung gefangen, erzehlet, daß dieſelbe
nur ein Blaſeloch vorn gehabt, womit fie das Waſſer
recht voraus geblaſen. Auf der Schnauze habe ſie viel,
und mehr als eine Elle dickes Speck, aber recht auf dem
dicken Kopfe habe ſie unter der Haut nur drey Finger
dick Speck gehabt, darauf die zaͤhe eines Fingers dicke
Decke des Gehirns gefolget. Das Gehirn ſelbſt habe in
9 28 Kame
u Nachrichten von Grönland
28 Kammern oder Faͤchern geſeſſen, die fie nach einander
geöffnet und ausgeleeret. Das Sperma Ceti ſey fo klar
als Brantewein da gelegen, und nachdem man es ausge⸗
ſchoͤpffet, wäre es fo gleich als Schneeflocken geſtanden.
Der Speck des ganzen Fiſches ſey koͤrnicht vom Sperma,
und in demſelbigen viele Hoͤhlen mit ſolchem Spermate
angefüllet geweſen. Das ſonderlichſte, was er hinzu⸗
ſetzte, war, daß der Fiſch hinten auf dem Rücken gegen
den Schwanz drey Hoͤcker, davon der erſte 12 Fuß, der
zweyte 2 und der dritte und hinterſte nur 2 1 Fußes hoch gewe⸗
fen, Wenn ſie zu Grunde gehen wollen, wuͤrfen fie ſich alle
mahl erſt auf die rechte Seite, und ſchoͤſſen alfo ſeitwerts in
die Tiefe. Ich bin anfangs auf die Gedanken gerathen,
daß diejenige, ſo eine ſo weiche Decke haͤtten, etwa junge
Fiſche waͤren, und 5 Decke mit den Jahren erhaͤrtete,
und beinern würde, Aber der Commandeur, ſo dieſen
jetzt berührten Fiſch gefangen, hat mich verſichert, daß
derſelbe feine völlige Größe und eine Lange von 26 bis 27
Ellen gehabt, dagegen der zu gleicher Zeit von einem Hol⸗
laͤnder neben ihm gefangene gruͤnlichte mit einem knoͤchern
Deckel nur 40 Fuß lang geweſen. Er hatte auch von
dem ſeinen 36 Qvartelen Specks bekommen. Woben
en noch bemerkete, daß die 1 wenn der
fig ganz verlieret. Sø 2 55 einen Re und ai |
Hinterzahn von ihm aus dieſer Cachelotte bekommen.
Einen andern Fiſch eben dieſer Gattung hat ein Hollaͤn⸗
diſcher Schiffer bey der Nordcaap vor nicht gar langen
Jahren zu fangen das Gluͤck gehabt, aus deſſen Erzeh⸗
lung, wie ſie der in der vorhergehenden Note angezogene
Köhne mitgetheilet, ich eines und anderes zur Ergänzung
der Hiſtorie von den Cachelotten dienendes anhero ſetzen
will. Der Kopf, ſpricht er, machet faſt die Haͤlfte des
Fiſches aus, und hat eine beſondere Geſtalt, bey nahe
10 die Kolbe an einer TR oder A. umgekehrte voͤr⸗
a
* 3 f
*
7
fr
*
#
7
und der Straat Davis. Air
dere Theil einer Schuſterleiſte; er hat vorn auf der Naſe
nur eine Blaſeroͤhre: hinten am Ruͤcken einen Hoͤcker
der einer Finne gleichet “, vielleicht hat dieſer Schiffer
die platten laͤnglichen Puckel uͤberſehen: in dem obern
Kiefer hat er zu ieder Seiten 3 oder 4 Hinter: oder Baz
ckenzaͤhne, uͤbrigens aber nur Hoͤhlen oder Scheiden,
worein die Zaͤhne des Unterkiefers paßen. Der Unter⸗
kiefer aber fiset rund herum voller Zähne, davon die groͤß⸗
ſeſten voran, die kleineſte hinterwaͤrts ſtehen, und ausge⸗
brochen die Geſtalt einer dicken Concomber haben 7%,
Weil an dieſem Fiſche das innwendige des Kopfs das
merkwuͤrdigſte iſt, und von keinem daſſelbe bisher noch ſo
fleißig bemerket worden, als von dieſem Commandeur ge⸗
ſchehen, der dem vor angefuͤhrten gelehrten Prediger ſeine
Anmerkungen mitgetheilet hat; ſo fuͤge daraus einen
Auszug in Deutſcher Ueberſetzung hier bey. Nachdem
die Haut hinweg gethan, heiſſet es, ſindet ſich der Speck
ohngefehr einer Hand breit dick, und darunter eine dicke,
zaͤhe, harte Decke von feſten Sehnen „die ſtat einer
Hirnſchale dienet: hiernechſt folget eine zweyte Abſonde⸗
rung aus dergleichen Sehnwerke faſt einer Hand breit
dick, die von der Schnauze bis in den Nacken uͤber den
ganzen Kopf ausgeſpannet iſt, wodurch der erſte 79
des obern Kopfs von dem zweyten Theil deſſelben geſchie⸗
den wird. Dieſe erſte Kammer wird die Klapmuͤtze ge⸗
nennet, und ſchließet die koͤſtliche MWaare, naͤmlich das
5 zarteſte Gehirn, welches ich nicht unrecht Cerebellum -
nennen werde, und woraus das beſte Sperma Ceti ver⸗
fertiget wird, in ſich. In dieſer Kammer beſtehen die
; Gehirnfächer oder Gefaͤße aus einer Materie, die wie ein
dicker Stop ausſichrf, und aus dieſer hat der Se
; O 2 ſteben
Eine weitere Sehenden dieſes Fiſches, auch allem
Vermuthen nach, deſſen beſte Abbildung findet man bey dem
in nechſt vorhergehender Anmerkung angegogenen ee
es wann | d. I. F. 10 et 17, ;
a Nachrichten von Groͤnland
ſieben Ovartelen des Föftlichften Gehirnoͤhls en und
weiß geſchoͤpffet. Welches aufs Waſſer geſchuͤttet wie
Kaͤſe geronnen, oder zuſammen gelaufen, und davon ab⸗
geſchöͤpffet wieder fo flüßig als zuvor geworden. Auf
dieſe Kammer folget die andre, welche auf dem Oberra⸗
chen ruhet, und nach Größe des Fiſches 4 bis 74 Fuß
hoch iſt. In derſelben wird wieder ſpermatiſch Gehirn
(welches ich Cerebrum nenne,) in kleinen Faͤchern oder
Zellen aus einer Materie, der Haut vom Ey gleich beſte⸗
hende, nicht anders als der Honig im Waben eingefaſſet,
gefunden. Und aus dieſer Kammer kann man nicht nur
das Gehirn, ſo viel darinn iſt, herausnehmen, ſondern, ſo
bald ſie ledig gemachet i ſammlet ſich das Sperma aus
dem ganzen Leibe durch eine große Ader nach und nach in
diefelbe wieder, daß man es gleichergeſtalt daraus ſchoͤpf⸗
fen kann, welches in allem wohl ehe 11 Qvartel betragen
hat. Alle Hirnfaͤcher beyder Kammern ſind zwar mit
duͤnnen Haͤutlein umſchloſſen, doch gehet durch derſelben
zarte Loͤchlein oder Poros von dem Gehirn ein beſtaͤndiger
Einfluß in die Augen, Ohren und andre Theile. Ja es
erſtrecket ſich eine große Ader oder Gefaͤß den Ruͤckgrat
hinunter vom Kopf bis zum Schwanz, welches am
Kopfe die Weite einer Mannslende, und hinten beym
Schwanze nur eines Fingers austraͤget. Dieſes muß
an der gefangenen Cachelotte bey Abſchneidung des Specks
und ſonſten forgfältig in Acht genommen werden. Denn
wofern man in diefelbe das geringfte Loch machte, würde
alles Sperma heraus rinnen. Dieſe Ader iſt die Qvelle
der großen Kraft, die ſich in dieſer Fiſchgattung findet,
indem aus ihr viel hundert kleine Vafa, oder Gaͤnge, ih⸗
ren Urſprung nehmen, die den Hirnſaft durch den ganzen
Fiſch leiten, und ſein Fleiſch Speck, auch ſelbſt den Thran,
ſo daraus gebrannt wird, ſpermatiſch Mayen + es
* Ein gewiſſer bernänftiger und glaub wuͤrdiger Ea
fer hat mir U. daß er bey der Entdeckung des sn. 4
—
N
1
5 1
5 i
1
und der Straat Davis. | 23
Zunge iſt nach Größe des Fiſches nur klein, dagegen aber
die Kehle oder der Schlund deſto größer, und wohl fo weit,
daß ein ganzer Ochſe begvemlich hindurch kann. Wie
ſich denn auch in eines Magen allerley großes Gerippe
und Graͤten wohl 7 und mehr Fuß lang von halb ver⸗
daueten Geſchoͤpffen gefunden. Unſre Leute haben von
einem wohl eher 40 große Qvartelen Speck geſchnitten.
Das Fleiſch, ſo ſehr hart, beſtehet aus groben Faden und
ift anbey mit viel dicken und ſteifen Sehnen durchfloch⸗
ten. Wie dieſer Fiſch denn auch nur wenig Stellen hat,
da eine Harpune einzudringen vermag. Ich muß hiebey
noch gedenken, weil einige Naturkuͤndiger das Ge e
vorgeben wollen, daß die Weiblein eben fo woh) Sper⸗ |
macetifch Gehirn als das Maͤnnlein im Kopfe habe *.
Welches auch der Natur allerdings gemäß ift, indem ja
beyde Gehirn haben muͤſſen, und bey keinem Geſchoͤpffe
der Unterſcheid des Geſchlechts zugleich einen Unterſcheid
in der Art des Gehirns machet.
Einer Gattung aber mit groͤßern und breitern Zaͤh⸗
nen ſind die, ſo auf den Kuͤſten von Neuengelland gefan⸗
gen! werden. Man heißet fie daſelbſt Ser ma. Ceti- Wha-
und bey den Bermudas Trumo . Ihre Zähne
ſind (wie an dem letzt angezogenen Orte gefaget wird,)
wie die Zähne eines Kammirades in einer Mühle; wel
ches gewiß eine recht wohl getroffene Ausdruͤckung iſt,
oder wie der Arm, da er an der Hand ſitzet f, Dudley ff
O 3 ſaget,
Bin und wieder im Fleiſche membraneuſe Säcklein mit Sper- ?
mate angefuͤllet, ſelber geſehen und ar a: habe.
* Koehne ib. $. 17.
== Philof. Tranfa&. N. 387. p. 259.
++ Philofoph. Tranfa&. N. 7. p. 132.
+ Hi habent diverfos dentes, qui ejus crafhitiei fake
eujus carpus manus humane; wie es aus einem aus den Ber-
mudis geſchriebenen Briefe in Ephemerid. Nat. Curioſ. eit.
loc. p 306 ausgedrucket wird.
- tt Philoſ. Tranfa&. N. 387. pag. cit.
214 Kochen von 1 Erbin rs
faget, daß fie grau vom Farbe, einen Höcker uf
Siden, eine Reihe Helfenbeinerne Zaͤhne von 5 oder | 6 i
Zoll im Maul haben. Er gedenket eines von 49 Fuß, |
deſſen Kopf 12 Tonnen Sperma Ceti gegeben. De
Thran aus ihrem Speck ſey klaͤrer und ſuͤßer als von an⸗
dern Wallſiſchen: fie ſeyn viel geſchlaͤnker als jene, und
wenn ſie angeſchoſſen/ werfen ſie ſich auf den Ruͤcken,
und wehren ſich mit dem Maul. Dieſe Fiſche geben
—
aber nicht allein das Sperma Ceti, ſondern auch den
Ambra. Welches eine neue und ſehr ſchoͤne Entdeckung
iſt, die den alten Tand und Zank, den man bisher von
deſſen Urſprung leſen muͤſſen, auf einmahl zu Boden
wirft. Ich will aus dk: Philofophie. Tranſact. N. 387
p. 267 das noͤthigſte anhero ſetzen: „Der Ambergries
wird nur allein in den Sperma - Ceti-Whales, das ift,
Cachelotten gefunden, und beſtehet aus Ballen oder kug⸗
lichten Koͤrpern unterſchiedlicher Groͤße von z bis zu 12
Zoll im Durchſchnitt, die von 12 bis zu 20 Pfund ſchwer
fallen, und in einem weiten eyfårmigen Beutel oder Blafe,
fo 3 bis 4 Fuß lang, und 2 oder 3 Fuß tief und weit ift,
los liegen. Dieſe Blaſe hat faſt die Geſtalt einer Och⸗
ſenblaſe, nur daß die Enden ſpitziger, oder wie eines langen
Blaſebalges, dergleichen die Grobſchmiede gebrauchen.
An derſelben ſitzen zwo Roͤhren, davon die eine allmaͤh⸗
lich ſpitziger in und durch die ganze Länge des Penis gehet,
die andre aber ihre Oeffnung in das andre Ende des Beu⸗
tels hat, und von den Nieren herkommt. Dieſer Beutel
liegt gerade über den Hoden, die über einen Fuß lang, und
die Lange hinab bis an die Wurzel des Penis, ohngefehr
4 oder 5 Fuß unter dem Nabel, und 3 oder 4 uͤber dem
Anus liegen. Cr ift faſt ganz angefuͤllet mit einer dun⸗
kel⸗Orange⸗ farbigen Feuchtigkeit, die nicht vollends fo
dick als ein Oel ift, und eben denſelben Geruch hat, ja
noch ſtaͤrker riechet als die Amber⸗ Kugeln, die in ihr rd
treiben und ſchwimmen. Das inwendige des Beutels iſt
mit derſelben Farbe, A die Feuchtigkeit hat, ſtark baba i
dunkel
4
iv
4
.
M
und der Straat Davis. 215
dunkel gefaͤrbet, dergleichen ſich auch in dem Canal des
Penis findet. Die Kugeln ſcheinen, ſo lange der Fiſch
am Leben iſt, ſehr hart zu ſeyn, alſo daß oͤfters bey Er⸗
Öffnung des Sacks breite hohle Scherben oder Schalen,
die von gleichem Stoff und Feſtigkeit und von den Ku⸗
geln abgeſchelfert fi find, ſich finden; die Kugeln ſelbſt ſind
gleichſam aus verſchiedenen, den Schalen oder Haͤuten
der Zwiebeln aͤhnlichen Decken oder Rinden, deren eine
die andre umſchließet, zuſammen geſetzet. Niemahls
hat man über 4 Kugeln in einem Sack gefunden, und
als man einſt eine von 20 Pfund, ſo die groͤßeſte, die ie⸗
mahls vorgekommen, antraf, war keine andere mehr im
Beutel vorhanden. Dieſer Ambergries ſoll ſich nur al⸗
lein in alten, wohlgewachſenen Fiſchen, und wie man
insgemein dafuͤr haͤlt, nicht anders als in den Maͤnnlein
finden. „ Hiemit ift nun ausgemacht, daß der Amber in
dieſer Wallfiſchgattung ihren Urſprung nimmt, was er
aber eigentlich fey, und woher er entſtehe, ift noch ſo rich?
tig nicht. Ein gelehrter Mann hält dafür, daß der
mehr beregte Sack die Urinblaſe, und die Ambrakugeln
eine Concretion aus den fettigten und ſtinkenden Theil?
chen der darinn enthaltenen Feuchtigkeit ſeynhn. Maßen
dieſelbe, (p. 193) wenn fie erſt ausgenommen, feuchte
und eines überaus ſtrengen und widerlichen Geruchs ſind.
Wobey ich eine Kleinigkeit, die gleichwohl vordem zu
allerley Fragen und verkehrten Antworten Anlaß gege
ben, nicht aus der Acht laſſen wollen. Es finden ſich in
den Amberſtuͤcken oftmahls kleine ſchwarze ſpitzige Schnaͤ⸗
bel, die glaͤſicht und wie Scherben von zerbrochenen
Muſcheln oder Schneckenhaͤuslein anzuſehen ſind. Man
15 dieſelbe vordem für Schnaͤbel von kleinen Voͤgeln ges
alten, und daraus fehlſame Schluͤſſe auf den Urſprung
des Ambers gemachet. Nunmehro aber hat der oftbe⸗
lobte Dudley c. 1. der Koͤnigl. Großbritanniſchen Geſell⸗
ſchaft kund gemachet, daß SM Schnaͤbel von serien
4 ei
*
216 | \ Nachrichten von Gr | b f
kleinen Fiſchen Squid genannt, feyn, die dieſe Wallſiſch⸗
art haͤufig, als ihre meiſte 2 „hinabſchlinget.
Kämpfer hat auch; zwener Wallfiſche, die Ambra in ih⸗
ren Eingeweiden haben, und auf den Japaniſchen Kuͤſten
gefangen werden ſollen, davon der eine Fianfiro, und der ans
dere Mokos heiße, Erwehnung gethan. Er beſchreibet bier
ſelbe aber nicht, und was er ſonſt davon anfuͤhret,
ſcheinet ſehr verdaͤchtig. ah ate
Anno 1720 am letzten Tage des Jahres begab es
fih, daß bey einem heftigen Sturm und ſehr hohen Waſ⸗
ſerfluth eine Cachelotte von dieſer Gattung auf die Elbe
gerieth, und weil ihr durch die erfolgende Ebbe das Waſ⸗
ſer zu viel entlaufen, am Grunde ſitzen blieb; da denn,
nachdem fie durch die Gewalt der auf fie ſtoßenden Wel⸗
len getoͤdtet geweſen, das Bauervolk ſie bis nach Wiſch⸗
haven, einem etwas mehr als eine Meile unterhalb Star
de belegenen Dorfe geſchleppet, und des Specks, ſo viel
man deſſen habhaftig werden koͤnnen, beraubet. Weil
kein Naturverſtaͤndiger ſich der Zeit die Muͤhe gegeben,
dieſen Fiſch in Betrachtung zu nehmen und zu zerlegen;
ſo hat die Naturwiſſenſchaft den Vortheil von dieſer ſel⸗
tenen Begebenheit nicht gehabt, den fic haͤtte haben koͤn⸗
nen. Indeſſen, damit auch das wenige, was ich theils
aus ber Erzehlung derer, die den Fiſch geſehen, theils
aus naͤherer Einſicht der wenigen Stuͤcke, die von dem⸗
ſelben nach Hamburg hinaufgekommen, anmerken moͤ⸗
gen, nicht mit verlohren gehe; fo will ich es hieher fine
in Hoffnung, daß es den Naturliebenden nicht unange
nehm ſeyn werde. Seine Laͤnge ift geweſen 60 bis 70,
und ſeine Hoͤhe 30 bis 40 Fuß ſeine Geſtalt aber als
die Abbildung eines feiner Gattung beym Ionfton Lib.
V de piſcibus Tab. XLII vorſtellet, worinn man ſich
aber geirret hat. Der Kopf iſt nach Gelegenheit des
Fiſches ungeheuer groß, und deſſen Obertheil gegen den
untern gerechnet ohne Proportion, iedoch ae 1
N | | 7 STAR ſehe AL
* Hiſtory of Iapan B. II. ch. 8 und Appendic. V. p. 46 ſeꝗ · 4
und der Straat Davis. am
ſehen nach, aber gewiß nicht nach der weiſen Abſicht des
Schoͤpffers geweſen. Denn darum hat der Kopf dieſes
Fiſches fo groß ſeyn muͤſſen, damit er den raͤumlis
chen Kaſten in ſich faſſen koͤnne, worinn derſelbe den
nicht nur zu ſeiner Nothdurft, ſondern vornehmlich auch
zur Cur der Menſchen (abſonderlich in den rauhen noͤrds
lichen Gegenden, wo die Bruſtkrankheiten fo häufig find)
ſo noͤth⸗ als nuͤtzlichen Schatz ſeines Gehirns in zureichli⸗
cher Menge mit ſich tragen und verwahren muß. Wie
denn auch, als die dortige Bauern an dem Kopfe unver⸗
ſtaͤndlich gehauen, fold) Gehirn als eine dicke Fettig⸗
keit mildiglich heraus gefloſſen. Aus welcher einige hie⸗
ſige Apotheker, die etwas davon bekommen, das beſte
Sperma Ceti nach den Regeln der Kunſt ohnſchwer her⸗
ausgebracht. Der Unterkiefer hat zu beyden Seiten 25
Zaͤhne gehabt, welche bey nahe eine Spanne weit einer
von dem andern, und ein wenig ſchief vorwerts ſich ſen⸗
kend geſeſſen. Das aus dem Kiefer geſaͤgte Stuͤck, ſo
ich gekaufet, hielt ohne Haut und Speck einen guten Fuß
ins Gevierte. Das Zahnfleiſch war, wie der Gaumen,
ſchneeweiß und von ſehr zaͤher Textur als ein Pferdehuf,
obenher mit einer runzlichten und eingekerbeten Rinde be⸗
decket, die ſo feſte, daß man ſie bald fuͤr felſicht haͤtte an⸗
ſehen ſollen, wovon ich noch ein Stuͤcklein in liquore
zeigen kann. Als ich mein Stuͤck, um die Zaͤhne deſto
beqvemer heraus zu bringen, in Waſſer aufs Feuer ſetzen
laſſen, hat es in die 12 Stunden beſtaͤndig gekochet, ehe
man demſelben mit einem Meſſer etwas anhaben, und
das fleiſchigte von den Knochen loͤſen koͤnnen. Zuletzt
aber wurde es wie gekochter Ochſengaum, doch ohne uͤbeln
Geruch und Geſchmack, daß man es mit ein wenig Salz
ohne Eckel eſſen ſollen. Die beyden Zaͤhne, ſo ich da⸗
von beſitze, find, der eine 62 Zoll lang, 8 Zoll in der Run⸗
de dick, der andre 62 Zoll lang, und in der Runde mit
vorigem gleiche dick, doch platter. Oben haben ſie eine
ziemliche breite Flaͤche, die aber nicht zu meſſen ſtehet:
(ein paar Jahr nachher habe ich noch einen viel groͤßern
O 5 b Zahn,
218 Nachrichten von Grönland
Zahn, der 7 Zoll lang und gt Zoll dick und plattlicht be⸗
kommen. Derſelbe aber muß von einer andern und viel
größern Cachelotte, als deren ich erwehne, genommen ;
ſeyn). Ob im Oberkiefer hinten einige Zähne gemefen,
(wie zwar aus obenangeführten glaublich ift, aber von den
Sch fern geleugnet wird,) darnach hat man bey dieſem
Fiſche nicht geſehen, das aber ift von ſelbſt in die Augen
gefallen, daß der Oberkiefer ſonſt überall eben fo, viel Gru⸗
ben gehabt, als in dem Unterkiefer Zähne ſich befunden.
Allerm ß: n dieſelbe, wenn das Maul ſich geſchloſſen, in
jene als in ihre Scheiden ſich gefuͤget. Die Augen ſind
gar klein, und der getrocknete humor eryſtallinus war
nicht groͤßer, als einer von dem rechten Wallfiſche, oder
als die Kugel einer gemeinen Vogelflinte. Dieſer Fiſch
hat über feinen Leib wenigſtens 12 Hände breit Speck
unter der Haut oben auf dem Fleiſche gehabt; welches
das einige geweſen, wornach das Bauervolk getrachtet,
und was ſie auch davon geſchnitten, um es zum Thran,
welches der Zeit theuer war, auszubrennen hin und wie⸗
der verkaufet. Man hat ihn aber nicht geoͤffnet, vielwe⸗
niger n ach ſeinem Magen und anderm Eingeweide geſehen,
ſondern ‘$
am Riden aba, gehauene Schwanz nach Hamburg gebracht
und får Geld gezeiget worden. Wodurch ich Gelegen
heit bekommen, uͤber demſelben eine und andere Anmer⸗
kung zu machen. Er war einigermaßen dreyeckicht, und i
fein aͤußerſter Rand in der Mitten wie ein halber Mond,
doch nur ganz wenig eingedrucket. Daſelbſt, nämlich
am breiteſten Ende, war er, von einer Spitze zur andern
gerechnet, acht gute Hamburger Fuß breit, und auf der
Mitte gemeſſen 5 Fuß 8 Zoll lang. Am Ende, wo der
Schwanz am Ruͤcken geſeſſen, war er in ſeiner ovalen
Runde 16 Fuß 4 Zoll dick. Die Haut war 1 |
doch etwas Maufefahl, und mit der Schwarte gerechnet,
hey weitem nicht fo dicke als des gemeinen Wallſiſches feine, '
i 2 a Ä u BEE von
leiſch und Knochen ſo ganz treiben laſſen. Gleich?
wohl habe ich noch das Vergnuͤgen gehabt, daß der ganze
—
und der Straat Davis. 219
von außen ſanft wie Sammt anzufuͤhlen, inwendig an
der Fleiſchſeiten ſehr narbicht. Das Fleiſch war friſch,
ſchoͤn roth, uͤberaus zaͤheſericht oder grobfadenicht mit
vielen Sehnen durchwachſen, mithin gar ſtark und feſte,
welches um ſo mehr noͤthig iſt, weil im ganzen Schwanz
kein Knochen vorhanden, ſondern nur das aͤußerſte En⸗
de des Ruͤckgrates von 12 Ellen aus einigen faſt vierecki⸗
gen, maͤhlig kleiner werdenden, lockeren Vertebris beſte⸗
hend, in den Schwanz hineintritt, dadurch alle Bewe⸗
gung deſſelben nach Nothdurft zu Werk gerichtet wird.
Mich deucht, daß die Feſtigkeit des Fleiſches an dieſer
Cachelotte daraus abzunehmen geweſen, daß daſſelbe, ohn⸗
erachtet das Wetter damahls feuchte und gelinde war,
dennoch etliche Wochen ohne alle Faͤulung daurete, auch
ſo wenig von ſich ſelbſt, als da es, um noch etwas Thran
daraus zu ziehen, zuſammt dem Speck gekochet ward,
keinen widerlichen Geſtank von ſich gab. Der daraus
geſottene Thran brannte in der Lampe ohne ſtinkenden
Dampf mit einer ſo hellen und reinen Flamme als eine
weiße Wachskerze. Daß aber das ſchoͤne Gehirnoͤl
durch den ganzen Fiſch ſich austheilen und denſelben durch
und durch ſpermatiſch machen muͤſſe, habe ich daraus
uͤberzeuglich ſchließen koͤnnen, daß man mir aus den aͤuſ⸗
ſerſten Stuͤcken ſeines Schwanzes, womit ich es verſu⸗
chen laſſen, En reines Sperma Ceti, obgleich nicht in
großer Vielheit h hausgebracht. Aus den uͤberbliebenen
Griefen“ hat man v e Leim geſotten ee få
$. XLVIT.
*Das iſt, das ſehnichte, 905 nach Auskochung des Fet⸗
tes zuruͤck bleibt. Live, du bift verdorret als eine Grieve. Poem.
Ms. de B. Mar. Virgin. Griebo, eremium Gl. Florent. I. MS.
Grieb et Swart Cremium Ruſticanus Terminor. Cremium eſt,
quod remanet in patella aridum de carnibus poft pinguedi»
nem liquefactam. Ioh. de Ianua in Catholieo,
Man kann gegen dem, was von dieſem Wallfiſch an⸗
gefuͤhret, halten, was Zorgdrager Opkomft der Grœnlandſ.
Viſcher. in fin. p. 284 bon den Por fiſchen oder Cachelots ſchrelbet.
IX Zweyte
Species
der Sache:
lotte.
220 Nachrichten von Groͤnland
6. XLII. Die zweyte, doch viel ſeltener als die
erſte vorkommende Sorte der Cachelotte ift die, welche
ſchmaͤlere, gerade und oben ſpitzige Zaͤhne hat. Balæ-
na macrocephala in inferiore tantum maxilla dentata,
dentibus acutis, humanis non prorfus abſimilibus, pin-
nam in dorſo habens. Weil einſten eine ſolche Cache
lotte oder Cazilot von den Bremern ohngefehr auf der
Höhe von 773 Grad gefangen, und vom Herrn Haſaͤo *
wohl beſchrieben worden, will ich mich deſſen Nachricht be⸗
dienen. Dieſer Fiſch war 70 Fuß lang, wiewohl man auch
derſelben von 80 ja 100 Fuß hat; die folglich größer, als
die eigentlichen Wallfiſche find. Seine Farbe war dun⸗
kelgrau (nigricans), unter dem Bauche mählig weißlicht.
Der Kopf groß und fuͤrchterlich, einer Kolbe von einer
Flinten oder dem Vordertheil einer Schuſterleiſten, (wo⸗
von die Abbildung zu fehen,) ziemlich ahnlich, und mach⸗
te bey nahe die Haͤlfte des ganzen Koͤrpers aus. Vorn
auf dem aͤußerſten Theile ſeines Vorkopfs hatte er nur
eine Oeffnung, daraus er Waſſer blaͤſet. Er hatte kein
ſo breites, auch nicht ſo weites Maul als der Wallfiſch,
aber einen viel weitern Schlund, maßen dieſer Fiſch ei⸗
nen ganzen Hayfiſch von 12 Fuß lang wiederum ausge⸗
keit angefuͤlleten Diſquiſitione de Leviathan Iobi et Ceto lo- 5
næ. Brem. 1723. 8. er e | |
ſpiehen. Das Untermaul, fo zwar gegen dem Obertheil
zu rechnen nicht groß, war gleichwohl auch an ſich nicht
klein; denn der bloße Knochen des Unterkiefers hielte
162 Fuß, der hinten weiter ift, aber mählig ſpitz zulaͤuft.
Er hatte 52 große oben ſpitz zulaufende und den menſch⸗
lichen Zaͤhnen nicht ganz unaͤhnliche Zaͤhne, die wie die
Zaͤhne in einer Saͤge ſtunden, und ein ieder faſt 2 Pfund
wogen. In dem Obermaul waren eben fo viel Löcher,
worein dieſelbe ein ieder, als in ſeine eigene Buͤchſe oder
Schei⸗
Einem ſehr berühmten und naturverſtaͤndigen profef⸗
ſore und Prediger zu Bremen in ſeiner mit vieler Gelehrſam⸗
si
I
* i
SL anne u
2 i
€ pure der Straat Davis. 221
Scheide trafen, auch das ganze Untermaul in das obere
ſo wohl paſſet, daß es von ſelbigem ganz bedecket und ein⸗
gefaſſet ward. Die Augen waren glimmend und gelbicht,
doch nur klein, wie bey andern Wallfiſchen. Die Zunge
ſpitzig, roth und feurig, doch nach des Fisches Groͤße nur
klein. Zunechſt am Kopf ſaßen zwo Finnen, deren iede
nur 12 Fuß lang, doch in iedem Fingerknochen 7 Gleichen
oder Glieder waren, da in des Wallfiſches feinen nur 5
ſich befinden. Oben auf dem Ruͤcken fand nicht nur ein
hoher Puckel, ſondern auch ohnfern des Schwanzes ein
kleinerer, wie eine Finne. Die Haut war kaum eines
| halben Fingers dick, doch weil fie über ein ſehr feſtes ſeh⸗
nigtes Fleiſch geſpannet iſt, undurchdringlich, mithin der
Fiſch nur an wenig Stellen mit den Harpunen zu ver⸗
wunden. Man hat aus ſeinem Kopf 10 Quartelen Ge⸗
hirns geholet, welches gewiß hide Menig ift, und daraus
Sperma Ceti gemachet.
§. XLVIII. Die dritte und alerseltenſte Art der X. Dritte
Cachelotten ift die, fo ſchmahle krumme und faſt fichel: Kachel
förmige Zähne im Unterkiefer hat. Balena macrocepha- 0
la, in inferiore tantum maxilla dentata, dentibus arcua-
tis falciformibus, pinnam in dorfo habens . Von
dieſer Gattung ſtrandeten im Jahr 1723 den 2 Dec.
durch einen gar gewaltigen Sturm und ungemeine Waſ⸗
ſerfluth wohl 17 im Munde der Elbe auf den Seebaͤnken
beym ſo genannten neuen Werke vor Ritzebuͤttel, Ham⸗
burgiſcher Jurisdiction. Weil ich von denſelben ſonſt
nichts, als was der damahlige Amtmann und Raths herr
L--n in liter. ad Ampl, Senat. referiret, in Erfahrung
bringen moͤgen, will ich einen Auszug davon anhero uͤber⸗
| ſchrei⸗ \
Sibbald hat einer Sorte erwehnet, die dieſer gar aͤhn
lich koͤmmt, nur daß fie nicht ſo groß als die unfrige, und an
flat der Finne eine lange Floßfeder hat. Balena maior in
inferiore tantum maxilla dentata; dentibus arcuatis falci-
formibus n pro pinna longam in dorſo habens.
222 Racpeichen von Gre roͤnlan
ſchreiben, zumahlen noch kein Autor, ſo viel ii,
davon etwas aufgezeichnet hat.
$ „Daß die Cuxhavener als ſie um n beg. Scharhören i
bey die Oſtertill gekommen, auf dem Winterſande vier⸗
zehn, und etwas davon noch etliche, in allen fi ebenzehn
große Jiſche, welche man Cachelotten nennet, und in al
len mit des in Zorgdragers Groͤnlaͤndiſchen Fiſcherey p.
238 und 391 ihnen vorgewieſener Figur übereingefommen,
vorgefunden. Von dieſen Fiſchen wären faſt die Hälfte
Maͤnnchens und die Haͤlfte Weibchens geweſen, derge⸗
ſtalt, daß ſie muthmaßeten, daß gedachte Fiſche aus
Brunſt, um auf dem niedrigen Grunde zu ſcherzen, ſich
dahin begeben; von der Ebbe und Oſtwind aber uͤberei⸗
let ſtranden muͤſſen. Bey ihrer, der Unterthanen An⸗
kunft, hätte es das Anſehen gehabt, als wenn lauter Hol⸗
laͤndiſche kleine Schmacken daſelbſt gelegen, woben ihre
Ever als Boote geſchienen. Der Fiſche Laͤnge wäre 40,
ES —
\
50, 60 bis 70 Fuß geweſen, und da fie auf der Seite ges
legen, hätten acht Mann en front auf ihnen ſtehen koͤn⸗
nen: wobey der Kopf oben uͤber dem Auge dem groͤße⸗
ſten Backofen gleich geweſen. Die Finnen, der Schwanz,
die Oberbacken gleicheten in allen obgedachter bey Zorg⸗
dragern befindlichen Figur. Der Unterkinnbacken, der
etwas kuͤrzer als der obere, und in gleicher Breite etwa
12 Zoll breit, mit einer Rundung nach vornen hatte 42
Zaͤhne, welche aus dem Kinnbacken etwan einen Finger
lang hervorrageten, und wie ein Kegel oder vielmehr
Wolfszahn unten 2 Finger dick in einer gekruͤmmeten
Spitze ſich endigten, auch in den im Oberkinnbacken ber
findlichen Jutteral ſich einpaſſeten. Dieſe Fiſche lagen
auf einer Seite in ihrem Lager den Kopf nach Norden
habend, ein Weibchen und ein Maͤnnchen eines um das
andere rangiret, auch bey Ankunft der Cuxhavener annoch
fo warm, daß fie die Macht allererft geſtorben ſeyn muͤß⸗
1
ten Ihre ie war bra ihre HORDE hatte die
5 5 Dicke
und der Straat G Davis. 223
Dicke eines halben Fingers, das Speck, da es Re fo
friſch lag, bey etlichen ein Qvartier, auch 2 Qvartier
dick, und ſo weiß, daß, wenn es unter Schweinſpeck ge⸗
menget worden, mans nicht haͤtte unterſcheiden ſollen.
Mach einiger Groͤnlandsfahrer Meinung hätte ein ſolcher
Fiſch, wenn an beyden Seiten von demſelben das Speck
hätte geſchnitten werden konnen, 40 bis so Cardelen ge-
ben muͤſſen. Aus dem Kopfe hätten etliche 4 oder 5
und mehr Tonnen Breyes oder rohes Sperma Ceti ger
zapfet, und doch nicht alles daraus erhalten: da aber der
Fiſch nicht hat umgewendet werden können haben die
Speckſchneider denſelben abandonniren und der Fluth übers
laſſen muͤſſen: die denn die Kepa che aus ein⸗
ander getrieben ꝛc. „
Ich muß hiebey noch fuͤgen, daß die Siehäne, |
die ich davon bekommen, 73 Zoll Hamb. in der Länge,
und unten am dicken Ende 7 Zoll in der Runde gehalten.
Es haben aber, welches von niemand obſerviret worden,
dieſe Fiſche nicht lauter ſpitzige Caninos, ſondern, weil
ſolche zum kaͤuen nicht beqvem, hinten auch einige, ich
weiß nicht wie viel fünfzöllige Molares gehabt. Diefe
ind zwar auch ein klein wenig Mondfoͤrmig, haben aber
in der Mitten 44 und oben 3 Zoll in der Runde, und
der Obertheil endet ſich nicht in eine einige, ſondern in
verſchiedene ungleiche Spitzen und Unebenheiten, damit
fie im Beißen die Speiſen deſto beſſer zerqvetſchen und
zermalmen können. Ob dieſe Fiſche auch hinten im Ober⸗
kiefer einige Molares gehabt, hat man mir nicht ſagen
können, ich zweifele 1
Cachelotten ſolche haben, und weil die Nothdurft es zu
erfodern ſcheinet, indem die untern Molares fo viel kuͤr⸗
zer, als die Canini find, und folglich nicht einmahl an
den obern Kiefer reichen, weniger ohne wann andere ih⸗
nen von oben entgegen und zu Huͤlfe kommen, die große
Gewalt, die zum Fäuen W wird, auszuüben im
Stande
er keinesweges daran, weil andere
2 2
2
XI. Der
Wittfſſch.
224 Sadie e von Grönland
Stande find. Gluͤcklicher Weife fügte es ſich im Jahr |
1738, daß ohnweit St. Peter im Eiderſtändiſchen eine
Cachelotte zu ſtranden kam, welche im Unterkiefer vorn
auf der Schnauze einen, und auf ieder Seiten 25, alſo
in allen 51 Sichelfoͤrmige Zähne hatte. Sie ift 48 Fuß
lang, 12 Fuß hoch und ihre dickeſte Rundung 36 Fuß ge⸗
weſen. Auf dem Ruͤcken hinterwerts gegen den Schwan
hat ſie einen Knobel, lang 4, und hoch anderthalb Fuß
gehabt. Die Finne ift geweſen 4 Fuß lang und andert⸗
halb breit, der Schwanz 12 Fuß breit, das Luftloch aber
14 Fuß lang, das Membrum virile hat am Leibe in die
Runde 14 Fuß gehalten. Ich habe einen Abriß davon
bekommen, welchen ich ſo gut, alsich ihn at 155 å
bey mittheile. |
g. XLIX. Die letzte Wallfſchgattung, die nur unten
Zaͤhne hat, iſt der Wittfiſch oder Weiß fiſch, albus
piſcis cetaceus Raj. ich wollte ſetzen: Balæna minor alba
in inferiore maxilla tantum dentata ſine pinna in dor-
fo *. Sie werden in der Straat Davis in der Sid
bucht gefangen. Sie ſind dem rechten Wallfiſch ziemlich
gleich, nur daß ihr Kopf viel ſpitziger, ſonſt haben ſie
den Pudel am Kopfe wie ein Wallfiſch, fie haben auch
keine Finne auf dem Ruͤcken, wohl aber auf ieder Seiten
eine, die ziemlich lang. Ihr Schwanz iſt auch des Wall⸗
filches Schwanz fehr aͤhnlich. Sie follen nur ein Bla⸗
ſeloch haben. Allein in dem Cranio, das ich beſitze, ſind
offenbarlich zwey Locher. Doch kann es ſeyn, daß fie
oben über ſich in eine fleiſcherne Roͤhre zuſammen laufen, Al
und alfo nur einen Strahl auswerfen. Ihre Farbe i
gelbweiß, daher ſie von den eee den Nah⸗
men
Sißbald hat zwar auch einen unter dieser Befehreibung,
der aber von dem unſrigen ganz unterſchieden. Seiner hat
einen runden Kopf, unfer einen ſpitzigen: ſe ner hat Nafelds
cher, der unſrige eine Blaſeroͤhre. SØ båse fg 1 M
Unterſcheid Alla hinzugeſetzet.
, gung +0
A. 2 K.
LIT:
12
22 2 Cle
75
=
—
U
S
=
ä ——
9
SØN
—
—
X
OR
9
70
N
1
8
15
N
8
VS,
— RS
— Does
SI
005
[2
£
ZZ LL.
i
J
—
e
che e,
Cy .
W
228
ACCU
G. 22
222
E
22
Re
2772?
2°
VERF DR,
CA =
hal
m Ob
5
aks
0%
AIE:
und der Straat Davis. 225
men der Weißfiſche bekommen, ihre Größe ift 2 bis 3
Manns Laͤnge, die haben aber nur 1 bis 2 Qvartelen
Speck, welches noch dazu ſo weich, daß die eingeſchoſſene
Harpun leicht wieder ausreißet. Weswegen man ſich
ſelten die Muͤhe giebt auf einen derſelben Jagd zu ma⸗
chen“. Doch ſiehet man fie gar gerne, weil man fie,
wenn ſie in Menge vorhanden, fuͤr eine Anzeige eines
bald folgenden guten Wallfiſchfanges anſiehet. Aus
dem uͤberkommenen Kopfknochen habe ich angemerket,
welches von keinem angefuͤhret worden, daß ſie unten
im Maul auf ieder Seiten acht kleine ein wenig geboge⸗
ne, oben rund und plattlichte Zaͤhne haben, die gleichſam
auf dem Ruͤcken liegend im Kiefer ſtecken. Ich habe
mit Fleiß nachgeſuchet, kann aber keine Spuren finden, _
daß im obern Kiefer irgend einiger Zahn, oder auch Ba⸗
ckenzahn hinten geſeſſen, wie denn auch keiner der Groͤn⸗
landsſchiffer, die ich darum befraget, dergleichen im Ober⸗
kiefer bemerket zu haben ſich erinnert. Ich bedaure,
daß mein Cranium, waͤhrender Zeit, daß ich auf Reiſen
geweſen, gar ſehr ſchadhaft geworden, daß ich keine voll⸗
ſtaͤndige Abzeichnung davon nehmen und fie mittheilen
kann. f | 55
FH. L. Nun find noch uͤbrig diejenige Wallfiſchgat⸗ AT. Der
tungen, welche oben und unten im Maul Zähne haben. Bubkopf.
Der Butzkopf, bey den Engl. Grampus, Flouu dern.
head, Raj. und den Schotten Northcaper, (wie Sib⸗
bald bemerket) genannt, Orca Bellon. et Rondelet.
Forcus marinus major, Gesner. Bey mir: Balæna
minor utraque maxilla dentata, pinnam in dorfo ge-
rens. Dieſer hat eine ſchwarze oder dunkelbraune glat⸗
te Haut, und iſt weiß unter dem Bauche. Seine Laͤn⸗
ge erſtrecket ſich bis zu 20 Fuß und giebt 15 auch wohl
mehr Qvartelen Speck. Der Kopf iſt vorn butt, das
i | % iſt
Siehe Martens Spitzberg. db Part. IV. c. 6. n. 5.
\
226 Nachrichten von Groͤnland
iſt ſtumpf, als wenn man ein umgeſtuͤrzetes rundes Boot
von vornen anſiehet; daher er bey den Hollaͤndern und
Niederſachſen den Nahmen traͤget, doch hat er ein etwas
ausſtehendes Maul oder Schnauze, welche vorn und hin⸗
ten gleich dick iſt; wodurch er eben vom Meerſchweine
unterſchieden wird, deſſen Schnauze hinten dick, vorn
aber ſpitziger zulaͤuft. Der Leib ift nur kurz. Er hat,
wie man mich verſichert, vier Zaͤhne auf ieder Seiten,
und einige Backenzaͤhne, oben aber nur kleine Zähne,
Er hat ein Blaſeloch im Nacken, auf dem Ruͤcken eine
große Finne wie das Meerſchwein, und zwo voͤrdere
Finnen, wie des Wallſiſches feine; dem er auch mit dem
Schwanze gleich kommt!. |
zu. Das H. LL Das Meerſchwein oder Tunin, w wie Mar⸗ |
Mui tens will. Isl. Suinhual oder Witingr. Daͤniſch
Bruuskop, wegen feines plumpen Kopfs und
Springhwal, das ift, Springer. Franzöͤſ. Marſouin
oder Soffleur. Engl. Porpus oder Porpeſſe. Schottl.
Seapork. Phocena Rondelet. atque Gesn. Phocena ſ.
Turſio Bellonii et Scaligeri. Delphinus ee:
Schoneveld. Bey mir: Balena minor, utraque ma-
xilla dentata, pinnam falcatam in dorſo habens. Die⸗
ſer Fiſch iſt ſchwarz von Haut, und weiß am Bauch,
feine Laͤnge 5 bis 8 Schue. Auf dem Kopf hat er das
Blaſeloch Guxta Willughby). Mit demſelben und dem
hervorragenden Maule koͤmmt er dem Butzkopfe am
nechſten, nur daß die Schnauze dem Sauruͤßel ähnlicher
iſt. Das Maul iſt unten und oben voll ſcharfer kleiner
Zähne. Die Ruͤckenfinne, fo mitten auf dem Ruͤcken
ſtehet, if gegen dem Schwanz zu wie ein halber Mond
ausgehoͤhlet. Die Bauchfinnen ſind wie des Wallfiſches
Finnen, wie auch der Schwanz, nur daß er an ihm ſichel⸗
foͤrmig
2 Sie Martens Spitzb. Reiſe Part. IV. cap. ben. 5 7
I |!
1 FA
|
und der Straat Davis. 227
foͤrmig ift *, Was ſonſt von dieſem Fiſche anzumer⸗
ken, findet fi id) vorhin in den Nachrichten von Island
p. 1or ſeq.
LUII. Der Delphin. oder wie ihn unſere Schiffer i in xıv. Der
der Nordſee nennen, Toͤmmeler, Holl. Tuymelaar >=, Delphin.
von Tuͤmmeln und Springen, welches er abſonderlich
bey bevorſtehendem ungeſtuͤmen Wetter zu thun pfleget.
Delphinus antiquorum. Norweg. Nyſſa Er kann
auch heiſſen: Balena minor utraque maxilla dentata,
dorſo pinnato, Dei phinus vulgo dicta. Iſt dem Meer;
ſchwein ſehr gleich, ohne daß des Delphins San auze
mehr voraus ſtehet und ſchnabelhaftiger ift. Er ift vorn
dick, hinten ſchmal. Er hat zwey Blaſeloͤcher, doch oben
nur eine einfache Mondfoͤrmige Oefnung über der Stirne,
in welche die beyde Stralen zuſammen gehen und nur ein
hoher ſtarker Stral mit einem Pfeifen heraus geſtoßen
wird. Nich ſeiner Groͤße ſtehet eine hohe Finne auf
dem Ruͤcken. Sein Schwanz ſitzet ihm horizontaliter,
wie dem Wallſiſche . Die aͤußerſten Norweger ma⸗
chen von feinem Rogen eine Art von Caſiar. Der Del:
phin in der Weſtſee fod überall ſchmaͤhler und dem Stoͤhr
— aͤußerlichen Geſtalt nach (ohne daß dieſes e ;
zu ſpitzig 0 gar aͤhnlich ſeyn. |
P 2 ver ö. Lu.
Siehe Martens d. I. cap 6. n. 3. Willughb. Hiſt. Piſe.
Lib. II. cap. 3. In den Memoires des Chevalier d' Arvieux
Tom. III. pag. 400 wird erwehnet, daß die Jungen von 6
oder 7 Pfund ſchwer, gut zu eſſen, die aber zu völliger
Groͤße ? gediehen, (da fie 1 8 bis 10 Pfund waͤgen)
grob, zaͤhe und von uͤbelm Geſchmack ſeyn.
e Anymeler ſic dia a mirablli agilitate ſeu mobili-
tate, qua ſe in maris ſuperficiem frequentiſſime vibrat.
Eilian Etymologia Teuton 5
*** Adde Willughby Hiftor. Pife. Lib. II. cap. 2. Noch
beſſer aber ift die Abb ld⸗ und Anatomiſche Beſchreibung des
Herrn D. Kulmus in Supplem. I. Actor. Vratis lav. art. II.
228 Nachrichten von Groͤnland
S LIII. Der Schwerdtfiſch der Grönlan ef
er, der noch von niemanden, ſo viel ich weiß, beſchrie⸗
ben iſt. Ich wage es ihn zu nennen: Balenam mino-
rem utraque maxilla dentatam, pinnam gladio curvo
ſimilem in dorfo habentem. Dieſer Fiſch hat einen
ſtumpfen Kopf faſt wie ein Butzkopf und das Maul
voll kleiner, doch ſcharfer Zähne. Er blaſet Waller,
und hat einen horizontalen Schwanz wie der Wallfiſch.
Auf dem Ruͤcken am Ende deſſelben ſitzet das fo genannte
Schwerdt oder Sabel, davon er feine Benennung traͤ⸗
get”, Es ift 1 bis 2 Ellen hoch, eine halbe Elle bis
drey Ovartier unten am Ruͤcken breit, oben aber viel
ſchmaͤhler, gegen den Schwanz ziemlich zuruͤck gebogen,
dick und ſtumpf, daß es eher einem gekruͤmmeten etwas
zugeſpitzeten Pfahl gleichet, uͤberdem mit der Haut und
Schwarte noch uͤberzogen, folgbar ganz und gar unge⸗
ſchickt, entweder dem Wallfiſch oder einigen andern einen
Stich oder Schnitt damit beyzubringen. Doch kann
er demſelben ſonſt mit dem Maule Schaden genug zufür
gen. Naͤmlich ihrer etliche (wie fie denn gemeiniglich in
kleinen Troppen ziehen,) fallen den Wallſiſch an, aͤngſti⸗
gen ihn, und zerren ganze Stuͤcker aus feinem Leibe,
Wodurch er dermaßen abgemattet und erhitzet wird, daß
er den Rachen etwas oͤffnet, und die Zunge, fo viel er
kann, herausrecket, an dieſe machen ſie ſich augenblick⸗
lich, weil es ihnen darum am meiſten zu thun, und ſie
ſonſt wenig oder nichts vom Wallfiſche effen, oder der
dicken Haut halber von deſſen Fleiſche herunter zu zerren
vermoͤgen: aber, fo bald fie nur koͤnnen, in den Rachen
ſchlupffen, und die Zunge vollends herausfreſſen: daher
es kommt, daß unſre zeute dann und wann einen todten
Wallfiſch antreffen, der die Zunge verlohren hat, und
davon geſtorben iſt. Unſte Gronlandsfahrer fehen dieſe
Schwerdtfiſcheoͤfters bey Spigbergen, ae in der ee, al
W
2 Adde die Salåndifthe ad Prog \
2 ; 22 8 Lys
ee...
ES ee ar wu
und der Straat Davis. 229
Davis, wo ſie 10 bis 12 Fuß lang werden. Zuweilen
ſind auch wohl kleine oder Junge gar bey Hilgeland vor
der Elbe geſehen worden. Man kann ſie ihrer großen
Geſchwindigkeit halber ohnmoͤglich fangen, es waͤre denn,
daß man einen jungen etwa mit Buͤchſen erſchießen möge
te. Ein erfahrner Schiffer, den ich um feine Meinung,
wozu dieſer Pfahl dem Fiſche wohl nuͤtzen moͤgte, be⸗
fragte, hielte ganz wahrſcheinlich dafuͤr, daß er demſelben
beym Schwimmen etwa zum Stemmen oder Aufhalten
u. d. g. zu ſtatten komme.
Ich zweifele keinesweges, daß die auf den Kuͤſten
von Neuengeland fich enthaltende und von den daſigen
Wallfiſchfängern alſo genannte Killers“, das iſt, Wall⸗
fiſchtoͤdter, eben die von mir ietzt beſchriebene Schwerdt⸗
ſiſche, und der Gegend nur groͤßer, nämlich 20 bis 30
Fuß lang ſeyn. Denn es wird von ihnen gedacht, daß
ſie in beyden Kiefern Zaͤhne, die in einander ſchließen,
und eine Finne von 4 bis 5 Fuß hoch gegen die Mitte
des Ruͤckens ſitzen haben. Sie gehen allemahl in Ge⸗
ſellſchaft bey Dutzenden, und fallen einen jungen Wallſiſch
wie die Schlaͤchterhunde einen zu hetzenden Stier an.
Einige halten ihn beym Schwanz, das Schlagen mit
demſelben zu verwehren, indem andre ſich an den Kopf
machen und daran beißen und ſchlagen, bis das arme ſol⸗
chergeſtalt erhitzete Thier die Zunge ein wenig ausrecket,
da denn einige ſeine Lefzen, und wo moͤglich ſeine Zunge
zu ergreifen trachten. Wenn ſie ihn endlich ertoͤdtet,
fell fie vornehmlich von feiner Zunge und Kopfe: ſo
bald er aber beginnet zu faulen, verlaſſen fie ihn. Diefe
Killers oder Toͤdter find von fo unuͤberwindlicher Staͤrke,
daß, wenn einige Chaloupen mit einander einen todten
Wallſiſch fortſchleppen, ein einiger derſelben, der feine
Zaͤhne drein ſetzet, vermögend ift, den Wallfiſch augen⸗
Mac fort und mit ſic hinunter auf den Grund zu
Er ne reiſſen.
Vid. Philoſ Tranſact. N. 387 p. 265.
2888 Nachrichten! von Grönund
Von avis
fuͤßigen
Seelhieren.
1) Vom
Wallroß.
Baſſao edirten Periplo F. 5. und dieſer in der da
.
reiſſen. Zuweilen hat man dieſe Fiſche bekommen und
guten Thran daraus gemachet. | *
F. LIV. Endlich will ich noch zweyer vierflißigen
Seetbi:re gedenken, nämlich des Wallroffes und deg
Se ehundes.
Das Wallroß Ca * ift dem Een |
an der Geſtalt des Leibes gar ähnlich, doch größer, dicker
und ſchwerer eie Be vier Fuße oder wie unſre
See⸗ N
„Das iſt, Meerroß oder Meerpferd, wie es denn
auch die Ange ſachſen Hors-Hwal (ab Hors equus, Sax. Hors
oder Ors, Allem. Hors; et Hwal, Wall Cete) geheißen
haben. Die Rußen nennen es Morss, die Engelaͤnder Sea-
kow, wie auch die Franzoſen Vache Marine, und auf den
Nordamericaniſchen Kuͤſten, wo es ſich nicht weniger findet,
Vache Marine oder auch Bete à la grande Dent. vid. Dionys.
Deſcription des Cotes de I’ Ameriqu Septentrion. Vol.
II. pag. 256. Die Hollaͤnder, ſo nach Groͤnland fabren, fa
gen auch Walros oder Walrus: aber einige, die in Indien ge-
reiſet, und irgend dergleichen geſehen haben, heißen fie auch
Seeleuwen, doch irrig. Denn die Seeloͤwen haben viel klei⸗
*
nere Dentes caninos, und find vielmehr eine große Robben ⸗
art, die mit dem Kopfe und der gelben Farbe des Leibes den
Löwen ähnlich kommen. Valentyn Beſeryv. van de Kaap
p. 125. (in feinem großen Werke von Oſtindien) Kolbe in der
Beſchreibung dieſes Vorgebirges p. 203. und der von Hafzo
diſſ. Philolog. VII $. 12 citirte Anonymus. Mit dem Wall⸗
roß hat große Uebereinkunft, und iſt einerley Geſchlechts, der
Manati oder Lamantin, wie die Franzoſen ſprechen, im
Weſtindien.
Am beſten hat von dieſem Thiere geſchrieben Mars
tens Spitzberg. Reiſ. Part. IV. cap. 4 n. 5, woſelbſt er eine
ziemlich gute Abbildung deſſelben giebet. Es haben die alten
Norweger und Islander nicht nur aus den langen Zaͤhnen
Meſſerſchalen, Degengefaͤße und anders mehr gemacht, ſon⸗
dern auch aus der dicken und zaͤhen Haut Riemen zu Schiffs
ſeilen geſchnitten. Wie ſolches der alte Ohtherus in ch inen vo 103
ſelbſt 2
haͤngten Note bemeifet. Eben derfelbe Ohther erwehnet auch
im 6 H. daß der Tribut, den die Samen zu fene a ihrem
Koͤnige
b und der Straat Davis. 23¹
Seeleute zum Unterſcheid fagen Vlaaren *, die nicht
ſo wohl zum Gehen als zum Schwimmen dienen, wie
denn die Finger oder Zaͤhen uͤberall mit Haut bedecket
und ausgefuͤllet, doch vorn mit kleinen Klauen bewaffnet
ſind. Die Haut iſt bald eines Zolles dick; die Haare
kurz, ſtoͤrrig, braun, faulgelbe. Der Kopf dick, plump
und vorn platt, auf der Stirn ſind zwey Blaſelöͤcher:
das Maul mit dicken ſteifen Borſten als ein Bart ver⸗
wahret. Es hat drey Zähne unten und vier oben. Auf
fer denen gehen aus dem obern Kiefer noch zweene lange,
ein wenig gekruͤmmete ſchoͤne Zaͤhne, die die beſten Ele⸗
phanten⸗Zaͤhne an Haͤrte und Weiße uͤbertreffen, her⸗
vor. Sie ſind nicht recht rund, ſondern plattlicht, auch
nicht ganz eben, ſondern einigermaßen gerieffelt. Der
rechtere Zahn ift allemahl ein klein wenig länger und grå
ſer als der linkere. Weil dieſe Thiere nicht beſtaͤndig im
Waſſer dauren koͤnnen, ſondern oͤfters zu Lande muͤſſen,
aber meiſt nur ſteile Klippen oder abgeriſſene Eisfelder
vorfinden, worauf ſie mit ihren kurzen und ſeitwaͤrts
ſitzenden Fuͤßchen zu klimmern, und ihre ſchwere unbe⸗
wegſame Koͤrper nachzuziehen unvermoͤgend ſind; ſo hat
ihnen der weiſe und guͤtige Schoͤpffer dieſe lange Zaͤhne
gegeben, um in die Erde und Eis einzuhacken, und ſich
damit hinauf auch auf dem glatten Eiſe fortzuziehen.
Da ſie auch einer wohl eine halbe Elle und tiefer untern
Schlamm ſteckenden Art Muſcheln zu ihrer gewoͤhnlichen
nok gebrauchen, fo dienen ihnen die herausragende Zaͤhne
P 4 auch
S e beſtanden ſey on degn fellum and on fugela
fetherum and huales bane and on them ſhip-rapum the
beoth of huales hyde geworht and of ſeoles. Das iſt, in
Thierfellen, Vogelfedern, Wallfiſchbarten und Schiffsſeilen,
die aus Cual (worunter er den Wallroß verſtehet) und Seehun⸗ ö
denfellen gewirket oder verfertiget geweſen.
Fluͤgel, a Sax. Flæran, davon das Diminutivum Vleer-
ken bey den 1 Bee und Vogelflugel |
edeutet. af
\
232 Nachrichten von Grönland
auch als Biden, den Schlamm um und die I Muſcheln
herauszuhacken. Endlich konnen fie ſich auch mit dens
ſelben gewaltig wehren, und abſcheulich um ſich hauen.
Mach ihr er Groͤße iſt, wie ohnſchwer zu ermeſſen, die
Gråge und Länge ihrer Zähne beſchaffen. Mein ſel.
Vater hat einſt ein paar bekommen, deren iedes 2 Pari⸗
for Buß und 1 Zoll in der Laͤnge und am dickeſten Ende
8 Zoll in der Runde hielte. Dergleichen ich nach⸗
her nirgends wieder gefehen habe. Ich beſitze noch
einen davon, einen aber habe ich laͤngſt der Seltenheit
wegen an einen vornehmen Herrn fuͤr die Kayſer⸗
liche Kunſtkammer geſchenket. Man findet ſelten die
recht große, und, noch ſeltener, die zweene ganze und ge⸗
ſunde Zaͤhne haben. Vor vielen Jahren habe ich einen
ganzen ziemlich großen I Pariſer Fuß und 10% zolligen
Kopf nicht nur mit zween gefunden Zähnen, ſondern auch
mit der Haut und Fleiſch eingeſalzen in Peckel uͤberkom⸗
men. Weil er aber auf dieſe Art nicht lange zu erhalten
war, habe ich ihn abſieden laſſen, und die Kopfbeine noch
ietzo in meiner wenigen Sammlung aufgehoben. Da⸗
von eine Abbildung. Was an 1 ihnen eßbar, hat angezo⸗
gener Martens angemerket. Ich habe einſt von einem
Commandeur vernommen, daß er mit ſeinen Leuten von
den Nieren gegeſſen habe, und ſie alle ganz dumm im
Kopf darnach geworden, welches ſich zwar nicht lange
283 aber doch mit grauſamen Kopfſchmerzen ver⸗
ohren. j ikk
„Vom $. LV. Der Seehund, Phoca, Inskmel Rob
Stehunde. oder auch Salhund, Dän. Saͤlhund, den Norwegern
Kaabe, Engl. Seal oder Sealhund, Franz. Veau de
Mer, in Nordamerica Loup Marine, und von den Groͤn⸗
laͤndern ſelbſt Puſa genannt, ift ziemlich gut beſchrieben :
und abgebildet von Martens *, auch fonft ein gar be⸗
kanntes Thier. An. 1724 bekam ich einen kleinen au⸗
gu, 1
sr Spigberg. Reif, c. I. 1 4 |
und der Straat Davis. 233
geſtopften Seehund, der in der Straße Davis gefangen
war. Sein Kopf war klein, aber natuͤrlich wie ein
Hundeskopf, dem die Ohren glatt am Kopfe weggeſchnit⸗
ten find, Er hat einige Varthaare, wie eine Mouſtache,
die lang, ſteif und auf eine ganz beſondere Art gewunden
ſind. Die Oberlefze ſchlaͤget ein wenig uͤber die Unter⸗
Icfje her. Die Zähne find wie Hundeszaͤhne, doch noch
ſpitziger, im Oberkiefer kuͤrzer als im untern. Der Hals
iſt duͤnne und ein wenig laͤnglicht, der eigentliche Leib aber
nur kurz, vorn dick, mit einer breiten Bruſt, hinterwaͤrts
faͤllt er gleich viel duͤnner, und endiget ſich gar ſpitzig.
Seine vier Fuͤße ſind nur kurz, und bald wie Gaͤnſefuͤße
geſtaltet. Sie haben keine Knochen, ſondern ſind nur
wie ein dicker Lappen von rauchhaarigtem feder, An den
Vorderfuͤſſen ſind 5 lange ſchwarze Klauen, die mit den
Spitzen uͤber den Rand des Felles ein wenig hervorſtehen.
Die Fuͤße ſelbſt ſind ohne Beine, und ſo kurz, daß, wenn
er auf dem Lande lieget, dieſelbe wegen der Rundung des
Bauches ſolches nur eben beruͤhren und ein klein wenig
anhacken koͤnnen, damit fie ſich kuͤmmerlich, doch geſchwin⸗
de genug fortſchleppen. Denn fie find eigentlich nur
zum Rudern und Schwimmen im Waſſer gemachet. Die
Hinterfuͤße ſtehen hinten aus, und zwar die breite Enden
perpendiculariter, wie die Fiſchſchwaͤnze. Seine Haare
waren nur kurz und ſteif. Uebern Ruͤcken hatte er brau⸗
ne Striche und Flecken; ſonſt war er faulweiß, und un⸗
term Bauch gelbicht. Der Schwanz war nicht laͤnger
als der Sturz eines Rehes. Ich habe das Thier ein we⸗
nig genauer ausgemeſſen, um etwan bey Gelegenheit ge⸗
gen andere aus andern Seen eine Vergleichung anzuſtek⸗
len. Das ganze Thier von der Spitze der Schnauze,
bis zu der obern Spitze des Fluͤgels, am Hinterfuß war
2 Pariſer Fuß 4 Zoll lang. Der Kopf allein 34 Zoll
lang und oben qver über 23 Zoll breit. Der Hals hiel⸗
te 22 Zoll. Die Dicke oder Hoͤhe vorn bey dem Vorder⸗
Fuß genommen 83 Zoll hy die Breite daſelbſt uͤber
5 | Ba
234 Nachrichten von Grönland
den Rücken 2 Zoll. Die Bruſt noch ein wenig über 9
Zoll. Hinten, wo die Hinterfuße anſitzen, war die Di⸗
cke im Diameter 35 Zoll, der Schwanz an ſich 33 Zoll,
der Vorderfuß war lang an der vordern Ecke 33 Zoll, an
der hintern 12 Zoll: feine Breite oben lys Zoll und uns
tenher 23 22 Zoll. Ein Hinterfuß lang 44 Zoll, oben ein
wenig ia als ein Zoll, unten aber 64 Zoll % Sie
wachſen in der Straße Davis zu einer ſolchen Große,
daß ſie fait; zween Männer Laͤnge bekommen. Sie haben
wohl vier Finger breit Speck oben auf dem Fleiſche, |
welches ganz guten Thran giebet.
Zu deſſen F. LVI. Jetziger Zeit, da dieſer in fo hohem Preis, myg
deen und der Wallfiſchfang insgemein ſo ſchlecht ift, werden
Schiff eigene kleine Schiffe nach Grönland und der Straße
der ſe Rob⸗ Davis auf den Robbenfang ausgerehdet, die man Rob⸗
benſchlaͤger ben ſe chlaͤger nennet, weil von ihnen die Seehunde
De befonders aufgeſuchet und auf dem Eiſe, wenn fie ſchla⸗
b n, uͤberfallen werden; Da ſie dieſelbe mit Pruͤgeln vor
die Naſe, wo fie febr empfindlich ſind, todtſchlagen, oder 13
mit kleinen ſteifen Lanzen oder Picken erſtechen.
Sind den F. LVII. Den wilden Inwohnern in der Straße
Ino. Davis find die Stehunde die allernutzbareſten Thiere.
fern zum Denn fie dienen denſelben nicht nur mit ihrem Fleiſche
Gebrauch sur Nahrung und mit ihrem Blute zur Arzeney, fon |
ſehr dien⸗
ſam. lig dern
Eine fleißige und ſchoͤne Anatomie dieſes Thiers, die
die Koͤnigl. Franzoͤſiſche Anatomici in Paris gemachet, findet
er in den Memoires pour fervir à 1’ hiftoire des Animaux
. 93 feg. Dem man beyfuͤgen kann im I. Hupple⸗ de PÅ
Brͤßlauiſchen Sammelung den 10 Artickel.
** Von den Seehunden in Nordamerica und deren
Fang ſi he Denys des Cotes de I Ameriqu. Septentr. Tom.
L p. 64 feq; wo er auch anmerket, daß die Jungen viel fetten
ſeyn als die Alten; und daß derſelben Thran friſch, gut zu
eſſen und eben fo beqvem zu brennen, als Baumoͤl fen, weil
einer
er nicht ſtinke. Eben biefer Auok e Tom. II. ch. 17 7
0
„
und der Straat Davis. 233
dern mit ihrem Felle zur Kleidung, zum Schiff bau und
ſo weiter, mit ihren Sehnen und Gedaͤrmen zu Fenſtern,
Segeln, ja zum Nehen und Heften, mit ihren Knochen
zu allerley Haus⸗ und Jogdgeräthſchaften, und wer kann
allen Gebrauch erzehlen! So viel gutes ſtecket in einer
einzigen Creatur, wenn der Ueberfluß von vielerley gu⸗
ten Sachen, der die Menſchen luͤſtern, eckelhaft und
faul machet, nicht da iſt, ſondern Mangel und Hunger
dieſelbe treibet darauf zu ſinnen, wie ſie das wenige, ſo
/
fie haben, zu allerley Gebrauch anwenden mögen *,
F. LVIII. Bevor ich aber von den Robben oder Dan abet |
fie auch in
Seehunden ſcheide, will ich noch einer beſonderen Sel⸗
tenheit Erwehnung thun. Es berichtet naͤmlich ein vor⸗ Tartarcy.
nehmer und glaubwuͤrdiger Schreiber“, daß in der
großen Tartarey in dem fügen und hellen See Bailal,
welchen die Rußen unrecht More oder Meer nennen,
maßen er eine bloße Sammlung von verſchiedenen ſuͤßen
Fluͤſſen iſt, derſelben eine große Menge ſich finden ſolle.
Als ich nun dieſes meines Behalts bey niemanden ſonſt
gelefen, fo bin ich um fo mehr bewogen worden, bey dem
ſehr curieuſen und Bergerfahrnen Herrn Heidenreich (den
das Rußiſche Oberberg⸗Collegium zu Petersburg durch
der g
ganz Siberien und die Tartarey bis an die Chineſiſche
Graͤnze, fo wohl neue Bergwerke auf, als die alte zu un⸗
terſuchen und zu verbeſſern abgeſchickt gehabt,) mich des⸗
halb eigentlich zu erkundigen. Derſelbe verſicherte, daß
ſolches der Wahrheit gemäß, und er dieſe Thiere felbft
an sek) und Stelle mit feinen Augen geſehen hätte, ja.
er
einer kleinen Sorte, von deren Fleiſch und Thran die Wilden
eine beſondere Leckerey wagen auch mit dem letztern iht
Haupthaar einſalben.
Quæ virtus, et quanta, boni, fit vivere parvo,
Diſcite. Horat.
* Zn feinem veränderten Rußland p. so. |
roßen
Von den
Einwoh⸗
Statur me
Leibese
ſituton.
236 Nachrichten von Grönland
er berichtete anben, daß fi ie völlig fo ausfehen, als die in ' 3
der Oſtſee, ohne daß fie etwas kleiner ſeyn, als dieſe, und
weil ſie unterm Wa nicht beftändig dauren koͤnnen,
hin und wieder in dem Eiſe, wenn der See gefrohren,
Oeffnungen zu erhalten wiſſen, um nach Nothdurft aus
und ein zu kommen. Die daherum wohnende Tartarn
und Ruſſen ſchießen ſie mit dre zackichten Harponen, und
brauchen nichts als den Thran diefer Thiere in ihren Sams
pen zum Lichte. Ich habe nachgedacht, wie ſie mögen in
dieſen See hineingekommen ſeyn, und bemerket, daß ihre
Voraͤltern gar beqvemlich mit den darinn auch befindli⸗
chen großen Stoͤhren aus dem Eismeere die Denifei herz
auf, und durch die Tunguske in den See gerathen oder
erirret ſeyn konnen. Nur iſt zu verwundern, daß ihre
Abkunft im ſuͤßen Waſſer nicht allein fortgekommen, ſon⸗
dern gar zu einer anſehnlichen Größe und Feiſte gediehen
iſt. Man ſiehet die Kraft der Gewohnheit, die mit er⸗
ſter Jugend den Anfang nimmt, hieraus deutlich, und
koͤnnte vielleicht bey weiterm Nachdenken zu ein und an⸗
dern nicht unnuͤtzen 1 davon Gelegenheit wen
men werden. . €
§. LIX. Nunmehro wird es Zeit feyn, auch auf die
nern, deren vernuͤnftige Creaturen, die Ingebohrne der Straße
Davis, die man gemeiniglich die Wilden nennet, zu
kommen. Es find dieſelbe durchgängig, fo wohl Weiz
ber als Maͤnner, kurz und unterſetzt vom Leibe, doch da⸗
bey wohl proportioniret von Gliedmaßen, fett und voͤl⸗
lig, nur daß ſie etwas platt vom Angeſicht: geſtalt ich
ſolches auch an demjenigen Groͤnlaͤnder wahrgenommen, å
der vor cinigen Jahren anhero gebracht wurde. n
Sie haben durchgängig ſchwarze und ſchlechte Haare,
braune und rothe Angefichter, doch diefe nicht von Nas :
tur, ſondern von ihrer ſchmutzigen und raͤucherigen Art
zu leben, da ſie viel mit Thran und Speck umgehen, und
mit t ungewaſchenen Faͤuſten ins Geſi icht re nic and
ders, |
und der Straat Davis. 237
ders, als wie die bekannte Zigeuner durch Schmieren mit
allerley Fett ſich rothbraun machen. Denn ſie werden
nicht nur weiß gebohren, ſondern man findet auch zuwei⸗
len, beſonders unter den Weibsbildern, weiße und recht
artige Geſichter, deren Annehmlichkeit wohl ehe einige
von den dahin gekommenen Coloniſten dermaßen geruͤh⸗
ret hat, daß fie eine derfelben zum Weibe begehret haben.
Sie ſind ſelten mit einigen natuͤrlichen Gebrechen behaf⸗
tet, ſondern durchgaͤngig von geraden Gliedmaßen und
geſunder Leibesbeſchaffenheit, wiſſen, wie der Autor der
angezogenen Groͤnlaͤndiſchen Perluſtration ſchreibet, nichts
von Kinderpocken und dergleichen Krankheiten. Es er⸗
hellet aber aus deſſelben nachher edirten Nachricht von
dieſer Miſſion, daß An. 1733 ein getaufter Groͤnlaͤnder,
der die Pocken in Daͤnnemark uͤberkommen, und feine.
Landsleute angeſtecket, davon, weil wegen der großen
Kaͤlte des Climatis die Pocken nicht zum Ausbruch kom⸗
men koͤnnen, es ihnen auch ſonſt an Arzneyen und War⸗
tung gefehlet, einige hundert hingeriſſen worden; die
übrigen auch nicht anders als durch die Flucht und Ver⸗
| meidung der Kranken gerettet worden.
ge LXX. Sonſt ſind fi ie gemeiniglich mit der Sands Won ihrer
krankheit dem Scorbut, einige auch mit einer fo boͤſen heiten zu
Art deſſelben, die mit weißen Blattern und Flecken als euiren.
Blumen ausſchlaͤget, behaftet: worgegen ſie außer dem |
Loͤffelkraute, noch ein anderes, ſo eine dickblaͤtterichte 10
Blume und einen ſehr ſcharfen Geſchmack hat, mit Nu⸗
tzen gebrauchen. Deren Kraft auch die Daͤnen hoch
en Sie haben weder Wund noch andere Aerz⸗
Bekoͤmmt iemand einen Schaden, wird er bloß mit
| 8 ledernen Riemen verbunden, worunter er gemei⸗
niglich ſo gut, als wenn allerley Pflaſter darauf geleget
geweſen, zu heilen pfleget. Es giebt einige unter ihnen,
die Angekoken genennet werden, und ſich für Zauberer,
Wahrſager und Aerzte ausgeben, und das ny
SE -
238 Nachrichten von Grönland
*
*
Volk bey der Naſe herumfuͤhren. Wenn iemand krank
iſt, (welches ſie domick heißen) machen fü ie allerley naͤr⸗
riſche Stellungen und Gebehrden, welche in der That ei⸗
gentliche Taſchenſpielerkuͤnſte find, und ſtellen ſich, als
wenn ſie eine Sehne eines Thieres oder ſonſt etwas aus
der leidenden Stelle herausbringen, welches ſie zeigen
und vorgeben, daß dieſes die Krankheit verurſachet, nun
aber dieſelbe geheilet ſey . Und weil meiſtentheils der
Kranke wegen ſeiner guten und harten Leibesbeſchaffen⸗
heit und aus der Einbildung, daß dieſes wahr ſey, gene⸗
ſet, haben dieſe Betrieger ziemlichen Credit, und verdienen
Von der
Landes
ſprache.
ſolchergeſtalt ihre Nothdurft. Eben dieſe hängen den
Kindern, auch wohl Erwachſenen Schnüre, wie Pa 5
Noſter von gewiſſen Knochen gemachet und andere‘
ge um den Hals **, davon fie dem dummen Volke weiß
machen, daß die ſolche tragen, geſund bleiben und gut
Gluͤck haben ſollen. Es giebet alte Leute unter ihnen,
und wuͤrde vermuthlich derſelben noch mehr geben, wenn
ſie nicht bey ihrer Lebensart ſo vielen gel faͤhrlichen Zufal⸗
len taͤglich unterworfen waͤren.
F. LXXI. Ihre Sprache iſt gar ſonderlich und ſo
fremde, daß ich nicht weiß, wo ich ſie hinbringen ſoll:
wie nicht weniger die Ausſprache, weil ſie den Mund be⸗
ſonders ziehen, und durch ganz eigene Anlegung der Zun⸗
gen an den Gaumen, Zaͤhnen u. ſ. w. faſt unnachahm⸗
liche Toͤne machen, die uͤberaus ſchwer zu faſſen, und
noch ſchwerer durch Buchſtaben auszudrücken. Ich habe
das Gluck gehabt, durch Communication eines hohen und
vor⸗
Wovon Herr Egede in ſeiner mehr angezogenen Nach⸗
richt von der Groͤnlaͤndiſchen Mißion, Exempel denen er ſelbſt
zugeſehen, und die geuͤbte Betriegereyen entdecket, p. 64 P.
170. anfuͤhret.
* Dieſe nennen ſie Angvoak, und kann man davon ein
mehrers finden bey dem Herrn 92 in angezogener Nach⸗
richt P: 62. it. p. u
und Der Straat e Davis. 239 |
vornehmen Goͤnners, ein kleines Daͤn⸗ und Groͤnlaͤndi⸗
ſches Dictionarium zu bekommen, welches der mehrbe ⸗
lobte Prediger Egede aufgeſetzet, und von mir mit einer
deutſchen Erklaͤrung der Woͤrter, auch einigen wenigen
Beyfuͤgungen dieſer Nachricht angehaͤnget worden. Es
finden ſich zwar einige wenige Worte, als Finneka, ein
Kind, Rona eine Frauensperſon, Woria eſſen, die
man ohnſchwer zu rechte bringen kann; ſo hat auch der
Autor der Perluſtration einige Nordiſche Woͤrter: Quan
Angelicawurzel, Nordlaͤndiſch Quanne, der Fiſch, Viſe,
bey den Nordl. Niſa, Rolleck eine Lampe, Nordlaͤnd.
Kolle u. d. g. angemerket. Dieſes alles iſt aber ein we⸗
niges, und kann aus dem Umgang mit den Fremden in
neuern Zeiten erſchnappet und behaͤngen geblieben ſeyn.
Allein die Sprache an ſich hat nicht die geringſte Ueber⸗
einkunft weder mit der Nordiſchen, Altgothiſchen oder
Jelaͤndiſchen, Finn⸗ noch Laplaͤndiſchen. Ja ohnerach⸗
tet ihnen die Noͤrdlichſten Theile von America ſo gar nahe
liegen, finde ich doch nicht, daß ſie mit dem, was la Hon-
tan und andre von den Sprachen der wilden Nationen.
in und bey Canada u. ſ. w. aufgezeichnet, einige Ver⸗
wandſchaft haͤtte. Ob uns auch gleich Strahlenberg in
ſeinem Nord⸗ und Oeſtlichen Theil von Europa und Afa
eine Tabulam Polyglottam von zwey und dreyßig Tarta⸗
riſcher Voͤlker Sprachen gegeben; ſo findet ſich gleich⸗
wohl unter den allen eben wenig die allermindeſte Aehn⸗
lichkeit, will nicht ſagen Abſtammung in der Groͤnlaͤn⸗
der Dialect. Indeſſen fol dieſe Sprache, wie ein derſel⸗
ben Kundiger mich deſſen verſichert, ihre große Annehm⸗
lichkeit im Klange und viel artiges und nachdruckliches in
ihren Redarten und Ausdruͤckungen haben. Sie ſchei⸗
net auch gar nicht ſo rohe, als man bey einem ſo rohen
und einfaͤltigen Volke, wie die Wilden ſind, vermuthen
ſollte, fordern vielmehr ehemahls von Leuten, die mehr
Nachſinnens und Muße als ſie gehabt, mit Fleiß aus⸗
gearbeitet zu ſeyn, abſonderlich wenn man die beſondere
| Art,
240 Nachrichten von Grönland
Art, Flexiones &c. ihrer Verborum, das Spiel mit den
Fronominibus ſuffixis, daß fie einen Dualem haben und
dergleichen erweget *. Es wird nach des Autoris der
Perluſtration Bericht Cap. 1 meiſtentheils einerley
Sprache uͤber das ganze Land geredet, nur daß die Aus⸗
ſprache an einigen Orten unterſchieden ift, So hat auch
| JJV
ITch will zur Probe und Bewunderung der Liebhaber
der Sprachen allhier einen Extract aus den von dem from⸗
men und fleißigen Prediger Egede 1725 gemachten, und m ir
durch guͤtige Beyhuͤlfe eines vornehmen Freundes in MS. zu
Haͤnden gekommenen Groͤnlaͤndiſchen Colle&aneis, ſammt eis
ner Deutſchen Ueberſetzung deſſelben dieſen Nachrichten anfuͤ.
gen. Dieſe Colleckanea beſtehen aus einem kleinen Dictio⸗
nario, welches ſich unten im Anhange ſub Lit. A. befindet,
und mit den Vocabulis, die Thom. Borrichius vormahls den
A&. Med. Haffn Vol. II. p. 11 ſeq. inſeriren laſſen, conferi⸗
ret werden kann: und der Formula conjugandi, nebſt einer klei
nen Nachricht von den Nominibus und Pronominibus, die üb
lit. B. zu ſuchen. Denn ferner aus einigen in Frag und Ant⸗
wort abgefaſſeten Elementis Chriſtlicher Religion, daraus
ich die zehn Gebote und das Gebet des Herrn nebſt einem
andern Gebet gezogen, lub Lit. C. ingleichen aus einigen Al»
loquiis, woraus ich den merkwuͤrdigſten und zu mehr als ei⸗
nem Gebrauch zu nutzenden 9 und 10 Paragraphum allhier
ſub Lit. D. mittheile. Endlich hat er aus dem 1 Buch Mor
fis die Tr erſten Cap. (davon fub Lit. E. das erſte) und einige
Evangelia, fo gut er gekoͤnnt, in die wroͤnlaͤndiſche Sprache
uͤberſetzet, (dadon das in Feſto Annunciat. Mariæ fub Lit.
F.) zur DER genommen. Wobey ich noch zu erinnern habe,
daß auch die Præpoſitiones und Conjunctiones in dieſer Spra⸗
che in Af- et Suffixis beſtehen, zum x. Sumit, wovon? Su⸗
mat, wohin? Iefumit von Jeſu Iefumur zu Jeſu. Killae
Nunalo Himmel und Erde. Guditog und Gott. Die sur
Religiongzund geiſtlichen Dingen gehörige Hauptwoͤrter, weil
die Grönlaͤnder Sprache dazu feine Woͤrter hat, hat der gute
Mann aus der Nordiſchen Mutterſprache nehmen müſſen,
als Gud, Gott, Engelija, Engel, Synd, Sünde, Helligfor-
fach (Von Helig) heilig. Velfigninch (von Velſigne)
ſeegnen 26 | „ AT,
1
und der Straat Davis. 241
das Weibesvolk eine beſondere Ausrede fuͤr ſich, indem
ihre Worte gemeiniglich ſich auf ein N endigen. -
$. LXXII. Betreffend die Kleidung der Groͤnlaͤn⸗ Von ihrer
der, fo wird dieſelbe von Rehe- und Robbenfellen, die fig Kleidung.
mit vielem Klopffen mit Steinen und durch Gerben mit
Urin, Thran und dergleichen einigermaßen gerben, auch |
wohl aus Vogelhaͤuten verfertiget, und mit Faden, die |
fie aus Robben: und andern Fiſchdaͤrmen, nachdem fie
ſolche aufgeblafen und geſpaltet, zu ſchneiden wiſſen, ge⸗
nehet. Auf der Bruſt zunechſt am Leibe tragen fie ein
Fell von der Eyderendte: die weiche Flaumſeite inn⸗
wendig. 1 „ Ses
Die Maͤnner haben einen engen Rock aus Rehe 1) Der
oder Mobbenfellen mit Ermeln und einer Kappe, wie Männer,
eine Moͤnchskutte, der ihnen bis an die Knie reichet, und
ſo wohl hinten als vorn eine abhaͤngende Spitze hat.
Des Sommers tragen ſie das Rauche aus⸗ und des Win⸗
ters innwaͤrts. Sie tragen auch dergleichen enge Hoſen
über den Lenden, ingleichen Strümpfe oder Stiefeln, das
Rauche innwendig: dabey gleichwohl im Gehen die Knie
öfters bloß werden. Einige wenige tragen gewalkete
Islaͤndiſche Struͤmpfe, die ſie von den Daͤnen ꝛc. erhan⸗
deln. Hembder noch ſonſt etwas von Linnen haben ſie
nicht, weil bey ihnen weder Hanf noch Flachs wachſen
kann, und ihre Armuth ihnen nicht geſtattet, einiges
Leinwand von den Dänen zu kaufen. Wird aber ie⸗
manden etwa ein Hembd geſchenket, ſo ziehet er ſolches
über feine gewöhnliche Kleider her und ſtolziret damit,
als mit einem beſondern Zierath. Wenn ſie zur See
und abſonderlich auf den Wallſiſchfang ausgehen, ziehen
fie über ihre Kleider ein ganzes Hemde oder Ueberzug aus
Wams, Hofen, Strümpfe und Schue in einem Stucke
beſtehend, welches aus glatten Robbenfellen ohne alles
Haar verfertiget, und mit Daͤrmen ſo dichte genaͤhet,
auch allenthalben ſo feſte b bes iſt, daß kein 5
| | 1 ſer
| 242 Nachrichten von Grönland.
fer durchdringen oder fie ſchwer machen kann. Dagegen
haben ſie oben an der Bruſt eine kleine mit einem Pflock
verwahrete Oeffnung, dadurch ſie daſſelbe durch Einbla⸗
ſen mit fo viel Wind anfüllen koͤnnen, daß fie nicht ſin⸗
Der
Weiber.
ken, ja bis zu halben Knie im Waſſer aufrecht gehen,
auch fich durch Maͤßigung der Luft nach Belieben in der
See auf den Grund hinablaffen, und wieder beraufbrin⸗ ”
gen. Geſtalten ein glaubwuͤrdiger Schiffer mich ver⸗
ſichert, daß er es nicht nur ſelbſt zu mehrmahlen mit Aus
gen angeſehen, und ſie aus dem Grunde der See etwas
herauf holen laſſen, ſondern auch einen Matroſen gehabt,
der nach einer kleinen Uebung ebenfalls auf dem ne |
frefen und fortwandern koͤnnen.
Der Weiber Tracht iſt nicht viel unterfehieden von
der Männer ihrer: ohne daß ihre Roͤcke etwas weiter,
auch hoͤher auf den Schultern ſind, damit ſie ihre Kin⸗
der, die ſie ſtets, wo ſie gehen oder ſtehen, auf den Rücken
mit ſich herum ſchleppen, darinn deſto beqvemlicher tra⸗
gen können. Im Sommer haben ſie ſo kurze Hoſen,
daß die Beine und Knie meiſt bloß ſind: des Winters
aber längere, die bis an die Knie reichen. Die Weis
ber binden ihre Haare in einen Zopff dergeſtalt auf, daß
ſie erſt untenher einen Band legen, alsdenn das Haar
wieder uͤberſchlagen und es noch einmahl binden, daß es
rund, dick und ſteif aufſtehen muß. In dieſen Zopff
flechten fie zur Zierde allerley Glascorallen, die fie auch
in die Ohren, um den Hals und Arme, ja wohl zuweilen
gar auf die Schue haͤngen. Einiges Weibesvolk, das
vielleicht ſich den Maͤnnern zum gefaͤlligſten machen will,
nehet ſich mit einem 1 den ſie wohl durch den Ruß |
| ihrer
* Zu mehrerer Deutlichkeit kann man bierben nachſehen
die Abbildungen der Maͤnner und Weiber, als die W die
man hat, welche Jacobaͤus und Laurenzen dem Mufeo Reg.
Fart. II. fe. 2 n. 81 ar einverleibet be, =
und der Strant Davis. 243
ihrer Lampen gezogen, zwiſchen den Augen, auf den Ba⸗
cken, am Kinne, auch bey den Ohren, nachdem man
meinet, daß es zum beſten zieren werde, allerley kleine Zus
ge zwiſchen Fell und Fleiſch, davon die ſchwarze Merk⸗
mahle, wenn die Wunde geheilet, beſtaͤndig zuruͤck bleiben
und eben alſo ausſehen, wie mir einer, der ſich dergleichen
auf dem Arm ‚neben laſſen, zeigete, als die bekannte Fi⸗
guren, die einige, ſo das heil. Grab beſehen, ſich auf dem
Arm zeichnen laſſen % Man hat mir für gewiß fagen
wollen, daß dieſer Putz dieſen Creaturen, wenn ſie ſonſt
nicht heßlich, artig genug ſtehe. Iſts nicht dem maͤnn⸗
lichen Geſchlecht eine große Ehre, daß das weibliche ſichs
ſo ſauer werden laͤſſet, demſelben ſich annehmlich zu ma⸗
chen? Ob aber wohl in dieſem Stuͤcke die Groͤnlaͤnderin⸗
nen ſcheinen auf den Putz etwas zu achten, fo | iind fie
doch ſonſt eben fo ſchmutzig als die Männer, wie fie denn
benderſeits in allen ſehr unreinlich leben, ſich ſehr ſelten,
oder wohl gar in ihrem eigenen Waſſer waſchen.
F. XXIII. Sie haben zweyerley Wohnungen, Von ihren
eine für den Winter, die andre für den Sommer. Ihre „
Winterhaͤuſer find die größeſten, die fie gegen den
Winter, oder wenn fie lange an 1 Orte zu bleiben ge
denken, aufrichten. Und dieſes iſt eigentlich der Weiber
ihr Werk. Sie bauen dieſelbe erde aus Feldſteinen
oder abgefallenen Felstruͤmmern, die fie mit zwiſchen ge
22 worfener
* Der Rußiſche Geſandte Vsbrants Ides meldet in ſeiner
Reize naar China p. 3) von den Tataren, Niſovier Tungufi
genannt, die er unter Weges angetroffen: Z) zyn ook Lief«
hebbers van Schoonheit, en om die te vermeerderen, ver-
ſieren ze hunne aangezigten, het voorhooft, de Wangen
en Kinnen over al net op de volgende wyze. Zy door-
naayen de huid mer alderhande beeiteniffen; den dräad
fmeeren zy met een zwart vet, en na dat de Draad eenige -
Dagen in de genaide woude is geweſt, trekken zy dien
wederom daaruit; alsdan b Iyft het genauide teken ſtaan,
en men Ziet’er weinige die zulks niet hebben,
244 Nachrichten von Grönland
worfener Mooß-oder Torferde zu befeſtigen und fo diche -
te, daß kein Wind hineindringen kann, zu verbinden wiſ⸗
ſen. Sie laſſen dieſelbe nicht leicht uͤber zwo Ellen außer
und uͤber der Erde hervorragen, ſondern ſenken den Reſt
in den Grund zu mehrerer Feſtigkeit und Verwahrung
vor Wind und Kaͤlte hinein. Oben auf die Waͤnde legen
ſie einige Latten, und bedecken ſolche an Stelle des Daches
mit Erdſoden oder Raſen. Sie ſetzen auch einige Fen⸗
ſter hinein, die ſie aus aufgeflitſcheten und folgends der
Laͤnge nach neben einander mit Sehnfaden dicht geneheten
Mobben⸗ oder andern Fiſchgedaͤrmen gemacht, wodurch
das Licht einfaͤllt, und die Wohnung noch lichter als man
meinen ſollte, gemachet wird. Der Eingang wird un⸗
ter der Erde als ein Maulwurfsgang hingegraben, doch
damit der Wind und Kaͤlte nicht ins Haus falle, nicht
gerade, ſondern wohl gekruͤmmet und lang. Die aus⸗
wendige Oeffnung iſt allemahl gegen der See gekehret,
damit, wenn ſie heraus kommen, ſie dieſelbe als die vor⸗
nehmſte Qvelle ihrer Leibes Nahrung und Nothdurft,
ſo gleich im Geſichte haben, und ob irgend ſo viel Oeff⸗
nung fey, daß zu Werke zu kommen, ohngeſaͤumt erbli⸗
cken moͤgen. Vor dem Gange haͤnget ſtat der Thuͤre
ein Fell, wenn man durch dieſen finſtern Gang auf den
Knien, oder ſehr gebuͤckt, gekrochen, koͤmmt man zu Ende
juſt in der Mitte des Hauſes hervor. In einem ſolchen
Hauſe, das nicht vielmehr als 20 Fuß ins Gevierte hat,
wohnen, weil ſie nicht zaͤnkiſch ſind, und kein Geſinde,
das mehrmahlen die Herrſchaften an einander haͤnget,
halten, auch keine Meublen, die den Raum enge machen,
beſitzen, öfters 7 bis 8 Familien, inſonderheit Aeltern
und verheyrathete Kinder, Blutfreunde und Schwaͤger
beyſammen. Wie denn auch, was geſi iſchet oder gejas
get wird, allen gemein ſamlich gehöret, und in guter Ver⸗
traulichkeit verzehret wird. An einer Seiten des Hau⸗
ſes haben ſie ihre Schlafſtelle von Dielen oder Bretern
auf Steinen eine 1 Elle aber der Erde erhoben, und
.
D
i
und der Straat Davis. 245
ſtat der Betten mit rauchen Rehfellen beleget. Worauf
iede Familie ihren eigenen Schlafraum hat, der von dem
andern durch ein dazwiſchen geſpannetes Fell von 2 Ellen
hoch abgeſondert ift, Die von einer Familie ſchlafen
ſolchergeſtalt bey einander, daß Mann und Frau bey⸗
ſammen, die Soͤhne aber an des Vatern, die Toͤchter an
der Mutter Seiten liegen. Vor der Schlafſtelle hat
iegliche Familie ihre eigene Kuͤche ſtehen, welche in nichts
anders, als einer langen aus dem vorhin beſchriebenen
Weichſtein gehauenen Lampe beſtehet. Denn in derſel⸗
ben iſt eine tiefe Rinne gemachet, worinn man vermit⸗
telſt eines mit Speck oder Thran wohl durchgekneteten
und feſt eingedrucketen Dachtes von gedoͤrretem Mooß
und darauf gegoſſenen Thran beſtaͤndig ein ſanftes, nicht
flatterndes noch ſpritzendes und wenig Rauch von ſich ge⸗
bendes Flaͤmmlein unterhaͤlt. Ueber demſelben haͤngt
ein oben an einer Latten befeſtigter Keſſel, darinn alles
gekochet wird, alſo daß dieſe Lampe ſo wohl die Speiſe zu
kochen, als das Haus zu erleuchten und zugleich daſſelbe
zu heizen dienet. Einige haben auch noch die Waͤnde,
wo ich mich recht erinnere, mit rauchen Pelzwerk, die
Haarſeite nach innen gekehret, uͤberzogen. Weshalben
es in dieſen Haͤuſerchen ſo warm ift, daß man von der
Strenge des Winters darinn fo wenig Beſchwerde em⸗
pfindet, daß die Inngebohrne, Maͤnner und Weiber, ſo
lange ſie in denſelben ſind, ſtets mit dem Oberleibe nackt
gehen. Indeſſen haben dieſe Wohnungen für Ausländer
eine faſt unerleidliche Unbeqvemlichkeit, ich meyne den
abſcheulichen Geſtank von darinn aufbehaltenen halbver⸗
faultem Fleiſche, Fiſchen und Thran, der fo heftig, daß man
davon vergehen moͤgte: nicht zu vergeſſen der Laͤuſe, wo⸗
mit alles angefuͤllet iſt. Fremde, die zu ihnen kommen,
wenn ſie gleich von ihrer Nation, maßen ſie einander zu⸗
weilen von 10 Meilen her beſuchen, laſſen fie nicht bey
ſich ſchlafen, ſondern weiſen ihnen ein beſonderes Plaͤt⸗
chen mit einem Bret dazu an. Bey ihren Haͤuſern ma⸗
Q 3 chen
N
246. Nachrichten von Grönland
chen ſie kleine Hohlen, „die ſie mit Steinen ausſezen,
und darinn ihre im Sommer gedoͤrreten Lodden und See⸗
hundefleiſch zum Wintervorrath aufheben. Was ſie im
Herbſt und Winter fangen, legen fie auf die bloße Erde
unter den Schnee, und bergen es folchergeftait vor der
Verweſung. Wenn ſie nicht mehr auf die See kommen
koͤnnen, ſchleppen ſie ihre Weiberboͤthe an ihre Haͤuſer,
legen dieſelbe umgekehrt auf vier Pfaͤhle, und verdecken
darunter ihre Pelzereyen, und was ſie ſonſt an Waaren
von Werth haben. Die Wamtterhaͤuſer beziehen ſie
im October, mit Anfang des Mays verlaſſon fie dieſelbe wie⸗
der, entweder auf eine Zeitlang, wenn ſie in der Naͤhe vers
bleiben, oder ganz und gar, wenn fie den Ort verändern
und eine beſſere Gegend, wo mehr zu fangen oder zu ja⸗
gen, ſuchen. Da denn die verlaſſene Wohnungen an⸗
dern, die etwa nach ihnen von ohngefehr dahin kommen,
zu Theil werden. Ihre Sommerwohnungen find
leichte Gezelte von glatten Robben ellen, zwey Felle uͤber
einander gehangen, ganz rund, oben in der Spitze nicht
Son ihren
Verlobun⸗
gen.
größer als ein gemeiner Hut. Dieſelbe werden mit hoͤl⸗
zern Stacken aufgeſtellet, und hat eine iede Familie ihr
eigenes, darinn fie ſich behilfft. Die meifivermögende
unter ihnen behaͤngen oder fuͤttern ihre Zelte von innen
mit rauchen Rehe- oder andern Fellen. Dieſe Zelte ſol⸗
len recht zierlich gemachet ſeyn, auch viel reinlicher gehal⸗
ten werden als die Haͤuſer: ſo daß darinn ſich gut genug
wohnen laͤſſet. Ein ieder Hausvater hat auch in ſeinem
Zelte eine Lampe, und den Keſſel Speiſe zu kochen daruͤber
haͤngend. Wenn fie mit ihren großen oder Weiberboͤ⸗
then in See gehen, fuͤhren ſie ihre Zelten mit 9 ich.
RE LXXIV. Wie dieſe Groͤnlaͤnder in allen cinfåltige i
lich ohne viel Umſtaͤnde und der Natur gemäß verfahren:
alſo wiſſen ſie auch bey ihren Verlob⸗ und Verehligun⸗
gen von keiner Weitlaͤuftigkeit, Solennitaͤten oder Cere⸗
monien. Eine Mute fi 00 nur darauf, ob ein
N Mid, VA
And der Straat Davis. 247
Mädchen ſich nach Landes gebrauch auf die ihnen oblie⸗
gende Hausarbeit, inſonderheit aufs Nehen und Schnei⸗
dern, verſtehe: und dieſe fraget nur nach, ob ein junger
Freyer ein geſchickter, fleißiger und gluͤcklicher Fiſcher und
Jaͤger ſey. Weil auch kein Maͤdchen einen Brautſchatz
mit zu bringen und kein Freyer was zu vermachen hat; ſo
iſt leicht zu gedenken, daß es zu beyden Seiten keine ſon⸗
derliche Schwierigkeit ſetzen, noch viel Tractirens noͤthig
ſeyn werde. Doch aͤußert ſich bey dieſer Gelegenheit ein
Ausbruch der dem weiblichen Geſchlechte angebohrnen
Schamhaftigkeit und (wo ich ſo reden kann,) ein natuͤr⸗
licher Wohlſtand. Die ganze Sache pfleget nach des
mehrmahls angeführten Autoris der Groͤnlaͤndiſchen Pers
luſtration Cap. 12 (der in dieſem Stuͤcke beſſere Nach⸗
richt giebet, als ich ſonſt anderswoher habe haben koͤnnen)
auf nachfolgende Art angefangen, behandelt und berich⸗
tiget zu werden. Iſt ein junger Geſell in den Eheſtand
zu treten gewillet, und hat noch Aeltern im Leben, offen⸗
baret er denſelben ſein Vorhaben, und machet ihnen die
Perſon kund, zu der er etwa Luſt hat, ob er gleich mit
derſelben noch kein Wort davon geſprochen. Iſt es
denn der Aeltern Wille, und iſt ihnen das Maͤdchen an⸗
ſtaͤndig, verfprechen fie ihm, daß fie fie wollen holen laſ⸗
ſen: dazu ſie 2 oder 3 alte Weiber abſchicken, welche ſich
zu des Maͤdchens Aeltern, oder fals dieſelbe nicht mehr
im Leben, zu deren Anverwandten verfuͤgen. Wenn die⸗
felbe ins Haus kommen, reden fie nicht gleich von der
Freyte, ſondern fangen erſt ein ander Geſpraͤch an, ruͤh⸗
men doch bey Gelegenheit den Freyer, wie geſchickt er
fey, und was für Glück er im Fang habe. Endlich bre⸗
chen fie mit ihrem Gewerb heraus, und ſprechen die Ael⸗
tern um das Maͤdchen an, ohn ihr ſelbſt das geringſte
deshalb zu ſagen. Iſt das Maͤdchen gegenwaͤrtig, gehet
ſie augenblicklich hinaus, und thut als wenn ſie nichts
von dergleichen Reden wiſſen will. Bald hernach ſtehen
die Aeltern das Geſuch zu, und geben ihr Ja darein, auch
24 wird
243 | Nachrichten von Groͤnland
wird das Maͤdchen wieder hereingerufen, und ihr von ih⸗
ren Aeltern die Sache kund gemachet. Worauf ſie den
Haarzopff los reißet und übers Geſicht wirft, auch zu
weinen anfaͤngt, aber weder nein noch ja zur Sachen ſa⸗
get, vielmehr ſich ſtellend als wenn ſie nicht will. Doch
dieſes hilft ihr gleichwohl nichts, ſondern die Freywerber
faſſen ſie unter die Arme und ſchleppen ſie alſo mit ſich
fort. Wenn ſie nun in das Haus koͤmmt, wo ihr kuͤnf⸗
tiger Mann feinen Aufenthalt hat, ſitzet fie beſtaͤndig vor
ſich weg und heulet, wird ihr auch anfangs kein Wort
vom Braͤutigam zugeſprochen; doch troͤſten die Anver⸗
wandte ſie, und ſagen, ſie wuͤrde noch vergnuͤgt und lu⸗
ſtig werden, wenn ſie nur erſt ein wenig beſſer mit ihrem
Braͤutigam wurde bekannt geworden ſeyn. Nachdem
fie ſolchergeſtalt eine Weile vor ſich geſeſſen und gewei⸗
net, ſpricht ihr endlich der Braͤutigam zu, und bittet,
daß fie ſich wolle an ſeine Seite legen. Welches ſie denn
auch nach vielen inſtaͤndigem Anſuchen, vielleicht aus re⸗
ge werdenden Trieb der Natur, endlich thut. Andere
hergegen, die ſich auf keinerley Weiſe wollen bereden laſ⸗
ſen zu bleiben, laufen wieder heim zu ihren Aeltern, die
ſie nicht wieder zuruͤck ſenden, ſondern warten, bis ein
Bote vom Braͤutigam koͤmmt, der ſie wieder abholet.
Wofern ſie aber 2 bis 3 mahl ſolchergeſtalt vom Manne
weg laͤufet, laͤſſet er zuletzt, um dem Handel ein Ende zu
machen, einen Sack verfertigen, worein das verlaufene
und gar zu bloͤde Maͤdchen von den ausgeſendeten Fren⸗
werberinnen geſtecket, der Sack oben ſolchergeſtalt, daß
nichts als ihre Haare heraus haͤngen, zugeſchnuͤret und
ſie auf dieſe Weiſe wieder heim zum Bräutigam geſchleppt
wird. Wornechſt fie endlich bey demſelben mit oder wi⸗
der Willen verbleibet. mee,
Von uhren | 6. LXXV. Es iſt auch recht ſonderlich, i daß dieſe
. Volker ohne ein desfalls habendes Geſetz aus natürlicher
| wie fle c » Ehrbarkeit oder alten Gewohnhei, davon ſie Disk den
CA VER
U ! *
i '
und der Straat Davis. 249
Urſprung noch Grund nicht wiſſen, ſich ihrer Verwand⸗ in der Ehe
ten ſo gar bis ins dritte und vierte Glied enthalten, und betragen.
ſelbige nicht heyrathen. Ein ieder hat insgemein nur
eine Frau, welches bey der gaͤnzlichen Geſetzloſigkeit,
worinn dieſe Menſchen leben, um ſo mehr zu verwundern
iſt, als gemeiniglich der Trieb der verderbten menſchlichen
Natur zur Fleiſchesluſt und folgbar zur Vielweiberey
mehr als zu einiger andern Sünde anſpornet, auch ietzi⸗
ger Zeit nicht leicht ein ander heydniſches Volk gefunden
wird, bey welchem dieſelbe nicht im Schwange gehe. Doch
giebt es dann und wann einen unter ihnen, der zwey
Weiber hat, gleichwohl nicht aus Geilheit, ſondern fra⸗
get man um die Urſache, warum er dazu gefehritten, ift
die Antwort ſchlechtweg und natuͤrlich, daß die eine taug⸗
licher ſey als die andre, und daß er zwey ernähren koͤnne.
Ihre Ehe halten ſie heilig, und hat man nie gehöret, daß
ein Mann ſich zu einer andern, als ſeiner eigenen Frauen
gehalten haͤtte. Doch ift dieſelbe få unaufloͤslich nicht,
daß nicht zuweilen ein Mann von ſeinem Weibe, wenn
ſie nicht nach ſeinem Sinne iſt, (wie ja wohl ben ihrer
Art zu freyen ohnſchwer vorfallen kann,) ſich ſcheiden,
und eine andre nehmen ſollte. Haben ſie Kinder mit
einander, ſiehet der Mann viel durch die Finger und blei⸗
bet bey ihr bis an ihren Tod. Man ſollte nicht denken,
wie ſehr dieſe ſonſt einfältige Kerle ihr maͤnnliches Vor⸗
recht uͤber ihre Weiber zu behaupten wiſſen. Der Mann
fetzet ſich erſt zum Effen, und laͤſſet ſich von feinem Weis
be bedienen, die nicht eher zugreifen darf, als bis er ge⸗
färtiget und aufgeſtanden if. Es ſetzet auch zuweilen,
wenn Madame nicht recht aufgehet, Pruͤgel. Doch ſind ”
ſie hernach bald ſo gute Freunde wieder als vorher.
Stirbet einer der Ehegatten, heyrathet der überlebende,
es ſey Witwe oder Witwer, nach Belieben wieder.
8. LXXVI. Es ift leicht zu 2 5 0 daß dieſe Art Von eue
Weibesvolks gar hart fo wohl in als nach der Geburt Qing iver
Q ſeyn )
5
) e >
250 Nachrichten von Grönland
ſeyn muͤſſe, und es findet ſich auch ſo, indem man ſie we⸗
der vor noch nach der Geburt über Schmerzen klagen hår
ret. Doch fuͤhlen fie die natuͤrliche Mutterneigung gegen
ihre Kinder im hohen Grade. Denn ſie tragen gegen
dieſelben eine ungemeine Lebe, und warten ihrer mit
aͤußerſter Sorgfalt: fo lange fie klein find, tragen fie
ſelbe allenthalben, wo fie gehen oder figen auf dem Ruͤ :
cken, und dieſer dienet den Kindern ſtat der Wiege, die
ſie auch, bis fie 3, 4 und mehr Jahr alt find, mit ihrer
Bruſt ſtillen. Von Erziehung derſelben machen ſie,
wie leicht zu glauben, nicht viel Weſens. Denn * man
hoͤret nie, daß ſie die Kinder beſtrafen, ſondern man laͤßt
ihnen ihren eigenen Willen: gleichwohl ſpuͤret man,
wenn ſie groͤßer werden, keine ſonderliche Neigung zu ei⸗
niger unziemlichen großen Leichtfertigkeit an ihnen: und
ob ſie gleich keine ſonderliche Ehrfurcht, ſo weit aͤußer⸗
liche Hoͤflichkeit antrifft, gegen die Aeltern bezeugen, weil
fie nicht beſſer gelehret noch angefuͤhret find, fo erweiſen
ſie doch auch keine Widerſpenſtigkeit noch Muthwillen in
Ausrichtung deſſen, was fie ihnen etwa anbefohlen. Die
jungen Knechte und Maͤgde bleiben allezeit bey den Ael⸗
tern, bis ſie in den Eheſtand treten. Hernachmahls ſor⸗
gen ſie fuͤr ſich ſelbſt, doch verlaſſen Aeltern und Kinder
einander niemahls, ſondern bleiben ſtets in einem Hauſe
beyſammen. e e
Bon ihren F. LXXVII. Die Groͤnlaͤnder koͤnnen ſich in alles
Seifen, ſchicken, fie koͤnnen unglaublich hungern, wenns die
Zurichtung. Noth erfodert, fie koͤnnen aber auch abſcheulich freſſen,
wenn Vorrath vorhanden ift, Sie haben keine gewiſſe
Zeit zu ihren Mahlzeiten; wenn ſie der Hunger oder die
Luſt ankoͤmmt, ſo eſſen ſie. Doch halten ſie des Abends
ihre Hauptmahlzeit. Viele ſtehen auch des Nachtes auf,
fals ſie erwachen und Appetit verſpuͤren, gehen 2 |
| ? eſſen.
\
i Gamle Groͤnl. nye Perluſtration p. 77.
und der Straat Davis. 231
eſſen. Sie kommen nie in ein ander Haus, wenn ſie et?
wa darinn zu thun haben, oder iemand ſprechen wollen,
ohne ſo fort zu freſſen. Indeß ſind ihre Speiſen, auch
deren Zurichtung an ſich ſo gar anziehend nicht. Fleiſch
und Fiſch iſt alles, was ſie haben koͤnnen, weil ihr Land
anders nichts fortbringet: Fleiſch von Rehen, von Ha⸗
fon, von Seehunden, von allerley Land- und Waſſervoͤ⸗
geln, Fiſche, die ihnen vorkommen, aus ſuͤßem Waſſer
oder aus der See, auch Wallfiſche, beſonders aber ihre
kleinen Lodden, die faſt wie unſere Stinte ſind. Das
Fleiſchwerk eſſen ſie bald rohe, wenns naͤmlich halb ver⸗
faulet, oder auf den Klippen an der Sonne! gedoͤrret
ift, bald gekocht: denn fie koͤnnen ſehr hartes und zaͤhes
Eſſen, ja gar in Zeit der Noth Riemen von dem Leder
ihrer Kleider und alten Schue, ein wenig mit Waſſer
durchgekochet, beißen und verſchlucken. Daher haben
"fie alle mit einander ſtumpfe abgebiſſene Zähne, wie die
alten Bauerhunde. Friſche Fiſche eſſen ſie iederzeit ge⸗
kochet. Sie doͤrren aber auch viele als Lachſe und der⸗
gleichen, inſonderheit die Lodden, (die im Majo und Ju⸗
nio haͤufig gefangen werden,) an der Sonnen fuͤr ihre
Winterproviſion. Gedoͤrrete Fiſche effen fie ungekochet,
und an ſtat Brods. Ihr Eſſen kochen ſie in bloßem
Waſſer und ſo gar ohne Salz, (als welches fie nicht has
ben,) nur des Sommers im Felde mit ein wenig Fett,
Schmeer oder Thran, zur Winterzeit in ihren Haͤuſern
mit Robbenſpeck daran. Das Kochen geſchiehet in einem
aus Weichſtein gehauenen oder auch kupffernen oder
meßingen Keſſel, wenn ſie dergleichen erhandeln koͤnnen,
uͤber der großen ſteinernen Lampe, deren vorhin Erweh⸗
nung geſchehen. Ihr Feuer machen ſie vermittelſt zweyer
Stuͤcker Holzes, deren eines wie ein Triller in das andere
geſtecket, und durch einen Riemen ſo ſchnell gedrehet wird,
daß durch die heftige Bewegung das eine Holz in Brand
| geräth,
Siehe die Nachrichten von Island Not. p. 85
\
\ 1 N |
252 Nachrichten von Grönland a
geraͤth. Wann die Speife nach ihrer Art gekochet, oder
halb gahr iſt, gießen ſie zuerſt die Suppe davon und ſau⸗
fen dieſelbe hinein, hernach ſchuͤtten ſie das Gekochte in
nimmer gewaſchene Schuͤſſeln, oder wenn ſie auch die
nicht haben, auf den bloßen Boden, da ſie mit Fuͤßen
gehen, und freßen es davon. Ihre groͤßeſte Schleckeren
finben fie in dem Blute der Robben oder Seehunde, (die
deſſen mehr haben als einiges andere Thier). Daſſelbe
bemühen fie ſich, wenn fie folde fangen, nicht allein
ſorgfaͤltig durch geſchwinde Zuſtopffung der Wunden bens
zubehalten, ſondern auch nachhero beſtmoͤglichſt aufzuhe⸗
ben. Sie laſſen ihren Weibern nichts davon zukommen,
ſondern behalten es bloß fuͤr ſich entweder zu trinken,
wenn ſie deſſen viel im Vorrathe haben, oder an ihre
Speiſe (um ihr einen haut gout à la Gronlandienne zu
geben) nur etwas davon zu ſchuͤtten, wenn der Vorrath
geringe iſt. NA | 9
Von ihrem F. LXXVIII. Ihr Getränke ift das klare Waſſer,
Getränke. wie es der liebe Gott geſchaffen hat. Es hat lange ger |
waͤhret, ehe ſie von der Daͤnen Koſt etwas koſten wollen.
Nachher haben doch die, ſo vielen Umgang mit denſelben
gehabt, ſolche eſſen gelernet. Ein und anderer hat ſich
auch bereden laſſen Brantewein zu trinken, deſſen ſie viel
vertragen können, ehe fie trunken geworden, ohne Zwei⸗
fel * wegen des vielen Fetten, womit ihre Mågen ange
fuͤllet, dadurch die Branteweinſpiritus gedaͤmpfet wer⸗
den, daß ſie nicht zu Kopfe ſteigen koͤnnen. Toback
rauchen hat man ſie nicht lehren koͤnnen, weil er ihnen
zu bitter und zu ſcharf auf der Zunge vorkoͤmmt.
Pon ihrer H. LXXIX. Nunmehro wird es auch wohl Zeit ſeyn
Handthie, zu gedenken, welchergeſtalt fie zu ihrer Leibes-Nahrung
rung. e i i 915
und nothduͤrftigem Unterhalt gelangen. Dieſes
* Wie der Autor der Groͤnlaͤndiſchen Perluftration p. 39
anmerket. Årg 25 ö
ba
und der Straat Davis. 253
durch Fiſchen und Jagen, darinn alle Handthierung
und Gewerbe der Maͤnner einzig und allein beſtehet, und
ihnen die Weiber auch, ſo viel ſie koͤnnen, zu Huͤlfe
kommen. Ihr Fiſchen geſchiehet zwar dann und wann
in Stroͤhmen und Auen, aber wenig und ſelten. Das
meiſte geſchieht auf der See, vornehmlich nach Wallſt⸗
ſchen, doch auch nach andern Fiſchen, die ihnen die See
darbeut. Das Jagen thun ſie auf der See nach den
Robben oder Seehunden und nach den Waſſervoͤgeln:
Auf dem Lande nach den Rehen, Haſen, wilden Hun⸗
den, auch Ryper oder Rebhuͤnern. In beyden Gelegen⸗
heiten erweiſen ſie ſich nicht nur unermuͤdet, hurtig und
geſchickt, ſondern haben auch bey ihrer Armuth und Man⸗
gel an behoͤrigem Stoff, fo wohl e und zu⸗
gerichtete Geraͤthſchaften, und in deren Gebrauche ſo
vernünftige und zureichende Arten und Vortheilchen, daß
man bey etwas genauerer Einſicht ii nicht genug daruͤber
wundern kann.
g. LXXX. Ich will von 1 Fiſcherzeuge oder Wen ihren
Fiſchergeraͤthe den Anfang machen. Sie brauchten Has
vordem Angel von Knochen, ietzo haben fie fie auch von ten.
Eiſen; die ſie von den Daͤnen oder Holzen bekom⸗
men. Ihre Netze, die ſie auf den Fluͤſſen gebrauchen,
find von langen ſchmahlen aus Wallfiſchbaarten zart ges
ſchnittenen Stremeln oder Riemen gemacht, womit
ſie gar hurtig umzugehen und vortreflich zu fangen wife
ſen. Wie denn die Daͤnen geſtehen muͤſſen, daß damit
beſſer, als mit ihren hanfenen Fäden, zu ſiſchen ſey. Sie
haben auch aus Reheſehnen geflochtene Ketſcher mit en⸗
gen Maſchen, womit fie die Lodder ſchoͤpffen . Ihre
Harponen oder Harpunen * womit fie die Dobben oe
all⸗
\
Siehe Groͤnlaͤnd. Fer p. 33.
Iſt der Nahme des Wurfſpießes oder Pfeils, der
auf den Wallfiſch geſchoſſen wird. Die Franzoſen ſagen bar-
Pon, und die Engell. barping- iron. Das Wort koͤmmt ver
i muthlich
254 Nachrichten von Grönland
Wallfiſche ſchießen, haben zackichte Spitzen von Knochen; ;
die es aber beffer machen wollen oder koͤnnen, ſetzen noch
=
eine eiſerne Spitze vor die knoͤcherne. Und weil diefe
armſelige Menſchen kein ander Holz, ihre Geraͤthe zu ver⸗
fertigen, haben, als was ihnen von der Americaniſchen
Kuͤſte ohngefehrlich zutreibet, oder von den Daͤnen oder
Hollaͤndern uͤberlaſſen wird; an Eiſen aber noch einen
groͤßern Mangel leiden: ſo fi ind fie fo geſcheidt und vor⸗
ſichtig, daß fie mitten an die Harponen⸗Stange eine auf⸗
geblaſete Robbenblaſe (Avata von ihnen genannt) heften,
damit, wenn dieſelbe etwa nicht wohl treffen, oder wieder
ausreißen moͤgte, ſie nicht verlohren gehen, ſondern von
ihnen auf dem Waſſer treibend, wieder gefunden, erha⸗
ſchet und noch oͤfter gebrauchet werden koͤnne. Zu dem
find die Spitzen alſo beſchaffen, daß fie nach Erforder⸗
niß der Umſtaͤnde in allerley Stangen koͤnnen eingeſtecket
und mit Riemen von Leder und von Fiſchbein befeſtiget,
folglich ſolchergeſtalt gleichſam vervielfaͤltiget werden.
Die Harponen, die ſie auf den Wallfiſch ſchießen, ſind
ziemlich groß, und deren Skangen zum beſſern Ein⸗
dringen ſchwer, auch in der Mitten noch mit einem
Zapfen von Knochen verſehen, um darhinter den Daum
zu legen und den Wurf deſto nachdruͤcklicher zu vollfuͤh⸗
ren. Darneben haben ſie auch laͤngere und ſchwerere
Stangen, mit großen Spitzen daran, die fie, wie unſre
Leute die Lanzen, zum Stechen gebrauchen. Außer dieſen
aben fie noch eine große Art von Wurfpfeilen, große
Robben und Wallfiſche zu ſchießen, an deren Stange zu
be ein paar Blaͤtter von Wallroßzahn gemachet ſtat
Federn,
ee
muthlic her bon dem Griechiſchen aha», womit ein hakichtes
Gewehr, das die Alten ſchon bey dem Fange ihrer fo ee
ten Wallfifche gebrauchet, bey dem Oppian. ele. Lib.
V. 152 bedeutet wird. Welches noch weiter zu gehen von dem
Hebr. Dam haſta (vid. omnino \Bochart. ern H
L. 5. cap. 15 feg:) e kann.
: f 4 . y 2 254
Cm Gronlanorfches Schiff mit oder Damı gehörigen »
Win2Blaft und Irisden-Cerüfle , 73.235.
lang-20%£
Breit - «2
"Br der rere hoch ER
Dre Cee, 13 Bel
Das Dazu
e . Lang 4 2 aq.
== — III III —
—
Cm C-rønlån2ifeher Bogen. lang 53 Buy i
j 3 ; 72 3 I-
— —
‚Ber Seil Sazu,lang 1 SA
Cam Grønlanvriføherk onder WeiberB oot, lang sa
Breit 5£ Baus, oel d Aud, 77. 2 5
Agenthike Crayje Deo in einem Ne Ace,
gefundenen Stein :DEUr, ggg
— HH EL FT
FL ZZ
TFT IT TH
— —
7
.
*
1
\
å
7
und der Straat Davis. SØ 255
Federn, um einen richtigern, gewiſſern und nachdruͤck⸗
lichern Schuß zu thun, befeſtiget ſind. Noch brauchen
fie, die Waffervögel, welche ſehr ſchlau find, zu ſchießen,
eine Art von Pfeilen, ſo nicht nur vorn an der Spitze
mit einem ſcharfen Knochen, ſondern auch um die Mitten
im Qvadrat mit noch vier eingekerbeten ſpitzigen Hacken
von Knochen zu dem Ende verſehen ſind, damit, wenn
entweder der Vogel bey Wahrnehmung des ankommen⸗
den Pfeils entweder geſchwinde tauchen, oder ſich in die
Höhe heben, oder auch auf ein oder andre Seite ein wer
nig ausweichen, und daruͤber die vordere Spitze verfeh⸗
len mögte, doch eine von den mittleren auf alle Fälle ges
richteten, und mit Widerhacken verſehenen Spitzen noch
gewiß treffen moͤge. Wie ihnen denn auch der Wurf
gar ſelten mißlinget. Maßen ſie durch beſtaͤndige Ue⸗
bung von Kindesbeinen an gute Treffer werden. Da⸗
mit ferner der Schuß noch um ſo richtiger gehe, und ſo
tiefer eindringe, haben ſie bey dieſen und andern Wurf⸗
pfeilen ein gewiſſes unten breites und oben ſpitziges, alſo
faſt dreyeckigtes Werkzeug ausgedacht, welches in der
Mitten die Lange hin mit einer kleinen Rinne, darein
das oberſte Ende des Pfeilſtocks geleget wird, und zu
oberſt mit einem kleinen Nagel von Knochen verſehen iſt,
der oben auf das Ende des Pfeils oder Wurfſpießes faſ⸗
ſet, und indem der Schuͤtze mit der Hand in dem an die⸗
ſem Werkzeug befindlichen Griff ziehet, einen ſo viel kraͤf⸗
tigern Nachdruck giebet. FA
F. LXXXI. öweyerley Fahrzeuge haben ſie auf den Von den
Fiſchfang zu gehen, und ihre Reiſen ihrer Nahrung ny gesch;
nach zu verrichten. Ein kleines, ſo allein fuͤr die beduch lis
Männer, und ein großes, fo für Weiber und Maͤn⸗ chen Sabre
ner dienet. Das kleine ift, wie ein laͤnglichter ſchma⸗⸗
ler Kahn, nur für eine Perſon gemachet. Der Grund
dazu find einige lange hoͤlzerne Stangen mit derglei⸗
chen Qverſtangen durch ſchmahle Riemen von Fiſch?
bein
256 Nåchrihten von Groͤnland
bein verbunden und befeſtiget: woruͤber Felle von
Seehunden mit Faden von Sehnen dichte genehet, ge⸗
zogen find *.
Dieſe £ Bothe ſind ſo leichte, daß ein Mann das
ſeine gemaͤchlich, wo er hin will, mit ſich tragen kann.
Außer dieſen kleinen haben ſie, wie gedacht, noch groͤſ⸗
ſere Bothe, die fie zum Unterſcheide Meiberboͤthe nen⸗
nen, weil die Weiber in denſelben mehrentheils das Rudern
4
verrichten, oder weil ſie damit theils ihre Reiſen thun,
wenn ſie mit Weib und Kind, Sack und Pack, ſich
darein begeben, und eine neue beqvemere Wohnſtaͤte
ſuchen; theils auch auf den Wallſiſchkang ſich verfuͤgen,
dazu ſie ihre Weiber mit nehmen, ſowohl die Speiſe zu
bereiten und andre Handreichung ihnen zu thun, als
vornehmlich ihre ganze Hembder oder windhaltende
Ueberzuͤge, wenn etwa ein Loch hinein kommt, augen⸗
blicklich zu flicken. Dieſe Bothe find eigentlich offene
Prahmen vorn und hinten ſpitzig, untief, nur mit einem
hohen Rande oder Bort. Sie werden von dickern
hölzernen Stangen als jene gemacht, aber ebenfalls
mit Fiſchbein verbunden und mit Leder uͤberzogen. Sie
werden gedichtet und gleichſam gepichet mit altem Rob⸗
benſpecke oder vielmehr den Griefen deſſelben, womit
ſie die Naͤhte fleißig und ſtets beſchmieren, die endlich
davon ganz fefte und dichte werden. Weit vor, zwiſchen
den Vorſteven haben ſie einen kleinen Maſtbaum mit
einem Segel, welches aus geſpaltenen und gedoͤrreten
Daͤrmen von Wallfiſchen ſtriemenweiſe mit ar EM
cher
Dieſes ift eine ber erften und einfältigften Arten von
Schiffen, die man auch allenthalben bey den Volkern der drey
alten bekannten Welttheile antrifft, wie davon die Loca nach⸗
zuſehen beym Scheffer de Milit, Naval. Verer. cap. 3 p. 26
ſeq. deme die Autores beygefuͤget werden koͤnnen, die Hafæus
Dif. de Leviathan Jobi cap. 4 $. 12 ſeq. citiret, der fie auch
in der heil. Schrift in dem Hebraͤiſchen Grundtexte entdecket.
Was neuers findet ſich davon in cit. Mul. N Dan. P. II.
Seck. II. num. 81. 79
und der Straat David, 237
Reheſehnen oder Daͤrmen zuſammen genaͤhet, das zwar
lang, aber nur 3 bis 4 Ellen tief iſt, ohne Braß⸗
Boog⸗diene oder dergleichen. Weshalben fie nicht gerade
unterm Winde damit ſeegeln koͤnnen, zumahlen dieſelbe
ſehr rank und bald umkippen. Indeſſen koͤnnen fie dar
mit gar geſchwinde fortkommen, und ein dergleichen
Booth fuͤhret 20 und mehr Menſchen nebſt ihrem Plun⸗
der und Zelten, auch da der Fang gut geweſen, noch
dazu eine Menge Wallſiſchſpeck und Baarten. Nichts
deſtoweniger ſind ſie an ſich ſo leichte, daß ſie von etli⸗
chen Maͤnnern koͤnnen uͤber Land oder Eyß getragen
werden. Wann fie auf den Fang gehen wollen, ma⸗
chen fie ihre Geraͤthſchaft fertig, und ziehen ihre dazu
- eingerichtete beſondere Kleider an. Gehet es auf den
Robben⸗ und Voͤgelfang; ſo ſetzen ſie die kleinern Har⸗
punen oder Spitzen auf die behoͤrige Stangen und be⸗
feſtigen dieſelbe. An eine Harpune befeſtigen ſie mit
einem langen Seile von Leder eine zubereitete aufgeblas
ſene Robbenhaut. Von derſelben ſind Kopf, Fuͤſſe
und Schwanz herunter geſchnitten, und alle Haare glatt
abgeſchabet. Nachher find alle Oefnungen durch Sehn⸗
faden ſo fleißig wieder zugenehet und gedichtet, daß ſie
Wind halten kann. In einem eingehefteten ausgehoͤhl⸗ |
ten Knochen ift nur eine kleine Oeffnung, die mit einem
Pflock von Knochen zugeſtecket wird, dadurch man den
Wind einblaſen und auslaſſen kann. Dieſe aufgebla⸗
ſene Haut hat den Vortheil, daß, wenn eine Harpune,
woran ſie geheftet iſt, in einen Robben geworfen wor⸗
den, derſelbe dafuͤr nicht zu Grunde kann; ſondern, in⸗
dem er daran ziehet und zappelt, dem Jaͤger Zeit und
Raum verſtatten muß, ihm naͤher zu kommen und den
Reſt zu geben *, 1 Re |
| . "NUR
* Dieſes iſt eben keine neue oder ſonſt ohngewoͤhnliche
Erfindung. Es haben ſchon vor alten Zeiten die Fiſcher in
der Weſtſee an den e die Hacken oder Angeln,
die
\
x
LAG
28 Nachrichten von Grönland
Auf dem Kahn wird recht vor dem Sitz des Fiſchers
ein kleines hoͤlzernes mit Knochen eingefaßtes Geruͤſte,
wie die Figur zeiget, befeſtiget, wo herum das Harponen⸗
ſeil ordentlich gewunden, und darauf hinter ſolchen
Sitz der ietzt erwehnte an dem andern Ende des Seils
geheftete Robbenbalg aufgeblaſen, oder mit Wind an⸗
gefuͤllet, geleget wird. Der Fiſcher ziehet uͤber ſeine ge⸗
woͤhnliche Kleider oder einen Theil derſelben ein Wams
mit Ermeln und der Kutte von glatten Robbenfellen,
welches er feſt um ſich zumachet, damit alles Waſſer,
ſo ihm auf den Leib koͤmmt, ſofort ablauffen moͤge. Er
hat auch wohl dergleichen Hoſen an. Vor den Kopf
leget er zur Bedeckung der Augen wider die Sonne ein
hoͤlzernes Stirnblatt oder Stirnſpange, welche faſt
wie ein halber Bogen geſtaltet, und auf den Ecken mit
| | e e,
die ſie zum Wallfiſchfange gebrauchet, befeſtiget geweſen,
dergleichen weite mit dem Munde aufgeblaſene Schlaͤuche
gehabt die ſie zu gleichem Ende nachſchieſſen laſſen, wenn
der Fiſch zu Grunde gehen wollen. Oppian. «Asr. Lib. V
v. 177 feq. | Ben.
e e oem pormpnporas Zveias C,
Tlvons dvd gehen vA svdus a5 Jö
auch e ç = =. |
das iſt: Sie, die Fifcher, aber laßen die an einem Seil gehef⸗
tete weite durch menſchlichen Athem angefuͤllete Schlaͤuche
dem ſinkenden Fiſche ſofort nachſchießen. a
Wornechſt in den folgenden Verſen das Spiel, das der
angeſchoßene Fiſch mit den Schlaͤuchen, die ihn wieder noͤ⸗
thigen empor zu kommen, treibet, gar annehmlich beſchrieben
wird; und S. Baſilius, der ſelbſt bey einem ſolchen Fange zu⸗
gegen geweſen, giebet davon Homil. X in Hexa&meron, eine
noch umſtaͤndlichere Beſchreibung. Wiewohl ich hierbey uns
erinnert nicht laßen kann, daß der Cete, wovon beyde
Schreiber dieſes erzehlen, kein eigentlicher Wallfiſch, ſondern
der große Hayfiſch, oder Meerhund, und ſo genannte Canis
Carcharias, ſey. Geſtalten ſolches eines Theils deßen an⸗
gegebener kleiner Fuͤhrer oder Gefehrte, emoraros xs. vid.
Oppian. v. 67 feq. (deßen auch noch der P. Tachard in feier
ner
und der Straat Davis. 259
Knochen zierlich genug eingefaſſet ift” von der Weite, daß ſie
ohngefehrum die Stirn bis über die Ohren ſchlieſſet. Als⸗
denn ſetzet er ſich in ſein Schiflein platt auf den Hintern, die
Beine gerade voraus geſtrecket, und ſtopfet die Oefnung
des Sitzes umher mit ſeinen Kleidern und Robbenfellen
ſo dichte und feſte zu, als immer moͤglich iſt. Neben ſich
zu beyden Seiten legt und befeſtiget er ſeine Wurf⸗
pfeile. In der Hand nimmt er ein einziges Ruder
von Feurenholz, welches an beyden Enden ein Blatt
hat, ſo hoch undbreit iſt, auf den Ecken zu mehre⸗
rer Feſtigkeit und Dauer mit einem Rande von Kno⸗
chen eingefaſſet. Mit demſelben weiß er ſich nicht nur
gar geſchwinde fortzubringen, und das Gleichgewicht zu
halten, ſondern auch wenn er umgeworfen wird, wieder
empor zu helfen. Es iſt nicht zu glauben, wenn mans
nicht geſehen, wie ſchnelle dieſe Fahrzeuge durchs Waſ⸗
ſer ſchieſſen. Ich habe einſt iemand gehabt, der darinn
fahren koͤnnen, denſelben habe ich mit einer ſonſt ge⸗
ſchwinden Schuͤte, worinnen vier Kerl aus allen Kraͤf⸗
ten ruderten, nicht einhohlen moͤgen. Sie koͤnnen 10
bis 12 nordiſche Meilen in einem Tage damit zuruͤck le⸗
—
gen. Sie koͤnnen im ſtarken Sturm und hohler See,
wenn unſre Boͤthe nicht auskoͤnnen, damit fahren, denn
ſie gehen mit den Wellen auf und nieder, und achtens
nicht, wenn eine Seewoge uͤber fie herſchlaget, maffen das
Waſſer nirgend bey ihnen eindringen, folglich ihnen
5 | N 2 nichts
ner Reiſebeſchreibung nach Siam Lib. 1 p. 37, nebſt der Urſa⸗
che, warum er bey dem großen Fiſch fich halt, erwehnet,)
andern Theils aber und vornemlich aus dem Hacken mit
dem Aaſe, woran kein Wallfiſch beißet, v. 135 ſeq. und aus
der Beſchreibung feiner dreyen Reihen Zähne (rg Nανο̃ |
v. 325 ſeq. ſattſam zu erkennen giebet.
Vermuthlich haben die alten Gothen auch dergleichen |
getragen, welches in der hiſtoria Gothriei & Rolfi cap: 26
P. 161 Ennifpaung (Svee. Aenneſpang) frentale genennet
wird.
260 Nachrichten von Grönland
nichts anhaben kann: werden ſie auch rund herum ge⸗
worfen, iſts ohne Schaden, weil die meiſten ſo geſchickt
Wie ſie
mit dem
Wallfiſch⸗
fang um⸗
gehen.
find, daß fie ſich mit Huͤlfe ihres Ruders wieder aufs
richten und zurechte helfen. Jedoch wird hiezu mehr
Geſchick, Staͤrke und Uebung erfodert, als man mei⸗
nen ſollte. Ich habe bis anietzo unter vielen jungen
und hurtigen Leuten bey uns nur einen gefunden, der ſich
in einem ſolchen Kahn ohne Umſchlagen aufrecht halten,
und des Schwankens ohnerachtet fortrudern koͤnnen.
Aber mir iſt noch keiner vorgekommen, der ſich, wenn er
einmahl umgeſchlagen geweſen, alleine wieder herum und
aufhelfen koͤnnen. Denn wenn man einmahl aus dem
Gewichte koͤmmt, ift der Umſturz gleich fo villig, daß
man mit dem Kopfe gerade unterwaͤrts haͤnget. Nichts
deſto weniger wißen es viele von den Groͤnlaͤndern zu
thun. Ja es find einige junge Wagehaͤlſe gar fo fer⸗
tig, daß ſie das Ruder auf den Nacken legen, daſſelbe
mit beyden Händen alſo liegend angreifen, und ſich felbft
mit Fleiß herumwerfen, auch auf der andern Seite ohne
die Haͤnde los zu laſſen oder eine Aenderung mit dem
Ruder zu machen, ſich wieder hervorbringen und auf⸗
richten, welches doch gleichwohl etwas ſeltſames ift,
und bey ihnen ſelbſt fuͤr ein hen 10 und Meiſter⸗
find geſchaͤtzet wird.
§. LXXXII. Zum Wallfchfang u Kt
mehr Zuräftung, fie legen dazu ihren ganzen windhalten⸗
den Ueberzug an, deffen vorhin eigentlichere Erwehnung
geſchehen, haͤngen auch noch ein großes Meſſer zum
Speckſchneiden ſammt einem Schleifſtein an. Sie neh⸗
men die groͤßern Harponen, Wurfpfeile und Lenzen,
auch zu den Harponen größere Schlaͤuche, von den groͤ⸗
ſten Robben gemacht. Sie nehmen auch die großen
Boͤthe und ihre Weiber mit. Wenn fie einen Wallfiſch
erblicken, gehen ſie in ihren kleinen Kaͤhnen von allen
Seiten auf ihn los, und jen: mit. ſolcher Dreiſtigkeit 16
—
1
ı
c
und der Strat Davis 26¹
daß man ſich wundern muß. Sie ſuchen ihm durch die
Harponen einige Schlaͤuche anzubringen. Denn ſo
groß dieſe Beſtie auch iſt, wird ſie doch von etlichen
Schlaͤuchen wegen deren Leichtigkeit und Widerſtand
aufgehalten und gehindert, daß ſie nicht zu Grunde kann.
Wann es ihnen gegluͤcket, daß ſie den Wallfiſch ſolcher⸗
geſtalt gleichſam arreſtiret haben, machen fig ſich mit Len⸗
zen naͤher hinan, und bemuͤhen ſich ihm ſo viel Stiche
anzubringen, daß er fü ich verbluten und fterben muß. Als⸗
denn werfen fie ſich in ihren mit Wind nach Nothdurft
angefuͤlleten Hemdern oder ganzen Ueberzuͤgen in die See,
und ſchwimmen an den Fiſch: Bleiben auch alſo ſchwe⸗
bend, weil ſie nicht ſinken koͤnnen, an und um denſelben,
bis ſie mit ihren Meßern den Speck herunter gezerret,
den fie in ihre groſſe Bothe nach gerade werfen. Sie
wiſſen auch ihrer ſchlechten Werkzeuge ohngeachtet die
Baarten oder doch den meiſten Theil derſelben aus dem
Maul zu bringen, zu nicht geringer Beſchimpfung unſer
Speckſchneider und Matroſen, die ſo vielerley groſſe m und
koſtbare Werkzeuge dazu haben muͤßen. 1
F. LXXXIII. Zur Landjagd brauchen fie nach der be ‚ren
erſten, älteften und allgemeinen Art aller Völker auf 3 en |
der ar, Bogen und 8 en find lang aus ten. |
R 3 ameri⸗
Ich muß Se eines ſeltenen Stuͤcks gedenken, das
ich in meinem Cabinet beſitze. 1696 fieng einer unſer Groͤn⸗
landsfahrer einen Wallfiſch, in deſſen Speck man eine ſtei⸗
nerne Pfeilſpitze fand. Sie iſt auf allen Ecken uͤberaus ſcharf
geſchliffen, und der Stein ſehr hart. Er ſcheinet ein Lapis
Nephriticus, wenigſtens ein grünlicher Jaſpis zu ſeyn. Die
Geſtalt koͤmmt mit den eiſernen Spitzen uͤberein, die die Wil⸗
den der Straße Davis ihren Wurfpfeilen vorheften. Ob
dieſelbe dergleichen Steinfpigen vordem gebrauchet, ehe ſie
Eiſen gehabt, oder es bloß bey knoͤchernen bewenden laſſen,
habe ich nicht erfahren koͤnnen. Wenigſtens muß der meis
nige von noch weiter als dieſe entlegenen oder Americani⸗
ſchen unbekannten Wilden, zu denen noch keine aa
oder
262 Nachrichten von Grönland
americanifchen Feuernholze gemacht, desgleichen auch die
Pfeile, welche zum Theil ohne Spitzen fuͤr die Rebhuͤner
und dergleichen, zum Theil mit knoͤchern Spitzen verſehen
fuͤr die Rehe und Hirſche. Das Geſieder iſt von Ra⸗
benfedern. Mit dieſem Gewehr begeben ſie ſich zu Fel⸗
de, und ſuchen fo lange, bis fie cin Thier antreffen. Iſt
es ein Hirſch oder mehr, ſo umgeben ſie denſelben mit
Leuten, (maſſen Weiber und Kinder ſich haufenweiſe bey
der Jagd mit einfinden,) daß er nirgend aus kann, ohne
entweder in ein Waſſer oder ſonſt nach einer gewiſſen
Stelle; woſelbſt ſie mit ihren Bogen und Pfeilen auf⸗
paſſen und zum Schuß fertig ſtehen. Sie ſollen auch
gar gute Bogenſchuͤtzen ſeyn. N |
Es find kei⸗ F. LXXXI V. Auſſer dieſem Fiſchen und Jagen weiß
me ns man von andern Handthierungen bey diefen Wilden
im Lande nichts: ja nicht einmahl von Handwerkern. Denn
eine iedwede Mannsperſon macht ſich das benoͤthigte |
Fiſch⸗ und Jagdgeraͤthe ſelber: und dieſes iſt es auch,
womit ſie eigentlich und einzig auf dem Lande ſich nur be⸗
ſchaͤftigen. Das übrige verrichtet das Weibesvolk, als nås
hen, ſchneidern, ja Haͤuſer bauen und einrichten. Beyde |
ſind in ihrer Arbeit fo geſchikt und vernünftig, daß, wenn
man derſelben Artigkeit, Brauchbarkeit, und Zulaͤnglich⸗
keit anſiehet, man geſtehen muß, daß ſie andre fi ich m
einbildende Voͤlker damit beſchaͤmen.
Mangel an F. LXXXV. Außer dieſen muß man Nüönſte und
und ie Wißenſchaften nach ihrer Erziehung und Lebensart
1 ben ihnen nicht ſuchen. Sie koͤnnen nicht weiter als bis
21 zehlen. Von dem, was vor Ihren Zeiten geſchehen,
wißen ſie ganz und gar nichts. Ja ſie wißen ihr eigen
Alter nicht zu ſagen: weil fie keine andre SER
85 e
oder andere, die ihnen Eiſen zugebracht haͤtten, gekommen
ſind, in den. Wallfiſch angeſchoßen A der a worin
er me i verlohren ſeyn.
1 der Straat Davis. 263 5
als nach dem Mond kennen. Jedoch wißen ſie auch in
dieſem Stuͤcke nur ſo viel, als zu ihrem Gewerbe noͤthig
iſt. Wie fie denn nach der Mondrechnung einander bes
deuten, wann der Wallfiſch, wann die Cachelotte kom⸗
me, wann dieſer oder jener Fiſch auf der Kuͤſte ſich ein⸗
ſtelle, und wann er zu fangen. Maßen ſie dieſes eben
den Daͤnen zu erſt vorher angezeiget und niemahls in
ihrer Angabe gefehlet haben. Sonſt haben ſie noch ei⸗
nigen wenigen ſehr kentlichen Sternen, darnach ſie ver⸗
muthlich auf ihren naͤchtlichen Seereiſen ſich richten und
zu rechte finden %, re Nahmen gegeben, wie Egede
R 4 in
Wie denn eben 50 dieſen Geſtirnen vor erfundenem
Compas, die Alten von ieher ihren Cours vornehmlich ein⸗
venne Homerus dichtet Odyſſ E von 1 Viyſſe:
3 ub here, Tagmeras,
Huses, 3% ei Umvos gæl Bas pagosr sv Bær?)
Hani. 5 srogarı x eye Vor Bowrye ,
Ägurov * . a4 club erlebe XAALBTI,
H 1 durö eige- 2 1 Delanz doxsves
Oln d dlgeges oer Oxsavoio
Tyv Yap Nite ani Kaavdja 97 75 Face ; 19 %
Hovromegsvousvn 2 his eper V cipos Ixovra.
- ipfe temonem gubernabat artificioſe
Sedens, neque ei fomnus palpebris incidebat,
Pleiadesque contemplanti et tarde occidentem
Bootem
Vrſamque quam et Currum cognomento vocant
Quæ ibidem vertitur atque orionem obſervat. KA
Sola vero expers eſt aquarum Oceani.
Etenim ipſam juſſerat Calypſo diva dearum
Ponto navigare ad ſiniſtram manum habentem.
Und Virgilius Georgic. I. v. 137.
Navita tum ſtellis numeros et nomina fecit,
Pleiadas Hyadas claramque Lycaonis Ardton.
Itemque Æneid. III v. 516 de Palinuro:
Sidera cuncta notat tacito labentia cœlo;
Arcturum, pluviasque Hyadas, geminosque Triones,
Armatumque auro circumſpicit Oriona.
—
.
get. Die Wage (es fol ohne Zweifel den Wagen, i.e.
Urſam majorem heiſſen) ſpricht er, nennen ſie Tugta d. i.
ein Rennthier, den Noroſtern (Nordpol Urfam mino-
rem) Kaumorfok d. i. einen der ausgefahren Seehun⸗
de zu fangen und wieder nach Hauſe gekommen, weil es
| ſcheinet, als wenn er von der See auffteige und hervor⸗
komme. Killufturſet, das Siebengeſtirn, hat ſeinen
Nahmen davon, weil dieſe Sterne ſo nahe beyſammen
ſtehen, daß ſie gleichſam zuſammen gebunden ſcheinen.
Dieſer Autor fuͤget am angezogenen Orte noch hinzu:
vom Wetterleuchten und Nordlichte, (welches alle:
zeit bey hellem Wetter uͤber den ganzen Himmel geſehen
wird) haben die Groͤnlaͤnder die Einbildung, daß es die
verſtorbenen Seelen ſeyn, welche berumlauffen und Ball ”
mit einander ſpielen.
Ul
Wie auch H. LXXXVI. Daß die Grönländer noch weniger FÅ
um Com-
mercio un einige Handlung oder Kaufmannſchaft unter ſich trei⸗
ter ſich. ben, ergiebet ſich von ſelbſt. Eine iede Familie, oder
die Familien, die ſich zuſammen halten, ſchaffen ſich fo
viel moͤglich ihre Nothdurft, und find glücklich genung, fa
R wenn ſie die z ureichlich uͤberkommen. Alſo hat einer was
der andre hat, und keiner hat was uͤberfluͤßiges, viel x
weniger was ſonderliches das er dem andern beyſetzen
moͤgte. Was darüber zur Beqvemlichkeit dienen und
verlanget werden kann, muͤſſen ſie allerſeits von ohnge⸗
fehrlich zu ihnen kommenden Fremden erwarten.
Wenig $. LXXXVII. Doch die Handlung mit Fremden
1 hat auch wenig auf ſich. Was die Wilden ihrer ſeits
lindern. etwa aufbringen und abſetzen koͤnnen, ift Wallfiſchſpeck
und Baarfen, Einhornhörner, Rehe⸗Fuchs⸗ und Rob⸗
benfellen. Von dieſen aber koͤnnen fie nach ihren Um⸗
ſtaͤnden einen recht großen Ueberfluß nicht haben. Was
fie von den Auslaͤndern begehren, ift etwas grob Wol⸗
"ON und Sinnen, Mani gewalkete Struͤmpfe
und
264 Nachrichten von Groͤnnand
in ſeiner Nachr. von der Grönl. Mißion p. 57 bezeu⸗
—
und der Straat Davis. 265
und Handſchue, Keffel von Meßing oder Blech, Meſſer,
Stickſagen, Naͤhenadeln, wie auch Tiſche, Kaͤſten, hoͤl⸗
"gerne Kuͤchenboͤrte, Troͤge *, Dielen, Breter, Spaniſche |
Balken, etwas Eifen u. d. g. Wie aber dieſes eines
Theils keine Dinge von ſonderlichem Werth ſind, wor⸗
auf großer Vortheil zu machen ſtuͤnde, andern Theils
auch die vorhandene wenige und armſelige Inwohner
bald ihre Nothdurft davon bekommen; fo ift ohnſchwer
zu ermeſſen, daß mit und bey dieſen Leuten keine große
Handelung zu ſtiften ſey. Wozu obangeregter maßen
noch tritt, daß nicht einmahl eine auswärtige Nation als
lein mit Abhaltung der uͤbrigen, den geringen Handel mit
den Ingebohrnen fuͤr ſich zu behaupten, vielweniger die
den Markt noch weiter verderbende Zwiſchenlaͤufer und
forrendreyer abzuhalten, bis daher vermågend geweſen.
6. LxXXVIII. Bey dieſen Umſtaͤnden hat und fen: Daher ken
net man allhier auch kein Geld. Denn man kann es pen und“;
nirgend anlegen. Hier ſtehet Gold und Silber noch in ſie auch kein
ſeinem natürlichen Werth, nämlich nach feinem Gebrauch Geld;
und Nutzen, das iſt, in keinem.
Dargegen Eiſen, das hier die beyden Grundur fugen aber Eiſen
alles Preiſes, Nutzbarkeit und Seltenheit an ſich hat, ee
feinen wirklichen Werth behauptet. Man hat wohl eher
einem Groͤnlaͤnder ein Goldſtuͤck von etlichen Ducaten
und ein paar Nehenadeln, oder ein mit ein paar Saiten
zum Klingen bezogenes Hackbret (als womit unſere klei⸗ re
neſte Kinder fpielen) darneben vorgeleget, und fie haben
nach einem von den letzteren gegriffen. Denn Nehena⸗
deln wiſſen fie zu gebrauchen, und wegen des Hackbretes
darf man ſich auch nicht wundern, weil fie große Liebha⸗
ber von Muck ick und Singen find *.
| R 5 . LXXXIX.
Groͤnland. Perluftr. cap. 10 p. 39.
Es iſt anmerkenswuͤrdig, daß man zu allen Zeiten
und bey allen auch den ſonſt einfäligfien und wildeſten a |
ern
\
Von ihrer
Converſa⸗
tion, Mu⸗
fit und
Tanzen.
—
266 Nachrichten von Groͤnland
8. LXXXIX. Wenn ſie beyſammen kommen; ſo muß
es getrummelt, geſungen und getanzet ſeyn. 1
| UR AN DAR, 7000 | ſetzen
kern eine Art von Vocal⸗ und Inſtrumentalmuſic antrifft.
Die Urſache davon, weil dieſelbe ſo alt und ſo allgemein iſt,
muß Zweifels ohne in der menſchlichen Natur ſelbſt ihren
Grund haben. Und dieſes findet ſich auch bey wenigem
Nachdenken ganz klar. Der Menſch, nachdem er durch den
Fall der erſten Aeltern, die eigentlichen Urſachen der Ge⸗
muͤthsſtille und Freudigkeit verlohren, dahingegen beydes an
Seel und Leib in Unluſt, Schwachheit, muͤhſelige Arbeit
u. ſ. w. gerathen, ift von Natur zur Furcht, Schwermuth,
Traͤgheit, Traurigkeit geneigt; deswegen brauchet er noth⸗
wendiger weiſe etwas zu ſeiner Aufmunterung. Und es iſt
ohnſchwer zu ermeſſen, daß die erſte Menſchen, die am beſten
gewußt, wovon ſie herunter gefallen, und daher auch die
Beſchwerlichkeit der Veraͤnderung am ſtaͤrkeſten gefuͤhlet, ſo
fort auf allerley und zugleich auch aͤußerliche Mittel werden
gedacht haben, ihren Kummer zu vertreiben, und ihr nieder⸗
geſchlagenes Gemuͤth aufzumuntern. Da fie nun vermuth⸗
lich geſpuͤret, wie das liebliche Ovinqveliren der Singvoͤgel
fie innerlich gerühret und ihr Gemuͤthe in etwas aufgeklaͤret:
ſo ſtehet zu glauben, daß ſie ohnſchwer bemerket, daß es die
Abwechſelung und Erhebung der Toͤne ſey, die dieſe beſon⸗
dere Kraft und Wirkung mit ſich fuͤhren, und folglich bald
werden angefangen haben, nicht allein ihre Stimme zu üben,
ſondern auch zu mehrerer Aufweckung allerley klingendes
Werkzeug auszuſinnen und nach und nach auszubeſſern. Hier⸗
inn beruhete der gute Gebrauch der Muſic, welcher ohne Zwei⸗
fel bey den frommen Nachkommen Ada wird im Schwange
und dem guͤtigen Gott nicht mißfaͤllig geweſen ſeyn. Wie
es aber allemahl zu gehen pfleget, ſo blieb die verderbte und
durch die ſuͤße Melodien aufgeloͤſete Natur der Menſchen da⸗
bey nicht beſtehen, ſondern mißbrauchte, was zur Erqvickung
in Traurigkeit und zur Anfriſchung bey der Arbeit dienen ſoll⸗
te, zur Reizung der Wolluſt und Aufbringung ſuͤndlicher
Leidenſchaften. Ja man machte bald gar ein eigenes Handwerk
daraus, wie wir Gen. IV, 21. ſehen, daß des aus Cains Hauſe
entſproſſenen liederlichen Lamechs gleich gearteter Sohn der 1
Jubal ſchon zu ſeiner Zeit ſeine Beſchaͤftigung davon ſolcher⸗
geſtalt gemacht, daß von ihm die Pfeifer und Geiger von
Profeßion herkommen. Indeſſen ift dieſe Kunſt nach ihrem
5 KM zulaͤß igen
3 und der Straat Davis. 267
ſetzen ſie ſich nieder zum Eſſen, und freſſen meiſterlich:
darnach ſtehen ſie auf zum Spielen. Sie haben naͤmlich
eine Art von Trommeln, die nichts anders iſt, als ein
etwas breiter und rund zuſammen geſetzeter Reif aus
Thierknochen: woruͤber man ein Fell ſtraf gezogen hat,
f . und
zulaͤßigen Gebrauch mit Noå Familie in den Kaſten gegan⸗
gen und wieder heraus, auch nachher mit dem zunehmenden
menſchlichen Geſchlechte uͤber den ganzen Erdboden ausge⸗
breitet, und von Zeit zu Zeit weiter ausgekuͤnſtelt worden;
Wir finden davon uͤberall die Spuren, abſonderlich aber in
Orient, da man ſich damit die Unluſt vertrieben und zur Ar⸗
beit aufgemuntert. Denn fo ſtehet beym Jerem. XXXI, 5.
Pflanzen wird man und dazu pfeifen, und im Gegentheil
cap. XLVIII, 33. der Weintreter wird nicht mehr fein Lied
ſingen, anderer Oerter zu geſchweigen. So bezeuget auch
Chardin Tom. I feiner Voyages p. 127. C’eft une habitude
presque univerſelle dans tout I’ orient de [’ animer au tra-
vail par le chant. Et ce qui marque, que cela nait de pa-
reſſe d' Efprit auſſi bien, que de molleſſe du corps, c eft,
qu'on obſerve, que cette habitude eft la plus forte du cote .
du Midi. Aux Indes, par exemple, les mariniers ne ſcau-
reient remuer une corde, qu’en chantant, ni la prendre
m€me, qu' au milieu du chant. Les chamaux et les boeufs
ont accoutumè d' etre menés au chant, et felon que leur
charge eſt peſante, il faut chanter plus fort et plus con-
ſtamment. Man hat aber auch den Nutzen der Muſik bey
geiſtlichen Uebungen, da das menſchliche Gemuͤth noch meht
Traͤgheit fpüren läßt, als im leiblichen, zu erhalten gefuchet,
und ſie deswegen bey dem Gottesdienſt zu Huͤlfe genommen.
Wie denn dieſelbe inſonderheit bey den Juden, die nach ihrem
Naturel nothwendig was aͤußerliches und ſtark ruͤhrendes ha⸗
ben mußten, auf eine ausnehmende Weiſe angeordnet worden.
Welchen die heydniſche Voͤlker bekanntlich ſorgfaͤltigſt nachge⸗
aͤffet. Und ein ieder wird bey ſich ſelbſt empfinden, wie ſehr
ein geiſtreiches Lied afficire, wenn es durch eine angenehme
Melodie belebet, und durch die Einſtimmung eines oder mehr
beqvemer muſikaliſcher Inſtrumenten (doch ohne theatraliſchen
die eitelen Paſfiones auf bringenden, oder hoͤchſtens nur das
luͤſterne Ohr vergnuͤgenden Exceß) dem Gemuͤthe noch allwei⸗
ter eingedrucket wird u. f. f. | N
268 Nachrichten von & Grönland Be
und worauf, weil nur die obere Seite beige bon un⸗
ten hinein mit einem Stocke ein Geraßel gemachet wird
Dieſe Trummel nimmt einer in die Hand, und ſtellet ſich
damit in die Mitten, die übrigen ſtellen ſich um ihn hes
um. Bald faͤnget er an zu trummeln und zu ſingen von
ihrem Fiſchfange, Jagden, Reiſen u. d. g. was ihm ein;
fällt nach gewiſſen Weiſen, die ihnen bekannt find, und
noch artig genug klingen ſollen. Macht auch aller ß
poßierliche Stellungen, Gebehrden und Spruͤnge. Und
wer es am naͤrriſchſten machen kann, der ift allezeit den
beſte Mann. Die übrige anweſende Männer und W
ber ſtimmen mit ein, huͤpfen auch wohl darnach von
nem Bein auf das andere. Wenn der eine muͤde it,
tritt ein anderer in ſeine Stelle, nimmt die Trumm
und ſetzet das Spiel fort, bis fie alle muͤde worden. Ya
alles was ſie mit einander zu beſprechen, zu verhandeln
und abzuthun haben, geſchiehet ben der Trummel und kr
gend. Haben fie einen Zug oder Fang vor, wirds au
dieſe Weiſe abgeredet. Will einer gern etwas verſt 3 :
oder vertauſchen: fo bietet der Trummelſchlaͤger das
Ding auf und faget dabey: dis oder das werde dafuer
wieder verlanget. Weme dann unter dem Hauffen der
1 anſtehet, der giebet feine Zuſtimmung durch ei⸗
nen Schlag auf des Trommelſchlaͤgers Hindern, womit
der Tauſch richtig und feſte iſt . Hat einer dem andern
was zu leide gethan, ſo verſparet der beleidigte ſeine |
Rache bis zur Trummel. Ben erſter Gelegenheit, wenn
eine Geſellſchaft ſich luftig zu machen zuſammen koͤmmt,
nimmt er die Trummel, tritt in den Kreiß, und klaget
trummelnd, huͤpfend und ſingend dem Umſtande, was
ihm wiederfahren und machet ſeinen Gegentheil weidlich
aus. Der andere verantwortet ſich auch wohl auf gleiche
Weiſe, und fi 57 jenem 1 ſeine e zu.
r⸗
* Siebe Grenlind Perluftration p. soadd. Radrichten x
von der Groͤnlaͤnd. Mißion p. 72, 90 und Hår A
. N
"ar
und der Stragt Davis. 269
> Darüber lachet das Volk, und der Streit iſt aus. Die
Partheyen gehen als gute Freunde wieder zu Haufe,
Gewiß eine lobens⸗ und nachahmungewuͤrdige Art, wo
kein Recht noch Richter verhanden, Streitigkeiten zu
ſchlichten. Woraus man ſiehet, daß in ſtatu naturali
nicht gleich alles durchs Schwerdt muͤſſe entſchieden wer⸗
den, ſondern, daß nach Art der Menſchen noch durch an⸗
dere vernünftige oder laͤcherliche Mittel die Sachen aus⸗ |
gemachet werden koͤnnen. Es habens auch die Daͤnen,
nachdem ſie der Landes⸗Sprache etwas kundig geworden,
öfters anhören muͤſſen, daß ihnen ein Trummelfchläger,
wie ſie gekommen, den Grönlaͤndern das ihre abzuliſten,
ihre Weiberchen zu verfuͤhren u. d. g. mehr fein derbe
vorgeſungen. Dahingegen hat man auch oͤfters geſpü⸗
ret, wie angenehm ihnen ihre Trummel ſeyn muͤſſe. Denn
wenn ein Daͤne dieſelbe nimmt und ein wenig darauf ſpie⸗
let und dazu ſinget, iſts ihnen eine ſolche Freude und Ge⸗
faͤlligkeit, daß fie nicht wiſſen, was fie ihm alles dafur
wieder zu Liebe thun wollen. Es hat auch das Weibes⸗
volk noch einen Creiſetanz, dabey ſie ſich anfaßen, ſingen
und bald vor und hinter ſich, bald im Creis herum huͤpf⸗
fen. Wenn Fremde ankommen, die ihnen angenehm,
ſo fangen die Weiber am Strande mit einander an laut
zu ſingen und damit dieſelbe zu bewillkommen. Das
junge Mannsvolk hat noch vielerley Spiele und Uebun⸗
gen, als das Ballſpiel des Winters bey dem Mondſchein,
und andere, die man mir nicht recht zu beſchreiben wußte.
Woben ſie wunderswuͤrdige Proben ihrer Behendigkeit,
Geſchicks, Hurtigkeit und Kuͤhnheit ſehen laſſen, als wor⸗
auf vornehmlich bey ihren Spielen ihre Abſicht gerichtet
iſt, die dadurch vernuͤnftig, untadelich, ja nuͤtzlich werden.
§. XC. Bevor ich dieſe Nachrichten ſchließe, muß Die Groͤn⸗
ich noch etwas von der Auffuͤhrung und den Sitten der
ånder le⸗
ben in dem
Groͤnlaͤnder, von ihrem Politiſchen Zuftende und von wahren Ra-
ihrer Religien gedenken: zumahlen dabey ſo viele Aus⸗
nahmen
+
1
tu naturali.
2706 Nachrichten von Grönland
nahmen von den Regeln, wornach insgemein die menſch⸗
liche Handlungen pflegen abgemeſſen zu werden, bey die
ſen Wilden vorkommen, daß ſie ein gantz beſonderes und
ſelbſt gewachſenes Volck, dergleichen ſonſt noch in keinem
Theile der entdeckten Welt aufgeſtoßen, zu ſeyn feheinen,
Sie leben von ihrer Geburt an in der allergroͤßeſten
Freyheit. In ihren Kinder⸗Jahren empfinden ſie nichts
von einiger Zucht oder Beſtrafung der Aeltern, wenn ſie
erwachſen, nichts von den Banden einiger Geſetze, am
allerwenigſten aber von einem obrigkeitlichen Zwange.
Ein ieder lebet, wie er will, ſorget fuͤr ſeine Erhaltung,
wie er es verſtehet, und die Gleichheit iſt ſo groß, daß
keiner dem andern was einzureden, weniger zu befehlen
hat. Ich mache mir kein Bedenken zu ſagen, daß dieſe
Leutchen in dem eigentlichen ſtatu naturali ſ. libertatis
leben, aber in einem ſolchen, der demjenigen gar nicht aͤhn⸗
lich ſiehet, den viele, die von dem Recht der Natur ſchrei⸗
ben, in ihren Syftematibus insgemein voraus ſetzen, und
auf die abſcheulichſte Art ab mahlen.
f . XGl.
* Cicer. de Invent. Lib. I, cap. 2. Fuit quondam tem-
us, quum in agris homines paſſim beſtiarum modo vaga-
bantur, et fibi victu ferino vitam propagabant, nec ratione
animi quicquam, fed pleraque viribus corporis adminiftra-
bant. Nondum divinæ religionis, non humani officii ratio
colebatur; nemo legitimas viderat nuptias, non certos
quisquam infpexerat liberos; non jus, æquabile quid uti-
litatis haberet, acceperat. Ita propter errorem atque in-
ſcitiam cœca atque temeraria dominatrix animi cupiditas
ad ſe explendam viribus corporis abutebatur, &c. Derglei⸗
chen ich nur einem Heiden zu gute halten kann. Hobbes de
Cive cap. X. F. I machet ſich gleiche Einbildung: extra
civitatem fructus ab induftria nemini certus: in civi-
tate omnibus. Denique extra eivitatem imperium affe-
ctuum, bellum, metus, paupertas, fœditas, folitudo; bar-
baries, ignorantia, feritas: in Civitate imperium rationis,
pax, ſecuritas &c. welche Worte der vortrefliche Pufendorf
etwas unvorſichtig zu den feinen gemacht und feinem Com⸗
Pendio de officio hominis & civis Lib. H. cap. I. G. 9 „ R
| | eibet
N;
/ „
und der Straat Davis. 271
F. XCI. Die Grönländer find einfaͤltig, aber nicht — es
dumm; unbelehret, aber ihren Gemuͤthsneigungen nicht
etgeben, zu keiner Geſellſchaft verbunden, doch umgaͤng⸗
lich, gefellig, friedfertig, behuͤlflich . Von aͤußerlichen
Hoͤflichkeitsbezeugungen und dem Wohlſtande, oder De⸗
coro, findet man bey ihnen nicht viel. Einer bezeuget
gegen den andern keine Ehrfurcht, und koͤmmt es ihnen
wunderlich vor, wenn ſie bey den Daͤnen ſehen, daß ei⸗
ner einen andern hoͤher als ſich ſchaͤtzet, daß einer be⸗
fielet, der andre gehorſamet. Wenn fie einander beſu⸗
chen, gruͤßet der kommende den Hauswirth nicht, und
dieſer heißet jenen nicht willkommen, ſondern weiſet ihm
bloß die Stelle an, wo er ſich niederſetzen kann. Wenn
der Fremde wieder weggehet, geſchiehet es auch ohne daß
desfalls zu beyden Seiten ein Wort gewechſelt wird.
Und ſo iſt der ganze Umgang, den ſie mit einander haben,
in allen Stücken und bey allen Gelegenheiten beſchaffen.
Man ſiehet daraus, daß Freundſchaft ohne Complimen⸗
ten, ohne Reverenzen, beſtehen kann. Sie find ganz ohn?
reinlich und ſchmutzig, mit dem Sichſpeck⸗ Thran⸗ und ö
andern
leibet hat. Deshalben aber ſich gar pic widerlegen
laſſen muͤſſen von dem ſcharfſinnigen und judicieuſen Juriſten
Titio Obſerv. 461 ſeq. deſſen Einwuͤrfe und Gegenſaͤtze gang
fein durch die Auffuͤhrung unſer Wilden beſtaͤrket und erlaͤu⸗
tert werden koͤnnen. Es ift ja gar unnothig, dergleichen
fehlſame Vorſtellungen zu Huͤlfe zu nehmen: man hat ohne
dieß Gruͤnde genug die Vorzuͤge einer beſſern Anfuͤhrung, des
ECivilſtandes und allermeiſt der Chriſtlichen Religion anzu⸗
preifen. Wenn nur die beſſer unterrichtete, der echten Philo⸗
ſophie, der wahren Politic und der goͤttlichen Offenbarung
gemäßer lebeten.
* Sie find wie Demonak beym Luciano von rechtſchaf⸗
fenen ehrlichen Leuten faget: moiwilss kurios Na rd Ad
4 „i dxerres d vor ys ue. Sie thun von ſelbſten nach dem
Triebe der Vernunft, was andere wider Willen aus Zwang
der Geſetze. Seneca redet gar artig von dergleichen Leuten:
non erant illi ſapientes viri, etiamſi faciebant facienda ſa-
pientibus. ,
Viele La⸗
ſter ſind ih⸗
nen unbe⸗
mußt,
Ba,
272 Nachrichten von Grönland
andern Schmierereyen beſudeln ſie ihre Kleider / *
und Geſicht, und waſchen ſich doch ſehr ſelten. Sie
waſchen auch ihre Gefaͤße und a nicht, wenn
gleich die Hunde fie ausgeleckt haben. Sie entſchen ſich
nicht in anderer Gegenwart einen Wind zu laſſen, noch
vor deren Augen ihre Nothdurft, die ſie drenget, abzule⸗
gen. Sonſt aber ſind ſie in ihrem Umgang freundlich
und luftig; mögen gerne, daß man mit ihnen ſcherze .
Denn von Natur find fie zur Trauermuͤthigkeit geneiget.
Wenn ſie allein, laſſen ſie den Kopf haͤngen und ſeufzen
ofte, ohne daß ſie deſſen auf Befragen eine eigentliche
oder beſondere Urſache anzeigen koͤnnten. Nur fuͤhlen
fie ihr armſeliges, unruhiges und Arbeit Mühe: und
Gefahr volles Leben, und ſehen keine Beſſerung ab. Ja
wie kann es anders ſeyn, da ſie keinen Troſtgrund weder
aus der Philoſophie noch weiligen aus der e ken⸗
nen.
$. XCH. Weiter leben fie unter einander in der größe |
ten Vertraͤglichkeit und Einigkeit. Sie wiſſen nichts
vom Neid, Haß, Feindſchaft, Nachſtellung, Zank und
Streit. Noch weniger vom Schlagen oder Gewaltthaͤ⸗
tigkeit, von Straßenraͤuberey, Mord oder Todtſchlag.
Auch nicht einmahl vom Krieg mit den Nachbaren. Wie
denn ihr Schießgewehr nicht dazu, ſondern nur zur Jagd!
beqvem iſt. Von Huren und Hurern hoͤret man nichts.
Selbſt die Unverheyrathete halten ſich keuſch, und reizet
oder verfuͤhret keines das andere zur Unzucht. Die Där
nen haben wohl eher ein oder anders Maͤdchen auf die
Probe geſtellet, aber ganz und gar vergeblich. Ihre
wenige natuͤrliche Neigung. zu fleiſchlichen Lüͤſten zeiget
—
ſich ja dadurch merkbar genug, daß fie, wie vorhin er
gqaͤnzlich
DÅ Siche Groͤnlaͤnd. Perluſtration p. 53.
wehnet, ſo ſelten wen Weiber ‚neben, da es ihnen doch
* Arma ceſlant; incruentæque humano A ma-
nus, odium emne in feras vertunt. Senec. Epiſt. 99.
und der Straat 9 Dabis 2732
gänzlich unverwehret iſt. Eheleute halten fi ich ſo genau
an einander, daß man von Ehebruch kein Exempel hat.
Das Eigenthum kennen ſie, und ein ieder laͤſſet dem an⸗
dern, was er hat oder faͤnget: aber Diebſtahl und Raub .
iſt was unbekanntes. Alles lieget und ſtehet offen: man
hat keine . noch Schloͤſſer, keine Schraͤnke noch
Kuffer. Gleichwohl vergreifet ſich keiner an dem, was
des andern ift. Daß einer den andern irgend betriegen
oder uͤbervortheilen ſollte, hoͤret man auch nicht. i
F. XCIIL Indeſſen haben dieſe Leute gleichwohl kein eg haben
Geſetz, das fie, was fie thun oder laſſen ſollen, belehre: fete ue
noch weniger, das ſie dazu verbinde: ſondern fi e find ih⸗ n
nen ſelbſt ein Geſetz und des wegen haben und brauchen
ſie auch keine Obrigkeit, als die zur Handhabung der Ge⸗
ſetze, zur Beſchuͤtzung der Frommen und zur Bestrafung i:
der Boͤſen geordnet 3 g
6. XCIV.
* Alſo hat Ioh. 05 nicht unrecht peirkheilee wenn
er Argen. Lib. I cap. 15 ſpeicht: ſi contineri fua ſpontei intra
Nnes juſtitiæ poſſet genus humanum, tunc in pati omnium
pietate non ſupervacanea modo, ſed injuſta eſſent imperia,
quæ cives jam ſponte æquiſſimos ad inutilem ſervitutem
| adigerent, Ich glaube auch, wenn Boecler die Grønlånder >
gekannt haͤtte, er würde ad Grotium Lib. Ic. 3 p. 200 fo ges
neral und decifiv nicht gefchrieben haben: ordo imperandi er
parendi omni natura rationali ita deſtinatum eft, ut ſocie-
tas et multiplicatio ſine eo cogitari nequeat. Können aber
verderbte Menichen durch ihr Na urel und Umſtaͤnde dahin
kommen, daß ſie ohne Obrigkeit beſtehen moͤgen; ſo werden
ja wohl die neuern Lehrer des Natur⸗ und Vhiferrechtg nicht
ſehr irren, wenn fie ſetzen, daß die vollkommenen Menſchen
im Stande der Unſchuld keiner Civiſverfaſſungen „ einer
Obrigkeit würden bensthizet geweſen ſeyn. Allein es leben
leider die einzige Groͤnſaͤnder in ſolcher glücklichen Einfalt
i Armut und Umſtaͤnden, daß ſie ohne obrigkeitliche Herrſchaft
utter ſich zurecht kon men koͤnnen. Die übrige Kewohner
d bek ngten Welt find bekanntlich fo geartet, daß man Gott
nicht genug danken kann, daß er den obrigkeulichen Stand
vi S je: geordnet, |
£
274 Nachrichten von Grönland ng ål
j Rationes | H. XCIV. Mich deucht, daß dieſe Dinge nicht übers
ehrüer& hin anzuſehen, ſondern, daß es allerdings ſehr anmer⸗
wodurch fie kungswuͤrdig fon, daß dieſe Leute, die weder Erziehung
auſſen Zwei noch Schulen, weder moralifche Bücher noch Prediger, ja
ger er, ſchlechterdings eine ſelbſtgewachſene unausgebeſſerte Vers
den, fried⸗nunft haben, aus einem inwendigen natuͤrlichen Triebe,
lich u ; j s 3 y
eigene der gleichwohl noch vieles mit den Thieren gemein hat, oder
zu leben. aus einer angebohrnen Neigung, die ſchon vor der Ver⸗
nunft ſich bey ihnen findet, und von dieſer wenig Huͤlfe
geneuſt, fo vieles als boͤſe unnuͤtz und ſchaͤdlich unter⸗
laſſen, und dagegen vieles als gut, nuͤtzlich und noͤthig
zu Werke richten. Es iſt dieſes ohne Zweifel noch ein
kleiner Reſt des anerſchaffenen goͤttlichen Ebenbildes.
Allein wenn man es gleichwohl mit dem Lichte einer auf⸗
geklaͤrten Vernunft beſiehet, ſo befindet ſich doch, daß
derſelbe bey dieſen Wilden nicht recht ausgeuͤbet oder an⸗
gewandt, ſondern wohl gar noch verdunkelt wird: in⸗
dem es bey ihnen nicht zu den recht zarten Strichlein
oder Pflichten koͤmmt, ſondern nur bey den allergröbften
Zuͤgen, oder ſolchen Pflichten verbleibet, ohne welche die
aͤußerliche Ruhe nicht kann erhalten werden, noch der
Umgang mit ſeines gleichen, oder die menfchliche Geſell⸗
ſchaft, beſtehen. Anbey find ihre Umſtaͤnde fo beſchaf⸗
fen, daß ſie ihnen zu den angefuͤhrten Tugenden, oder
vielmehr zur Enthaltung von den denſelbigen entgegen
ſtehenden Untugenden nicht allein Gelegenheit geben,
ſondern fie gar dazu treiben und noͤthigen. Die Unwifſ⸗
ſenheit des Boͤſen, der Mangel der Reitzungsmittel und
der boͤſen Exempel macht, daß fie in der Einfalt bleiben.
Das rauhe Climat, der wenige Vorrath des benöthige
ten, die muͤhſelige Art denſelben zu uͤberkommen, erhaͤlt
ſie in der Zufriedenheit und Gleichheit. Weil keiner
mehr weiß, keiner mehr hat, als der andere, hat er keine
| 0 Urſache
Nas,
geordnet, und felbigen. mit der mitgetheilssen Autorität und
Strafrechte verſehen hat sc.
BR |
9
er;
i
*
7
K.
u
.
1
Fl
x /
\
und der Straat Davis. 275
Urſache ſich über den andern zu erheben: und dieſer Eeis
nen Bewegungsgrund jenem einen Vorzug über ſich eine
zuraͤumen. Weil einer allein nichts ausrichten kann,
muß er machen, daß er andere zu Freunden behalte. Er
muß ihnen helfen, damit fie ihm wieder helfen, fie müß
ſen das Gefangene, weil ein ieder ſo gut, als der andere,
einer ſo viel Muͤhe dazu angewandt, als der andere, )
gleich heilen. Einieder muß dem andern das feine laſ⸗
ſen, ſonſt naͤhme der ihm das ſeine wieder. Zank, Streit,
Feindſchaften muͤſſen ſie meiden, denn ſie wuͤrden kein
ander Ende haben, als daß ſie ſich unter einander ſelbſt
aufrieben. Das Land iſt ſo elend und unwegſam, ihre
Anzahl fo geringe, ihre ganze Verfaſſung fo ungeſchickt
dazu, oder, daß ich recht fage, ‚fie haben fo gar nichts,
daß einiger Krieges verfaſſung ähnlich ift, daß fie gegen
andere unmoͤglich Conqveten machen koͤnnen: und bey
ihnen ſelbſt ſtehet es ſo ſchlecht, daß niemand begehren
kann fie zu uͤberziehen. Ihre arbeitſelige Lebensart ver⸗
treibet ihnen die Wolluſt, ja fie ermangeln alles ſtarken
Getraͤnkes, das dieſelbe bey andern Voͤlkern zum mei⸗
ſten reitzet, und fo weiter. Und ſolcher geſtalt ruͤhret
ihr ſcheinbarer Tugendwandel nicht ſo wohl aus einem
inwendigen Triebe, als aus den aͤuſſerlichen Umſtaͤnden,
worinn ſie ſich befinden, her. å | i |
6. XCV. Und in Wahrheit es auffere ſich auch bey Ihre Un⸗
dieſen fo unſchuldig lebenden Leuten hie und da der in den art du Tre
Hertzen aller Sterblichen vorhandene Saame des Boͤ— Lg:
fen, Denn fie achten die Dänen geringer als fir * u Aus⸗
„) sne 10 S ES 4 bilden
„Mir ift dißfals eine fo wohl dieſer wegen als ſonſten
merkbare und wahrhafte Geſchichte erzehlet worden. Es
war ein Groͤnlaͤndicher Junggeſelle mit nach Coppenhagen
genommen; und damit er ſeinen Landes leuten eine gute Mei⸗
nung von der daͤniſchen Nation beybringen möchte, ihm auf
das allerfreundlichſte begegnet worden Als derſelbe auf die
neue Colonie wieder zurück kam, und man nothig fand, daß
er ſich mit einer Wildin, um, ich daourch ſeinen Landesleu⸗
| ten
276 Nachrichten von Groͤnland
bilden ſich ein, daß die andern Nationen von der ihrigen
urſpruͤnglich hergekommen, und wenn ſie denſelben eine
gute Mine machen, geſchiehet es nur aus Furcht, weil
fie dieſelbe beherzter und ſtaͤrker als ſich halten. Inſon⸗
derheit wird ſehr geklaget über der Groͤnkaͤnder, vor⸗
nehmlich des Weibesvolks, unuͤberwindliche Halsſtarrig⸗
keit und Eigenſinn. Sie ſollen fi) auch eben kein Br
denken machen, wenn es heimlich geſchehen kann, den
Daͤnen was wegzunehmen. Widerfaͤhret ihnen von
dieſen eine een laſſen fie keine Erkenntlichkeit noch
Dank
ten deſto gefaͤlliger zu machen, verheyrathen ſollte, ſahe er
ſicch ein wohlgeſtaltetes und vernünftiges Maͤdgen aus, und
ließ um ſie anſprechen. Er bekam aber einen Korb. Und als
er ſich ſelber bey ihr angab, ließ ſie ihm zwar ſo viel merken,
daß ſo wohl ſeine Perſon, als die aus Daͤnnemark mitge⸗
brachte ſchoͤne Sachen ihr anſtaͤndig waͤren, bezeugte ihm
aber rund aus, daß ſie von ihm nichts an⸗ ihn auch nim⸗
mer sum Manne nehmen wuͤrde. Man konnte lange die Ur⸗
ſache einer ſo unvermutheten Weigerung nicht erfahren.
Endlich brachte mans doch durch viele Muͤhe dazu, daß ſie
mit ihrem Bruder nach der daͤniſchen Colonie kam, und
nachdem man ſichs recht ſauer werden laſſen, ihr Gemuͤlh
zu gewinnen, und die Urſache ihres ſo beſtändigen Neins zu
erfragen, brach ſie zulezt gegen einen Daͤnen, der mit ihr
in ihrer Sprache reden konnte, heraus: daß ſt ie bloß des⸗
wegen zu der angetragenen Parthey ſich nicht entichlieffen
konnte, weil fie bedaͤchte, daß der angegebene Braͤutigam
bald ſterben koͤnnte, und daß ſie, wenn ſolches vor ihr ge⸗
ſchehen ſollte, fuͤr Hunger und Kummer wuͤrde vergehen
müſſen, weil die Dänen alsdenn fie nicht wurden achten,
die Groͤnlaͤnder aber ſie noch weniger wieder zu ſich nehmen
wollen, weil ſie fuͤr die Daͤnen, wie ihnen ſelbſt bekannt,
gar keine Neigung, wohl aber eine groſſe Geringſchaͤtzung
haͤtten. Wie ſie denn auch eher nicht zu der Heyrath ſich be⸗
reden laſſen, als bis man ihren Bruder durch allerley gute
Worte und Verſprechungen dahin bewogen, daß er ſie uͤber⸗
redet, unter der feſten Verſicherung, wofern ſie Wittwe
werden moͤgte, daß er fie alsdenn nicht verſtoſſen, ſondern
nebſt der Familie für Ben Unterhalt beſtaͤndig Sorge tragen
wWiollte. >
i
und der Straat Davis. 277
Dank verſpuͤren. Man hat mir auch erzehlet, daß als
ein paar Jahre vor Anlegung der Colonie ein Schiff
zum Verſuch dahin geſchickt worden, und einer von den
daͤniſchen Matroſen ſich unter fie zu weit gewaget, ihn ihren
etliche ſogleich nieder zur Erden geworfen, einige Lochen
in den Leib geſchnitten „und das Blut mit großer Be⸗
gierde ausgeſogen haͤtten. Davon man doch nachher
weiter nichts vernommen. Wann man aber nun aus
dieſem den Zuſtand des ſich ſelbſt gelaſſenen Menſchens
reiflich erweget, und dabey anmerket, wie ſchlecht derſelbe
im Wege des Guten und der Tugend fortkomme: fo has
ben die ſo genannte politere Voͤlker mit dem allertieffe⸗
ſten Dank die große Wohlthat zu erkennen, die der treue
Liebhaber der Menſchen ihnen erweiſet, da er nicht nur
die Ueberbleiſel des ihnen anerſchaffenen goͤttlichen Ebene
bildes durch ſo viele Lehrer in niedern und hohen Schu⸗
len gleichſam laͤßet abſtaͤuben und aufhellen, ſondern
durch deren Anfuͤhrung zur Morale den ganzen Begrif des
natürlichen Geſetzes, auch was an dieſem noch zur Boll
kommenheit mangelt, durch fein geoffenbartes Wort, und
ſo viele daſſelbe erklaͤrende Predigten ihnen deutlich,
vollſtaͤndig, uͤberzeuglich und erweklich vor Augen legen.
Ja (daß ich es zum Preiſe Gottes hinzuſetze) weil der -
Menſch nicht allein zu dieſem Leben erſchaffen, ſondern |
noch ein beßerer Zuſtand für ihn aufbehalten ift, und
angeführtes alles denfelben noch nicht zu deffen Erlan⸗
gung und Genuß bringen kann, ihnen einen Mittler
entdecket und angewieſen, der ihnen die noch weiter hiezu
noͤthige Lehren geoffenbaret, die rechte kraͤftigen Huͤlfs⸗
mittel angezeiget, und endlich gar durch ſeinen Tod,
durch den er ihren Mangel erſetzet, gemachet hat, daß
fie ſowohl hie ruhig, vergnuͤgt und glücklich als deteinſt
in ee Welt felig und ewig leben koͤnnen.
F. XCVI. So herrlich und tröſtlich aber dieſe Er eie miffen
kenntniß für Hr andere ift, 5 betruͤbt und erſchreklich Religion ed
i iſt
3 /
N
und saven
nicht ein
mahle einen
Begrif
von einer
Gottheit.
' 0
278 Nachricht von Grönland
ift es dagegen, daß dieſe ſonſt ſo gut geartete Creaturen
ohne Gott in der Welt, das ift, ohne alle Wiſſenſchaft
und Erkenntniß ihres einigen Schoͤpfers und Woylthaͤ⸗
ters leben, ſo gar daß ſie auch nicht einmahl ein Wort,
womit fie dieſes allechöchfte Weſen benennen koͤnnten, in
ihrer Sprache haben, ſondern die, ſo von den Daͤnen
eines beſſern unterrichtet worden, genoͤthiget geweſen, ihr
Wort Gud ihnen abzuborgen, und in ihre Sprache zu
übernehmen. Es iſt hoͤchſt zu bewundern und nicht zu
begreifen, da man von ie her angemerket *, auch die
Erfahrung der neuen Zeiten, und die nach und nach
geſchehene Entdeckung ſo vieler vor dem unbekannter
Laͤnder es bewehret, daß kein Volk ſo entlegen, ſo ein⸗
faltig, fo rohe und wild es auch ſonſt ſeyn mag, zu fine
den, bey dem man nicht einige Wiſſenſchaft von Gott
angetroffen hätte „wenn fie gleich noch fo dunkel, vers
derbet und irrig, ja gar in Abgoͤtterey verkehret ift wie
es doch möglich ſey, daß gleichwohl die armen Groͤnlaͤnder
ſo gar aller Kundſchaft von Gott ermangeln. Ich bin
lange angeſtanden es zu glauben, habe es aber endlich
glauben muͤßen, da alle, die ich geſprochen, mich verſi⸗
chert, auch der Autor der Groͤnlaͤndiſchen Perluſtration,
der des braven Mißionarii Herrn Egede Nachrichten zum
Grunde geleget hat, im lezten Capitel ebenfals bezeuget,
daß dem in der That alſo ſey. Doch ift wohl gewiß genug,
daß ihre Voraͤltern ehedeſſen werden von Gott und den
Religion einige Wiſſenſchaft gehabt haben. Wie fie
aber dieſelbe fo gar verlieren koͤnnen, ift deſto unbegreif⸗
licher, da ja die Aeltern, wenigſtens die Muͤtter, was ſie
von dergleichen Dingen fuͤr Begriffe haben, ihren Kindern
allemal pflegen einzuftoſſen. Und haͤtte man nicht ver⸗
muthen
eie Tuſcul Quæſt. Lib. 1 cap. 3. Quod nulla gens
tam feta, nemo omnium tam fit immanis, cujus mentem
non imbuerit Deorum opinio. Multi de Diis prava ſen-
tiunt; id enim vitioſo more effici folet; omnes tamen, eſſe
vim ac naturam duuinam arbitrantur.
und der Straat Davis. 279
muthen ſollen, daß fie wenigſtens nach und nach wie⸗
derum, wie andere ſehr wilde Voͤlker gethan *, die Au⸗
gen gegen den Himmel wuͤrden aufgehoben und die
Wohlthaten, die ſie von der Sonne zum Exempel ſo
fuͤhlbar genieſſen, anerkannt, mithin derſelben einige
Ehrbezeugung erwieſen haben. Allein ſo wiſſen dieſe
Leute ſchlechterdings von keiner Gottheit, auch von kei⸗
nem Goͤtzenbilde, noch einiger Bezeugung, die einem re⸗
ligioͤſen Dienſte ähnlich ſehe, das allergeringſte. Ein
Tag in der Wochen, im Monate, im Jahr iſt ihnen
fo unheilig als der andere. Sie mögen aufſtehen oder
ſich niederlegen, zu der Mahlzeit oder davon gehen:
man ſpuͤret nicht, daß ſie eine andaͤchtige Gebehrde ma⸗
chen, weniger einiges Gebet thun. Es mag einer ge⸗
bohren werden, heyrathen oder ſterben, man kann nicht
die allermindeſte nach einiger Religion ſchmeckende Hand⸗
lung erblicken. i 908
Sie bilden ſich ein, daß alles alſo, wie es iſt, von
ieher geweſen, und von ſelbſt entſtanden ſey. Dringet
man in ſie, daß es gleichwohl nicht moͤglich ſeyn koͤnne,
daß die herrlichen Geſchoͤpfe als die Sonne und andere
nicht ſolten einen Macher gehabt haben, da ja keines
ihrer Kaͤhnchen von ſelbſt entſtuͤnde, antworten ſie wohl,
l Fenn das
* Czfar de bell. Gallic Lib. VI cap. 21. Deorum nu-
mero eos ſolos ducunt (Germani) quos cernunt & quorum
operibus aperte juvantur, Solem, Vulcanum & Lunam.
Welches und ein mehrers ſich auch von den heydniſchen Is⸗
laͤndern ſagen laͤſſet. Es klinget ſehr erbaulich, was von ei⸗
nem der erſten Beſitzer Jelasdes, namlich. dem Thorkel,
mit dem Zunahmen, Mana, d. i. Mond, erzehlet wird, daß
ihm ſeine heydniſche Landsleute dieſen Beynamen Spottweiſe
beygeleget, und zwar aus keiner andern Urſache, quam quod
a Lunæ aftrorumque opificio admirabili aliquid de inviſibili
opifice colligendum ſtatuiſſet, qui quoque jam moriturus, ſe
in locum ſoli adverſum efferri fecit, commendaado fe in
manus illius Dei, qui ſolem creaverat. Landrama p. I cap. 9.
Arngr. Iona Specim. Islandic. Sect. I cap. I.
286 Nachricht von Grönland |
das koͤnnten fie begreifen „kenneten ihn aber nicht, wis
ſten nicht, wer er wäre. Einige ſetzen wohl gar aus
thoͤrigter Einbildung auf ihre Nation hinzu, es muͤſte
ein Kallak, d. i. einer von ihrem Volke geweſen .
0 der Himmel und Erde gemacht hatte.
Das Ge⸗
gentheil
laßt ſich au
F. XColl. Immittelſt kommen doch bey inen ei⸗
a nige ohne Zweifel von ihren älteften Vorfahren herſtam⸗
EA ih: mende Gebräuche vor, die den Schein eines Aberglau⸗
glaubich bens haben, als die vorhin erwehnter maſſen uͤbliche
ſcheinenden alberne Verbindung der beſchaͤdigten Glieder, Anhaͤn⸗
heaͤu⸗
che ncht
ſchlieſſen.
gung einiger Halsbänder oder anderer Dinge als Stuͤ⸗
cker von altem Hole, Voͤgelklauen, Raabenſchnabel, um
vor Krankheiten bewahrer zu werden oder gluͤklich zu
ſeyn und dergleichen. Allein man merket doch nicht,
daß ſie dabey einige Abſicht oder Hofnung auf einige
uͤbernatuͤrliche göttliche oder teufliſche Kraft hätten; ſon⸗
dern ſie thun es nur bloßhin deßwegen, weil ſie geſehen,
daß es andere alſo gemacht, und gehoͤret, daß es gut
oder dienſam ſeyn ſolle. Doch muͤſſen fie Hexen und
Hexerey glauben. Denn im Jahr 1734, als einem Groͤn⸗
länder feine Tochter und aͤlteſter Sohn, die er ungemein
liebte, an der damahls 1 anſteckenden Seuche
verſtorben, hat es ſich zugetragen, daß derſelbe eine für
eine Hexe gehaltene Frau aus der thoͤrichten Einbildung,
als wenn fie mit ihrer Heperen fein Kind getoͤdtet, auf
der Stelle erſchlagen. Worinn ihn das Kind ſelber bes
ſtaͤrket, indem es in feinem festen vorgegeben, daß die
Geſtalt deſſelben Weibes allzeit vor ihm flünde, über
ihn hexete und wie er geſagt, ihn toͤdtete. Herr Egede ;
gedenket in feiner Nachricht p. 64, daß er bey weiterer
Erkundigung erfahren, wie die Groͤnlaͤnder vermeinen,
daß fo bald der Menſch ſterbe, die Seele, fo fie Tar-
i 1 gnecke
* Siehe Groͤnl. Perluſtrat. p. .
und der Straat Davis. 237
gneck nennen, von dem Menſchen in den Himmel fah⸗
re, der Leib aber in der Erden bleibe und verweſe. Und
dieſes ift die Urſache, warum fie den Verſtorbenen, wenn
fie ihn begraben, fein im Leben gebrauchtes Fiſch⸗ und
Jagd⸗Geraͤthe beylegen, zumahl fie in den Gedanken
ſtehen, daß derjenige, fo ſterbe, anderwaͤrts wieder le-
be, wo in Menge Rehe zu jagen, und Robben zu fan⸗
gen u. d. g. wo aber oder wie lange, wiſſen fie nicht, am
allerwenigſten aber, daß der Leib auch einmahl auferſte⸗
hen werde. Dieſen elenden Menſchen waͤre nun ja wohl
ſehr zu wuͤnſchen, daß ihnen die Grunde der wahren Re⸗
ligion moͤgten ernſtlich beygebracht werden. Zumahl
dieſe Menſchen mit Luſt anhoͤren, was man ihnen von
Gott und deſſen Schutz und Segen, von einem zukuͤnf⸗
tigen beſſern Leben u. d. g. vorſaget, auch es willig ans
nehmen und ſich ſelbſt damit troͤſten. Es iſt auch damit
ein ruͤhmlicher Anfang gemacht worden. Was dazu
Gelegenheit gegeben, und wie es damit abgelauffen, habe ich
gleich zu Anfang dieſer Nachrichten 1. §. p. 149. S. erweh⸗
net. Nachdem aber die Colonien groͤſſeſten theils auf;
gehoben, und einige Prediger darvon gezogen ſind, die
Neubekehrte und noch wohl kaum recht befeſtigte ſich
auch bald nach Landesgewohnheit zerſtreuen werden: iſt
zu beſorgen, daß die geringe Wiſſenſchaft von Gott, dem
Weltheilande und der Religion, ſo an ſie gebracht wor⸗
den, in wenig Jahren wieder werde in Vergeſſenheit
kommen, und alſo der unſelige Hauffe in der Finſter⸗
niß und den Elende, worinn er ſtecket, leider noch lange
verbleiben. i Hey
S, F. XVIII,
* Ich muß hierbey noch gedenken, daß ſich von dem
frommen Prediger Eg de ein MS. unter dem Titel: Begyn⸗
delſens “lemender til den Chriſtliae Kun“ ſtab for den Groͤn⸗
lanoste Cathecumener, hoc eft, Elementa chriſtianæ reli-
\ 2 gionis
282 Soden von 1rd
Bon Se., F. XCVIII. Es iſt noch uͤbrig, daß ich „eee a
Kart und Heftattsumd Betraurung erwehne. So bald jemand
eung ihrer unter ihnen Todes verblichen, nehmen ihn die nechſten
Tobten. ſeines Geſchlechts, und beerdigen ihn mit vielen Klagen
und Heulen. Den erblaſſeten Cörper legen fie in ein
Grab von Erdſchollen und Steinen in vollen Kleidern
platt an die Erde, breiten ein paar Felle uͤber ihm und
bedecken ihn mit Erdſchollen und vielen Steinen. Ne⸗
ben ihn legen fie zum theil zerſchnitten das ihm gehörige
Fiſch⸗ und Jagdgeraͤthe, als Both, Bogen und Pfeile,
Wuefpfeile u. d. g. denn die Hinterbliebene maſſen ſich ja
4 11 ge, was dem Verſtorbenen zugehoͤret, in keine
wege an. Sie halten auch den Todten ſo unrein, daß
keiner, als derjenige, der ihm am nechſten angehoͤret,
den Coͤrper anruͤhren darf. Wie ihn denn derſelbe auch
allein aufm Ruͤcken zu Grabe tragen muß. Sie betrau⸗
ren ihre Todten gar ſehr. Die Blut- und Schwaͤger⸗
lichverwandte kommen anfangs des Tages dreymahl,
nachhero zwar ſo fleißig nicht, doch ofte und faſt ein gan⸗
zes Jahr durch beyſammen, ſetzen ſich nieder, nehmen
die Koͤpfe in die Haͤnde und ſtemmen die Ellebogen auf
die Knie, betrauren und beweinen den Todten. Verlaͤſt
der Verſtorbene keine Anverwandte noch Freunde, laͤſt
man ihn wohl ohnangeruͤhret an der Stelle liegen, da
er perichieden, Die Urſache warum, ift die vorhin an⸗
gefuͤhrte eingebildete Unreinigkeit, die auſſer den ornat |
ſten Anverwandten alle übrige beſchmitzet.
Wo dieſes F. XCIX. Zum Beſchluß will ich meine wenige ;
Volk ur⸗ Nuthmaſſt ſungen von der Abkunft AR fo befondern
Volks
gionis pro catechumenis Wa Groenlandica cum verſione
Danica Ao. 1724 a Dn. Johanne Egede, Miſſionario Danico
in Groenlandia ſcripta in 8vo, in dem Catalogo der Das
neſ ioldiſchen Bibliothec gefunden, welches daraus in die
koͤnigliche Bibliothec erkauffet worden. : 4
Siehe Groͤnlaͤndiſche Perluſtration p. 48.
und der Straat David, 283
Volks zu weiterm Nachſinnen hier kuͤrzlich anhaͤngen. forfingtig
Ich ſtehe in den Gedanken, daß die Vorfahren dieſes men.
Volks aus Nordaſien von den Samojediſchen oder Sy ⸗
beriſchen Tartaren herſtammen, und nach Art der frucht⸗
baren nordiſchen Voͤlker, von den ihrigen ausgejagt
und eine neue Wohnung und Verble b mit Vertreibung
der alten Beſitzer ſich zu ſuchen genoͤthiget worden. Da
fie denn vielleicht durch Nova Zembla * ihren Weg ges
nommen, und in Oſtgroͤnland (weil ſo wohl dort als hier
die Thaͤler damahls mit ſo vielem Eiſe und Schnee als
ietziger Zeit annoch nicht angefuͤllet, noch die Arme von
der See, die ſie etwa uͤberzuſetzen gehabt, mit ſo vielem
Eiſe, als dermahlen beleget geweſen) eingedrungen; und
nachdem ſie die daſelbſt angetroffene Chriſten ermordet,
und ſich an ihrer Stelle niedergelaſſen, und einen Theil
der Ihren hinuͤber nach Weſtgroͤnland geſchicket, die es
mit den daſigen Chriſten nicht beſſer gemachet. Die
Geſchichtſchreiber nennen dieſe neue Gaͤſte die wilden
Stkrellinger, und ſagen, daß fie die Chriſten ausgetil⸗
get, aber von ihrer Herkunft erwehnen ſie nichts. Die
Wilden in der Straße Davis haben unter ſich eine Sa⸗
ge, daß ihre Voraͤltern, als fie in dieſe Lande kommen,
die alte Einwohner todt geſchlagen, aber von derſelben
Abſtammung wiſſen ſie noch weniger Bericht zu geben,
als von denen ſie durch die Eisgebirge und Eismeere
mehr und mehr abgeſondert worden, daruͤber ſie ſo gar
ihre alte Religion und alles vergeſſen haben. Indeſſen
gründet ſich meine Vermuthung auf die vielen Aehnlich⸗
keiten, die ich zwiſchen den wilden Groͤnlaͤndern und je
nen Völkern an der Leibes geſtalt, Tracht, und Leben ⸗
gr | I art NR
* Diefes hat um fo eher gefchehen koͤnnen, da, wie nun⸗
mehro zuverlaͤßig ausgefunden worden, Nova Zembla vers
mittelſt eines Iſthmi an der Oſtſeiten bey Zucfiug des Oby
mi: Spberien zuſammenhaͤnget. Siehe Strahlenbergs Nord⸗
und Oſttheil von Europa ꝛc. in der Einleit. pag. 17. v
284 Race. von Grin: u. beer Straats Davis. DR
art finde % Die Nifovier Tungufi i haben Ruder mit ig
einem Blat auf iedweder End, nehen auch ihre Gefichter
mit Figuren durch wie die Grönländer *, Der Herr Baz
ron von Paͤlmberg / der als Königlich Schwediſcher Gou⸗
verneur von Finnland geſtorben, hat mir erzehlet/ daß
als zu Anfang des lezten Krieges die Rußen in Lefland
ee und auch ſein Kirchdorf gepluͤndert, dieſelbe
von dergleichen Tartaren bey ſich gehabt, die ſeinen Pre⸗
diger, einen jungen Mann und wohl bey Leibe, ſo bald
ſie denſelben erblicket, ergriffen, zur Erden geworfen,
hm an etlichen Orten des Leibes Wunden geſchnitten,
und daraus das Blut wie Tygerthiere geſogen. Wel⸗
ches andern der Zeit mehr begegnet. Ein ſolch un⸗
menſchliches Verfahren mit einem daͤniſchen Matroſen
habe ich vorhin von den wilden Groͤnlaͤndern erzehlet.
Es wuͤrden ſich auch dergleichen Spuren bey weitern
Nachſehen noch mehr finden. Ich uͤberlaſſe aber
u andern, die mehrere Muße dazu haben,
und eile zum
E N D E.
a Siehe de Bruyn Reizen over Mofcou dc. Ge 11 &
Ysbrand Ides Reize cap 19 p. 16.
* Ysbrand Ides c. I. p. 37 ſed.
.
ing.
DICTIONARIOLVM.
NB. Die Accetite, welche über die Iblaͤndiſchen Wörter und ſon⸗
derlich Confonantes geſetzt zu werden pflegen, hat man bie
in Ermangelung dergleichen Schrift mwesgelaffen. ber
NO MIN A.
Cap. 1 de Deo.
Gud, Gott, Gud.
Gud Auguttå.
Guds Sohn Gottes Sohn 4
Gudib Nianga. )
Der Erlöfer, Sornickfach.
Gut den Hellig Hand, Gott
der Heilige Gift, 8
- Anarsah, i. e. Gottes Athem,
man hat kein ander Wort
Sk ‚geifüges Weſen anzu⸗
ten.
ee der Schöpfer, Se-
narſoe.
Skabninz, die Schepfung,
Senach.
Herren, der Herr, Nalle-
garsnach.
Prieſter, Pelleſte.
Engel, Engelip.
Teufel, Longarsnc.
Cap. 2 de Mundo.
1 der Himmel p Kil-
lach.
Jorden, die Erde, Nina;
Soelen, die Sonne, Sacka-
nach.
Soeiskin, Sonnenſchein, SÅ
- éhanacpoé:
Soelen gaer nede, die Son⸗
ne gehet unter, Sackenag
tarripoch.
Soelen gaer op, die Sonn
Gud Fader, Gott der Vater, 5
gehet auf, Nuioch.
Maane, der Mond, Kaumeh.
Stierne, Sterne, Ulloiach.
Lyß Dag, licht oder Tag,
Kavoch.
Der Tag, Ullach, ingfeichen
Ulluit.
Morckit, finfter, Taack.
Watt, Nacht, Unnuach,
Cap. 3 de Igne.
Ild, das Feuer, Ignach.
Tniſt, Funcken, Ignicfer.
Ildſtern „Feuerſtem, Ignec⸗
it
En kampe, Lampe, Kollech.
Rogen, der Rauch, 1882 five
Iſleck.
Utſchluchtkull, ausgelsſchte
Kohlen, die ſich wieder an⸗
zuͤnden laſſen, Auma.
Aske, Aſche, Ackla.
Cap: 4 de Adre,
Luffe, - Silla.
Skyer, Volden, Nüja.
Klar Lufft, Allacknach.
Bind, Wind, Annoe,
Få
0 225
Cab.
{
å
[
286
Cap. s de Aqua.
Band, Waſſer Imack.
Bech, Bach, Koveitſiach.
Elfv, Fluß Kock.
1er Meer, Imach tara»
Strom, Strom, Sarbach.
Bolge, Welle, Malıch, Ingu-
lich,
Blog; Fluth, Uglipeck, es
Fluth.
Bi € „Ebbe, Dinipoch, es
if Ebbe.
En Liig Jawieg Sinus Kan-
gertluck.
Oe „Inſul, Kickertach.
Sund, Straſſe, Tunnua.
Eiyer, Edjåren „ Iekarloch,
Cap. 6 Nubes.
Skyer, Wolcken, Nüje.
Damp ſ. Taage, Nebel, Pyoch.
Mean, Regen, Skielluch.
Det requer, es regnet, Skiel-
lupoch.
Hagel, Netakornet.
En 25 „ Aput, five
eu 5 ſtarcker Froſt,
dae, Tropfen, Gute.
= Farmeck, [Sicko.
Torden, Donner, Kållach.
Cap. 7 de de
Jord, f. Muld, Erde, Ipſo⸗
uch,
Bierge, Berge, Kaekarsnach.
Hoͤge, Hoͤhe, Hügel, Ka-
cCkat.
Siet Mark, ſchlecht Land,
Anhang.
f. Eben Sand’, achte
ſinch.
"Eng, £ Greß, eine Wieſe,
Iquit
Sand, Sand, Sickait |
Mole, Mooß, Oryt.
Ertz, Metal Ignach. i
Steene, Steine, Ujackket.
Blyer eller Tinn, Bley oder
Zinn, Ackerlocli FE
Jern, Eıfn, Sauvich.
Naaber, 1 Meß, g, Kupfer
oder Meßing Kangiſachl.
Vetteſteen, Wetzſtein, Silich.
Talg! een, Talckſein, Ukafi-
fach,
Skiell Muſchel,
Concha, Uilloch.
Kroig Solfr, - Kiblekujach.
( ap. 8 Arbores et Terræ
fructus. |
Tran, 1 5 ue Holtz, £
Wald, G pich . | b É |
Rod, Wurkel, “= Socleit.
Blade, f. Loͤfb,
Laub, Pilloch.
abgehauen Holtz, Kefuk,
Herpix, Haartz, Kutſoik.
Enebaͤr
avallakajarſet.
Lyng, Paunakarſit.
Muſchel,
Blat oder
Af huygen Traͤer, f. Stoch.
traͤe, Wacholder. |
Blaa. Bäre , Heidelbeeren,
Kiutarnget,
Kräche Bär, eine Art fer war⸗
der eee Pog-
nech
Tyllte Baͤr, eine Art bald als
Johannisbeeren, Kingur«
En,
SMulie Bår, eine Art Brom⸗
melbeeren, Oklorneh
Qvaun, ; |
2 45
W z
|
| baun; Angelica⸗Wurtzel,
Quaun.
Cap. 9 Animalia.
Et Diur, ein Thier, Nerfüt.
G Reenthier, Tuck-
Bid „Baͤaͤr, Nennoch.
Refo, Fuchs, Kakaka.
Haare, Haſe, Ukallich.
Enhoͤrn, Eichhorn, Tuach.
En Hund, Hund, Kimmech,
Cap. 10 de Abus.
Fugell, Vogel, Tingmiach,
Fetch.
Vinger, Slügel, Sulluit,
Eg, Ey, Mennich, |
Unge, ein Junges, Piarach.
Ryxe, Schneehuhn, Akeirſit.
Rafon, Rabe, Tulluach.
Oern, Adler, Necheosrlich,
Sale, ‚ Sale, Kickfoiarfu-
Gaas, Gans, Nerlech.
Anden, Endfe, Kachletong.
Maage, eine eve, Naviat.
Lomme, f. Lumbe, Apa.
Zrifte, - Sarbach.
Eeder Fugel, Eider Endte,
Mevelech.
Orm, i. e. Mach Wurm, Ko-
perloch.
Loppe, Floh, Pillectach.
Luus, Laus, Komach.
I DØ, Mücke, Ipperget,
Cap. U de Pifcibus,
Fiſck, Fiſch, Nechpia, Au-
hfaüker.
Valfiſck, Wallfiſch ı Arbach.
ADELS. 1
287
Hoahffiſch Varder, Walfiſch
Baarten, Sokach, Cache?
lotte: Kiotelic.
Lap Ekalac. |
FB, Dorſch, . Kabblaw]
Ovach, Sa lich.
Ulcke, Knorrhan, Kanaifoch!
a } Plateiſſe , Oköe-
tach.
Quvete, Qveite, Hellutt, Ne-
taenach.
| Ren Robbe, Seehund
Rebel PN Sullupatiket,
Rogekald, - Nepiſet. |
Steen, Bud,
Steins Beiſ⸗
ſer, "Kimilich, | |
| ee 12 Homo ejusque®
| Membra.
Et Mſke, ein Menſch, Innuti
Et lider Barn, ein klein Linde
Mecklitungut, ſ. Nan
anguach.
Ung Senf on, firhge Perſon
1
Gammel Mand, alte Mann;
Utockach.
Pige Barn ein Kind, weib⸗
lichen Geſchlechts, Nivi⸗
achſach. i
Pige, Magd, Niviachfeifia,
Qvinde, Frau, Agna, five
Kona.
Gammel Qvinde, alte Frau,
Agna Koschfeikia.
Membra be
Hofvet, Haupt, Niackoä,
Foͤbder, Süffe „Niuch.
Hals, Eongeſia,
che,
288
Achſell, T Schulder Tuvich,
Strube Kähle, Iggerä.
Nache, Nacke, Tunnuſos.
Bryſt, Bruſt, Eckfarroä.
ng, Rude , Kulleg.
Broͤſt, Bruſt, Mamma',
Ivuienga.
Broͤſt, Vorter, 1 Warzen, 3ie
zen, Millox.
Bug, Bauch, Naiſact.
me Nabel, Kallitzia.
Bludhell, IR
em „ - “Tallich. |
Albue, Ellnbogen, Ickufiä.
Side, Seite, Tullimaot.
Haand, Hand, Akfeit.
Hoͤgre Hand 1 rechter Hand,
Fallicpia.
Venſtre Hand, lincke Hand i
Saumia.
Hoffte, Hoͤffte, Sibbia.
Usa. 150
Rumpe, Hindern, Nulloch.
1 ſ. Skinchel, Bein, Ka-
Laar, dicke Bein, Oppetich.
Rnåe, Knie, Sæckoæ.
Auchler, Enckel, Tinumusoa.
Haͤll, Ferſe, Kimmz.
Fuß, Iſickaka.
Foedſoele, Fußſohle, Ar
tugne.
Foedblad , agei.
Taͤer, Zaͤhen, Ingoei.
Stor Taer, groſſer åer,
5 Puttoa.
Under Haͤlen, Unter» Hacke,
Magnei.
Hofvet Haar, Haupthaar,
Nuckietcka.
Oern, Ohr, Siuta.
Anſicht, Angeſicht, Kinag.
Pande, Stirn, Kavoæ.
Hege, Auge 0 Lelich.
Anhang;
Oege Steen, 7 Augapfel Kim
mera
Oegen Laage, Yugenlieder,
Ifanamiå, « ;
Denen bryne, Augenbraunen,
ubtuæ.
Naͤſſe 7 Naſe, / King, 7 auch
Kingera.
Mund, Kaner.
Kinder, „Backen, Ulluæ.
9 Hage, Kinn, Ib
Läber, Lefzen, Karloch.
Tunge, Zunge, Ockä.
Tand; Zahn, Kiutich.
Naͤfde, Fauſt, Erechpel. Tan
Flad Haand, flache Hand,
tumä.
Lofve, Hoͤhle in der Hand,
Kapſuri.
Finger, Akſeit, five Ticka« f
been, Gelende , Naukufikå,
Mågell, Naͤgel, Kuckich.
Legeme, Leichnam, Tim.
Hud, die Haut, Amiag.
Kiod⸗ Fleiſch, Neka.
| Been, Bein, five dran,
Saunga.
n eingewide, Inne="
O
Hierne, Gehirn „ Karachså.
Hierte, Herz, Umaträ.
Bug, Bauch, Naiſact.
Mafve, Magen, Na.
Laͤfver, Leber, Tinn oz.
1 Blaſe, beriet,
Br
Piß, Koch, f. RN 1
Bloed, Blut, Auck BOLDE
a Ruͤckgrath, Kuie
pPickak |
Rifobeen.
| > Anhang.
Rifvobeen, — Tullimeiſika.
Siaͤlen, die Seele, Tagneit.
Cap. 13. de variis Supel-
lectilibus &. Veſtibus.
Fiſke Redffab, Fiſchgeraͤthe }
Auliſaut.
Angell, - Karlüf.
Garn, Netz, Kachſutich.
Alles Geraͤthe, was zur Fi⸗
ſcherey und Schiffahrt ge⸗
braucht wird, heiſſet mit
einem Worte: Puſenut.
Baad, Both, Umiach.
Bue, Bogen, Peſikſe.
Piel, Pfeil, Kachſuth.
Boͤrſe, Aulemich.
Gryde, Grapen, Ufut.
Blachkidel, Blechenkefftl Ki-
bliſoch.
Oele, Bier, Karjutich,
Traͤ Bach, hoͤltzerne Schäf
ſel, Pogetach.
Stie, Allaxich.
Sende, Tonne, Neppathit.
Stoel . Bench, Stul oder
Banck, Iſiatach.
re Kanne, Emunge-
Glas Kaumerfoit.
Sar, Scheere, Keijutich.
ba | Nehenadel, Me-
| a Naabl, Spel⸗ Nadel,
Kuckelich,
Sye Aung, Nehering, Tecke-
. riack
| Kiortel, Rock, Annoach.
En Skind Kiortel, ledern
Rock, Kappiteich. å
Buxer, Hoſen, Karlich.
Knapper, Knöpfe, Nautich.
—
Hammer,
289
1 0 0 ‚ Strümpfe, Aleke=
lc
ud Handſchue, Acka-
tich
Hufve, Haube, Neflach.
Traad, Drat, Fadem, Acktu-
cnarach.
Skoe, Schue, Iſiamach.
Stöffler, Stiefeln, Kamich,
Cap.14 de partibus Domus.
Boelig Platz, baulicher Platz,
Inna.
Huus, Haus, Igloé.
Zelt, Gezelt, Tappech.
Dor, Thure, Mattua.
Noͤgell, Schluͤſſel, e AD
ſaut.
Guͤlff, Pflaſter, Nettach.
Vindue, Fenſter, Iggelach.
Loͤfft, Soͤller, Kalliah.
Sper, Geſperre, Sparren,
Pupelichk ”
Oexe, 55 Beil, Aglimaut,
Rafver, : Roͤr⸗ Vohre ; Keib-
‚lorach T Ketula. Å
Sag, Såge, Plechtut.
Bord, Boort, Seitiliach,
Oefve, Ofen, Kirfarbiah.
Cap. 15 Faber ferrarius.
Smed, Schmied, Sabbioch,
Bloͤſe Balg, Blaſebalg, Sab-
bichfåb. ;
Kautach.
Spitzor, Eiſenbolzen, Kikiach,
Fiil, Seile, Ajomich,
Jern, Eifen, Sauvich.
Cap. 16 de Itinere et Na-
vigatione.
‚Bey, Weg, Ackufinak.
Reyſe » Kammooch -
2 Staf,
290
Staf, Stock, Ajadüpia. |
En Baad, Both, Chaloupe,
Uma,
En liden Baaf, fleines Bote |
chen, Kaja
Ein otofes Weiberbo , Ku-
nikaijah. ,
Skib, Schiff, Ummiachfuach.
Seigl, Seegel, Dingerlaut.
Maſter, Maſten, Napparaut.
Karer, Riemen, Pautich,
Styrr, Ruder, Akkota.
Tofv, Aklunach.
Rae, Rahn (. Segelſtange,
Sennerüta.
Slg Flagge, Stügel, Ar-
bolifa.
Cap. 17 Seriptoria.
Bog, Buch, Eructoeroch. .
Machperſech, Aglecket,
Schrift.
Pen, Feder, Suluch.
Tungemaal, Sprache, Okafe,
Cap. 18 Confanguinitas.
Stel fab, Verwandſchaft,
Fader, Vater Attäta, An-
i gütta. -
Moeder, Mutter, Agnah, ſ.
Okooch. nA.
Fruchtſommelig Qvinde Nar-
Fee
Soͤn, Sohn, Nianga, Ernerk.
Dotter, Tochter, Pannia.
Schwieger ⸗Vater, Seckia.
Fader Broeder, Vater⸗Bru⸗
ö der, Aka.
Broder, Broeder, der åltefte,
e e
Kiobmanſkab,
"2lnbang:
Broder, Broeder, der singe, Ä
S Schweſter, Noys. |
Soͤßkind, Schweſterkind Kal-
langei. |
Born, Kind, Kittongei.
Foraͤldern, Voraͤltern, Ange ·
jokait.
Luudebarn, Kindeskinder, Nal-
luvianguach.
Herre, Herr, Nallegach.
Tiener, Diener, Kibga.
Cap. 19 Mercatura, varia.
Kaufmann⸗
ſchaft, Neokitichſach.
Speill, Spiegel, Taractoch.
Perler, Perlen, Sappäne. |
Kiſte, Kaſten, Itlabich.
Kaardekling, Degenklinge,
Pennamich. i
Knifo, Meſſer, Ingelich, Sa-
nich. |
En i Schale, Poye-
ef kafvjern,
Schabeeiſen.
Uglemich.
Puppetoͤge, Puppenwerck,
Pinſemich.
Et⸗Menſkebillede, Menſchen⸗
Bilder, Innuerach.
Et malet Billede, gemahltes
Bild, Aftiliach.
Nomina Adjediva..
En ander, ein anderer, Aipå;
Altformeget, almächtig, Kait.
Alle og Enghver, alle und
iede, Tomarmic. VAR
Beedſkna, better? Sernekau.
Blind, blind, Tackpeiſoch.
Bludferdig, Jachzornig, I.
totoch. 1
Bedröfe
Anhang.
Bedroͤfvet, betruͤbt, Alliuſa-
toch.
Dum, Taus, dumm, Okai⸗
ſoch.
Difo, taub, Tuffiliaactoh.
Elendig, elend, Piara.
Fiendſk, feind / Kigagnakau.
Fremmet, fromm, Kablu-
niach.
Feed, fett, Poellekäu.
Faae, wenige, Ikkekau.
Fuld, voll, UIlikartoeh.
Furchtſammlig furchtſam,
Nartuſoch.
Forſtandig, verſtaͤndig, Silla ⸗
kaetoch. |
Gammell, alt, Innekoakau.
Glad, froͤlich, Tappactoch,
Hvid, weiß, Kakoctut.
Hoye, hoch, Teckekau.
Halt, lahm, Sebbütſach.
Haard, hart, Magnars
Heslig, heßlich, Pinneitfor-
ſuach.
Hungrig, ⸗ Kalikad.
Halfvdelen, halb, Tlå,
Hvorſtor, wie groß, Kunhöch
angitiſoch.
Haͤs, Kagnamaſoch.
Daftig, geſchwinde, Tuevio-
au
Hvaß, ujefon, uneben, Man-
neekau.
Hvordan, Kannoctoch.
a age wie viel j Kap-
fevic. |
Sa ſkarp, ſcharf, Sppic-
.
Hoprſomhelt, Samé.
Jefva, ſchlet, ſchlecht, eben,
'Mennipäh, ſ. Mennipoch.
Idelig, ieglich, Ipfalioch.
Klar, klar, Kaamerfoch:
291
Krum, boyet, krum, gebogen,
Nivingarſoch.
Karrig, karg, geitzig, Erlig-
tougoach.
Kort, kurtz, Neakat,
Konſtig, kuͤnſtig Angekoch,
Kloeg, klug, Sillackactoch.
Lad, faul, Tigach.
Lanpſom, langſam, Tuevekäu!
Lang, lang, Teckekau.
Lang der fra, weit davon,
Ungeſekau.
Liden, klein, Mickerfunguach.
Led, leicht, Okichpoc.
Loynagtig⸗ luͤgenhaftig, Sei-
glotorſuach.
Mager, mager, Sellokau.
1 mittelmäßig, Kaftile«
—
Meld, milde, zart, a
Nyn, neu, Nuteiſiach.
Naͤr, ved, nahe bey, Sanniane,
Nogle, einige, Illei.
Ofventill, oben zu Povane.
Ofverflidig uͤberfluͤßig, Amar⸗ ;
leken.
Som er Magentil, Illactut;
Raadt, Okangitoch.
Rund gafve meld, Erlitou⸗
gilach.
Rig, reich, Piſſæckichſor-
uach.
Rod, roth, Aud ned.
Saa mange, ſo manche, Ima⸗
nenich.
Salt, ſaltzig, Tarcoch.
Snefve, Trang, gedrange,
enge, Tettopa.
Skaldet, Nya Kangifoch,
Sterch, ſtark, Nekoakau.
Slibrig, Schlipferich, Koaſ⸗
fekanı.
Sod, füße, Tirugafnukakanı.
Uhvaß, ſtumpf, Ipkekan.
T 2 Saa
Anhang.
KR
292 |
Saa 155 ſo groß, Taima Numeralia.
angitiſoch. 1. Atrauſe Bi
Sfarp, hvaß, ſcharf, Ip- 2. Marluc. EN
i 3. Pingafut.
Ekioͤn, ſchoͤn, Pingakau.
Saadan, folder, Emaitoch.
Skalchegtig, ſchalckhaftig,
Akpalingnach, n'naſfuach.
Trett, zaͤnkiſch, ſtreitig, Kal⸗
ſekau. „ i
Tor, vuͤrre, Pennakau.
maakau.
Tom, lår, ledig, Nungatach.
Tynd Smaall, duͤnne, ſchmahl,
Saakauu. ,
Toͤrſtig, durflig, Immerekau,
Üblue, unverſchaͤmt, Ikton-
gilach.
Ung, jung, Innufutoch.
Vittig, witzig, Sillakactoch.
Uvittig, unwitzig, Sillakan-
gilllach. É
Bred, fortornet, boͤſe, zornig,
Ningaetoch. g
Adverbia.
Ja Ap, illam.
Ney, nein, Nagge.
Ja faa, ja fürwahr, Songong.
Pronomina.
Jeg, Ich, Uanga,
Du, + Ibbli.
Hand, er, Una, Ubba, Tauna.
Vi, wir, Uagat.
J ihr, Ulipfe.
De, dem, ſie, Ocko,
Det, es, Macko.
Noget, iemand, le.
tauko.
4. Siſſimar.
5. Tellimath.
6. Arboner. 7 RE
h 7. Arlech, ſ. Arbonec mar-
luc. j
8. Arbonec, pingaſut.
9. Kollinilloet, |
10. Kollith.
11. Arkanget.
12. Arkanget marluc.
13. Arkanget pingaſut.
14. Arkanget ſiſſimat.
15. Arkanget tellima
16. Arbaſanget. j
17. Arb. marluc.
18. Arb. pingaſut.
19. Arb. ſiſſimat.
20. Arb. tellimat.
21. Ugna. |
„ Verb,,
Aabner, eröfnen, Matuerpoc.
NB tertia perſona.
Aander, ahnden, Anakfato=
Poc 0, 4
Achter, erachten, vermeinen,
Nallecpoch. |
Adlyder, num, gehorſam 2 In-
ertipoch
Aelder, Nerrioch.
Aeldis, Innokoellopoch.
Afbroͤder, abbrennen, Opa.
Afbryder, abbruͤhen, Nappua,
Affüler, abſuchen Piglaytopa.
Afhugger, abhacken, Kippua.
Afkratzer, abfragen, Killiac-
topoch. 3 2 |
Afskiller, abſchaͤhlen „Auvi- .
capoch. | 4
| | Antender,
N
I i —
ER
Antender, anzünden, Eki-
-ckakpä.
Arbeyder, arbeiten, Senoå. .
fart rdl begehren, Piomo-
Och. N N
B.
Baͤfver, beben, Seiucpoc.
Bärer, heben, tragen, Tyn-
racpoch. Å
Bange våre, bange werden,
Eiſikanga.
Bärud, austragen, Annicpä.
Bancher, klopfen an die Thuͤr,
Kaupach.
Bedecher, bedecken, Mattuäh.
Beder f. befaller „gebieten,
befehlen, Ineppå.
Beder, inderlig, Inchfiapoe.
Bedroͤfver En, iemand betruͤ.
ben, Aliufapå.
Bekommer, bekommen, Pyå.
Beleer En, einen beleidigen, |
Iglugtigå -
Berdmwer, berühmen, Ofod-
ropech.
Beſeer, befehen. Irfigå.
Befi kirrmer, beſchirmen, Sar-
nia
. beſchuldigen, Paf-
deföger, befuchen, Tickera-
poch.
Beete, beſpeyen, Kiſſa-
Betaler, bezahlen, Akkiller-
och.
Büder, biethen, Kæeckå.
Bier efter, nach etwas war⸗
ten, Ucåekya.
Binder, binden, Killarchſo-
poch.
Bläser, blaſen Salluapoch..
Slüder, gid or, mild, erfreuen,
Imangecpoch. 5
203
Blifver, feed fet werden,
Puellopoch.
Blifver warm, warm wer⸗
den, Kiſſalapoch.
Blifver kaald, kalt werden,
Kiaglagpoch.
Blifver vreed, boͤſe werden,
Ningapoch.
Bloͤder, bluten, Meitſapoch.
Bluis ved, ſich woruͤber ſchaͤ⸗
men, Iktöpoch. |
Boyer, biegen, Niuktipoch.
Borigaar, forigehen, Aula-
poch.
Braͤnder, brennen, Opz.
Bruge, brauchen, Attopa.
Bryderaf En abbrechen, Nap-
puå.
Bryder ned, „
Perpå.
Bytter, beißen, Tauforpå.
„ RN
Gicckler, abeirckeln, Kapiropä,
D.
Dagis, es wird Tag, Kaula-
poch.
Danzer, tanzen, Ketichpoch.
Dier, gedeyhen, Mellupoch
Doͤer, toͤdten, Tokolechpoc.
Drager Aanden, reſpiriren,
Athem holen, Analatoch-
kimacpa.
Dragerfra, wegtragen, Au-
lapoch.
Drager ſkoeaf, die Schue ab»
tragen, Kamillapoch.
Dråber, treffen, Tockopa.
Dricher, drucken, Imacpoch,
Drifver hen, hintreiben, A-
jactapoch.
Drømmer, traͤumen, sini.
topoch.
T 3 Dip
294
Dry ber, tropfeln und viel
leicht treiben, e Guf-
ſillapoch. RR
a DP SEEN
Eff. erfelgel, nachfolgen, Ma-
licpå. ,
Ener ‚zueignen , 10 eigen zu
gehoͤren, Piz.
Elsker, lieben, Negliboch.
Elsker igien, wieder lieben,
Ackingacpaà.
Ender, endigen, Navopoch.
Er bange, bange feyn, Eifikä.
Er glad, froͤlich ſeyn, Tap-
pacpoch.
Er god for, es iſt gut davor,
Aktungila.
Er heed, es ift heiß, Onakau.
Er haͤuͤd, es ift weiß, Kakoc-
Och.
Er hofben, Pallacpoch.
Er iche til ſtede, nicht zur
Stelle ſeyn, Maningila.
Er kraftsloͤs, kraftlos ſeyn,
Nukakangilach.
Er karsk, geſund ſeyn, To-
kongilachpoch.
Er ſiuch, kranck ſeyn, Ne-
achfimaroch.
Er ffiden , ſchmutzig ſeyn,
Apperchpoé.
Er ſkinnende, durchſcheinend
ſeyn, Kiblaripoch.
Er ſtolt, ſtoltz ſeyn, Makita-
VOehn.
Ertilbage, zuruͤck ſeyn, Unic-
pac
Er Ae e ſeyn,
Manepoch.
Er tid), dick ſeyu, Ipfokau.
Er tom, dumm feyn, Nun-
Supock.
Anhang.
Er ar weiſe ſeyn, Sillakas
poch. |
Er 9 55 aus ſeyn . Sillame-
och.
En 0 jung ſeyn, bun
toch.
F e
Fader, bekommen, Pyå.
Faaer mad, effen kriegen, Ma⸗
matopoch.
Faarmed giochwo,
poch. | 5
Farer vild, irren, Tamapoch.
Faͤſter, befeſtigen, IVertippz.
Falder, fallen, Orlooch.
Falder ned, niederfallen, Ne-
: ckapoch,
Farfver, färben, Aglepoch. ;
Huller, feilen, Ajupoch.
Fisker, ſiſchen, Auliſarpoch,
Amoupoch.
Flyder, fließen, Pu&tavoch.
Flyer, falten, kerne
Flyfver, Tingooch.
Foͤder til Verden 6 zur Welt
gebaͤhren, Ernyoch. HVK
Fålger med, mit folgen, A-
para.
Fler foͤhlen, Mifiga.
Foͤrderfver, verderben, Affe-
. rolecpä.
Foraͤrer, verehren j ſchenken,
| ynia.
Fuden betaling, ohne Bezah⸗
lung, Ackikangifoch.
Forkynder, verkuͤndigen, Oka -
kriactopoch.
Forloerer, verlieren, Tama=
poch.
Forlengis efter, wernach ver⸗
langen, Nerriapoch.
Mittä«
Fornem⸗
Anhang.
Fornemmer, vernehmen, Ta-
' uchſachpa.
Forſeer mig, ſich vorſehen,
Tamakaunga.
Sorffrecher, erſchrecken, Ta-
pecſarpà.
Forſtrechis erſchreckt werden,
Aunilapoch.
Sorfüger, verſuchen, 80
pe
Forteller, erzehlen, rer
poc.
Fortoͤrner en, einen erzuͤrnen,
Nugacsſapoa.
Fortoͤrnis paa, worauf zor⸗
nig werden, Kingagnakau.
Fortryder, verdrießen, Pekit-
fimooch.
Forvarer „bewahren, To-
oppå,
Fratager, wegnehmen, Appz.
Orte bohren? " Aperch-
fopå. ;
G.
Gaar, gehen, Piſſapoch.
Gaar bert weggehen, Aula-
poch.
Gaar forbi, vorbey gehen,
Kangipoch.
Gaar iſkiull, heimlich gehen,
Taripoch.
Gaar BA, eingehen, Iar-
Poc
Giemmer, behalten, bewah⸗
ren, Manopa. .
Gientager, wegnehmen, U-
tectipa.
Gietter, giſſen, vermuthen,
opparä.
19015 geben, Tynia.
Gifver age paa, Acht wor
auf geben, Nacllacpoch.
295
Gifver glanz, Glantz von ſich
geben, Kiblaripoch.
Gifver liud fra fig, Laut von
ich geben, Syanapoch.
Gifver Nafvn, Nahm geben,
Aitſapoch. j
Gioͤr machen, thun, Senoå,
Gioͤr ſkade, Schaden thun,
Petlecä.
Gioͤr Ende paa, ein Ende
machen, Navoch.
Gioͤr hvatz, ſcharf machen,
Epickfapä.
Gioͤr fit behofv feine Noth⸗
durft thun, Annolapoch.
Gieſper, ſchnallen, zuſchnal⸗
len, Ekichſapoch.
Sr, glänzen, Kiblari«
Glatter, glatt machen, Ma-
nicſarpa.
Glaͤdis, erfreut werden, Sac;
mapoch.
Glemmer, vergeſſen,
poch.
Gnafver, gnabbeln, beiſſen,
Mangipoch.
Gnider, reiben, Aggiapoch.
Graͤder, weinen, Kiavoch.
Griner, greinen, lachen, Sis
ckongapoch. |
H.
Haͤdrer, hadern, Nallacpoch.
Hafver i Eye, ein Eigenthum
haben, Pekarpoch.
Hafver lyſt till, Luſt wozu
haben, Fer kusk um
Halter, halten, Sibbipoch.
Hendrifver, hintreiben, A-
jackopoch.
Henger op, aufhängen, In-
nioc
Henter
Pui-
2 4
.
Henter till, herhohlen, Avis.
Hielper, helfen, Kilo.
| ee aufhalten, Sora-
Se ‚hüpfen, Naingila-
poch. ' |
Hörer, hoͤren, Tuffachpä.
Hoeſter, huſten, Kueſſopoch.
Hugger af, abhauen, Kippuå.
Hunger, hungern, Kalekau-
poc 9
Hueßvaler, answehlen, Iman-
age :
I.
Igientager, wieder nehmen,
Ütertipä.
Ihielflaer, todtſchlagen, To-
cCkopà.
Judlacher, einſchlieſſen, Ier-
tipä.
diebe, inwickeln, ah
K.
Kiaͤdis ved, Erkeiafupoch,
Kalder, rufen, Toeklecpä,
Kalder ind, . Ifler-
ko2. -
Kand, koͤnnen, Ajungilach.
Kand iche, nicht koͤnnen, Aja-
poch,
Kaſter bort wegwerfen, Egig-
„„ |
Kiemmer, kemmen, Hlaju-
och.
Kiender, kennen, Iliferå.
Kioͤber, kaufen, Niverracfo:
poch.
Klaaer, Kunichpoch.
Kloͤfver, fpalten, Koppui.
juapoch.
Knytter, ſrucken, Kellerfops,
Anhang W
Koger, kochen ener.
poch Igavoch.
1 kommen, Aguc-
och,
8 for Biufet, vors acht
kommen, Nucoch.
Kommer igien, wieder kom⸗
men, Tickipoch.
Kommer tilbage, zurüchfome > \
men, Utschpoc. a
Kiedis ved, eker Häpoch-
Kratzer, kratzen, Killiactopoc.
Kyſſer, kuͤſſen, Kunichpoch.
id eſt Luchter, riechen.
NB. die bey den Groͤnlaͤndern
kuͤſſen, ſtecken die Naſen
zuſammen.
a bb. Anal!
Lader af, aͤblaſſen, Sorapoch.
Lad ſee, laß ſehen, Attagog.
Lader ſom, es ſcheint, es 5
ſet, Mittapoch.
Laͤger, medicari, heilen, curi⸗
ren, Kaitſapoch.
Leeder efter, Ujarpoch.
Leer, lachen, Iglapoch.
Laͤrer, lehren, Ajakorſopà.
Legger her, hinlegen, Elija. \
Legger mig ned, mich nieder⸗
legen, Irmachpoch,
7
* z * 7
L. å j
.
Lengis effter, wornach ver⸗ 1
langen, Neniopoch.
Licher, Alluctapoch.
Ligger, liegen, onen nr
Liufver, Seilokau,
Løber, laufen, Akpapoch.
Løber am kring, rund laufen,
Kavipoch.
Loͤber bort, weglaufen, Ki- 4
Klyfver 115 aufbleben „ DE | 9
Loͤfter, geloben, sagen, ? Ki N
1 00
vichpa. å
55
Anhang.
eoͤſer op, aufloͤſen, Killeru⸗
tapå.
. Bucher till zuſchlieſſen, Ma-
Sejle op, auffchlieffen, Mat-
tuacp EB
Lyder. ul j zuhoͤren, Nallac-
N
M.
Mangler, mangeln, P
gila.
Meener, meinen, Wang ed
Mindis, Miſſia.
Mindſker, Michliopoch. _
Mißhager, mißfallen , Nar-
roah,
Miſter, miſſen, Tamapoch.
Moͤder oder moͤthen, aufhal⸗
ten, Pahlapoch.
Moͤrckner, dunkel machen,
Taapech.
| DOREEN Kama.
ö
Pekan-
N.
Naaer, , nähen, annähern,
Innungila. el
Naͤfvner, nennen, Aitfei-
poch.
Nekafker, nieberiverfen, Ne-
ckactipà.
Nedſiunger, Kivioch.
Nyſer, nieſen, Tarripoch.
0.
Obne, oͤfnen, Mattuerpä.
- Dfverfiytter, hinüber siehen,
-Ufiachpä, |
| Ofbervinder en, einen uͤber⸗
winden, Actung Ha.
Opfylder, auffüllen Uglikar-
poet. .
297
Opkaſter af Mafven, auf.
ſtaffiren, Narriacpoch.
Oploͤffter, aufheben, Kanac⸗
tapoc. -
diefe, aufſoſen, Killamk-
ſap och.
Splichen, aufſchlieſſen, Ma-
cuachpä. |
3 anzuͤnden, Ekich-
Broder. anfmachen , Ei-
terchpoch.
Opvacher, aufwecken, Tin
‚pachpä
å 8 aufmachen 1 Ag-
lioch
A
P.
Paakalder, zurufen, Tanch-
ſachpà, Toclecpa.
Paa oͤßer, zugießen, Koya.
Patter, Mellupoch.
Pieber, pfeifen, Karlupoch,
Piſſer, Piſſen, Koyoch.
Pleyer, Pifferau,
Priſſer, preiſen, loben, O-
ſouga.
Beder, ſchmuͤcken, Pinerch-
Rp
Qvaͤder, Ingechpoch. ;
Dvålber, qvaͤler, Unnulec-
poch.
2
BR.
Maaber, rufen, Nibbliaſoch.
Raaber paa en, auf einen
ruffen, Toclecpa. _
Rammer, treffen, Erckapa.
Reddis, gerettet werden, Tup-
pacpoch.
T 5 Reyſer
| 208
Reyſer mig op, aufheben,
aufhelfen, Nekuepoch.
Rifver ned, niederreiſſen,
Perloà.
Rif ver i Stoͤcher, in Stücken
reiſſen, Aflerocpoch.
Roer paa en Baad, auf eis
nem Bothe rudern, Epu-
poch. |
8.
Samler „ſammlen, Ekitta-
poch.
Samtycher, Gewiſſensruͤge
empfinden, Angechpoch,
Seer, ſehen, Teckoå.
Seigler, ſiegeln, Tichfiapoch.
Setter mig ned, mich nieder⸗
ſetzen, Inipoå. |
Eiger, fagen, Okalupoch.
Siuder, ſieden, Kallapoluch-
poch.
Siunger, ſingen,
poch.
Skader, ſchaden, Petleka.
Skimer, ſcheinen, Kiblari-
poch.
Skiuder, ſtoſſen, fortſtoſſen,
Egichpoch ſ. Aulerioch.
1 verſtecken, Idarc-
Straber af, abſchaben, Kil-
„ Iactopa.
Skrechis, erſchreckt werden,
Tuppakau.
Skrifver, ſchreiben, Aglech-
poch.
a ſchlagen, Tiglupä.
&iaer feill, fehlſchlagen, Ta-
mapoch.
Slaer ichiell, todtſchlagen,
Tokoppa. '
Slais, geſchlagen werden, Pa-
poch.
Anhang.
Slucher ud, auslöschen, Ka-
michpoch.
e ſchmecken ; Okto- |
och.
Smile, ſchmauſen, Kunga-
jupoch.
Suacher, ſchnacken, reden,
Okaluppoch.
Snapper, Stieler, ſtehlen,
Tiglipoch.
a „ſchneyen, Kanich-
och.
Scr ſchlafen, Sinipaa-
poch. mer
Soger effter, nachſuchen,
Ujarcpoch.
Sørger, forgen, Alliuſapoch.
Spuͤſer, fpeifen , Maneto-
poch.
Epot ger; fragen, Apperch-
fopoch.
Sppytter, ſpeyen, Kiffach-
Imnach- |
poch.
Springer op, ufbeinge,
Meſikſ a.
Springer ned, niederſpringen,
Piglach.
Springer over, überfpeingen, |
Akimechpä.
Spyer, num Vomere? Nor-
riachpoch.
Staar, ſtehen, Kikakpoch.
Staar oben, offen ſtehen,
Magerſimavoch.
Staar op, auffichen, Ne-
kucpoch.
Staar ſtille, ſtille ſtehen, N
gioch,
Stammer, ſtammeln, Ipto- |
recpoch.
Strecher, ſich teten, Teit-
fecha, %.
Sticher, ſtechen, Kappus.
Stieler, filen, ir
Stiller 4
'
Anhang.
Stiller till fred, zufrieden
ſtellen, Imangechpoch.
Styrer, ſteuren, Ackopoch.
Syer nehen, Mechſopoch.
Syncher ned, Mie inken,
Kiviä.
N
Tencher paa, worauf denken,
Ekarſapoch.
Tager fra en, von einander
nehmen, Ackfapå.
Tager ofver haand, uͤberhand
nehmen, Angilecka.
Taler, ſprechen, Okallopoch.
Teller, zehlen, Kiſſipoch.
Tier, ſchweigen Nepangi-
poch.
Toer, waſchen, Eructopoch.
Tordner, donnern, Kallec-
poch.
Torrer, duͤrren, trocknen,
Pennerckſapaà.
Tor driſter mich till, dürfen,
Sappinailangà.
Tor iche, nicht dürfen, Sap-
perpoch.
Trettis,
Kaſſikau. :
Troer, trauen, glauben, Op-
pecpoch.
Trygler, e
Dogger, Tamoavoch.
getreten werden,
V.
Vaad vaͤre, naß ſeyn, Kau-
ſecpoch. ,
Vaager, wachen, Erkomma-
voch,
Vogner op, aufwachen Elech-
och.
Bache op, aufwecken, Eter-
apa.
299
Vemnis, erwartet werden?
Maviapoch.
Varmer, w waͤrmen, Keierſa-
poch.
Udfritter, ausbohren, Aperr
ſopoch.
Udgaar, ausgehen, Anniech.
Udlader, aufladen, Annipa.
Veed ich af, nichts davon
wiſſen, Nellolarreitſioch.
Vill endelich hafve, wills
endlich haben, Piomooch.
Vill iche, nicht wollen, Pio-
mangilà.
Vill iche vare med, ich will
nicht mit, Arparamangi-
lac.
Villade mit Vand, Koerra-
mooch.
Vuͤſer, weiſen, Ajekarſopà.
Vorder aften, Abend werden,
Unnulecpoch.
Vorder gammel, alt werden,
Utrokarfuangopoch.
Vorder ſtoͤrre, groß werden,
Aglilecpoch.
Vorder lefvendis, lebendig
werden, Umapoch. .
Vorder heed, heiß werden,
Kirſalecpoch.
Vorder dofv, truͤbe werden,
Tuſſilectſungopoch.
Vorder tilpes, zurecht und HR
Koitfa= ;
begvem werden,
och.
Voxer, wachſen, Aglakau.
Vraͤnger efter en, nach einem
ſehnlich verlangen, Irch=
fupa.
Yi
Yncher, num Verküngern z
Umaſarpoch.
; Appen-
300 155 Anhang. | |
asset x
APPENDIX 7 AR
75
Formularum e ufitatifimarum.
N Ä
Be lidet, warte ein wenig, vötklle. SÅ
Hror er hand, wo ift er? nau. | |
Gifo mig det hid, gieb mir das her, kaiſut.
Der har du det, da haſt du es, aich. |
Jeg har iche fenet det, id) habe es nicht gekriegt, Pingtlabgar
Er det til ledt maar ieg, iſt das zugelaſſen, mag ich wohl, nareit.
Det er i ſtocher, das ift in Stücken, aliktonich. 5
Hvad er det? was ift das? ſuna ?
Jeg ved iche hvad det er, Ich weiß nicht was es ift, ſunamd.
Kom hid, komm her, kackeit.
Gaar bort, gehe fort, aulareit. BEN 46
Set dig net, fee dich nieder, initit.
Staar op, ſtehe auf, neknetit.
Hvem hoͤrer det til, wem gehoͤret das zu, kiapis
Hvad heeder, was heißt es? kina ibbli? |
Hvad heeder hand? wie heißt er? kinn. *
Jeg ved iche hvad hand heeder,ich weiß nicht wie er bei e ne
kichſa.
" Hvad will du hafer derfor, was wilſt du dafuͤr haben, fumik
Hvad gaf du der for, was gabſt du dafuͤr? ſiomackia.
Hvem har giort det? wer hat das gethan? kia ſenoa.
Lad wich fee det foͤrſt, laß es mich erſt ſehen, kame lorloa.
Gifv mig det, gieb mirs, tyniect f. tynieith.
Maar geg hafve det, mag ichs haben, piglaeit, |
Iloͤt dig hid, komme her, kaijomit. | |
Floͤt dig bort, packe dich fort, fackiomit.. ende
Hend det hid, hohle es her, agiuch. m Ba å
Fortell noget, erzehle was, okalactuareit. 00
See her, fiehe hier, areit. | ER
XX
Hvad fal d det till? wozu foll das? ſuchſach.
Lad det våre; laß es ſeyn, ramaile. |
Saaledis bruger vi, oder, er vor maneer, ſolches bung wir,
oder es iſt unſere Manier, taima piſſeragut.
Gaar af liuſet, gehe aus dem Lichte, tarutareit.
Er du iche bange for ham? iſt dir nicht bange vor ihm?
eichſiri Aale a
Dag
Anhang. AP 301
1 Dag, heutiges Tages, voitfach.
J gaar, ich gehe, epeiſach. i
Det hoͤrer mig iche till, das gehoͤret mir nicht zu, plingtla.
Er det iche fand? ift dag nicht wahr? illå. |
Spor ham der om, frage ihn darum, attiule.
Lad ham kom hid, laß ihn herkommen, okaile.
Skynder feder, eilet euch, macht fort, aſfloruſe.
Lad hoͤre hvorledis var det, laſt hoͤren, wie war es? kannoih”
Hvar vill du gaar hen? wo willſt du hingehen? ſuſuich?
Hwad feiler ham? was fehlet ihm? Lulleka. 5
Hwem hos, bey wem, kimit.
Skond dig, eile, mache fort, ackonit.
8 Morgen, dieſen Morgen, akkago.
Jeg har iche feet dich for, ich habe dich vor dieſen nicht oben,
‚teckongokägil.
lige nu, terſa.
Naar Vinden ſtillis, wenn der Wind geſtillet, annoe niptapet.
i Du fagde det jo, du ſagteſt es ja, ufima,
Jeg kiender dig, ich kenne dich, iliſerait. j
Naar jeg har giort det ferdig, wenn ich es fertig gewalt; in⸗
noröcko.
Har du faart Mad? haft du zu eſſen bekommen? mama topelt?
Jeg har iche faart mad, ich habe nicht i effen gekriegt, mama
tungi anga.
Har du iche feet mig för, haft du mich vor dem nicht geſehen, ”
; teckongiochpiugå, i
Du flog feilf, du ſchlugeſt fehl, tama kautit.
Tag det met dig, nimms mit dir, nachſalie c.
Forſog, verſuche, koſte, arragc. å
En anden Dag, einen andern Tag, kaupet. |
Suͤg det, fage es, okäreit. |
Beed ham der om, bitte ihn drum, innerſuch. |
Naar det blifver god Veier, wenns gut Wetter wird ‚kaffapet.
See wee hand bår ſig ad, ſiehe wie er ſich gebehret, oder
ch ſtellet, tagifaugæ. |
Er det faa? iſt es fo? acit.
Neſt forleeden, nechft vergangen, ipſach.
Det er lenge ſiden, es iſt lange her, it lach.
Der de kare bort farne, da waren ſie fort, oder weggefchieh
‚au ameta,
Hoͤr till, höre zu, ailta.
Skal eg gar indes soll ich hinein gehen? 1
J hars Rum, in ſeinem Platz, inna.
Det er ligeſom, das ift. einerley, ſlorlo. |
5 Naar
302 N Anhang.
Naar det Hormeerig, wenn es vermehrt wird, ae AR
Naar det, mickekanget, | 3:
En Part, Somme, ein Theil, illeo. |
' Jeg vorſer dig at våre ſmuch, ich lobe dich, daß du chen bit,
pi ngeragit. N
Jeg har giort Ende der paa, ich habe ein Ende davon ge⸗
9 macht, nauack a.
Har du giort det, haft dus gemacht, ſonoiuch.
Hörer du iche? hoͤrſt du nicht? tus ſilikeit. | fe.
Gior det, thue es, ſenau. N .
Lat es gaar hiem igien, laßt uns wieder heim gehen, angerlata.
Hvad ſagde hand? was ſagte er? ſuacg.
Hvor da, wo da, an welchem Orte, ſun.
Det ſagde jeg dig for, das ſagte ich dir zuvor, i ima Bioloppoit
Tie ſtille, ſchweig ſtille, nepaugarit.
Hvorfra? woher? kickud. AR 8
Hvorkhen? wohin? fuckud? i SD
Mens hand fofr, aber er ſchlief, finipårame; 0
Der fom du äder det, defaar du ont der af, wofern bu bavon
iſſeſt, wird es dir übel bekommen, norriocko igmenie
‚ pekennoatit. |
Jeg ſkal flae dig, ich fol dich ſchlagen, tigliſfoügit.
Det var paa ſaadom ſtoͤrrelſſe, es war von der Große, taima
8 att ice. Wa
Jeg lyfverfor dig, ich liege dir vor, ſeiglokitpogit.
Foͤrſte gang, den erſten Gang, oder das erſte mahl, fngårlamie,
An den gang, das andere mahl, kingürlamie.
Hand bad dig der om, er bate dich drum, tuchfiachpatit,
Maa jeg ſidde ned, mag ich niederſitzen, ingerlaeit. |
See hvilchen en modvillig Compagnon, ſeht was ein muthwil⸗
liger Compan, inerchtiſſa uniſock tauto kauma.
Hand lyder dig iche ad, er fraͤgt nichts nach dir, iner&iffang-
nilatit.
ö Det er ingen Konſt at giore, das iſt keine Kunſt zu thun,
ajonnaingiloch.
Det komm er big iche ved, da bekuͤmmer du dich nicht darum,
1 kafåppoit.
Gaar ud, gehe heraus, anneit.
Hoorledis bar hand ſig ed, wie giebt er ſich zu, Kaundeh
illelluo.
Vill du gaar efter det, wilſt du darnach gehen, oder es holen,
N: agiucheit.
Vill du gaar med mig, wilſt du mit mir gehen? aipatlingeit:
Lad os gaar ud, laſt uns ausgehen, fillamul pifa
' Jeg ’
Anhang, AD DM 303
Jey troer hand maar vaͤre ind, ich glaube er werde babiem |
feyn, kamenekokan.
Hand aͤrer dig, er ehret dich, nallacpatit.
For di de vare trete, denn fie find muͤde, kaſſokangamoc.
Uforſtaaeli, unverſtaͤndlich, nellonekau.
Lad mig giore det forſt, laß mich das erſt thun, ſenelorlogo.
Hand er alt kommen hid, er ift ſchon hergekommen, mave pyock.
Betalt mig det, bezahlet es mir, ackillikit.
Lat det iche falde ned, laß es nicht nieder fallen, nekatſounugo.
En Info, ein Dieb, tiglikajuctunguach.
Kand du iche, da tag det hid, kanſt du nicht, da nimms hin,
ajoråko kakiuch.
Hand fügt, er ſagt, nangminech. |
Har ingen Klaͤder paa, er hat keine Kleider an, tamma
kangilach.
Jeg meente det, var faa, ich meinte es wäre fo, uſtübba.
Og juſt var dat ſaa, und eben war es ſo, ſuna 9 18
Vi kom for ſilde, wir kommen zu ſpaͤt, kiugochpogut.
Hvat har du kiobt, was haft du gekaufft? Funiepiflivie.
Hoem er los os? wer ift bey uns? kikunésra.
Met dent, darmit, matuminga. i
Paa dend ſted, auf der Stelle, Farfan | '
Hand vill du ſkall wäre der, er will du ſollſt da h de ter.
fanckoatit.
Jeg troer dig, ich glaube dir, opperrakägit.
Jeg ville noch hafer det, ich wills noch haben, Fatale
poüga.
Hand er vere end et beſt, nes ſaconic ſorejavoch.
Jeg fatter det vell, ich faſſe es wohl, nellonginnapecka,
Lad fee du f Fonber dig, laß ſehen, du eileft dich, attauta tuo-
viorlotit.
Hand gaar af veyen, oder tager ilde iche afſted, er gehet aus dem
Wege, oder er gehet weg, ſenminut faiapoch.
Du er Herte ofver dem, du biſt Herr daruͤber, ockonut nale
gåotit.
Det er iche at leeachet, darum iſt nicht fu lachen, tipfineingi-
la, ;
Det er mig iche behageligt, das gefällt mir nicht, piominein-
gilack.
En ſted hvor mange Fold) bor, ein Ort wo viele Leute wohnen,
innuihochſuig.
W
FO R-
„ ere 0 wo !
nber
CONIVGANDI VERBVM
NEGLIGPVNGA T. NEGLISSARAVNGA,
BIN INDICATIVVS
i: 74
5
P R ES E N S.
en liebe, Neglig gpunga, Jer Negliſſaraunga.
Du liebeſt, Neglipotit., Negliffaravit.
Er liebet, Negligpoch, Negliſſarau.
Plur. Mir (viele) lieben, Negligpogut, Negliſſarägut.
Dual. Mir (zweene) lieben „Negligpoguk, Negliſſarauk.
Ihr (viele) liebet, Negligpouſe, Negliſſarauſe.
Ihr (beyde) liebet, Neglipoutik, Negliſſarautik.
Sie lieben, Negligput, Negliſſaräut.
Sie (zweene) lieben, Neglipuk, Negliflarük,
Ita Veen Negativum: Neglingilänga, Ich liebe nicht.
Neglingilanga, Neglingilatit, Neglingilak, Neglingilsut.
Neglingiauk; e Neglingilatik, Neglingilet,
Neglingilek.
Die Pronomina oder ae fut aufe wie⸗
derum eine neue Beraubeaung, in den ölerionen, 5. E in fol⸗
genden:
Negligpagit, ich liebe dich. Nagligpama du lebeſt mich. i
Jedoch ift weiter zu mercken: daß, obgleich die Verba flecti⸗
ret wuͤrden ohne Particul, wie aus obſtehenden zu ſehen; ſo
moͤgen doch zuweilen gewiſſe Perſonen beydes in Singulari
und Plurali ausgedruͤcket werden, mit dieſen à part beygeſetz⸗
ten Particuln und Pronominibus, als: Uanga, ich. Iblit,
du. Omo, Uno, Tauno, er, fie, das. Uagut, wir. In
Duali, Uaguk, wir zweene. IIlibſe, ihr. Ilibtik, ihr Zwee⸗
ne. Okko, Tauko, fie in Mafcul. fie in Foemin. Ex. gr.
Negligpauſe, ich liebe euch. Uagut neglipauſe, wir lieben
euch. Negligpanga, er liebet mich. Ocko negligpanga, fie
lieben mich. Doch verſtehet ſich dieſes auch alſo vor ficht ſelbſt
aus der Rede und der when Sache e 16
NS
2
\
- + 7 )
\ his
7 - 2 ' Sd ; k - |
7 > 1 —
i 2 A
ne Zuſatz einiger Particuln, Ex. gr. Gud negligpätigut,
Gott der liebet uns. Innuit ese Menſthen die lie⸗
ben uns
Modus o
Ich liebe dich, Negligpagit, oder Negligpaukit, oder Neglif-
| ſarägit.
Ich liebe ihn Negligpara, oder NWegliflaräga.
Ich liebe euch, Negligpauſe, NMegliflarauſe.
Ich liebe euch zween, Neglipautik; Negliſtarautik.
Ich liebe fie, Negligpacka, Neglliſſaracka.
Ichbliebe ſie zween, ee Negliſſaraika.
Du liebeſt mich, „ Nesligparma, oder Negliffaragma..
Du liebeſt ihn, Negligpet, b i Neglift: H
Du liebeſt uns, Neglipautigut, Negliffirautigut.
Du liebeft ung zween, Neglipautiguk, Negliſfarautiguk. HR
Du liebeſt fie, Neglipatit, Negliffarautit, fc. tauko.
Du liebeſt fie zween, Negligpatik; Negliffhratik; fc. tauko:
Er liebet mich, Negligpänga, oder Negliſfſaränga.
Er liebet dich, Negligpätit. Negliſſarätit.
Er liebet ihn, Negligpå; - Negliffärs.
Er liebet uns, Negligpätigutr, Negliffarätigur.
Er liebet ung zwee, Negligpätiguk; Negliffäratiguk:
Er lieber euch, Negligpafe. Negliſſaraſe.
Er liebt euch zwey, Wegligpatik, Negliſſaratik.
Er liebet fie, Negligp ei . Negliffarei.
Er liebet ſie zweene, Negligpek Negliffärck
Wir lieben dich, k Negligpatigit, De Neglift: rautigie,
Wir lieben ihn „ Negligparäput, N egliffaraput,
Wir lieben euch, Neglipauſe, Negliſſarauſe.
Wir lieben euch zwey, Negligpautik, Negliffarautik,
Wir lieben fie, Tauko negligparput. Negliffaraput.
Wir lieben die zwey, Tauko e e
Ihr liebet mich, 5 oder Negliffaraåfinga:
Ihr liebet ihn, Negligpauſinna Negliſſarauſinna.
Ihr liebet uns, Negligpauſigut, ‚ . Negliffaraufigur:
Ihr liebet uns zweene, Negligpauſiguk, Negliſſarauſiguk.
Sør lichen, fie, Negligpaufi ocko Neglilirau. 6cko:
| u | Sie
306 | | Anbang.
* i
N \
Sie lieben mich, Tauko oder Ocko negligpanga, oder Ne- 4
gliſlaranga.
Gie lieben dich, - negligpätit, Negliſſaratit.
Sie lieben ihn, — negligpaet Negliffäraet,
Sie lieben uns, - negligpätigut Negliſſaratigut.
Sie lieben uns zweene, negligpätiguk Negliſſarätiguk.
Sie lieben euch, - negligpafe, Negliſſaraſe
Sie lieben euch zweene negligpatik, Negliſſaratik.
Sie lieben fie, - negligpeit, Neglifläreit.
Sie lieben fie zweene 1 negligpeick, mt n
Alſo auch das Verbum negativum :
Neglingilagit, Neglingilara, Neglingilaüfe, Neglingila-
tik, Neglingiläcka, Neglingilecka, &c.
Præteritum.
Ich habe geliebet, oder ich liebete, Neglitunga.
Du haft geliebet, Negligtorit.
Er hat geliebet, Negligtuaepoc, oder Neseligtok,
Wir haben geliebet, 1
Wir zweene haben geliebet, Negligtoguk.
Ihr habt geliebet, Negligtoſe.
Ihr zweene habt geliebet Negligtotik.
Sie haben geliebet, Negligtuacput, oder Negligtut.
Sie zweene haben geliebet, Negligtuacpuk, oder Negligruk.
Suffixæ ſindizwar wohl hier eben dieſelbe, wie in Præfenti
werden doch aber alſo flectirt:
Ich habe dich geliebet, Negligtuacpagit, oder Negligkiukit.
Ich habe ihn geliebet, Negligtuacpara oder Negligkiga.
Ich habe euch geliebet, Negligtuacpauſe, oder Negligkiufe.
Ich habe euch zwey geliebet ; Negligtuacpautik, oder Ne-
gligkiutik.
Ich habe ſie geliebet, N cee e oder Negligkiüka.
Ich habe ſie zwey geliebet, Negligtuacpicka, ma neg
ICRA ;
Du haft mid seller; Negligtuarepagma, oder Negligkägma.
Du haft ihn geliebet, Neglituarepèt, oder Negligker.
Du haſt uns geliebet „Negligtuarepäutigut, der Neglig-
kiatigut. |
Du haft ung zwey Stligber, Negligtuarepautiguk, oder Neglig-
kiutiguk.
Du
Anhang. 307
Du bar fie geliebet, Negligtuacpårit, oder Negligkitit.
Du haft fie zwey geliebet, N egligtuacpatick, oder Negligkikit.
Er hat mich geliebet, Negligtuarep n ga, oder Negligkanga.
Er hat dich geliebet, Negligtuacpätit, oder Neglikarit
Er hat uns geliebet, Negligruacpatigut, oder Negligkätigur.
Er hat uns zwey geliebet, Negligtuacpätiguk, 1 18
arıguk
Er hat euch geliebet, Negligtuarepafe, oder Negligkäfe.
Er hat euch zwey geliebet ‚ Negligtuacpatik, oder N egligkåti k
Er hat fie geliebet, Negligtuarepei, oderNegligkei.
Er hat fie zwey geliebet, Negligtuarepik, oder Negligkik.
Wir haben dich geliebet, Nesligtuacpaütigit, oder Neglig-
kiutigit,
Wir haben ihn geliebet, Negligtacpäput, oder Negligkiput.
Wir haben euch geliebet, Negligtuacpauſe, oder Negligkiuſe.
Wir haben euch zwey geliebet, Negligeuacpautik, oder Ne-
gligkiutik
Wir haben ſie geliebet ; Tauko negligtuacpaput, oder Ne-
7 . gliskiput.
Wir haben ſie zwey geliebet, Tauko negligtuacpapuk, oder
re | Negligkipuk.
Ihr habt mich geliebet, Negligtuacpatiinge, oder Neglig-
iüſinga.
Ihr habt ihn geliebet, Neglituacpauſiüna, oder ‚Nee egligkiu-
ıuna. i
Ihr habt uns geliebet, Negligtuacpauſigut, oder Neglig=
EkEluſigur.
Ihr habt uns beyde geliebet, Negligtuacpaufiguk , oder
Negligkiufiguk. At
Ihr habt fie gelicher, Negligtuacpaüfi ocko, oder Neglig
kiufi ocko.
Ihr habt ſie beyde geliebet, Neglituacpaufi ocko
Sie haben mich geliebet, Tauko negligtuacpanga, oder
negligkanga.
Sie haben dich geliehen, Tauko negligtuacpatit, oder neglig-
katit.
Sie haben ihn geltebe, Tauko neglituakpaet, oder negligkaét,
Sie haben uns geliebet, Tauko negligtuacpätigut; oder ne⸗
- gligkåtigut.
Sie haben uns beyde gelfebet, Tauko negligtuacpatiguk,
oder negligkatiguk.
u 2 Sie
NA —
306 Hy Anhang. 2
Siehaben euch geliebet Tauko negligtuacpaſe, oder Kerle.
Sie haben euch beyde geliebet, Tauko negligtuacpatik, oder
negligkatik.
Sie haben fi egeliebet, Tauko negliguacpeit, oder negliskeit. m
NB. Ich habe in denen Tem poribus zwar einige Anomalien
obſerviret, aber ich kann gleichwohl dießfalls noch nichts
gewiſſes ſagen, weil ich des rechten Grundes ermangele.
Verbum negativum, wird auch flectiret wie obiges, nemlich: :
Neglingitſunga, Neglingitſolit, N eglingitſoch etc.
Alſo auch i in Suffixis:
Neglingituacpägit, oder inc Wenke ehe
oder Neglingickigà etc.
„
| Futurum. |
Ich werde lieben, Negliffounga. Ich will laber, Negligo-
mapoünga.’ |
Du wirſt lieben, 1 Du willſt lieben, Negligo⸗
mapotit.
Er wird lieben, Negliſſooch. Er will lieben, Negligomapock.
Wir werden lieben, Negliſſogut. Wir wollen lieben, Negli-
gomapogut. i
Wir zwey werden lieben, Nesliffoguk. Wir zwey wollen lieben,
Negligomapoguk.
Ihr werdet lieben, Negliſſuſe. Ihr wollet lieben, Negligo-
5 1 mapoſe. )
Ihr bende werdet lieben, Negliffutik. Ihr beyde wolle lieben,
N egligomapotik.
Sie werden lieben, Negliſſapuc. Sie wollen lieben, Negligo-
maput. * i
Sie zwey werden lieben, Negliſſapuk. Sie zwey 1 lieben,
N e enke,
Auf gleiche Art gehet das Bela negativum:
Negliſſingilänga, Ich werde nicht lieben. Negligomangilän«
ga, Ich will nicht lieben.
Sate find hier dieſelbe, als im Praeſenti:
Negliffoägit, Ich 1 dich lieben. Negliſſara, Ich werde
ihn de uff. BE
Lager
Anhang. 100
Imperativus Modus.
| Prefens. |
Liebe du, Negligniareit, oder Negligit, | N
Daß erliebe, Neglile. |
Liebet ihr, Negligiarite, oder Negligitfe,
Liebet ihr beyde, Negligilik.
Laſſet uns lieben, Neglieta. |
Daß fie lieben, Negligit. Dual, Neglilik.
Cum ſuffixis: Negativum:
Liebe du mich, Neglinga. Neglingnanga.
Liebe du ihn, Negliguk, Neglignago.
Liebe du uns, Negligtigut, Neglignata.
Liebe du uns beyde, Negligtiguk, Neglignaguk
Liebe du fie, Negligkit, Negignagit.
Liebe du ſie zwey, Negligkik, Neglignagik.
Liebet ihr mich, Negliſſinga, Neglingnanga.
Liebet ihr ihn, Negliſſiguk, Neglingnaſiuk. Sr
Liebet ihr uns, Negliſſigutr, Neglingnatigut,
Lie bet ihr uns bende, Neglifiguk, Neglingnatiguk |
Liebet ihr fie, Negliſſigkit, Neglingnaſigit.
Liebet ihr fie zwey, Negliſſikik, Neglingnafigik. -
Laßt ihn mich lieben, Negligling, Neglingnanga.
Laßt ihn dich lieben, Negligliſit, Neglignatit. |
Laßt ihn uns lieben, Negliglifigut, Neglingnatigut.
Laßt ihn uns zwey lieben, Negliglfiguk. Neglingnatiguk.
Laßt ihn euch lieben, Negligliſe, Neglingnaſe.
Laßt ihn euch beyde lieben, Negliglitit, Neglingnagit.
Laßt ihn fie lieben, Negliglifigik, Neglingnatigik !
= Laßt fie mid lieben, Ocko negliglinga. Neglingnanga.
Laßt ſie dich lieben, Ocko negliſit, Neglingnatit.
Lafit fie uns lieben, Ocko negligtiſigut, Neglingnätigut.
Laßt ſie uns beyde lieben, Ocko negligliſiguk, Neglignätigux.
Laßt fie euch lieben, Ocke negligliſe, Neglingnaſe.
Laßt fie euch beyde lieben, Ockonegliglitik, Neglingnatik.
Laßt ſie ſie lieben, Ocko negliglifigit, Neglingnatigit.
Laßt ſie fie bepde lieben, Ocko negliglifigik, Neglingnatigik.
3 Modus
310 e SA
Modus Interrogativus.
Præſens.
Liebe ich, Negligpunga.
Liebeſt du, Negligpit.
Liebet er, Negligpa.
Lieben wir, Negligpogut
Lieben wir zweene, Negligpoguk.
Liebet ihr, Negligpiſe.
Liebet ihr beyde, Wegligpitik.
Lieben fie, Negligpait.
Lieben fie bende , Negligpaik.
Das Negativum eben fü. Negativ.
Liebeſt du mich, Negligpinga. | Netlingilinga.
Liebt er mich, Negligpanga. Neglingilanga.
Liebet ihr mich „Negligpilings. f Neglingilaſinga.
Liebet ihr beyde mich, Negligpitinga. | Neglingilätinga.
Lieben fie mich, Ocko negliganga. Ocko neglingſlanga.
Lieben fie zwey mich, Negligpainga. Neglingilainga.
Liebe ich dich, Negligpagit. Liebe ich ihn, Negligpara.
Liebet er dich, Negligpatit. Liebſt du ihn, Negligpieuk. Be
Lieben wir dich, Negligpantigit. Liebt er ihn, Negligpau.
Lieben wir beyde dich, Negligpautikit. Lieben wir ihn, Negliparput.
Lieben wir beyde ihn, Negligparpuk.
Lieben fie dich, Ocko Negligpatit. Liebet ihr ihn, Negligpifiuk.
Lieben ſie beyde dich, Negligpatik. Liebet ihr beyde ihn, Neglipicko.
Lieben ſie ihn, Negligparſuk.
So auch das Negativum. | Leben fie zwey ue Beeken 13
—
Liebeſt du uns, Negligpeutigut.
Liebet er uns, Negligpatigut.
Liebet ihr uns Negligpiſigut.
Lieben ſie uns, Ocko negligpatigut. |
Praeteritum und Futurum kommen mit dem Indicativo
überein.
Modus Cihan
Dieſer Modus, welcher durch die Particul dieweil, wenn ꝛe. ange⸗
deutet wird, fuͤhret abermal eine neue Veränderung in den
Flexionen. Zum Exempel: j
Præſens. Alſſo auch das Negativum.
Weil ich liebe, Negligkangama. ; Negliginnama. 5
DEN du liebeſt, Negligkanguit. Negliginnauit.
Weil
— 5
Fi
Anhang. en,
Weil er liebe, Nag Negliginname.
Weil wir lieben, Negliskangeüta. &c.
Weil ihr liebet, Negligkangeufe.
Weil ſie lieben, Negligkangamũ five meta.
/ Mit den Pronominibüs ſuffixls.
Weil ich dich liebe, Negligkangatukit, oder Negligkankit.
Weil ich ihn liebe, Negligſcangoſcke.
Weil ich euch liebe, Negligkangoicke.
Weil ich ſie liebe, Negliglangeuſe.
Weil ich ſie beyde liebe, A
Weil du mich liebeſt, Negligkagma.
Weil du ihn liebeſt, Neglikanko,
Well du uns liebeſt, Negligkangeütigut, oder Negligkaätigut.
Weil du uns beyde liebeſt, Negligkangeutiguk, oder? Negli gkautiguk.
Weil du ſie liebeſt, Negligkaukit. 5
Weil du fie beyde e Negligkaukik.
Weil er mich liebe, Negligkäminga.
Weil er dich liebe, Negligkangatit, oder Negligmatit.
Weil er ihn liebe, Negligkamiuk.
Weil er uns liebe, Negligkangiſigut, oder Negligkangätigut.
Weil er uns beyde liebe, Negligkamiſiguk, oder Negligmatiguk,
Weil er euch liebe, Neglikamiſe.
Weil er euch beyde liebe, Negligkamitik.
Weil er ſie liebe, Negliglamigit, oder Reg slang nig
Weil er fie beyde liebe, Negligkamigik.
Weil wir dich lieben, Negligkautigkit, oder Negligkangeuligkit.
Weil wir ihn lieben, Negligkangeutico, oder Negliokautigo.
Weil wir euch lieben, Negligkangeuſe, oder Negligkaufe.
Weil wir euch beyde lieben, Negligkangeutik.
Weil wir ſie lieben, Negligkautigit, oder N epligkangeutigie.
Weil wir fie zwey lieben, Negligkautigik, ER
Weil ihr mich liebet, Negligkangeuſinga, oder Negtet ts
Weil ihr ihn liebet, Negligkangeuſiuk, oder Negligkauſiuk.
Weil ihr uns liebet, Negligkangeufig gut, oder Negliokatfi igut.
Weil ihr uns beyde liebet, Negligkangeufiguk, oder Negligkaufiguk.
Weil ihr ſie liebet, Negligkangeufigit, oder Negligkaufigit.
Weil ihr ſie beyde lieber, Negligkangeufigik, oder ee
Weil ſie mich lieben, Tauko negligkamminga. |
= 15 Te ns negligkangatit, oder Negligmatit.
Weil ſie ihn lieben, Tauko negli kamiuk, oder Negligk Kk.
Weil ſie uns lieben, eee e e
Weil ſie uns beyde lieben, Negligkamigfigut,
u 4 a.
312 Anhang. ) A
Daß ſie euch lieben, Negliglamiſe. er W
Daß fie ſie lieben, Negligkamigit, oder Negikangamigit,
Daß fie fle beyde lieben, Wee ee LEN
Darum daß ich liebe, Negligkoma. |
Darum daß du liebeſt, Negligkoit. 9 0
Darum daß er liebe, Negliskone.
Darum daß wil lieben, Negligkoutit.
Darum wir beyde lieben, Negligkoutik.
Darum daß ihr liebet, Negligkoſe. ) >
Darum daß ihr zwey liebet, Negligkofik.
Darum daß fie lieben, Negligkomit.
Darum daß fie beyde lieben, Negligkomik. 2
Das Negativum gehet eben alſo
Wenn ich liebte, Negliffarangoma.
Wenn du liebteſt, Ne zliffarangoit.
Wenn er liebte, Negliflarangone.
Wenn wir liebten, Negloflarangeuta.
Wenn ihr liebtet, Negliſſarangeuſe.
Wenn ſie liebten, Negliffärangera,
Sr -
ich, Negliama.
du Negligoit. Por ee,
er Negligame. e
wir Negligauta. e
ihr Negligauſe. id | 1
ſie Negligmeta.
Die Suffixa in SA find wohl zum Theil, doch nicht i allen,
eben dieſelbe, wle in den vorigen ⸗⸗ = allein ich kann
dieſes alles 1119 nicht umſtaͤndlich darthun; nachdem dieſer
Modus abentheuerlich iſt, und wir noch au a dane keinen
vollkommenen Grund haben. |
Futurum Conjunctivi.
Daß ich werde lieben, Negligkullunga. AAN
Daß du werdeſt lieben, Negligkullutit, |
Daß er werde lieben, Negligkullugo.
Daß wir werden lieben, Negligkulluta.
Daß ihr werdet lieben, Negligkullufe.
Daß fie werden lieben, N Negligkullugit.
Modus Dubitarivus. e
Dieſer Modus wird angedeutet in der Endisung des Worte
durch das Woͤrtlein: Kökau, z. G.
Es kann ſeyn, daß er lieht, Negliſſa- kökau.
Er iſt ohne Pee darinn, Kämane-kekau.
Ba ET u en
ve 4
Modus Optativus. |
Zum Exempel: Sillan! sek, Ach! je ich koͤnute
leben.
Sillan! una piüminack, 9 daß ich es hätte.
Infinitivus modus findet ſich nicht in der Groͤnlaͤndiſchen S Spra⸗
che, auſſer wenn zwey Verba zuſammen kommen, und da lau⸗
tet es folgendergeſtalt:
Ich kann lieben, Negligneck afungilanga.
Ich kann machen, Senaneng ajungilanga.
Participium.
Liebend, oder einer, der da liebet, Negligtok, oder Neglingifok.
Diaß ſie Paſſiva haben, kann ich bis dato aus ihrer Sprache noch
nicht bemercken. Denn wenn ein Wort vorgefallen ift, dasi in
-unferer Sprache eine leidende Bedeutung hat, ſo wird ein
Activum mit einem andern Wort dafuͤr geſetzet. Aber das
Wort Aitſerpa, er rief ihn, wird wohl paflive gemacht Aic-
fifovock, er ſoll geruffen werden. Doch weiß ich nicht, ob es
begvemlicher gegeben würde, er fol heißen, item: Tocko-
lecpock, er ſtirbt, an Tekovok, er ift geſtorben.
De Nomine.
Das Nomen fubſtantivum leidet keine Veraͤnderung, als nur in
Caſu genitivo, der ſich endiget mit B. D. auch M. Z. E.
Gudib nianga, Gottes Sohn. Killab ſenarſoc, Himmels
Schoͤpfer. Koem aka, des Fluſſes Name. Sonſt heiſſet
Koec ein Fluß. ;
Numeros hat man drey, wie in den Verbis, nemlich den Singula-
rem, Dualem und Pluralem,
Innug, ein Menſch. Innuk, zweene Menſchen. Innuit, viele
Menſchen. Iglock, ein Haus. Igluk, zwey Haͤuſer. Igluit, viele
Haͤuſer. Llerbile eine Küfte. Itlerbeek, Itlerbeit.
(Forſ. itlerbulk.)
Nomina cum ſuffixis Pronominum.
Mein Haus,, Iogra. Mein Land, Nunagà, à Nuna-
6 das and.
Dein Haus, Ighır. Dein Land, Nunet, MV
Sein Haus, Igloa. Sein Land, Nuna
Unſer Haus, Iglogut, | Unſer Land, Nunaugut.
Euer Haus, Iglarfe. Euer Land, Nunarfe.
Ihr Haus, Igloaeét. Ihr Land, Nunaet.
Wenn eine 9 leg tion dazu koͤmmt, klingt es alſo: 5
Nunaüne, auf mein Land. Nunagne, auf dieſes Land.
Nunang, auf fein Land. | Nunaugtine, auf unſer Land.
Nunauſine, auff euer Land. Nunane, auf ihr Land.
| ; U 5 Nomina
74
5 1 .
Rt *
314 „ An
É Nomina Adjediva. 00 0
Dieſe endigen fich gemeiniglich auf kau und lak, oder auf ak. 8.
E. augekau, groß, piagakau, tuͤchtig, tauglich, Ajungilak, ſchoͤn,
herrlich. Ertintongilak, heißt gutthaͤtig, mildreich. Ingleichen auf
55 und tok, aber alsdann ift es ein Participium.
Das Participium ift omnis generis, z. €. angut, ee ein
großer Mann. Agnack, Angekau, lego: Agnekau, eine große Frau. |
a einige Exempel von den Gradibus
Comparationis:
Angekau, groß, Angekitja, ein klein wenig groͤßer, oder angecka,
groß, angekaik, f. angeſorſuak, allergroͤßeſte. Ferner mickekau,
klein, mickekitja, ein wenig kleiner, oder mickeka, etwas kleiner,
mickekaik oder mickekinguak, kleineſt.
Die Flexion geſchieht,! wie ſonſt ein ander Verbum petfonale/
Z. Exempel:
Angekaunga ich bin groß, Angekautit, du biſt groß, Angekau, er
iſt groß, Ange kaugut, wir ſind groß, Angekaufe, ihr ſeyd groß. An.
gekaut, ſie ſind groß. Und alſo auch in uͤbrigen Gradibus.
| Die eben Bebote Gottes.
Daͤniſch.
Deti Guds Bud.
En Gud ſkal du allene kene, alete og lofve.
Naar Guds Nafve fler Dvd nefvins, da ſkall du iche
ſkliempte, Gud blifver ellers rr og ſtrafter „„
Paa dend ſuͤfvende der tal du iche arbepde, men me
‚ne lofve Gud.
Aer och elsk dine ger faa fta du blifoe ond
le Jorden. |
Slae intet Menöte sic, vår iche heller bred 78 hom. 9
Du ml 10 un hafve og Leet en hußtoe a
(2
å
2
É 4
7 5 4 2
/ 7 1
N + x). Mg
Anhang. e
Du maar iche ſtiele.
N N \ 8
Lyfv iche paa Nogen.
9.
Begier iche det en anden 85 eg hand ey vill miſte.
Andens Quo, Sie eller Fan (fall du iche begiere
eller ſkade.
Herpaa ſiger Gud ſaaledis:
Jeg er allene Gud din Herre, en forf fredelig Gud og
ſtor Herre. Alle dem ſom ere mig ulydige, er jeg fiendsk, five
had er jeg, og ſkal kaſte dem til Diefvelen: Men bf lydige 5
SØ fer jeg og ſkall tage dem til I |
Deutſch.
* zehen Gebote Gottes.
Einen Gott ſollſt du alleine kennen, leben und glauben.
2.
Wenn Gottes Name, oder Wort, genennet wird, fole
du nicht ſchimpffen, Gott me ſonſt sernig und ſtraft dich.
Am ſiebenden Tage kr du nicht arbelten, 7 al⸗
lein Gott loben.
—
95 Ehre und liebe n Eltern, fo ſolſt du alt werden M |
rden.
Schlage keinen Menſchen tod, werde 1 nicht zornig
auf ihn. a
Du ſolt nur haben und 0 eine Ehefrau.
Du machſt nicht ſtehlen |
„
Liege nicht auf jemand.
U
A U
se Nigel ?
316 905 Anhang.
—
N
Begehre Kia eines en eigentümlich if ind er
nicht will miffen.
Eines andern Ehefrau 19 5 Dien oder Vieh, ſolt d
nicht begehren noch auch ſchaden. b. ö p 109
| Hierauf ſpricht Gott ea“ N
| Ich bin allein Gott dein Herr, ein ſchrecklicher Gott und |
großer Herr. Allen denen, fo mir ungehorſam find, bin ich
feind, oder haſſe ich und werde ſie werffen zum Teuffel: aber
nn liebe ich, und werde Pe ‚nehmen in hen Holme
me
Sröntindife, EA |
Gudib innecfatei kallinie 5
Gud kiſſiet e illilara ves eie ARE
foettog.
\ Gudib acka, five Okaluctz tais aranget, ee
gud ningeckennooch Pékennoätit. |
3.
Ullu arbone e fete le Gudimut oföu- 0
riaurniareit. a |
| 4.
Angoiokaet, nallekit Ne tave ira juan-
gyſſootit nuname. 0
5. 8 9 9
Innuch tockutſaunago, ningiklanaunaga?
6 i f
Nullia kiſſiet attauſe piſſoet, negliffoettog,
Atle pienic tigliſaünogo. |
Atlemut ſeigloſaunec.
Atle pienic esliganic P |
Atleb Nullia Kibgei 2575 attemiclo Fiona |
80 piſſaunago.
2 un
Anhang. 317
Tuppichså Gud tameſſa:
Uanga kiſſima Gud, Nallegarſuet Gud FE RR nao |
exignakau innuchmut tomarmio Uamnut inercticſauniſut
kingagnaraicka, tongarſumutlo egiffoacka. Innuit inertis
ſonactut neglipacka killac mutlo Pifloäcka. |
NB. In überſetzung der Gebote hat man nicht gäutzlich den |
Worten folgen koͤnnen, ſondern muß bis noch damit vergnügt
ſeyn, daß man einiger maſſen die Meinung ausdrucke.
Das Gebet des Herrn.
Daͤniſch.
Guds Sons Tale 1 Bott.
Fader vor, ſom er i Himmelen, dit Nafon våre roeffet
af Menffen, det dig tilhoͤr lad komme hid, l. dit ord om dig
underviß os udj. Naar du nill noget i Himmelen, lad det ach
ſaale des ſkiepaa Jorden. Gifv os i doch vor Mad. Vaͤr⸗
ne ihr vred, fordj vi ere udnelig, og hafve vaͤret dig ulydige,
de ſom ere vred paa uns, ere vi iche brede paa. Forſvaros
for Diefvelen. Det ſom iche duer, lad iche voͤr os. Himme⸗
len og alting hoͤre dig till, du er for og ro es vaͤrdig altid
Amen.
: Dieutſch.
Gottes Sohnes Rede, 1 Gebet.
Vater unſer, der iſt im Himmel, dein Name werde (mik
Lob) erhoben von den Menſchen, das dir zugehoͤret, laß her⸗
kommen, f. in dem Worte von dir (handelnd) unterweiſe uns.
Wenn du etwas wilſt im Himmel, laß das auch alſo geſchehen
auf Erden. Gieb uns heute unſere Speiſe. Zoͤrne nicht,
weil wir untuͤchtig, und dir ungehorſam geweſen find. Die
auf uns zuͤrnen, auf dieſelbe zuͤrnen wir nicht. Vertheidige
uns vor dem Teufel, was nicht taugt, laß uns nicht beruͤh⸗
ren. Himmel und alle. Dinge gehören dir. Du biſt groß
und preis wuͤrdig allezeit. Amen.
Groͤnlaͤndiſch.
Gudib Nianga Okatuctah.
Attätona killae métoch acket ofourrogle tähullmie,
Gudic pienic In „ okaluctah illignie ajokarſatigut,
ne alla
93 |
318 Anhang.
killac-me pekufarangovit, nunametog tameikille, ullame
mamanic tynifliut, Ningackinec ajoruta illignut iner&is
faügura, uaptinut ningacſatut ningis ingilacka, Tongarfumit
ſarnuctigut, ajor&tor fomich piſſauneta. Killac atlemicto
tomarmic piſit angeſor ſuotit ofournak äutitlo ipſaliame.
Amen. 1 i 55
NB. Vater uuſer kan gar nicht Wort für Wort uͤberſetzet werden.
Ein Gebet, a
Worinn die Grönländer ihre Unwiſſenheit und
Wahnſinnigkeit Gott dem Herrn
re vorſtellen.
: Duaͤniſc .
Saaledis ſkall i bede till Gud.
O! Gud, du er ſtor, du har giort Himmelen og Jorden
meget herlig. Vi Kalaler, ſom boer her udj Landet, hvorfo⸗
re ere vi ſaa galne? Gud Himmelens og Jordens Staber
kiende vi iche. Dußgifver os mad five Foͤde, men vi vuͤde iche
fra hovem det kommer. Vi tacher iche Gud. Saaledis ere
wi luͤge ſom de ufornuͤftige Diur, fordi wi iche tenche paa
Gud. Naar wi ere dode, veed wi iche hvor vi kommer hen.
Nu foͤrſt hafrer wi hore af Praͤſten. Fordi vi ere uduelige,
og iche kiende Gud, og elske Guds⸗Soͤn Jeſum Chriſt, ſom
er dod for os, ſkall hand henkaſte os till Diefvelen. O! Gud,
du er flov. Fordi du yuchis ofver os, og iche ville, at vi
flkall kome till Diefvelen. Da hafver du befallet dine Praͤ⸗
ſter, at die ſkulle komme hid, og fortelle os om Himmelens
Slaber. Vi ere elendige, farbarme dig ofver uns. Vi ere
galne, gioͤre os Klage. Diefvelen vil tage es, men frels du os
fra Difvelen. Lad os Gifre agt paa Praͤſtens tale. OGud!
du er ſtor. Lad os elske dig, fordi du er ſtor. Lad os frygde
dig, fordi du er vorskrechelig. Og fordi du har ſagt, at de
ſom iche frygte og elske dig, (fall du kaſte til Diefvelen i Hels
vede. Paa det, ſidſte naar vi dor, da gior os igien lefvende,
og lad os komme till dend udodelig Himmell. ag
Dieutſch.
Also ſollet ihr zu Gott beten. |
O Gott! du biſt groß, du haft Himmel und Erde ſeht
vorrlich gemacht. Wir Kalaler (auderwaͤrts ſtehet 15 |
„ VFL nacher
I
Anhang. e
nacher, in Groͤnland Kablunet) die hier im Lande wohnen,
warum ſind wir ſo unverſtaͤndig? Gott des Himmels und der
Erde Schoͤpfer kennen wir nicht. Du giebſt uns Speiſe, aber
wir wiſſen nicht von wem fie komme. Wir dancken Gott
nicht. Alſo ſind wir den unvernuͤnftigen Thieren gleich, denn
wir dencken nicht an Gott. Wenn wir ſterben, wiſſen wir
nicht wohin wir kommen. Nun haben wir zuerſt gehört von
den Prieſtern. Weil wir untuͤchtig ſind und Gott nicht ken⸗
nen, auch Gottes Sohn Jeſum Chriſt nicht lieben, der fuͤr uns
geſtorben iſt, wird er uns zu den Teufeln hinwerffen. Ach
Gott! du biſt groß, denn du herrſcheſt über uns, und wilſt
nicht, das wir zum Teufel kommen ſollen. Da haſt du befoh⸗
len deinen Prieſtern hieher zu kommen, und uns zu erzehlen
son des Himmels Schöpffer. Wir find elend, erbarme dich
über uns, wir find unverſtaͤndig, mache uns klug. Die Teu⸗
fel wollen uns nehmen, aber befreye du uns von den Teufeln.
Laß uns acht haben auf der Prieſter Rede. O Gott! du biſt
groß. Laß uns dich lieben, weil du groß biſt; laß uns dich
fürchten, weil du erſchrecklich biſt; und weil du geſaget haft,
daß du die, ſo dich nicht fuͤrchten, noch lieben, wilſt zu den
Teufeln in die Hoͤlle werffen. Endlich, wenn wir ſterben, ſo
mache uns wieder lebendig, und laß uns kommen in den un⸗
ſterblichen Himmel. 79 ig
Groͤnlaͤndiſch.
. Taima Gudimut okalyſſuſe.
Gudna angekatitit, killac Nunalo ajungiſorſuamic fe-
noet. Uagut kalale (alias kablunet) mane nunameerut,
Taaog filleropout? Gud. killab Nunalo Senarfoc illiferaingi _
ſilut. Nekichſanic tyniſſiut, kimit nelloärcput. Gudintut
kyangaſa ingilagut. Nerſutit fillaikangi tamac pout, Gudi-
mut eckarſaringimuta, togokuta ſumat nelloarcput aitheit
Pelleftemit tuſſarepout, ajorouta Guditog illiſeraingineuta,
neglifaringautago Gudib Nianga Jefus Chrift naptinut ſo-
kofoc Tongarfumut egiffoatignt. Gudna angekaurit, nap-
tinut umafat merigut I ongarſum utlo pekuſa tangi meligut,
Pelleſtit tamave ineppei kalalemut killac Senarſomic oka-
lukulluit. Pia ragült, umac ſartigut ſilleropaut, ſillac car-
lig fiut. Tongarſuc pie moatigut. Ibtile Tongarſumit ſar-
niutigut. Pelleſtib okaluctàh nallecta. Gudna! neglilagit
angekangoit, exiellagittog exignakaugoit, okarngittog illig-
nut
LÅN
ja EGE 0
nut exiågilut negliagiſutlo Tongarfuc ignamut egiffger. ne-
fa tockogüta, umatitigut, killae mutlo tockoskaungiſome
illignut pillat aeit. i \ N; |
Extract aus einigen kleinen Geſpraͤchen, die
der ſel. Herr Egedes, um die Grönländer ihrer
Unſinnigkeit und kuͤnfftigen Heymath zu
2 ce über fuͤh ron, aufgeſetzet. e
„ 1
Vi Kablunacher vare i beghndelſſen liegeſom van bitti⸗
ge, ſom vi og vige flet intet af Gud. Men der Gud ſente
ſine Praͤſter til os, ſom undervuͤſte os om Gud Himmelens
Slabere, da troede vi alleſamme pad Gud og gefve flittig agt
paa Perſterins undersvuͤſeing, og endun elsker vi Gud og
fkall og altid elsker hannem. J feer at vi morgen og aften
lofve Gud, disligiſte, naar wiſ kall faau Mad, og ofter vit vi
har faaet Mad, lofber og tacher vi Gud for Maden og Naͤ⸗
ringen. Hver ſiufvende Dag holde vi hellig, og arbeyhde in⸗
tet, men lofber Gud dend ganske Dag. Bi adlyde ochſaa
Gud. Derſom vi iche ſaa giorde, da kunde vi iche kommer
til Himmelen. Vill i nu og faa komme til Himmelen, hoor
i aldrig ſkal doͤr, da er det iche noch at troe. J mage och
faa lofbe Gud, Himmelens Slabere morgen og aften ligſaa
vi. I ſkall altid tache Gud for hand gifver Eder Naͤring.
Og naar i fett is Naͤring, du ſkall i bede Gud der om thi al⸗
ting hoͤr hannem till. Men hine Augekut lad farn, troe iche
hand de figer, fordi de dur intet, men ere Loͤgnere. Naar dend
Ide Dag kommer, da ſkal i intet arbeide giore, thi Gud holt
op dend Dag, der hand haf de ſkabt Himmel og Jordot. J
ſkall ligeſaa vi lofve Gud dend ganske Dag. J ſkall tache
hannem. at hand har giort Eder vorſtandige, allermeſt ſkal i
tache hannem, at hans Soͤner blefben Menſke og doͤd for
Eder, paa det i iche ſkulle komme til Diefvelen. Derfor elſk
Guds Son igien. J ſkall frygte dend forſ krechelige Gud, og
fortorne ham iche. Men fordi i iche giore ſaaledis, da kandi
iche heller komme til Himmelen, men Diefvelen ſkall tage E⸗
der, Thi allene de ſom frygte og elske Gud, ſkall komme til
Himmelen⸗ | 1 5
W
NR r Be
Anhang. | gar |
Deutſch.
i §. 9.
Wir Groͤnlaͤnder waren anfangs gleichſam unſinnig, l.
unvernuͤnftig, wie wir auch von Gott ſchlechterdings nichts
wuſten. Allein da ſandte Gott ſeine Prieſter zu uns, welche
uns unterwieſen von Gott dem Schöpfer des Himmels. Da
glaubten wir alleſamt an Gott, und gaben fleißig acht auf
der Prieſter Unterweiſung, und anfetzo lieben wir Gott, und
wollen ihn auch allezeit lieben. Ihr ſehet, daß wir Mor⸗
gens und Abends Gott loben, imgleichen, wenn wir wollen
eſſen, oder wenn wir gegeſſen haben, daß wir Gott loben und
dancken für die Speiſe und Nahrung. Jeden ſiebenden Tag
halten wir heilig und arbeiten nicht, ſondern loben Gott den
gantzen Tag. Wir verehren auch alſo Gott, wofern wir ſo nicht
thaͤten, ſo koͤnten wir nicht zum Himmel kommen. Wollet
ihr nun auch alſo in Himmel kommen, wo ihr nimmer ſter⸗
ben werdet, ſo iſt es nicht genug ſolches zu glauben. Ihr muͤſ⸗
fet auch alſo Gott den Schöpfer des Himmels loben Morgen
und Abends wie wir. Ihr muͤſſet Gott allezeit dafuͤr dancken, 8
das er euch Nahrung giebet. Und wenn ihr Nahrung zu
euch nehmet, fo ſollet ihr Gott dafür dancken, dem alles zus _
gehörig iſt. Aber euern Angekut laſſet fahren, glaubet nicht,
was fie ſagen, denn fie taugen nichts, ſondern find Lügner.
Wenn der 7de Tag komt, fo ſollt ihr keine Arbeit thun, indem
Gott auf den Tag haͤlt, der Himmel und Erde erſchaffen hat.
Ihr ſollt wie wir Gott loben den gantzen Tag. Ihr ſollt im
danken, daß er euch verſtaͤndig gemacht hat, allermeiſt ſolt
ihr ihm danken, daß ſein Sohn Menſch geworden und fuͤr
euch geſtorben iſt, auf daß ihr nicht fahren muͤſſet zum Teu⸗
fel. Darum liebet Gottes Sohn wieder. Ihr ſollt fuͤrchten
den erſchrecklichen Gott, und ihn nicht erzuͤrnen. Aber weil
ihr ſolches nicht thut, ſo koͤnnt ihr um ſo weniger in Himmel
kommen, ſondern der Teufel wird euch hohlen, allermaſſen
nur die allein, die Gott fürchten und / lieben, zum Himmel kom⸗
men werden. j 8 59
Groͤnlaͤndiſch.
9. a“
Uagut Kablunet fiurlamic ſorlo illipſe. Gud killao fenar- -
ſoc nelloacpùt, Gudib Pelestit uaptinut pammera, killac ſenarſo-
mic uaptinut okarmerà, fave, tamauta Gudimut oppecpout a
— ØR
N
ftib okalugå nelläcpaput Sulletog Gud neglipout, negliſſoacput
ipfaliome. Teckufarafe uagut ullakut unukullo Gudimur ofou-
garigut mamma torrugta tamaitaräguttog, neRichfänic tyniflarane _
gatigut. Ullu arbone marluugopeta ſeniſſaringilacput. Gud kis=
het, ullac tomait oſourarägut. Gudimutlo inerctoorägut. Tä-
meinikuta killacmut ajyfloalloacpout, killacmut tocko ſockangi-
Tome piomoüfe, oppernankiſſima nomangilach, Gudimut Killac
Senarfoc.ofouroifufe, ulläkut unnuk ullo ſorlouagut. Ipfalioc_
Gudimut Kyanaifufe, nekichſanic tynnimmaſe. Nekichſanic pe-
kangifa nangeufo Gudimut tüchſieiſſuſe, tomäfe piangagit. An-
gekutte ſeiglotörſuit allakit, okalucta opperriaunece ajortneta ſe-
iglömetog. Ullu arbone marlangöpeta ſeiſſaunece, Gud ſoramat᷑
killac Nunalo innermagit, ſorlo uagut ulloc tameit Gudimut ofo-
urroifüfe. Kyanächfiuch Sillalimic fenemmafe nekichfanic tyn-
nimmaſe. Akfut Gudimut Kyannaiſuſe Nianga innungumet il-
lipferiutlo tockomet Tongarfucmut peckongikullüfe. Gudib
Nianga tave akſut neglifiuch. ‚Gudimut imma exignakau exigiſ-
foarfe ningiflariainogo, taima pilfarangineufe, Killacmut ajyſ-
füfe Tongarſumutle piſſuſe. Kiſſiet Gudimut exitut negligtutlo
Gudib Niang Jeſ. Chr. Killiacmut piſſaput. ae
Daͤniſch.
| 10. , ge
Og ſom i vuͤde flet intet af Gud og Skaberen at fige;
da ud velger i andet ſom iche duer. J troer paa det fo fale
dede Angonchſach, og mener at det er noget koſteligt og at de
ſom ſodaant har ſkall bliefve helbred og iche fattis Naͤring,
men haføde i vill, da forffaer i vell at ſaadunt duer intet.
Thi hvor til ſkal et gamle ſtoͤche traͤer, been, Fuglekloer og
andet ſaadant Lumperie meer? J ſeer jo dat et duer intet, og
fand iche helbrede. Men ſodaent bruge i, fordi i vuͤde inter
af Gud. Hander dent allene ſom gior Eder helbreed naar
i ere ſiuge, og at i hafve Naͤring, dat kommer altſam men fra
Gud. J troer ochſaa hins Angekut og Loͤgnere, endog i vell
veed at duer intet. Hvor fore Hexer da iche an Dagen, og
naar det er lyſt, fan kant vi fee det. Men for di de lyfver,
de hexer de allene i moͤrchet og de ſiger de: Vi hafver vaͤret i
Himmelen og talt med Tongarſuch. Men de lyfver ufor⸗
ſkammet, thi vi veed noch, hvor de Loͤgnere bar fig ad. See!
dend ſtore Gud i Himmelen vill nu iche at J. ſkall hexe, hand i
blifver ellers meget vreed paa Eder. Hand vill iche heller af
i ſkall troe de Angekut og Loͤgnere. Men naar i fattig Når |
ring, eller ere foage da ſkall i allene bede till Gud, thi hand
hi | „ e
„
Anhang. 323
er megtig, og ſkall gifre Eder Naͤring og helbreed. Derſom
i troer og elsker ham og paakalder ham. Derſom i iche gioͤr
det de ſkall hand iche gifre Eder Lifvs oxhold, og naar i ere
fod, ſkall hand henkaſte Eder til Diefvelen udj Helvede. Lad
fee at i engang blifver klege og kaſter Saadan uduelig ting
fra Eder og troer allene paa Gud. Derſom i iche lader af at
hexe, de ſkall vipaa fud ſtningen ſlan Eder ihiell, og eydde
Eder udaf Jorden; thi Gud her befallet os at ſlae ſaada⸗
ne Angekut og Lögnere ichiell. Hvor til ſkall ſaadanne gal
ne Mſker, ſom iche troer paa G. deris Skabere, men troer
Diefveln fon ſkall pine dem i Helvede.
Deutſch.
.
And wie ihr ſchlechthin nichts zu ſagen wiſſet von Gotk
Und dem Schöpfer, fo waͤhlet ihr das andere aus das nichts
tauget. Ihr ſetzt euer Vertrauen auf das ſogenannte Ango⸗
achſach, und vermeinet, daß es was koͤſtliches ſey, und daß
derjenige, der es hat, werde geſund werden, und der Nahrung
nicht ermangeln, ſondern erlangen was ihr wollet, ſo wiſſet ihr
wohl, daß ein ſolches nichts tauge. Denn wozu ſoll das alte
Stuͤcklein Holtz, Knochen, Vogel⸗Klauen und andere derglei⸗
chen Lumpereyen mehr! Ihr ſehet ja, daß es nichts al e
und nicht kan heilen. Aber dennoch brauchet ihr es, weil!
von Gott nichts wiſſet. Er iſt derfenige allein der euch gem
ſuͤnd machet, wenn ihr france ſeyd. Und daß ihr Nahrung
habt, das koͤmmt alles von Gott. Ihr glaubet auch ſo euern
Angekut und Luͤgnern, ob ihr gleichwohl wiſſet, daß fie nichts
kaugen. Warum hexen dieſelbe nicht bey Tage, und wenn es
licht iſt, da wir es ſehen koͤnnen; aber weil ſie luͤgen, ſo hexen
fie alleine im Dunckeln, und alsdenn ſagen fie! Wir find im
Himmel geweſen und haben mit Tongarſuch geſprochen, aber
ſie luͤgen unverſchaͤmt; denn wir wiſſen genug, worauf dieſe
Luͤgner ſich verlaſſen. Siehe! der große Gott im Himmel
will nun nicht, daß ihr hexen ſolt, ſonſt wird er ſehr zornig
auf euch werden. Er will noch weniger, daß ihr den Anger
kut und Luͤgnern glauben ſollet. Sondern wenn ihr Leibes⸗
Nahrung erhalten wollet, oder ſchwachſſeyd, fo ſolt ihr bloß ale
lein zu Gott beten; denn er kan und will euch eure Nahrung
und Geſundheit geben. Wa e vertraue und en
1 | I
324 | Anhang.
ihn, und ruffet Ihn an. Wofern ihr dieſes nicht thut, ſo wird
er euch euren Leibes⸗Unterhalt nicht geben, und wenn ihr der⸗
einſt ſterbet, euch wegwerfen zu den Teufeln in die Holle. Laſ⸗
ſet ſehen, daß ihr einmahl klug geworden ſeyd, und werfet
ſolch unnuͤtzes Zeug von euch weg, trauet aber allein auf Gott.
Denn, wo ihr nicht ablaſſet vom hexen, ſo werden wir euch
zuletzt todt ſchlagen, und euch ausrotten von der Erben, in bes
tracht Gott uns befohlen ſothane Angekut und Luͤgner zu toͤd⸗
teu. Worzu ſollen ſolche naͤrriſche Menſchen, die ihr Ver⸗
trauen nicht auf G. ihren Schoͤpffer ſetzen, ſondern auf die
Teufel, die fie peinigen werden in der Hoͤlle? å
Groͤnlandiſch.
16.
Killac fonärfomic Nelloeuſo, tave atlenit ajorctut piſſarau-
fæ. Anchoachmut opperraraſe, Ifumaaräfe ajungilao tameitunic
pekartut kaitſiſſaput nekichſanic pekait ſaput. Sillackarruſe, nel-
lyffingi kalloacpiſe angoach ajutorſovoch, keſùch uttokarchfuach
Ungmiſſit Iſegei, Kuckei, tamaitunic atlemigto füuchfee ajormeta,
kaitſonec ajoaràut. Taimale piſſarauſe, Killac, ſenarſoc nelle cu-
ſiuo, Tauna ajungilac, Kaitfoarängeufe nekich fakarangeufe. Gu-
dimit kisſiet piſſaraut. Angekuf lo ſeigto torfuit opper rarase
nellongikal loåcpife ajnput faaogme Kävome tuogiſſaringilet tåve
teckon ajungilacpüt feiglemeta taafaranget tongiffaräut, raveoka-
luaraut, Tongarfumut okaluppaput, killacmut pyout,nellongilac- -
put feiglotörfuit. Aitta! Gud nallegärfuach pouna exignatorfu-
ach männa tongackungiläfe nıngackennoäfe. Augekutmutlo op-
peckungiläfe feiglokängera, ajorctommeta, nekichfanie pekangi-
ſaraugeuſe, nepachfimarangeufe Gudimut Kiſſiet tuchſièiſuſe.
Tauna ajungilac nekichſanie tynnyſſoaſe nepachfimarängeufe kat-
fifloåfe operrufe negkatigo. Tamainikuſe mekichfänic tynniſſin-
gilaſe, tocköife Tongarſumut egifléafe. Attäute! fillackarnia-
reitle aſorctut egiekit, Gudimut kiffiane opperreutſe. Tongia-
mic ſorangikuſe kefa tockys ſoärſe. Nunamit nungifloafe Gud
innemmetigut Angekut Tongarfutlo tockokullüit. Suchſacka in-
nuit tamaitut fillackängifut, Gud fenarfomic oppingiſut, Tongar-
iumucle kiffiane opperrarauùt, tauna ignameoyſloaſG.
\ i /
if 7
NE.
Anhang. 325
ce
GE NES EOS.
Ap. I.
lig ARE N
Siwilamic Cud fon Killac Nunalo.
Nunatog erov ‚archr pinneitſoarſuach taätorfovoch imae
nd Tave Gudib Anarfah Era imac kolane.
-
ag |
Guditog okarpoc: kamareit tave Katımapoe.
—
WE
Gid tekoå kåvoch ajungi forfuvoch. Gudicop kavoch
damit auvixapà.
v. 5.
Guditog kåvoch aitferpä ülloch, taächlo aitſerpà Un-
nuach täve urinupoc kaulupoclo ullogh Siurlech,
v. 6.
Gud okarpoc åmma : ne teffilarte : ya e. aus. N
2 ſonskrotznen) ermit auv ikilluo.
; É v. 7.
Tave ud æn teffiliach immane, - auvigåpoclo i imåc,
teſſiliach attane, immåmit teſſiliach kolane, tave tameipoc,
v. 8. h |
Guditog aitferpå teſſi Hach, Killac, täve unnupdc kau
lapoclo, ulloch aipa. |
v. 9.
"Gud okarpoc amma. Esmit killac attåne attauſimut
ekittarlit (i. e. laß verſammilet werden auf einen Hauffen.)
pennantoc nuiackulluo tàve tameiſſoc. 5
VO:
Guditog pennacrach aitferpa Nüna, kaufocfoch aitfer-
på imac. Gudirog teckoa ajungiforfüayoch. |
* 3 | v. II.
326 Re Anhang.
v. II.
ud W e amma : Iguit opiitlo Nunamit aglirlit,
läve tämeipoc (was kann geben ſaat und tragen fruͤchte
nach ſeiner Art ꝛc. muß vorbey gegangen werden, weil ich
bis dato noch kein Wort weis, daſſelbe ausgubeliehen.) /
V. I2.
Nuna mittog iguit opiitlo Brig ae God
top teckoà ajungiforfuvoch.
v. 3.
Unnupa Kaulapoclo ulloch pingajuvä,
; v. 14.
Gud okarpoc amma : Killac me Kiblarlit, ulloch uns
nuamit aurochlo okiochmit auvixilluit. (cer ward Licht
am Himmel, zu unterſcheiden Tag und Nacht, Sommer und
Winter; anders kann ichs noch nicht heraus bringen.)
V. If.
| Kiblakulhit killac me, Nuna mutrog kaumakulluit; å
tåve e 8 É
' vn. |
Gud fenoa Kiblürfuit marluc, Kiblarfoch —‚„
Kiblakülluo ullüme, Kiblarfoc DIS Kiblakulluo uns
miachme ulluereſitie
V. Ty. * 0 '
Gudicog Killiacme erer&tepei eee Bauen ee
V. 18.
Kiblakalluit ullukut unukatlo, auvixilluit tog kavoch
taämit. e teckoa ajungiſorſuvoch.
e
Tave unnuc poch Kaulapoclo ulloe ſiſſemj.
.
V. 20.
Gud okarpoc amma: Immane mtr amerleſorſuatt i
gurlit, Tingmifhllo 1 „ Nilas ee i
BARA ERE en
ud fenoa arbacfuit umarfutlo amarlekanet immåne,
| tingmirGele”, Gud 1 ejungiförfuvoch,
N |
v. 25 i
re ir
7
Anhang. Be 327
7
N V. 22. |
i Guditog velfigniei, okarpigeitog, amatleſorſuangaritſe
immane tingmirſitlo amarleforfuangaritfe Nuname, _
i V. % | i
Tavé unnupoc Kaulapoclo, ulloch tellim an.
5 A V. 24, I |
Sud, okarpoc amma: Nerxſutit amarlekaut Nunames«
lit umarſut atlemiclo fare tameipoe. | |
i i e
Guditog ſenoa nerſutit nuname Umarfutlo uvigich nu-
i name, (i.e. allerhand lebende Thiere; auf Erden,) Guditog
teckoä ajungiſorſuvoch.
f v. 26. 0
— Gud okarpoe amma : Seniagtatä} innuhmic Vagut ar-
ſignic, nattigak ulluo auliſauketmut immäne, Tingmirfit«
mutlo nerſutitmutlo umarſutmutlo tomarmic nuname,
Ir er V. 27. ; 3
Guditog fenoå inmich, Gud aſſingamic, Augut attaufe
agnah attauſe ſenei.
| V. 28. vi
Guditog velfigniei okalybbieitog, amarleforfuangaritfe
Nuname aulifauketmut, immane Tingmirſitmutlo. Killac |
attane, neffutit mutlo tomarmic nuname nalligaritfiich.
| | \
ag
- Gud okarpoc amma: Aitta iguit opiitlo namactut ty-
niarſe, måmac ſarſe (i. e. alle Kräuter und Holger, wovon
man eſſen kann) das uͤbrige kann ich den Worten nach nicht
aus druͤcken. | en
v. 30. 1
Neſſutit tomarmic nuname tingmirſitlo Killac atlane
atlemiclo umarſut nuname iguit mamangiſut, (i. e. Gras,
das von Menſchen nicht kann gegeſſen werden,) tyniacka
tavè tameipoc. f
j W 32.
Guditog tomarmic feniffei teckoei, aitta, tomafe ajuns
giſorſuaput, tave unnupoc Kaulapoclo ulloch arborec,
\
e
| EK 4 EVAN=
\ a 15 NA
328 a Anhang. | „
EVANGEL, IN FEST. ANNVNC IAT.
Luc. I. v. 26. ſe qq. ;
må
Ko arbonetigamet, Gud Engelip Gabriel ornickoå,
Galilæa Nazaretnut niviachfeifiamut Iofeph David il-
loanit uviachfarroliå. Niviachfeifiab acka Maria. Enge-
lip Mariamut ifarpoe okarbiatog. Aitta Gud nallegarſuach
paumna illigne&poc Agnanit ajungiffyſſootit. (i e. Du
ſollt werden herrlich vor andern Weibern,) Teckoamiuch
tuppakaü okauſia exiga immenut iſumavoch: Okalucta tau-
na konnoepä. Tave Engelip okarbia immenna; tuppaki-
nech Gud akſut neglikangätit (d. i. Gott liebet dich febr.)
Aitta, nartongyflodlit niangamic erniſſoòtit, aitſiſſoaet Je- N
ſus, tauna angitliſſooch Gudib niangatog aitfıflovoch. Gud
nallegarfuangiffokoa Jacob, Kittongeinut ipfaliome, Tauna
nallegarfuamic ifua kaifjugulach „T’ave Maria Engelip okar-
bia: Kannoc piflonüga uvia kanginnamä Ackyä okarbiatog
Gudib Anarfah tarreiſſoatit. Tave tauma eruet ajungifoch
(dein herrlicher Sohn) Gudib nianga aitſiſſooch. Aitta, Eli-
ſabettog illoet agnakoechfeifia, narfüvochlog Angumic,
tackama kaumet arbonengopoe nartuvoch nartungiſoch
unaraet. Gui tomarmic ajorſingimet. Tave Maria okam
; poc: Gud kibgaragma okågoit tamaikille, |
Engelip tave kimacpa,
. eo 98%
FFF
Regiſter.
A.
bra, wo er zu finden 214
Amianthgebirge, Grönländifge und Siehe 165
B.
Balanus |
Fe se warum ſie wieder aufgehoben werden 5 '
Fiſche in Grönland 184
LES Fiſche
Blut, ſcheuen die Fiſche 96
reen, fo das Waſſer über die Flaͤche der uͤbrigen See 5
15
Brot, ſtatt deſſen 4 0 hk die Ißl. Stockfiſch 110
Butzkopf | 225
Cachelotten 8 We 65 % 208
Clima, in Ißland e 115
Legal, Ißlaͤndiſcher 8% 01 19
RS haben die Handlung allein in Ißl. 132
Delphin 227
Donnerwetter, in Ißl. des SI ſtaͤrcker als uk Fame
Dorſch N 95
) E. j i: * | |
Ebbe SÅ Fluth, wie ſie in Ißland beschaffen? 114
„ wie in Groͤnland 164
Ei ahorn, verſchiedene Nachrichten von diefem Fiſche 2 01
Eis, wie lange es in Groͤnland dauert 162
Eistheilchen, erfüllen die Luft wie ein Nebel 162
Erobraͤnde . 8
F. 4
Falken, wie fie nach Daͤnemarck gebracht werden 4
Feuerſpeyende Berge .
Finnfiſch ) 106
!
| EN | 1
Fiſche, darnach werden die Rechnungen geführt 330
Fiſchhaͤfen und Steffen, | 129
Flackfiſch dr | ES
Gagates Be 21
Gemürhsbefchaffenheit der Ibläͤnder f 1265
Getraͤnke der Ißlaͤnder i 120
Grieve, kritiſche Betrachtung des Worts 219
Groͤnland, die erſten Dänifche Colonie daſelbſt 149
Groͤnlaͤnder, Nachrichten von ihnen 236
UArſachen warum fie fo friedlich unter einander leben
2 2
2 4 verachten die Daͤnen c a
» s wiffen von keiner Religion 0 eee
„„ Muthmaßung von ihrer Abkunft b 2283
Hamburger, haben s vor Sorten mig Ißland shi. 155 ;
Handlung der Groͤnlaͤnder ii |
Hayfiſch
Heering, Nachrichten von ihm und dem baue fd. . 1 5 |
Heimwehe der Ißlaͤnder
1 Ableitung des Worts si BL lg 125
en, der Ißlaͤnder | ee
der Groͤnlaͤnder UN MØG
1 5 Ableitung des Worts 123
Hoͤrner, Urſachen warum ſie dem Rindvieh in dünn man⸗
geln, da die Schaafe damit verſehen ind 34
I % HAR
Jagd der Grönländer . 261
Jahrszeiten, nur zwo in Ißland | e
Inſekten, was fuͤr welche in Ißland a e
leekel, Ieckul Ißl. we BE
Joͤtelgut 5 j
Srrlichter, haufig im Winter
Ißfland, Lage und Groͤße
Bland, ift nicht ſonderlich bewohnt
dem Erdbeben unterworfen
voll Schwefel
| „ ?
Regſſer
R. |
Kablau, Nachrichten davon 74
Kälte, die groͤſte erſt im Aprif i „ * Mar ;
Kinder, deren Alufersiehung in 100 5 117
mere der Ißlaͤnder | 121
Klippfiſch | vol 88
Knotenfiſch 201
Koͤhler, Koolfiſch e e a 91
Kraͤuter, heilſame in Ißland fg 286
Kranckheiten, wenige in Island 116
E | |
Labberdan 86
Lachſe, wo fie in land gefangen werden 106
Laſter der Ihlaͤnder | 136
Lenge 387
M.
Maaße find in SEI. auf den Hamburgiſchen Fuß gerichtet 132
Maͤuſe, ſterben auf dem Gottesacker des Kloſters We 107
Makrele 94
Mallemucke, Beſchreibung einer lebendigen 177
Marmor ſoll in Ißland zu finden ſeyn 18
Meerhund j 13
Meerſchwein 5 Ben. 401 226
Mineralien in Ißland ä an 85
Muſik, der Groͤnlaͤnder
warum die Menſchen ſie natürlicher Brig laben 266
5 N. |
Narhwal 201
Nebenſonne | ze ah 128.104
Nordcaper rl ig 96. 193
Nordlicht | 5 102
| EN
Pflockfiſch a 200
Politiſcher Zuſtand der Groͤnlaͤnder 269
i G. å |
Ovellen, heiße ikk . 170
Raf, woraus er gemacht werde ) | 94
Rechte in Ißland AM 1 139
Regiment der planen
Rue ”- 77 ER
Rekel, woraus er gemacht werde eee
Religion, fo in Ißland geduldet wird ee
ihr Zuſtand nm land Mee AAL EN. 7
Robben | | et. I
Wehſchäer | „ e an ee
Seat Art ſie in Ißland zu erhalten e
Schell fiſch | 89
Schlangen, warum keine in Illand ſind en 106
Schwefel, zeln de d. che | 23
vertreibt die Fiſche | 728
Schwertfiſch 228
See, entſteht ſtatt eines verſ. Berges, wobey sagte e dg an⸗
derer vertrocknet 6
See, 10 fil jährlich entzündet 1% e
Seebu | 5 5 105
Seechen | MER ” 199
Seehunde 8328
Seewaſſer, bey Ißland ovale al fiefer herunter 114
Sonne, wenn ſie in Ißland nicht untergeht 108
iſt in Groͤnland auch am fürgofen age u ſchen 163
Speiſen der Ißl. Art, ſie zuzurichten e
Sperma ceti, wo zu finden 210. 212
Sprache, Anmerckungen von der Ißlaͤnd. 140
Grenläntiſchen 2238
Steine, werden in warmen Laͤndern haͤrter a 18
Sterne, einige fo den Groͤnlaͤndern bekannt 264
Stockſiſch „
Thiere in Grönland ; 170
Thran, kritiſche Beach dieſe Worts 99
Arten deſſelben AO 2
dienet ſtatt des Unſchlits, jur
Todten, werden von den Geonfanpeen für unrein ann
Tummeler NE, i pr
' V, 8
Veckſtern 8 169
Vlaaren, Ableitung des Werts BE
Voͤgel, in Ißland 40. u. f.
in Groͤnland ns 12
| | w.
1
Regiſter.
W. |
Waaren, ſo in Ißland aus⸗ und eingehen | 13t
Wagenſchot, Bedeutung des Worts 12
Wallfiſch, was ihn von andern unterſcheidet 186
Arten deſſelben nebſt verſchiedenen andern Nachrich⸗
ten von ihm 188. u. f.
Waufiſchfang, wie ihn die Groͤnlaͤnder verrichten 260
warum die Holländer beſſer dabey fortkommen
. als die Daͤnen 154
Wallfiſchtödter 1 | 229
Wallroß i | 230
Weichſtein Ss AR 169
Winde, deren Befchaffen heit in Ißland 113
Wittfiſch e ; 224
Wittling 89
Wohnungen der länder VW 122
ERRAT A.
Pag. 148. lin. 8 det ganze Grønland, muß heißen det
Gamle Grønland. muß heiß
P. 151. im IV g. lin. 3 vor 60 io muß ſtehen 67 er
/
7
7 PT
BR
ee N ASS *.
55 8
AF
7 0
Mana 17
N
SE x Se
EN
DRE
HEE
y